Vollständige Version anzeigen : Recherche für OP-Krimi
Annawake
19.07.2006, 10:20
Hallo!
Meine Name ist Anna, und ich versuche mich zur Zeit an einem Kriminalroman, der im OP-Bereich spielt. Leider stoße ich mit meinem "Fachwissen" immer wieder an meine Grenzen (bin noch in der Vorklinik, also "absolute beginner";) ).
Da ich aber trotzdem keinen Unsinn schreiben möchte, wollte ich fragen, ob ich euch einige Fragen stellen darf, z.B. zu organisatorischen Abläufen in diesem Bereich oder zu "Notfallmaßnahmen" während einer OP.
Außerdem würde ich gern eine Szene zum "Korrektur -Lesen" hier reinstellen.
Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße, Annawake
Hanno H. Endres
19.07.2006, 12:38
Hallo Annawake.
Herzlich willkommen im :zwai: - Forum!
Da ich aber trotzdem keinen Unsinn schreiben möchte, wollte ich fragen, ob ich euch einige Fragen stellen darf, ...
Aber gerne doch. Du bist damit auch nicht die Erste (http://forum.zwai.net/showthread.php?t=675).
Schöne Grüße,
hhe
arnold kaltwasser
19.07.2006, 12:55
Hallo Annawake,
wenn wir die Arbeit schon machen sollen;-)))
wäre es höflich einwenig die Anonymität aufzuhebe, oder?
so long arnold
Annawake
19.07.2006, 13:18
Hi!
Die Basics hab ich, bei mir gehts eher um Detailwissen und organisatorische Dinge/Abläufe im KH. Hier die Fragen:
1). Wann beginnt üblicherweise ein 24-Stunden-Dienst in der Anästhesie, und wie lange dauert er? Okay, 24 Stunden, klar...aber fängt man morgens an und "macht" dann bis zum nächsten Morgen durch? Oder Abends, und arbeitet dann bis zum nächsten Nachmittag weiter?
2). Kann ein Assistenzarzt nachts "Notarztdienst" haben und dann am nächsten Morgen im OP eingesetzt werden?
3.) Unten noch eine kleine Szene, in der ein Assistenzarzt (2. oder 3. Ausbildungsjahr) nachts zu einem Notfall in den OP muss. Ich denke, es ist ganz okay (hab verschiedene Lehrbücher zu Rate gezogen), aber wie sowas real abläuft, weiß ich natürlich nicht. Deshalb wärs nett, wen ihr mal schaut, ob das alles einigermaßen realistisch ist (Werte, Medikamente und deren Dosierungen, sind die Dialoge bzw. die Handlung an sich realistisch). Außerdem würde ich mich über Rückmeldungen freuen, ob das Ganze einigermaßen interessant ist.
Vielen Dank und liebe Grüße, Annawake
"Das schrille Pfeifen seines Piepsers schreckte ihn aus seinen Gedanken. Er zog sich hastig die OP-Kleidung über, sprang in die Schuhe und rannte die Treppe hinunter in den OP-Bereich. Zerrte im Laufen eine Kopfhaube aus dem Karton neben der Tür und verknotete die Bänder der Gesichtsmaske.
Die Schiebetür zum OP stand halb offen, das hohe, schnelle Piepsen der Herzfrequenzmessung/eines Überwachungsgerätes drang auf den Flur. 120 Schläge pro Minute, schätzte er.
Eine junge Frau mit kalkweißem Gesicht lag auf dem OP-Tisch. Ein schneller Blick auf den Überwachungsmonitor bestätigte Sailers Einschätzung. Die Patientin war im Schock: der systolische Blutdruck lag bei knapp unter 90, und das Herz raste, um die Organe weiterhin ausreichend mit Blut zu versorgen.
Caroline Seghers, die Anästhesieschwester, war dabei, die Narkose vorzubereiten. Der Gynäkologe war ebenfalls schon da und fuhr mit dem Schallkopf des Ultraschallgerätes über den Unterleib der Patientin. „Eileiterschwangerschaft, die Tuba uterina links ist rupturiert“, murmelte er. „Massive Flüssigkeitsansammlung in Douglasraum und Bauchhöhle. Sie müssen Blut anfordern!“
Einen Moment war Sailer wie gelähmt, dann griffen die Algorithmen in seinem Kopf, und alles lief automatisch ab.
"Caro, wir machen Ileuseinleitung.Ultiva 60 Mikrogramm pro Minute, Trapanal 350 Milligramm, Succi 100 Milligramm ". Sie nickte. "Ist schon vorbereitet".
Narkoseeinleitung. Die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf, als Caro die Medikamente injiziierte und den Remifentanil-Perfusor anschloss. Jetzt musste es schnell gehen.
Caro reichte ihm das Laryngoskop. Der schwere Metallgriff in seiner Hand fühlte sich angenehm kühl an. Er lud die Zunge der Patientin auf den Spatel und ließ die stumpfe Klinge tiefer in den Rachen gleiten. Ein Zug am Griff, der Kehldeckel hob sich und die Stimmritze lag frei. Er schob den Tubus vorsichtig in die Luftröhre vor, blockte den Cuff und schloss die Patientin ans Beatmungsgerät an. Geschafft. "Okay, ihr könnt jetzt schneiden." rief er dem Gynäkologen zu.
Inzwischen war das bestellte Ery-Konzentrat da. Er machte den Bedside-Test, und Caro hängte die Konserven an.
Markus setzte sich auf seinen Drehhocker und wischte sich den Schweiß von der Stirn, den Monitor im Blick behaltend. Die Sauerstoffsättigung besserte sich langsam, als das Blut in die Gefäße der Frau tropfte, der Druck blieb stabil.
Die gleichförmigen Linien auf dem Monitor und das gleichmäßige, dumpfe Piepsen der Überwachungsgeräte wirkte beruhigend, fast einschläfernd. Er zwang sich, die Augen offen zu halten, und gähnte. Caroline rubbelte ihm über den Rücken. „Haste gut jemacht, Kleiner. Soll ich Dir einen Kaffee holen?“ Er lächelte sie müde an. „Danke, Caro. Nachher vielleicht“. Er griff nach dem Narkoseprotokoll und begann zu dokumentieren".
Annawake
19.07.2006, 14:04
"wenn wir die Arbeit schon machen sollen;-)))
wäre es höflich einwenig die Anonymität aufzuhebe, oder?"
Hi Arnold!
Schon passiert (Profil)!
Liebe Grüße, Anna
R.Fischer
19.07.2006, 14:15
Hallo Annawake!
Hier ein paar Antworten bzw. Anmerkungen:
-bei uns gibt es einen 24- Stunden- Dienst am Wochenende von 8 Uhr morgens.
-nach einem Notarztdienst gehen bei uns die Assistenten nach Hause
- die Medikamente: wir nehmen kein Do/Ket sondern Trapanal (350- 500 mg) oder Propofol und Opiate. Aber wenn Dormicum dann bitte keine 100 mg, sonst schläft die Dame noch am Entlassungstag.
-ich kenne keinen Überwachungsmonitor, der sein Piepsen zu einem schrillen Kreischen steigert
-etwas unrealistisch: bei einem Druck von 60 noch einen zweiten Zugang legen, da fängt man in so einer Situation sofort mit der Narkose an
- bei einer Ileuseinleitung macht man keine Maskenzwischenbeatmung, dies wäre ein Kunstfehler
So, mehr ist mir im Moment nicht aufgefallen, hoffe, ich konnte Dir helfen,
Gruß von Rainer (auch aus Schwaben):mosh:
Annawake
19.07.2006, 14:51
"Aber wenn Dormicum dann bitte keine 100 mg, sonst schläft die Dame noch am Entlassungstag".
Ups *erröt*:blush: , wer rechnen kann, ist klar im Vorteil ;0)
Die anderen Sachen sind auch geändert. Den RR-Abfall hab ich weggelassen, das wird mir zu unübersichtlich ;0).
Danke für die Hilfe!
LG................................................ Annawake
hallo anna....
wenn der anästhesist der anästhesie-schwester erklärt dass er eine rsi durchführen will, sollte er so umsichtig sein, die medikamente in der richtigen reihenfolge anzugeben. succi zu beginn kommt gar nicht gut. und die ultiva-dosis entspricht einem anfangsbolus, über den ich bei dem vorliegenden rr aber nochmal nachdenken würde.
aber wenigstens weisst du schon im vorklinikum wer fürs kaffee holen 'zuständig' ist...:wut:
ansonsten: dein schreibstil gefällt mir gut.
hitzige;) grüsse vom rhein, madi
Annawake
19.07.2006, 19:13
Hallo Madison!
Zu 1: Okay, anderer Vorschlag: Trapanal, dann Muskelrelaxans und dann Opiat?
Welche Ultiva - Dosierung schlägst Du vor? Ich hab nur was von 0,1 - 0,2 Mikrogramm/kg/min gelesen (Rote Liste).
Ich sollte vieleicht dazu sagen, dass sich meine gesamte "praktische" ;0) Erfahrung in dem Bereich auf eine zweitägige Op-Hospiation während meiner Ausbildung beschränkt, die mir mein supernetter Chef vermittelt hatte. D.h. ich habe zugeschaut, versucht, so viel wie möglich mitzukriegen, aber von "Wissen" kann man da natürlich nicht reden - genau aus diesem Grund habe ich meine Fragen hier reingestellt.
Zu: "aber wenigstens weisst du schon im vorklinikum wer fürs kaffee holen 'zuständig' ist...:wut: "
Der Praktikant?
Ne, im Ernst, ich wusste, dass ich damit ins Fettnäpchen trete...habs trotzdem dringelassen, weil es einfach reingepasst hat. Sieh es so, dass sie das freiwillig macht, und auch nur für diesen speziellen Anästhesisten, weil sie den halt besonders mag und er sooooo müde ist . ;) :peace: *eine Runde (Eis)kaffee für alle hinstell*
Grüßle zurück, Anna
:peace: *lach* anna, mir ist schon klar, dass du keinen pflege-emanzipationsroman schreiben willst....
blutdruck um 6o... das ist ein düsteres szenario. wenn du dabei bleiben willst, bekäme die patientin meiner ansicht nach O-neg. ery-konz, bei gesicherter starker blutung.
blutdruck um 90 wär' einfacher: hb-kontrolle, ery-konz anfordern, (kreuzprobe dauert ca 20 min und wird nicht vom anästhesisten durchgeführt) über einen peripheren zugang kristall. volumenersatz, und parallel narkose einleiten.
mit fentanyl,trapanal, succi. oder ultiva, propofol und succi.
nun kommen wir aber schon fast in den bereich 'geschmacksfragen'
wer soll deinen krimi eigentlich lesen? sachlich richtig ist ja wünschenswert, aber wie sehr ich ins detail gehe, würde ich von meiner zielgruppe abhängig machen.
viel erfolg! madi
schnuppi
23.07.2006, 09:14
Hallo!
Bin selbst "nur" OP- Schwester!
Habe selbst ein paar Fragen:
1. Wird die Zunge wirklich auf den Laryngoskop- Spatel geladen? Die Zunge wird doch mit dem Spatel beiseite geschoben, oder?
2. Sauerstoffsättigung bessert sich doch nicht erst mit Ery- Konzentrat Gabe, oder? Da kann man doch vorher schon was tun. Bis Konserven da sind, dauert es doch manchmal schon etwas länger. Solange kann man doch eine "niedrige" Sauerstoffsättigung nicht akzeptieren, oder?
3. Ultraschall erst im OP? Die OP- Indikation wird bereits ausserhalb des OP`s gestellt.
Ausserdem finde ich, dass in Deiner kleinen "Kostprobe" ein bisschen viel Piepsen und Pfeiffen vorkommt.
Sonst aber ganz nett, "Dein" Krimi!
Annawake
23.07.2006, 11:57
Zitat von Schnuppi
Habe selbst ein paar Fragen:
1. Wird die Zunge wirklich auf den Laryngoskop- Spatel geladen? Die Zunge wird doch mit dem Spatel beiseite geschoben, oder?
Hallo Schnuppi,
Stimmt, (glaube ich zumindest). Die Mundbodenmuskulatur (oder Zungengrund?) wird aufgeladen, oder? :blush:
2. Sauerstoffsättigung bessert sich doch nicht erst mit Ery- Konzentrat Gabe, oder? Da kann man doch vorher schon was tun. Bis Konserven da sind, dauert es doch manchmal schon etwas länger. Solange kann man doch eine "niedrige" Sauerstoffsättigung nicht akzeptieren, oder?
Keine Ahnung...ich bin noch in der Vorklinik, bis dahin lernt man eigentlich nur Chemie, Anatomie, Biochemie und sowas....
Was könnte man vorher denn in so einer Situation machen? O2 geben? Sie wird ja nicht schon in der Notaufnahme intubiert, oder? Ich dachte, man ersetzt erst mal das Volumen (mittels HAES oder sowas?) -> Ery-Konz nimmt ab, und damit auch die O2-Sättigung.
3. Ultraschall erst im OP? Die OP- Indikation wird bereits ausserhalb des OP`s gestellt.
Ja, das ist klar. Aber schaut er dann nicht nochmal, ob sich auf dem Weg von der Notaufnahme in den OP was geändert hat? (Ich war noch nie in so einer Situation dabei, von daher bin ich auf Eure Beratung angewiesen ;0) )
@ Madison:
Danke für Deine Tipps!
Über eine Zielgruppe habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das "Idealziel" ist, dass es auch Leute "vom Fach" lesen und Spaß daran haben können. Andererseits ist das vielleicht ein bißchen hoch gegriffen für eine Anfängerin wie mich.
Naja, da ich vermutlich sowieso mit dem Studium fertig bin, bis dieser Krimi fertig ist ....
Ich denke, so 2-3 gute (realistische und ausführliche) OP-Szenen sollten reichen. Sonst wird es für den Leser auch irgendwann langweilig.
Liebe Grüße......................................Anna
schnuppi
23.07.2006, 18:20
Hallo Anna!
1. Sauerstoff wird entweder schon ab der Aufnahme über eine Nasensonde verabreicht im OP über die Beatmungsmaske zugeführt und natürlich während der Vollnarkose. Erythrozytenkonzentrate haben meines Wissens nichts mit der Sauersoffsättigung zu tun - hat mehr was mit Volumenausgleich zu tun. Dies geht wirklich über die Beatmung.
2. Ultraschall im OP wird nicht mehr gemacht. Habe ich jedenfalls noch nicht erlebt.
Viel Spass beim Weiterschreibseln
Gruss Schnuppi
Annawake
23.07.2006, 19:14
Hallo Anna!
Erythrozytenkonzentrate haben meines Wissens nichts mit der Sauersoffsättigung zu tun - hat mehr was mit Volumenausgleich zu tun. Dies geht wirklich über die Beatmung.
Hm, Du hast recht...vermutlich kann nur das (an Hämoglobin) gesättigt werden, was "da" ist...Habs geändert.
Das mit dem Ultraschall würde ich gern drinlassen (Fällt das noch unter "künstlerische Freiheit" , oder ist es zu weit hergeholt, um glaubwürdig zu sein?) ;0)
Grüßlis aus dem tiefen Süden - Anna
Den kompletten Text (Soweit ich bisher gekommen bin) findet ihr hier:
http://www.leselupe.de/lw/showthread.php?threadid=75825
Obs-Pfleger
24.07.2006, 16:33
Hallo Anna! Hallo Schnuppi!
1. ...Erythrozytenkonzentrate haben meines Wissens nichts mit der Sauersoffsättigung zu tun - hat mehr was mit Volumenausgleich zu tun...
:ichweisswas: Na ja, indirekt und ab einem gewissen Blutverlust schon, der Sauerstoff bindet sich ja an das Hämoglobin (...welches ja auch in den Erythrozytenkonzentraten enthalten ist...), verliert der Patient viel Blut hat er somit einen niedrigen Hämoglobingehalt, der Sauerstoff somit weniger "Träger" (...was sich dann letztendlich auch auf die Sauerstoffsättigung auswirken würde...).
Mfg Obs-Pfleger - "ist aufgrund der Hitze schon ganz :tanz: und :schock: und hat auch nen Volumenmangel, deshalb @ all: :prost: , viel trinken ist jetzt wichtig"
Schwester S.
24.07.2006, 16:51
... verliert der Patient viel Blut hat er somit einen niedrigen Hämoglobingehalt, der Sauerstoff somit weniger "Träger" (...was sich dann letztendlich auch auf die Sauerstoffsättigung auswirken würde...).
Will ja nur ungern klugscheissern, habe aber im Rahmen der FWB einen tollen Unttericht in Hämodynamik hinter mir und kann deshalb nur sagen:
Und wenn wir nur ein einziges Hämoglobin noch in uns hättten, es könnte zu 100% gesättigt sein! Auswirkungen hätte diese massive Anämie lediglich auf den transportierten Sauerstoffgehalt (O2CT) des Blutes und damit auf das Sauerstoffangebot für den Organismus ( DO2)....ich höre ja schon auf...:jubel:
Annawake
24.07.2006, 17:01
@Schwester S:
Ich denke, Du hast recht. Meine Biochemie-Profs sehen das genauso wie Du (hab nochmal nachgelesen) ;0)
...und ich hätte es eigentlich auch wissen sollen. War wohl die Hitze...
Zitat "Auswirkungen hätte diese massive Anämie lediglich auf den transportierten Sauerstoffgehalt (O2CT) des Blutes und damit auf das Sauerstoffangebot für den Organismus ( DO2)...."
Genau das meinte ich eigentlich. :mosh:
Liebe Grüße...................................Anna
Obs-Pfleger
24.07.2006, 17:38
...Will ja nur ungern klugscheissern...
Kein Problem, :D ruhig weiter so!
...habe aber im Rahmen der FWB einen tollen Unttericht in Hämodynamik hinter mir...
:bravo:
Und wenn wir nur ein einziges Hämoglobin noch in uns hättten, es könnte zu 100% gesättigt sein! Auswirkungen hätte diese massive Anämie lediglich auf den transportierten Sauerstoffgehalt (O2CT) des Blutes und damit auf das Sauerstoffangebot für den Organismus ( DO2)....ich höre ja schon auf...:jubel:
Richtig! Deshalb sagte ich indirekt, letzendlich und ab einem gewissen Blutverlust! Der Sauerstofftransport und die Sauerstoffabgabe in`s Gewebe werden (...neben einem ausreichenden HZV sowie einer ausreichenden Sauerstoffsättigung der arteriellen Blutes...) durch einen genügenden Hämoglobingehalt des Blutes gewährleistet. Habe ich aber einen Patienten mit massivem Blutverlust, kann das "einzige noch vorhandene Hämoglobin" zwair evtl. zu 100% sättigen, es kann aber damit nicht alle vorhandenen Organe/Gewebe ausreichend mit Sauerstoff versorgen, eben weil es ganz alleine ist (...das arme Ding -schluchz:( ...)
Mfg Obs-Pfleger
@annawake: wie wärs denn jetzt mal mit nem kaffee für die kollegen???:D
zur intubation: die epiglottis wird aufgeladen, indem man die spatelspitze in die epiglottische falte einführt und dann nach ventral u. kranial anhebt. wenn mans richtig gemacht hat, stellt sich jetzt die stimmritze dar. es sei denn, die anatomie des patienten spielt nicht mit.:schock:
leuchtende grüsse, madi
Annawake
24.07.2006, 23:16
Hallo Madi!
So besser?
"Er schob die Zunge der Patientin zur Seite und führte die Spatelspitze in die epiglottische Falte ein. Ein Zug am Griff, der Kehldeckel hob sich und die Stimmritze lag frei. Er schob den Tubus vorsichtig in die Luftröhre vor, blockte den Cuff und schloss die Patientin ans Beatmungsgerät an. Geschafft".
Kaffee: Voilà:
http://www.kaffee-frei-haus.de/bilder/kaffee.jpg :D
Und noch ein Link: der Text im Originalzusammenhang (für diejenigen, die gern mehr wollen als nur die paar Textauszüge). Ihr könnt mir auch gern sagen, was ihr insgesamt davon haltet, (ggf. auch per PM).
http://www.leselupe.de/lw/showthread.php?threadid=76194
noch einen schönen Abend wünscht........................................... .....Anna-Sleepy :schlafen:
Annawake
28.07.2006, 15:24
Hallo!
It`s me again...
Hier noch mal ein Textauszug. Die Patientin ist eine ältere Dame mit Appendizitis, der Arzt der oben schon erwähnte Assistenzarzt.
„Ich werde Ihnen jetzt einen Venenkatheter für die Infusion legen. Nicht erschrecken, wenn es gleich ein bisschen sticht. Danach merken Sie dann aber nichts mehr“.
Er legte das Stauband um den dünnen Arm der Patientin und versuchte, die Vene zu stauen. Sie trat kaum hervor. Genau wie er vermutet hatte, hatte die alte Frau viel zu wenig getrunken oder die Flüssigkeit wieder erbrochen.
Er stach die Kanüle ein und schob sie vor. Die Vene platzte, und ein großes Hämatom bildete sich auf dem Handrücken der Patientin. Sie saugte heftig die Luft ein und zuckte weg. Beim nächsten Versuch zog sie die Hand weg, sowie er mit der Kanüle die Haut berührte. „Au, Herr Doktor, das tut weh!“
Beim dritten Versuch hielt er die Hand der Patientin fester als eigentlich nötig und schaffte es schließlich, den Katheter in der Vene zu platzieren. Er hängte isotone Kochsalzlösung an, um der alten Frau Flüssigkeit zuzuführen und den venösen Zugang offen zu halten.
„Caro, ich brauche Antibiose. Cefazolin und Metronidazol.
Für die Einleitung das Übliche. Thiopental 250 Milligramm, Fenta 0,1 Milligramm, Präcurarisierung mit Atracurium 4,5 Milligramm, dann Succinylcholin. Ich mache dann mit Gas weiter“.
Sie nickte. „Geht klar“. Dann wandte sie den Kopf zu ihm hin.„Die Tochter und der Schwiegersohn sind draußen und machen sich ziemlich Sorgen. Vielleicht gehst Du nachher noch mal raus und redest kurz mit denen“.
1. Würde man hier NaCL oder besser etwas anderes nehmen, um das Volumen zu ersetzen?
2. Sind die Medikamente und Dosierungen okay? Hab das Beispiel aus einem Anästhesie-Taschenatlas, andererseits habe ich irgendwo gelesen, dass Thiopental und Fenta sich nicht vertragen...und der Atlas ist nicht gerade der Aktuellste.
Im Lauf der OP bekommt die arme Frau eine ziemlich fulminante Lungenembolie und stirbt. (Okay, ich weiß, das ist etwas melodramatisch ;) , aber für den weitern Verlauf der Geschichte ist es wichtig, dass sie während der OP verstirbt).
Sailer gähnte. Es wurde Zeit, dass die Operation vorbei war, er wollte ins Bett. Er spähte über das zwischen zwei Infusionsständern aufgespannte grüne Tuch, das den sterilen Operationsbereich vom unsterilen Arbeitsplatz des Anästhesisten trennte. „Wie weit seid ihr?“ „Wir machen jetzt gleich den Bauch zu“, antwortete Naumann. Auch er wirkte müde.
Sailer drehte das Narkosegas ab und schaute zu, wie die chirurgische Assistentin die Wunde zunähte.
Auf einmal spitzten sich seine Ohren. Irgend etwas stimmte nicht, die Herztöne wurden unregelmäßig. Er drehte sich zum Monitor um und erschrak. Die Kohlendioxid-Ausatmungskurve hatte sich verändert, und das EKG zeigte deutliche Zeichen einer Rechtsherzbelastung. Die Sauerstoffsättigung des Blutes sank. Er warf eine Blick auf die Patientin: Ihre Lippen hatten sich bläulich verfärbt. Rasch prüfte er die Einstellungen des Narkosegerätes. Hier schien alles in Ordnung.
„Caro!!!!“ seine Stimme überschlug sich fast. „Ja?“ Caroline kam aus dem Einleitungsraum. „Irgendwas ist los. Lungenembolie, so wie es aussieht. Ich brauche eine arterielle Blutgasanalyse! Schnell!“
Was würde er sonst noch anordnen oder tun?
Ist es realistisch, dass ein -relativ unerfahrener -Arzt hier durch bloßes "Hinschauen" schon mal eine Lungenembolie erkennt/vermutet? Ich habe gelesen, dass die plötzliche EKG-Veränderung (Rechtstyp) ein ziemlich typisches Zeichen ist, aber sieht ein Arzt mit 2-3 Jahren Erfahrung das sofort? Hier wäre es auch okay, wenn er überhaupt nicht mehr weiß, was er tun soll, und z.B. fragt: "Caro, irgendwas stimmt hier absolut nicht, aber ich blicks grade überhaupt nicht mehr...hast Du eine Idee, was hier los ist"? ;0).
Ein Gerinnsel hatte sich gebildet und einen Hauptast der Lungenarterie verstopft. Dieser Teil der Lunge war vom Blutkreislauf abgeschnitten und konnte keine Atemgase mehr austauschen. Zudem staute sich das Blut vor der undurchlässigen Stellte, und die rechte Herzkammer musste gegen den erhöhten Widerstand im Lungenkreislauf anpumpen. Je nach Ausmaß des Verschlusses konnte es zu einem akuten Herzversagen kommen.
Er drehte den Sauerstoff hoch. Im selben Moment hörte er den Alarmton des Narkosegerätes, und eine waagerechte Linie erschien auf dem Monitor.
Asystolie.
Naumann hatte bereits gesehen, was passiert war, und begann mit der Herzdruckmassage. Mit ekelhaftem Knirschen brach eine Rippe der alten Frau. Der Chirurg fluchte. "Warum-mach-ich-überhaupt-noch-Dienste..."keuchte er.
Ist das so einigermaßen korrekt? Den ganz detaillierten Ablauf (Diagnostik/Therapieversuche usw.) möchte ich gar nicht beschreiben, das soll hier so kurz wie möglich gehalten werden.
ABER: fehlt irgendwas ganz Relevantes bzw. sind Fehler drin?
Mehr detaillierte OP-Szenen werde ich übrigens voraussichtlich nicht reinpacken, mit mehr Fragen werde ich euch also nicht "nerven" :D .
Nochmal vielen Dank für Eure Hilfe und liebe Grüße, Anna :cool:
Superfantastisch
29.07.2006, 02:38
Danach merken Sie dann aber nichts mehr“.
Heieiei ... :schock:
Annawake
29.07.2006, 09:14
Heieiei ... :schock:
Herr Superfantastisch, wie darf ich das jetzt verstehen? ;)
Naja, geben Schlafemittel, Patiente schlafen? Oder? :confused:
Außerdem: wenn ein Arzt sagt, "das tut jetzt nur ein ganz kleines bißchen weh..." - in der Situation war doch jeder schon mal, oder ;)
Grüßle, Anna
Superfantastisch
29.07.2006, 14:45
Herr Superfantastisch, wie darf ich das jetzt verstehen? ;)
"Danach merken Sie dann aber nichts mehr" hat sowas endgültiges.
Klingt nach Hospiz und darum sagt man's nicht.
;)
R.Fischer
01.08.2006, 15:06
Hallo Annawake!
Zur Volumensubstitution würde ich eher Voluven nehmen, aber sparsam (Herzdekompensation).
Thiopental 250 mg erscheinen mir etwas zu wenig, kannst ruhig noch 100 draufschlagen.
Thio und Fenta vertragen sich, wobei bei uns Fenta eher out ist (Sufenta oder Rapi als Ersatz).
Ich denke auch ein relativ unerfahrener Assistent kann eine solch dramatische LE erkennen, alleine schon vom CO2 her und der dazugehörigen Kurve her.
Als Assi würde ich dann aber sofort den diensthabenden OA dazurufen.
Sailer verlangt nach einer schnellen arteriellen BGA - muß er aber doch selbst machen, oder? Bei uns ist es zwar üblich, daß auch die Pflegekräfte die Arterie punktieren, ist sonst aber eher die Ausnahme. Oder hat er der Dame die Arterie vorher schon gelegt?
Auch würde ich im Reanimationsfall erstmal - da sie ja nur zu zweit sind- auf die BGA pfeifen.
Ansonsten - Kompliment, wie im "richtigen Leben".
Gruß, Rainer.
Annawake
01.08.2006, 19:24
Ansonsten - Kompliment, wie im "richtigen Leben".
Danke! *strahl* :0)
Hab mir jetzt per Fernleihe ein Anästhesiebuch (Larsen, "Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege") besorgt. Darin steht, dass bei einer massiven Lungenembolie auf sowas wie BGA, Röntgen usw. (was ja im OP machbar wäre) verzichtet wird, stattdessen als diagnostische Maßnahmen CT, transösophageale Echokardiographie und Pulmonalisdruckmessung bzw - angiographie.
Das mit der BGA kann ich also weglassen.
Da die wenigsten OPs mit den entspr. Geräten ausgestattet sind (glaube ich) und so ein Patient wohl eher nicht transportfähig ist, kann man an Diagnostik eh nicht viel machen, oder? :confused: Und an Therapie? Allerdings kriegt die Pat. in der Geschichte nach ein paar Minuten einen Herzstillstand. Da kann man dann eigentlich nur reanimieren...und beten...oder? :schock:
:streiker: *nachOberarztruf*
Die Idee mit dem OA ist übrigens gut, das werde ich einbauen. Ruft der Assistent ihn an, oder sollte der besser beim Pat. bleiben?
Ist eigentlich an größeren KHs nachts immer ein OA und ein Assistenzarzt da?
Okay, das wars für heute...ich mache im Moment Pflegepraktikum und muss (darf!) um 4.30h aufstehen, bin also etwas "nebbe dr Kapp" ;0)
Liebe Grüße...............................Anna-sleepy
Nachtrag vom 03.08.06:
Habs jetzt in das hier umgeändert:
„Caro!!!!“ seine Stimme überschlug sich fast. „Ja?“ Caroline kam aus dem Einleitungsraum. „Irgendwas ist los. Lungenembolie, so wie es aussieht. Pieps den Oberarzt/Martin an, er muss sofort herkommen. Das hier schaffe ich nicht allein!“
arnold kaltwasser
04.08.2006, 13:49
so langsam bin ich auf das fertige Buch gespannt:D
so long arnold
Obs-Pfleger
04.08.2006, 14:06
so langsam bin ich auf das fertige Buch gespannt:D
Ja, ich auch, die Spannung steigt ins unermeßliche! :wow: :schal: :schal: :wow:
Mfg Obs-Pfleger
Annawake
04.08.2006, 20:56
Oh...im Ernst? *erröt* *sich in Zirkusdirektormanier verbeug*
Naja, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis das Buch fertig ist. Wenn es aber jemals veröffentlicht wird, (was ich hoffe) kriegt ihr vorne drin eine Widmung! ;0)
Bis jetzt steht die Rahmenhandlung und die wichtigsten Szenen. Dieses "Skelett" benötigt aber noch etwas mehr "Fleisch auf den Knochen".
Liebe Grüße.........................................Anna wake
Hanno H. Endres
04.08.2006, 21:30
Naja, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis das Buch fertig ist. Wenn es aber jemals veröffentlicht wird, (was ich hoffe) kriegt ihr vorne drin eine Widmung! ;0)
Was hat denn der Verlag gesagt, wie lange die Herstellung dauert, wenn das Manuskript erst eingereicht ist?
Schöne Grüße,
hhe
Annawake
04.08.2006, 22:28
Hallo!
Ich hab es noch nicht bei einem Verlag eingereicht, weil ich es erst weitgehend fertig haben möchte. U.a., weil ich manchmal mehrere Monate kaum dazu komme, weiterzuschreiben (wg. Lernerei usw.). Und dann den Druck von einem Verlag zu haben, dass es bis zu einem bestimmten Termin fertig sein muss, ist Stress, den ich mir in der Form (zusätzlich zum Lernstress) nicht unbedingt geben möchte.
Deshalb kann ich auch nicht abschätzen, wann es fertig sein wird.
Nach dem, was ich so gehört/im Internet gefunden habe, ist das Hauptproblem für einen Anfänger, einen Verlag zu finden. Die meisten Verlage/Lektoren kriegen jeden Tag mehrere unverlangte Manuskripte, und viele werden nicht mal gelesen, sondern sofort zurückgeschickt.
Wie lange es dauert, wenn man endlich einen Verlag gefunden hat, weiß ich nicht. Ich schätze, ca. sechs Monate.
Aber wie gesagt...erst mal muss es fertig sein.
Liebe Grüße............................................. ..Anna
Annawake
18.09.2006, 20:26
Hallo!
Es geht wieder weiter.
Okay - viel Spaß beim Lesen (und Kommentieren)!
Liebe Grüße, Annawake ;0)
Er konnte nicht mehr. Brach in die Knie. Stimmengewirr draußen auf dem Flur. Blind vor Tränen, bohrte er die Nadel durch die weiche Haut in der Armbeuge. Vena cephalica, Vena basilica, Vena mediana cubiti...die Gefäße hatte ihn damals den Hals gekostet, im Extremitätentestat bei Wahrenberg. Daneben. Warmes Blut rann seinen Arm herunter. Endlich die Vene. Er drückte den Kolben herunter und schloss die Augen. Atmete noch einmal tief durch. Es war vorbei.
Er merkte nicht mehr, wie Schäfer, Gebhardt und Schultheiß in den Raum rannte. "Der Dreckskerl hat versucht, sich umzubringen. Karl, wir müssen intubieren! Schnell! So einfach kommt der nicht davon!"
Schäfer: Chefarzt
Gebhardt: Oberarzt
Schultheiß: Anästhesiepfleger
Okay, das "wir müssen intubieren" gefällt mir überhaupt nicht, der Satz klingt so nach "Rettungsflieger" und ähnlichen TV-Serien. Allerdings habe ich von Reanimation u.ä. echt keine Ahnung :0( Allerdings finde ich die Vorstellung ganz witzig, wie diese Herren quasi aufgereiht vor der Tür stehen und nur darauf warten, dass er das Bewusstsein verliert - nicht gerade günstige Umstände für einen Suizidversuch ;0)
Was könnte der Arzt in so einem Fall eher sagen bzw. welche Vorgehenseweise wäre angebracht?
Auf Wunsch der Fans stirbt Sailer den Heldentod:
Schäfer kniete sich neben den Bewusstlosen auf dem Boden. Er überstreckte dessen Kopf, öffnete Sailers Mund. „Laryngoskop!“ die Worte kamen kurz und abgehackt, spiegelten den inneren Aufruhr des Chefarztes wieder. „Tubus!“
Gebhardt versuchte, einen Zugang zu legen, doch seine Hände zitterten zu stark.
„Scheiße...die Stimmritze ist zu, alles verkrampft... – Muskelrelaxans! Herrgott noch mal, Martin, ich brauche einen Zugang!“ Schäfer riss Gebhardt die Plastikverpackung aus der Hand und bohrte die Nadel in eine Vene an Sailers Hals. „Succinylcholin! Muss ich alles zweimal sagen? Das hier ist ein Notfall! Schultheiß, hängen Sie ihn doch an den Monitor, er muss doch überwacht werden! - Gott, ich kann ihn nicht intubieren – Maske!“ Er drückte die Beatmungsmaske auf Sailers Gesicht und versuchte, mit dem Beatmungsbeutel den lebenswichtigen Sauerstoff in Sailers Lungen zu pumpen. „Verdammt, der Thorax ist völlig starr, ich kann ihn nicht beatmen! Schultheiß, ziehen Sie einen Opioidantagonisten/Naloxon auf! Bin ich hier nur von Anfängern umgeben? Schnell, der Mann wird langsam hypoxisch!
- was ist das denn für ein Rhythmus...?“
Gebhardt ging zu Sanna, die immer noch still und bleich in der Ecke kauerte. Er nahm sie in den Arm und drückte ihr Gesicht an seine Schulter, versuchte, sie vor dem hektischen Gebrüll des Chefarztes abzuschirmen.
Schäfer fluchte. „Defi!“ schrie er. Frank Baumgärtner brachte das Gerät. Schäfer legte Gelpads auf und presste die Elektroden auf Sailers Brustkorb. „Weg vom Patienten!“ Sailers Muskeln kontrahierten, als 200 Joule durch seinen Körper jagten, dann fiel er mit einem dumpfen Geräusch zurück auf den Boden.
Gebhardt spürte, wie Sannas Körper sich ebenfalls spannte und wieder erschlaffte. Er wiegte sie leicht hin und her, ihren Kopf immer noch an seiner Schulter. „Ist ja gut, ist ja gut...“ murmelte er sanft.
Schäfer warf einen Blick auf den Monitor, atmete auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „normaler Sinusrythmus“. Er versuchte erneut zu intubieren, diesmal erfolgreich. Als er Sailer ans Beatmungsgerät angeschlossen hatte, sah er ihm ins Gesicht. Die bläulichen Lippen färbten sich langsam, als das Hämoglobin im Blut den Sauerstoff aufnahm, die Gesichtsfarbe normalisierte sich. Das Herz schlug, pumpte Blut durch den Körper und ins Gehirn. Die Augen waren halb offen, Tränenspuren zogen sich vom äußeren Augenwinkel über die Schläfen bis zum Ohrläppchen, mischten sich mit Blut aus einer kleinen Wunde über der Augenbraue.
Schäfer atmete tief durch. Welche Schäden hatte der Sauerstoffmangel im Gehirn verursacht? Er schob mit den Daumen vorsichtig die Augenlider nach oben und leuchtete Sailer in die Augen. Die Pupillen, trotz des Opioids maximal geweitet und entrundet, zeigten keine Reaktion auf den Lichtstrahl. Markus Sailer war tot.
Okay, so eine Situation wird in der Realität vermutlich nie vorkommen - wenn ein Arzt sich umbringt, dann wohl eher, wenn er allein ist und niemand ihm helfen kann....Aber haltet Ihr die Vorgehensweise bei der Reanimation für einigermaßen nachvollziehbar? Auch, dass in so einer Situation alles drunter und drüber geht?
Müssten die ihn zum Defibrillieren eigentlich auf eine Gummimatte oder so legen, damit sie nicht selber einen Schlag abbekommen?
Ich bin, wie üblich, über jeden Tipp froh!
Obs-Pfleger
19.09.2006, 23:01
Hallo Annawake!
Wie gewünscht hier ein paar Anmerkungen :ichweisswas:
...bedient sich selbst an seinem Giftschrank...
Wie meinst du das, "an seinem Giftschrank"? Das hört sich so an als würde jeder Arzt einen eigenen Giftschrank (Verschließbarer Schrank in dem nach dem Gesetz bestimmte Betäubungsmittel-BTM gelagert werden) besitzen auf den er jederzeit nach Lust und Laune zugreifen könnte! So einfach geht das nicht, zumindest nicht im Krankenhaus! Betäubungsmittel müssen über Sonderrezept in der Klinikapotheke bestellt werden, jede Entnahme muß mit Namen und Geburtsdatum (..von dem Patient der das BTM erhält...) dokumentiert werden!
Was könnte der Arzt in so einem Fall eher sagen bzw. welche Vorgehenseweise wäre angebracht?
Na ja, ich glaube das kannste so schreiben! Hier nochmal eine Grafik zum Ablauf :guck mal: http://www.inm-online.de/pdf/aktuelles/neuigkeiten/algorithmus2005.pdf
„Scheiße...die Stimmritze ist zu, alles verkrampft... – Muskelrelaxans
Ich vermute du meinst hiermit einen Laryngospasmus, die Stimmbänder "verkrampfen" bzw. verschließen sich hierbei! Wie schon von dir beschrieben kann man hier Succinylcholin geben das sich die Stimmbänder wieder öffnen
Er drückte die Beatmungsmaske auf Sailers Gesicht und versuchte, mit dem Beatmungsbeutel den lebenswichtigen Sauerstoff in Sailers Lungen zu pumpen
Im Falle eines Laryngospasmus versucht man den Patienten NICHT manuell zu beatmen, die Stimmbänder sind zu, durch die manuelle Beatmung verschlimmert sich evtl. der "Krampfzustand" der Stimmbänder noch! Deshalb Succi geben, ist ein schnellwirksames Muskelrelaxans, dann versuchen zu intubieren!
- was ist das denn für ein Rhythmus...?“
Richtig! Es ist der Rhytmus, der immer mit muß! :D
Sailers Muskeln kontrahierten, als 200 Joule durch seinen Körper jagten...
Nach den neuen ERC-Leitlinien kannst du schon mit 360 Joule anfangen zu defibrillieren! Ansonsten, man defibrilliert nicht einfach so drauflos, vorher sollte der Patient an ein EKG angeschlossen sein und Kammerflimmern aufweisen, ansonsten besteht zur Defibrillation keinerlei Indikation!
Markus Sailer war tot.
Was??? Eben hast du noch geschrieben das er einen Sinusrhytmus hat, jetzt ist er tot! Sinusrhytmus und Tod schließen sich aber aus, es sei denn der Patient hat elektromechanisch entkoppelt ..(Vorhandensein einer elektrischen Pulsaktivität, jedoch ohne Auswurfleistung des Herzens, das heißt es wird kein Blut in der Körperkreislauf gepumpt)
Müssten die ihn zum Defibrillieren eigentlich auf eine Gummimatte oder so legen, damit sie nicht selber einen Schlag abbekommen?
Nein, das ist mir nicht bekannt! Beim Defibrillieren solltest du darauf achten, das du keinen Kontakt zum Patienten hast, ansonsten wirst du mitgegrillt! Desweiteren sollte es nicht der Fall sein das du und der Patient in einer Wasserlache oder ähnlichen Flüssigkeiten verweilt während du defibrillierst!
So, ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen!
Mfg Obs-Pfleger
Annawake
20.09.2006, 15:22
Hallo Obs-Pfleger,
Du sagst mir, was falsch bzw. nicht stimmig ist, damit hilfst Du mir auf jeden Fall!
Das mit dem Giftschrank war etwas flapsig ausgedrückt. Schon klar, dass er ihn nicht einfach ausräumen kann (hat der Arzt überhaupt einen Schlüssel dafür, oder nur der jeweils verantwortliche Anästhesiepfleger?). Aber wenn jemand unbedingt an solche Medis rankommen will, findet er sicher eine Möglichkeit.
Laryngospasmus? Ähm, weiß ich net so genau. In meinem Buch stand, dass es bei hohen Dosen von Fentanyl o.ä. zu einem Verschluss der Glottis kommen kann (das ist dann wohl das Gleiche wie ein Laryngospasmus), außerdem zu Thoraxrigidität.
An was könnte mein Protagonist in so einer Situation (Fentanyl-Überdosierung + langwierige und erschwerte Intubation) realistischerweise sterben? Okay, Hypoxie...Aber eigentlich müsste ein erfahrener Arzt doch auch so eine Situation irgendwann in den Griff bekommen.
Falls jemand eine Idee hat - bin für Vorschläge jeder Art dankbar ;0)
Merci bien und liebe Grüße............................................. ...Anna
Obs-Pfleger
20.09.2006, 23:44
Abend!
Hallo Obs-Pfleger,
Du sagst mir, was falsch bzw. nicht stimmig ist, damit hilfst Du mir auf jeden Fall!
:jubel: :jubel: :jubel:
Das mit dem Giftschrank war etwas flapsig ausgedrückt. Schon klar, dass er ihn nicht einfach ausräumen kann (hat der Arzt überhaupt einen Schlüssel dafür, oder nur der jeweils verantwortliche Anästhesiepfleger?).
Ich habe noch nie erlebt das ein Arzt im Besitz des BTM-Schlüssels ist! Meistens ist es so das der Schlüssel in der jeweiligen Schicht der Pflegenden "unter diesen umher wandert", die Pflegekräfte haben also immer die "Schlüsselgewalt"!
Aber wenn jemand unbedingt an solche Medis rankommen will, findet er sicher eine Möglichkeit.
Jo! Da stimme ich dir zu!
Laryngospasmus? Ähm, weiß ich net so genau. In meinem Buch stand, dass es bei hohen Dosen von Fentanyl o.ä. zu einem Verschluss der Glottis kommen kann (das ist dann wohl das Gleiche wie ein Laryngospasmus), außerdem zu Thoraxrigidität.
Hm, ganz ehrlich gesagt, das mit dem Laryngospasmus weiß ich nicht genau! Meine mich aber zu erinnern, das wenn man Analgetika, wie z.b. Fentanyl i.v., zu schnell injiziert das es dann zu der von dir beschriebenen Thoraxrigidität kommen kann!
An was könnte mein Protagonist in so einer Situation (Fentanyl-Überdosierung + langwierige und erschwerte Intubation) realistischerweise sterben?
Hypoxie ist gar nicht mal so unrealistisch, wenn irgendwann keine Luft mehr in die Lunge und somit irgendwann auch nicht mehr in die Zelle kommt is' schlecht! Führt letztendlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand :schock: !
Okay, Hypoxie...Aber eigentlich müsste ein erfahrener Arzt doch auch so eine Situation irgendwann in den Griff bekommen.
Irgendwann, das ist richtig, irgendwann kann für den Patienten dann aber schon zu spät sein!
Ich frage mich ob du das wirklich alles so detailliert und medizinisch korrekt schreiben musst/willst? Kommt ja immer darauf an welche Zielgruppe dein Buch letzendlich lesen will!
Mfg Obs-Pfleger - "müde bin ich geh zur Ruh' - schließe meinen Giftschrank zu"!
Annawake
21.09.2006, 15:10
Hm, ganz ehrlich gesagt, das mit dem Laryngospasmus weiß ich nicht genau! Meine mich aber zu erinnern, das wenn man Analgetika, wie z.b. Fentanyl i.v., zu schnell injiziert das es dann zu der von dir beschriebenen Thoraxrigidität kommen kann!
Ich frage mich ob du das wirklich alles so detailliert und medizinisch korrekt schreiben musst/willst? Kommt ja immer darauf an welche Zielgruppe dein Buch letzendlich lesen will.
Naja, "müssen" wohl nicht, aber ich möchte es.
Einfach deshalb, weil ich
a) generell sehr detailversessen bin
b) den Anspruch an mich habe, das, was ich mache, so gut hinzukriegen wie möglich.
Außerdem versuche ich, ein Buch zu schreiben, das ich selber gerne lesen würde. Und wenn ich z.B. nach 3 Seiten merke, dass da jemand über etwas schreibt, von dem er eigentlich keine Ahnung hat, dann fliegt das Buch ganz schnell in die Ecke. Und ich frage mich dann, warum derjenige eigentlich über sowas schreiben musste, wenn er keine Lust hatte, ordentlich zu recherchieren.
Deshalb möchte ich grobe Fehler (z.B. Defi, wenn er nicht nötig wäre), möglichst vermeiden. Und dazu ist halt viel Recherche (und Fragerei) nötig, wenn man selber noch net so viel weiß.
Außerdem sollten auch Leute "vom Fach" es lesen können und Spaß daran haben. (also net die Art von Spaß :hihi: , sondern eher :cool: :mosh: )
- okay, d e r Anspruch ist vielleicht ein bißchen hoch für jemanden in der Vorklinik - deshalb wird es wohl auch noch etwas dauern, bis das Ganze fertig ist.
c) lerne ich echt viel dabei! :mosh:
Dass sich die Stimmritze durch Fenta o.ä. ganz oder teilweise verschließen kann, müsste stimmen (Quelle: Larsen).
Hat eigentlich schon mal jemand so eine Situation erlebt (wo der Pat. aufgrund von Fenta o.ä. fast bzw. gar nicht zu beatmen war? Ich hab beim Hospitieren einmal miterlebt, dass der Anästhesist während der ganzen Op mit dem Beutel beatmen musste, fragt mich aber net warum. Ich glaube, der Pat. hatte ein Lungenemphysem (?) oder sowas und hat auf das Ultiva dann nochmal zus. reagiert.
Ansonsten: danke für die Antworten! :zwai-Schild:
Liebe Grüße.....................................Annawake
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