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Pflegekammer- es geht voran... wenn wir es denn wollen

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    Moin zusammen!
    Ich kann die allgemeine Ablehnung der Pflegekammern nach wie vor nicht verstehen und nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist das wirklich langfristig die EINZIGE Möglichkeit, um über die Politik auf dauer der Pflege einen anderen Status zu verleihen. So, wie es jetzt ist, ist es ein einziger Kuddelmuddel bestehend aus gaaaanz vielen, gaaaanz wichtigen Leuten, die alle gaaanz schlaue Sachen zu vermelden haben, aber nichts wirklich bewegen! Zugegeben, die Pflegekammer in Nds.hat so ziemlich alles falsch gemacht, was irgendwie ging. Dennoch sehe ich in den Pflegekammern die Einzige Chance dauerhaft ein Sprachrohr für die Pflegenden zu werden

    Kommentar


      Pflegekammer! Pro? Kontra? Ja oder Nein? Dafür oder dagegen?

      Das ist nicht einfach zu beantworten. Insgesamt sieht es in der BRD nicht rosig aus für die Idee. In anderen Länder ist die Pflegekammer längst akzeptiert und implementiert. Ob es dort gleich, besser oder schlechter für die Patienten / für die Pflegende ist, kann nur der beantworten, der entweder dort war oder betroffen ist.
      Das Hauptargument Pro Kammer bedeutet politische Mitsprache. Das Ziel ist eine zunehmend autonome Praxis, zumindest auf dem Weg zu mehr Autonomie im Pflegeberuf. Die Autonomie ist meiner Meinung nach durchaus vorhanden, es wird nur vertuscht. Bsp: was ich alles als Fachkrankenschwester I&A tue, und was davon gewürdigt wird = positiv sanktioniert (überhaupt laut ausgesprochen!), dh es geht bis zum „Honorar“ dafür.

      Ich würde von der Pflegekammer hier in den ersten Jahren nicht zu viel erwarten, ich glaube, es braucht mehr Zeit. Nicht weil ich es den Pflegenden in der Kammer auf Dauer nicht zutraue, sondern weil die Widerstände so groß sind. Dafür gibt es viele Gründe, z.B. historische gewachsene Strukturen, die nicht bereit sind für eine Pflege, die den Mund aufmacht. Nicht nur auf Station, oder im Forum, sondern politisch laut wird und die Erlaubnis besitzt, sich selbst zu organisieren und zu kontrollieren.

      Letztendlich geht der Kampf um die Meinung der Kundschaft, in diesem Fall die Patienten / Klienten / Bewohner. Eine Gesellschaft erkennt den Wert einer Dienstleistung, in diesem Fall „Pflege“ und ist bereit die „professionellen“ entsprechend zu entlohnen, zu ehren, ihnen autonome Praxis zu zugestehen. Das geht nur, wenn die Dienstleister entsprechend sehr gut geschult sind in ihrem Fach, in der Praxis nach besten wissenschaftlichen Standards arbeiten, gute Kommunikatoren sind, eine ausgeprägte „gute Ethik“ leben in der Praxis u.a. Es geht nicht mehr um was in welcher Schicht gemacht wird, es geht um den einzelnen Patienten, darum was „pflegerisch nötig ist“ und was ihm zugutekommt. Was ein pflegerisches Assessment ergeben hat. Es ist schwer, den „Pflegeprozess“ umzusetzen, wenn ein Team immer am Limit arbeitet und an Unterbesetzung leidet. Ich will gar nicht von Ausbildung / Fortbildung / Weiterbildung der Einzelnen Dienstleister sprechen. Ich meine damit Qualifikation, nicht Anzahl der Köpfe und Hände.

      Eine Pflegekammer soll die Praxis der Examinierten definieren und kontrollieren, d.h. Überwachung der Einhaltung der Berufspflichten und Normen. Damit der Patient immer die best-mögliche /evidenz-basierte Pflege erhält. Es geht danach nicht um die Pflegende selbst, sondern um die Empfänger. Das macht hier Unmut, den die erste Frage ist: Was springt für mich dabei heraus? Fragen wir, was bringt es für die Patienten? Haben sie Vertrauen? Grund zum Vertrauen in alle Pflegekräfte, nicht nur um eine, die zufällig positiv auffällt? Kann er immer gute Versorgung erwarten? Ist das dem Zufall überlassen? Dürfen Pflegende an den Normen vorbei arbeiten, ohne jegliche Kontrolle? Ohne jegliche Sanktion? Es geht um Selbstkontrolle. Jeder kann sich fragen, ob er Selbst -oder doch lieber Fremdkontrolle möchte.


      Aber, wenn ich meine Kundschaft „gut bediene“, gibt es doch irgendwann „Profit“, nämlich Anerkennung für eine gewünschte, nützliche, sinnvolle, nötige, gesundheitsunterstützend, Komplikationen vermeidende, manchmal lebenserhaltende Dienstleistung. Berufe, die solche wertvolle Dienste leisten werden idR von einer Gesellschaft anerkannt und entsprechend positiv sanktioniert. Eine Pflegekammer in der BRD muss zunächst Widerstände, historische gewachsene Fehlinterpretationen von „was ist Pflege“ überwinden. Sie muss gegen Außen kämpfen – es gab und gibt starke Kräfte, die die Pflege nicht aufsteigen lassen wollen. Das geht nicht ohne TOP Ausbildung, Fort- und Weiterbildung, Studiengänge. Dazu sind Pflegehochschulen nötig sowie Pflegeforschung. Nicht zum Selbstzweck, sondern immer um die Pflege für den einzelnen Patienten auf top-niveau zu leisten. Das geht nicht wenn die Ausbildung hinkt, wenn Praxisanleitung nicht stattfindet wie festgelegt. Das geht nicht wenn permanente Unterbesetzung und unfreundliche Arbeitszeiten herrschten Das geht nicht wenn die Entlohnung nicht berauschend ist….usw..

      Hier kommt die Aufgabenteilung, für was eine Gewerkschaft zuständig ist oder ein Berufsverband. Oder eben eine Kammer? Ich bin mit Verdi zufrieden, auch mit der Arbeit verschiedener Berufsverbände, aber, wie Tempo sagt, es ist ein Kuddelmuddel. Der Eine jagt dem Anderem die Stimme ab, es gibt Kämpfe um die Mitglieder. Durch das Kuddelmuddel bleibt der Pflegeberuf auf der Strecke, wie bisher. Und dieses Mal ist der Schlag, der die politische Mitbestimmung tötet, nicht von Außerhalb, sondern aus den eigenen Reihen. Wie so oft, leider.


      WomBat, Liebe Pflegende, so werd das Nix.


      Zum Vergleich:

      Ärztekammern/Landesärztekammern
      ...
      Im Vordergrund der Kompetenzen der Ärztekammern/Landesärztekammern steht die Überwachung der Einhaltung der Berufspflichten und Standesnormen.

      Ferner sind die Landesärztekammern für die Bereiche Weiterbildung sowie Fortbildung zuständig.
      Jede Landesärztekammer hat ihre eigene Weiterbildungsordnung, die für die jeweiligen Mitglieder rechtlich bindend ist.

      Ärztliche Organisationen und Verbände (bundesaerztekammer.de)
      Zuletzt geändert von WomBat; 08.04.2021, 23:06.
      Pflegefachkräfte sind nicht teuer, sie sind unbezahlbar!

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        Leider. Zutiefst enttäuschend.
        https://www.pflegekammer-rlp.de/inde...achkommen.html

        WomBat

        Pflegefachkräfte sind nicht teuer, sie sind unbezahlbar!

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          Moin WomBat!
          Danke für das wirklich tolle Statement! Ich denke allerdings, daß sich all die Dinge über eine Pflegekammer gut organisieren und lenken ließen! Ich bin auch der Meinung, dass Pflegekammer und Gewerkschaft gemeinsam viel auf die Beine stellen könnten, beide haben ja jeweils völlig verschiedene Aufgaben!

          Kommentar


            Neulich gelesen: Pflege: Weg zur berufspolitischen Selbstbestimmung bleibt lang (aerzteblatt.de)

            WomBat
            Pflegefachkräfte sind nicht teuer, sie sind unbezahlbar!

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