PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Befragung zur Umweltgestaltung



Peter Nydahl
15.09.2004, 21:23
Moin moin zusammen

Auf unserer neuen neurologischen Intensiv mit 12 Betten (davon 6 Stoke) befragen wir zur Zeit die ansprechbaren, sehenden Patienten, wie die neuen Räumlichkeiten auf sie wirken und stellen ihnen dann eine Reihe von Ideen vor, wie die Patientenzimmer gestaltet werden könnten (z.B. Bilder, farbige Glühbirnen, Baldachin usw.). In einigen Wochen hoffen wir so, repräsentative Ergebnisse zu erhalten.
Das Neue ist dabei, dass wir den Patienten eben keine "visuellen Stimulationen" vorsetzen, sondern sie zunächst einmal über (durchaus bekannte) Ideen abstimmen lassen. Das Ganze im Rahmen der Patientenzufriedenheit, Kundenorientierung usw....

Mich interessiert, ob die Patienten in anderen Intensivbereichen eine ähnliche oder eben ganz andere Sichtweise zeigen. Wer hat also Lust / Zeit / Interesse, bei sich auf Station eine ebensolche Befragung -vielleicht im Rahmen einer Facharbeit - zu machen ?
Grüße
Peter

Hanno H. Endres
30.09.2004, 23:52
Hallo Peter.



Mich interessiert, ob die Patienten in anderen Intensivbereichen eine ähnliche oder eben ganz andere Sichtweise zeigen.

Kleiner, halbwegs aktueller Link zu dem Thema:

A.K. Liedtke: Farbpsychologische Gestaltung auf Intensivstationen, in: Plexus 2/2004, 65-68. Pabst Publishers (http://www.anaesthesie-intensivmedizin.com/461.0.html)

Schönen Gruß,

hhe

PICCOlina
02.10.2004, 19:06
Oh je, da sind wir noch allertieftes Entwicklungsland :o Alles ist irgendwie gelblich gestrichen :( Und das Licht ist furchtbar. Tageslicht kommt auch nur verfälscht rein, da die Scheiben mit einer "Spiegelfolie" beklebt sind. Das ist prima, wenn sich desorientierte Patienten in der Scheibe spiegeln! Also Vorhang zu. In dieser Umgebung aufzuwachen ist bestimmt nicht schön.
Leider habe ich nocht nicht genug Mitstreiter gefunden, um was zu ändern. Das wäre ja auch mit hohen Kosten verbunden.
Wenn du kannst, schreibe doch mal auf, was sich unsere "Kunden" so vorstellen. Habt Ihr einen kleinen Fragenkatalog erstellt, oder wie erhebt Ihr die Daten? Wenn wir nach den gleichen Kriterien vorgehen, können wir doch wirklich mal vergleichen. Wir haben viel jüngeres "Klientel", da Haematologie.
Das könnte wirklich interessant werden. :)

Gruß PICCOlina

chrischi6660
03.10.2004, 13:06
Hallo,

ich habe mir gerade den von Hanno H. Endres empfohlenen Link angesehen und muss sagen, dass ich einige Interpretationen des Autors nicht verstehen kann. Ein Zimmer mit einer von bunten Quadraten bemahlten Zimmerdecke soll Ruhe ausstrahlen? Da habe ich auf unserer Intensivstation andere Erfahrungen gemacht. Ich denke solch eine Decke macht unruhig und bei Deliranten z.T. auch agressiv. Die vielen kleinen Piktogramme entwickeln sich bei Deliranten und in der Aufwachphase befindlichen Patienten zu krappelnden Spinnen und anderen kleinen Tierchen und verbreiten daher mehr Angst als Ruhe u.s.w..
Auf unserer alten ITS hatten wir mal ein Frosch an die Decke gemahlt mit einer Sonne und einer kleinen Fliege, das Bild war sehr groß und befand sich in einem Einzelzimmer für Kinder. Da wir selten Kinder als Patienten haben, war es häufig mit Erwachsenen belegt und das Bild hat mehr als einmal Angst und Schrecken bei ihnen ausgelöst.
Ich selber habe mit meinen jungen Jahren schon einmal 4 Tage auf unserer Kardiologischen Wacheinheit gelegen :mad: und musste stramme Rückenlage einnehmen. Vom Bett aus konnte man auch nicht aus dem Fenster schauen bzw. hat nichts gesehen weil es die 9.Etage war, also habe ich 4 Tage auf das einzige Bild im Zimmer gestarrt :eek: . Es war ein Bild vom Ostseestrand mit vielen großen Steinen(ich wollte sie mehrmals zählen, habe aber nie durchgehalten) in denen ich schon bald verschieden Muster erkannte die meine Freundin nicht nachvollziehen konnte.
So jetzt werde ich mal zum Abschluß kommen: Ich würde immer empfehlen die Zimmer in einer höchsten 2 warmen Farben zu streichen. Bilder oder Muster wirken auf jeden Patienten anders, deshalb würde ich bei der Zimmergestaltung auf sie verzichten und den Patienten lieber jeden Tag ein neues Bild oder Muster hinhängen(gleich mit Datum drauf, für die zeitliche Orientierung), das macht flexibler! Bravo

MfG

Chrischi :five:

Hanno H. Endres
03.10.2004, 13:17
Hi Chrischi.

Sehe ich recht ähnlich.

Die Problematik an sich hat Frau Dipl.-Psych ja gut erkannt:


Intensivpflichtige Patienten befinden sich in einem physischen und psychischen Ausnahmezustand. Sie verlieren meist schon nach kurzem Aufenthalt das Gefühl für Tag und Nacht, erleben soziale Isolation und Ängste, evtl. Wahnzustände. Bei längerer Liegedauer können Patienten die Motivation zur Kommunikation und Genesung verlieren. Um die Problematik abzumildern, haben Dipl.-Psych. Anne Liedtke und KollegInnen die Räume der Intensivstation in der Universitätsklinik Halle farblich neu gestaltet.

Wie genau sie dann aber auf die "Pictogramme" usw. gekommen ist, um den wahrnehmungsgestörten Patienten zu beruhigen, ist mir ein ein ziemliches Rätsel.

Die eher wohnzimmermäßig gestalteten Flure und Wände ich noch halbwegs OK, aber was sie sich dabei wohl gedacht hat:

http://www.anaesthesie-intensivmedizin.com/uploads/pics/07.jpg

Schon mit meiner - wie ich finde - halbwegs ungestörten Wahrnehmung ;) kann ich da eine ganze Menge Unsinn hineininterpretieren ...

Schönen Sonntag,

hhe

Peter Nydahl
03.10.2004, 19:30
Hallo Hanno, Picco und Chrischi
Danke für den Link, den Artikel kenne ich, die Bilder nur zum Teil. Frau Liedtke hat sich so gedacht, dass sowieso ein paar Patienten Wahrnehmungsveränderungen haben, egal, wie die Decke gestaltet wird, zumindest lässt sich kein Kausalzusammenhang feststellen, also gestaltet sie die Decke für den Großteil der Patienten so interessant wie möglich. Nicht die schlechteste Idee.
Piccolina: Ja, wir fragen zuerst allgemein und offen nach Wirkung und gwünschter Wirkung, dann stellen wir "unsere" Ideen vor und wollen damit den Patienten bene nichts vorsetzen, sondern sie entscheiden lassen. Bilder sind scheinbar akzeptabel, wobei es richtig ist, die Bilder austauschbar zu machen, wie Chrischi schreibt, also einen Fundus anzulegen mit Wechselrahmen und so ... schönen Abend
Peter

Hanno H. Endres
05.10.2004, 21:31
Hallo Hanno, Picco und Chrischi
Frau Liedtke hat sich so gedacht, dass sowieso ein paar Patienten Wahrnehmungsveränderungen haben, egal, wie die Decke gestaltet wird, zumindest lässt sich kein Kausalzusammenhang feststellen, also gestaltet sie die Decke für den Großteil der Patienten so interessant wie möglich. Nicht die schlechteste Idee.

In der Tat, allerdings liest sich die Beschreibung etwas anders ....

Schönen Abend,

hhe

zwai
26.05.2006, 10:02
Das Krankenhaus Kittsee (Österreich) - mit 5.000 Aufnahmen pro Jahr das kleinste Hospital der Burgenländischen Krankenanstalten Ges.m.b.H - hat sich eine neue Intensivstation geleistet: mit 1,2 Millionen Euro und 10 Monaten Bauzeit wurde ein zeitgemäßer Überwachungsbereich für 6 postoperative Patienten geschaffen.

Bemerkenswert macht den Neubau dessen Konzeption: alle neuen Räumlichkeiten wurden nach den "altchinesischen, lebensbejahenden Feng-Shui-Regeln" ausgerichtet. So soll der in einem warmen Orange gestaltete Patientenraum "sonnige Kraft" und Vitalität signalisieren, die Spektralfarben des Regenbogens an der Decke und ein leuchtendes, dimmbares Landschaftbild weitere positive Energie. (hhe)

>>> zum Bericht bei orf.at >>> (http://burgenland.orf.at/stories/111628/)

Ducky
02.06.2006, 13:49
Hallo Peter,

Ich hätte Interesse an einer Umfrage, da wir demnächst eine neue Station bekommen, stellt sich für uns auch die Frage welche Farben sollen genutzt werden. Und den Patienten mit in einzubeziehen, bereits im Vorfeld, finde ich eine gute Idee.

Habt Ihr bereits einen Fragebogen erarbeitet und wenn ja, wie komm ich daran.

Mit besten Dank und vielen Grüßen

Ducky

Peter Nydahl
05.06.2006, 09:04
Hi Ducky

Wenn Ihr noch die Zeit habt, so fragt doch einfach Eure jetzigen Patienten, welche Farben sie bevorzugen würden. Ganz ehrlich: ich bin Freund von bestimmte-Farben-haben-bestimmte-Wirkungen, denke aber, dass eine (irgendwie) gestaltete Umgebung auf Patienten wirkt: die geben sich mit dem Umfeld Mühe, wieviel mehr Mühe werden die sich mit mir als Patienten geben? Wenn diese Botschaft sichtbar ist, seid ihr auf der sicheren Seite. Maßgeblich ist hierbei nicht die Farbe oder die Art der Gestaltung, sondern die Gestaltung an sich.
Übrigens haben wir gar nicht nach Farben gefragt, sondern Bildern und so. Die meisten Patienten erwarten helle Farben im KH, weiße Bettwäsche usw., dies unterliegt evtl. aber auch gewissen Modetrends. Am besten, ihr fragt die Patienten ... und unseren Fargebogen sende ich Dir mal zu ...
viele Grüße
Peter