Vollständige Version anzeigen : Ohrdekubiti
Miss Honey
06.11.2006, 00:49
Mich interessiert, ob Ihr ebenso das Problem von gehäuft auftretenden Dekubiti an der äusseren Helix des Ohrs bei sedierten (katecholaminpflichtigen/septischen) Patienten habt.
Ich habe für unsere Fälle eine Theorie aufgestellt und würde mich freuen, wenn ich das hier bestätigt bekommen würde :) :
Wir nutzen der Optik und auch der Funktionalität halber zusätzlich ("schöne") Handtücher die wir über die bezogenen Kopfkissen legen, verwenden sowohl die sog. "Fritzchen" als Kopfkissen als auch häufiger die normalen Kopfkissen in 80 x 80 cm Standardgrösse, dann meist einmal geknickt bzw. als "Schiffchen".
Da vielmals nicht auf ohrfreie Lagerung des Kopfes geachtet wird, bzw. der Kopf des Patienten naturgemäss beim Liegen leicht seitlich neigt, reibt die Ohrmuschel ständig mit Mikrobewegungen, die beispielsweise durch die Beatmung verursacht sind, an dem eher rauhen Handtuch und somit einem Deku entgegen.
Würde man KEINE Handtücher verwenden sondern nur den Kopfkissenbezug, würden sich Dekubiti an dieser Stelle vermeiden lassen.
Soweit meine Theorie. Bin nicht grade ein Freund dieses nutzlosen "Handtuch- Wahns" und suche jetzt schlagkräftige Beweise, um diesen Usus einzudämmen :).
Wie ist das bei Euch???
arnold kaltwasser
06.11.2006, 08:04
Wie wäre es mit einem Vergleich x Patienten mit Handtuch und x Patienten ohne Handtuch und nur mit Kopfkissen...
so long arnold
Miss Honey
06.11.2006, 09:26
Wird nicht funktionieren da sich bei gut 60 Kollegen immer irgendwer NICHT daran hält (es sei denn es wäre eine offizielle Anweisung, keine Handtücher mehr zu nutzen) und möchte das auch nicht gross wissenschaftlich aufziehen, dazu fehlt mir die Zeit. Daher gibts ja zwecks Austausch dieses Forum :)
arnold kaltwasser
06.11.2006, 09:40
und auf welcher Basis soll die Anweisung sein?
sollte doch auf so einer sein, oder?
„Evidence-based Nursing ist die Integration der derzeit besten wissenschaftlichen Belege in die tägliche Pflegepraxis unter Einbezug theoretischen Wissens und der Erfahrungen der Pflegenden, der Vorstellungen des Patienten und der vorhandenen Ressourcen.“
G. Langer / Geman Center for Evidence based Nursing, 2001
so long arnold
Miss Honey
06.11.2006, 09:48
Ich würde gern nicht über Basis von Anweisungen diskutieren, sondern über das Thema Ohrdekubiti :)
Es geht einfach darum, dass es unnütz, überflüssig, kostenintensiver und sogar gefährdend ist, nur zur "Deko" Handtücher als zusätzlichen Kopfkissenbelag zu verwenden und wüsste nun gern, wie das anderswo mit auftretenden Ohrdekubiti ist.
Eine Testphase habe ich im Auge nach der nächsten Teamsitzung, aber bräuchte dafür Beweise, dass es anderswo eventuell nicht auftritt, wenn keine Handtücher benutzt werden, um diesen seit Urzeiten bestehenden Usus aufzudröseln, das nachdrücklich vorbringen und die Testphase offiziell starten zu können.
Liebe Grüsse
Moin Miss Honey!
Ohrdekubiti treten bei uns eher selten auf. Bei gefährdeten Patienten kommt sonst ein Gelkissen zum Einsatz.
Hallo Miss Honey,
bei deiner Argumentation kann ich nicht wirklich helfen, wenn du etwas ausprobieren möchtest, habe ich einen Tipp für dich:
Healthcare Kopflagerungskissen von B+P.
Schau mal hier:http://www.b-und-p.com/htcms/produkte/lagerung/kopflagerungskissen-fr-rckenlagerung-20-mm-flacher.html?force_session=1
Die Kissen verwenden wir im Op fast nur noch, selbst bei superlangen OP's treten keine Druckstellen auf, und sie passen in einen Fritzchen-Bezug.
Gruss vom Rhein, Madi
Randbayer
06.11.2006, 15:01
Hallo Miss Honey!
Mich interessiert, ob Ihr ebenso das Problem von gehäuft auftretenden Dekubiti an der äusseren Helix des Ohrs bei sedierten (katecholaminpflichtigen/septischen) Patienten habt.
Die Problematik haben wir ehr selten, wenn dann nur bei Patienten mit extremen Capillary Leak und extrem hohen Katecholamindosen (besonders Noradrenalin). Aber wirklich ausgesprochen selten.
Deine Theorie mit den Mikrobewegungen kann ich nicht ganz vertreten, obwohl ich mir`s vorstellen könnte. Ich denke es liegt auch ein wenig an den Handtüchern. Ich nehm mal an ihr verwendet Frotteehandtücher. Leider sind die nach einigen mal waschen nicht mehr ganz so "flauschig", wie es in der Werbung immer versprochen wird. Durch häufiges waschen werden die "Dinger" ziemlich schnell stumpf und vielleicht auch ein wenig hart. Bei uns gibt es auch ein paar "Schönheits"-Pfleger, die, weils besser aussieht, ein Handtuch übers Kopfkissen ziehen. Begründung: "Damit der Kissenbezug nicht schmutzig wird!"
Wir lagern (der größte Teil unseres Teams) unsere Patienten ausschließlich auf Kopfkissen (Normmaße 80x80). Allerdings machen wir kein Schiffchen, wie du es beschrieben hast, sondern wir machen ein "Dreieck". Die lange Seite kommt zum Patienten. Mit den anderen drei Spitzen kann man dann den Kopf entsprechend der Lagerung stabilisieren bzw. positionieren, so dass er auch immer achsengerecht gelagert ist. Und ich bin auch der Meinung das ein Kopfkissen deutlch weicher ohne Handtuch ist und so der Auflagedruck besser verteilt wird. Ein regelmäßiges umlagern bzw. kontrollieren der Kopfposition ist für mich auch selbstverständlich.
Der Vorschlag von Arnold ist, find ich, auch nicht schlecht. Auf jeden Fall könntest du möglicherweise deine Theorie belegen. Auf der anderen Seite lass dir doch mal das Vorgehen deiner Kollegen begründen. Würd mich mal interessieren was sie Antworten.
Gruß der Randbayer
Miss Honey
06.11.2006, 23:38
Erstmal danke an alle bisher :)
Das Argument dafür meiner Kollegen lautet, dass es besser aussieht (lustigerweise versinkt grade bei diesen Kollegen der Rest des Zimmers im Chaos *gg*) und wir es immer schon so gemacht haben :mosh:
Die Problematik liegt meiner Meinung nach tatsächlich in dem Härtegrad des Frottees, denke, in unserer Wäscherei wird kein Kuschelweich benutzt und das merkt man auch :) Mit den Mikrobewegungen meine ich tatsächlich die Reibung, diese muss ja nichtmal gross sein, aber bei ohnehin schlechter peripherer Durchblutung ist das Risiko eines Dekus eben gegeben.
Bin daher auch der Meinung, dass es ohne Handtuch gesünder für entsprechende Patienten wäre. Leider sind solche Patienten bei uns überdurchschnittlich oft vertreten und daher auch die Ohrdekus :-o
@Madi: Vielen Dank für den Lagerungskissentip, diese Kissen haben wir auch bei uns im OP, bekommen sie aber aus Kostengründen bisher nicht für unsere Intensiv :) Da steht man sich selbst im Weg *gg*
Die Dreiecksmethode kenne ich bisher nicht, aber werde es morgen gleich mal ausprobieren!
Mal schauen, was sich so tut .... ;)
ostfriesland
07.11.2006, 05:10
Moin,
wir benutzen keine Handtücher, da diese in der Regel doch sehr hart sind. Meistens haben unsere Patienten nur Kissen von 40x40 cm unter dem Kopf.
Gruß
Randbayer
07.11.2006, 18:04
Ich habe letzte Nacht mal auf die Mikrobewegung, die durch die Beatmung verursacht werden, bei meinen Patienten beobachtet. Klar schlechte Perfussion, harte, rauhe Unterlage (Handtuch) und dann noch ein leichtes, aber wirklich leichtes, "Nicken" des Kopfes. Könnte die Entstehung von Ohr-Dekus begünstigen.
Die Argumente deiner Kollegen sind wie überall dieselben. Kann man eben nix machen.
Gruß der Randbayer
Hilfe,
Was sind denn "Fritzchen Kissen und Bezüge"????
So was ist mir völlig unbekannt. Bei uns gibts nur 40X80 Kissen, dazu aber
80X80 Bezüge.
Handtücher liegen auch sehr gerne von vielen Kollegen auf den Kissen. Mit dem Argument: Schweiß und Sekrete werden besser aufgesaugt. Probleme mit Ohrdekubiti gibts eigentlich kaum.
Dafür aber die ersten Anraunzer vom Controling: Unser Handtuchverbrauch steht nicht im Verhältnis zur Patientenzahl: Sondern ist viel zu hoch!
Gruß, Chris
Gerhard Raßmann
20.11.2006, 10:43
Hallo,
das Problem mit den Handtüchern kann ich nur bestätigen. Ein Tipp: Verwendet anstatt der "schönen" Handtücher Stoffwindeln. Die sind weicher und auch saugfähig.
Ich habe es versucht und habe nur gute Erfahrungen damit.
fridolin
21.11.2006, 08:44
Liebe Miss Honey, liebes Forum,
auch ich kenne die Unsitte des "Handtuch unterlegens", aber Probleme mit Ohrdekubiti haben wir nur ganz selten. Es ist wäre sicherlich hilfreich, den Vorschlag von Arnold aufzugreifen und daraus ein Forschungsprojekt zu entwickeln.
Das Forum wäre dafür ideal, weil eine große Anzahl unterschiedlicher Krankenhäuser an dem Projekt beteiligt wären und sich Abstimmungen über das Forum relativ leicht erreichen lassen.
Das Argument: "...und wir es immer schon so gemacht haben..." kenne ich zur Genüge. Meine KollegInnen wagen es mittlerweile nicht mehr, dies in meiner Gegenwart auszusprechen, da sie sonst "standrechtlich erschossen" (natürlich nur verbal) werden. Es war ein langer Weg dahin.... Nun folgt die zweite Phase: in die Köpfe muss hinein, das Neues zu probieren und alte Zöpfe abzuschneiden nur der Weg in die Zukunft ist.
@chris,
als "Fritzchen" werden kleine Kissen von ca. 20 x 20 cm bezeichnet.
Viele liebe Grüße
fridolin
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