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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Temperaturmessung über Blasenkatheter



Groha
01.02.2006, 16:36
Hallo,

wer hat Erfahrungen mit Temperaturmessung über Blasenkatheter bei anurischen und polyurischen Patienten bzw. generelle Erfahrung?
Welche Systeme verwendet ihr?

Grüße
Groha

Ducky
01.02.2006, 18:43
Hallo,
Wir benutzen die Temperaturkatheter von Tyco (Kendall). Wir legen die Katheter bei den Patienten wo wir Probleme erwarten z.B. Sepsis oder Hämofiltrationen. Auch wenn die Patienten anurisch oder Polyurisch sind haben wir keine negativen Erfahrungen mit der Messgenauigkeit gemacht.
Hin und wieder werden Katheter bei anurischen Patienten wegen der Infektionsgefahr wieder gezogen. Da wegen wir pro und contra genau ab. Bei kritisch kranken lassen wir sie liegen. Bei Patienten die dialysiert werden, werden sie aus oben genannten Grund gezogen. Wir entscheiden es Patientenabhängig.
Viele Grüße aus NRW
Ducky

ostfriesland
02.02.2006, 01:29
Moin,
wir benutzen Katheter von der Fa. Rüsch. Temperaturmesskatheter haben bei uns alle Patienten die einen Dauerkatheter haben. Mit Messungen bei anurischen oder polyurischen Patienten haben wir keine Probleme inbezug auf Messgenauigkeit.
Gruß

Groha
02.02.2006, 12:10
Was kosten die Katheter bei euch? Bei uns kostet einer 8 €!! Bekommt bei euch wirklich jeder einen?

Grüße :jubel:

ostfriesland
03.02.2006, 00:33
Hallo Groha,
ich denke, das ich damit gemeint war, ob denn jeder Patient einen Blasenkatheter mit Temperaturmessung erhält. Ja, jeder Patient erhält im OP einen DK mit Temperaturmessung (zumindest in unserer Abteilung), und auch auf der Intensivstation legen wir in der Regel einen DK mit Temperaturmessung. Auch bei uns kosten die Katheter ca. 8€.
Gruß

Groha
03.02.2006, 16:22
Hallo Ostfriesland,

danke für die schnelle Antwort, habe es schon verstanden das bei euch jeder einen DK bekommt. Ich meine nur das es nur etwas teuer ist, wenn Patienten aus dem OP zum nachbeatmen kommen und nen Temp-DK bekommen.
Gruß

ostfriesland
03.02.2006, 21:49
Hallo,
ja, die Katheter sind schon ziemlich teuer; aber anscheinend spielen die Kosten bei uns im Haus noch nicht so eine entscheidende Rolle, vielleicht ändert sich das ja irgendwann.
Gruß

R.Fischer
04.02.2006, 21:17
Liebe Kollegen!

Kenne die Temperaturkatheter von Kendall auch aus einem anderen Haus und fand sie sehr gut.

Bei uns jedoch wird gespart und Ohrfiebermesser genommen (auch nicht ganz billig in der Anschaffung - sind nicht die paar- Euro- fünfzig- Dinger von Lidl & Co., aber die Kappen sind natürlich auf Dauer weitaus billiger), geht auch ganz gut.

Zuerst war ich relativ entsetzt von der ganzen Vorstellung, aber man gewöhnt sich dran und besser als Rektalsonden oder ösophagiale Messung ist dasallemal.

Grüße aus dem sparsamen Schwabenland von Rainer.

Groha
05.02.2006, 17:03
Sind diese Ohrmesser auch genau? Habe in meiner Ausbilund nur mit Ohrmesser gearbeitet und die unterschiedlichsten Ergebnisse bekommen.
Ich finde sie halt ungenau, misst jeder richtig?
Bei uns wird im Moment mit Temperatursonden anal gemessen --> Pat. haben das Gefühl das sie ständig auf die Toilette müssen.

Grüße aus dem "reichen" Bayern

ostfriesland
06.02.2006, 02:33
Moin,
meine Erfahrung mit Ohrthermometern sind nicht besonders gut - habe häufig fehlerhafte Messungen erlebt.
Wenn unsere Patienten keinen Dauerkatheter mit Temperaturmessung haben, dann wird bei uns in der Regel in der Leiste gemessen, rektale Messungen kenne ich schon seit einigen Jahren nicht mehr.
Gruß

R.Fischer
06.02.2006, 08:31
Die wir benutzen scheinen sehr genau zu sein, sind aber (wie gesagt) auch ziemlich teuer-Infrarot für 127 €!

Gruß von Rainer.

morgenmuffel
15.02.2006, 19:59
Hallo zusammen,
bin zur Zeit auf einer Neurologischen Intensivstation tätig, und da wird nach gusto gemessen. Der eine misst mit dem Ohrthermometer der andere Rektal.

Blasenkatheter mit Meßfühler werden dort wohl bald eingeführt, aber nur wenn die Patienten Hypothermiebehandlung bekommen.

Gruß aus dem :streik:-enden Erlangen
morgenmuffel

fridolin
16.02.2006, 18:35
Hallo, @all,
lieber Groha,
1. Die Messgenauigkeit der BDK - Messonden ist nur von der Systemgenauigkeit abhänging und nicht von der Blasenfüllung, da das die Temperatursonde umgebende Gewebe sowie ggf. die Flüssigkeit (Urin) ebenfalls die Umgebungstemperatur = Körpertemperatur an der Meßstelle annimmt.
2. Ohrthermometer sind prinzipiell für genaue Messungen ungeeignet und haben im Klinikbetrieb eigentlich nichts zu suchen. Neben möglichen Hygieneproblemen gibt es hier ein Messgenauigkeitsproblem, da der Gehörgang in der Regel Sekret (Ohrschmalz) sowie Haare enthält. Außerdem ist die Anwendung bei stark gebogenen Gehörgängen fast unmöglich, da das Trommelfell für eine exakte Messung anvisiert werden muss.
3. Genaue Körpertemperaturmessungen sind für die ITS eigentlich nur über 3 Verfahren zu ermitteln:

a. rektale Messung

b. BDK mit Messsonde

c. intravasalle Messung
Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Statement weiterhelfen.
Viele liebe Grüße
fridolin

Tempo
17.02.2006, 01:25
Hallo Fridolin!
Wir haben das mal getestet und haben festgestellt, das es kaum Unterschiede zwischen einer Ohrmessung und einer rektalen Messung gibt!

Dirk Jahnke
17.02.2006, 12:10
Moin fridolin

Muß gestehen, dass wir nur noch im Blut,Ohr oder über DK die Temperatur ermitteln ;)
Probleme haben wir damit eigentlich nicht !

Tschau
Dirk Jahnke

Ambu das Beuteltier
17.02.2006, 20:16
Hallo Fridolin,

Literatur??

mich würde die "Ungenauigkeit" der Ohrthermometer näher interessieren.

Wechselt ihr denn auch alle brav den Meß-Katheter vor evtl. anstehenden MRT Untersuchungen eurer Patienten?

Gruß, T.

R.Fischer
20.02.2006, 14:32
Liebe Kollegen,

wie gesagt sollen unsere Ohrthermometer sehr genau sein, aber eben auch teuer.
Mit der Hygiene sehe ich kein Problem, man nimmt ja bei jedem Patienten einen neuen Adapter und die Geräte sind gut desinfizierbar.

Gruß, Rainer.

morgenmuffel
20.02.2006, 17:40
Hallo Ambu das Beuteltier


Wechselt ihr denn auch alle brav den Meß-Katheter vor evtl. anstehenden MRT Untersuchungen eurer Patienten?
Gruß, T.

Ihr denn nicht?
Unsere Patienten können uns selten ein Wärmeempfinden im Urogenitaltrakt mitteilen und daher ersetzen wir vor der Untersuchung den DK mit Sensor durch einfache Systeme ohne Temperatursensor.

Gruß aus dem :streik:-enden Erlangen
Morgenmuffel

engelbert
26.02.2006, 16:58
Hallo @all,

wir benutzen seit Jahren bei allen Langliegern (die keinen SPK haben - obwohl es auch SPK's mit Temp-Sensor gibt, von Tyco glaub ich) Temperturkatheter der Fa. Rüsch.
Ist meiner Meinung nach die hygienischste Variante, außerdem hat man eine kontinuierliche Messung.

Gruß
engelbert

Superfantastisch
08.04.2006, 22:50
wie gesagt sollen unsere Ohrthermometer sehr genau sein, aber eben auch teuer

und endlich gibt es auch sprechende Stirnthermometer:

http://www.ratgeberbox.de/ratgeber/artikel/artikel_630047/sprechendes-stirnthermometer-erleichtert-das-fiebermessen

Randbayer
20.04.2006, 13:11
Hallo Leute!


1. Die Messgenauigkeit der BDK - Messonden ist nur von der Systemgenauigkeit abhänging und nicht von der Blasenfüllung, da das die Temperatursonde umgebende Gewebe sowie ggf. die Flüssigkeit (Urin) ebenfalls die Umgebungstemperatur = Körpertemperatur an der Meßstelle annimmt.
2. Ohrthermometer sind prinzipiell für genaue Messungen ungeeignet und haben im Klinikbetrieb eigentlich nichts zu suchen. Neben möglichen Hygieneproblemen gibt es hier ein Messgenauigkeitsproblem, da der Gehörgang in der Regel Sekret (Ohrschmalz) sowie Haare enthält. Außerdem ist die Anwendung bei stark gebogenen Gehörgängen fast unmöglich, da das Trommelfell für eine exakte Messung anvisiert werden muss.


Diese Aussage ist korrekt! Messungen im Ohr mit einem Ohrthermometer sind leider durch sehr viele Faktoren beeinflussbar und somit definitv ungenau. Einer unserer Anästhesiten hat in einer kardiochirurgischen Klinik an einer Untersuchung zur intraoperativ Messung der Körpertemperatur bei Patienten an der Herz-Lungen-Maschine teilgenommen.
Zur Auswahl standen:

rektal(mittels Sonde)

ösophagal(mittels Sonde entlang der MS)

intravesical(mittels DK mit Thermosonde)

intravasal(mittels PiCCO)

im Ohr(mittels Ohrthermometer)

Sie sind, bei einen Zeitraum von 6 Monaten und ca.100 OP`s, zudem Ergebnis gekommen, dass die genausten Messungen über Blasenkatheter mit Temperatursonden, sowie intravasal, gemessen werden konnten.

Ich denke wenn der Einsatz von DK`s mit Thermosensor, klar definiert ist, ist es mit Sicherheit ein Benefit für den Patienten und der Kostenaufwand zu vertreten.

Gruß der Randbayer

At a cardiac arrest, the first procedure is to take your own pulse

fridolin
20.04.2006, 13:37
Danke, Randbayer.
In der Regel gebe ich bei solchen Themen nur Fakten weiter, wobei ich mir die Quelleangabe(n) oft (er)spare.
Viele liebe Grüße
fridolin

arnold kaltwasser
25.04.2006, 09:33
...3. Genaue Körpertemperaturmessungen sind für die ITS eigentlich nur über 3 Verfahren zu ermitteln:

a. rektale Messung

b. BDK mit Messsonde

c. intravasalle Messung
...
fridolin
Hallo Fridolin,
leider ist an dieser Stelle vergessen worden zu erwähnen, dass:

die rektale Temp. ca. 0,2°C höher als die Körperkerntemp. ist (Hitze produzierende Microorganismen, Muskelaktionen der Beine)
oder auch im Gegenteil die Fäzes als Isolator wirken kann wenn der Darm nicht entleert ist

es auf den ersten 10-15 cm (ab Anus) einen Temperaturgradienten von > als 1°C gibt

die rektale Temp. der Kerntemperatur ca. 30 Minuten nachläuft

rektale Tempmessung nicht korrekt ist bei Hypothermie ist

rektale Temp. bis zu sechs Stunden nach herzchirurgischen OP hinterläuft

....
so long arnold

fridolin
25.04.2006, 21:33
Hallo Fridolin,
leider ist an dieser Stelle vergessen worden zu erwähnen, dass:

die rektale Temp. ca. 0,2°C höher als die Körperkerntemp. ist (Hitze produzierende Microorganismen, Muskelaktionen der Beine)
oder auch im Gegenteil die Fäzes als Isolator wirken kann wenn der Darm nicht entleert ist

es auf den ersten 10-15 cm (ab Anus) einen Temperaturgradienten von > als 1°C gibt

die rektale Temp. der Kerntemperatur ca. 30 Minuten nachläuft

rektale Tempmessung nicht korrekt ist bei Hypothermie ist

rektale Temp. bis zu sechs Stunden nach herzchirurgischen OP hinterläuft

....
so long arnold


Lieber Arnold:
Stimmt. Genau. Richtig.
Alltagsrelevanz Deiner richtigen Einwände? Eher niedrig. (Ausnahme: Herzchirurgie)
Viel wichtiger sind hier noch unsere "Hausrezepte": man nehme zur rectalen Messung ein digitales Thermometer, versehe es mit einer Schutzhülle und dann, um den Patienten nicht zu verletzen, nehme man eine schöne, dicke Schicht Salbe, bringe Dieselbe auf die Thermometerhülle und auf den Anus in mehreren Schichten auf und führe sodann das Thermometer rectal bis zum Anschlag ein und hoffe nach 30 sec. auf eine korrekte Körpertemperatur.
Nach der Messung (35,8°C) wundere man sich über ein defektes Digitalthermometer, entsorge das "defekte" Messinstrument und trage in die Dokumentation einen Wert von 37,2°C rectal ein, obwohl der Patient eher gefühltes Fieber hat.
Soweit das Hausrezept.
Weitere Fragen zu dem Rezept beantworte ich gerne...
fridolin

fridolin
09.01.2011, 11:13
Update:
nach ca. 1,5 Jahren Erfahrung mit der Messung per Ohrthermometer (http://www.kendallhq.com/kendallhealthcare/pageBuilder.aspx?topicID=152804&xsl=xsl/campaignPage.xsl) (und immer wieder erfolgter Paralellmessung rectal bzw. per BDK) bleibt als Hauptgegenargument zum Ohrthermometer die korrekte Anwendung und Messwertinterpretation übrig.
Bei korrekter Anwendung und Beachtung des anderen Referenzbereiches stimmt die Messung sehr gut mit der rectalen bzw. per BDK erhobenen Messung überein.
Zu den angezeigten Werten muss bei unseren Ohrthermometern 1,16° C hinzu gerechnet werden, um mit der rectalen Körpertemperatur verglichen werden zu können.
Es gelten natürlich weiterhin die Aussagen zu Ohrenschmalz und Haaren, die Hauptnachteile scheinen jedoch die korrekte Anwendung sowie der andere Temperaturbereich zu sein.
Viele liebe Grüße
fridolin

obse
09.01.2011, 18:37
Bei korrekter Anwendung und Beachtung des anderen Referenzbereiches stimmt die Messung sehr gut mit der rectalen bzw. per BDK erhobenen Messung überein.

Und was ist mit dem Patienten, der z.B. durch Traumen oder akuten Volumenmangel zentralisiert ist? Da stimmt das doch nicht mehr überein, oder?

fridolin
10.01.2011, 18:16
Lieber obse,
theoretisch hast Du recht, bei solchen Pat. müsste eine deutliche Abweichung da sein - obwohl - bei korrekter Anwendung???
Habe selbst noch keine deutliche Abweichung festgestellt...
Ob es darin liegt, dass ich zu selten bei solchen Pat. die Vergleiche angestellt habe?
Diese Pat. tauchen in der Regel bei uns auf, wenn eh` schon viel Arbeit ist und somit aktiviere ich meine "Arbeitsersparniskasse" und unterlasse natürlich solche Dinge.
Werden aber verstärkt auf diesen Hinweis hin darauf achten...
Viele liebe Grüße
fridolin

obse
10.01.2011, 22:43
Lieber fridolin,
ich weiß das es unrealistisch ist, bei solchen Patienten primär die Temperatur zu bestimmen, aber rein theoretisch gesehen müsste die Durchblutung der "Peripherie" doch herabgesetzt sein?!
Ich bin mir nicht sicher, aber das Ohr sollte doch recht schnell als "unwichtiges" Organ vom Körper im Schockzustand angesehen werden? Darum vermute ich mal das auch trotz korrekter Anwendung eine gravierende Temperaturdifferenz zu stande kommen würde.

arnold kaltwasser
11.01.2011, 08:40
na es wird ja nicht die Temperatur des Ohres gemessen sondere am Trommelfell...
jetzt bin ich zwar ein Fan der "Ohr" Messung aber wenn ich mir diese Präsentation anschaue...
http://www.med.uni-marburg.de/stpg/ukm/pd/stabstkoop/Temperaturmessung.pdf
Allerdings ist die rektale Messung genauso leicht zu "verreissen"
:confused:
so long anold

fridolin
12.01.2011, 00:06
Noch einmal zur Klarstellung:
damit mich auch NIEMAND wirklich falsch versteht: Ich muss mich dahin korrigieren, dass die Messung am Trommelfell wohl doch besser ist, als ihr Ruf. Es bleibt aber in Bezug auf die korrekte Anwendung (und evtl. Kontraindikationen) ein ungutes Gefühl - also die Anwender (wir) sind hier ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Bei der interessanten Foliendarstellung (von Arnold gefunden) der Uni Marburg stell sich mir die Frage, ob es bereits andere Studien zur Genauigkeit und Vergleichbarkeit der Thermometer gibt?
Viele liebe Grüße
fridolin