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aktuelle Mundpflege

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    aktuelle Mundpflege

    Moin!
    Auf Station ist eine Diskussion um die Mundpflege und dafür verwendete Produkte entstanden. Deshalb bräuchte ich eure Hilfe. Wie sieht die aktuelle Mundpflege bei Beatmungspatienten aus? Antibakterielle Mundspüllösungen trocknen die Schleimhäute;aber was dann zur Prophylaxe beatmungsassoziierter Pneumonien? Wie häufig macht ihr Mundpflege bzw. Rachenspülungen? Was für Flüssigkeiten können aus hygienischer Sicht verwandt werden. vielen Dank

    #2
    AW: aktuelle Mundpflege

    Hallo!

    Wir machen Mundpflege alle 4 h. (bei beatmeten). Chlorhexamed verwenden wir da zum Großteil. Ja, das trocknet die Schleimhäute sehr aus, was ich dann gern noch mach ist, dass ich eine kleine Menge Oleovit (heißt das bei Euch in Deutschland auch so?) direkt in den Mund schmiere. Bei einem wachen Patienten kann man das natürlich nicht machen.

    Ansonsten ist Cional bei uns recht gebräuchlich, je nachdem wie der PAt. im Mund ausschaut, kommt dann halt Bepanthen Lsg. oder sonst was rein.

    LG
    wieder hier....

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      #3
      AW: aktuelle Mundpflege

      Zitat von tommi
      Moin!
      Wie sieht die aktuelle Mundpflege bei Beatmungspatienten aus?
      In Reutlingen wurde schon ausführlich darüber diskutiert.

      http://www.zwai.net/pflege/Weiterbil..._Spezialtuben/

      oder hier:
      http://www.ot-forum.de/OT/split2003/ot2003.582-586.pdf

      oder da:
      http://forum.zwai.net/showthread.php?t=1308
      Rolf Dubb
      Landesbeauftragter DGF
      Baden-Württemberg

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        #4
        AW: aktuelle Mundpflege

        Hallo,

        Mundpflege sollte etwas individuelles sein.
        Ich frage die Angehörigen immer nach Vorlieben z.B. Lieblingstee oder ähnliches.
        Dann kommt es immer auf den Patienten an, ist er z.B. hämatologisch erkrankt nehme ich dann auch nur antibakterielle Mundspülösungen.

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          #5
          AW: aktuelle Mundpflege

          Problem: unzureichende Entfernung des Biofilms
          Ursache: physiolog bedingt werden in der obersten Schleimhautschicht kontinuierlich Zellen abgestoßen die eigentlich mit der Nahrung verschluckt werden
          Verbindung dieser Zellen mit Speichel = Biofilm
          Symptome:
          Belege Mundschleimhaut und Zunge
          Plaque an den Zähnen

          Problem: Pneumonierisiko erhöht
          Ursache: unzureichende Entfernung des Biofilmes- dieser bietet einen idealen Nähboden für patholog. Keime
          Symptome: Foetor ex ore?

          Was will ich erreichen?
          Tabula rasa: residente und transiente Keime töten bei Nichtbeachten der Physiologie
          Oder: Wiederherstellen und Erhalten der physiologischen Parameter im Mund

          Elisabeth

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            #6
            AW: aktuelle Mundpflege

            Hallo!
            Das eigentliche Problem ist,das gesagt worden ist Hexoral etc. wäre völlig veraltet in der Mundpflege. Vor allem in Bezug auf beatmungsassoziierte Pneumonien. Eure Links haben mir allerdings schon sehr weiter geholfen.Grundsätzlich verfolgt man bei der Mundpflege ja das Ziel,die physiologische Mundflora zu erhalten bzw.wieder herzustellen.

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              #7
              AW: aktuelle Mundpflege

              Dann reinge mechanisch unter Benutzung von Zahnpasta. Damit reduzierst du die Belege als Grundlage der Keimvermehrung. Zusätzlich macht Meridol Sinn- es ist auf die Erhaltung der physiolg. Mundflora abgestimmt.

              Elisabeth

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                #8
                AW: aktuelle Mundpflege

                Also wir nehmen zur Zahnreinigung Zahnpasta, für den Mund meist Chlorhexamed oder Panthenol Lösung.

                Ich bin aber grad die "Toothette" am testen. Ist ganz vielversprechend, aber eigentlich viel zu teuer (3,80€/Stück)
                http://www.tapmed.com/hygiene/sage/ioralcare.asp.htm

                Kommentar


                  #9
                  AW: aktuelle Mundpflege

                  Hallo an alle,

                  der Aspekt einer respirator-assoziierten Pneumonie ist nicht zu vernachlässigen. Aus diesem Grund erfolgt bei uns in der Klinik die Mundpflege mit Chlorhexidin-Lösung. Zähneputzen ist bei entsprechendem Zahnstatus eh obligat. Die antibakterielle Wirkung von CHX ist ja hinreichend nachgewiesen, in Bezug auf eine Minderung der Pneumonierate gibt es einige Übersichtsarbeiten mit jedoch unterschiedlichen Resultaten.
                  Ebenso richtig, dass bei der Anwendung Nebenwirkungen entstehen, die jedoch bei uns in Kauf genommen werden. Zahnverfärbungen sind da eher noch ein kosmetisches Problem.

                  Alternativ teste ich mit einem Kollegen die Wirkung von Octenidol als Wirkstoff, welcher bereits in Schleimhautdesinfektionsmitteln im Einsatz ist (mache jetzt hier keine Firmenwerbung... )

                  Grüsse!
                  Martin

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                    #10
                    AW: aktuelle Mundpflege

                    Bis heute stellen CHX-haltige Produkte, aufgrund Ihres breiten Wirkspektrums, der lange anhaltenden Retention im Mund, sowie der geringen systemischen Toxizität den Goldstandard dar, wenn es gilt, das Wachstum und die Biofilmbildung aller Mundhöhlenkeime unspezifisch zu unterdrücken (RUPPERT & SCHLAGENHAUF 2004). Daher finden sie in der Zahnmedizin in vielen Bereichen Anwendung:
                    Zur Hemmung supragingivalen Bakterienwachstums,
                    als Ergänzung bei subgingivalem Scaling,
                    zur Unterstützung der täglichen Mundhygiene,
                    zur Gingivitisreduktion,
                    zur Therapie oraler Candida-Infektionen,
                    als desinfizierende Einlage in der endodontischen Therapie und nicht zuletzt
                    zur Bekämpfung von Halitosis.

                    Aufgrund ihres ausgeprägten kationischen Charakters können sich CHX-Moleküle an anionische Phosphatgruppen der bakteriellen Zellmembran, reversibel elektrostatisch binden (DAVIS 1973) und somit die Integrität der Zellwand stören. In Folge dessen kommt es zur Erhöhung der Zellwandpermeabilität, Ausfällung des Zytoplasmas und somit zu Zelllyse und -untergang (JONES 1997, HENNESSEY 1973, KUYYAKANOND und QUESNEL 1992).
                    Durch diese Haftung auf Schleimhäuten, Zähnen und bakteriellen Biofilmen erlangt CHX eine hohe Substantivität und Wirkdauer (RUPPERT und SCHLAGENHAUF 2004).
                    ...
                    Neben all den Vorteilen des CHX wird auch über unerwünschte Wirkungen, wie
                    oberflächliche Abschilferungen der oralen Schleimhaut, Geschmacksirritationen,
                    braune Verfärbungen der Zähne und Zunge und
                    vermehrte Zahnsteinbildung
                    berichtet (FLÖTRA et al. 1971, HEPSO et al. 1988). Ebenso wurde Chlorhexidin in Zusammenhang mit allergischen Reaktionen vom Soforttyp, als auch vom Spättyp,gebracht (BERGQVIST-KARLSSON 1988).
                    ...
                    Aufgrund dieser Nebenwirkungen empfehlen einige Autoren CHX als Gel oder
                    Mundspüllösung nur über kurze Zeiträume anzuwenden, beispielsweise zur
                    Sicherung der Diagnose (SEEMANN 2000, JECKE 2002).
                    http://edoc.ub.uni-muenchen.de/8638/...n-Frederik.pdf S.33
                    Und nun stellt sich die Frage: welchen konkreten Keim bearbeiten wir da eigentlich in der Mundhöhle?
                    Ist es die kontaminierte Mundhöhle, die zur Pneumonie führt- oder ist es eine andere Ursache. Inwiefern erfolgt die Kontamination der Mundhöhle? Gibt es hier Möglichkeiten präventiv wirksam zu werden? Agieren statt reagieren.

                    Elisabeth

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                      #11
                      AW: aktuelle Mundpflege

                      "Und nun stellt sich die Frage: welchen konkreten Keim bearbeiten wir da eigentlich in der Mundhöhle?"

                      M. E. geht es nicht allein um die Qualität, sondern auch um die Quantität der mikrobiellen Besiedelung in der Mundhöhle.

                      "Ist es die kontaminierte Mundhöhle, die zur Pneumonie führt- oder ist es eine andere Ursache."

                      Sicher, sonst würde ja keine keimreduzierende Mündspülung durchgeführt. Es gibt sicherlich auch andere Ursachen, die zur Pneumonie führen: Aspiration, Atelektasen...

                      "Inwiefern erfolgt die Kontamination der Mundhöhle?"


                      Die Mundhöhle ist immer kontaminiert. Durch mangelnde Mundpflege und fehlende Nahrungs-und Flüssigkeitszufuhr steigt nur der Kontaminationsgrad.

                      "Gibt es hier Möglichkeiten präventiv wirksam zu werden? Agieren statt reagieren."

                      Die Prävention ist eine gute Mundpflege!

                      Martin

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                        #12
                        AW: aktuelle Mundpflege

                        Nach deiner Aussage müsste jeder Mensch eine Pneumonie bekommen. Tut er aber nicht.

                        Mundflora
                        engl.: mouth o. oral flora; natürliche Ansiedlung vielzähliger (106/ml Speichel) und -fältiger Mikroorganismen (oftmals ausschließlicher Standort zahlreicher spezifisch angepasster Bakterienarten) auf den Zähnen, in der Mund- und vorderen Rachenhöhle. Hauptfunktion der M. ist der Schutz des Körper vor Krankheitserregern. Zwischen den einzelnen Keimen der Mundflora herrscht in einer gesunden Mundhöhle ein biologisches Gleichgewicht. Häufig haben die Bakterien der M. an ihrer Oberfläche Strukturen, die sie befähigen, sich einerseits mit Rezeptoren an Zellen und Zähnen festzuheften ( Streptococcus mutans) oder andererseits mit Oberflächenstrukturen von diversen Bakterien zu interagieren (Zucker-Protein- oder Protein-Protein- Interaktion). Auf diese Weise werden sie immobilisiert und können als Mischpopulation Biofilme und Mikrokolonien bilden.
                        Die M. dient u. a. zur Verdauung, dem Gewebeschutz sowie der Stimulierung unspezifischer Abwehrfaktoren ( Immunsystem). Die normalerweise nicht krankheitserregenden Mikroorganismen können bei Störungen des biologischen Gleichgewichts, z. B. bei Antibiotikazufuhr, übertriebenen Mundhygienemaßnahmen oder Schwächung des Organismus durch Krankheit, Erkrankungen hervorrufen, welche ihren Verlauf meist in der Mundhöhle nehmen.....
                        Speichel
                        ...
                        Abtötung von Bakterien:
                        Diese Speichelfunktion, welche bei Tieren gebräuchlich ist ("Auslecken von Wunden"), ist beim Menschen nicht so stark ausgeprägt; immerhin sind 100 Millionen Keime pro Milliliter Flüssigkeit im Speichel vorhanden:
                        Wichtigster Speichel-Antikörper ist das sekretorische IgA (sIgA), welches in den Körpersekreten wie Speichel, Tränen, Nasenschleim, Tracheobronchialschleim, gastrointestinalen Sekreten, Muttermilch und Kolostrum vorkommt; Neugeborene und Säuglinge werden über die Muttermilch mit sIgA versorgt und sind so gegenüber gastrointestinalen Infektionen passiv immunisiert. sIgA- Antikörpere binden und neutralisieren Antigene so früh, dass sie nicht in den Wirtsorganismus eindringen können.
                        Die antibakteriellen Substanz Lysozym (Enzym, Mucopolysaccharidase, kann bestimmte Kohlenhydratketten spalten) beschädigt die Zellwände bestimmter Bakterien.
                        Laktoferrin bindet Eisen und verhindert so, dass sich eisenabhängige Bakterien - z.B. das Coli-Bakterium - in der Mundhöhle ansiedeln können.
                        Weiter wird dem Rhodankalium eine fragliche und
                        neuerdings auch der Eiweißverbindung SLPI eine gewisse Heilwirkung zugeschrieben. Die den sog. Mutinen nachgesagte Wirkung ist bisher wissenschaftlich nicht abgesichert.
                        http://www.zahnwissen.de

                        Das Argument: ich handle... aber ich weiß nicht warum- ist typisch für die Pflege. So entstehen die vielgeliebten Pflegemythen: es war, es ist so und es wird immer so sein.

                        Elisabeth

                        Kommentar


                          #13
                          AW: aktuelle Mundpflege

                          "Nach deiner Aussage müsste jeder Mensch eine Pneumonie bekommen. Tut er aber nicht."

                          Das habe ich nicht behauptet.

                          "Das Argument: ich handle... aber ich weiß nicht warum- ist typisch für die Pflege. So entstehen die vielgeliebten Pflegemythen: es war, es ist so und es wird immer so sein."

                          Ich weiss nicht, wie es Dir geht, aber ich handle, weil ich weiss warum. Alles ganz wunderbare Definitionen, nur wem nützen die, wenn man daraus nichts ableiten kann?

                          Mundflora und Speichel, 2 ganz wesentliche Faktoren, richtig!
                          Was ist denn im Vergleich zu einem beatmeten Patienten anders als bei einem Gesunden? Er kann nicht essen und trinken!

                          Daraus folgt:

                          Kein Essen, kein Trinken --> geringere Speichelproduktion --> geringere antibakterielle Wirkung --> Mundflora nicht mehr im Gleichgewicht, Zunahme der Bakterienzahl

                          häufig geschwächtes Immunssystem --> reduzierte Immunabwehr --> Verstärkung der mikrobiellen Dysbalance in der Mundhöhle, in geringer Zahl harmlose Keime entwickeln nun bei entsprechender Vermehrung ein pathologisches Potenzial, sprich können Krankheiten auslösen, eben auch eine Pneumonie, wenn sie in den Respirationstrakt gelangen.

                          Kein Mythos, sondern eine Tatsache...

                          Martin

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                            #14
                            AW: aktuelle Mundpflege

                            Nach deiner Aussage müssten alle Pat. mit einer enteralen Ernährung über PEG u.ä. eine Pneumonei bekommen. Sie nehmen oral keinen Nahrung zu sich.

                            Die Speichelproduktion in Ruhe beträgt etwa 1,5 l pro Tag.

                            Eine Vermehrungsgrundlage finden patholog. Keime in den Belegen an Schleimhäuten, Zunge, Zähnen. Wie die entstehen, habe ich weiter oben schon beschrieben.

                            Ergo: Mechanische Reinigung, ergänzt durch ein mildes Desinfizienz-wie Meridol- ist durchaus ausreichend... auch im Sinne des Erhaltes des "Ökosystems" Mundhöhle.



                            Bleibt die Frage: Warum benutzt du CHX-haltige Produkte in der Routine? Welche Keime sollen da konkret beseitigt werden?

                            Elisabeth

                            PS Zitate werden durch die Eingabe von
                            am Anfang des Textes und
                            am Ende des Textes sichtbar gemacht. Ganz schnell gehts mit: Text markieren und anklicken des entsprechenden Icons (Reihe oberhalb des Eingabefeldes ganz rechts)

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                              #15
                              AW: aktuelle Mundpflege

                              Zitat von Elisabeth
                              Nach deiner Aussage müssten alle Pat. mit einer enteralen Ernährung über PEG u.ä. eine Pneumonei bekommen. Sie nehmen oral keinen Nahrung zu sich.

                              ....Ergo: Mechanische Reinigung, ergänzt durch ein mildes Desinfizienz-wie Meridol- ist durchaus ausreichend... auch im Sinne des Erhaltes des "Ökosystems" Mundhöhle.
                              ...Bleibt die Frage: Warum benutzt du CHX-haltige Produkte in der Routine? Welche Keime sollen da konkret beseitigt werden?
                              Na auf Intensivstation ist das ja auch nicht so ungewöhnlich...eine VAP bekommt zwar nicht jede(r) Patient...aber auch nicht keiner und dann wird es durchaus teuer...

                              und CHX wird kontrovers diskutiert, aber die Evidence von Meridol hätte ich auch gerne gesehen;-)

                              Literatur in der Intensivpflege zur Mundpflege ist doch etwas dünn...
                              Bontem M. Am J respir Crit Care Med, 2007 ist ne kleine Ausnahme

                              so long arnold

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