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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Personalberechnung in der Anästhesiepflege



Stevan
24.01.2006, 20:28
Tach :streiker:
wir sind ein kleines Haus der Regelversorgung mit den operativen Fächern GYN und Geburtshilfe, Unfallchírurgie, Visceralchirurgie und HNO. Im Zentral-OP sind 3 Säle angeordnet, dezentral 1x, bzw. mit sectio-OP 2x Säle. Routinemäßig laufen zur Zeit in der Regel 3 bis 4 Säle. Die Aufteilung des Pflegepersonals ist aktuell 1x Pflegekraft pro Saal. Nach mancherlei Info aus benachbarten Häusern ist diese Organisation längst nicht üblich, es gibt also durchaus eine 1 zu 2 Besetzung, ergo 1 Pflegekraft für 2 Säle.
Jetzt stellt sich ja die Frage, wie wird das entschieden?
Gibt es da keine offizielle Richtlinie, oder zumindest Empfehlung?
Hängt das so ganz vom persönlichen Gusto der Vorgesetzten ab?
Für weiterführende Info wäre ich zutiefst dankbar,
tschö
Stevan
:jubel:

maiwald
25.01.2006, 10:52
Hallo,

klar ist, dass ein Arzt/Saal anwesend sein muss. Hier ist das schlimme Wort "Parallelnarkosen" zu nennen. Es hängt vom Gusto der PDL ab, wie die Säle zu besetzen sind. Abhängig ist dies natürlich von der Schlagzahl. Viele kurze Eingriffe benötigen mehr Personalbindung als wenige große. Bei den langen Eingriffen könnte der Anästhesist kurz zum Besuch der Keramikabteilung abgelöst werden. Ansonsten schafft er es in der Regel, die Infusionsflasche umzustöpseln. Wir haben eine 1:1 Besetzung und benötigen diese auch, weil wir keine Verzögerungen gebrauchen können. Hier kannst Du mit dem Schlagwort "Prozesskosten" argumentieren. Je mehr ich pro Tag operieren kann, desto mehr klingelt die DRG-Kasse. Das leuchtet in der Regel auch rationalisierungswütigen Geschäftsführern ein.
Ansonsten gibt es Litertur im Bibliomed-Verlag. Schau da 'mal rein.

andreasuhl
02.02.2006, 14:38
Alte Berechnungen gingen von einer Pflegekraft pro Arbeitsplatz der mindestens 5 Stunden an 5 Tagen läuft aus.
Aktueller ist die Berechnung nach Jahresnarkosestunden mal Rüstzeitfaktor (Bibliomed-Personalberechnung Anästhesie und Intensiv).
Nach Ermittlung der Anzahl Vollzeitstellen muß dann die Verteilung auf die täglichen Arbeitsplätze erfolgen. Anzustreben ist immer eine 1:1 Besetzung. Hilfreich ist ein OP-Statut in dem dies festgeschrieben ist.

R.Fischer
03.02.2006, 14:06
Zu den Narkose- und Rüstzeiten kommen meines Wissens nach noch Ausfallzeiten (Krank, Urlaub, Fortbildung etc.), diese betragen ca. 30 %.

Ansonsten ist eine Besetzung 1:1 ja auch von dem her begründbar, daß es auch Patienten (Anästhesisten?) gibt, die durchaus kurzfristig 2 Pflegekräfte binden können.

Die Besetzung 1:2 geht auch -wie von Kollege maiwald schon erwähnt- zuungunsten der Wechselzeiten, da keiner mehr da ist, der dem andern helfen kann und gleichzeitig Vorbereiten und Ausleiten geht ja wohl schlecht.

Bewährt hat sich bei uns, daß OP- und Anästhesiepflege sehr eng kooperieren, denn wenn diese Funktionen sich einig sind ist kaum dagegen anzukommen (Zitat meiner sehr geschätzten OP- Leitung Susanne bei einer Sitzung mit dem Verwaltungsdirektor: "Was, sie wollen weniger Anästhesiepersonal? Da mache ich aber auch nicht mit, da haben sie gleich einen Saal weniger!"). Und so hilft man sich gegenseitig und gibt sich Rückendeckung - gemeinsam sind wir stark! :mosh:

Gruß aus Schwaben von Rainer.

maiwald
03.02.2006, 15:28
Hallo,

wohl war..!

Jeder klagt über angeblich miese Wechselzeiten. Rasche Wechselzeiten sind nun einmal Personalintensiv. Übrigens: Bei uns gibt es einen hauptamtlichen Ein- und Ausschleuser. Das funktioniert sehr gut und hat bisher nie Probleme gegeben.

Schönes Wochenende...

R.Fischer
03.02.2006, 16:53
Hallo Kollege Maiwald!

Das hätte ich auch gerne, so einen Ein- Aus- Schleuser/Lageristen. :dafuer:

Wie groß ist Euer Haus und Euer OP denn?

Gruß, Rainer.

madison
03.02.2006, 17:10
Hallo Kollegen....

1:1 Besetzung haben wir leider auch nur noch höchst selten.
Noch arbeiten wir dezentral über 3 Etagen verteilt in 4-3-2 Sälen, beginnen in der Frühe in der Regel mit 4-2-2 Pflegekräfte, wenn niemand krank wird, oder in der Nacht durchgearbeitet hat. Im Lauf des Tages werden wir dann dezimiert, der Bereitschaftsdienst geht nach Hause, der Aufwachraum benötigt Unterstützung, in einem Aussenbereich steht eine Narkose an... wenn alle mitmachen, sind auch unter diesen Bedingungen akzeptable Naht-Schnittzeiten möglich.

Lagerungs/Schleusenpfleger: verführerischer Gedanke, auf der anderen Seite empfinde ich es aber auch als gut, wenn die betreuende Pflegekraft den Patienten auch einschleust.

Schönes Wochenende, Madi

Stevan
04.02.2006, 20:26
hallo andreasuhl,
Narkosestunden begreife ich ja noch, aber wie ermittel ich denn die Rüstzeiten, oder anders gefragt gibt es da entsprechende Richtwerte, die mit den Narkosestunden korrelieren??...........vielen Dank
S.
Mach´et

maiwald
05.02.2006, 10:08
Hallo,

unser Haus ist eher ein kleines mit 330 Betten in den Standad-Disziplinen Innere, Neuro, A-, U- und G-Chirurgie sowie Gyn und Geburtshilfe. Wir haben demnächst 5 OPs im Zentral-OP, ein HNO-OP (Beleger) und zwei ambulante/Kurzzeitlieger-OPs. Wer Lust hat 'mal reinzuschauen: www.evk-herne.de

Adios!

R.Fischer
06.02.2006, 08:40
Schöne website habt Ihr!

Hier die unsrige:

www.diak-stuttgart.de

Gruß, Rainer.

andreasuhl
07.02.2006, 08:43
Hallo Stevan

Anästhesiezeit x-x p.a. X 1,6 (=Rüstzeit) geteilt durch die Nettoarbeitszeit je Vollkraft p.a. = Personalbedarf an Vollkräften.

Dazu kommen Sonderleistungen, Aufwachraum,Administration, Freiizeitausgleich BD, Ausfallzeiten usw.

Wir haben derzeit bei 13.593 Narkosestunden x 1,6 geteilt durch die Nettoarbeitszeit (ca.1700)einer VK 12,8 Planstellen plus Zusatz( Ausfall 20%, Rettungsdienst 1VK,Freizeit BD 2 VK), insgesamt 18 Planstellen.

Details nachzulesen bei "Leitfaden für die Personalbedarfsermittlung im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin" von Kersting, Baugut und Plücker, Bibliomed Verlag.

Eine OP Einheit mit 1:1 Besetzung der Anästhesie ist optimal lenkbar wenn die Gesamtlogistik stimmt.
Wir haben da ein Problem im Bereich der OP-Mitarbeiter.
Die "alten" qualifizierten Lagerungspfleger, die schleusen, röntgen, gipsen, lagern, gibt es meist nicht mehr. Heute haben wir meist zwei Mitarbeiter OP im Saal, die beide instrumentieren. Das drumherum wird dann irgendwie, meist durch Anästhesiepersonal übernommen.
Dieser Weg ist falsch.
Wir brauchen drei pflegerische Berufsgruppen im OP.
Anästhesiepersonal, instrumentierendes Personal und qualifiziertes OP - Personal zum schleusen, lagern, röntgen gipsen ....
Und wir brauchen Solidarität. Wir müssen uns füreinander stark machen. Unser OP-Statut definiert ein OP-Team. Darin steht, daß immer eine Anästhesiepflegekraft und zwei OP-Mitarbeiter pro Saal ein Team bilden. Das ist wichtig. Und wir müssen gemeinsam dafür kämpfen.

Wir leisten uns z.Zt.einen Zivildienstleistenden an der Schleuse. Dies ist eine echte Erleichterung und mindestens so wichtig wie ausreichend Reinigungspersonal oder Hol und Bringedienste, die ja auch immer öfter der Sparwut zum Opfer fallen.

Sportlich betrachtet haben wir eine Wechselzeit, Naht - Schnitt, von 40 min.
Unsere OP's sind in zwie Etagen, eine Einheit mit 4 Sälen, eine Einheit mit 6 Sälen. Anästhesie 1:1, bei optimler Besetzung je ein Springer zusätzlich, OP 2:1.