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Vollständige Version anzeigen : Vasopressin


Shaya
18.10.2006, 17:01
Hallo,

wer von euch hat Erfahrung mit Vasopressin zur Sepsis-Therapie?? Mit welchen Dosierungen arbeitet ihr, mit welchen Ergebnissen??

Danke für eure Antworten, liebe Grüße, Shaya

arnold kaltwasser
19.10.2006, 14:21
siehe Vortrag von Prof. Pühringer:

http://www.zwai.net/pflege/Weiterbildung/Reviews/Reutlinger_Fortbildungstag/Reutlinger_Fortbildungstag_2005/Reutlinger_Fortbildungstag_2005_-_der_erste_Tag/

so long arnold

Superfantastisch
19.10.2006, 15:57
und hier:

http://www.zwai.net/pflege/Intensiv/Journal/Intensivmedizin/Therapie_der_Sepsis/

Randbayer
19.10.2006, 17:28
Hallo Shaya!

Hier findest du die Empfehlungen der Leitlinien der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V. und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (http://scholar.google.de/url?sa=U&q=http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/079-001.pdf) In diesem Konsensus
wird ein routinemäßiger Einsatz abgelehnt. Siehe Zitat.
* Vasopressin kann den arteriellen Blutdruck suffizient steigern (195-198) führt aber zu einer
deutlichen Reduktion des Herzzeitvolumens und einer Umverteilung regionaler
Blutflüsse. Bei Dosierungen >0,04 U/min wurden Myokardischämien, Abfälle des
Herzzeitvolumens, Herzstillstand und ischämische Hautläsionen beschrieben (197, 199).
Sicherheit und Wirksamkeit von Vasopressin in der Behandlung von Patienten mit
septischem Schock werden derzeit untersucht. Wir empfehlen die routinemäßige
Anwendung von Vasopressin nicht. Die Anwendung von Vasopressin als Ersatz für
Noradrenalin muss abgelehnt werden (200).

→ Empfehlung Grad E („Evidenz“grad V: Expertenmeinung)

Gruß der Randbayer

morgenmuffel
19.10.2006, 22:53
Hallo Shaya!

Und hier findest du allgemeine Richtlinien zum Einsatz von Medikamenten zur Blutdruckstabilisierung/Vasopressoren von der sepDIC (http://www.sepdic.de/cgi-bin/WebObjects/Ketjafme.woa/1/wa/selectChapter?chap=1001908&wosid=kJG2rESw2zXlwP3sHvzIKM&site=BaxterSepDic&lang=de&page=1002864) Homepage

Der Einsatz von Vasopressin (antidiuretisches Hormon, ADH) kann bei Patienten mit therapierefraktärem Schock (kein Ansprechen auf Volumensubstitution und hochdosierte konventionelle Vasopressoren) erwogen werden. Derzeit wird Vasopressin nicht als Ersatz für Noradrenalin oder Dopamin als Initialtherapie empfohlen. Beim Erwachsenen sollte Vasopressin mit 0,01 bis 0,04 Einheiten/Minute infundiert werden. Vasopressin kann das Schlagvolumen herabsetzen.

Merksatz:
Kein Ansprechen auf konventionelle Vasopressoren? Vasopressin (ADH) mit 0,01 bis 0,04 Einheiten/min. erwägen!

Evidenzgrad und Begründung:
Evidenzgrad E

Begründung: Niedrige Vasopressin-Dosen können zur Anhebung des Blutdrucks bei Patienten effektiv sein, die nicht ausreichend auf andere Vasopressoren reagieren. Jedoch sind dazu keine Outcome-Daten verfügbar. Entgegen Dopamin und Adrenalin ist Vasopressin ein direkter Vasokonstriktor ohne inotrope oder chronotrope Effekte und kann zu einer Verminderung des Herzzeitvolumens und zu einer verminderten Durchblutung des Splanchnikusgebietes führen. Die meisten Veröffentlichungen schließen Patienten mit einem Herzindex (cardiac index) < 2,0 oder 2,5 l/min/m2 von der Behandlung mit Vasopressin aus. Bei Patienten mit kardialen Funktionsstörungen sollte es nur mit Vorsicht angewendet werden. Studien zeigen, dass die endogene Vasopressin-Konzentration beim frühen septischen Schock erhöht sein kann, bei anhaltendem Schock jedoch bei den meisten Patienten innerhalb von 24 bis 48 Stunden auf normale Werte zurückgeht. (33). Dies wird auch als „relativer Vasopressin-Mangel“ beschrieben, da man im Rahmen einer hypotonen Blutdrucksituation erhöhte Werte erwarten würde. Die Signifikanz dieser Erkenntnisse ist nicht bekannt. Vasopressin-Dosen von > 0,04 Einheiten/Minute wurden mit myokardialer Ischämie, Rückgang der Auswurfleistung und Herzstillstand in Zusammenhang gebracht. (34, 35, 36)

Sören Lösche
20.10.2006, 19:33
Hallo,
ich staune, wie viele Pflegekräfte sich damit beschäftigen. Ich dachte das wäre Ärztesache und wir hätten genügend eigene Probleme.
Sören aus Hannover :confused:

morgenmuffel
21.10.2006, 00:15
Hallo,
ich staune, wie viele Pflegekräfte sich damit beschäftigen. Ich dachte das wäre Ärztesache und wir hätten genügend eigene Probleme.
Sören aus Hannover :confused:

Hallo Sören,
ich glaube es ist auch wichtig zu wissen was wir da an Chemie in unsere "Kunden" so reinkippen.
Es ist ja leider nicht immer so, dass der Arzt uns vor der Therapie erklärt, uns weiterbildet, wie die Pharmaka in welcher Dosierung an welchen Rezeptoren oder Regelkreisen wirken.
Und: Wir Pflegekräfte sind nun mal, unter vielem und wichtigem anderen, auch mit verantwortlich für eine kontinuierliche medikamentöse Versorgung. Und ich fühle mich halt einfach besser wenn ich so ein bisschen über die Zusammenhänge Bescheid weiß.
Darum beschäftige ich mich, neben W/O/W Emulsion, der Prölß-Skala, der Dekubitusprophylaxe, einer guten Mundpflege und anderer Sachen, auch mit so Ärztesachen.
Nebenbei: das wir verstehe ich Berufsgruppen übergreifend
Gruß morgenmuffel

Sören Lösche
21.10.2006, 16:10
Hallo Morgenmuffel,
kann deine Argumentation gut verstehen und akzeptieren. Ich finde es nur schade, wenn Pflegekräfte sich überwiegend über ärztliche Themen identifizieren wollen. Intensivpflege ist schon sehr umfassend, wenn man es ernst nimmt. Ansonsten stimme ich dir zu. Wenn alle Berufsgruppen über den eigenen Tellerrand schauen, können wir sicher gut zusammen arbeiten.
Sören:)

Randbayer
22.10.2006, 17:10
Hallo Sören!

Warum sich Pflegende oft über ärztliche Themen zu indendifizieren versuchen? Diese Frage ist wirklich berechtigt. Ich kann der Argumentation von Morgenmuffel nur zustimmen. Wir alle arbeiten für das gleiche Ziel und da ist es, find ich, wichtig auch berufsübergreifend zu denken und Wissen zu besitzen. Leider geschieht das all zu häufig nur einseitig und da wären wir bei der ersten Frage. Ärztliche Mitarbeiter haben oft wenig Wissen oder Interesse sich über pflegerische Therapiemöglichkeiten zu informieren (z.B. spezielle Lagerungsdrainagen...). Zum Anderen ist die Krankenbeobachtung eine Aufgabe des Pflegepersonals auf einer Intensivstation. Auf kleineren Intensivstationen ist manchmal nicht immer ein Arzt anwesend. Deshalb bin ich der Meinung man Wissen sollte welche (Neben-)Wirkung der ganze pharmakologische Cocktail hat, den man in den Patienten reinschüttet. Ich bin auch keine Person die sich Dosierungen merkt, aber für mich ist es wichtig gewisse Situationen richtig zu interpretieren und entsprechend zu reagieren. Das siehst du ja auch so. :)

Einen sonnigen Gruß nach Hannover

Der Randbayer