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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krankenschwester unter Mordverdacht



Sabine Rüdebusch
27.01.2006, 09:46
Hallo, liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute morgen in der Welt: http://www.welt.de/data/2006/01/26/836384.html

Liebe Grüsse
Sabine ( wenig relaxt )

Superfantastisch
10.02.2006, 01:06
gehen ja leider (oder gottseidank) immer wieder durch die presse. gottseidank, weil dadurch kollegen von eventuellen tätern gewarnt werden und mitbekommen, dass es sowas wirklich gibt.

heute abend lief erst eine doku über den typen aus sonthofen in der ard:

http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,,OID2215588,00.html

aber was machen, wenn man wirklich kollegen hat, bei denen man begründeten verdacht hat?

Elisabeth
10.02.2006, 10:01
aber was machen, wenn man wirklich Kollegen hat, bei denen man begründeten verdacht hat?

Wurde von Dörner im Abschlusstatement in der Doku gut beantwortet: nicht Urvertrauen vs. urmißtrauen, sondern beides im gesunden Verhältnis zueinander. Der Gedanke: es kann nicht sein, was nicht sein darf- gehört verboten. Und in diesem Falle müßte wohl das Mißtrauen überwiegen und zu speziellen Maßnahmen führen: vermehrte und bewußte Kontrolle des MA, schriftl Doku von Beobachtungen möglichst emotionsfrei (Pflegebericht), schriftl. Info an AG (ggf. anonym?).

Interessant fand ich die These, dass eine "Verrohung der Sprache" ein Indiz für ein wenig menschenachtendes Verhalten ist und wohl bei allen Tätern zu finden war. *grübel* Wo fängt dies an und wo hört es auf?

http://www.bioskop-forum.de/themen/euthanasie_sterbehilfe/patiententoetung.htm
http://www.supervision-hamburg-gesundheitswesen.de/rotondo/download/patiententoetung_vortrag_2005.pdf
http://www.skpr-bielefeld.de/SKPR_Fachtagung_Gewalt.pdf


Elisabeth

madison
11.02.2006, 14:38
@Elisabeth:


Interessant fand ich die These, dass eine "Verrohung der Sprache" ein Indiz für ein wenig menschenachtendes Verhalten ist und wohl bei allen Tätern zu finden war. *grübel* Wo fängt dies an und wo hört es auf?

Ich denke, diese These ist einen eigenen Thread wert. Was meinst Du dazu?

Gruss vom Rhein, Madi

Elisabeth
11.02.2006, 19:02
Meinst du dieses Thema?

http://www.krankenschwester.de/forum/fachliches-pflegetaetigkeiten/1481-sprache-krankenpflege.html?highlight=Sprache



Elisabeth

Groha
05.10.2006, 19:16
Mordverdacht gegen Schwester an Berliner Charité


Staatsanwälte: Teilgeständnis abgelegt - Überdosis an zwei Patienten

An der Berliner Charité herrscht Entsetzen. Eine Krankenschwester des europaweit größten Universitätsklinikums soll auf der Intensivstation der Kardiologie zwei schwer kranke Patienten mit einer Überdosis an Medikamenten getötet haben. Gegen die 54-Jährige wurde wegen zweifachen Mordes Haftbefehl erlassen, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, am Donnerstag mit.

Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/29/0,3672,3985405,00.html

uli
06.10.2006, 22:29
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mir liegt es fern, diese Taten entschuldigen, rechtfertigen oder gar tolerieren zu wollen. Aber, fragt Ihr Euch auch manchmal: Wie wird der eine oder die andere mit dem Stationsstress fertig? Wer fängt ihn auf? Wer fängt Euch auf? Wo bleibt die Zeit zum Reden im Kreis der Mitarbeiter? Wie baut man bei großen, interdisziplinären Intensivstationen ein Vertrauensverhältnis zueinander auf? Gibt es die Möglichkeit der Supervision?
Nachdenkliches aus dem Pott

Uli

Papuga
07.10.2006, 10:46
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mir liegt es fern, diese Taten entschuldigen, rechtfertigen oder gar tolerieren zu wollen. Aber, fragt Ihr Euch auch manchmal: Wie wird der eine oder die andere mit dem Stationsstress fertig? Wer fängt ihn auf? Wer fängt Euch auf? Wo bleibt die Zeit zum Reden im Kreis der Mitarbeiter? Wie baut man bei großen, interdisziplinären Intensivstationen ein Vertrauensverhältnis zueinander auf? Gibt es die Möglichkeit der Supervision?
Nachdenkliches aus dem Pott

Uli
Fertig werden wir sicher nicht mit dem Wegfixen der sterbenskranken Patienten. Wo gibt's denn sowas:wow: ? Kann sowas nicht verstehen. Mit >55 Jahren (diese besagte KS soll so alt sein) ist man vielleicht auch nicht mehr an der richtigen Stelle, einen solchen Job auszuführen. Vielleicht war mein letzter Satz etwas polarisierend, aber diese Sache regt mich so sehr auf. Das darf doch wohl nicht wahr sein!!

Wenn das Team stimmt, kommt man einfach ins Gespräch zwischendurch. Sozialhygiene;) . Ausserdem gibt es Teambesprechungen. Für den Fall, dass was nicht stimmt, kann man bei der PDL oder MAV eine Supervision beantragen.

zwai
07.10.2006, 16:18
Eines der renommiertesten Krankenhäuser Deutschlands steht vor einem Rätsel: Eine Schwester gab zu, zwei Schwerkranke umgebracht zu haben. Doch ihr Motiv ist völlig unklar. Nun übergab die Klinik Ermittlern die Akten zu 15 weiteren Todesfällen
-> http://www.taz.de/pt/2006/10/07/a0067.1/text

fridolin
10.10.2006, 20:24
Hi, @all,
Papuga hat unrecht.
!.) Die Krankenschwester soll 54 Jahre alt sein.
2.) Ältere Mitarbeiter können mit ihrer oft ruhigeren Art doch eine große Bereicherung sein.
3.) Es gibt durchaus Beispiele, wo hohe Fachlichkeit nicht im Widerspruch zum Alter steht.
4.) Hingegen können auch gerade junge Menschen für das Team einer ITS (Und nicht nur für dieses Team) eine Belastung durch ihr Verhalten sein.
5.) Und ja: ältere Mitarbeiter haben die Erfahrung, auch mit Belastungssituationen souveräner umzugehen, als junge KollegInnen.
6.) Und zu guter Letzt möchte ich auch an relativ junge, gewissenhafte Schwestern und Pfleger erinnern, die in der Vergangenheit schwerkranke Patienten getötet haben. Um nur zwei bekannte Beispiele zu nenne: Michaela Roeder und Helmut Frey.

Es ist viel zu einfach, die Schuld an solchen Vorfällen auf das Alter der betreuenden Pflegeperson zu schieben.
Vielmehr muss genau hingesehen werden und das ganze Team beleuchtet werden - sicher, nur ein Mitarbeiter aus der Mitte führt die Tat dann aus - aber auch die anderen Mitarbeiter tragen eine Mitverantwortung und wenn es auch nur die passive Haltung ist - denn erste Warnsignale werden mit Sicherheit von den Mitarbeitern wahrgenommen.
Statt Co - Alkoholismus Co - Tötung?

Hier nun ein interessanter Link zu einem sehr guten Artikel hierzu....
http://www.supervision-hamburg-gesundheitswesen.de/rotondo/download/patiententoetung_vortrag_2005.pdf
Viele liebe Grüße
fridolin

Papuga
10.10.2006, 20:59
Hi, @all,
Papuga hat unrecht.
!.) Die Krankenschwester soll 54 Jahre alt sein.
2.) Ältere Mitarbeiter können mit ihrer oft ruhigeren Art doch eine große Bereicherung sein.
3.) Es gibt durchaus Beispiele, wo hohe Fachlichkeit nicht im Widerspruch zum Alter steht.
4.) Hingegen können auch gerade junge Menschen für das Team einer ITS (Und nicht nur für dieses Team) eine Belastung durch ihr Verhalten sein.
5.) Und ja: ältere Mitarbeiter haben die Erfahrung, auch mit Belastungssituationen souveräner umzugehen, als junge KollegInnen.
6.) Und zu guter Letzt möchte ich auch an relativ junge, gewissenhafte Schwestern und Pfleger erinnern, die in der Vergangenheit schwerkranke Patienten getötet haben. Um nur zwei bekannte Beispiele zu nenne: Michaela Roeder und Helmut Frey.

Es ist viel zu einfach, die Schuld an solchen Vorfällen auf das Alter der betreuenden Pflegeperson zu schieben.
Vielmehr muss genau hingesehen werden und das ganze Team beleuchtet werden - sicher, nur ein Mitarbeiter aus der Mitte führt die Tat dann aus - aber auch die anderen Mitarbeiter tragen eine Mitverantwortung und wenn es auch nur die passive Haltung ist - denn erste Warnsignale werden mit Sicherheit von den Mitarbeitern wahrgenommen.
Statt Co - Alkoholismus Co - Tötung?

Hier nun ein interessanter Link zu einem sehr guten Artikel hierzu....
http://www.supervision-hamburg-gesundheitswesen.de/rotondo/download/patiententoetung_vortrag_2005.pdf
Viele liebe Grüße
fridolin
Ich war mir im Klaren darüber, dass meine Aussage eine solche Antwort bekommen würde.
Über 54 oder 55 Jahre der KS wollen wir hier ja nun nicht streiten, oder?
Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sicherlich (absolut unbestritten) ältere Kolleginnen viel, und oft mehr Erfahrungen haben. DAS habe ich auch nicht bestritten! Auch haben sie oft mehr Souveränität + Ruhe. Jajaja.
Vielfach ist es aber doch so, dass selbst viele in meiner Altersklasse eigentlich nur jahrelang hier arbeiten, um noch Geld zu bekommen. Lassen uns alles mögliche aufbürden. Und die Gedanken gehen aber in andere Richtungen. Was kann ich machen, um noch mehr für weniger Arbeit zu verdienen? Wie kann ich mich spezialisieren....usw, usf. Fragt man sich nicht selbst, wie lange man den stressigen Job noch selber ausführen möchte/kann?
Bei der Kollegin war es wohl schon über ein gewissen Maß hinausgegangen, egal, welche Beweggründe sie gehabt haben mag. Mitleid, Aufmerksamkeitsdefizit, o.ä.
Bin ich auch noch so fertig, aus welchem Grund auch immer, kann ich das nicht an einem Menschen auslassen!!
Lieber erfahrener, souveräner Kollege Fridolin. Hier nun eine Frage von einem jungen, unwissenden Kollegen: was meinst Du damit ->
Statt Co - Alkoholismus Co - Tötung?

arnold kaltwasser
11.10.2006, 09:45
...Mit >55 Jahren (diese besagte KS soll so alt sein) ist man vielleicht auch nicht mehr an der richtigen Stelle, einen solchen Job auszuführen. ...

:confused: :confused: :confused:
ihr lieben jungen leute vergesst nicht, dass ihr auch mal alt werdet....
so long der schon etwas ältere arnold

Papuga
11.10.2006, 14:47
:confused: :confused: :confused:
ihr lieben jungen leute vergesst nicht, dass ihr auch mal alt werdet....
so long der schon etwas ältere arnold
Bitte alles lesen, denn ich weiß, dass auch ich nicht ewig jung bleibe!
Mein eigenes Zitat:
Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sicherlich (absolut unbestritten) ältere Kolleginnen viel, und oft mehr Erfahrungen haben. DAS habe ich auch nicht bestritten! Auch haben sie oft mehr Souveränität + Ruhe.

P.

madison
11.10.2006, 15:55
hallo @papuga, hallo @all,

der artikel, den fridolin verlinkt hat, ist sehr lesenswert.

co-abhängigkeit meint, dass zb der ehemann einer alkoholikerin durch sein (gutgemeintes) verhalten die Abhängigkeit seiner frau unterhält und befördert, das lässt sich in gewisser weise auch auf das verhalten eines teams übertragen, dass auf warnsignale bezüglich patiententötungen nicht reagiert, sie nicht wahrnimmt, oder sie nicht wahrnehmen will.
in dem artikel wird auch die sprachliche verrohung angesprochen, ohne explizit darauf hinzuweisen, wie gefährlich diese verrohung sein kann, weil sie verdrängung und unsensibilität fördert.
schaut euch an,wie ihr in eurem team mit sprache umgeht, das ist ein erster schritt zur prävention.
sagt ihr bei der übergabe 'herr müller ist in der nacht verstorben'?
und wie wäre die reaktion wenn jemand sagt: 'müller ist ins sockelgeschoss verlegt'???

gruss vom rhein, madi

fridolin
11.10.2006, 19:42
Danke madison.
Gut erklärt, trifft den Inhalt meines Artikels. So habe ich die Aussage Co -Tötung gemeint.
Liebe Papuga,
nun brauche ich nicht mehr dierekt zu antworten, madison hat das schon gut für mich getan.
Umpf, auch ich bekenne mich und muss mich bereits zu den älteren Semestern zählen - noch gut 15 Jahre bis ich dann mit (hoffentlich) 65 Jahren in Rente gehen kann.
Natürlich ist es schwieriger, als älterer Mitarbeiter am Ball zu bleiben und nicht von den jungen KollegInnen überrundet zu werden, natürlich führt jedes weitere Lebensjahr zu einer Verlangsamung des Arbeitsrhythmus - aber hier werden in der Regel (es gibt auch Ausnahmen) die Erfahrung und Souveränität (d.h. die Qualität steigt) das langsamere Arbeitstempo ausgleichen.
Viele liebe Grüße
fridolin

WomBat
11.10.2006, 21:47
Charite
Betroffenheit ist das was ich jetzt empfinde. Das Einzige was bei mir klar ist, dass ich diesen Schritt selbst nicht könnte oder wollte. Ansonsten ist das Gefühl diffus...Was wäre, wenn mein Team davon betroffen wäre? Wie würde es uns gehen? Wie gingen wir damit um? Auf welchen Gedanken kämen wir? Welche Konsequenzen würden wir daraus ziehen wollen und warum? Was passiert mit "Vertrauen" bei Patienten und Angehörigen sowie im Team? Ja, ich fühle mich irgendwie mitbetroffen und bin sehr traurig. Selbst wenn ich mir wünsche, dass so etwas nie wieder vorkommt, werde ich es eher nicht beeinflussen können. Da macht sich ein Gefühl der Hilflosigkeit bemerkbar. Aber was dagegen tun?
Vielleicht ein vertiefter, gesellschaftlicher Diskurs über viele Tabu Themen rund um Leben, Sterben und Tod? Vielleicht ein gesellschaftlicher Blick auf Intensivstationen, diese geheimnissvollen Orte? Es sind Orte, über die viele nicht wirklich sprechen wollen oder gar sehen wollen. Ausnahme sind die, die dort arbeiten.

Danke an Fridolin, für Mut und Literatur. Danke an Madison für den Schubs, die eigene Ausdrucksweise noch mal kritisch unter die Lupe zu nehmen.

WomBat

Obs-Pfleger
20.11.2006, 18:15
Hallo!

Aus aktuellem Anlass...:guck mal: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,449677,00.html

..."L. war für die Pflege von Intensivpatienten nicht ausgebildet. Als Berufsanfänger...verfügte er auch nicht über die für derartige Pflege erforderliche Praxiserfahrung. In Sonthofen wurden Intensivpatienten entweder auf der sogenannten Wachstation oder im normalen Klinikbetrieb neben anderen Patienten mit normalem Pflegebedarf versorgt...."

..."Dass die Innere Abteilung des Krankenhauses in Sonthofen nicht dem Standard einer Intensivstation entsprach, überging die Kammer bei ihrem Urteil. Dass es ein Unterschied ist, ob ein ausgebildeter Fachpfleger mit maximal vier Intensivpatienten befasst ist oder ein Berufsanfänger wie L. sich neben einem oder mehreren Intensivpatienten auch noch um weitere 13 bis 14 Normalpatienten zu kümmern hat, war dem Gericht kein Wort wert...."

Schockierend, oder!!! :eek: :schock: :schock: !!! Das entschuldigt meiner Meinung nach auf keinen Fall die Taten die dieser sogenannte "Todespfleger" begannen hat, trotzdem sind das ja Zustände....!!! Einfach nur zum :vomitus: :wut:

Mfg Obs-Pfleger - ":wut: :wut: :wut: flippt total aus:wut: :wut: :wut: "

Elisabeth
20.11.2006, 18:22
Willkommen in der deutschen Realität.

Elisabeth

WomBat
20.11.2006, 19:03
!!! ??? Es passiert vieles hinter verschlossen Türen - abseits von der sog. "Öffentlichkeit". Wird sich jemals ein Richter hinter die Türen wagen?

Bin mit OBs Pfleger, die Taten sind nicht zu rechtfertigen.

Doch irgendwo bleibt das "aber, die Rahmenbedingungen..." und "wieso hat das Keiner bemerkt?"

WomBat, Mein Mitgefühl den Trauernden Angehörigen

Gerhard Raßmann
21.11.2006, 09:37
Hallo Obs-Pfleger,
soweit ich informiert bin, sollen die Zustände in dem Krankenhaus in einem gesonderten Prozess untersucht werden. Wäre abzuwarten, ob es wirklich dazu kommt.

zwai
24.01.2007, 16:45
Krankenhäuser und Pflegeheime gelten als Orte der Fürsorge und des Schutzes. Gleichzeitig sind sie aber auch der ideale Tatort für unverdecktes Töten, wie die vor den siebziger Jahren nicht gekannte Häufung von bekannt gewordenen Patiententötungen zeigt.
Nach einer Studie der Münsteraner Gerichtsmedizin kommt auf jedes aufgeklärte Tötungsdelikt mindestens ein unentdecktes.
Prof. Dr. Karl-Heinz Beine hat sich als erster systematisch mit dem abgründigen Phänomen beschäftigt. In der WDR5-Redezeit berichtet Beine aus seiner zwanzigjährigen Erfahrung über die Psychologie der Täter.
Das hochinteressante Interview bietet WDR5 als Stream an. (hhe)

>>> zu WDR5.de >>> (http://www.wdr5.de/index.phtml?beitrag=850481)

Randbayer
24.03.2007, 11:54
Frühwarnsystem nach Mordserie in Charité

Klinikpersonal kann Unregelmäßigkeiten, Mängel oder Beschwerden künftig ohne Furcht vor Sanktionen anonym mitteilen


In allen Charité-Kliniken soll ein anonymes Frühwarnsystem eingerichtet werden, kündigte der Ärztliche Direktor der Charité, Professor Ulrich Frei, an. Mit diesem sogenannten CIRS (Critical Incident Reporting System) könne jeder Klinikbeschäftigte anonym Beschwerden, Bedenken und Kritik in den Charité-internen Computer-Briefkasten eingeben. Niemand müsse Sanktionen fürchten durch Meldung über kritische Ereignisse (critical incident) und Beinahe-Schäden (near-miss).

[...]

Um mysteriöse Todesfälle zu entdecken und aufzuklären, will die Charité zudem flächendeckend sogenannte Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen einführen: Einmal wöchentlich sollen die Mediziner in den universitären Kliniken über verstorbene Patienten sprechen.

Aus der Berliner Morgenpost vom 23. März 2007

-> http://www.morgenpost.de/content/2007/03/23/berlin/890412.html


Tötung von Patienten
Serien ++ Dunkelziffer

Serien
Irene B. werden insgesamt acht Taten vorgeworfen. Pfleger Stephan L. (27) vom Krankenhaus Sonthofen (Bayern) hatte 2004 29 Tötungen zugegeben; seine Opfer waren 40 bis 92 Jahre alt. Altenpflegehelferin Michaela G. (27) wurde im Februar 2006 für insgesamt neun Tötungen im Altenstift Wachtberg-Berkum (Nordrhein-Westfalen) zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dunkelziffer
"Unter Pathologen und Kripokommissaren gilt die Erkenntnis, dass etwa jeder zweite Mord aufgrund nicht durchgeführter Obduktionen nicht entdeckt wird", schreibt die Journalistin und Autorin Sabine Rückert in ihrem Buch "Tote haben keine Lobby". Besonders über 60-Jährige seien gefährdet, wenn etwa plötzliches Herzversagen keinen Verdacht hervorruft. pol

Quelle:
Aus der Berliner Morgenpost vom 23. März 2007 (http://www.morgenpost.de/content/2007/03/23/berlin/890411.html)

zwai
19.04.2007, 08:13
"Ich weiß, dass es nicht richtig war"
Charité-Krankenschwester gesteht Mord an vier Patienten


Berlin (RPO). Die wegen sechsfachen Mordes angeklagte Krankenschwester aus der Berliner Charité hat gestanden, vier Patienten getötet zu haben. Sie äußerte gegenüber den Angehörigen ihr Bedauern und betonte, im Sinne der sterbenskranken Patienten und letztlich zu deren Wohl gehandelt zu haben.

-> http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/panorama/deutschland/429279

Obs-Pfleger
19.04.2007, 20:16
Abend!

Hier noch ein weiterer Artikel zu dem Thema :guck mal: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,477959,00.html

Mfg Obs-Pfleger

Miss Honey
20.04.2007, 15:33
Wenn das Team stimmt, kommt man einfach ins Gespräch zwischendurch. Sozialhygiene;) . Ausserdem gibt es Teambesprechungen. Für den Fall, dass was nicht stimmt, kann man bei der PDL oder MAV eine Supervision beantragen.

Glückwunsch, wenn das in Deinem Haus möglich ist.
Bei uns beispielsweise nicht.
Ins Gespräch kommen zwischendurch? Ausserhalb der Pause eher selten und dann nur mal im Vorbeigehen im Flur...
Teambesprechungen? Sind nur für Organisatorisches vorgesehen und finden alle 4-6 Wochen für 1,5 Stunden statt- mit maximal 1/4 des Teams...
SUPERVISION? Wow, davon träumen wir nur! Das ist bei uns beispielsweise von Seiten der PDL überhaupt nicht gewünscht und auch nicht durch Nachdruck der MAV zu erreichen...

Der Arbeitgeber sollte sich mal an die eigene Nase fassen, inwiefern er vielleicht zu solch einem (absolut indiskutablen und nicht zu entschuldigendem) Verhalten eines Mitarbeiters wie in der Charité beigetragen hat....

Randbayer
25.04.2007, 17:16
Charité-Schwester soll auch zugeschlagen haben


Die unter Mordverdacht stehende Krankenschwester der Berliner Charité soll auch Patienten geschlagen haben. Dies sagten übereinstimmend mehrere Arbeitskollegen der Angeklagten vor dem Berliner Landgericht aus. Zwei Krankenschwestern erwähnten Vorfälle, nach denen die 54-Jährige Patienten ruppig behandelt und angeschrien habe. Sie habe in den letzten Monaten überfordert gewirkt.
Es sei ein schleichender Prozess gewesen, der möglicherweise auch mit der Scheidung der Angeklagten im vorigen Jahr zu tun gehabt habe, vermutete eine Zeugin. Der Ex-Mann, ein 65-jähriger Rentner, hatte die Aussage am Mittwoch verweigert. ... mehr (http://www.n24.de/news_stories/article.php?articleId=116055&teaserId=118001)

Quelle: N24.de (25.04.2007)

Randbayer
27.04.2007, 12:44
Ärztekammer empört über Charité-Personal


Kollegen hatten beobachtet, wie die wegen Mordes angeklagte Krankenschwester Irene P. Patienten misshandelte. Und sie hatten den Verdacht, die Frau könnte für den Tod eines Patienten verantwortlich sein. Doch die Weitergabe dieser Informationen an Vorgesetzte blieb an der Berliner Charité ohne Konsequenzen. Irene B. tat weiter ihren Dienst. Dafür wird die Uniklinik jetzt scharf kritisiert.
Die Tötung eines Patienten der Charité hätte vermutlich verhindert werden können, wenn die Verantwortlichen sofort reagiert hätten. Ein Dienstgespräch zwischen zwei Ärzten und der Stationsleiterin der Intensivstation in der Charité-Kardiologie am 27. September 2006 blieb jedoch ohne Konsequenzen. Ebenso wie zuvor Meldungen von Kollegen, die beobachtet hatten, wie Irene B. Patienten misshandelt hatte. ... mehr (http://www.welt.de/berlin/article836476/Aerztekammer_empoert_ueber_Charit-Personal.html)

Quelle: Die Welt (http://www.welt.de/berlin/article836476/Aerztekammer_empoert_ueber_Charit-Personal.html) (27.04.2007)

ostfriesland
22.06.2007, 21:29
Zum Artikel
CHARITÉ-PROZESS
Die Abgründe der Schwester Irene bei spiegel.de http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,490233,00.html
Gruß

zwai
29.06.2007, 11:49
Charité-Schwester zu lebenslanger Haft verurteilt


Wegen fünffachen Mordes an schwer kranken Patienten hat das Berliner Landgericht die Charité-Krankenschwester Irene B. zu lebenslanger Haft verurteilt. Die 54-Jährige hatte ihre Opfer durch Überdosen von Medikamenten getötet.

-> http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,491386,00.html

zwai
03.07.2007, 15:19
Ende Juni ist die 55jährige Irene B. wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Die ARD-Reportage "Schwester Tod" hat die Charite-Krankenschwester, ihre Kollegen und Vorgesetzen, die Angehörigen der Opfer und Kriminalbeamte während des Prozesses begleitet.

Mittwoch, 4. Juli 2007, 21.45 Uhr im Ersten. (hhe)

>>> zur Meldung bei daserste.de >>> (http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,9ktxxue6bfs03j8e~cm.asp)

madison
04.07.2007, 22:47
Hallo ZWAImeinde,

habe die Doku eben gesehen, - für mich war es wirklich ein Blick in Abgründe.

Abgründe der Persönlichkeit einer Krankenschwester, (ich empfand die trotzige Körperhaltung und Ausdrucksweise als beklemmend)
und Abgründe eines Systems.

Wie ist es bei euch - sprecht ihr im Kollegenkreis über den Fall, das Thema?
Und wie sieht es aus bezüglich notwendiger Konsequenzen? Tut sich was???

In Bezug auf Patiententötungen und zur Vermeidung des burn-out-syndroms bin ich für die Wiederbelebung der Supervision oä Verfahren, mindestens für jede Intensivstation, oder die Möglichkeit, beratende Hilfe auch als Einzelner einfordern zu können.

Grüsse, Madison

Elisabeth
05.07.2007, 09:00
Ich fand die, wenn auch spärlichen, Hinweise auf den Zusammenhang von Arbeitsverdichtung und Enthumanisierung in den Intensivabteilungen besonders bemerkenswert.

Elisabeth

Anke F.
05.07.2007, 09:40
Guten Morgen,
ich habe gestern nur einen Teil des Filmes gesehen. Die Zusammenhänge von Arbeitsverdichtung und Enthumanisierung hätten meineserachtesns auch klarer rauskommen können.
Ich denke es gibt auch einen Zusammenhang mit der Größe der Intensivstation, der Menge an Personal. Wir sind im Moment noch ein kleines Team 22 Planstellen für 11 Betten, mit Teilzeit sind wir ca. 30Leute. jeder kennt jeden, meistens auch die Sorgen des Anderen. Rücksichtnahme, Dienstplanwünsche usw. werden bedacht.
Nun sollen wir mit einer anderen Abteilung zusammengelegt werden, wir sind dann ca 80Personen, da wird es dann sehr viel anonymer werden und durch hin und herschieben des Personals, sicher auch mehr Ausfälle, Abgrenzungen und Ängste geben.
Hier sind dann gute Abteilungsleitungen gefragt, die sicher merken, wenn im Team was nicht stimmt, die ein offenens Ohr haben, aber auch vom Team gewollt sind.
Ein schönes WE Anke

arnold kaltwasser
10.07.2007, 14:25
ein interessanter link dazu:
http://www.carelounge.de/pflegeberufe/news/news_ansehen.php?meldungID=1966

so long arnold

madison
10.07.2007, 15:24
Hallo ZWAImeinde,

das Zitat stammt aus A.Kaltwassers Link:


Weiterhin fordert die Kommission intensive und regelmäßige Fallbesprechungen, eine verpflichtende Weiterbildung des Personals in klinischer Ethik sowie die regelmäßige, kritische Bewertung der Patientenzufriedenheit.


Wunderbar! Hoffentlich werden es Fallbesprechungen, an denen auch die Pflege teilnimmt... Vorstellbar wäre eine wöchentliche Stationskonferenz mit Pflege, Ärzten, Seelsorge, in einer offenen Atmosphäre, in der z. B. Fragen zu Therapieabbruch/fortsetzung angstfrei gestellt werden können.

Anke hat sicher Recht, aber es reicht nicht, zu merken wenn etwas im Team nicht stimmt.

Elisabeth: Danke, das Stichwort 'Industrialisierung des Gesundheitswesens' hatte ich vergessen zu erwähnen.

Grüsse vom Rhein,

Madison

Obs-Pfleger
11.07.2007, 00:08
Abend zusammen!

Interessaner Link den Arnold hier reingestellt hat! Folgendes hat mich etwas verwundert und würde mich genauer interessieren:

:guck mal: ..."Der Kommission gehören das Mitglied des Nationalen Ethikrates, Professor Jens Reich, sowie die Direktorin für Patienten- und Pflegemanagement am Universitätsklinikum Hamburg, Ricarda Klein, an. Zum Gremium zählen ebenfalls der Vorsitzende Richter am Bundesarbeitsgericht, Klaus Bepler, sowie der Professor für Intensivmedizin und Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Peter Suter..."

Ich finde die Idee einer solchen Komission generell gut, ebenfalls das sogenannte ..."Critical Incident Reporting Systems (CIRS)..."! Was mich jetzt interessieren würde ist folgendes: "Wer von diesen genannten Personen aus der Komission kommt aus der Intensivpflege, also hat mal da gearbeitet oder arbeitet noch da??? Wenn es nicht so sein sollte, halte ich es für nicht wirklich sinnvoll, schließlich geht's ja um uns, es wird ansonsten mal wieder nicht MIT uns sondern ÜBER uns geredet! Oder bin ich nicht gut informiert und habe einem der Herrschaften aus der Kommision jetzt Unrecht getan??? :duck:

Mfg Obs-Pfleger

Elisabeth
11.07.2007, 17:49
Jens Reich: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ReichJens/index.html
Ricarda Klein: http://www.uke.uni-hamburg.de/der-vorstand/index_34969.php
Klaus Bepler und Peter Suter: nichts gefunden

Allein Frau Klein kommt wenigstens ansatzweise aus der Pflege.

Wie dicht man an den Problemen dran ist bei dieser Konstellation??? Es hat für mich so einen Beigeschmack von Schadensbegrenzung.

Elisabeth

arnold kaltwasser
13.07.2007, 07:32
und das sind die Konsequenzen die gezogern werden...
ob es die Richtigen sind, wer weiß...

http://www.charite.de/presse/de/2007/Juli/20070710-01_0.html

so long arnold

ostfriesland
07.10.2007, 10:05
Moin,

Irene B.
Patientenmörderin spricht über ihre Tat
Das Interview bei weltonline.de unter http://www.welt.de/berlin/article1241015/Patientenmoerderin_spricht_ueber_ihre_Tat.html

WomBat
25.05.2009, 20:04
Bericht der Charite „Patientensicherheit“


http://www.anstageslicht.de/dateien/UBE_Charite.pdf

arnold kaltwasser
12.04.2010, 16:23
mmhhh...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,688151,00.html

fridolin
12.04.2010, 18:59
Haben wir nicht alle schon einmal "gemordet"? (< Provokation!?!)

Das tragische Schicksal der ehemaligen Kollegin Irene Becker sollte uns doch zu denken geben - einmal über die beruflich - ethischen Inhalte (ist es immer menschlich, Leben auf jeden Fall erhalten zu wollen?) als auch über die Motivation für den Beruf und insbesondere der Intensiv-pflege sowie über Hilfen bzw. Hilfssysteme für die Pflegenden (und evtl. auch die Ärzte).

Aber die öffentliche Diskussion über Frau Becker ist wieder sehr abgeflacht- die Medien haben kein Interesse mehr und es wird wohl zu keiner sinnvollen Veränderung kommen.
Viele liebe Grüße
fridolin

Elisabeth
13.04.2010, 12:19
Ich habe versucht, mir den Beitrag anzusehen und bin schon an der Scharfrichterstimme des Interwiers gescheitert. Ich hab mir das nicht mal 2 Minuten antun können.

Es geht in den Beiträgen doch gar nicht um Reflexion, geschweige denn einer echten Hilfe für diese Frau. In meinen Augen ist sie krank. Und ich finde es mehr als unethisch, sie dem Laien immer wieder als "Bestie" ohne irgendwelche Gefühle vorzuführen.
Spiegel rutscht hier für mich sehr nahe an Bild ran: Themen "reaninmieren" um der Verkaufszahlen willen.

Das Thema wird auch zukünftig nicht bearbeitet werden...solange, bis der nächste Kollege nur einen Ausweg aus seinem ethisch-moralischen Dilemma sieht.
Hast du wirklich geglaubt, dass so ein Fall entsprechende Folgen zeitigt für alle Pflegekräfte? Das man sich zukünftig bemüht, nicht nur den Körper sondern auch die Seele der Mitarbeiter zu betreuen?

Vergiss es. Bei Einstellungen werden MA gewünscht, die physisch und psychisch belastbar sind. Und am besten bringt MA dies zum Ausdruck, wenn er nicht fragt, nicht denkt nur den AO von PDL und Doc Folge leistet. Das Offenbaren von psychischen Problemen kann schon zu erheblichen Schweirigkeiten für den Betroffenen führen. Er erfüllt nicht mehr die primären Anforderungen: physich und psychisch belastbar. Was macht man mit solchen Kollegen? ...

Funktionieren ist die Devise und wenn das so bleibt, dann wird Fr. Becker nicht die letzte gewesen sein, die einen falschen Weg zur Lösung ihres Problems einschlägt. Beim nächsten mal werden wir wieder Zeter und Mordio schreien... und zur Tagesordnung übergehen.

In unserer Gesellschaft mutiert der Mensch zunehmend zum verschiebbaren Kostenfaktor. Warum soll das im Gesundheitswesen anders sein? Moral und Ethik wird immer von der Gesellschaft bestimmt. Man darf gespannt bleiben, was noch so kommt.

Elisabeth

arnold kaltwasser
19.03.2012, 11:25
auch die Pfleger sind nicht besser, bitter...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822110,00.html
arnold

WomBat
19.06.2012, 19:13
Intensivpfleger und Altenpfleger angeklagt

http://www.sr-online.de/nachrichten/1668/1437952.html

Details sind im Audio zu hören. Der Intensivpfleger soll auch "operiert" haben, ohne Betäubung...

WomBat

ostfriesland
04.12.2014, 17:49
Moin,
aus Anlass der Mordserie am Klinikum Delmenhorst hat ein Psychiater ein Interview gegeben, in welchem er unter anderem erläutert, wie es sein kann, dass der Täter solange töten konnte.
http://www.kma-online.de/nachrichten/pflege/mordserie-am-klinikum-delmenhorst-psychiater-warnt-vor-bewusstem-weggucken___id__34315___view.html
und ein schon fast 10 Jahre altes Interview: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/interview-schuldunfaehig-ist-kaum-einer-1231687.html
Gruß

arnold kaltwasser
09.12.2014, 15:28
und wie ein Kollege sagt: "Man ist manchmal näher dran als man denkt"!

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/krankenpfleger-unter-mordverdacht-ermittlung-gegen-klinikmitarbeiter-a-1007454.html

arnold

WomBat
09.12.2014, 22:04
Das ist beängstigend. Könnte jeden von uns treffen – ohne unser „Wissen“.
Jedoch kommt mir der Gedanke, müssen (müssten) wir nicht alle mehr Verantwortung übernehmen? 1 und 1 zusammenzählen, Ergebnis aussprechen? Auch wenn eine 3 heraus kommt, mal überlegen….Gefühle, Gedanken, Ängste usw. aussprechen? Uns gegenseitig (mehr) zuhören, Verständnis haben, nicht sofort mit der Antwort „das Problem habe ich nicht“, „bei mir nie, habe ich noch nie gesehen, geht mich doch nix an“ kontern (kontern wollen, cool, Bo eH?). Nee, gar nee cool und auch nicht zum Chillen (und eine App gibt es auch nicht). Klar, dazu braucht es auch die „Atmosphäre“, die genau das fördert, duldet, will. Die haben unsere Führungen – nicht immer. Aber: was hält uns zurück, uns selbst ein wenig zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen? Weniger Opfer, mehr denkend Handelnder? Fachlich fit, korrekt, freundlich und Rückgrat demonstrieren? Das wurde noch nie bestraft. Die Zeiten stehen eher dafür…

fridolin
10.12.2014, 08:27
Fachlich fit, korrekt, freundlich und RückgratEine schöne Idealvorstellung, lieber WomBat.

Da Pflegende ihre eigenen Probleme gerne auf den Patienten projezieren, sage ich immer:
"Wenn es den Pflegenden nicht gut geht, wie kann es dann den Patienten gut gehen?"
...(geht oft noch weiter...)...

Viele liebe Grüße
fridolin

ostfriesland
26.12.2014, 06:59
Moin,
Bzgl. des Tötungsdeliktes in Demenhorst stehen weitere Mitarbeiter unter Verdacht
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/875439/toetung-station-acht-klinikmitarbeiter-verdacht.html
Gruß

WomBat
28.12.2014, 13:18
Es ist erschreckend, dass auf den Verdacht von Dr. S. im Jahr 2005 nicht reagiert wurde, bzw. nicht adäquat reagiert wurde.

Karmainski Martin
28.12.2014, 20:35
Es ist erschreckend, dass auf den Verdacht von Dr. S. im Jahr 2005 nicht reagiert wurde, bzw. nicht adäquat reagiert wurde.
Wundert dich das.Mich nicht.:wut:

arnold kaltwasser
08.01.2015, 12:24
unglaublich...bzw. ohne Worte...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oldenburg-pfleger-raeumt-laut-gutachter-toetung-von-30-patienten-ein-a-1011902.html

WomBat
08.01.2015, 20:47
Liebes Forum,

es ist wundersam, dass es uns wundert und doch nicht.

Wir dürfen das als Berufsgruppe nicht tolerieren. Denke ich. Davon müssen wir uns distanzieren. Das geht gegen unsere Berufsethik (siehe ICN, aber auch andere Stellen, z.B. DGF nicht weit von hier).

No excuses. Mord ist Mord. Von einem "professionellen" Beruf, ein personenbezogener, menschlicher Beruf (setze ich voraus) gibt es hier keine Ausreden.

Hut ab, für die, die den Mund öffneten.

WomBat

rettungsmaus
09.01.2015, 13:42
WomBat :bravo:

Karmainski Martin
09.01.2015, 20:40
No excuses. Mord ist Mord. Von einem "professionellen" Beruf, ein personenbezogener, menschlicher Beruf (setze ich voraus) gibt es hier keine Ausreden.

Hut ab, für die, die den Mund öffneten.

WomBat
Da geb ich dir recht. Wir sollten alle daraus lernen und sensibler unseren Arbeitsbereich betrachten.
Oft kündigen sich solche Taten durch verbale Äußerungen und verkündete Meinungen an.

Der tief erschütterte ITS Opa

WomBat
09.01.2015, 21:42
Danke für die Zustimmung, Rettungsmaus, Martin, Fridolin, Ostfriesland.

WomBat, Intensivdino

ostfriesland
06.07.2015, 12:49
Moin,
Verurteilung einer Krankenschwester wegen Totschlags: http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/889308/totschlag-krankenschwester-erhaelt-bewaehrungsstrafe.html?sh=1&h=1284935631?linktyp=teaser6&newsletterID=23&sendID=20641
Gruß

WomBat
06.07.2015, 23:01
Trauriger Fall. Für beide Seiten.

Auch hier, keine Ausreden. Wir Pflegende entscheiden nicht über Leben oder Sterben. Der Betroffene mit oder ohne Angehörige tut das, wenn alles gut geht und Ethik eine entscheidenden Rolle spielt. Denke ich.

WomBat

arnold kaltwasser
13.07.2015, 21:43
Und wieder ein Kollege. ..
http://m.spiegel.de/panorama/justiz/a-1043494.html
Arnold

arnold kaltwasser
08.02.2016, 16:36
Und schon wieder ein Verdacht. ...
http://web.de/magazine/panorama/narkosemittel-fruehchen-klinikmitarbeiterin-u-haft-31337692
Arnold

arnold kaltwasser
03.04.2016, 13:36
und leider schon wieder ein Fall aus unserer Berufsgruppe:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.krankenschwester-in-italien-patienten-im-aufwachraum-ermordet.5e992cbf-832d-4429-a271-58f210ae9e96.html
arnold

arnold kaltwasser
23.06.2016, 21:20
http://m.spiegel.de/gesundheit/diagnose/a-1099423.html

Das sind ja unglaubliche Ausmaße
Arnold

Helmut Ruffner
24.06.2016, 12:08
In dem Buch "Gewalt in der Pflege" von J. Osterbrink und F. Andratsch, wird sehr gut dargestellt, wie es zu solchen Taten kommen kann. Und natürlich hat es auch etwas mit der Überlastung zu tun. Wie soll man Achtsam sein, wenn man nur noch "hetzt". Und es müssen nicht nur Medikamente sein, es gibt viele andere Methoden den Pateinten zu schädigen.
Meine Befürchtung ist, dass wir im laufe der nächsten Jahre noch mit sehr vielen Fällen von "professionellem Fehlverhalten" (Tötungsdelikte, Missbrauch, Gewalt, Aggression, ...) konfrontiert werden sein.

arnold kaltwasser
24.06.2016, 12:40
zu der Anmerkung von Helmut ein interessanter und hilfreicher link:

http://www.pflege-gewalt.de/professionell_pflegende.html

arnold

arnold kaltwasser
05.07.2016, 09:49
helfen heißt ja eigentlich nicht erst schädigen und dann helfen!
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/69414/Marburg-Keine-U-Haft-mehr-fuer-Krankenschwester
arnold

arnold kaltwasser
28.11.2016, 20:56
Ein Verdacht ist schon hart...es gilt aber die Unschuldsvermutung:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/71695/Fall-Niels-H-Klinik-untersagt-Mitarbeitern-Patientenkontakt

"Die Anklage geht davon aus, dass drei Morde und zwei Mordversuche durch die Angeschuldigten im Frühjahr 2005 hätten verhindert werden können"

Arnold

arnold kaltwasser
26.01.2017, 09:56
und wieder unglaublich:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72672/Pfleger-unter-Mordverdacht-Ermittler-untersuchen-rund-40-Faelle

fridolin
26.01.2017, 18:44
Lieber Arnold,
ich glaube, dass viele Pflegende massiv unter Druck stehen und es dann zu Fehlreaktionen, die in Mord enden, münden.

Wie wäre es, wenn für Kh verpflichtend die monatlich zu erhebende Psychische Gefährdungsanalyse nach copsoq (https://www.copsoq.de/copsoq-fragebogen/) durchführen müssten?

Meine Prognose:
alle psychisch erkrankt und nicht mehr arbeitsfähig.
Ursache: extreme Arbeitsverdichtung und hohe Patentenansprüche

Viele liebe Grüße
der lieber gesunde
fridolin

pflegerli
29.03.2017, 10:36
Nach dieser neuen Studie von Karl H. Beine: "Tatort Krankenhaus: Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert" (https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article163180477/Wenn-das-Pflegepersonal-ueber-Leben-und-Tod-entscheidet.html)sollen also bis zu 21000 Menschen jährlich in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen durch Tötungsdelikte sterben, die von Pflegekräften oder ärztlichem Personal durchgeführt wurden.

Der Artikel in der "Welt" bringt auch gleich das große Fragezeichen zur Sprache, das sich auch mir beim Hören dieser Aussage sofort aufgestellt hat:
Teilweise relativiert werden die Ergebnisse nach Einschätzung Beines dadurch, dass Studienteilnehmer die Frage möglicherweise missverstehen und das Abstellen von Maschinen aufgrund von Patientenverfügungen meinen konnten – was allerdings rechtlich nicht als „aktive lebensbeendende Maßnahme“ gelten würde.
Nun würde mich natürlich am meisten interessieren, welche Fragen denn in der Studie tatsächlich gestellt wurden. Es wird in den verschiedenen Artikeln zur Buchvorstellung (http://www.droemer-knaur.de/ebooks/9255165/tatort-krankenhaus) ja immer nur diese eine entscheidende Frage zitiert:
...ob sie selbst in den vergangenen zwölf Monaten lebensbeendende Maßnahmen aktiv an Patienten vorgenommen oder in ihrem beruflichen Umfeld beobachtet hätten.In welche weiteren Fragen diese eine Frage also eingebettet war ist ja nicht unwesentlich um vielleicht zu verstehen, warum scheinbar so viele diese Frage mit "Ja" beantwortet haben. Denn wenn es so mißverständlich laufen kann wie es ja der Autor selbst kritisch hinterfragt (siehe erstes Zitat), hätte wahrscheinlich auch ich diese Frage mit "Ja" beantwortet. Dass Geräte aktiv abgeschaltet werden kommt ja auf einer Intensivstation durchaus mal vor...

Aber im Netz habe ich zu der Studie bislang keine detaillierteren Informationen gefunden. Wird man wohl das Buch kaufen oder warten müssen, bis man es sich irgendwo ausleihen kann...

Gruß pflegerli

arnold kaltwasser
12.03.2018, 09:25
und solche Fälle haben ernsthafte Konsequenzen auch für Vorgesetzte!

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/mordserie-von-niels-hoegel-weitere-klinikmitarbeiterin-angeklagt-aid-1.7445155

ostfriesland
26.03.2018, 10:53
Und schon wieder ein neuer Fall: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/960375/ermittlungen-verabreichte-pfleger-viele-medikamente.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.20 18-03-26.Pflege.x
Gruß

ostfriesland
02.09.2019, 15:56
Moin,
wieder ein Verdacht, dass ein Krankenpfleger Patienten getötet hat: https://www.bibliomedmanager.de/news-des-tages/detailansicht/38805-pfleger-soll-mehrere-patienten-getoetet-haben/ oder https://www.zdf.de/nachrichten/heute/krankenpfleger-wegen-fuenffachen-mordes-beschuldigt-100.html
Gruß

fridolin
16.09.2019, 20:31
Noch ist die Schuld nicht nachgewiesen, aber Stress und Geltungsbedürfnis könnten auch hier der Auslöser sein.
Und dann sich noch angeblich als Arzt auszugeben?

Macht unseren Berufsstand einen schlechten Ruf...

...obwohl: die Dunkelziffer ist sicherlich sehr hoch...

Viele liebe Grüße
fridolin

ostfriesland
26.09.2019, 15:37
Moin,

nun werden fünf Vorgesetzte des Klinikums Oldenburg von Niels Högel angeklagt:
https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/1890966/fuenf-ehemalige-vorgesetzte-von-serienmoerder-niels-hoegel-angeklagt

Gruß

fridolin
31.01.2020, 08:17
Und schon wieder trifft es eine Krankenschwester...


Eine Krankenschwester soll fünf Frühgeborenen in einer Ulmer Klinik ohne Notwendigkeit Morphium verabreicht haben.

Diese Nachricht (https://www.sueddeutsche.de/panorama/ulm-klinik-fruehgeborene-krankenschwester-morphium-1.4778073) ging durch diverse Medien.
Was, wenn die Kollegin wie sie behauptet unschuldig ist und ihr die Spritze mit Muttermilch & Morphium "untergeschoben" wurde?

Viele liebe Grüße
nicht nicht mehr von Muttrmilch lebende
fridolin

tildchen
03.02.2020, 09:44
Ja, hier wird ganz schön vorverurteilt!
Der Bericht ist auch sonst schlecht! Auf den Frühchenstatipnen wo ich gearbeitet habe gab es immer ein 4 Augenprinzip, aber wie überall gab es da auch Lücken.

Man muss auch bedenken, dass es u.U. keinem auffällt, wenn da Morphin fehlt, trotz korrekter Dokumentation im Giftbuch. Die Frühchen bekommen Mini-Mengen! Die Ampullen werden nie ganz verbraucht. Die Reste werden häufig in einer verschlossenen Spritze, beschriftet natürlich, im Giftschranks belassen und dann im 4 Augenprinzip entsorgt. Der Schlüssel ist für das Personal zugänglich (einer hat die Verantwortung dafür), wer will kann sich ohne Probleme aus einer solchen Spritze was abzwacken (evtl auch schon einige Tage vorher) 0,2ml fallen meist nicht auf, kann aber bei einem Frühchen ausreichen.

Jemanden eine Spritze in den Schrank zu legen, wäre in dieser Geschichte das kleinste Problem! Wer sowas tut, lässt doch ein solches Beweismittel nicht im Schrank liegen.....

tildchen
04.02.2020, 11:30
https://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalitaet-kein-gift-kinderkrankenschwester-aus-u-haft-entlassen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200203-99-758555

Und schon hat sich der Verdacht bei der Krankenschwester nichtbestätigt....

fridolin
04.02.2020, 13:16
Was ist denn jetzt mit der Rehabilitation dieser zu unrecht beschuldigten Person????
Gibt es für sie z.B. finanzielle Entschädigung?

Viele liebe Grüße
fridolin

tildchen
04.02.2020, 14:59
Sieht unser Rechtssystem für falsche Beschuldigungen Entschädigung vor? Für die Untersuchungshaft vielleicht, aber was ist mit dem entgangenen Lohn?
Und eine Entschuldigung der Klinik würde ich gern lesen!

ostfriesland
05.02.2020, 09:54
Moin,

für die falsch beschuldigte Krankenschwester wird es nicht einfach sein, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten. Ich möchte nicht mehr an der Klinik arbeiten, da muss man ja bei jedem Fehler, der auf der Abteilung passiert, damit rechnen, dass mit dem Finger auf einen gezeigt wird.

Gruß

tildchen
05.02.2020, 14:19
Ich vermisse eine öffentliche Entschuldigung von Staatsanwaltschaft und Klinikverantwortlichen. Oder hat da jemand schon was gelesen?

Ich würde in dieser Klinik auch nicht mehr arbeiten wollen! Und schon gar nicht ohne Entschädigung und Entschuldigung!
Das alles wegen einer Spritze im Spind (die mit all dem anderen Kram aus der Kitteltasche nach dem Nachtdienst einfach abgelegt wird) und ein paar vorschnellen Beamten die aufgrund nicht geprüfter Ergebnisse einen Haftbefehl unterschreiben.

fridolin
05.02.2020, 15:49
Ja, selbstverständlich ist die falsche Beschuldigung mit Strafen belegt.
Und für eine fälschliche Inhaftierung gibt es auch Entschädigung. Siehe § 187 StGB (https://dejure.org/gesetze/StGB/187.html). 5 Jahre Knast ist schon nicht sehr angenehm, nehme ich an :schock:...
Nur eben für die Reputation nicht... :wuetend:
Zur Höhe der Haftentschädigung bei zu unrecht erfolgter Inhaftierung: derzeit 25,00 € pro Tag, sie soll auf 75,00 € angehoben werden. Wow... :schock:
Siehe der Fall Kachelmann - die jur. Infos (https://www.kostenlose-urteile.de/OLG-Frankfurt-am-Main_18-U-514_Wettermoderator-Kachelmann-hat-Anspruch-auf-Schadenersatz-wegen-falschen-Vergewaltigungsvorwurfs.news23220.htm) hierzu sind verständlich und lesen sich gut.
Und noch viel schlimmer: um Dein Recht auf weitere Entschädigungen zu erhalten musst Du die Gerichte bemühen. (Siehe Kachelmann) :wuetend::wuetend::wuetend:

Viele liebe Grüße
der unentschädigte
fridolin