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Thema: Theoretiker vs. Praktiker? (ursprüngl. aus dem Thread "Durchgangssyndrom - DGS")

  1. #1
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    Pfeil Theoretiker vs. Praktiker? (ursprüngl. aus dem Thread "Durchgangssyndrom - DGS")

    Verdammt, warum sind wir in der BRD immer so... zäh?
    Der Unwillen zur Veraenderung ist ein menschliches, kein deutsches Problem.

    Wo andere weiter sind, liegt es daran, dass sie eher angefangen haben mit der Professionalisierung der Pflege. Weil sie etwa Vordenker wie Nightingale oder Dunan hatten, andererseits keine nationalsozialistische oder kommunistische Diktatur, die individuelle, selbstaendige Entwicklungsprozesse nachhaltig zunichte machten.
    Oder weil die Professionalisierung eines klassischen Frauenberufes mit dem Grad der weiblichen Emanzipation in einem Land korreliert, auch damit steht es bei uns nicht zum Besten.

    Den Vorsprung der britischen/australischen/skandinavischen u.a. Pflegekraefte im Hinblick auf Evidenzbasierung und Anwendung wissenschaftlicher Instrumente in der Praxis wird diese Generation nicht mehr einholen. Ich hoffe auf die neue Generation akademisch ausgebildeter Pflegekraefte, die die Verzahnung von Pflegewissenschaft und Pflegepraxis nicht mehr als Existenzbedrohung, sondern als Existenzberechtigung ansehen.

  2. #2
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Ein weiteres Problem ist, dass sich die Pflegewissenschaft oft mehr dem englischen Sprachraum verhaftet fühlt und Erkenntnisse aus diesem Bereich kritiklos 1:1 dem deutschen Pflegesystem übergestülpt wurden. Das bringt Abwehr mit sich. Denn eigene Wahrnehmungen/ Erfahrungen der Basis wurden dabei konsequent abgetan als irrelevant.
    Selbst bei diesem Thema erlebe ich wieder etwas ähnliches. Ein so wichtiger Aspekt wie das Durchgangssyndrom wird reduziert auf ein Assessment, wohl erprobt in anderen Ländern... demzufolge muss es gut sein. Und schwupp- ein neues Überstülpen passiert.
    Oder sehe ich das falsch und ich habe das intensivierte problemorientierte Fortbildungsprogramm, welches als Grundlage dienen sollte übersehen?

    Elisabeth

  3. #3
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Pflegewissenschaft fuehlt sich nicht "dem englischen Sprachraum verhaftet",
    sie wurde von englischsprachigen Pflegenden begruendet, waehrend die deutschen sich noch darauf beschraenkten, aerztliche Anordnungen auszufuehren und sich von Herrn Doktor heiraten zu lassen.

    Abgesehen davon ist Englisch internationale Wissenschaftssprache, aller Wissenschaften. Wer mithalten will, muss ueber den Tellerrand des eigenen kleinen Sprachraums hinausblicken. Das "Ueberstuelpen" erprobter Methoden kann man auch als Nutzen von Erkenntnissen Anderer, die uns voraus sind, begreifen, wenn man will. Wenn nicht, kann man jeden Gedanken noch mal neu denken, jede Studie wiederholen, bloss weil der Vordenker sich einer anderen Sprache bediente.
    Wo waeren unsere Mediziner heute, wenn sie so argumentieren wuerden.
    Geändert von midnightingale (27.10.2008 um 18:41 Uhr)

  4. #4
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Ganz langsam, WmBt, der Reihe nach:

    Elisabeth, noch zum neuen Beitrag von Stepahnie:
    ich fand folgenden Link (aus Stephanies Linkliste) bes. interessant. Es geht darum, wie man den CAM-ICU implementieren kann. Ja, der Artikel ist in englischer Sprache, dafür aber kurz:

    http://www.europeandeliriumassociati..._delirium1.pdf

    Stephanie, wenn ein Verlag den Preis so festsetzt, ohne dass die Autorin eine Möglichkeit hat, Einfluss zu nehmen…Schade, dann muss ich dass halt hinnehmen. Mal sehen, ob ich bald Geburtstag habe…
    Ja, und das Thema "Ageism" - Diskrimierung alter Menschen weil sie alt sind...gehört im Zeitalter des Jugendwahns dazu...Lucas Cranach, an Deinem Gemälde wird heute noch gearbeitet

    Midnightingale,
    Du argumentierst entlang den Themen, an die ich gedacht hatte. Ich glaube nicht, dass es nur ein Veränderungs-Unwille ist. Eher, dass unserem Pflegeberuf im Laufe der Jahre Restriktionen auferlegt wurden, von denen wir uns bis heute nicht gänzlich befreien konnten. (Emanzipation und Freiheit: ich unterscheide zwischen Freiheit VON und Freiheit ZU). Zu Deiner Liste wurde ich auch Politik und Lobbyismus hinzufügen, bis jetzt hat die Politik kaum etwas getan, um die – ich nenne es mal Reichweite – der Pflege positiv zu beeinflussen im Sinne einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe: Pflegen! Damit meine ich nicht „Blumenpflege“ im Sinne der alten DKG Herren.

    Falls ich mich nicht ganz klar ausgedrückt habe, ich meinte zu keiner Zeit, dass Veränderungs-Unwille ein „deutsches Phänomen“ sei. Siehe die internationale Literatur dazu, Change Agents heißen nicht aus lauter Spaß Change Agents. (nein, es ist nicht Kleingeld gemeint, sondern Veränderungs-Apostel). Eine Bielerfelder Arbeit um D. Schaeffer hat sich mit Wissenstransfer (darunter auch Change-Agents) befasst und kommt u.a. zu der Schlussfolgerung, dass Change-Agents (in der Pflege hierzulande) es bisher sehr schwer haben (Kämpfer Alleine auf dem Ganzen Flur). Warum wohl? http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw...ds/ipw-133.pdf


    „Ich hoffe auf die neue Generation akademisch ausgebildeter Pflegekraefte, die die Verzahnung von Pflegewissenschaft und Pflegepraxis nicht mehr als Existenzbedrohung, sondern als Existenzberechtigung ansehen.“
    Ich hoffe, dass sie es im Sinne von Hilde Steppe tun, an der Praxis orientiert. Und ich hoffe, dass sie die heutigen (nicht-akademischen) Praktiker nicht außen vor lassen, oder für Doof verkaufen. Da muss noch etwas Polanyi hinein (implizites Wissen) und ein bisschen Rücksicht nehmen auf Benners (auch wenn es von manchen kritisiert wird) Brain-Drain Konzept. Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten….

    Elizabeth, leider wurde Einiges von Unseren nicht nur unkritisch, sondern halb-wissend übergestülpt, ohne das ganze Konzept zu kennen (oder sich je damit ernsthaft auseinanderzusetzen). Der ATL Wahn, weitergeführt von Manchen, entsprach ca. 8% der Ideen aus den Büchern aus denen man es hervorgezaubert hatte – ohne jeglichen Hintergrund. Danach wurde versucht alles in ATL Schubladen zu kategorisieren, selbst den Schreibtisch der Stationsleitung. Roper hat selbst gesagt (in Deutschland!), ihr Konzept sei keine Theorie, sondern eine Hilfe für Lernende. Trotzdem wird es bis heute bei uns als „Pflegetheorie“ verkauft. Ebenso die AEDLs, ein Griff in die Roper-, Orem-, und ein bisschen in die Benner-Kiste. Pflegeanamnesen wurde nach ATL, dann nach AEDL usw. „strukturiert“. Die Schüler werden z.T. immer noch alleine dazu losgeschickt, obwohl keiner ihnen zeigt, wo nach-gehakt werden muss, was Priorität hat. Es soll nur ab-gehakt werden. Klinisches Denken wurde kaum gelehrt, dafür umso mehr Checklisten Wissen. Ich will den Standard Wahn gar nicht erwähnen. Ein Kollege sagte vor längerer Zeit, wieso brauche ich den 235igsten Standard zur Ganzkörperwaschung? Dann ist mir EBN näher.

    Wenn in anderen Länder sinnvolle Dinge „studiert“ werden, wenn Ergebnisse vorliegen – Delir ist Delir – finde ich es nicht nur völlig in Ordnung, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern sinnvoll. Das Eine oder Andere muss vielleicht kulturell angepasst werden, evtl. bestätigt werden…das ändert nichts an der Tatsache, dass Menschen Menschen (und divers) sind, Krankheiten einen bestimmten Verlauf haben, manche Pflegemaßnahmen sinnvoller als andere sind…Assessmentverfahren, die uns auf die richtige Spur bringen…alleine die Diskussion ums Delir lässt uns víelleicht etwas näher betrachten, was wir bisher als „OK, gehört halt zum Verlauf“ (an Mythen kleben) hinnahmen. Ich behauptet, was man nicht kennt, sieht man nicht – siehe auch die hypoaktive Verlaufsform.

    Bezüglich Wissen in der Pflege – es hat sich einiges geändert. Wer Lust hat, lese mal den alten Lavin zum Thema Deku – da wurde unendlich gepudert – obwohl Druck das Problem war und ist. Übrigens, Lavin war kein Pfleger – sog. „pflegerisches Wissen“ wurde uns damals von den Docs übergestülpt, und wir haben es bereitwillig gefressen – ohne aufzumucken. Natürlich, nur bis das Eisen und Fönen kam….Wer weis, wer hat das erfunden?!? Wir haben alles angenommen, nur nehmen wir (komischerweise) ungern etwas von den Eigenen an (abgesehen von den Gurus).

    Ergo, jeder kann die Freiheit ZU im Alltag nutzen (wenn das Wissen stimmt), für die Freiheit VON brauchen wir eine gemeinsame Anstrengung. Nicht warten, bis alle 3-jährige-gelernte ausgestorben sind, oder bis alle mind. einen BS haben, sondern Kooperation der „alten-unstudierten“ mit den „neuen-studierten“. Bitte keine elitären Kämpfe, die unstudierten haben die ganze Zeit gearbeitet, es kann nicht nur schlecht gewesen sein...

    WomBat, You need to work with whatand who you have. And the ones who have been working can’t be all bad, or the system would have already completely collapsed.

  5. #5
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    @ Wombat:
    Zu Deiner Liste wurde ich auch Politik und Lobbyismus hinzufügen, bis jetzt hat die Politik kaum etwas getan, um die – ich nenne es mal Reichweite – der Pflege positiv zu beeinflussen im Sinne einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe: Pflegen!
    Hat die Politik in anderen Laendern etwas getan, um die Professionalisierung der Pflegeberufe voranzubringen? Ich weiss es nicht. Stimmt, Pflege ist ein wichtiger sozialer Auftrag, der stiefmuetterlich behandelt wurde und wird. Ich finde mich aber in diesem Opfer-Selbstverstaendnis nicht wieder. Ein Emanzipationsprozess, der was taugt, muss sich doch von innen heraus gegen widrige Umstaende durchsetzen koennen. Solange die Pflege nicht selbst eine respektable, ernstzunehmende Position einnimmt, kann sie keine Unterstuetzung verlangen. Aber hier ueber Ursache und Wirkung zu streiten, fuehrt natuerlich zu nichts.

    Und ich hoffe, dass sie die heutigen (nicht-akademischen) Praktiker nicht außen vor lassen, oder für Doof verkaufen
    Es muss doch beides gehen. Es muss nicht-akademisch Ausgebildete geben, die keine kuenstliche Trennung zwischen sich und den "Theoretikern" aufbauen. Die Pflegewissenschaft muss anwendbar sein, die Praktizierenden respektieren, und die Praxis sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stuetzen. Die Theorie ist nicht der Feind guter Praxis, sondern ihre Grundlage. Ich habe so viele Kollegen erlebt, die sich jahrelang nicht fortgebildet haben, keine Fachpresse lesen und sich immer nur auf ihre Erfahrung berufen. Und welches Projekt auch immer aus der Pflegeforschung kam, wurde mit verschraenkten Ellenbogen glatt abgeschmettert, weil die Studierten da oben gar keine Ahnung haben koennen, was in der Praxis Sache ist. Dieses Phaenomen laesst sich auch aus Teilen dieses langen Threads herauslesen. Mit solchen Leuten kommen wir als Berufsgruppe nicht voran, ganz gleich wie hoch wir ihre Erfahrung und Intuition schaetzen.
    Nicht warten, bis alle 3-jährige-gelernte ausgestorben sind, oder bis alle mind. einen BS haben, sondern Kooperation der „alten-unstudierten“ mit den „neuen-studierten“. Bitte keine elitären Kämpfe, die unstudierten haben die ganze Zeit gearbeitet, es kann nicht nur schlecht gewesen sein...
    Das unterschreibe ich unbedingt, will aber noch anmerken, dass viele der jetzt Studierten vorher jahrelang als alte-Unstudierte gearbeitet haben.

  6. #6
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Midnightingale, bei allem Respekt. Ich war noch nie in der Opfer-Rolle, the old doctor-nurse game. Viele Kolleginnen und Kollege ebenfalls nicht. Hand aufs Herz, wie viele Pflegende an der Basis kämpfen? Täglich? Hier und da sind sicherlich „Häßchen“ (selbst gewählte Opfer-Naturen) dabei, ich weis nicht wie viele…Dann ist das Thema nicht Oberthema (DGS, wie von „Viggo“ initiiert), sondern Emanzipation. OK, ein Bsp. Die US Schwestern, die im 2. WK international tätig waren, wurden mit Stipendien zum studieren unterstützt als sie zurückkamen. (Henderson pflegte züruck kommende Soldaten, Leiniger war mit Ausländischen Kinder befasst, die aus Kriegs-Länder samt Eltern flüchteten). Ein guter Anstoß für die „Professionalisierung“ (wenn wir es als Bildungsweg nach Oben begreifen wollen), während bei uns lediglich die Nazi-Themen aus den Lehrbüchern gestrichen wurden (Unheiliges Blut und so Zeugs). Falls Du dran kommst, besorge Dir mal ein Krankenpflege Buch von 1937 – Bauort Leipzig. Auf Seite 9 wirst Du erfahren, dass Pflege mit Nazi Mist sofort konfrontiert wurde – (ein Behinderter kostet den Staat so und so viel Reichsmark, während diese blut-reine Krankenschwester….und so weiter). Danach ist jahrelang gar nichts passiert bis in die späten 60iger, einige würden sogar noch später behaupten. In den 70iger gab es schon Nurse Practitioners, haben wir hier etwas davon mitgekriegt? Nein. Ich gebe Dir dahingehend Recht, dass die Emanzipierten und verbal elegante unter uns, nicht gehört würden (siehe Grauhan, A. z.B). Wer seine Geschichte nicht kennt, wiederholt diese, sogar ungewollt und mit besten Change-Agent Ambitionen.

    Die Rahmenbedingungen für Pflege waren (und sind) mies. Gestern abend im TV: ein Polizist der eine Krankenschwester heiratet…kann sich vieles nicht erlauben. Bei den Stunden, bei dem Gehalt – da braucht keiner in die Opfer-Rolle zu gehen, der hat entweder viel Engagement oder ist ausgebrannt. Nichts gegen Pflegewissenschaft, ganz im Gegenteil, aber bitte ohne elitäre Haltung gegenüber denen, die schon lange den Laden schmeißen.

    WomBat, bin für beide, und für BS als Grundausbildung. Das 2004 Gesetz - nun ja, Schlafbär.

  7. #7
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Wombat, bei allem Respekt, wir sind uns nicht über die Situation, sondern über die Beteiligung der Pflegenden selbst daran uneinig. Wenn dich das Wort Opfer-Selbstverständnis so auf die Palme bringt, schwäche ich es gern auf passive Haltung ab. Und die spricht aus deinen eigenen Worten:
    Danach ist jahrelang gar nichts passiert bis in die späten 60iger, einige würden sogar noch später behaupten. In den 70iger gab es schon Nurse Practitioners, haben wir hier etwas davon mitgekriegt? Nein.
    Wieso eigentlich nicht? In den 70ern sollte der größte Teil der Rassenpflege-hirngewaschenen Schwestern schon nicht mehr praktiziert haben. Ich hab übrigens selbst ein Krankenpflegelehrbuch von 1940.

    Elitäre Haltung mag ich mir nicht vorwerfen lassen, dazu hab ich vor dem Studium selbst zu lange mit zu guten Leuten unter zu miesen Bedingungen für zu wenig Geld Läden geschmissen. Gerade deshalb kann ich nicht nachvollziehen, wieso beim Wort "Akademisierung" Kollegen, die nicht studieren können oder wollen, so gern glauben, es ginge ihnen damit an den Kragen.

    Aber du hast recht, wir sind nun wirklich ab von Thema, ich bin raus.

  8. #8
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Zitat Zitat von midnightingale

    Elitäre Haltung mag ich mir nicht vorwerfen lassen, dazu hab ich vor dem Studium selbst zu lange mit zu guten Leuten unter zu miesen Bedingungen für zu wenig Geld Läden geschmissen. Gerade deshalb kann ich nicht nachvollziehen, wieso beim Wort "Akademisierung" Kollegen, die nicht studieren können oder wollen, so gern glauben, es ginge ihnen damit an den Kragen.

    Aber du hast recht, wir sind nun wirklich ab von Thema, ich bin raus.
    Können wir dafür nicht einen neuen Thread aufmachen? Vielleicht kann der Admin ja die Diskussionstränge teilen ab http://forum.zwai.net/showpost.php?p=12585&postcount=76 mit einem Verweis auf die Ursprungsdiskussion.

    Wahrnehmung und Sendung einer Nachricht ist immer zweierlei. Ich muss nicht dasselbe wahrnehmen, was du glaubst auszusagen.

    Meine Erfahrungen mit Pflegewissenschaftlern:
    Wenn es um inhaltliche Diskussionen ging wurde ganz schnell das pflegewissenschaftl. Vokabular ausgepackt- ztw. hatte man den Eindruck, dass man als "laie" damit auf Distanz gehalten werden sollte.

    Tagesaktuelle Fragen- darauf finde ich oft keine Antworten.

    Die Expertenstandards sind ein schönes Beispiel für fehlgeleiteten Theorie- Praxis-Transfer. Bis heute wird die (sehr gute) Vorgabe kaum genutzt und jedes Haus baut sich seinen (fachlich oft fragwürdigen) "Drehbuchstandard". Es fehlt(e) einfach die Vermittlung des Hintergrundwissens. Eine Skala, ein Assessment soll es richten.
    Welch hanebüchnen Sachen dabei rauskommen, kann man wunderbar beim Sturzrisikoassessment beobachten: ich wäre nach der hauseigenen Sturzrisikoskala hochgradig gefährdet (Sehbeeinträchtigung in der Dämmerung, Einnahme von Medikamenten, Nykturie (bei zuviel Kaffeekonsum), und kürzlich bin ich ausgerutscht und gestürzt) ... und dürfte eigentlich nur in Begleitung laufen. *g*

    Elisabeth

    _________
    Jawoll, dieser Thread ist nun geteilt. Die Ursprungsdiskussion "Durchgangssyndrom - DGS" geht >>>hier<<< weiter

  9. #9
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    Standard AW: Durchgangssyndrom - DGS

    Gut erkannt, die Opfer-Nummer bürstet mich auf %$§(/$§(//$§: Eigentlich wollte ich sagen: nicht alle „am Bett“ sind Opfer oder handeln nach diesem Muster. Mein Appell: Bitte nichts „elitäres“ war nicht auf Dich bezogen, ein bisschen wild ausgedrückt schon. Midnightingale, es fiel mir schwer – so auf der Palme,…also komme ich wieder ‚runter und sag’ Dir, nicht alle Pflegewissenschaftler geben sich elitär, so wie nicht alle am Bett „Opfer“ oder sonst was sind.
    Wenn Pflegende am Bett Pflegewissenschaftler blockieren, dann ist das nicht in Ordnung – ich weis nicht woran es lag, vielleicht ist dieses Nebenthema doch wichtig genug um darüber zu diskutieren. Wie unsere Pädagogen sagen „Störungen haben Vorrang“.

    Du kannst Dir das noch mal überlegen, mit dem „ich bin raus“ (hey, wir leben in einer Demokratie). Du hast gesagt: „weil die Studierten da oben gar keine Ahnung haben koennen, was in der Praxis Sache ist. Dieses Phaenomen laesst sich auch aus Teilen dieses langen Threads herauslesen. Mit solchen Leuten kommen wir als Berufsgruppe nicht voran, ganz gleich wie hoch wir ihre Erfahrung und Intuition schaetzen“. Also komm auch runter, da oben sind eh keine Kokosnüsse mehr (auf meinem Weg nach Oben habe ich sie alle…verwertet, halt). Auseinandersetzung kann ich mit, aber richtig Krach, das ist nicht meins.

    Ach, „Intuition schätzen“! Auch wenn ich das Phänomen halbwegs verstehe, meine Anspielung war eher auf „Implizites Wissen“. Damit kann ich mehr anfangen.

    Zurück zum Neben-Thema politische Unterstützung: die Pflegeforschung der USA haben recht früh stattliche staatliche finanzielle Hilfe bekommen (siehe Meleis). Schweiz, Frankreich, Österreich sind in ihrer Gesetzgebung wesentlich klarer und weiter vorgegangen im Vgl. zu uns.

    Bei uns gab es regelrechte - ich nenne es mal - „Sabotage Akte“.

    Der sog. Modellversuch (Studium) in Berlin scheiterte – auch politisch (und lobbyistisch) gewollt.
    Hedin’s Dissertation 1985 ist vollständig online: (Seite für Seite, aber vorhanden)
    http://content.lib.utah.edu/cdm4/doc...W=210849&REC=1

    Kurzversion in deutsch: Hedin (1987): Die Geburt und der Tod eines Modellversuchs: Erziehung zu einem kritischen Bewusstsein in der Krankenpflege; Krankenpflege, 42 Jg, Heft 1 + 2 (Beilage, glaube ich)

    Der ADS stemmte sich bis Ende der 80iger gegen Studiengänge für Pflegende. Zuerst die sozialisierten „Reinrassigen“, dann die Lobby-mäßig-Aktiven „Heiligen“. Da hatten andere kaum eine Chance, wir wissen ja, wann die Studiengänge endlich in Gang gekommen sind.

    Das KrPflG von 1985 besagt: „Das Gesetz hält an folgenden Besonderheiten der deutschen Krankenpflege fest: …..1. Ausbildung + staatliche Prüfung in der KrPflg schaffen kein Tätigkeitsmonopol….2. es herrschte vielmehr die Auffassung, dass jeder Versuch einer Festlegung und Abgrenzung von bestimmten vorbehaltenen Tätigkeiten juristisch unmöglich und in die lebendige Organisation der Pflege sowie in die sich ständig wandelnden Situationen der Krankenhäuser eingreifen würde…“
    So die kommentierte Version Kurtenbach / Golombek / Siebers. Übersetzen kann sich das Jeder selbst. Es ist ja in Deutsch.

    Zurück zum Thema:
    Mir fällt nichts mehr ein.
    Doch, es hat akut begonnen, es ist im Verlauf wechselhaft, kleine Neigung zu Unaufmerksamkeit, die Sprache ist nicht verlangsamt, in diesem Fall eher eine ausgeprägte Logorrhoe, unorganisiertes Denken macht sich bemerkbar, ich dachte ich sah Nightingale um Mitternacht….

    WomBat, Verdammt! Was ist das wohl?

    Elizabeth, ich bein wieder bereit am Thema zu bleiben...

    PS
    WomBat:
    “Danach ist jahrelang gar nichts passiert bis in die späten 60iger, einige würden sogar noch später behaupten.“
    Midnightingale:
    „Wieso eigentlich nicht? In den 70ern sollte der größte Teil der Rassenpflege-hirngewaschenen Schwestern schon nicht mehr praktiziert haben.“

    Einige waren noch da, aber selbst das ist mir egal. Letztendlich hat sich die Gesellschaft verändert und die Hirngewachsenen waren zu schwach, um neue Generationen zu beeinflussen. (im schlimmsten Falle verletzten sie ethisch-moralische Werte der jüngeren Schwestern und Pfleger. Aber damit kommt man/frau irgendwann klar)

    Viel wichtiger finde ich dieses: (Der Modellversuch fand in Berlin statt, ca.,um 1982-84. Bitte nachlesen, dort steht es genau.) Ich kann mir nicht mehr alles merken….


    Hedin Zitat ca. S. 5-6

    “The data analysis revealed that on one level there were political and economic reasons for the program not being established as a permanent course of study at the Free University, but, at a deeper level, it was an oppressive act toward the nursing discipline to prevent its entrance into the realm of university education.”

    Wenn Pflegestudiengänge politisch nicht gewollt waren, sogar unterdrückt wurden, dann wundert es mich nicht, dass Jahrelang nichts passiert ist. Ich laste mir das im Nachhinein nicht an. Auch meinen Kollegen nicht, studiert oder nicht-studiert.

    WomBat

    „It was an oppressive act toward the nursing discipline to prevent its entrance into the realm of university education”

    „Es war eine “Unterdrückende” Handlung gegen die Disziplin Krankenpflege um ihren Eingang zur Universität zu verhindern.“ Holprige Übersetzung, wird aber gehen.
    Geändert von WomBat (28.10.2008 um 19:33 Uhr)

  10. #10
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    Standard AW: Theoretiker vs. Praktiker? (ursprüngl. aus dem Thread "Durchgangssyndrom - DGS")

    @Elisabeth: Teile und herrsche, ich bin dafür. , danke an die Admins.

    Mein Nebenkriegsschauplatz im DGS-Thread war ja die Abgrenzung zwischen Pflegepraktikern und Pflegewissenschaftlern, die da nicht hingehört, weil sie alle am Fortkommen hindert. Mein Eindruck ist, dass diese Barriere gern von praktisch Pflegenden aufgestellt wird, die sich in ihrer Rolle bedroht fühlen, weil der Beruf eine Entwicklung nimmt, der sie nicht folgen können oder wollen.
    Ich stecke zwei Aussagen von dir aus dem ursprünglichen Kontext heraus in einen Kasten, weil sie zusammen passen:
    Wahrnehmung und Sendung einer Nachricht ist immer zweierlei. Ich muss nicht dasselbe wahrnehmen, was du glaubst auszusagen.

    Meine Erfahrungen mit Pflegewissenschaftlern:
    Wenn es um inhaltliche Diskussionen ging wurde ganz schnell das pflegewissenschaftl. Vokabular ausgepackt- ztw. hatte man den Eindruck, dass man als "laie" damit auf Distanz gehalten werden sollte.
    Woher kommt denn dieser Eindruck, ausgegrenzt zu werden? Was ist mit der Option, sich für eine sich entwickelnde Fachsprache, Ausdruck von Professionalisierung, zu interessieren, Teil von etwas sein zu wollen? Aktiv-teilnehmend oder passiv-ablehnend sind doch Haltungen, die man bewusst wählen kann.

    Das mit deiner Sturzgefährdung tut mir leid. ;-)
    Dass eine Risiko-Skala keine pflegerische Ausbildung und Erfahrung ersetzt, hast du oft genug gesagt und recht damit. Soll man deshalb generell alle Screening-Tools in die Tonne treten, validiert oder nicht?

    Die Handvoll Patienten, die bei uns dieses Jahr Dekubiti II. Grades entwickelt haben, hatten in den Tagen vorher alle mindestens 17 Punkte auf der Braden-Skala und keine besondere Prophylaxe erhalten.
    Vorhandene Risikofaktoren, die die Skala nicht erfragt, Katecholamine, Azidose, Fieber, lange OP-Zeit etc. wurden von den (schlecht ausgebildeten) Pflegekräften nicht berücksichtigt. Du würdest vermutlich das Personal noch mal intensiv schulen und die Skala ersatzlos rausschmeißen. Ich habe auch geschult und führe eine Datenbank, die mir irgendwann die für unser spezielles Patientenklientel signifikanten Risikofaktoren und damit die Basis für ein eigenes, massgeschneidertes Screening-Tool hergibt, statt einer Braden- oder anderen Standardskala, die nicht passt. Zur Stütze und Ergänzung, nicht zum Ersatz der pflegerischen Beobachtung und Beurteilung, die parallel erfolgen muss.

    Ich sag´s noch mal: Die Pflegewissenschaft muss anwendbar sein, die Praktizierenden respektieren, und die Praxis sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stuetzen. Die Abgrenzung ist hausgemacht, zumal in dieser Generation, in der die meisten Studierten noch bis vor kurzem selbst Praktiker waren. Nichtstudierte vergessen das gern, und wäre es nicht schon so spät, würde ich hier wieder fragen, warum eigentlich.
    Geändert von midnightingale (29.10.2008 um 01:42 Uhr)

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