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Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

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    #16
    AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

    Hallo, @all,
    sehr intressante Diskussion.
    Aus meiner Sicht gibt es zu wenig Erfahrung über die "Teilnahme" von Angehörigen während einer CPR.
    Hier nun mein Vorschlag: Erstellung von Regeln für die Anwesenheit von Angehörigen in Bezug auf die Auswahl der Angehörigengruppe, in Bezug auf das Rea-Team und Verhaltensregeln für die Mitarbeiter des Teams, in Bezug auf die Begleitung und Führung eines Nachgespräches mit den Angehörigen und natürlich sollte es auch eine Evaluation mit den Angehörigen (z.B. ca. 3 Monate nach dem Ereignis) geben.
    Die angeführten Untersuchungen beziehen sich auf andere Länder und somit auch auf andere kulturelle Hintergründe. Somit sollten wir hier unsere eigenen Untersuchungen starten und unsere eigenen Schlüsse zur sinnvollen Teilnahme von Angehörigen bei der CPR ziehen.
    Aus meiner Sicht wird Angehörigenarbeit auf ITS in der Regel eher stiefmütterlich behandelt, wobei die Wichtigkeit eigentlich außer Frage steht.
    Viele liebe Grüße
    der AACPR´lender
    fridolin.
    immer gelegentlich manchmal
    Wahlspruch: Dormicum macht den dicksten Bären stumm...

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      #17
      AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

      Regeln (Standard) erstellen für eine "Ausnahmesituation"? Wie soll das funktionieren?
      *ironiean* "Sie sind als Angehöriger laut unserer Regelung vorgesehen an der Reanimation teilzunehmen. Möchten sie dieses Angebot nutzen?" *ironieaus*

      Genauso daneben würde ich es finden, wenn man Angehörige immer des Raumes verweist mit dem Kommentar: Das ist hier nicht vorgesehen.

      Warum kann Pflegekraft nicht individuell entscheiden? Irgendwie erinnert mich die Diskussion an die Auseineandersetzungen zum Für und Wider von offenen Besuchszeiten, Besuche durch Kinder usw..

      Elisabeth

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        #18
        AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

        Zitat von Elisabeth
        Regeln (Standard) erstellen für eine "Ausnahmesituation"? Wie soll das funktionieren?
        *ironiean* "Sie sind als Angehöriger laut unserer Regelung vorgesehen an der Reanimation teilzunehmen. Möchten sie dieses Angebot nutzen?" *ironieaus*

        Genauso daneben würde ich es finden, wenn man Angehörige immer des Raumes verweist mit dem Kommentar: Das ist hier nicht vorgesehen.

        Warum kann Pflegekraft nicht individuell entscheiden? Irgendwie erinnert mich die Diskussion an die Auseineandersetzungen zum Für und Wider von offenen Besuchszeiten, Besuche durch Kinder usw..

        Elisabeth

        Hallo zusammen,
        da stimme ich Elisabeth zu. Ich bin mir nicht sicher, ob wir als an der Reanimation Beteiligte das Recht haben, einen Angehörigen rauszuschicken.
        Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich mich als Angehörige rausschicken lassen würde, um das zu entscheiden müsste ich in einer solchen Situation gewesen sein.
        Als professionell Pflegende auf einer Intensivstation ist es aber meiner Meinung nach u.a. unsere Aufgabe die Angehörigen zu betreuen.
        Wenn nicht während, dann aber nach einer Reanimation.

        Sicher kann die Pflegekraft das für sich individuell entscheiden, aber die anderen Beteiligten (Ärzte) dürfen/können das auch und Zeit zum Ausdiskutieren hat man leider nicht.

        Einen schönen Abend
        Tildchen

        Kommentar


          #19
          AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

          Hallo Liebes Forum!

          Sören, will das jemand „einführen“? Rein spekulativ: Jemand möchte das Konzept als Standard. Andere folgen und führen es ein. Es etabliert sich. Ziemlich streng sogar. Es wird in die Rechtssprechung aufgenommen. 50 Jahre später. Ich höre schon die Sprüche in der Notaufnahme: „Warte! Die Angehörigen sind noch nicht da!“. (Schade, kann nicht malen, könnte ein „Comic“ von Rippenspreizer sein )


          Ernsthaft (nun endlich), bei mir kam dass so an: Was tun wenn Angehörige (schon) da sind und ausdrücklich dabei bleiben wollen? Also weniger vom Personal des Gesundheitswesens eingeführt, sondern von Angehörigen, Patienten; ergo, von der „Gesellschaft“ eingefordert., wie Tildchen andeutet.

          Siehe Artikel von Stefan Köberich hier in Zwai, sowie die Umfrage.
          „Erstmals wurden die Ansichten der Angehörigen zur AACPR Anfang der 80er Jahre erforscht. Auslöser hierfür war die von Seiten der Angehörigen vehemente Forderung - in der Notfallstation des Foote Hospitals in Jackson, Michigan, USA - bei der Behandlung des Patienten anwesend sein zu dürfen.

          "Updates" bezügl. der Literaturliste von S. Köberich
          Siehe Artikel von 2006:

          The public's attitude and perception concerning witnessed cardiopulmonary resuscitation
          Clinical Investigations
          Critical Care Medicine. 34(12):2925-2928, December 2006.
          Mazer, Mark A. MD; Cox, Lori A. ACNP; Capon, J Anthony PhD

          http://www.ccmjournal.com/pt/re/ccm/abstract.00003246-200612000-00008.htm;jsessionid=GH3Qy3bqTySJRFGtH1ZycMzL4j8xr yd8QkJm3j6YvyDLHwY3GQKb!721371455!-949856145!8091!-1


          Bei S. Köberich ist ein Artikel von Mazer (16) aus 2004 dabei.


          2005
          Family Presence: Making Room
          J. A. Mangurten et al, AJN, May 2005, Volume 105, Nr. 5, p. 40
          http://www.nursingcenter.com/pdf.asp

          In diesem Artikel geht es darum, WENN die Situation eintritt - Angehörige möchten dabei bleiben - Wie soll das geregelt werden? Es sind anfänglich Überlegungen, durchaus lesenswert.

          WomBat, Zögere nicht, Just do it!

          Besser: Sich vorher Gedanken machen:
          Wie mache ich das? Welche Art von Unterstützng sollte von Oben kommen? (Wollen die das überhaupt?) Wer hat welche Rolle / bzw. Kompetenzen?

          Und wie Randbayer immer sagt: eigener Puls zuerst auf Norm kriegen

          PS: Bilder surfen zum Thema CPR

          http://www.uel.ac.uk/subaqua/site/images/jokes/cpr.jpg

          http://www.heroesonline.com/Images/e...rtin-cpr-1.jpg

          Ob das gut geht?
          Pflegefachkräfte sind nicht teuer, sie sind unbezahlbar!

          Kommentar


            #20
            AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

            Hallo WomBat,
            danke für deinen guten Beitrag. Es wäre aus meiner Sicht ein geegnetes Thema, um Pflegeforschung zu praktizieren. Dann könnten auch in unserem Kotext die zitierten Veröffentlichungen beleuchtet werden und die Machbarkeit in unserer Republik hinterfragt werden. Also eine Aufruf an Studierende in den Pflegewissenschaft bzw. -Management Studiengängen. Es gibt dort viele Leute aus unseren Fachbereichen. Ich habe z.B. eine Untersuchung zu einem anderen Thema gemacht. Da würde dan die Praxis profitieren.
            Gruß
            Sören
            wat mut dat mut

            Kommentar


              #21
              AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

              Hallo Sören,

              ich nehme den Aufruf gerne an. Die Ergebnisse der Umfrage werde ich selbstverständlich veröffentlichen. Mit der Umsetzung werde ich allerdings nicht weit kommen (da bin ich gerade nicht an der richtigen Stelle). Es gibt da allerdings jemand in München, der´s probiert (siehe hierzu: Kirchhoff, C. et al. (2006): Die Präsenz von Angehörigen im Schockraum. Der Unfallchirurg, 109, 673-677 Abstract unter: http://www.springerlink.com/content/r8n135u0uk0546g0/)
              Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.

              Gruß,

              Schnoeps

              Kommentar


                #22
                AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                Hallo, mit welchem Recht schicken Sie Angehörige die nicht stören und anwesend sein wollen, bei einer Rea weg ?

                Nennen Sie mir die rechtlichen Grundlagen ?

                Nur weil es immer so war ?
                Das haben wir noch nie gemacht.
                Wir lassen uns doch nicht in die Karten schauen.

                Früher mußten die Väter bei der Geburt ihrer Kinder auserhalb der Geburtsstation warten. Heute sind Sie auf Wunsch dabei.
                Es ist auch möglich die Partnerin bei einer notwendigen Sectio in den Op zu begleiten.

                Ich erlebte schon einige Reas, bei denen die Angehörigen anwesend waren.
                Angehörige die nicht dabei sein wollten entschieden von von sich aus einen anderen Raum auf zusuchen.
                Es gab keine Probleme .

                Es geht nicht um Extremsituationen .

                Es geht um das Angebot gegebenenfalls das Handeln während einer Rea zu erklären wenn der Wunsch nach Anwesenheit seitens der Angehörigen vorhanden ist.Diese Zeit ist immer vorhanden.
                Der Teamleiter am Kopf kann die Angehörigen durch angepasste Erklärungen führen.
                Die Hand des zu reanimierenden Patienten zuhalten, ist für Angehörige durchaus eine Möglichkeit dem Patienten oder Sterbenden bei zustehen.(Natürlich nicht während eines Defi Einsatzes )
                Leider wird es noch sehr viel Zeit benötigen, um auch in Extremsituationen wie einer Reanimation die heiligen Handlungen der Medizin transparent zu gestalten.
                Sprechen Sie über die Problematik. Es kann nur dazu gelernt werden.
                Grüße Tip-Top

                Kommentar


                  #23
                  AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                  Zitat von tip-top
                  Hallo, mit welchem Recht schicken Sie Angehörige die nicht stören und anwesend sein wollen, bei einer Rea weg ?

                  Nennen Sie mir die rechtlichen Grundlagen ?
                  Es geht hier nicht um Recht oder Unrecht, weder im moralischen, juristischen, philosophischen oder sonstigen Auslegungen und Interpretationen von Recht -es geht hier um Verantwortung - und zwar um die Verantwortung die ich als Pflegekraft auch gegenüber den Angehörigen habe, nämlich ihnen den Anblick bzw. das Trauma der Reanimation zu ersparen!!!

                  Zitat von tip-top
                  Nur weil es immer so war ?
                  Das haben wir noch nie gemacht.
                  Wir lassen uns doch nicht in die Karten schauen.?
                  Wie schon erwähnt, ich bin für Angehörigenintegration in fast jeder Hinsicht, aber auch ich habe in gewissen Situationen (...CPR...) keine Lust in meinem Handeln (...während der CPR...) transparent zu sein, eben weil es eine besondere Situation ist die höchste Konzentration erfordert - da will ich RUHE haben - und nicht noch irgendwelche halb kollabierenden, am Ende gar noch hysterischen Besucher im Zimmer haben - PUNKT!!!

                  Zitat von tip-top
                  Früher mußten die Väter bei der Geburt ihrer Kinder auserhalb der Geburtsstation warten. Heute sind Sie auf Wunsch dabei.
                  Es ist auch möglich die Partnerin bei einer notwendigen Sectio in den Op zu begleiten.
                  Eine Geburt ist ein Ereigniss, welches den Eltern des zukünftigen Erdenbewohners meistens 9 Monate vorher bekannt ist! Beide haben in diesen 9 Monaten ausreichend Zeit sich darauf vor zubereiten,der Ehemann hat genug Zeit sich zu entscheiden ob er direkt dabei sein möchte oder nicht! Die CPR ist ein Geschehen welchem meistens ein akutes, unerwartetes Ereigniss vorhergeht, meistens ohne jegliche Vorbereitungszeit! Desweiteren geht es bei einer Geburt (...es sei denn es ist eine Risikoschwangerschaft für Mutter und oder Kind...) nicht um "Leben oder Tod" - genau genommen geht es um den Beginn neuen Lebens - das können Menschen meistens besser verarbeiten wie den Tod bzw. das Sterben!

                  Zitat von tip-top
                  Es geht nicht um Extremsituationen .

                  Es geht um das Angebot gegebenenfalls das Handeln während einer Rea zu erklären wenn der Wunsch nach Anwesenheit seitens der Angehörigen vorhanden ist.Diese Zeit ist immer vorhanden.
                  1.Wenn ich in einem Flugzeug sitze und dieses abzustürzen droht bzw. sich im Absturz befindet möchte ich auch nicht ins Cockpit und mir von den Piloten ihr Handeln erklären lassen! Entschuldigung für diesen etwas entfernten Vergleich, aber ich weiß nicht wie ich mich anders artikulieren soll!
                  2.Nein! Diese Zeit ist eben nicht vorhanden!!!!

                  Zitat von tip-top
                  Der Teamleiter am Kopf kann die Angehörigen durch angepasste Erklärungen führen.
                  Ein Teamleiter sollte sich während der CPR voll und ganz den Patienten widmen und das restliche anwesende Personal sinnvoll einsetzten bzw. deligieren! Nichts anderes ist seine Aufgabe - dem Patienten geht es nämlich extrem bescheiden! Ich versuche mir gerade den Dialog zwischen dem Angehörigen und dem Teamleiter während der CPR vorzustellen - werde das jetzt aber nicht ausführen sonst werd ich auf meine alten Tage noch sarkastisch!!!

                  Zitat von tip-top
                  Die Hand des zu reanimierenden Patienten zuhalten, ist für Angehörige durchaus eine Möglichkeit dem Patienten oder Sterbenden bei zustehen.
                  Mir fehlen die Worte wie man auf solch eine Idee kommen kann?..."Entschuldigung, können Sie mal kurz zur Seite gehen und die andere Hand halten, wir müssen an der A. radialis noch nen arteriellen Zugang legen..."! Vielleicht sollten wir Angehörige ja demnächst auch mit in den OP nehmen, alles natürlich im Sinne der besseren Integration und Transparenz, dort können sie dann vielleicht die Haken halten, bei einer Thorakotomie mithelfen, beim Bypass die Beinvenen präparieren usw. usw.!!! Entschuldige bitte meine Ironie und meinem Zynismus, aber ich finde das einfach so unglaublich unrealistisch, nicht Situationsangepasst, falsch wie auch immer, das ich echt nicht anders kann!!!!

                  Zitat von tip-top
                  Leider wird es noch sehr viel Zeit benötigen, um auch in Extremsituationen wie einer Reanimation die heiligen Handlungen der Medizin transparent zu gestalten.
                  Es muss nicht alles Transparent sein! "Nicht-Wissen" bzw. "Unwissen" kann in seltenen Fällen ein Segen sein, es hilft den Menschen dabei das aufrecht zu erhalten, was ihn am Leben hält - HOFFNUNG!

                  Zitat von tip-top
                  Sprechen Sie über die Problematik.
                  Tun wir ja gerade!

                  Mfg Obs-Pfleger
                  ..."Früher haben wir Obse immer mit doppel p in der Mitte geschrieben - Oppse halt".....

                  Kommentar


                    #24
                    AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                    ...es geht hier um Verantwortung - und zwar um die Verantwortung die ich als Pflegekraft auch gegenüber den Angehörigen habe, nämlich ihnen den Anblick bzw. das Trauma der Reanimation zu ersparen!!! ...
                    Wenn keine Argumente mehr da sind, dann kommt dieses. Es wird immer dann genutzt, wenn Pflegekräfte sich überfordert fühlen mit der Situation. Dann wird die Macht ausgespielt.

                    ... eben weil es eine besondere Situation ist die höchste Konzentration erfordert - da will ich RUHE haben - und nicht noch irgendwelche halb kollabierenden, am Ende gar noch hysterischen Besucher im Zimmer haben - PUNKT!!! ...
                    Das war übrigens die Argumentation der Hebammen ehedem, als es um Männer im Kreißsaal ging. Ergebnis ist bekannt- es hat sich als haltlos herausgestellt.

                    Ich möchte noch einen Aspekt mit in die Diskussion bringen: Reanimationen finden ja nicht nur in der Klinik statt. Wie "schützt" man den Bürger bei Reanimationen außerhalb der Klinik? Wie handeln Rettungsassistenten wenn sie in einer Wohnung reanimieren müssen? Bitten sie Angehörige doch erst mal zum Nachbarn zu gehen?

                    Wie mag es Angehörigen gehen, wenn sie des Raumes verwiesen werden und vor der Tür stehend sich Gedanken machen was hinter der Tür passiert?


                    Elisabeth

                    Kommentar


                      #25
                      AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                      Guten Morgen zusammen.

                      Zitat von Obs-Pfleger
                      PUNKT!!!
                      Ich hätte nicht gedacht, dass sich das Thema so emotional entwickelt.

                      Der PUNKT gehört jedenfalls eher hinter WomBats Beitrag, finde ich:

                      Zitat von WomBat
                      Woher sollen wir wissen oder erfassen, welche dabei sein können oder eben das nicht bewältigen werden? Hier, vermute ich, ist Mut zur Lücke nötig. Für die Angehörigen und für uns, die am Geschehen unmittelbar beteiligt sind.
                      Zitat von Obs-Pfleger
                      Wenn ich in einem Flugzeug sitze ...
                      (für den nächsten Absatz entschuldige ich mich schonmal im Vorraus )

                      Wie bitte, ein Luftfahrtvergleich? Das sind ja DGAI-Methoden! Kenne ich sonst garnicht von Dir .

                      (s. passend dazu das großartige Zitat von Andreas Uhl:
                      Zitat von Andreas Uhl
                      Krankenhäuser sind wie Flughäfen, Narkosen wie Flüge.
                      Aber zurück zum Thema:

                      Die Diskussion erinnert mich sehr an die ebenso kontrovers diskutierte Frage, ob Kinder ihre Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel auf der Intensivstation besuchen dürfen / sollen (bzw. dürfen sollen)

                      Ist dem Grunde nach identisch: in beiden Fällen soll jemand vor Situationen geschützt werden, von denen gemeinhin angenommen wird, dass dieser jemand sie nicht versteht und dass sie ihm möglicherweise in irgendeiner Form schaden könnten. (s. Thread "Besuchszeiten")

                      In der Diskussion lasse ich die gleichen Aspekte, die für den Besuch des Nachwuchses sprechen auch für die Angehörigen gelten, die während der CPR anwesend sind / sein wollen.

                      Der Unterschied liegt darin, dass es wesentlich leichter ist, die Eltern entscheiden zu lassen, ob sie ihrem Kind den Besuch auf der Intensivstation "zutrauen" als selbst einzuschätzen, ob sich ein einzelner Angehöriger zur Anwesenheit bei CPR "eignet".

                      Egal wieviele Studien zu den beiden Themen noch erscheinen werden, in der Praxis wird man nicht darum herumkommen, jeweils eine individuelle Lösung zu finden.

                      Und keine Sorge: erstmal soll ja niemand gezwungen werden, bei der CPR dabei zu bleiben. Und gefühlsmäßig werden es nicht die meisten Angehörigen sein, die bleiben wollen.

                      Wollen sie doch bei ihrem Angehörigen bleiben, sehe ich keinen Grund darin, sie zwingend vor die Tür zu schicken. Meiner Einschätzung nach wird sich der Angehörige, der bleiben möchte, eher die größte Mühe geben, nicht im Weg zu stehen, als unbedingt eine Hand halten zu wollen. Hat sich der Angehörige selbst falsch eingeschätzt, kann er jederzeit den Raum verlassen - ohne eine direkte Betreuung zu erwarten.

                      Ergo: Solange das Thema vorab im Team besprochen worden ist und ein Angehöriger den Wunsch hat - warum nicht?

                      Edit: Terminhinweis!

                      http://www.sachsen-anhalt.drk.de/eh_herz.html

                      In theoretischen und praktischen Übungen wird gezeigt und trainiert, wie sie in der Notfallsituation bei herzkranken Personen vorgehen sollen.
                      Themen:
                      • Erkennen von Herzerkrankungen
                      • Notruf
                      • Maßnahmen bei Herzinfarkt
                      • Angina pectoris und Bluthochdruck
                      • Stabile Seitenlage
                      • Herz-Lungen-Wiederbelebung

                      Inhalt: Angehörige auf Notfallsituationen vorbereiten und entsprechendes Hintergrundwissen sowie praktische Maßnahmen der Wiederbelebung vermitteln.
                      Kursangebote wie dieses gibt's reichlich. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass man es im Intensivbereich mit Angehörigen zu tun hat, die mit einem Herzstillstand (rechnen) müssen, sich damit auseinandergesetzt haben und wissen, was eine CPR bedeutet und was dabei passiert.
                      Zuletzt geändert von Hanno H. Endres; 30.03.2007, 17:56. Grund: Ergänzung

                      Kommentar


                        #26
                        AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                        Zitat von Elisabeth
                        Wenn keine Argumente mehr da sind, dann kommt dieses. Es wird immer dann genutzt, wenn Pflegekräfte sich überfordert fühlen mit der Situation. Dann wird die Macht ausgespielt.
                        Das ist meiner Meinung nach das HAUPTARGUMENT und hat nicht im geringsten was mit Überforderung zu tun! Ich jedenfalls habe noch nie das Gefühl gehabt, bewußt wie unbewußt, das ich solch eine Situation mit Ausübung von Macht (...eben dem rausschicken von Angehörigen...) kompensieren müsste!

                        Zitat von Elisabeth
                        Das war übrigens die Argumentation der Hebammen ehedem, als es um Männer im Kreißsaal ging. Ergebnis ist bekannt- es hat sich als haltlos herausgestellt.
                        Den Unterschied Kreissaal - Intensivstation kann man nicht vergleichen! Meine Meinung dazu habe ich bereits erläutert!

                        Zitat von Elisabeth
                        Wie handeln Rettungsassistenten wenn sie in einer Wohnung reanimieren müssen? Bitten sie Angehörige doch erst mal zum Nachbarn zu gehen?
                        Ich finde es ist etwas anders wenn man auf einer "doch befremdlichen" Atmosphäre auf den Intensivstation reanimiert oder in "den eigenen vier" Wänden, trotzdem ist es natürlich eine absolute Ausnahmesituation für die Angehörigen!

                        Zitat von Hanno H. Endres
                        (für den nächsten Absatz entschuldige ich mich schonmal im Vorraus )

                        Wie bitte, ein Luftfahrtvergleich? Das sind ja DGAI-Methoden! Kenne ich sonst garnicht von Dir .
                        Ok, zugegeben, der Vergleich war, auf Deutsch gesagt echt "total daneben"!! Hatte da wohl beim Schreiben nen kleinen Aussetzer!

                        Zitat von Hanno H. Endres
                        Der PUNKT gehört jedenfalls eher hinter WomBats Beitrag, finde ich:
                        Da hab ich mich wohl falsch ausgedrückt, ich wollte mit PUNKT nicht diesen Thread beenden bwz. anderen Leuten "den Mund verbieten", den PUNKT habe ich auf mich bzw. meine vorher geäußerte Meinung bezogen (...quasi das das für mich "eine klare Sache" ist...)

                        Mfg Obs-Pfleger
                        Zuletzt geändert von Obs-Pfleger; 30.03.2007, 15:24. Grund: Zitat ergänzt
                        ..."Früher haben wir Obse immer mit doppel p in der Mitte geschrieben - Oppse halt".....

                        Kommentar


                          #27
                          AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                          @Obs- Pfleger: Angehörige wollen den Raum nicht verlassen. Du schickst sie raus. Nutzt du da nicht deine Macht?

                          Übrigens kommen Kinder nicht nur auf dem normalen Wege auf die Welt. Selbst beim Kaiserschnitt findest du heutzutage Väter anwesend. Ein Kaiserschnitt passiert nicht immer geplant. Ergo fällt dein Argument mit der Vorbereitung.

                          Ansonsten schließ ich mich Hanno an:

                          Die Diskussion erinnert mich sehr an die ebenso kontrovers diskutierte Frage, ob Kinder ihre Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel auf der Intensivstation besuchen dürfen / sollen (bzw. dürfen sollen)...
                          Woher rührt diese Panik in Gegenwart von Angehörigen zu reanimieren? Liegt das Problem eventuell gar nicht beim Angehörigen sondern bei den Reanimierenden? Es wird transparent wie sicher man diese "Ausnahme"situation beherrscht. Gerade auf einer Intensivstation sollte aber Sicherheit im Handeln eigentlich kein Problem sein.


                          Elisabeth

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                            #28
                            AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                            Zitat von Elisabeth
                            @Obs- Pfleger: Angehörige wollen den Raum nicht verlassen. Du schickst sie raus. Nutzt du da nicht deine Macht?
                            Wenn du es so siehts nutze ich natürlich schon meine Macht, stellt sich die Frage zu was für einem Zweck ich sie nutze, um meine Unsicherheit zu überspielen oder aus Verantwortung gegenüber den Angehörigen!?! Macht nutzt du/ich übrigens ständig im Arbeitsalltag, es kommt darauf an wie man sie einsetzt, Machtausübung muss nicht immer negativ sein und hat auch nicht immer was mit Unsicherheit oder mangelndem Selbsbewußtsein zu tun, denn:"Macht=Verantwortung"!

                            Zitat von Elisabeth
                            Übrigens kommen Kinder nicht nur auf dem normalen Wege auf die Welt. Selbst beim Kaiserschnitt findest du heutzutage Väter anwesend. Ein Kaiserschnitt passiert nicht immer geplant. Ergo fällt dein Argument mit der Vorbereitung.
                            Da stimme ich dir zu, trotzdem:
                            Zitat von Obs-Pfleger
                            Desweiteren geht es bei einer Geburt (...es sei denn es ist eine Risikoschwangerschaft für Mutter und oder Kind...) nicht um "Leben oder Tod" - genau genommen geht es um den Beginn neuen Lebens - das können Menschen meistens besser verarbeiten wie den Tod bzw. das Sterben!
                            Mfg Obs-Pfleger - "Ohne Panik und meistens sicher handelnd"!
                            ..."Früher haben wir Obse immer mit doppel p in der Mitte geschrieben - Oppse halt".....

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                              #29
                              AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                              Zitat von Elisabeth
                              Woher rührt diese Panik in Gegenwart von Angehörigen zu reanimieren? Liegt das Problem eventuell gar nicht beim Angehörigen sondern bei den Reanimierenden? Es wird transparent wie sicher man diese "Ausnahme"situation beherrscht. Gerade auf einer Intensivstation sollte aber Sicherheit im Handeln eigentlich kein Problem sein.

                              Elisabeth

                              Hallo zusammen,

                              ich bin ziemlich sicher, dass das Hauptproblem bei den Reanimierenden liegt. Auch wenn wir alle hier unseren Job beherschen, ist es wahrscheinlich für niemanden schön sich in einer solchen Extremsituation auf die Finger gucken zu lassen. Dazu braucht man Vertrauen. In sich selbst und darauf, dass die Angehörigen gegebenfalls die Situation und unser Handeln richtig einschätzen.

                              Wenn wir bei unseren Frühgeborenen oder sehr kranken Neugeborenen reanimieren, dann geschieht das häufig, wenn die Eltern gerade auf Station anwesend sind. In den meisten Fällen gehen die Eltern von allein aus dem Raum. Zum einen weil sie aufgrund der engen Platzverhältnisse das Gefühl haben, dass sie im Weg stehen (und es leider auch tun) oder weil sie nicht zusehen wollen. Allerdings findet sich in fast allen Fällen eine Kollegin, die dann auf die Eltern zugeht und diese betreut. Das ist in meinen Augen nicht nur erforderlich, wenn die Angehörigen anwesend sind, sondern auch wenn sie vor der Tür warten.
                              Eine Reanimation mit Herzdruckmassage und Medikamenten ist bei uns meist sowieso eher selten, aber Situationen in denen die Kinder einfach nicht mehr selbstständig atmen und mit Beutel beatmet werden müssen passieren anfangs doch mehrmals pro Tag/Woche. Dabei bin ich bisher auch noch nicht auf die Idee gekommen die Eltern rauszuschicken.


                              So wie ich es mir nicht verbieten lassen würde, meine nächsten Angehörigen auf einer Intensivstation zu besuchen solange und so oft ich will (ist jetzt etwas überspitzt ausgedrückt), so würde bekäme mich niemand aus dem Zimmer, sollten diese Angehörigen reanimationspflichtig werden und ich dabei bleiben wollen. Ob ich dabei ein Trauma erleide, dafür trage ich im Falle dieser Entscheidung dann auch die alleinige Verantwortung.....!

                              Eine schönes Wochenende euch allen
                              Tildchen

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                                #30
                                AW: Anwesenheit von Angehörigen während der CPR

                                Hallo, Obspfleger

                                Der Grundgedanke ist das anwesende Angehörige bei einer Rea den Ablauf nicht stören.
                                Wenn von seitens der Angehörigen der notwendige Ablauf einer Rea gestört wird sind entsprechende Massnahmen zu ergreifen.
                                Mit wenig Aufwand und etwas guten Willen ist die Anwesenheit von Angehörigen auch in Extremsituationen wie einer Rea möglich.

                                Wenn Angehörige die anwesend sein wollen, weg geschickt werden ist auch auch in dieser Situation die Belastung für die Angehörigen sehr gross.
                                Der Umgang mit Leben und Sterben wird heute schwierig gestaltet
                                Früher war es unvorstellbar,das Eltern ihr Kind beim Einleiten einer Anästhesie im Op begleiten.
                                Heute ist es in vielen Kliniken kein Problem mehr.
                                Einfach mal über den Schatten springen und bei der nächsten Möglichkeit nach Absprache mit dem Team mals was anderes aus zuprobieren.
                                Es ist machbar.
                                Grüsse Tip-top

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