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Vollständige Version anzeigen : Überlastete Anästhesiepflege?


schnuppi
25.06.2006, 21:16
Hallöli!
Ich bin Fachkrankenschwester im Operationsdienst und habe eine Frage bezüglich Pausenregelung der Anästhesiepflege.
In unserem ZOP sind pro Saal 1 Anästhesiepflegekraft und 1 Anästhesist eingeteilt. Komischerweise ist nach der Narkoseeinleitung die Pflegekraft verschwunden und taucht erst wieder zur Ausleitung oder nach "persönlicher Einladung" auf. Kann mir von Euch jemand erklären, was man so in dieser Zeit macht? Das gewisse Nebenarbeiten erledigt werden müssen, ist klar. Aber von 8 Stunden Regelarbeitszeit nur 3 Stunden im Saal? Und dann geht auch noch mittags die Diskussion wegen Mittagspausen los. Nachmeldungen werden deshalb nach hinten verschoben. Wir als OP- Pflegepersonal können doch auch nicht ständig den Saal verlassen wegen Röntgen, ständiger Dokumentation, Präparateversorgung, steriler Assistenz etc.!
Und wenn die Anästhesiepflege nachts mal gearbeitet hat, heisst es wortwörtlich: "Ich habe die ganze Nacht durchgestanden". Wo muss der Anästhesist bzw. die Anästhesiepflege denn bitte durchstehen? Da ist immer die Möglichkeit, sich hinzusetzen oder sogar den Saal zu verlassen - unsere Anästhesisten sind echt oft stundenlang allein. Da wird oft stundenlang Kaffee getrunken und dann gejammert, wie viel man doch wieder gearbeitet hat.
Ich würde mich freuen, von Euch andere Erfahrungen zu lesen. Das würde mir wieder ein bisschen Auftrieb geben.

Lg Schnuppi

maiwald
26.06.2006, 09:53
Hallo Schnuppi,

Euer Arbeitsklima ist ja spitze. Eine Zusammenarbeit scheint es ja nicht zu geben. Da macht die Arbeit doppelt Spaß.
Was hälts Du davon, Deine Eindrücke mit den jeweiligen Abteilungsleitern zu erörtern. Das bringt nämlich wesentlich mehr, als Du hier vom Forum erwarten kannst.

Gruß

Randbayer
26.06.2006, 13:53
Guude!

Ich seh das wie maiwald. Sprech die verantwortlichen Abteilungsleiter an. Vermutlich wird aber das Gejammer weitergehen.
Ich möchte an dieser Stelle kein Öl ins Feuer kippen. Aber bei uns ist es ähnlich, das mußte ich während der Fachweiterbildung erfahren. :peace:

Gruß Der Randbayer!

Michl
27.06.2006, 14:28
Hallo Schnuppi!
Mich würde interessieren, wieviele Säle Ihr habt, und wie viel Pflegepersonal von der Anästhesie (APP). Was macht nun das APP noch außer die Assistenz bei Ein- und Ausleitung?

In unserer Abteilung ist es ähnlich: Das APP bereitet die OPs für die Anästhesie vor und geht nach der Einleitung in den Vorbereitungsraum um für den nächsten Pat. vorzubereiten, wenn’s nicht anders geht, hilft er im NachbarOP oder er muß auch den NachbarOP mitbetreuen; auch ist das Material und die Medikamente zu bestellen, wenn’s angeliefert wurde, muß das Ganze in den OPs verräumt werden, Ablaufdaten der Medikamente müssen kontrolliert werden, Materialien, die aufbereitet werden, müssen kontrolliert und verräumt werden, die Aufzählungen von Tätigkeiten außerhalb des OPs könnte ich ohne Probleme noch weiterführen.

Trotzdem glauben auch bei uns, diejenigen, die am Tisch stehen oder sitzen (die Anästhesisten), das APP tut nichts, sobald sie den OP verlassen. Natürlich können sie leichter zu einer Pause in den Aufenthaltsraum abzweigen, das kommt aber mit Sicherheit selten vor.

Es ist schade, dass in einer Abteilung wie bei Euch, ein derartiges Misstrauen vorherrscht.

Gruß Michl

R.Fischer
28.06.2006, 08:13
Liebe Kollegen!

Bei uns ist es so: 1 Pflegekraft pro Saal, plus jeweils Vorbereitung Patient und Material, Ein- und Ausschleusen, Lagerung, Lager verräumen, Sterimaterial ent- und versorgen etc.
Ich als Leitung bin zu 0 % freigestellt (bei über 20 Stellen) und mache meine Leitungstätigkeit in der Freizeit.:motz:
Zu unserer halbstündigen Pause kommen wir normalerweise schon, nur zur Urlaubszeit wenn kranke Kollegen dazukommen kann es sein, daß wir zum Teil gar keine Pausen machen können.
Noch Fragen?

Ich denke auch mit etwas gutem Willen hüben wie drüben läßt sich Einiges klären.
Unsere OP- Leute helfen auch, wenn man sie frägt.:mosh:

Grüße aus dem leider grade verregneten Schwaben von Rainer.

Hanno H. Endres
28.06.2006, 13:08
Es ist schade, dass in einer Abteilung wie bei Euch, ein derartiges Misstrauen vorherrscht.

... oder mit Jean-Paul Satre zusammengefasst:

"Die Hölle, das sind immer die anderen (http://de.wikipedia.org/wiki/Huis-clos)."

...,

hhe

Superfantastisch
28.06.2006, 18:15
Die Hölle, das sind immer die anderen

Ich frage mich auch, was unser pförtner so den ganzen tag und die ganze nacht lang macht. sitzt auch überwiegend einfach nur rum. und diese röntgen-assistentinnen auch. jammern schon, wenn'se mal für einen Thorax aus dem bett müssen ...

:D

Zorro
29.06.2006, 11:52
Ich frage mich auch, was unser pförtner so den ganzen tag und die ganze nacht lang macht:D

Sehr hilfreich ist da sicher eine Hospitation in einer berufsfremden Abteilung.
Wird von unserer Betriebsleitung angeboten und eröffnet vollkommen neue Blickwinkel. Ich dachte auch immer, die Jungs und Mädels von der EDV schieben eine ruhige Kugel, aber nach dem ich dort hospitierte...:schock:

R.Fischer
30.06.2006, 10:03
Super Idee, Zorro!:)

Gruß, Rainer.

tricolor
06.07.2006, 22:46
Hallo

In einer 1:1 Besetzung sollte sich doch eigentlich ein richtiges Teamzusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, also zwischen Anästhesist und Anästhesieschwester.
Wir arbeiten auch in einer 1:1 Besetzung pro Saal, aber es kann schon sein, dass der Anästhesist zwei Sääle übernehmen muss.

Für mich heisst das dann Narkoseführung und im Saal auch grad den nächsten Eingriff vorrichten. Medi aufziehen ect.
Auch glaube ich, ist es sehr ausgeglichen mit dem ablösen zum Kaffee.

Und diese Unstimmigkeiten zwischen OP Team und Anästhesie ist zwar nervend, aber meist der OP Alltag.
Mir würde es gar nicht in den Sinn kommen, die OP Schwester zu kontrollieren, ob sie beim Kaffee hockt oder was auch immer. Das ist ihre Verantwortung und ihr Verantwortungsgefühl.

Freundliche Grüsse
tricolor

arnold kaltwasser
10.07.2006, 08:28
Hallo

... also zwischen Anästhesist und Anästhesieschwester.
...
Freundliche Grüsse
tricolor

Ich finde es immer wieder interessant, dass wir immer von der SCHWESTER und dem ARZT reden...
:D der Pfleger arnold

Zorro
10.07.2006, 12:37
Führt bei uns auch immer wieder zu Verwechselungen. Es gibt nur noch zwei Ärzte, der Rest ist fest in weiblicher Hand. Und es kommt auch immer häufiger vor, dass keine Schwester im Dienst ist.

scorpina71
24.10.2006, 21:29
Hallo Schnuppi!
In einer Beziehung hast du sicherlich Recht, nämlich daß die ANÄ- Pflege den Saal eher verlassen kann als der OP-Springer. Gilt natürlich auch für den Anästhesisten. Aber schade ist, daß ihr euch da nicht gegenseitig aushelft. :confused:
Bei uns ist es kein Problem, den Springer mal auf einen Kaffee o.ä. abzulösen, vorausgesetzt der OP- Verlauf läßt dies zu. Ich und die meisten meiner Kollegen haben kein Problem damit, "berufsfremde" Tätigkeiten zu übernehmen.
Ist natürlich alles eine Frage der "interdisziplinären Zusammenarbeit". Und der entsprechenden Einarbeitung bzw. des Interesses am anderen Berufsfeld. :mosh:
Viele Grüße
scorpina71

WomBat
24.10.2006, 23:19
Zorro, das ist so wie: der mit dem Z tanzt und
Drei Lutfbewegungen macht
(zzzttt, zzzzztttt, zzzt in Z Format) mit dem Schwert, Z! So. GeZettet.

Zorro hat nach meiner Auffassung Recht:) :) . Erst mal gucken, was da so geleistet wird.
Beurteilung kann so oder so ausfallen.

Ansonsten finden ich es ziemlich...ja halt besonders Ziemlich, wenn die Diskussion sich um die Pausenregelung dreht. (Nein, wir sprechen nicht über Neid). Sondern darum, wie es das Team schafft, die Patienten sinnvoll / qualitativ fach-korrektlich und individuell und überhaupt...orientiert verantwortungsvoll zu vollbringen. Oder glaubt hier jemand, Patienten interessiert es, wer wann wie lange ablöst?

WomBat, nur Höhlentier, ohne Z-Möglichkeiten, nur lange Krallen und ein Dickschädel-Fell...
zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzTTTTTTTT TTTTTT, Übung schadet nicht, wer das lernen will

Monty
25.10.2006, 16:41
Hallo!

Ich weiss ja nicht wie das wo anders ist, aber wenn die Arbeit im Saal zu Ende ist, ist die Anä-Pflege die letzte die den Saal verläßt, während die OP-Pflege schon beim Kaffee sitzt, oder in der Nacht schon im Bett liegt. Wenn der Pat. ausgeleitet wird, hat das OP-Personal ihre Kisten schon längs auf dem Gang geparkt und während ich noch BTM´s abrechne, Schläuche wechsle, Kabel desinfiziere, mein Intubationstablett endgültig wegräume, Mehrwegmaterial in den Steri gebe, mit der Reinigung um einen Abfallsack oder Kanülencontainer kämpfe, ... . Da kann ich mal behaupten, das die Anästhesiepflege sicher mit Arbeit nicht zu kurz kommt. Ich steh auch Nachts eher mal in der Notaufnahme beim arbeiten, ohne das es in den OP geht. Und dann kommt am nächsten Morgen die Frage, warum man so dämlich aus der Wäsche guckt, man hat ja "nachts nicht gearbeitet"!?!
Wir pflegen bei uns ein schönes kollegiales Miteinander, vor allem in den Bereitschaftsdiensten, ich mach auch gern den OP-Springer um zu sehen, was denn hinter dem Tuch noch so alles abgeht. Prompt hat ein OP-Pfleger letztes Wochenende beim Einleiten geholfen. Der Blick über den Tellerrand ist nützlich und muß manchmal auch erzwungen werden, auf beiden Seiten. Nur so kommt eine gewisse Wertschätzung für die andere Seite auf! :mosh:

Gruß, Monty

Ambu das Beuteltier
27.10.2006, 20:53
Hallo Kollegen/innen,

da muss ich aber auch mal etwas dazu loswerden...

1. ich gebe Montys Ausführungen die oben stehen meine volle Zustimmung!

2. Bei uns gibt es schon lange keine 1:1 Besetzung mehr, soll bedeuten mehr Anästhesisten, weniger Pflegekräfte.
Das bei diesem Umstand sich auch bei uns manche OP-Pflegekraft mal fragt wo denn die Anästhesiepflege mal wieder ist, mag sein, könnte diese aber mit ein wenig nachdenken auch drauf kommen...
Das wir in zwei Sälen dann eben mal Ein- und Ausleitung und Saal mit Patienten belegt haben, während die OP Pflege konzentriert einen sterilen Tisch bearbeitet wird wohl auch nicht so gesehen...

3. Unsere strukturelle Materialorganisation sieht leider nicht vor alles erdenklich notwendige Zubehör für alle erdenklichen Narkoseformen, nebst spontanen Ergänzungen vor Ort in Saal und Einleitung vorrätig halten zu können, soll bedeuten: wir sind auch viel unterwegs um Nachschub und Gerätschaften zu Be- und Entsorgen...
Bisher haben wir dafür von den Kollegen jenseits des Tuchs noch keinen Schrank im Saal bekommen!

Nebenbei ist es doch auch so das wir alle für die Patienten im OP sind und weder für die Unterhaltung der Anästhesisten noch für die der anderen im OP tätigen.
Ich rufe also an dieser Stelle ebenso dazu auf die ganze Sache mit ein wenig mehr Verständnis zu betrachten und weniger uralte und abgedoschene OP Steitigkeiten hier im Forum weiter zu pflegen, das können wir ja täglich im OP haben, denn wer will findet immer einen/eine der/die diese Argumentation hegt und pflegt...

Gruß, T.

so keep your eyes & minds open and don´t panic

R.Fischer
29.10.2006, 08:39
Gut gebrüllt Beuteltier!!

maiwald
30.10.2006, 10:55
Moin,

:bravo: um in Ambus Kerbe zu schlagen: Hat nicht jeder selbst entschieden, auf welcher Seite der Macht er/sie steht..?

fridolin
15.05.2007, 15:16
Hi, schnuppi!
Deine Schilderung kommt mir verdächtig bekannt vor! Ähnliches gibt es auch an unserem (Kranken-) Haus.
Aber nun zum Ernst der Lage:
Gehe doch einmal davon aus, das die Anästhesiepflegemitarbeiter in der Zeit, in der sie nicht im Saal sind, andere Arbeiten verrichten.
Du bist als Pflegekraft der O.P. - Pflege förmlich an den O.P - Tisch "gefesselt" und kannst somit nicht nachforschen, ob Deine Vermutung (...geht Kaffee trinken...) richtig ist. Warum setzt Du dich dann dem Stress aus, zu glauben, die Anästhesiepflege würde nach der Narkoseeinleitung sich den Bauch pflegen, die Eier schaukeln oder gar Kaffee trinken?
Selbst wenn Du Recht hast - so änderst Du nichts und Dein Ärger wird größer und größer und größer bis er dann .......?
Vielleicht wäre es für Euch alle hilfreich, wenn Ihr eine "Minimalroutation" machen würdet: z.B. Ein Tag pro Woche übernimmt ein Kollege/eine Kollegin der Anästhesie die Aufgaben des Springers und dafür geht eine Fachkraft aus der O.P. - Pflege für diesen Tag in die Anästhesie (Idealer Weise an einen PraxisanleiterIn angedockt).
Und es bliebe auch noch das gemeinsame Wahrnehmen von Veranstaltungen aller Art - Fortbildungen, Betriebsausflüge, Feiern und und und. Dies führt sicherlich zu einem besseren Verständnis untereinander - wenn Ihr dann auch miteinander redet.
Viele liebe Grüße
der rat(d) schlagende
fridolin