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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pflegekonzepte Weaning ?



Ducky
01.02.2006, 22:42
Hallo,
Über Weaningprotokolle ist hier bereits geschrieben worden. Was mich interessiert, ist ob auf eurer Station Pflegekonzepte für das Weaning von Langzeitbeatmungspatienten vorhanden sind.
Arbeiten mehrere Berufgruppen zusammen (z.B. Physiotherapie, Logopäden, Musiktherapeuten), und sprecht ihr euch terminlich mit ihnen ab?
Ist die Basale Stimulation beim Weaning dieser Patienten integriert.
Wie handhabt ihr die personelle Betreuung, eine eins zu eins Betreuung wenn dies möglich ist.
Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen.
Viele Grüße aus
NRW
Ducky

Miss Honey
06.02.2006, 00:14
Hallo Ducky!
Wir haben ein "ungeschriebenes" Konzept, also nicht im Sinne eines Pflegestandards, falls Du das meinst.
Patienten im Weaning, mittlerweile tracheotomiert, werden schrittweise wie üblich BIPAP/CPAP/feuchte Nase/Sprechkanüle entwöhnt in individuellen Intervallen.
Zwar haben wir von ärztlicher Seite was die Intervalle angeht inzwischen je nach Fachrichtung eine Art "Weaning- Protokoll" (allein die Bezeichnung ist schon blödsinnig, da ein Protokoll im eigentlichen Sinne Aussagen oder Ergebnisse schriftlich fixieren soll und keine Vorgaben macht) wobei wir das aus Erfahrung eigentlich dezent übergehen, denn leider haben die Ärzte dieser speziellen Fachrichtung nicht so die Ahnung von der Materie, aber im Sinne des Qualitätsmanagements benötigt man ja heutzutage massiven Zettelkram, auf dem alles und jenes fixiert werden soll :-)
Also, bei diesen Patienten achten wir verstärkt auf die Einhaltung eines Tag/ Nachtrhythmus. Sedativa bekommen sie nach Möglichkeit nur nachts wenn nötig und dann nur solche mit kurzer Halbwertszeit (z.B. Propofol).
Gewaschen wird morgens, danach Mobilisation nach Möglichkeit in den Sessel oder an die Bettkante, wo die Patienten dann auch den Vormittag verbringen.
Mittags nach dem Essen geht es wieder zurück ins Bett zum Erholen, nachmittags wieder raus aus dem Bett.
Wir sind immer dankbar, wenn sich Angehörige mit in die Versorgung einbeziehen lassen, damit haben wir schon manchen aus einer ICU Psychose herausgeholt, die leider bei solchen Patienten recht häufig in der Anfangsphase auftritt. Sie sollen erzählen, vorlesen, Karten spielen, ggf beim Essen helfen usw, halt alles, was man "zuhause" auch machen würde in Gesellschaft.
Basale Stimulation wird gern bei uns genutzt, leider sind viele Massnahmen aus Zeitmangel nicht mehr möglich (sprich: Eine "richtige" ASE braucht mehr Zeit, als wir derzeit leider erübrigen können).
Die Physiotherapie kommt nach Möglichkeit täglich zu den Patienten, meist auch zur selben Zeit, was sowohl für den Patienten als auch für uns recht angenehm ist, Logopädie bzw. Musiktherapie (was macht man da? hab schonmal aus einem anthroposophischen Haus davon gehört, aber fand es recht überflüssig) gibt es bei uns nicht. Unsere Musiktherapie heisst Radio oder eigene CD´s für die Patienten, was wir nach Wunsch stundenweise vorspielen, teilweise können die Patienten wenn ein Gerät frei ist auch fernsehen.
Wenn wir die Zeit haben, fahren wir schonmal mit den Patienten über die Station oder, wenn es zusätzlich das Wetter (und der übrige Zustand des Pat.) erlaubt, mit ihm eine kleine Runde durch den Park. Wir waren auch schon mit einem jungen Patienten im Schwimmbad der Physiotherapie. Solche Aktionen haben leider aber aufgrund angespannter Personalsituation mittlerweile Seltenheitswert.
Eine eins-zu-eins Betreuung gibt es bei uns aus personellen Gründen überhaupt nicht, die Regel sind drei, manchmal auch vier zu eins Konstellationen, unabhängig vom pflegerischen Aufwand, "nur" zwei Patienten egal welchen Aufwandes zu haben ist bei uns Luxus :-).
Leider kommen solche Patienten dann tatsächlich oft zu kurz, s.o., denn die laufen dann so "nebenher", aber bemühen uns halt trotzdem, das Beste daraus zu machen und bekommen eigentlich sowohl von Patienten als auch von Angehörigen durchweg positive Feedbacks.
Viele Grüsse....

Hanno H. Endres
06.02.2006, 09:14
Antwort 'Nein' wegen Mangels an Langzeitbeatmungen.

Kurze Grüße,

hhe

Ducky
06.02.2006, 15:03
Hallo,
Ein ungeschriebenes Pflegekonzept, existiert bei uns auch. Wir versuchen auch im Rahmen des täglichen "Chaos" gerade bei solchen Patienten einen regelmäßigen Tag-Nachtrythmus mit geplanten Tagesablauf einzuhalten. Gestaltet sich natürlich auf Grund der Personalsituation manchmal recht schwierig. Wir haben auch festgestellt, das wenn wir von unserer Belegung her eine sogenannte "Flaute" haben, profitieren gerade unsere Langzeitbeatmungen enorm. Denn dann haben wir die Zeit, das wir eine eins zu eins Betreuung gewährleisten können ( das ist natürlich nicht oft der Fall).
@Miss Honey
wie Gestaltung des Tages und Aktivitäten unter Einbeziehung der Angehörigen aussieht, handhaben wir es ähnlich wie ihr. Auch was die nächtliche Sedierung und das Weaningprotokoll angeht. Aber das ist eine medizinische Aufgabe, auch wenn es oft von uns miterledigt wird. Und ich bin der Meinung, das gerade bei solchen Patienten die pflegerische Betreuung in den Vordergrund treten sollte, denn s.o. dann profitieren die Patienten davon. Was in dieser Beziehung optimal wäre ist ein echtes Miteinander von Pflege und Medizin.
Dieses Miteinander funktioniert auf unserer Station mit der Physiotherapie optimal. Wir sprechen uns ab und somit ist die Mobilisation der Patienten eine gemeinsame Tätigkeit geworden. Einmal täglich werden unsere Patienten pysiotherapeutisch betreut und wenn es möglich ist sogar zweimal. Unser Haus stellt uns die Hilfsmittel zur Verfügung ( Thekla, Tina, Rollbrett) und die Mobilisation von Langzeitbeatmungen kann sobald es der Kreislauf des Patienten zuläßt früh beginnen.
Der Logopäde wird bei uns sofort eingeschaltet, sobald der Patient soweit ist der er kann. Dann beginnt er direkt das Esstraining und Sprachtraining (mit Sprechventil.
Dadurch das bei uns am Haus eine Psychatrie angegliedert ist, stehen uns im Bedarfsfall auch Psychologen und Musiktherapeuten zur Verfügung.
Warum mich diese Frage hier so sehr interessiert, ist das ich es sehr schade finde das gerade diese Patienten, die im Intensivbereich einen hohen pflegerischen Anspruch haben, als erstes zurück stecken müßen wenn die personelle Situation eng wird. Du schreibst ja auch das die ASE als erstes hinten runter fällt, obwohl die Patienten es benötigen.
Und vielleicht kann ein anerkanntes Konzept, welches den pflegerischen Aufwand für diese Patienten genau definiert, dazu führen das sie nicht mehr nebenher laufen. Wir wissen schließlich alle das eine stabile "normale" Beatmung viel weniger Zeit in Anspruch nimmt als eine Langzeitbeatmung im schwierigen Weaning.

Viele Grüße aus

NRW

Ducky

fridolin
07.02.2006, 21:48
Hallo, @all,
hier ist unser Weaningkonzept:
entweder die Pflegekraft kann es - :schlafen:
oder die Pflegekraft kann es nicht... :eek:

Konzepte?
Fehlanzeige!
Personelle besetzung?
Sche....
1:1 Pflege?
Unmöglich!
Internistische ITS mit cardiologischen Schwerpunkt:
12 Betten, ein Notbett, ein langer, breiter Flur = 3 bis 4 Überwachungspat. tagsüber, Beatmungen ca. 4 bis 6 tgl.
Personelle Besetzung der Schichten: Früh 5, Spät 4, Nacht 4, wenn möglich einen Zivi im Regeldienst.
Wir haben schon versucht, die Zellteilung beim Stammpersonal zumindest für solche Schichten einzuführen - klappt aber leider nicht...
(Es gibt sie gelegentlich - die "normalen" Tage mit 2 oder 3 Beatmungen und geringerer Belegung...)
Viele liebe Grüße
fridolin

Miss Honey
07.02.2006, 23:36
Hallo nochmal :)

Lese öfters mal hier im Forum über Bettenzahlen und Besetzungen, da möchte ich mich fridolin mal anschliessen und in dem Zusammenhang unsere Station kurz "vorstellen":

Interdisziplinäre ITS Uniklinik
20 Betten plus ein Bett Rea- Raum
bis zu 19 Beatmungen ("normale" Tage sind so 12-14 Beatmungen)
Besetzung F6 (7 wäre Luxus) / S6 (7 seltener Luxus) / N6 (da ist man schon froh, öfter auch nur 5 unabhängig von der Belegung)
gelegentlich pflegerischer Mitteldienst damit Schichten gleichmässig verteilt sein können
ein Stationsassistent wochentags

Man merkt, Traumjob :mosh:

Viele Grüsse

fridolin
08.02.2006, 17:04
Hi, Miss Honey,
ich wollte mit unserer Dream-Besetzung nur deutlich machen, daß NIEMAND mehr Zeit noch Lust hat, sich mit Weaning - Konzepten zu beschäftigen, von Anwendung kann hier außerdem keine Rede mehr sein.
Viele liebe Grüße
fridolin

Ducky
09.02.2006, 13:33
Hallo Fridolin

Das ist auch das was ich damit sagen möchte, das ich es sehr schade finde, das wir als Pflegekräfte, keine Zeit und keine Lust mehr haben uns mit pflegerisch aufwendigen Patienten ausführlich zu beschäftigen. Bei uns ist es auch nicht anders, das wir bis über beide Ohren in Arbeit stecken. Aber ich hatte ja oben schon geschrieben, das wenn wir uns auf solche Patienten konzentrieren können, die Liegezeiten verkürzt werden können da Langzeitbeatmungen davon profitieren. Weil die Pflegekraft kann sich auf das Weaning konzentrieren und diese Patienten laufen nicht mehr so nebenbei.
Vielleicht sollten wir uns auch mal überlegen, was tun wir dann wenn uns die Zeit und Lust fehlt uns mit den Problemen dieser Patienten zu beschäftigen.

Aber vielleicht sparen Konzepte uns auf Dauer Zeit. Bei der Einführung und Erarbeitung kosten sie bestimmt mehr Zeit. Aber wenn ein Konzept vorhanden ist wo sich jede Pflegekraft dran halten kann, kann diese Zeit auf Dauer bestimmt eingespart werden. Und vor allen der Nachweis der von uns erbrachten Arbeit und auch Zeit kann dazu führen das uns der Freiraum für solche Patienten geschaffen wird.

Viele Grüße aus NRW

Ducky

fridolin
12.02.2006, 19:58
Liebe Ducky,
1. Die Krankenhäuser sind zur Zeit froh über hohe und lange Beatmungszahlen, da Beatmungstage besonders gut nach DRG bezahlt (oder sollte ich besser sagen: belohnt?) werden.
2. Konzepte sind auch immer direkt abhängig von der Qualität und fachlichen Kompetenz der Anwender. Hier scheint es im Bereich der ITS bei Pflegenden und Medizinern noch erheblichen Bildungsbedarf zu geben.
3. Weaningkonzepte sind auch abhängig von den eingesetzten Beatmungsgeräten - ein Patient an einem Servo 900 muß völlig anders entwöhnt werden, als ein Patient, der glücklicher Weise mittels einer EVITA IV belüftet wurde...
4. Hast Du zufällig "Momo" von Michael Ende gelesen? Dort gibt es die "Zeitsparkasse". Und - worin investieren wir wohl die durch Weaningkonzepte eingesparte Zeit?
Mit Sicherheit nicht in die Patienten - eher schon in Stellenplankürzungen....
Viele liebe Grüße
fridolin

Ducky
18.02.2006, 10:59
Hallo Fridolin
Ich meine keine medizinischen Weaningkonzepte, natürlich sind diese abhängig von den eingesetzten Beatmungsgeräten. Was ich meine sind reine pflegerische Konzepte.
Und natürlich sind die Krankenhäuser froh über hohe Beatmungszahlen. Aber nicht an einem einzigen Patienten. Im DRG System sind die Zahlungen für Langzeitbeatmungen zu Beginn höher. Der Wunsch des Krankenhauses ist die Reduzierung der Verweildauer der Patienten. Und somit ist der teure Patient früher verlegt und das Bett wird für andere Patienten frei. Also einen höheren Durchlauf und somit höhere Einahmen.
Ebenfall steigt mit längerer Beatmungsdauer die Komplikationsrate und somit auch die Kosten für diesen Patienten. Also sollte das Interesse eines Hauses darin liegen, unterstützend zu wirken und nicht Stellenkürzend.
Was die fachliche sowie qualitative Kompetenz der Pflegenden angeht, gebe ich Die natürlich recht. So etwas ist nur möglich, wenn dies bei den betreuenden Pflegekräften vorhanden ist. Fortbildungen und Anleitungen von neuen Mitarbeitern ist da ntürlich ein Vorraussetzung und sollte ebenso unterstützt werden.
Viele Grüße aus NRW
Ducky

Miss Honey
02.03.2006, 13:40
Ducky, da kann ich Dir nur zustimmen.

Bei uns beschäftigen sich Leute mit einem Standard der Pneumonieprophylaxe, in dem sämtliche Zigarettensorten der Welt nach Teergehalt eingestuft sind und man genau nachfragen soll, WELCHE Marke geraucht wird und wieviel wovon und das im Endeffekt zwei Pünktchen mehr oder weniger im Ergebnis ausmacht sowie eigentlich KEINE Auswirkungen hat auf das pflegerische Verfahren. Was für ein Stuss....

Da würde ein konkretes PFLEGERISCHES Weaningprogramm im Sinne einer Verfahrensanweisung sowohl gesundheitlich aus Patientensicht sowie wirtschaftlich fürs Haus wesentlich mehr Sinn machen. Ausserdem hätte man bei einer konkreten Verfahrensanweisung, Stichwort Qualitätsmanagement und KTQ, eher etwas in der Hand, mehr Personal zu benötigen.... ;) wahrscheinlich gibt es das genau deswegen NICHT.

Ducky
03.03.2006, 15:11
Hallo Miss Honey,
Gerade was das Qualitätsmanagment und KTQ ( gerade in aller Munde, zwecks schnellerer und einfacherer Zertfizierung), ist ein Konzept und oder auch Verfahrensanweisung auf Dauer nicht zu ignorieren. Denn Qualitätsmanagment ist gesetzlich verpflichtend. Und es wird irgendwann soweit sein das nachgewiesene Arbeit, hier heißt ja das Zauberwort Prozessmanagment, und die dementsprechende Qualität von den Krankenkassen bezahlt werden. Und dann ist auch der Zeitpunkt gekommen wo die Krankenhäuser unterstützen, und wir auch den wirklich Nachweis der von uns geleisteten Arbeit erbringen können. Und somit auch die uns zustehenden Stellen. Und ich weiß aus Erfahrung, wenn Arbeit mit Zahlen nachgeweisen werden kann. Also durchschnittliche Verweildauer und Fallpauschalen, und somit eine Steigerung der Effektivität( und somit mehr Geld) werden auch zusätzliche Planstellen geschaffen.
Viele Grüße
aus NRW
Ducky