Vollständige Version anzeigen : Insulinperfusor - wieviele IE/h sind noch sinnvoll?
Sister Chaos
01.07.2006, 16:30
Hallo,
ich bin im Rahmen der FWB schon auf mehreren Intensivstationen gewesen und habe dementsprechende viele verschiedene Vorgaben zum Thema Insulinperfusor bekommen.
Die Chirurgen lassen bis zu 15 IE Alt-Insulin die Stunde als Perfusor laufen. Die Anästhesisten max. 10 IE, sind aber bei Boli-Gaben schneller dabei. Die Internisten sind der Meinung das ab 8 IE das Insulin nicht mehr wirkt, geben dann aber Basalinsulin s.c. dazu.
Angestrebter BZ liegt bei 80 - 110 mg/dl. Regelmäßige BZ Kontrollen verstehen sich von selber!
:confused: Und nun mein Anliegen, wie handhabt ihr das?:confused:
Bin dankbar für alle Beiträge,
gruß Sister Chaos
ostfriesland
01.07.2006, 21:41
Moin,
wir lassen den Insulinperfusor bis zu 8 IE/h laufen, ansonsten zusätzliche Bolusgaben; angestrebter Wert zw. 4 und 6,5 mmol/l.
Gruß
Hallo zusammen,
bei uns läuft der Insulinperfusor nach BZ zwischen 0,5-4 IE. Wir sind mit den Bolusgaben sehr großzügig, besonders nach Pankreastransplantationen, wenn das Organ noch nicht richtig funktioniert.
Grüße Groha,
der mal wieder Nachtdienst hat, die erste ist die schlimmste :(
Bei uns läuft der Insulin - Perfusor so hoch, wie es sein muß, damit wir BZ - Werte im Normbereich haben! Mehr als 15 I.E. habe ich aber noch nicht erlebt.
Smokejumper
03.07.2006, 18:30
Bei uns läuft der Insulin - Perfusor so hoch, wie es sein muß, damit wir BZ - Werte im Normbereich haben! Mehr als 15 I.E. habe ich aber noch nicht erlebt.
Ich hatte neulich den ACTRAPID(R) auf 40I.E. auf Arztverordnung erhöhen müssen, wobei hier der Wert dann auch leicht fiel.
Hi!
Normalerweise pumpt das Pankreas pro Tag etwa 40 IE des kurzlebigen Peptids in unseren Kreislauf. Wenn es jemanden richtig schwer erwischt hat, stellt sich der Stoffwechsel um und es kann zu einem sog. Postaggressionsstoffwechsel kommen, der u.a. mit einer temporären peripheren Insulinresistenz einher geht. Dazu gleich noch mehr...
Wieder zurück zur Frage: Eine echte Antwort darauf kann man meiner Ansicht nach noch nicht bekommen. Es gibt wichtige Studien, die ein Überlebensvorteil bei schwerst kranken Partienten auf der Intensivstation gezeigt haben, wenn die Blutglucose im unteren Normalbereich gehalten wird. Dabei wurde die Höchstdosis Insulin - man halte sich fest - willkürlich auf 50IE pro Stunde (!!!) festgelegt. Und jetzt kommt ihr: Wer hat das schonmal erlebt? (Vergl: Van den Berghe et al. INTENSIVE INSULIN THERAPY IN CRITICALLY ILL PATIENTS, NEJM Nov 2001;345(19);1359-67 und Van den Berghe et al. INTENSIVE INSULIN THERAPY IN THE MEDICAL ICU, NEJM Feb 2006;354(5);449-61)
Jetzt nochmal zurück zur Einleitung. Die Frage stellt sich, ob es Sinn macht, im Rahmen einer Glucoseintoleranz Kohlenhydrate zu substituieren und entsprechend viele Einheiten Insulin hinterher zu schießen oder ob man in dieser Phase lieber die Zufuhr begrenzt. Es scheint mir nach aktuellem Stand eine echte Glaubensfrage zu sein.
Nachdenken was Sinn macht und nach besten Wissen und Gewissen handeln. Aber Insulin kann man wahrscheinlich reichlich geben, zumal die Halbwertszeit wirklich überschaubar ist.
Beste Grüße,
André :jubel:
Hallo,
ich schließe mich Andre an. Auch ich habe es mehrfach gelehrt bekommen und selbst gelesen, dass die konsequente Insulineinstellung ein entsprechendes Outcome auf die Überlebensrate bewirkt.
Zu Deiner Frage:
Ich habe erlebt, dass es von Fachgebiet zu Fachgebiet viele Philosophien gibt. Manchmal beachtet man auch gar nicht dass ein PAtient Cortison bekommt und wundert sich dann, dass er gar nicht mit dem BZ einzustellen ist.
Vielleicht sollte man bei einer gehäuften Anzahl die Charge überprüfen lassen. Das wird sicherlich nicht bei einem Patienten nötig sein. Aber manchmal wundert man sich doch sehr über die Fähigkeiten eines menschlichen Körpers.
Letztlich zu den Fakten:
Auch bei uns vollzieht manches mal der Perfusor mit 20 IE/h seinen Dienst.
Gruß
Axel
Miss Honey
03.07.2006, 23:12
Bei uns laufen 100 IE Altinsulin in 50 ml als Perfusor so hoch wie nötig, um den BZ in den Normbereich 80- 100 zu lenken, haben auch schonmal den Perfusor doppelt aufgezogen (200IE) auf 15ml/h oder höher laufen vorübergehend und das kommt nicht selten vor.
BZ- Kontrollen werden stündlich durchgeführt wenn nötig, arbeiten nach dem Schema der intensivierten Insulintherapie.
Zusätzlich achten wir auf die Zufuhr von Glukose, also erhalten solche Patienten statt der G20% oder G40% dann eventuell nur 10%ige oder im Extremfall nur 5%ige Glukose, solange der BZ so entgleist ist. Für die enterale Zufuhr weichen wir dann auf die Diätversionen der Sondenkost vom Fresubin aus.
Es ist oft ein Balanceakt den Mittelweg zu finden zwischen dem Nutzen des normwertigen BZ´s für das Outcome des Patienten (ist bewiesen und hat sich bei uns auch bewährt!) und einer ausreichenden Glukosezufuhr wie bei einem Septiker notwendig.
Auch besonders wenn, wie vom Vorredner schon beschrieben, zusätzlich SDH in höheren Dosen etc. verabreicht werden muss. Insulin hat keine entscheidenen Nebenwirkungen und ist billig :-)
Viele Grüsse
schnatter
13.07.2006, 12:01
Hallo,
bei uns läuft der Insulin Perfusor bis max.6IÉ/h. Ansonsten noch sc Bolusgaben. Der Wert soll bei 4,4-6,1 mmol/l liegen.
Tschau
FireBIPAP
15.07.2006, 19:42
Hi!
Bei uns sind bis vor ca. 2 Jahren max 10iE/h verabreicht worden, wenn höherer bedarf war wurde die Glucose pausiert.
Dann hat unser Diabetisinstitut die Order gegeben dass man Insulin nicht überdosieren kann und desswegen lassen wir es bis 50iE/h laufen, wenn nötig. Dies ist bei relativ vielen Pat. nötig, dann aber nur für kurze Zeit.
Cu Simon
Christoph
25.07.2006, 16:30
Hallo
bei uns läuft Insulin auch in Dosen bis zu 20 oder 30E/h. Allerdings handelt es sich meist um Patienten im akuten low Output. Bei diesen Patienten kommt es zu BZ Werten teils deutlich über 300mg/dl ohne Zufuhr von Glucose. Durch die hohen Insulindosen lässt sich der BZ meist unter 300mg/dl halten. Auch damit sind wir von den angestrebten 80 - 100 weit entfernt erreichen aber meist innerhalb von 12 Stunden Werte unter 150. Hypoglykämien treten dabei eigentlich nie auf.
Viele Grüße
Chistoph
Randbayer
02.08.2006, 12:14
Hallo Leute!
Wir applizieren max. 10 IE Insulin die Stunde (allerdings bestätigen immer wieder Ausnahmen die Regel). Da wir bei kritischen Patienten engmaschig (stdl.) BZ-Kontrollen durchführen intervenieren wir bei steigendem BZ mit Bolsugabe nach ärztl. Rücksprache. Unsere Zielwertvorgaben sind <150 mg/dl.
Seit Einführung der frühen enteralen Ernährung, hat sich gezeigt, dass nach dem Beginn der kontinuierlichen Sondenkostgabe die BZ-Ausreißer nicht mehr so häufig vorkommen, im gleichen Zug wird bei ausreichender Kalorienzufuhr die Parenterale (G40%>...>G5%) ausgeschlichen. Ich kann dies nicht in Zahlen belegen, da es sich um Beobachtungs- und Erfahrungswerte handelt.
Hier den Artikel den Andre an gesprochen hatte:
Intensive Insulin Therapy in the Medical ICU (http://content.nejm.org/cgi/reprint/354/5/449.pdf?tyear=2006&resourcetype=HWCIT&tmonth=Jul&sortspec=Score+desc+PUBDATE_SORTDATE+desc&search_tab=articles&searchtitle=Articles&andorexacttitleabs=and&excludeflag=TWEEK_element&fmonth=Jul&FIRSTINDEX=0&sendit=GO&fyear=1996&where=fulltext&tocsectionid=Original+Articles&tocsectionid=Special+Reports&tocsectionid=Special+Articles&tocsectionid=Videos+in+Clinical+Medicine&tocsectionid=Clinical+PracticeAORBClinical+Therape utics&tocsectionid=Review+ArticlesAORBClinical+PracticeA ORBClinical+Implications+of+Basic+ResearchAORBMole cular+MedicineAORBClinical+TherapeuticsAORBVideos+ in+Clinical+Medicine&tocsectionid=EditorialsAORBPerspectiveAORBOutlookA ORBBehind+the+Research&tocsectionid=Sounding+BoardAORBClinical+Debate&tocsectionid=Clinical+Implications+of+Basic+Resear ch&tocsectionid=Health+Policy+ReportsAORBHealth+Polic y+2001AORBQuality+of+Health+Care&searchterm=INTENSIVE+INSULIN&hits=20&andorexactfulltext=and&searchid=1&searchid=1&FIRSTINDEX=0&resourcetype=HWCIT)
Gruß der Randbayer
Sister Chaos
02.08.2006, 21:39
Danke für all die guten Antworten.
Aktuell ist es so, dass der anästhesiologische Oberarzt der bei uns die Operative Intensiv leitet, verfügt hat, dass nicht mehr als 6 IE Insulin laufen dürfen. Aber G 40% und enterale Ernährung und der Zucker soll unter 110 mg/dl liegen.
Realistisch, oder was??? Warum weiß ich leider nicht!
Also, nochmal danke an alle! Freue mich auch weiterhin über alle Nachrichten.
Superfantastisch
03.08.2006, 01:15
Hallo Leute!
Hier den Artikel den Andre an gesprochen hatte:
Intensive Insulin Therapy in the Medical ICU (http://content.nejm.org/cgi/reprint/354/5/449.pdf?tyear=2006&resourcetype=HWCIT&tmonth=Jul&sortspec=Score+desc+PUBDATE_SORTDATE+desc&search_tab=articles&searchtitle=Articles&andorexacttitleabs=and&excludeflag=TWEEK_element&fmonth=Jul&FIRSTINDEX=0&sendit=GO&fyear=1996&where=fulltext&tocsectionid=Original+Articles&tocsectionid=Special+Reports&tocsectionid=Special+Articles&tocsectionid=Videos+in+Clinical+Medicine&tocsectionid=Clinical+PracticeAORBClinical+Therape utics&tocsectionid=Review+ArticlesAORBClinical+PracticeA ORBClinical+Implications+of+Basic+ResearchAORBMole cular+MedicineAORBClinical+TherapeuticsAORBVideos+ in+Clinical+Medicine&tocsectionid=EditorialsAORBPerspectiveAORBOutlookA ORBBehind+the+Research&tocsectionid=Sounding+BoardAORBClinical+Debate&tocsectionid=Clinical+Implications+of+Basic+Resear ch&tocsectionid=Health+Policy+ReportsAORBHealth+Polic y+2001AORBQuality+of+Health+Care&searchterm=INTENSIVE+INSULIN&hits=20&andorexactfulltext=and&searchid=1&searchid=1&FIRSTINDEX=0&resourcetype=HWCIT)
einfacher (ohne login und auf deutsch) nachzulesen hier:
http://content.nejm.org/cgi/content/german_abstract/354/5/449
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