Vollständige Version anzeigen : Decubituseinschätzung / welche Skala ist "up to date"?
Hallo,Ihr alle zusammen, mal wieder ein altes Thema:der Decubitus, welche Skala zum einschätzen der Gefahrenstufe wird von Euch verwendet? Habt ihr eine Skala auf Eure Bedürfnisse modifiziert? Sprich, Katecholamingabe mit einbezogen und so weiter? Würde mich über Antworten und Beiträge sehr
freuen!!
Danke im voraus, liebe Grüße aus dem Calenberger Land
Elisabeth
22.09.2006, 07:49
Wunderschöne Frage, die wieder mal beweist, dass es die STANDARDskala- gültig für alle Probs nicht geben kann.
Warum muss in Deutschland eigentlich all und jedes in Skalen gefasst werden und kann nicht erst mal anhand von Fachwissen ermittelt werden?
*sarkasmusan*
Ich weiß es. Die wenigsten haben gelernt, wie ein Dekubitus entsteht und können daraus ableiten, welche Risikofaktoten bei dem jeweiligen Pat. zu beachten sind.
Wichtig ist die Papiererzeugung. So eine Skala- oft ohne Sinn- ausgefüllt- da hat man doch was zum Vorweisen und braucht noch nicht mal was von der Materie verstehen.
*sarkasmusaus*
Frag mal deine Kollegen nach der Pathophysiologie der Entstehung eines Dekubitus? Als schnelle Einsteigerfrage eignet sich auch gut: In welcher Hautschicht entsteht der Deku?
Elisabeth
Hallo Meila
Wir nehmen eine einfache Skala, mod. Norton Skala, um die Dokumentationspflicht zu erfüllen. Damit steht was in der Kurve, der MDK freut sich bei event. Nachprüfungen, die Rechnungen werden bezahlt. (Wir hatten im Haus einen Fall wo aufgrund ungenügender Dokumentation die Abrechnung der Decubehandlung nicht von der Kasse bezahlt wurde).
Ob dann in der Kurve 15 oder 22 Punkte stehen, Decu-Risiko erhöht oder hoch, ist mir und meinen Kollegen völlig egal. Die Maßnahmen zur Verhinderung werden ohne die Skala getroffen und zwar sehr gut.
Auch bei unseren Pat. mit "Minimal-Handling", welche manchmal bis zu 5, 6 Tagen auf dem Rücken liegen bleiben, kann man "nur" mit Mikrolagerung sehr oft die Entstehung eines Decu vermeiden. Und das alles auf einer normalen Matratze und ohne Spezialbetten.
Liebe Grüße Helmut
Randbayer
22.09.2006, 10:53
Hallo Leute!
Welche Dekubitusrisikobewertungsskala ist up to date?
Wir alle kennen die modifizierte Norton-Skala zur Einschätzung des Dekubitusrisikos. Bei der Anwendung stellen wir oft fest, daß die Parameter, die abgefragt werden, nicht immer auf unsere "Intensiv"-Patienten anzuwenden sind, weil gewisse Risikofaktoren (z.B. Katecholamine...) nicht erfasst werden. Dann gibt es da noch die Braden-Skala (Seite 20) (http://www.schuelke-mayr.com/download/pdf/cde_lde_Informationen_Dekubitusprophylaxe_broch.pd f#search=%22drs%20II%20score%20dekubitus%22), die ist ausführlicher, aber auch nicht jedem geläufig. Dann gibt es noch den DRS II (Nachfolger der DRS I), von Intensivpflegekräften der Uni Köln für eben Intensivpatienten entwickelt. Unter zusätzlicher Berücksitigung von Medikamenten und Laborparametern (Albumin, Laktat..). Ist zwar ganz gut wurde aber bei uns wegen der zusätzlichen Kosten durch die Bestimmung von Laborparametern abgelehnt. Wir verwenden ebenfalls "nur" die modifizierte Norton-Skala. Wie Helmut schon geschrieben hat ist es wichtig das man das Risiko im Rahmen der Qualitätssicherung und der Dokumentationspflicht einmal am Tag bewertet. Die Entstehung eines Dekus ist uns allen bekannt und wir wissen alle was wir machen müssen. Zudem gehört die Dekubitusprophylaxe zu unserem täglichen Job. Wichtig ist das man in der Dokumentation Risiken und Veränderungen festhält und in der individuellen Pflegeplannung die Lagerungsintervalle und andere Maßnahmen niederschreibt. Die Pflegeplanung sollte im Rahmen des Pflegeprozeßes immer wieder aktuallisiert werden.
Also schlußendlich heißt es das Risiko mittels eines Scores festzuhalten (ich glaube es spielt keine Rolle welcher). Die Prophylaxe liegt in unserer Hand. Wir können zwar scoren und trotzdem nicht die optimale Therapie einsetzten. Da her finde ich ist es wichtiger in der Pflegeplanung ein individuelles Lagerungsintervall bzw. Prohylaxe (Hautschutz...) zu definieren und auch durchzuführen.
Gruß der Randbayer
Hanno H. Endres
22.09.2006, 11:01
... und dann gibt's ja noch den "Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/aqs/projekt11-04-3.pdf#search=%22nationaler%20expertenstandard%20de cubitus%22)" vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (http://www.dnqp.de/) (DNQP).
In München hat man sich bei der Einführung des Standards für die Braden-Skala entschieden:
Müller, B. ; Hollmann-Karsten, R.: Implementierung des nationalen Dekubitusprophylaxe-Standards am Beispiel eines Krankenhauses der Maximalversorgung. (http://home.arcor.de/nursing-online/Hollmann Implementierung.pdf)
Die Schwester/Der Pfleger 43 (2004) Nr. 6, S. 410-416
Die Entscheidung fiel zugunsten der Braden-Skala, da diese nach den letzten Studien als Messinstrument zur Einschätzung des Dekubitusrisikos am zuverlässigsten ist und am umfangreichsten validiert wurde (Jakobs 2000).
Diese Skala beinhaltet als einzige die Kriterien von Reibungs- und Scherkräften, Feuchtigkeit und Mangelernährung. Obwohl nur fünf Prozent der Pflegenden die Braden-Skala kannten, war die Einführung problemlos, da das Einschätzen des Dekubitusrisikos anhand dieser Skala eingeübt wurde.
Schöne Grüße,
hhe
Hallo Ihr Lieben, Danke für die Antworten, mit denen man auch wirklich etwas anfangen kann.Schön zu wissen, das es Kollegen gibt , die auch immer wiederkehrende Fragen und Probleme angehen und nicht in Sarkasmus verfallen.Wenn man nämlich etwas erreichen möchte, dann muß man sich unweigerlich immer wieder ,mit immer wiederkehrenden Themen befassen, da es immer neue Erkenntnisse gibt, ob sie uns gefallen oder nicht.......;)
Elisabeth
24.09.2006, 10:49
Eine Skala ohne Fachwissen ist nicht das Papier wert auf dem sie steht. Damit steht was in der Kurve, der MDK freut sich bei event. Nachprüfungen, die Rechnungen werden bezahlt.
Wenns darum geht... für den MDK dürfte es völlig unrelevant sein, welche Skala verwendet wird. Eigentlich schade, dass wir zum sinnlosen Datenerstellen mißbraucht werden und man uns unterstellt ohne eine Checkliste würden wir Risiken nicht erkenn.
Elisabeth
Sören Lösche
24.09.2006, 20:04
Hallo Elisabeth,
sollen wir alle wieder in in Urzeit zurückfallen und wieder pflegen, wie es jeder individuell für richtig erachtet?? Sollten wir nicht lieber auch zu evidenzbasierter Pflege kommen? Gerade der Dekubitus und die Risikoscores wären doch ein schönes Thema für eine Facharbeit. Wenn diese dann auch noch veröffentlicht würde, könnten wir alle davon profitieren. Ansonsten machen wir so weiter wie immer, die Docs bestimmen und wir murren.
Sören aus dem sonnigen Hannover:mosh:
Hallo,
bei uns wird nach Norten-Skala eingestuft. Was dann jede einzelne Pflegekraft daraus macht bzw. wie sie es umsetzt, ist jedem selber überlassen.
Grüße aus der Stadt der Wies´n
Groha
Und ich hab mal wieder Nachtdienst :prost:
Elisabeth
25.09.2006, 05:09
@Sören, wenn man also anhand von Fachwissen Pflegerisiken erkennt und diese dann nach Prioritäten beschreiben kann pflegt man also wie in Urzeiten? Ich bin dafür, dass wir wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren und aufhören uns lächerlich zu machen mit dem verzweifelten Versuch mangelndes Wissen durch diverse Checklisten zu kaschieren- denn mehr ist es meistens nicht.
Es gibt übrigens nicht eine einzige validierte Skala im Bereich Dekubitus. Was nicht wundert- ist der Mensch doch zu facettenreich als das sich das Problem in einige wenige Parameter fassen ließe.
Elisabeth
volkerallwicher
25.09.2006, 12:01
also da gibt es wie von Hanno schon oben berichtet die Expertenstandards zur Dekubituspropylaxe (deren Validität allerdings, wie man an der Uni so hört, auch nicht unumstritten ist, aber das ist ein anderes Thema).
Fakt ist, dass die beliebte Norton- Skala nicht evidenzbasiert ist und einer erfahrenen Pflegekraft auch nicht unbedingt weiterhilft in der täglichen Arbeit.
Sie kann allerdings sicher mal für Auszubildende genutzt werden mit dem pädagogischen Wert,ein gewisses Bewusstsein für Risikofaktoren zu bekommen.
Elisabeth
26.09.2006, 20:56
die Expertenstandards zur Dekubituspropylaxe (deren Validität allerdings, wie man an der Uni so hört, auch nicht unumstritten ist, aber das ist ein anderes Thema).
Ist doch ein interessantes Thema.
Elisabeth
Streit ist sinnvoll (demokratischer Streit). Oder in meinen Worten "Meinungsaustausch".
Wäre Deku kein Problem, bräuchten wir nicht darüber zu reden :D
Das gilt für viele Themen. Alles ist oder wird immer komplifizierter (kein Tippfehla) :D. Die Zeit die wir haben, Nichts-Zu-Übersehen, wird immer knapper. Und das, was wir alles so bemerken sollten-müssten, wird immer mehr - Dank Wissensvermehrung (ist es wirklich Vermehrung, oder nur...na, ja, kann jeder selbst entscheiden), oder zumindest Festmauerung dessen, was wir schon immer wussten. Bis auf so ein Paar doofe Rituale. Ich glaube, wir haben noch nicht Alle Alten Zöpfe entlarvt. Bis dahin, gibt es wieder "neues Wissen". Manchmal kommt so der Gedanke auf, wenn wir uns doch wenigstens an die Grundregeln halten würden, wäre so manches Neumodisches gar nicht nötig...:D
Die Frage ist nicht, ob wir Assessment Instrumente brauche, sondern WELCHE und WER braucht sie eigentlich? Es sind nicht nur Anfänger die da so pflegerisch arbeiten, es sind auch Erfahrene - und Einige Dazwischen.
Nicht schlecht, diese Dreyfuss Model bei Piloten (Anfänger bis Experten).
WomBat, findet Skalen in Ordnung, wenn Sie sinnvoll sind und sinnvoll benutzt werden
Elisabeth
27.09.2006, 07:33
Nicht schlecht, diese Dreyfuss Model bei Piloten (Anfänger bis Experten). Wurde von P.Benner in die Pflege übertragen: Anfänger, fortgeschrittener Anfänger, kompetent Pflegende, erfahrene Pflegende, Pflegeexperte.
Skala.
Um eine Skala anwenden zu können, muss ich Fachwissen haben- ich muss wissen, was da konkret mit gemeint ist. Wozu brauchts dann eine Skala für den Pflegeexperten?
Ich grenze die Anzahl der Risikofaktoren mit einer Skala ein. Das Dilemma ist in diesem Thread schön beschrieben: die Eingrenzung bringt das Problem. Wenn nun über die erfassten Risikofaktoren Hinaus Probelme da sind- erfasse ich sie nicht- ergo erkenne und beschreibe ich das Problem nicht und handele auch nicht entsprechend. Wozu dann eine Skala die nur Pseudosoicherheit vermittelt?
Wann bringt eine Skala ev. Sinn? Wenn der Pflegeexperte oder der "erfahrene Pflegende" zwischen verschiednen Skalen wählt und diese dann dem "kompetent Pflegenden", dem "fortgeschrittenen Anfänger" bzw. Anfänger an die Hand gibt. Sie dient dann sozusagen als verlängerter Arm- vordefinierte Risikofaktoren im Verlauf zu begutachten. Die regelmäßige Evaluation der Risikofaktoren bezüglich des Richtigkeit des Meßinstrumentes wird allerdings nicht entfallen können. Und da brauchts dann wieder den Experten.
Ergo: ob ich Skalen einsetze hängt von der Zusammensetzung des Pflegeteams ab. Nur Pflegeexperten und "erfahrene Pflegende" brauchen m.E. keine Skalen um das Risiko festzustellen.
Elisabeth
Grenouille
30.09.2006, 00:12
Ja sicher, ich brauche den Patienten auch nur kurz zu sehen und einen Blick in seine Akte zu werfen um festzustellen, ob er dekubitusgefährdet ist oder nicht. Wozu also das Führen einer Skala?
1. um an Studien teilnehmen zu können,
2. um mich mit anderen Häusern vergleichen zu können,
3. um die Sensibilität bei den Pflegenden zu erhöhen,
4. um forensisch etwaigen Klagen entgegentreten zu können,
5. um mein pflegerisches Handeln (und damit entstehenden Kosten, z.B. durch spezielle Antidekubitussysteme) begründen zu können,
etc. pp
Meila, um auf Deine eigentliche Frage zu antworten: Die Braden-Skala hat sich in Deutschland durchgesetzt. Das ist aber nicht das entscheidende Kriterium (bei den gängigen Videoformaten hat sich seinerzeit auch "VHS" behauptet, obwohl "Video 2000" qualitativ besser war). Wichtig ist, dass überhaupt eine Einschätzung und der weitere Verlauf per Skala vorgenommen wird (und die entsprechenden Maßnahmen durchgeführt werden!). Ob Braden, Norten, Waterloo oder wie sie alle heißen, wichtig ist, und da gebe ich Elisabeth recht, dass die Kolleginnen und Kollegen wissen, warum sie was und wie tun!
Sören Lösche
02.10.2006, 00:59
Hallo Grenouille, hallo Elisabeth,
ich kann euren Ansatz verstehen, aber die Zeiten haben sich geändert. Was wir nicht dokumentieren und schriftlich begründen, ist immer anfechtbar bis zur Beweislastumkehr. Es zählen im nachhinein nur die aus der Dokumentation nachvollziehbaren Dinge. Das können wir doof finden, es ändert aber nichts. Wie sollen wir professionell ökonomisch die Dekubuti dokumentieren, ohne dafür evidenzbasierte Skalen zu benutzen? Sie sind doch nur ein Hilfsmittel, keine Belastung.
Sören
Elisabeth
02.10.2006, 09:14
*ggg* Wenn kein Argument mehr geht, dann geht das Juristische. Aber auch hier: es gibt keine Vorgaben, wie zu dokumentieren ist. Es muss dokumeetiert sein. Da reicht: Pat. ist hochgradig gefährdet, weil... . Und da gehts dann auch nicht um die Vollständigkeit der Risikoaufzählung.
Wir dokumentieren in dieser Art. Du kannst dich enstcheiden, wie hoch das Risiko ist. Die Faktoren, warum dies so ist ergeben sich aus der gesamten
Anamnese. Ergo: 1 Blatt- sehr ökonomisch, weil es den Pat nicht in mehrere Risiken unterteilt: Pneumonie (gibts am Markt ne Skala), Thrombose (gibts ne hauseigene Skala) und Sturz (gibts ne Skala). Zu diesen Themen gibts regelmäßige Fortbildungen. Ich wage mal zu behaupten, das Dekurisiko ist auch ohne Skala ständig präsent. Wir haben keine Zunahme zu verzeichnen- eher eine Abnahme.
Elisabeth
Grenouille
02.10.2006, 14:12
Hallo Sören,
ich habe Deinen Ausführungen doch im vollen Umfang zugestimmt! Und auch noch ein paar Begründungen aus meiner Sicht mit geliefert.
Ja, ja, ja, es müssen evidenzbasierte Skalen eingesetzt werden und (wichtig, wichtig, wichtig!) auch die resultierenden Maßnahmen konsequent durchgeführt werden! D.h. aber auch: wenn im Standard steht, dass bei einer entsprechenden Punktezahl in der Bradenskala eine Antidekubitusmatratze für den Pat. zugemietet werden muss (wenn z.B. alle im Haus vorhandenen Systeme im Einsatz sind), dann darf das nicht an den zusätzlichen Kosten scheitern. Ich habe das leider schon anders erlebt. Das Führen der Braden-Skala wurde zur Verpflichtung, als es aber um die Kosten der dafür zu schaffenden Strukturen ging, wurde um "Augenmaß" gebeten. Und, die "Einschätzung" sollte bei allen "kostenverursachenden Maßnahmen" noch einmal "kritisch überprüft" werden. Qualität zum Nulltarif kann es nicht geben!
Elisabeth
02.10.2006, 19:41
Das erinnert mich doch sehr an meine Erfahrung mit Skalen.
Wir haben ehedem die Waterlow Sakal benutzt. Laut Punktenanzahl mußte der Pat. auf einer Wechseldruckmatratze gelagert werden. Die Kollegin hat diesen Standard umgesetzt- also nach der Vorgabe gehandelt. Pech nur, der Pat hatte bis dahin noch eine wenn auch sehr stark eingeschränkte Eigenbewegung- danach hatte er keine mehr, im Gegenteil: er entwickelte eine Spastik. Auf das Problem hin angesprochen, bekam ich zur Antwort: "Ich habe nach Vorgabe und Standard gehandelt. Erkennst du jetzt die Probleme von Checklisten und Standards?"
Ich habe meine Lektion gelernt- man kann nicht von anderen verlangen, dass sie die gleiche Sichtweise entwicklen anhand weniger Stichpunkte. Dafür braucht es mehr als das Entwickeln von immer neuen Standards- oder sollte man es eher Abschreiben von Lehrbüchern nennen.
Wenn Skalen anch dem Kochbuchprinzip genutzt werden, haben sie aus meiner Sicht noch weniger eine Daseinsberechtingung als sie es sonst schon haben- sie können eher schaden denn nutzen.
Übrigens: Selbst Fr. Braden verwahrt sich gegen eine solche Nutzung ihrer Skala.
Elisabeth
Hallo @ all....
diese Diskussion zeigt mal wieder auf wieviel Unsicherheit und wieviele unterschiedliche Meinungen gerade zum Thema Dekubitus existieren.
@ Elisabeth:
wird das Erkennen von vorhandenen Risikofaktoren - also die Einschätzung der Pflegekraft - bei euch in der Kurve dokumentiert?
ich gehe davon aus, dass dies nicht expliziert dokumentiert wird, wie in fast 99% der Fälle wenn ohne Skala gearbeitet wird. Auch habe ich in den letzten 14 Jahren Intensiverfahrung feststellen müssen, dass diese Einschätzung nicht durch speziell ausgebildete Mitarbeiter getroffen wird [es klang ja schonmal an das auch in der heutigen Zeit nicht wirklich alle über Entstehung etc bescheid wissen] sonder die Praxis zeigt, dass diese Einschätzung auch von Berufsanfängern abverlangt wird. Diese Fähigkeit spreche ich jedem Berufsanfänger ab. Nicht weil er es nicht doch vielleicht irgendwann mal im UNterricht etwas zum Thema Dekubitus vermittelt bekommen hat, sondern aus der Tatsache heraus, dass er mit all den andern Aufgaben und dem "Drumherum" auf einer Intensiv mehr als genug zu tun hat.
Wer also kontrolliert die Einschätzung bei unerfahrenen Personal bei euch Elisabeth?
Grundsätzlich:
"Der Bundesgerichtshof fordert in seinen Urteilen minimale Kriterien betreffend Früherkennung von Dekubitusrisikopatienten und Mindestanforderungen an Dokumentation und Präventionsmaßnahmen. Die wichtigste Forderung des Bundesgerichtshofs betrifft die Dokumentationspflicht.
Beim Vorliegen eines oder mehrerer der erwähnten Risikofaktoren wird als Minimalreaktion ein Vermerk im Krankenblatt verlangt, woraus hervorgeht, dass das erhöhte Risiko erkannt und entsprechende Prophylaxemaßnahmen eingeleitet wurden. Bei Nichterfüllen dieser minimalen Anforderungen wurden Krankenhäuser zur Haftung verurteilt."
dies stammt aus einem Handout einer FoBo zum Thema Rechtsprechung in der Wundversorgung eines Richters.....[Röhlig ist ein Begriff da spezialisiert auf Verfahren zum Thema Wundversorgung, Dekubitus und Hygiene/Sterilgut]
Somit wird gesetzlich gefordert, dass erkannte Risikofaktoren dokumentiert sind, aus denen sich dann Prophylaxemaßnahmen ableiten. Ist dies nicht der Fall und der Patient klagt [in Deutschland zunehmende Zahl an Verfahren] wird es schwierig sein zu erklären, warum in der Dokumentation auf einmal ein Dekubitus 2 auftaucht. Ohne vorher Risikofaktoren erfasst zu haben muß man sich dann die Frage gefallen lassen ob das Risiko denn richtig eingeschätzt wurde und ob es dazu eine für jeden Mitarbeiter geltende Regel gibt was ein Risiko darstellt. Nicht dokumentiert heißt nicht gemacht und das auch nach 30 Jahren laut neuer Gesetze zur Aufbewahrungspflicht der Unterlagen.
Zum Thema Skala:
es gibt ca. 18 für die Praxis relevante Risikoskalen...
keine ist Evidenzbasiert und fast alle sind lediglich weiterentwickelte NortonSkalen.
Elisabeth hat recht, wenn Sie schreibt, dass selbst Frau Braden sich gegen die ausschließliche Benutzung einer Skala verwehrt. Somit ist die logische Schlussfolgerung, dass eine Dokumentation in der heutigen Zeit nur ein Mix aus Skala+Einschätzung durch erfahrenes Pflegepersonal sein kann.
Die Meinung das Risikoskalen keine Daseinsberechtigung haben kann ich so nicht sagen Elisabeth.
An Krankenhäusern an denen es keine Dekubitusrisikoeinschätzung gab und die eine hohe Zahl an Dekubiti hatten, konnte man aufzeigen, dass nach Einführung einer Risikoskala immerhin die Zahlen der erworbenen Dekubiti zurückging.
Auch wenn es diskussionswürdig bleibt ob es an der "tollen" Skala lag, erhöht die Verwendung einer Skala die Sensibiltät in diesem Bereich und verbessert somit auch die Qualität.
Nicht umsonst ist der Dekubitus ein Leistungsindikator der Pflege durch die BQS [Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung] ausgewählt worden.
Im Schluß finde ich die Erfassung und Dokumentation von Risiken wichtig zur Sicherung der Qualität und Erfüllung gesetzlicher Vorgaben. Ein Mix aus Skala und Einschätzung ist allem anderen Vorzuziehen. Welche Skala man benutzt ist fast egal, es sollte aber eine Skala für die gesamte Institution genutzt werden.
Qualität in der Pflege muß meßbar sein nur so wird man auch dazu beitragen können, dass das Berufsbild eine höhere Anerkennung erhält.
Grüße aus NRW
Cicero
Elisabeth
05.10.2006, 13:31
Zur hohen Zahl an Decubiti. Sicher das da nicht auch Intertrigos mitgezählt wurden? Dieser Fehler ist bei uns im letzten Jahr angelegentlich der Weiterbildungen aufgefallen.
Laut Dienstanweisung dürfen bei uns nur Fachkäfte die "Einstufung" vornehmen. Es gibt auf dem Stammblatt die Möglichkeit sich zu entscheiden, in welchen Grad der Pat. gefährdet ist. Eine Skala wird dazu nicht gefordert. Die Ursachen sind in der Anamnese enthalten ohne genaue Ausweisung. Die Fachkraft sollte in der Lage sein, diesen kausalen Zusammenhang herzustellen. Da wir eine standardisierte Planung nutzen, finden sich die Aspekte in den Problemen wieder und können dort ggf. nochmal kenntlich gemacht werden udn finden so den Weg zu den Maßnahmen.
Die Ergebnisse sind zufriedenstellend. Das Thema Dekubitus ist ständig allen präsent, genauso wie alle anderen Prophylaxen.
Diese Angaben beziehen sich auf die peripheren Stationen.
Bei den Weiterbildungen zum Thema Dekubitus habe ich nicht selten auch Berufsanfänger in den Seminaren. Es ist für mich immer eine Freude, junge Kollegen aus den Intensivbereichen begrüßen zu dürfen, die sehr wohl wissen worum es bei dem Thema geht. Bei den etwas älteren Kollegen siehts da oft nicht ganz so gut aus. Aber man kann ja lernen- ggf. auch von den Berufsanfängern. *g*
Elisabeth
Hallo Elisabeth...
Zur hohen Zahl an Decubiti. Sicher das da nicht auch Intertrigos mitgezählt wurden?
ich rede von Dekubiti und meinte diese
Laut Dienstanweisung dürfen bei uns nur Fachkäfte die "Einstufung" vornehmen.
wie sieht diese Qualifikation aus? Fachkraft ist man auch direkt nach dem Exmanen?
Mich würde ausserdem interessieren wie groß euer Haus ist? Wieviele OP´s / Jahr? Es ist gut, dass das System in Eurem Haus funktioniert. Dies bleibt aber nicht die Regel!! sonst gäbe es diese Diskussion nicht.
Es gibt auf dem Stammblatt die Möglichkeit sich zu entscheiden, in welchen Grad der Pat. gefährdet ist.
somit macht ihr eine Risikoeinstufung... + dokumentiert es auch PRIMA
wie oft wird diese Einschätzung wiederholt...
Selbst in der Anamnese muß nichts auf ein Risiko hindeuten.... Situationen ändern sich eben manchmal schnell im Krankenhaus... dies trifft auch junge gesunde Patienten ohne Risikoprofil
Die Ergebnisse sind zufriedenstellend.
Damit man auch eine Vorstellung von dem was Du behauptest entwickelt und nicht nur eine Meinung hört.
wieviel % erworbene Dekubiti traten bei euch 2005 auf?
Wie hoch war die Patienten Gesamtzahl dabei?
Sehr interessiert mit Grüßen
Cicero
Hallo Elisabeth...
Zur hohen Zahl an Decubiti. Sicher das da nicht auch Intertrigos mitgezählt wurden?
ich rede von Dekubiti und meinte diese
Laut Dienstanweisung dürfen bei uns nur Fachkäfte die "Einstufung" vornehmen.
wie sieht diese Qualifikation aus? Fachkraft ist man auch direkt nach dem Exmanen?
Mich würde ausserdem interessieren wie groß euer Haus ist? Wieviele OP´s / Jahr? Es ist gut, dass das System in Eurem Haus funktioniert. Dies bleibt aber nicht die Regel!! sonst gäbe es diese Diskussion nicht.
Es gibt auf dem Stammblatt die Möglichkeit sich zu entscheiden, in welchen Grad der Pat. gefährdet ist.
somit macht ihr eine Risikoeinstufung... + dokumentiert es auch PRIMA
wie oft wird diese Einschätzung wiederholt...
Selbst in der Anamnese muß nichts auf ein Risiko hindeuten.... Situationen ändern sich eben manchmal schnell im Krankenhaus... dies trifft auch junge gesunde Patienten ohne Risikoprofil
Die Ergebnisse sind zufriedenstellend.
Damit man auch eine Vorstellung von dem was Du behauptest entwickelt und nicht nur eine Meinung hört.
wieviel % erworbene Dekubiti traten bei euch 2005 auf?
Wie hoch war die Patienten Gesamtzahl dabei?
Sehr interessiert mit Grüßen
Cicero
Elisabeth
05.10.2006, 16:52
Qualifikation: Examen mit Weiterbildung in Richtung Pflege (z.B. Dekubitus)Haus der Maximalversorgung
Die Anamnese deutet bereits in die Risikorichtung: Bewußtsein, Hautzustand, Bewegungsmöglichkeiten, Ernährung und Ausscheidungsprobs weisen in die entsprechende Richtung.
Die Planung wird bei jeder Veränderung des Pat. - mind. aber alle 5 Tage überarbeitet.
Aussage bezieht sich wie gesagt auf periphere Stationen.
Elisabeth
Zitat:Die Ergebnisse sind zufriedenstellend.
wieviel % erworbene Dekubiti traten bei euch 2005 auf?
Wie hoch war die Patienten Gesamtzahl dabei?
Da Haus der Maximalversorgung nehmt ihr bestimmt an der BQS Auswertung teil... Deswegen aus Interesse 5%, 10%, 15%, >20%?
Qualifikation: Examen mit Weiterbildung in Richtung Pflege also müssen Pflegekräfte doch über eine gewisse Erfahrung verfügen... [Thema Berufsanfänger]...
Gruß
Cicero
Elisabeth
05.10.2006, 19:03
Man kann m.E. einen Dekubitus nicht anhand von Erfahrungswerten verhindern. Dafür gibt es mittlerweile eine Menge an pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen die der Berufsanfänger nutzen kann.
Warum wir zum Examen eine Weiterbildung geben? Da fragst du am besten die Beruflichen Schulen nach. *fg*
Ob wir an der BQS Auswertung teilnehmen *schulterzuck*. Ist wahrscheinlich. Wie gesagt, wir Praxisanleiter haben nur eine diffuse Aussage bekommen.
Was würde die Aussage 5 oder 20% bedeuten? *grübel* Das wäre doch interessant, zu schauen wie die Doku in den verschiedenen Häusern im Vergleich ist. *grübel* Aber da müßten dann alle Riskofaktoren aufgelistet sein und dann fehlt noch der Faktor Mensch im Pat. - also wahrscheinlich keine eindeutige Aussage sondern allenfalls ein Trend.
Elisabeth
Hallo
Was würde die Aussage 5 oder 20% bedeuten?
nun es ging dabei um Deine Aussage
Die Ergebnisse sind zufriedenstellend.
in Bezug darauf, dass ihr keine Risikoskala verwendet und euch nur auf die rein subjektive Einschätzung einer - mittlerweile wissen wir es - "qualifizierten" Kraft verlasst....
Eine Antwort wäre schön...wenn Du sie denn weißt, sonst kann ich irgendwie nicht begreifen, wie Du zu der Aussage kommst, dass Eure Ergebnisse zufriedenstellend sind.
Du kannst auch heute noch Pflegende und v.a. Ärzte treffen, die Dir erzählen werden, dass Sie mit Eisen und Fönen super Ergebnisse erzielt haben.
Glaub mir... diese Diskussion habe ich erst vor kurzem auf einem Vortrag von mir mit einer Oberärztin einer Kinderintensiv führen müssen....
Somit ist die Aussage ob 5 oder 20% erst einmal eine Zahl, die man in Relation zu Deiner Aussage "Die Ergebnisse in Eurem Haus sind zufriedenstellend" setzen kann... Mehr nicht
Gruß
Cicero
Elisabeth
06.10.2006, 07:43
Ich werd mal versuchen heraus zu bekommen, wo die Zahl liegt.
Ansonsten ist die Aussage, dass sich die Anzahl der Dekubiti im letzten Jahr reduziert hat für mich relevanter- würde bedeuten, die Weiterbildung greift.
Fönen in der Kinderkrankenpflege: kenne ich auch- wurde bei uns ehedem aber angewandt bei Intertrigo und nicht bei Dekubitus. Vielleicht hat der OA dies gemeint.
"qualifizierten" Kraft
Ich finde es eigenartig, dass qualifiziert in Gänsefüßchen gesetzt werden muss. Im Beitrag zur Qualifikation der Intensivpflegekräfte wurde mir gerade erklärt, dass diese Fachkräfte hochqualifiziert sein müssen und sind. ... Was denn nun? Grundlagenwissen oder Checkliste?
Elisabeth
Hallo Elisabeth...
gibt es schon Neuigkeiten?
Wäre toll... wenn Du sie nicht bekommst, dann schreib bitte 'ne kurze Info
Gruß
Cicero
arnold kaltwasser
11.10.2006, 09:32
hier gibt es etwas :D zum lesen dazu:
http://www.kci-experten-kongress.de/dekubitus_experten_kongress_hauptprogramm.pdf
so long arnold
Elisabeth
12.10.2006, 05:45
Hallo Elisabeth...
gibt es schon Neuigkeiten?
Wäre toll... wenn Du sie nicht bekommst, dann schreib bitte 'ne kurze Info
Gruß
Cicero
Die Zahl liegt weit unter 5. Genaue Info per PN. Vergleichszahlen zu den Vorjahren können nicht gegeben werden, da sich die Kodierrichtlinien wohl geändert haben (?).
Elisabeth
Hallo Elisabeth...
genauer muss es ja gar nicht sein....
aber und das hat meine Erfahrung bei Evaluierung von Problemen für den Bereich Dekubitus etc und der Prozessoptimerung gezeigt, dass oft die Aussage gemacht wird (so ungefähr) "Dekubiti?! ja klar kommen vor aber nicht mehr so häufig" bei genauerer Betrachtung tauchen dann Zahlen zwischen 10-20% auf...
deswegen finde ich wichtig zu wissen ob Aussagen die getroffen werden im Kontext mit messbare Ergebnissen stehen...
somit kann man festhalten, dass das System für eure Institution funktioniert...
der Bundesdurchschnitt von Patienten mit Dekubitus bei Entlassung, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden lag für das Jahr 2005 bi ca. 8,8% im Vergleich die Zahl von <5% bei euch wäre also besser als Bundesdurchschnitt.
würde man eine Vergleich machen z.B. für den Bereich Herzchirurgie
so lag der Bundesdurchschnitt 2005 von Patienten die ohne Dekubitus aufgenommen wurden und mit einem Dekubitus entlassen wurden bei ~ 2,3%
hierzu wäre dann eine Zahl von <5% nicht mehr zufriedenstellend.
Es fließen viele Faktoren in die Aussage ob Dekubitusprophylaxe mit einer Skala Sinn macht oder nicht. Wichtig ist die Entscheidung anhand der Patientenklientel und der Erfahrung des Personals zu treffen.
Bei uns ist nach Einführung einer Skala + zusätzl. Beurteilung durch erfahrene Pflegekräfte + Schulungen + Verbesserung der Doku etc.etc. die Anzahl der Dekubiti auf unter 1% für das Jahr 2005 gefallen. Das hat aber auch mehr als zwei Jahre gebraucht. Davor lagen wir bei ca. 10%.... und der lange Weg, dass 10% nicht zufriedenstellend sind im Sinne von guter Qualität
Gruß
Cicero
Wichtig ist das ein Konzept dahinter steht um gute Ergebnisse zu erzielen...
Elisabeth
15.10.2006, 13:58
Danke cicero für deine Ausführungen. Hat mich ein Stückchen weiter gebracht- kann ich doch endlich unsere Zahlen etwas beurteilen. Auch der Tipp mit der Zweijahresevaluation war sehr gut. Werde mal versuchen, dies gezielt anzugehen- ggf. als Projekt.
Elisabeth
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