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Vollständige Version anzeigen : ZVK-Anlage durch Pflegepersonal


NikkiSixx
17.08.2006, 20:54
Hallo Forum,

in der letzten Zeit hab ich immer wieder von Krankenhäusern gelesen, in denen die Anlage von zentralvenösen Zugängen durch geschultes Pflegepersonal geschieht. Möchte mich daher gerne näher mit der rechtlichen Situation, bzw. der Schulung usw. beschäftigen.

Ist jemanden von Euch näheres zu dieser Situation bekannt (z.B. Häuser, die es so handhaben oder hilfreiche Links.)

im Voraus vielen Dank

MfG

Nikki Sixx:mosh:

Helmut
18.08.2006, 10:25
Hallo Nikki Sixx

Ich denke die rechtliche Situation ist in D ziemlich klar, ZVK-Anlage ist eine reine ärztliche Tätigkeit, meines Erachtens auch nicht deligierbar. In meiner Stellenbeschreibung und in den Pflegestandards ist immer nur die Rede von Assiztenz bei der Anlage. Es mag ja vielleicht Krankenhäuser geben in denen das von geschultem Pflegepersonal übernommen wird, allerdings habe ich davon noch nichts gehört oder gelesen.
Selbst wenn es eine rechtliche Grauzone in D geben sollte, würde ich den Teufel tun und dem ärztlichen Dienst eine weitere Tätigkeit abzunehmen, oder ist euer Stellenplan so gut, dass ihr locker auch noch diese Tätigkeit unterbringt?

In der Schweiz war es (ist es?), vor allem in kleineren Häusern, durchaus üblich dass periphere ZVK`s vom Anästhesiepflegepersonal gelegt wurden, wobei ich mir über die rechtliche Situation auch nicht so ganz im klaren bin.

Gruß Helmut

Zorro
19.08.2006, 13:31
Dem kann ich mir nur anschliesen. Es gibt zwar viele Tätigkeiten, bei denen die Kompetenzen fliesend verteilt sind, aber auch ich befürworte, zumindest bei so eindeutig ärztlichen Arbeiten, eine strikte Trennung. Gerade in Anbetracht der möglichen Komplikationen.

Sören Lösche
19.08.2006, 16:49
Hallo allerseits,
wie so ziemlich alles in der Medizin, so ist auch eine ZVK-Anlage deligierbar. Wenn die üblichen Bedingungen eingehalten sind, ist das kein Problem, unabhängig von der Sinnhaftigkeit. Der deligierende Arzt muß sich davon überzeugthaben, das die Pflegekraft die Anlage theoretisch und praktisch beherrscht und trägt dafür auch die Verantwortung. Wenn die Pflegekraft die Delegation nicht abweist, trägt sie für die Durchführung die alleinige Verantwortung. Sei kann es aber ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen ablehnen. Ich kann nur jedem abraten, sich auf solche Dinge einzulassen. Zusätzlich würde es auch belegen, dass die Pflegekraft mit ihren ureigenen Tätigkeiten nicht ausgelastet ist.
Gruß aus Hannover!:D
Sören

Zorro
19.08.2006, 19:35
Zusätzlich würde es auch belegen, dass die Pflegekraft mit ihren ureigenen Tätigkeiten nicht ausgelastet ist.

Und dann ist es nämlich nicht mehr weit, bis der Pflege noch weitere pflegefremde Aufgaben aufgedrückt werden, wie z.B. Verwaltungstätigkeiten, Reinigungsarbeiten, Physiotherapie, Transporte und so weiter. :motz:

Axel
19.08.2006, 22:56
@ Zorro,...

das ist gar nicht mehr soweit. Die DRG-Verschlüsselung könnte auch bald auf die Pflege zukommen.

In unserem Hause wird die Pflege mittels LEP http://www.pflegewiki.de/wiki/Leistungserfassung_in_der_Pflege_(LEP) zusätzlich zur Kurve dokumentiert. Einen Button zur Verschlüsselung mehr eingepflegt und die Sache kann gleich "mit durchgeklickt" werden...

Im Rahmen einer BWL Fortbildung wurde erwähnt, dass Überlegungen (der Weg über das Haus ist bei einem gemachten Anfang nicht weit) gemacht sind, oben genannte Verschlüsselungen auf die Pflege zu übertragen.

Oft frage ich mich, wer die wirkliche Arbeit "am Patienten" durchführt. Um nicht all zu weit vom Thema abzuschweifen: Ich bin der Meinung, dass fortgebildetes Personal die ZVK-Anlage durchführen kann, sofern entsprechende Qualifikationen vorherschen. Nicht dass ich das machen möchte, will oder anstrebe. Sörens Posting trifft auch meine Einstellung. Jedoch kann doch eine Pflegefachkraft ANAE/INT dieses erlernen. Es fehlt doch "fast" nur die Anatomie aus der Pathologie vs. Arzt.

Auf einer Intensivstation wird dieses sicherlich nicht realisiert werden. In der Anästhesie könnte ich es mir doch durchaus als realistisch vorstellen, sollte es einmal so weit kommen das ein OA für 5-6 Narkosen die "Aufsicht" hat, während der Rest durch entsprechendes Personal (welches auch immer) durchgeführt wird. Auch in Deutschland????

Gruß

FireBIPAP
19.08.2006, 23:27
Hi Zwaimeinde!

Der Sören hat nicht unrecht.
Allerdings sehe ich das ähnlich wie Axel.
Je mehr Tätigkeiten wir dem Ärztlchen Dienst abnehmen je größer wird unser Aufgabenfeld, je "unersetzbarer" machen wir uns.
Wichtig ist: Es muß dann ofiziell zu UNSEREN Aufgaben gehören!
Wenn ich an meinen Intensivalltag denke, was wir alles so "nebenbei" machen (Hier nen Tubus, da ne Arterie...). Das anlegen eines ZVK´s ist eine für jeden halbgescheiten zu erlernende Tätigkeit und wird in ausnahmefällen, auf bitten eines "Anfängers in Weiß" wie auch viele andere Sachen von Erfahrenden PP durchgeführt. Es geht dann nur darum das wir "schneller vorran kommen wollen", dass das nicht richtig und rechtens istweiß ich selber:motz:
Wir können solche sachen übrigens auch in der EDV verschlüsseln (Als Pflegetätigkeit)

Ich denke dies ist ein riesiges Thema.

Cu Simon

Elisabeth
20.08.2006, 15:42
Es geht nicht um das handwerkliche Geschick, es geht um die Absicherung. Die Fähigkeiten sind sicher bei vielen vorhanden- keine Frage. Nur eine klitzkleine Problematik ergibt sich: wie stehts mit der Versicherung bei eventuell auftretenden Probs. Derzeit dürfte es da schwierig sein, jemanden zu finden der dies übernimmt.
Aber vielleicht haben ja ambitionierte Fachkräfte mehr Geld auf der hohen Kante und können dies aus der Portokasse zahlen. *g*

Mal ganz davon ab: hat Intensivpflege soviel Zeit sich auch noch mit solchen Sachen zu beschäftigen? Vielen dank für den Tipp. Werde bei uns mal anregen bei Personalengpässen auf den peripheren Stationen doch auch mal in die Intensivabteilungen zu schauen.

Elisabeth

Obs-Pfleger
20.08.2006, 17:18
Werde bei uns mal anregen bei Personalengpässen auf den peripheren Stationen doch auch mal in die Intensivabteilungen zu schauen.
Elisabeth
:confused: :confused: :wut: :motz:
Und wieso??? Meinst du das dort eine "Pflegeschwemme" vorherrscht und sich alle gegenseitig auf die Füße treten?!?!?!

Mfg Obs-Pfleger

Elisabeth
20.08.2006, 17:35
Na wenn noch Zeit bleibt für ZVK Anlage u.ä. liegt der Verdacht schon sehr nahe. Die peripheren Stationen schaffen manchmal nicht mal mehr die notwendigste Pflege.

Elisabeth

Obs-Pfleger
20.08.2006, 18:51
Die peripheren Stationen schaffen manchmal nicht mal mehr die notwendigste Pflege.
Elisabeth
Da magst du Recht haben, aber das ist auf den Intensivstationen manchmal auch nicht anders! Ich find's ziemlich "weit hergeholt" das nur aufgrund dessen, das Intensivpflegende über die Tatsache "ZVK-Anlage durch Pflegepersonal" diskutieren, gleich zu unterstellen das Pflegepersonal auf Intensivstation sonst zuviel Zeit hat!

Es geht nicht um das handwerkliche Geschick, es geht um die Absicherung. Die Fähigkeiten sind sicher bei vielen vorhanden- keine Frage. Nur eine klitzkleine Problematik ergibt sich: wie stehts mit der Versicherung bei eventuell auftretenden Probs. Derzeit dürfte es da schwierig sein, jemanden zu finden der dies übernimmt.
Da stimme ich dir auch zu, ansonsten deckt sich meine Meinung mit denen von Helmut, Sören Lösche, Zorro und FireBIPAP!

Mfg Obs-Pfleger

Randbayer
20.08.2006, 19:32
Hallo @ all!

Ich halt mich kurz "Schuster bleib bei deinen Leisten".

Wenn solche Tätigkeiten von den Ärzten abgetreten werden, brauchen wir bald keine Stationsärzte mehr, die 24 Stunden anwesend sind. Is aber vielleicht gar nicht so verkehrt, wir könnten streiken mehr Geld und bessere Arbeitsbediengungen fordern. :D :D

Gruß der Randbayer

tildchen
20.08.2006, 20:49
Solange wir uns über hohe Arbeitsdichte und zuwenig Zeit für unsere eigentliche Aufgabe beklagen, sollten wir uns über das Legen von ZVKs keine Gedanken machen. Die Ärzte sind Meister darin, immer mehr Aufgaben auf die Pflege abzuwälzen, aber wozu sollten wir das dann annehmen, zumal das rechtlich in meinen Augen keinesfalls geklärt ist.

Ich komm auch aus dem Intensivbereich (Pädiatrie), aber wir machen keinesfalls solche Dinge wie hier "nen Tubus, da ne Arterie" und auch keinen ZVK so nebenher. selbst die normale Blutabnahme ist Ärzteaufgabe (machen wir aber schon mal) Dafür haben wir keine Zeit. Der junge Dktor muss es eben lernen, wie die Pflegenden , die diese Sachen tun, auch mal lernen mussten......
Ich bin eindeutig :dagegen: solche pflegefremden Aufgaben zu übernehmen und trete jedem, der es dennoch von mir fordert mit einem deutlichen :nein: entgegen!!!

Viele Grüße
Tildchen

Michl
20.08.2006, 22:01
Hallo liebe Kollegen!
Manchmal frage ich mich, warum so manche von uns nicht Medizin studiert, wenn diese so gerne ärztliche Tätigkeiten übernehmen (wollen).
Wir sind Pflegepersonal, und ich fiinde den Ärzten muss klargemacht werden, daß wir unsere Aufgaben haben und sie ihre ärztlichen. Aber aus ärztlicher Bequemlichkeit und unserer Gier (?) nach ärztlichen Tätigkeiten werden wir in vielen Dingen ausgenutzt (da ein Tubus, dort ne Arterie, usw.)

Bleiben wir bei unseren Aufgaben und Kompetenzen und die Ärzte sollen sich Ihre Arbeit auch selber machen !!

Gruß Michl

Zorro
21.08.2006, 12:54
@ Zorro,...

das ist gar nicht mehr soweit. Die DRG-Verschlüsselung könnte auch bald auf die Pflege zukommen.


könnte!?!

Ist bei uns schon Alltag. Prozeduren werden grundsätzlich von allen eingegeben (mindestens 90% Pflegende, aber auch MTAs, MTRAs, Physiotherapeuten)!
Ärzte erfassen nur Diagnosen.

Elisabeth
21.08.2006, 13:50
Das Eingeben der OPS Zahlen ist nicht gleichzusetzen mit: ich habs eingegeben- ich bekomme das Geld. Wenn wir beim ZVK als Beispiel bleiben würde jede Firma damit ein Risiko eingehen wenn im Falle eines Falles Regressansprüche ans Haus gestellt werden. Hier wäre dann eindeutiges Material für den Versicherunsganwalt sich um die Bezahlung zu drücken.

Es ist bis dato so geregelt, dass zwar Daten gesammelt werden- diese dann aber der Berufsgruppe zugeordnet werden, die diese Tätigkeiten ausführen darf. Ergo: der Doc bekommt die Tätigkeit angerechnet.

Elisabeth

Tempo
21.08.2006, 14:24
Moin Zusammen!
Eine ZVK - Anlage ist eine rein ärztliche Tätigkeit. Ich finde darüber muss man gar nicht diskutieren. Ich möchte nicht wissen, wie unsereiner dasteht wenn er eine ZVK - Anlage in den Patienten gefrickelt hat und dabei - natürlich nicht absichtlich - noch einen Pneu gestochen hat! Aber, kein Problem! Wer einen ZVK legen kann, für den ist es ganz gewiss auch kein Problem noch mal eben eine Monaldi - Drainage hinterher zu legen. Der Patient wird darunter respiratorisch schlechter?? Na und! Ich intubiere und beatme ein bischen und vergesse natürlich auch nicht noch eine Arterielle zu legen ( oder doch sofort einen PICCO ?!? ).
Liebe Leute, an soetwas würde ich nicht einmal einen Gedanken verschwenden. Ich habe bei einigen hier das Gefühl, daß es lediglich um Profilierungssucht und das übertünchen von möglichen Minderwertigkeitskomplexen geht. Man sollte seinen Beruf nicht darüber definieren, was man alles tolles an ärztlichen Tätigkeiten beherrscht - dann hätte man in der Tat medizin studieren sollen.
Ich sehe es genauso wie Elisabeth. Sowohl Versicherungs- als auch Arbeitsrechtlich würden wir uns auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen! Wie Randbayer schon sagte " Schuster bleib bei deinen Leisten "!

Smokejumper
21.08.2006, 17:54
Also ich bin strikt dagegen. Aber wir Pflegende setzen dann sämtliche Katheter, dann können wir noch gleich die ganzen Medikamenten-verordnungen selbst schreien und die ärzte kassieren alles ein.
(Ironie: Ich kann auch Auto fahren, aber deshalb übernehm ich doch nicht dem Taxi-Fahrer seine Arbeit, und der verdient dann noch daran)
Die Aufgaben sind nicht ohne Grund aufgeteilt. Und jeder muss für sich wissen wie weit er geht. Denn wenn es mal hart auf hart kommt steht noch lang nicht jeder Arzt hinter einem. Und bei solchen Aktionen steht man (und das darf man NIE vergessen) aus rechtlicher Sicht mit einem Fuss im Gefängnis. Wer dieses Risiko auf sich nehmen möchte, in einer Welt wo doch heute jeder jeden verklagt und sei es noch um kleine Dinge.
Bei subclavia Anlage ist schnell ein Pneumothorax gestochen, und bei jugularis könnt es zu starken blutungen kommen. Wenn der Patient (oder nach heutiger Sicht "Klient") an sowas stirbt und die Familie klagt, dann täuscht euch mal nicht in den Ärzten. Dann sind einige (nicht alle!) dabei die nur ihre eigene Haut retten wollen und nicht die Hand über euch halten.
Dies soll nur zum Nachdenken anstossen!!!

ostfriesland
21.08.2006, 18:31
Moin,
ich bin auch strikt dagegen! Ich arbeite an einer Uniklinik, wir übernehmen dort sowieso schon viele ärztliche Tätigkeiten (Blutentnahmen, reagieren auf BGA-Ergebnisse, Veränderungen an Beatmungsparametern ...), aber zum Glück ist noch keiner meiner Kollegen auf die Idee gekommen, Aufgaben wie die Anlage eines ZVK oder einer Arterie zu übernehmen, und auch das Intubieren ist Aufgabe des Arztes (sonst könnten wir ja die Arztstellen einsparen). Ärzte übernehmen ja auch in der seltensten Fällen einmal eine pflegerische Tätigkeit!
Gruß

R.Fischer
21.08.2006, 19:07
Hallo zusammen!

Ich denke, es kommt darauf an, was man können will bzw. muß, um auch im Notfall adäquat reagieren zu können. Meiner Ansicht nach sollte jede Fachpflegekraft intubieren können, eine Arterie legen zu können ist manchmal auch von Nutzen (bei uns ist z.B. keine ständiger Anästhesist im Aufwachraum und nachts ist der Jungassistent alleine, der OA hat nur Rufbereitschaft), zumindest eine BGA abzunehmen.
Den ZVK sehe ich dagegen auch mit gemischten Gefühlen, also Subclavia würde ich selbst strikt ablehnen, Jugularis lege ich im Notfall höchstens eine periphere Nadel und zu Zeiten des "guten alten" Basilica haben wir diese zum Teil auch gelegt, allerdings nur, wenn ein Arzt daneben stand.
ZVK - lieber nein!

Grüße aus dem sonnigen Schwaben von Rainer.

tildchen
21.08.2006, 19:41
Hallo Zusammen,

wieso kommt es darauf an was man können will oder muss für den Notfall? Bin ich nicht ausreichend qualifiziert als Fachkraft (mit Weiterbildung), wenn ich all diese "Notfallsachen" nicht kann. Wenn ein junger Assistent alleine Dienst macht, dann liegt in meinen Augen ein Organisationverschulden (bei der ärztlichen Leitung dieser Abteilung) vor. Es ist doch nicht die Verantwortung der Pflegenden bei Nichtachtung dieser Organisationverantwortung, sichTechniken ärztlicher Tätigkeiten anzueignen, damit Patienten besser oder überhaupt überleben. Wo will man denn da die Grenze ziehen? Blutabnahme und entsprechende Regulation von Beatmung und Elektrolyten ja auf jeden Fall, Tubus und Arterie vielleicht und auf keinen Fall einen Subclaviakatheter :confused:

Ich sehe es wie einige meiner Vorredner. Diejenigen unter uns Intensivfachleuten, die meinen, dass man das eine oder andere aus dem ärztlichen Tätigkeitskatalog können muss/soll, sollten studieren und Arzt werden. Ich werde mir nicht einreden lassen, dass ich das im Notfall können muss und trage nicht die Verantwortung dafür, wenn ein allein diensttuender junger Assistenzarzt seine Aufgabe nicht beherscht und fühle mich noch nicht mal minderqualifiziert.......:duck:

Gruß Tildchen

Tempo
21.08.2006, 20:03
Moin, Herr Fischer!
Wenn der Arzt daneben stand, warum habt ihr dann den ZVK gelegt??:confused: :confused:

ostfriesland
22.08.2006, 13:25
Moin,
kann Tildchen nur recht geben - wer gerne Tätigkeiten wie ZVK- bzw. Arterie legen oder intubieren machen möchte, soll Medizin studieren. Im Notfall möchte ich diese Tätigkeiten schon gar nicht übernehmen, dazu müsste ja im Vorfeld doch einiges an Übung erfolgt sein und dann sind wir wieder am Anfang der Diskussion angekommen - soll man diese Tätigkeiten übernehmen?
Gruß

Smokejumper
22.08.2006, 13:26
Dass man im Notfall Sachen macht die primär das Überleben des Patienten sichert, kann man drüber diskutieren. Aber Intubation, Arterie und ZVK gehören nicht dazu. In den allermeisten Fällen lässt sich ein Patient über Guedel oder Wendel Tubus problemlos bebeuteln (ausnahme: Atemwegsanschwellung/verlegung). Ebenso ist es mit der Arterie. Eine Nicht-invasive Blutdruck messung (alle 3-5minuten, kann ja automatisch über Monitor gemacht werden) ist ausreichend während der ersten Stunde. Bis dahin müsste auch der Oberarzt auf der Station sein wenn der junge Assistenzarzt nicht fähig sein sollte. Und ein ZVK ist ebenso überflüssig in der ersten Stunde. Wenn man zwei gross-lumige Zugänge (16-14G) besitzt ist ausreichend. Wie die Gesetzteslage bei peripheren venöse Zugängen ist weiss ich jetzt nicht (komme aus Luxemburg). Aber wenn man diese setzt gegen die gesetzeslage kann einem nicht viel passieren, da es sich um einen im Notfall gesetzten Zugang handelt. Über diese Zugänge kann man auch problemlos Kathecholamine verabreichen. Man muss sich nur bemühen in dem Fall in der nächsten Stunde einen ZVK bekommen. Aber initial reicht das. Die meisten Venen verkraften dies während ein paar Stunden (je nach Konzentration).

fridolin
23.08.2006, 14:23
Hallo, @all,
seit Ihr denn von allen guten Geistern verlassen?
Oder habt Ihr zu viel Pflegepersonal?

Viggo unter gewissen Umständen "ja", aber ZVK: nimmer!

PC - Eingaben: nur,wenn es die "elektronische Patientenakte" gibt, sonst: nimmer!
Es wird immer schlimmer: mehr Arbeit für die Pflege - weniger Arbeit für die Ärzte, kräftig mehr Geld für die Ärzte - ein ganz wenig mehr "Beruhigungsgeld" für die Pflege - und ihr wollt aus falsch verstandener Fachlichkeit ZVK`s legen, Intubationen durchführen und arterielle Zugänge legen?!

Notfallkompetenz ist hiermit selbstverständlich nicht gemeint.

Ich denke hier an den normalen Stationsablauf.

Wir sind hier für die Patienten und deren Angehörigen da, nicht als Erfüllungsgehilfen der Ärzte!

Viele liebe ZVK-ige Grüße
fridolin

tara
18.08.2008, 20:44
Hallo!

Also ich kann dazu nur eines sagen. Meine Mentorin und ich stehen jetzt vorm Arbeitsgericht weil sie mir gesagt hat ich darf an einem ZVK arbeiten. Auch alleine. Dann ist doch mal was passiert. Nun steht mir die Kündigung ins Haus da ich des net wusste, und sie weil sie es zugelassen hat.:confused: Daher weiß ich es hundert prozent: Außer dem Arzt darf NIEMAND an den ZVK ran.
Und an alle Schüler: Erkundigt euch vorher nach den risiken und macht nix was ihr in der Schule noch nicht hattet. Auch wenn die Beurteilung mieser wird!

Dirk Jahnke
18.08.2008, 22:24
Moin,Moin

ZVK durch Pflegepersonal ?
Warum nicht?

Aber dann mit entsprechender rechtlicher,versicherungstechnischer Absicherung, entsprechender Weiterbildung und Stellenschlüssel.
Im Gegenzug auch Abzug beim ärztlichen Personal. Gab doch mal irgendwo einen Thread über amerikanische Pflegekräfte, die nichts anderes als Zugänge legen oder Blutentnahmen machen . Könnte mir schon vorstellen, dass so etwas ein Rückzugsgebiet nach vielen Jahren aktiver Pflege sein könnte , alternativ zum Bereich "Steri". Und mal ehrlich, es gibt bereits jetzt schon viele Bereiche in denen Pflegekräfte nicht mehr wirklich pflegen (OP,EDV,Management, Verschlüsselung...). Nur darf das dann auch keine Pflegestelle sein.

Nochmal, heute ist die ZVK Einlage sicher absolut Tabu , mir würde wirklich keine Situation Einfallen in der man das begründen könnte. Aber wer weis , vielleicht ein Gebiet/Beruf in der Zukunft für die in der Pflege ausgebrannten. Und ausbrennen kann man auch ohne tgl. erlebten Pflegenotstand.

Komplikation können auch bei der Mobilisation auftreten. Und auch da sollte man wissen wie man angemessen reagiert. Würde das beim ZVK nicht anders sehen.

@tara

Du hast als Schülerin alleine einen ZVK gelegt? Mag ich irgendwie nicht glauben!

Außer dem Arzt darf NIEMAND an den ZVK ran.
Ran schon , nur legen nicht :mosh:

tildchen
19.08.2008, 10:58
Moin,Moin

ZVK durch Pflegepersonal ?
Warum nicht?

Aber dann mit entsprechender rechtlicher,versicherungstechnischer Absicherung, entsprechender Weiterbildung und Stellenschlüssel.

Nicht zu vergessen die angemessene Bezahlung! Da bei deinem Vorschlag Ärztegehälter eingespart würden, könnte man aufgrund der hohen Verantwortung bei dieser Tätigkeit auch die Gehaltsstufe etwas raufsetzen!


@tara

Du hast als Schülerin alleine einen ZVK gelegt? Mag ich irgendwie nicht glauben!

Ich auch nicht! Vor allem da ich bisher nur Auszubildende kennengelernt habe, die sich freiwillig strikt an das Verbot (seitens der Schulen), da überhaupt nur ranzugehen, gehalten haben. Wobei meine Meinung ist, wenn dies theoretisch Ausbildungsinhalt (mit allen Konsequenzen und Gefahren) ist, dann sollte auch der praktische Umgang unter Aufsicht geübt werden.


Gruß tildchen

@tara: Wenn du trotz Erlaubnis deiner Mentorin an dem ZVK gearbeitet hast und theoretisch oder praktisch darin nicht ausgebildet warst, hättest du diese Tätigkeit ablehnen müssen. Und deine Mentorin hätte dir diese Tätigkeit nicht delegieren dürfen.

Dirk Jahnke
19.08.2008, 12:25
Moin tildchen

Bezahlung habe ich absichtlich weggelassen:D

Behaupte mal eine ZVK Einlage ist mit Anatomie locker in 2 Tagen theoretisch zu vermitteln. Alles andere ist üben. Nur weil es bisher ein Arzt macht, muss es nicht besser bezahlt werden. Nur weil eine Pflegekraft einen Mülleimer leert muss die Reinigungskraft ja auch nicht mehr Geld bekommen. Die Frage ist warum leert man Mülleimer ;)
Ein Mobilisationsplan beinhaltet für mich mehr Verantwortung,Konsequenzen als das einmalige legen eines ZVK´s. Wäre für mich eher eine Hilfstätigkeit, wie ein EKG schreiben. Machen bei uns übrigens außerhalb der Kernarbeitszeit die Ärzte :mosh:

Glaube wenn man ein wenig nachdenkt fallen einem sich noch glücklicher ärztliche Tätigkeiten ein, die Aufgrund des ärztlichen Vorbehalts künstlich aufgewertet sind und entsprechend von der Ärztelobby verteidigt werden. In vielen Fällen nicht die Tätigkeit sondern die Gewalt über die Durchführung.

z.B. Apothekenbestellung in der Klinik
Welcher Arzt kontrolliert tatsächlich die Bestellung einer Intensivstation ?
Trotzdem muss er abzeichnen. Medikamente werden hier eher wie Waren im Supermarkt behandelt, es geht ja nicht um die Verabreichung sondern meist um einen Warenbestand.

z.B. Weisungsrecht bei Prophylaxen

Hier geht es nicht um das Heilen sondern um das Vorbeugen. Trotzdem ist der Arzt grundsätzlich Weisungsbefugt.

z.B. medizinscher Dienst der Pflegekassen

http://www.krankenschwester.de/forum/fachliches-pflegetaetigkeiten/12419-oeffentliche-petition-beurteilung-pflege.html

Ich möchte keine ZVK´s legen, nur würde dem Gesundheitssystem manchmal ein etwas realistischer Blick ganz gut tun. Und weniger "ärztliche" Tätigkeiten bedeutet für mich erst einmal weniger Ärzte. Damit einher kann eine tätigkeitsbezogene Vergütung für alle gehen. Und hochspezialisierte Tätigkeit muss nicht viel Geld bedeuten.

Habe aus dem ärztlichen Bereich noch nie die Idee gehört eine eigene Planstelle abzugeben um mehrere weniger gut bezahlte Planstellen für z.B. delegierbare aber ungeliebte Maßnahmen zu schaffen. Selbst die Stationssekretärin wird ja eher auf die Pflegestellen angerechnet, obwohl Ärzte von immer mehr Bürokratie sprechen und sicher so eine Entlastung bekommen.

P.S. sorry für das Geschwafel, aber wenn ich einmal in Gang komme :schock:

FireBIPAP
19.08.2008, 20:33
P.S. sorry für das Geschwafel, aber wenn ich einmal in Gang komme :schock:

Hey Dirk!
Kein Ding, du schreibst mir aus der Seele !

Cu Simon

WomBat
19.08.2008, 21:55
Schließe mich an. :D

Jo. Wenn alle Voraussetzungen stimmen (gelernt, geübt, rechtliches Dingens geklärt, versicherungs Dingens geklärt usw). Jo, dann könnt ich das bestimmt auch noch auf die Reihe kriegen.

Blieben die ewigen Fragen, Was tut Pflege? Warum tut Pflege dat? Welche Ergebnisse gibt es dabei für den Patienten? Usw, usw, usw.

Zentrale Fragen.

Ich kann mobilisieren, ich weis was passieren kann, ich weis was ich dann tun muss, oder auch nicht, wenn’s eng wird. Das kann weder die Reinigungsfrau, noch der Arzt. Zumindest nicht so superb, wie ich das kann. Beide werden es auch nicht tun. Gut so, denn die haben es nicht gelernt und können es auch nicht. Dafür habe ich viel lernen und erfahren müssen.

Ist das nicht genauso wichtig wie ‚ne ZVK legen? Wo bleibt unser Stolz bei der Arbeit?

Woher beziehen wir unsere Streicheleinheiten? Klar, vom Doc, wenn wir seine Arbeit gemacht haben. Warum nicht uns gegenseitig respektieren für das wir gelernt haben, für das wofür wir zuständig sind (wofür sonst niemand im ganzen Krankenhaus sich verantwortlich fühlt!)?

Es wird verdammt eng.

Berlin, am 25. September, da sollten Hunderttausende von uns am Brandenburger Tor stehen. Siehe Aktion „der Deckel muss weg“. Gerade die Jüngeren, ihr müsst damit leben,…. was die Regierung beschließt für die nächsten….äh…hunderttausend Jahre.

WomBat, werde am Tor Menschen zählen

tildchen
20.08.2008, 09:57
[/QUOTE]Ich kann mobilisieren, ich weis was passieren kann, ich weis was ich dann tun muss, oder auch nicht, wenn’s eng wird. Das kann weder die Reinigungsfrau, noch der Arzt. Zumindest nicht so superb, wie ich das kann. Beide werden es auch nicht tun. Gut so, denn die haben es nicht gelernt und können es auch nicht. Dafür habe ich viel lernen und erfahren müssen.

Ist das nicht genauso wichtig wie ‚ne ZVK legen? Wo bleibt unser Stolz bei der Arbeit?[/QUOTE]

Genauso ist es! Wir sollten uns auf unsere Aufgaben besinnen und nicht ständig denken, dass dies nicht sooo wichtig ist!

[/QUOTE]Es wird verdammt eng.

Berlin, am 25. September, da sollten Hunderttausende von uns am Brandenburger Tor stehen. Siehe Aktion „der Deckel muss weg“. Gerade die Jüngeren, ihr müsst damit leben,…. was die Regierung beschließt für die nächsten….äh…hunderttausend Jahre.

WomBat, werde am Tor Menschen zählen[/QUOTE]

Auch wenn es offtopic ist....ich werde auch dasein und hoffe, dass viele den A..... hochkriegen.

Tildchen

fridolin
20.08.2008, 10:45
Liebe tara,
ich hoffe, Du berichtest hier über den Ausgang des Arbeitsgerichtsprozesses und schreibst auch ein paar Worte zur Begründung des Gerichtes.
Ein paar fragen zum besseren verständnis habe ich noch an Dich:
Was genau meinst Du mit "...ich darf an einem ZVK arbeiten."? Verband erneuern oder legen?
Was genau ist passiert? Pat. verstoben?
Eigentlich hätte Deine Mentorin wissen müssen, dass Du auf gar keinen Fall Alleine tätig werden darfst...
Was auch immer bei Euch schief gegangen ist (und mir persönlich leid tut), sollte für alle ZVK - Leger - Befürworter eine Warnung sein.
Viele liebe Grüße
fridolin

Zeus
20.08.2008, 22:33
Nun ja, man kann ja auch ohne einen ZVK zu legen durch das reine Arbeiten daran Komplikationen verursachen...
Da hat man ja schon so einiges gesehen...
Z.B.
"Womit soll ich denn die Schenkel blocken?"
"Die werden jeder nach Verwendung mit Heparin geblockt."
"OK, alles klar."

Resultat war, dass in jedem Schenkel eine Ampulle Heparin (25.000IE) versenkt wurde.
Auch über die Hygienische Handhabung ließen sich gar haarsträubende Geschichten hervorzerren, also auch ohne Legen ist das Angebot an Komplikationen reichhaltig.