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Skysurfer
12.10.2005, 12:02
[Anm. d. Red.: verschoben aus dem Thread 'Mehr Arbeit - weniger Geld' (http://forum.zwai.net/showthread.php?t=154)]
__________________________________________________ _______________


Dann geht Grundpflege den Bach runter und reduziert sich auf das optisch ansprechende vorbereiten des Patienten für die Visite.

Elisabeth

Tja, wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, geht doch jetzt schon nur das Nötigste im Krankenhaus der allermeisten Städte oder? Man hat halt immer die 20 anderen Patienten im Hinterkopf, die auch auf etwas warten, während man seinen Patienten behandelt. :bravo:

Elisabeth
12.10.2005, 12:13
Och da ist noch Potential zum sparen: waschen, füttern, trockenlegen kann jeder. Mindestvorraussetzung lt. unseren Politikern ist ja die erfolgreiche Mutterschaft. *grübel* und Männer?
Problem nur: für mich ist Grundpflege mehr als jemanden "persilrein" und satt (fixiert) im Bett liegen zu haben. Für mich hat Pflege einen therapeutischen Wert im Genesungsprozess. Und das geht derzeit den Bach runter und die letzten Rudimente BasStim, Kinästehtik, Bobath usw. verschwiden auch noch.


http://www.pflegeboard.de/forum/showthread.php?p=38766#post38766

Wofür Pflegekräfte gebraucht werden, kann man schön im Beitrag von doctore nachlesen.

Elisabeth

Skysurfer
12.10.2005, 18:39
Wofür Pflegekräfte gebraucht werden, kann man schön im Beitrag von doctore nachlesen.

Elisabeth

Jau, genau, soon Typ ist echt der Kracher. Selber mal Pfleger gewesen. Der glaubt aber wirklich was Er sagt, soviel muss man Ihm zugestehen. Deshalb hat Er sich ja auch aus der Misere befreit und ist nun wer! Doctor nämlich...... :jubel: schon wieder mein Banänsche....lol
@Elisabeth, hab schon auf Deine Fragen bezüglich seines Pflegefachwissens gewartet :bravo: , bin mir ja fast 100% sicher, das da nicht viel drin ist. Is ja auch zu uninteressant........

Ps der Hat bestimmt Beifall erwartet für seinen wertvollen Beitrag in einem PFLEGEFORUM :hihi:

WomBat
12.10.2005, 22:58
Die WHO sah das schon 1984 ganz anders. Da ging es nicht mehr um "Hierarchie", sondern um Kooperation verschiedener Disziplinen. Hat wohl einige immer noch nicht erreicht. Nun ja, ist ja auch nur eine Zielvorstelllung gewesen...rechtlich hat er (der Doctore) immer noch recht. Im Kopf offenbar auch noch das alte Modell. (Da unterscheidet er sich nicht so sehr....)

Das mit der Kooperation (oder Partnerschaft) geht aber nur, wenn die Pflege als abgrenzbares Fachgebiet mit eigenem Beitrag zur "Verbesserung der Patientensituation" - nenne ich es mal - etwas vorweisen kann.

Unter vielen möglichen Vorschlägen, wäre mein erster Vorschlag die unseligen Wörter "Grund- und Behandlungspflege" (Igitt!) abzuschaffen. siehe Literatur dazu. Wir sollten diese Worte nicht mehr aussprechen, nirgends mehr hinschreiben, aus vorhandenen Schriftstücken streichen und alles andere tun, um diese Worte zu exterminieren.
Der Erfinder hat nicht nur komplett falsch übersetzt und die Bedeutungen verwechselt und sogar verändert, er war auch einer von vielen, die uns "Blumenpflege" in den "Tätigkeitskatalog" schrieben. Ach, ja, den würde ich auch sofort absetzen und mit beruflichen Kompetenzen auffüllen.

WomBat, Pflegt. Unterscheidet nie in Untergruppen oder andere Pflege-Unsinnswörter


für die, die keine Zeit zur Recherche haben:
Basic nursing (Grundpflege) war so etwas wie Unterstützung in den ATL oder "needs"
Technical nursing (Behandlungspflege), meinte eine Ausbildung auf dem Niveau "manual Fähigkeiten reichen, wisse muss mer nix", später wurde dieser Begriff für Pflegehilfspersonal eingesetzt.

Oder: eine "professional nurse" hat eine professionelle Bildung hinter sich, die "technical nurse" ist z.B. eine LPN (licensed practical nurse) oder ähnliches und ist der professional nörs immer untergeordnet.

Der Übersetzer hat er geschafft, uns für nun mehr als 40 Jahren diesen Unsinn zu unterwerfen, bis in die Gesetzgebung hinein. Und wir haben (dummerweise) mitgemacht. Das tut weh.

Elisabeth
13.10.2005, 08:13
@Elisabeth, hab schon auf Deine Fragen bezüglich seines Pflegefachwissens gewartet :bravo: , bin mir ja fast 100% sicher, das da nicht viel drin ist. Is ja auch zu uninteressant........


Ich übertreib wahrscheinlich manchmal auch ein bischen. *grübel* ne- eigentlich nicht.

@Wombat
Zum einen mag es an der unglücklichen Übersetzung liegen, zum anderen an der Mentalität der Pflegekräfte: was ist etwas wert? Wir könnte die Pflege auch in wertvolle (lt. PPR- spezielle) und weniger wertvolle (lt. PPR- allgemeine) Pflege unterteilen. Diese Einteilung nimmt übrigens primär nicht das Pflegepersonal vor, sondern stammt aus der Wahrnehmung von Pflege durch die Gesellschaft.

Bei der Einführung eines neuen Pflegesystems mit genau vorgegebenen Tätigkeitskatalog, wäre es uns beinahe gelungen aus einer professionel nurse eine technical nurse für ärztl Tätigkeiten zu machen. Der PD hat noch rechtzeitig eingelenkt. Jetzt geht der Trend in professional nurse und basic nurse. Das gibt viel Unfrieden: was ich darf nur noch pflegen und kein Blut abnehmen, keine i.v. Spritzen geben, keine aufwändigen Verbände machen? Man beachte: nur drei Sachen sind es weniger als bei der professionell nurse. Aber diese drei Sachen machen die Pflegekraft zur Pflegekraft, sonst ist sie eine Hilfskraft- wirklich? Wo bleibt bei diesem denken, das pflegerische Fachwissen, wenn es ausreicht eine Vene punktieren zu können, eine aufgezogene Flüssigkeit in die Vene drücken zu können und eine Wunde bedecken zu können? Wo ist das angewandte Fachwissen, was ich so gerne zitiere: Wissen, warum ich etwas mache?

Elisabeth

Skysurfer
13.10.2005, 11:44
was ich darf nur noch pflegen und kein Blut abnehmen, keine i.v. Spritzen geben, keine aufwändigen Verbände machen? Man beachte: nur drei Sachen sind es weniger als bei der professionell nurse. Aber diese drei Sachen machen die Pflegekraft zur Pflegekraft, sonst ist sie eine Hilfskraft- wirklich? Wo bleibt bei diesem denken, das pflegerische Fachwissen, wenn es ausreicht eine Vene punktieren zu können, eine aufgezogene Flüssigkeit in die Vene drücken zu können und eine Wunde bedecken zu können? Wo ist das angewandte Fachwissen, was ich so gerne zitiere: Wissen, warum ich etwas mache?

Elisabeth

Du hast ja einerseits schon recht, aber Wie sieht die Ausbildung für diese 2 Pflegebereiche denn aus, so sie denn überhaupt eingeführt werden?
Bin immernoch der Meinung für Grundpflege alleine braucht man keine Ausbildung von 3-4 Jahren!
Für eine Pflegekraft, die dann auf Station "Flüssigkeiten in die Vene Drückt" und Wunden fachmännisch(Mit Handschuhen und hygienisch, also nicht wie unsere Chirurgen) bedeckt, bräuchte es eine Ausbildung die ein wenig weiter geht als die bisherige, sofern das überhaupt gewollt ist.
Bisher hat man ja irgendwie nur halbe Sachen gemacht, wenn ich nicht ganz falsch informiert bin will man ja immer qualifizierteres Personal heranziehen, es immer länger und besser ausbilden! Wofür? ? ? um dieselben Tätigkeiten der Pflegenden von heute auszuführen? Das ist doch weltfremd!
Ausbildung sollte zweckgerichtet und am Leistungsspektrum orientiert sein.
Ich hab noch in der AKP blutabnahmen gelernt, was mich gewundert hat, da wir genau wussten dass wir das auf Station nie machen dürften....was soll den das? Wozu lern ich Chemie, Physik, Pharmakologie? Packungsbeilage kann jeder lesen. Das tun die Ärzte übrigens auch oft genug oder leider auch oft zu wenig.
Jetzt nicht an Wunschvorstellungen festhalten und sagen was sein sollte, sondern erkennen was ist....... ;)
Lauf mal über Station und frag ne Krankenschwester, was sie da so an Pillen verteilt, wofür und wogeden das ist, was für Wechselwirkungen das hat und die wichtigsten Nebenwirkungen. Ganz zu schweigen von der richtigen Applikation......vor, nach, zum Essen, nicht mit Milch oder anderem zusammen...usw, usw.

Also entweder wir sind der Meinung es bräuchte detailliertere Ausbildung für unser Personal und jemand der Pillen verteilt und verabreicht sollte auch wissen was er verteilt und verabreicht, oder wir können einiges aus dem jetzigen Lehrplan streichen oder?

Elisabeth
13.10.2005, 15:44
Vielleicht liegt es an meiner Ausbildung, dass ich der Grundpflege soviel Bedetung beimesse. Ich habe 3 Jahre lang Kinderkrankenpflege gelernt. Ärztliche Tätigkeiten wurden als Assistenz vermittelt. Wir haben drei Jahre lang intensiv Krankenbeobachtung vermittelt bekommen: Krankenbeobachtung in Zusammenhang mit Grundpflege. Es wurde wert gelegt auf Fähigkeiten, von denen heute PP in Kinderkrankenhäusern nur noch träumen können: altersgerechte Beschäftigung von Kindern. Von Anleitung und Beratung von Eltern hatte man damals keine Ahnung.

Skysurfer, darf ich fragen was du gelernt hast? Bist du von Haus aus ebenfalls Kinderkrankenschwester?

Welchen Wert hat Grundpflege eigentlich für dich? Etwas, was man eigentlich so nebenbei lernen kann, kann doch nicht viel wert haben. Was ist wertvoll in der Pflege?

Wenn ich deine Postings so lese, dann nehme ich eine große Unzufriedenheit wahr. Einerseits möchte man gerne ärztähnlich wahrgenommen werden, anderseits kann man sich von den pflegrischen Wurzeln nicht lösen. M.E. wirst du dich (auch in der Schweiz) entscheiden müssen, was du zukünftig machen willst: Arzt oder Pflegekraft (mit eventeull erweiterter Kompetenz zur Übernahme von Tätigkeiten, die der Doc nicht so sehr mag).

Mir ging es vor einigen Jahren ähnlich... nach der Fachweiterbildung. Man wußte ganz genau (oder glaubte zu wissen) was dem Pat. medizinisch helfen würde. Allein man durfte nichts ansetzen, nur beraten. Wenn der Doc guter Laune war, hat ers angenommen, wenn nicht, dann stand man da. Es hat mich nicht befriedigt, betteln zu müssen- denn darauf läufts hinaus. Ich habe mich der Pflege zugewandt und habe mit Staunen festgestellt, dass es da noch vieles unentdecktes für mich gibt. Dieses Fachwissen im Bereich Grundpflege hat mir viel Anerkennung bei Ärzten eingebracht. Ich bin keine "Konkurrenz" mehr für den Doc, sondern ich komme beratend aus einem anderen Fachgebiet.

Elisabeth

Skysurfer
13.10.2005, 19:44
Skysurfer, darf ich fragen was du gelernt hast? Bist du von Haus aus ebenfalls Kinderkrankenschwester?

Welchen Wert hat Grundpflege eigentlich für dich? Etwas, was man eigentlich so nebenbei lernen kann, kann doch nicht viel wert haben. Was ist wertvoll in der Pflege?
Elisabeth

Das mit der Unzufriedenheit stimmt wirklich, aber wer ist das nicht heutzutage?
Bin gelernter Krankenpfleger, hab Intensivweiterbildung in der Schweiz gemacht und bin dann nach diversen Praktika in die Neonatologische und Pädiatrische Intensivpflege gewechselt.
Krankenbeobachtung wurde und wird auch immer noch gross geschrieben bei uns. Das ist aber kein Ding das sich die Kinderkrankenpflege alleine auf die Fahnen schreiben kann. Das sollte eigentlich überall Standard sein und wird je nach Neigungen oder Fähigkeiten der Pflegenden ausgeführt oder auch nicht.
Ich bin nur ein bissl verärgert über ständig heulende Pflegekräfte, die nur motzen und nix tun. Sich alles gefallen lassen, denen die "kleine Hilfskraft" auch gut zu stehen scheint. Meiner Ansicht nach müssten wir mehr Selbstbewusstsein im Berufsbild vermitteln. Wir sind wer und können was! Wir sind alle Profis und als solche genausoviel Wert wie andere Berufsgruppen im Gesundheitssystem. Das wurde leider bisher nur in der Schweiz so offen ausgesprochen. Darum bin ich hier... :mosh: find ich super.
Ich hab villeicht auch ein bissl nen anderen Hintergrund wie viele meiner männlichen Kollegen, war lange Fallschirmjäger, is ja nich grad der regel- Werdegang im Normalfall oder? Bringt villeicht etwas mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mit sich sich aus Flugzeugen ins Manöver und Auslandseinsätze zu Stürzen(hat mir auch oft Probleme bereitet, meine grosse Klappe lol). Ich nehme im Pflegealltag besonders in Deutschland kaum Selbstbewusstsein wahr, tut mir wirklich leid ist aber meine Meinung. Ich weiss, das ich mit meinen Postings polarisiere und villeicht auch heftig rüberkomme, zu selbstbewusst villeicht.....mag sein, so bin ich aber, meine Schweizer Kollegen aber auch, da gibt es keine Probleme mit meinen Ansichten. Ich schrei halt laut nach Veränderungen, das stört villeicht den einen oder anderen Pflegenden, die Aerzte ganz bestimmt .... :D
Ich mach keinen Hehl draus, dass mir die sog. Behandlungspflege sehr liegt und ich eher ein technisch versierter Mensch bin. An Beatmung rumschrauben, Zugänge legen, sogar bei Frühchen ist bei uns kein Problem etc. die Grundpflege ist aber sehr sehr wichtig.
Z.B. der Satz ich brauch nicht anfangen Zugänge zu legen oder Blut abzunehmen, bevor ich die Grundpflege incl basaler Stim. usw nicht durchgeführt habe zieht bei uns nicht, da es unsere Aufgabe ist. Find ich auch gut so. Wir haben unsere Spielwiese und die Aerzte haben die Ihrige.
In der Schweiz gibt es deshalb auch keine solchen Diskussionen wie hier. Jedenfalls hab ich noch keine kennengelernt, ausser von Deutschen, die hier rüberkommen und dann erstaunt zum Besten geben wie erstaunt sie doch sind, was wir alles dürfen und das Sie das nicht gut finden, es sei ja schliesslich Arztsache dies oder das zu tun...
Tja da kommt dann eine Schweizer Schwester und erklärt in kurzen Zügen, das sei Ihre Kompetenz, das habe Sie gelernt und das lasse Sie sich auch nicht wegnehmen. PUNKT!
Find ich immer wieder lustich......
Siehst Du, von unserer Seite her gesehen drängt sich solch ein Thema gar nicht auf. Und wir stehen in sachen Grundpflege keinesfalls irgendwem nach, das bitte ich zu glauben. Hier werden innovationen und Fortbildungen gross geschrieben. Wir haben zu allem möglichen richtlinien und Kompetenzlisten.
Sowieso lernt hier ein Pflegeschüler als Allererstes die 5 Funktionen PflegeGuck ma (http://www.ag.ch/big/de/pub/schulen/baden/die_5_funktionen.php) Und was Dir eine Schwester hier ganz sicher aufzählen kann sind Ihre Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen Guck ma (http://www.ch-q.ch/)
Das trägt zu Selbstbewusstsein bei.
Wie gesagt ich bin ganz froh dass es hier so ist wie es ist, bin aber trotzdem keiner der seine Patienten im Dreck liegen lässt oder nicht weiss wie man sie anständig lagert oder kinästhetisch bewegt oder mobilisiert.
Bin mittlerweile ganz zufrieden mit dem was ich hier tue und wie ich das tue. In Deutschland wär ich schon lange nichtmehr in der Pflege tätig.

liebe Grüsse aus St.Gallen
Sky

Elisabeth
13.10.2005, 20:21
Tja skysurfer, dann trennen uns wohl Welten. Für mich ist der Mensch keine Ansammlung von Organen, bei denen man nur für den ordentlichen Betrieb sorgen muss. Für mich hat der Mensch eine Seele, einen Geist. Diese Einstellung hatte ich übrigens schon vor meiner basalen Laufbahn.

Ich habe andere Erfahrungen gemacht in der Pflege als du. Vielleicht erlebst du mal ähnliches, vielleicht auch nicht. Man muss bereit sein für solche Erlebnisse. Man sieht sie nicht mit den Augen nur auf dem Monitor, dem Beatmungsgerät.

Pat. 55 J. Reinsult, der wievielte ??? Diesmal ist eine Halbseitenlähmung die Folge und viel schlimmer für den Pat.: er kann sich nicht mitteilen. Alles in ihm ist in Aufruhr. man kann es am Monitor sehen: HF zwischen 120-140, RR diastol. zwischen 200- 220. Was tun? Ebrantil, Fallicard? Wir haben mit dem Doc gesessen und überlegt. Vorschläg von der Pflege: ASE. Der Doc genehmigt es, als letzten Versuch vor medikamnetöser Intervention. Also ASE beim Pat. für die Dauer von ca. 1,5-2 min, dann umgrenzende Lagerung. Ergebnis sofort sichtbar im Monitor: HF um 100 konstant, RR primär 140/80- wahrscheinlich orthostatischer Effekt??? durchs sitzen, nach weiteren 10 Minuten RR diastolisch 160 konstant. Der Effekt hielt ca. 2,5 bis 3 Stunden an und ließ sich ducrh eine erneute ASE reproduzieren.

Diese "Wunder" sind mir immer wieder begegnet, mal so auffällig wie dieses Beispiel- mal weniger auffällig. Man wird nicht gesund durch Medis und den die gute OP alleine. Dazu gehört mehr.

Aber jeder ist nicht geeignet für die Pflege. Es gibt Kollegen, die können wunderbar ein Gerät bedienen- aber sie schaffen es nicht auch nur 5 Minuten auszuhalten. Eine Situation auszuhalten, die auch ihre Emotionen anspricht.

Ich hab vor einigen Jahren auf einem Kongress dazu eine Aussage von Zieger /Comparetti zum Umgang mit Komapat. gehört. Sie trifft auf eine große Anzahl von Intensivlern zu:

Bewußtwerden eigener Ängste im Umgang mit Komapatienten
nach Zieger und Comparetti

- vor dem unbekannten, fremden Anderen
- vor seinen unverstandenen Äußerungen
- vor eigener Hilflosigkeit und Ohnmacht
- vor Schmerzen und Verletzungen
- vor Verstümmelung und Behinderung
- vor dem Leblosen
- vor dem eigenen Tod!

Abwehrformen und Verarbeitung/ Integration
nach Zieger und Comparetti

„Wilder“ therapeutischer Aktionismus (Position der Omnipotenz)

Verleugnung, Verdrängung der Realität (Position der Bekämpfung des Bösen)

Abspaltung und Abweisung des anderen (Schuldzuweisung und Selbstvorwürfe, Projektion und Hilflosigkeit)

Reife Verarbeitung und Bewältigung
Trauerarbeit
Akzeptieren der Realität
Integration der Gefühle

Vielelicht braucht man Zeit im Beruf um sich zu verändern. Ich hab 10 Jahre in der Intenivtherapie bei Erwachensen gearbeitet. Dann nochmal 5 Jahre Intensivüberwachung. Man wird ruhiger mit den Jahren und besinnt sich mehr auf das eigentlich wichtige und besondere in diesem Beruf. Ich baruche keine ärztl Tätigkeiten für meine Selbstbestätigung mehr. Ich habe soviel positives Feedback von den Pat. zurückbekommen in den letzten Jahre, dass ich nicht den Eindruck habe eine falsche Richtung eingeschlagen zu haben.

Ist Selbstbewußtsein gebunden an die Kompetenz ärztl Tätigkeiten ausführen zu dürfen?

Elisabeth

Skysurfer
13.10.2005, 23:57
Tja skysurfer, dann trennen uns wohl Welten. Für mich ist der Mensch keine Ansammlung von Organen, bei denen man nur für den ordentlichen Betrieb sorgen muss. Für mich hat der Mensch eine Seele, einen Geist. Diese Einstellung hatte ich übrigens schon vor meiner basalen Laufbahn.


Ist Selbstbewußtsein gebunden an die Kompetenz ärztl Tätigkeiten ausführen zu dürfen?

Elisabeth

Naja, ich weiss ja nicht wo Du herausgelesen haben willst, das für mich meine Patienten keine Seele haben :confused: , hab ich von einer Ansammlung von Organen geredet?
Mein Selbstbewusstsein war schon vor dem Gang in die Schweiz vorhanden, hab ich ja geschrieben oder? Ich muss mich auch nicht beweisen vor irgendjemandem oder mit irgendwas, ich weiss was ich kann und kenne auch meine Grenzen ganz genau. Ich hab auch kein Kompetenzgerangel mit unseren Medizinern, hier ist auch nicht alles Supertoll, aber ein mächtiges Stück besser als in Deutschland, auch wenn das jetzt einige nicht hören wollen, jedenfalls für mich. Ich werd hier nicht angemacht oder herablassend behandelt oder als Gehilfe angesehen. Das merke ich jeden Tag in meiner Arbeit.
Ich find es Toll was Du so treibst und deine Einstellung ist super, allerdings frage ich mich was Du so für einen Frust hast, sonst würdest Du ja nicht ständig unterstellen ich würde dies nicht beachten, hätte dafür kein Verständniss. Oder hätte noch nie über nichtmedikamentöse Therapien nachgedacht. Also wirklich. Langsam geht mir die Puste aus mich rechtfertigen zu müssen.
Belassen wirs doch einfach dabei. Man kann die Schweiz nunmal nicht mit Deutschland vergleichen, da stimmen die voraussetzungen(Bedingungen) nicht.

Trotzdem liebe Grüsse aus St.Gallen

Elisabeth
14.10.2005, 08:17
Hi skysurfer

mein Frust sind Leute wie du, die sich ohne ärztl. Tätigkeiten als nur halb so wertvoll empfinden und dadurch unter einem mangelnden Selbstbewußtsein leiden.


Naja, ich weiss ja nicht wo Du herausgelesen haben willst, das für mich meine Patienten keine Seele haben , hab ich von einer Ansammlung von Organen geredet?

Wahrnehmung ist stets subjektiv, da hast du wohl recht haben. Ich hab mir mal die Mühe gemacht und deine Postings durchgelesen. Ich wollte mein Bild von dir korrigieren. Es tut mir leid, deine Aussagen bezüglich der Bedeutung der Grundpflge im Genesungsprozess überzeugen mich nicht. Dafür finde ich flammende Reden für die Übernahme ärztl. Tätigkeiten.

Ich will nicht unwillig erscheinen, also korrigiere ich meine Einstellung dahingehend: Ärztl Tätigkeiten ja... ABER: nur wenn es sich machen läßt, meint die Grundpflege dabei nicht zu kurz kommt.
Und da tut es mir leid: Grundpflege ist leider nicht nur füttern, waschen, trockenlegen. Da geht es um viel mehr. Ergo: es bleibt keine Zeit für vom Doc ungeliebte Tätigkeiten. Da muss er notgedrungen selber tätig werden.

Nochmal die Frage an dich skysurfer: was ist Pflege für dich? Wann ist sie wertvoll? Wenn du etwas wegdeligieren/ auf etwas verzichten müßtest, was wäre es: Grundpflege oder Behandlungspflege? (Die Situation ist so, dass du eine eindeutige Entscheidung treffen müßtest)

Elisabeth (die sich jetzt mal auf http://www.intensivmedicus.de/frameset.htm wird)

Skysurfer
14.10.2005, 10:59
Hi skysurfer

mein Frust sind Leute wie du, die sich ohne ärztl. Tätigkeiten als nur halb so wertvoll empfinden und dadurch unter einem mangelnden Selbstbewußtsein leiden.
Ergo: es bleibt keine Zeit für vom Doc ungeliebte Tätigkeiten. Da muss er notgedrungen selber tätig werden.
Nochmal die Frage an dich skysurfer: was ist Pflege für dich? Wann ist sie wertvoll? Wenn du etwas wegdeligieren/ auf etwas verzichten müßtest, was wäre es: Grundpflege oder Behandlungspflege? (Die Situation ist so, dass du eine eindeutige Entscheidung treffen müßtest)

Elisabeth (die sich jetzt mal auf http://www.intensivmedicus.de/frameset.htm wird)

Also ich habe offen zugegeben, dass mir solche Tätigkeiten spass machen na und? die gehören zu meinem Berufsfeld dazu, fertig. Das lass ich mir auch nicht nehmen. Ich arbeite auf einer Intensivstation, da kommt es gottseidank sehr wenig vor, dass ich aus Zeitmangel oder Arbeitsbelastung keine Zeit für einzelne Dinge habe, aber wenn ich wählen müsste würde ich Dinge aus der Grundpflege weglassen ohne große Gewissensbisse, das ist nicht optimal aber nötig(nur bei Notfällen oder zu hoher arbeitsbelastung). Gottseidank haben wir einen Stellenschlüssel von dem andere nur träumen können, da erklärt sich selbst, das wir für Dinge zeit haben, für die Ihr villeicht keine habt. Da kann ich dann verstehen, dass Du sagst die Grundpflege ist wichtiger. Den Rest soll dann wer anders machen, in dem Fall der Arzt. Das hab ich ja nie in Abrede gestellt. Wenn für das wichtigste keine Zeit ist, brauch ich auch kein Blut abnehmen o.ä. Ich hab doch gesagt, man kann unsere Voraussetzungen unter denen wir arbeiten nicht 1:1 nehmen.
Ich hab auch schon Ärzte zum Blutabnehmen und Insyte legen zitiert, weil ich keine Zeit hatte und mit waschen oder Füttern beschäftigt war, Die Kinder wollen ja auch mal gestreichelt werden. Oder ein Händchen will gehalten werden. Du hast wahrlich Probleme Dir vorzustellen, dass es Leute gibt, die beides gerne machen, "Behandlungspflege" und "Grundpflege" und beides villeicht auch gut hinkriegen und noch ohne Abstriche im jeweils anderen Teilbereich gell?
Ich finds aber gut, dass Du immer wieder die Zeit findest Dich mit mir "rumzuschlagen" jetzt im positiven Sinne. Leider gibt es im Forumsbereich der Pädiatrie nichts, aber auch gar nichts, wo auch nur annähernd eine Diskussion egal welche Themen abzulaufen scheint(Jedenfalls diejenigen die ich kenne). Deswegen hab ich ja eins ins Leben gerufen auf oben genannter Website. Es haben sich schon ein paar Leute angemeldet einige Threads wurden über 40 mal gelesen, aber keine Antworten..... :( das is echt traurig. Wenn man bedenkt wieviele Pflegende es gibt......treiben sich doch immer dieselben Leute in solchen Foren rum. Die geben dann aber Gas für zwei!!!!! Respekt!!!! Aber in der Pädiatrie muss sich noch einiges tun.

Sabine Rüdebusch
14.10.2005, 11:15
Hallo Elisabeth, hallo Skysurfer,

ich hoffe, ich störe den Austausch Eurer Pflegeverständnisse nicht, wenn ich mir einige Bemerkungen erlaube!? ;)
Einleiten möchte ich mit einer vielleicht bekannten Aussage vom Kollegen John McDonough, die er auf dem 9. Hannöverschen Anästhesiepflegetag 2004 tätigte:
"Warum sind Patienten in Krankenhäusern??
"Zu Operationen? Zur Endoskopie? Zu Laboruntersuchungen? Zu Röntgenuntersuchungen? Zur Strahlentherapie?
NEIN! NEIN! Das alles kann auch ambulant erfolgen!
Sie sind da, um GEPFLEGT zu werden!!"

Dieses untermauert im Allgemeinen für mich das Selbstverständnis von Pflege, und führt darüberhinaus im Speziellen die Differenzierung von Basic und technical nursing ein Stück weit ad absurdum. Was bedeutet " jemanden zu pflegen "??? Ohne jetzt eine tiefschürfende Exkursion in pflegetheoretische Sphären vorzunehmen, bedeutet ( Intensiv- ) Pflege für mich, die Unterstützung des Menschen in den Aktivitäten / Belangen, die er momentan nicht ( oder nicht mehr ) alleine ausführen kann!!! Gerade auf der Intensivstation verschmelzen hier die Bereiche der Unworte " Grund- und Behandlungspflege "..............

Ich wähle hier exemplarisch das Atmen und deren Unterstützung!
Je nach Zustand des Patienten werden im Team Maßnahmen gewählt, die nicht- technischer und technischer, nicht- medikamentöser und medikamentöser, aber immer unterstützender Natur sein sollen:
Information, Anleitung, Kommunikation, Interaktion, ASE, Positionswechsel, Lagerungsgrainagen, Atemtherapie, SMI, Inhalation, BS, Spasmolytika, NIV, maschinelle Ventilation, Sekretmobilisation, Bronchialtoilette etc. etc. etc. etc. ( keine Prioritätensetzung oder Anspruch auf Vollständigkeit :nein: )

Wichtig ist doch in dieser Situation, durch Beobachtung, Wissen, Erfahrung UND Intuition DIE geeigneten Maßnahmen für DEN speziellen Patienten zu wählen, durchzuführen und zu evaluieren ( ggf. eine neue Entscheidung zu treffen ).

Für die Entwicklung dieser Schlüsselqualifikationen bedarf es Zeit zur eigenen Orientierung, Erfahrung und kontinuierliche Wissensaneignung und -umsetzung. Die Fachweiterbildung spielt hier eine wesentliche Rolle, vorausgesetzt, daß ich mich auf diesen Lernprozess einlasse, gewillt bin, über " den Tellerand zu schauen " und meine Differenzierungsfähigkeit schule.

Ich glaube, jede / -r von uns kann sich an die erste Zeit auf der Intensivstation erinnern.... viel Technik und Komplexität!!! Doch: je besser ich die Technik kenne und mir diese zu Nutzen mache, je besser ich Zusammenhänge und Wechselwirkungen erkennen und danach handeln kann, desto umfassender und professioneller ( ich benutze bewußt NICHT das Wort " Ganzheitlichkeit ", von dem keiner weiß, wie es definiert ist ;) ) kann ich dem Patienten Unterstützung in seiner aktuellen Situation leisten. Das macht m.E. Intensivpflege aus und beinhaltet basical & technical aspects :mosh: (die " Stufen zur Pflegekompetenz " von Patricia Benner beschreiben dieses sehr treffend, auch wenn nicht alle Pflegenden zu PflegeexpertInnen werden!)

Abschließend eine Bemerkung zur rechtlichen Situation in Deutschland: Die Ausführungen von Doctore sind uns ja nicht wirklich neu, sondern eher jeder / jedem geläufig :) !!! Vorbehaltsaufgaben sind leider auch im neuen KrPflG sind vorgesehen, aber... die Durchführungsverantwortung der Pflegenden bei Übernahme von und Mitwirkung bei diagnostischen und therapeutischen kausalen und palliativen Maßnahmen bleibt!

Ich hoffe, meine Ausführungen sind nicht zu verwirrend! Allen ein sonniges WE!!

Herzliche Grüsse
Sabine, die ihr Pflegeverständnis auch immer wieder hinterfragt :danke:

Superfantastisch
14.10.2005, 11:43
......treiben sich doch immer dieselben Leute in solchen Foren rum. Die geben dann aber Gas für zwei!!!!! Respekt!!!!

... für zwai ... RICHTIG!

:D

Elisabeth
14.10.2005, 12:26
Vielleicht sollte ich noch ein paar erklärende Worte zu meiner Entwicklung mit in die Diskussion mit einbringen:

4 Jahre periphere Pflege Pädiatrie
10 Jahre Intensivüberwachung / - therapie
7 Jahre Intensivüberwachung
seit 3 Jahren IBFW

Wenn ich jetzt zurück blicke, dann fällt mir auf, dass ich während der Zeit der Intensivtherapie ähnlich dachte wie Lutz. Ich habe zu der Zeit auch geglaubt, dass die medzinische Therapie über allem steht und wenn Herr Doktor mal nicht greifbar, dann mußte ich ja aktiv werden. Das geben von diversen Medikamenten war gang und gebe. Wir hatten eine Menge Bedarfsmedikamente. *g* Das wir hin und wieder auch mal ein Medikament zum Bedarfsmedikament erklärten ohne das der Doc es wußte... darüber decken wir mal den Mantel des Schweigens. Wir waren selbstbewußt... zumindest haben wir es so bezeichnet.
Dann kam der (selbst gewollte) Wechsel weg von den allmächtigen Geräten. das war eine gravierende Umstellung. Sehr schnell wurde klar, dass dort die Medis anders genutzt wurden. Nebenwirkungen spielten auf einmal eine Rolle, die ich zwar im Beipackzettel gelesen hatte, aber bis dato nie eine Rolle spielten. Dazu kam, dass es hier Dotores gab, die am Anfang ihrer Kariere standen. Das nächste war: hier gab es andere Pat.. Medikamente und Geräte halfen den Pat. nur sehr eingeschränkt. Außerdem wurde ich das erste mal mit dem Bild, was Kollegen aus der Peripherie von uns haben konfrontiert: arrogant, überheblich, mangelnde Empathiefähigkeit. Das hat gesessen. Mein ärztl. geprägtes Selbstbewußtsein war angeknackst. Und nun?

Ich habe mich auf meine Ursprünge besonnen. Vor 25 Jahren war man noch nicht so technikgläubig. Ein Monitor wurde eher skeptisch betrachtet. Der Pat. und sein Befinden war viel wichtiger. Ergo hab ich die Technik als Hilfsmittel gesehen, dass mich entlasten soll. Ich brauche die Tropfen bei der Infusion nicht zählen, das macht der Infusiomat. Nun gabs aber viel Zeit... für die Pflege. Füttern, waschen, trockenlegen... damit ist man ruckzuck fertig. da musste es doch noch mehr geben. Das erste Konzept welches mir "über den Weg lief" war BasStim. Dann kam Bobath, dann Kinästhetik, dann FOTT ... . Auf einmal war Pflege interessant. Dann kamen die Fragen: warum tue ich dies in der Pflege so und so? Warum reibe ich den Rücken mit einem Gel ein zur Pneumonieprophylaxe? Was soll das bringen? Wie wirkt das Mittel? Prophylaxe meint ja Verhütung... aber wenn ich was verhüten will, dann muss ich ja erst mal den Entstehungsmechanismus verstehen. Und um so mehr ich mich damit beschäftige, um so vielfältiger werden die pflegerischen Angebotsmöglichkeiten. Die Technik ist damit nicht verschwunden. Soll sie auch gar nicht.
Ich lass mir heute nicht mehr von einem Doc schriftlich ansetzen: ...prophylaxe. Da gibst ne entsprechende Antwort. ich misch mich in seine Therapie auch nicht ein. Auch das ist Selbstbewußtsein in meinen Augen.
Ärztl. Tätigkeiten übernehmen: wenn der Doc nachweislich verhindert ist, breche ich mir keinen Zacken aus der Krone mal Blut abzunehmen oder eine Flexüle zu legen. Aber es soll die Ausnahme bleiben- nicht die Norm. Mit dieser Regelung sind wir in unserem Team gut gefahren. Jeder hat seinen Auftrag, den er zu erfüllen hat. Und dazu gehören beim Doc auch ungeliebte Tätigkeiten. Ich bin nicht für die Entlastung des Doc angestellt, sondern für den Pat..

Elisabeth

PS Zur Kinderkrankenpflege gibts tatsächlich fast nichts. Woran das liegen mag?

Ambu das Beuteltier
14.10.2005, 17:27
Hallo Kolleginnen, Kollegen,

zur Thematik gibt es die ein oder anderen kritischen Zeilen
z.B. hier: http://www.pflegewiki.de/wiki/Grundpflege

weiterhin sehe ich das so:

Grund Pflege
erster Worteil "Grund": O.K. es gibt einen Grund etwas zu tun!
zweiter Worteil: "Pflege": O.K. hier muss Pflege mit oder an etwas erbracht werden.

Nur im Gegensatz zur z.B. Autogrundpflege (bei der jeder den Grund und die Maßnahmen kennt der länger wie zwei Jahre Auto fährt: also Ölwechsel, Dreck abwaschen, wo geht unterstellen, usw.)
muss bei der Menschengrundpflege erst einmal eine Fachperson vorhanden sein um überhaupt diesen Grund festzustellen, zu Pflegen.
Bei dieser fachlich hochwertigen Einschätzung spielen nicht nur die Erfahrungen der eigenen Selbstpflege mit hinein (wie beim o.g. Beispiel) sondern hoffentlich durch Aus- und Weiterbildung erworbene Professionalität im Menschenbild.
Bei der Festlegung der durchzuführenden Maßnahmen (Pflege) sollten diese professionell ausgewählt, geplant, ausgeführt und evaluiert werden. Also auch wieder eine auf Aus-, Weiterbildung und Berufserfarung basierende Leistung.

Hierbei unterscheiden sich die einzelnen Pflegemaßnahmen bzgl. ihrer Indikationsfindung und Durchführung überhaupt nicht voneinander.

Gruß,
T.

madison
14.10.2005, 18:15
eben auf einer kh-homepage gefunden:

''Pflege ist nicht das,
was Pflegende tun,
Pflege ist auch nicht das,
was Pflegende denken, dass sie tun.
Pflege ist das,
was geschieht,
während Pflegende etwas tun,
das sie Pflege nennen!''
(Francis Biley)

wünsche allen ein schönes we mit zeit zur selbstpflege,

gruss, madi

Skysurfer
14.10.2005, 21:29
Wenn ich jetzt zurück blicke, dann fällt mir auf, dass ich während der Zeit der Intensivtherapie ähnlich dachte wie Lutz. Ich habe zu der Zeit auch geglaubt, dass die medzinische Therapie über allem steht und wenn Herr Doktor mal nicht greifbar, dann mußte ich ja aktiv werden.

Wer ist Lutz? Und wie kommt Er zur Annahme die medizinische Therapie stehe über allem?

Elisabeth
14.10.2005, 22:41
Wer ist Lutz?

*g* Da war ich gerade wohl nicht ganz bei der Sache, sollte eigentlich skysurfer heißen. Man ist halt nicht mehr der Jüngste*gggg*


Und wie kommt Er zur Annahme die medizinische Therapie stehe über allem?

Lies einfach deine Aussagen. Du meinst vielleicht was anderes, schreiben tust du aber so, dass man nur zu diesem Schluss kommen kann.

Ich denke, man sollte es dabei bewenden lassen. Wir drehen uns nur eh im Kreis.

Elisabeth

WomBat
15.10.2005, 00:28
:) Donnerwetter! Blitz! Gedanken über Gedanken. Elisabeth, las uns noch etwa "kreisen". Ich glaube wirklich, es ist wichtig. Genau diese Diskussion müsste geführt werden, ohne das wir entnervt werden - uns entnerven lassen oder Kolleginnen und Kollegen entnerven. Genau das ist die Diskussion die zu Ende gedacht werden muss. Es hat was mit (iiiiiiiiii!) filosofie zu tun. Diese Philosophie(n), evtl. sogar Ideologien, teilen unseren Berufsstand. Leider.

Weder die Grundpfleger noch Behandlungspfleger, aber ganz besonders die Ganzheitsakrobatiker gehen mir seit geraumer Zeit auf den Keks - OK, ich gebe zu, es ist wirklich nur :-o seit ca. xy Jahren. Ich wünsche mir Pflegende :) . Und ich habe immer Hilde Steppe bewundert, die immer unterschrieb mit "Hilde Steppe, Krankenschwester". Das ist für mich sehr viel-sagend.

Wenn da so eine ca. 70J alte Frau mit einem Infarkt da liegt, dann haben wir in der Regel einiges an "Pflege" zu tun. Ganz gleich, ob ich nun Wasche oder Wickele, wenn der Kalium Wert mies ist, mein Doc überlastet ist, wer soll's dann bemerken und vielleicht etwas dagegen tun? Bzw. dafür tun. Es hängt nun mal zusammen und es ist nicht möglich, Patienten weder in Grund- und Behandlungspflege teilen zu wollen noch in Medizin und Pflege teilen zu wollen. Die ganzen analytischen sog. Hilfsmittel (zum Erlernen der Theorie und einiges andere mehr) sind dafür hilfeich, aber für den Patienten eher uninteressant. Der will wissen, ob wir "etwas" sinnvolles für ihn tun können, etwas hilfreiches. (Guck, schon wieder Benner). Bezugspflege, oder Primary Nursing wenn Du willst, geht davon aus, das :D ganze Schwestern/Pfleger ganze Menschen :D pflegen. Und wenn ich da eine Blutentnahme mache, um herauszukriegen, wie der K Wert ist, dann tue ich es halt (weil mein Doc im OP steht, und das Krankenhaus :( keinen anderen findet, der das JETZT macht, machen kann, machen will. Das ist doch wirklich alles ziemlich - perfide - um es milde auszudrücken :wut: ).

Eine Kompetenz Erweiterung (Blutentnahmen, jede Arzthelferin hat kein Problem damit, Patienten tun das inzwischen selbst - und wen's nur der BZ ist) zwecks Geldeinsparen :schock: halte ich für sehr sehr schlecht. Das geht nämlich an anderen, besonders wichtigen Pflege - ähhhh, interventionen, ab. Daher kann das nicht das Ziel sein. Habe aber kein Problem mit einem Pflegemensch, der in nörsing besonders gut geschult ist, Kommunikation beherrscht, Empathie leben lassen kann, Ethik walten lassen kann, Soziales in Anspruch nimmt in seinem alltags-tun, zart lagert, möglichst stress-frei beatmet, schmerz-stillt, kinästhetisch mobiliserit, basale vorgeht wenn die Wahrnehmung eingeschränkt ist, Blut abnimmt wenn nötig, BGA's interpretieren kann, weis was "Schluckakt" bedeutet, mit dem Begriff "Angst" mehr anfangen als....als die Chemie hergibt, der Nachts mobilisiert wenn der Patient das wünscht (braucht), der dem Doc bescheid sagt, wenn er Sepsis Frühzeichen erkennt, der sich Zeit nimmt und Geduld hat beim Weaning....der fest daran glaubt, das Angehörige wichtig sind. Der verstanden hat, das Anleitung Prävention (von noch schlimmeren) bedeutet und das Beratung nicht gleichzusetzen ist mit Informieren :wow: .

Pflegende könnten etwas besonderes sein, denn sie beherrschen (nicht im Sinne von Macht) zwei Fachwelten. Oder, sie müssen es beherrschen, sonst leidet der Mensch. Nein, ich mag meine Arbeit nicht in Wörter trennen.

WomBat

PS noch ein Wort zu den Jüngeren, Anfänger, gerade Kompetente. Sie haben ein großes Problem. Sie wissen durch Bildung so viel, aber die Erfahrung, die kann in wenigen Jahren noch nicht da sein. Es ist gut, wenn Erfahrene ihnen helfen und etwas weniger kritisieren, dafür mehr loben, bis auch sie, reifen und so weit gereist sind, das sie all das in íhrer Berufswelt integregrieren können. Und wirklich pflegen können. Dann gibt es keine Gründe mehr, analytisch zu trennen. Oder uns spalten zu lassen, auch wenn wir unterschiedlich Meinungen vertreten.

Skysurfer
15.10.2005, 08:04
*g* Da war ich gerade wohl nicht ganz bei der Sache, sollte eigentlich skysurfer heißen. Man ist halt nicht mehr der Jüngste*gggg*
Lies einfach deine Aussagen. Du meinst vielleicht was anderes, schreiben tust du aber so, dass man nur zu diesem Schluss kommen kann.
Elisabeth

Das hab ich mir ja schon gedacht :D , zu diesem schluss kann kommen wer es umbedingt will!

glaube nicht dass wir uns hier im Kreise drehen, sowas find ich super, gleichmeierei geht mir auf den Keks, da bewegt sich nichts. Pflege ist nicht gleich, nicht heute, morgen oder gestern gewesen. Pflege muss auch Veränderung akzeptieren und die kommt mit Entwicklung, die wiederum geschieht gerade jetzt und hier in diesem Forum......

@ Wombat You are my favourite.... :bravo:.....schleim....
nee, ma ehrlich finde es gut, wie Du die Sache siehst, hab dem nichts mehr hinzuzufügen, für mich kann man Pflege auch nicht trennen.

Elisabeth
15.10.2005, 09:17
Hi Wombat

ich erlebe gerade eine "Kompetenzerweiterung" im eigenen Haus. Man hatte die ärztl Tätigkeiten einem ausgewählten Kreis vorbehalten wollen. Das hat sich nicht durchsetzen können. Der (ärztl.) Leiter eines Workshops zum Thema Recht brachte es so schön auf den Punkt: Da wird die Pflegeschaft ja geteilt in wertvolle und weniger wertvolle Pflegekräfte. Das Wegnehmen der (wertvollen) ärztl. Tätigkeiten bringt ja eindeutig eine Abwertung der Pflegekraft. Und er und seine Kollegen haben sich für die Pflege stark gemacht: ab Montag wird überlegt, wie wir ganz schnell den Rest der Pflegekräfte schulen, damit sie auch BE, iv. Spritzen machen können (etwas was eh alle PP gemacht haben, um den armen Arzt zu entlasten). Das gerade für i.v. Medis ein Fachwissen um Wirkung und Nebenwirkung vorhanden sein muss... wen interssierts. Es gibt eine Positivliste für diese Medis- nur ausgewählte, wenig Gefahren geladene Medikamente dürfen durch Pflegekräfte gegeben werden. Das wird schon derzeit von den Docs negiert. Dann gibts das Medikament ebend als Kurzinfusion- der Wirkstoff ist aber doch immer noch derselbe.

Erzähle mir keiner, es geht hier um Aufwertung der pflgerischen Tätigkeit. Hier gehts um die Nutzung wertvoller Pflegezeit für die Entlastung der ärztl. Mitarbeiter. Dabei interessiert es nur untergeordnet, ob die Pflegekraft weiß was sie tut... Hauptsache sie tut es.


Ganz gleich, ob ich nun Wasche oder Wickele, wenn der Kalium Wert mies ist, mein Doc überlastet ist, wer soll's dann bemerken und vielleicht etwas dagegen tun?
Dazu müßte ich erst mal wissen, was kann einen Kaliummangel auslösen? Wann muss ich besonders auf der Hut sein, besonders gut beobachten?
Kleine Frage am Rande: wie erkennt Pflegekraft denn im Rahmen der Krankenbeobachtung eine Hypo-/ bzw. Hyperkaliämie? Und wenn entdeckt, wie dann weiter? Setzt Pflegekraft die Kaliumsubstitition an?

Und therapeutische Pflege... wozu das denn? Dafür haben wir keine Zeit. Hach ich könnte mich stundenlang darüber aufregen.

Wer nun denkt, dass gibts nur in der Peripherie...
Ich hab vor kurzem einen Nachtdienst auf unserer Intensiv leisten dürfen. Diese Station betreut seit ca. 1 Jahr auch Schlaganfallpat.. Bobath- noch nie gehört. Warum darf ich den wachen halbseitengelähmten Pat. nicht im Bett hochzerren mit dem Griff unter die Schultern? Warum darf da am Fußende kein festes Kissen liegen? ... Aber wie ich nachts die Bolusgabe von Ebrantil (hab ich vorher noch nie gemacht) verweigert habe- da wurde ich mitleidig angeschaut: was das machst du nicht, naja. Ist doch ganz einfach: aufziehen und applizieren, was soll da schon passieren?

Erzähle mir keiner, dass (Grund)-pflege mit ihren therapeutischen Möglichkeiten gleichberechtigt ist gegenüber der (Behandlungs)-pflege, den ärztl. Tätigkeiten. Die Zeit ist knapp und die Entscheidung längst getroffen.

So nun bin ich meinen Frust mal los.

Elisabeth

WomBat
15.10.2005, 17:59
Wertes Forum und Elisabeth

Hallo Elisabeth, das tut mir Leid, wenn das bei Euch solche Dimensionen annimmt. (Hoffentlich seid ihr nicht Vorreiter....:)

Du hast den Knackpunkt (nach meiner einer Meinung) genannt. Dadurch wird Pflege in höherwertig und Du weißt schon getrennt. Das ist ein Balken, den hat der Übersetzer uns vor den Kopf gesetzt, wir haben uns immer bemüht irgendwie doch drumherum-zu-gucken, notfalls mit allenmöglichen Verrenkungen (siehe meine letzten Posts). Gerade haben wir es verstanden und möchte es gerne verwerfen, da kommt schon wieder dieser Balken.

Mobilisation ist therapeutisch, Körperpflege ist erhaltend-präventive, alle Formen der "Lungenpflege / Atemtherapie" sind therapeutisch. Nach dem Eichhorn Muster gehört das alles zu "minderwertig". Deshalb meide ich die Begriffe. Gerade das führt doch dazu, dass "Pflegetherapie" weder anerkannt, noch selbstbewußt ausgesprochen wird (mit Ausnahme von Dir :)

Das andere ist wirklich eine berufspolitische Diskussion wert. Die Frage ist für mich nicht, übernehmen wir "runter delegiertes", sondern Was davon. Das neue Krankenpflegegesetz unterteilt in Eigenständig und Mitwirkung. Vor zwanzig Jahren war ich schon der Meinung, wenn wir's eh tun (müssen, mit ach so sanftem Druck je nach Krankenhaus, Abteilung und Führung), dann möchte ich dafür Sanktionen. Personal? Honorar? Anerkennung? Such Dir 'was aus. Das kriegen wir aber nicht mal gerade so, dafür müssen wir ständig an die Front.

Danke, das Du noch mitkreist. Finde ich gut.

WomBat, mit Wort-Balken (Ballast) wird das sehen beeinträchtigt (Hypothese, nicht Evidenz-basiert :)

PS Und nochmals für die Youngsters: Das ich für Anleitung und Geduld bin, heißt nicht, das wäre ein Freibrief. Manchmal ist es gut, sich von den älteren "etwas sagen zu lassen", oder sich "etwas zeigen lassen". Die Stufe "kompetent" ist besonders schwierig. Das ist am Text von Benner erst beim 2. Hinsehen richtig klar. Denn "kompetent" heißt, dass ein Youngster zwar durchaus brauchbar ist, sich aber manchmal überschätzt (und merkt es nicht.....) Das ist die Stelle, einen Schritt zurück zu gehen und auf die Alten Hasen zu hören. Gebe Euch Hilde Fachwissen, Engagement, Motivation und eine Prise jugendliche Impertinenz, ein gehöriger Schuss Verantwortung, sowie die Fähigkeit zu erkennen, wo Eure Grenzen sind. Die Erfahrung kommt daher, wenn man sie erkennt und an der Krawatte packt, OK, von mir aus auch am (was ist das weibliche Gegenstück von Krawatte?)

Holger Beuse
15.10.2005, 20:17
(was ist das weibliche Gegenstück von Krawatte?)

Halstuch. :schal:

Gruz,
HolBeu

Elisabeth
15.10.2005, 21:04
Hi wombat

du sprichst von einer unglücklichen Übersetzung... die Bevölkerung kennt diese Übersetzung nicht und denkt genau in diesen Kriterien. Es kann also nicht alleine an der missglückten Übersetzung liegen. Es muss historische Hintergründe haben: Grundpflege war Aufgabe der Frau in der Familie. Dafür brauchte es keine spezielle Ausbildung. Der gleichen Ansicht ist die Gesellschaft heute immer noch. Politiker sehen als Mindestvoraussetzung für die Ausübung der Grundpflege eine erfolgreiche Mutterschaft. Und selbst Pflegekräfte siedeln die nicht weit entfernt davon an.


Körperpflege ist präventiv erhaltend
Wenn man Körperpflege allein als Reinigungsakt sieht, mag es wohl stimmen. Welche Bedeutung mag dieser banale Vorgang aber für Menschen haben, die pflegeabhängig sind? Für mich ist das reinigen in dieser Situation eher nebensächlich (vielleicht auch präventiv erhaltend). Es geht uns immer um die Vermittlung von Wohlbefinden. Zum Wohlbefinden gehört unter anderem Ermöglichung sozialer Kontakte, die Erfahrung des eigenen Körpers. In dem Gesundheitskonzept von Antonowski gibt es den Kohärenzsinn (http://w3shuttle.com/cm-w3demo/static/w3competences/content_management/mindmanagement/kohaerenz_sinn.html). Die GKW ist für mich die beste Möglichkeit gesundheitsfördernd zu arbeiten.
Wie stehts mit der Fähigkeit zu beraten bei dieser Verrichtung: z.B. Hautpflege. Welches Produkt wann?
Warum wird die GKW eigentlich immer in der Pflege als etwas banales, einfaches abgewertet?

Elisabeth

Skysurfer
16.10.2005, 08:20
Mobilisation ist therapeutisch, Körperpflege ist erhaltend-präventive, alle Formen der "Lungenpflege / Atemtherapie" sind therapeutisch. Nach dem Eichhorn Muster gehört das alles zu "minderwertig". Deshalb meide ich die Begriffe. Gerade das führt doch dazu, dass "Pflegetherapie" weder anerkannt, noch selbstbewußt ausgesprochen wird (mit Ausnahme von Dir :)
PS Und nochmals für die Youngsters:


Tja ich kann mich irgendwie nicht des Gedankens erwehren, dass mit Youngster irgendwie der Sky gemeint sein könnte....... :jubel:

Wenn, aber nur wenn dem so ist, sach ma bitte wie Du auf diese Kategorisierung kommst. Und vor allem was Du damit bezweckst.

Für mich ist alles was ich am und für den Patienten verrichte Behandlung+Pflege also Behandlungspflege. Ich behandle Ihn, würde er das nicht brauchen wär er ja nicht bei mir auf Station. Assistenz ist für mich, wenn ich nem Arzt beim ZVK legen assistiere, oder bei kleineren OPs. Alles Andere wird doch vom Doc delegiert oder verordnet, der aller aller grösste Teil der Behandlung obligt doch der Pflege, in manchen Ländern mehr in anderen etwas weniger. Ich halte nichts von solch einer Haarspalterei Grund -Behandlungspflege.
In einem jedoch stimme ich Elisabeth zu. Das Bild was der "Normalbürger" in Deutschland von der Pflege hat ist miserabel. Das hörte und höre ich im Freundeskreis sehr oft.
Unwissenheit hat sich eingeschlichen, die Leute wissen oft garnicht was eine Schwester/Pfleger leistet was sie alles kann und tut.
Wiedereinmal muss ich sagen, dass es im Ausland bedeutend besser ist. In der Schweiz z.B. hörte ich schon nach kurzer Zeit des Aufenthaltes Lobreden auf die Pflege, hier hat man ein sehr hohes Ansehen als Pflegender und die öffentliche Meinung von der Pflege ist sehr hoch.
Warum das in Deutschland so verkannt wird müsste mal diskutiert werden. Auch der Unterschied zwischen deutschen und schweizer Aerzten ist meist sehr gross, was die Teamfähigkeit betriff auf jeden fall. Hier ist es Usus die Aerzte bis zum chef zu dutzen, egal ob Schüler oder Neuling oder sonstwas. Man hat eher das Gefühl ein Team zu sein. Auch fehlen hier Standesdünkel wie ich das neulich gelesen hab, in einer Uniklinik besteht der Leiter darauf jeden Arzt mir Herr Doktor anzureden, puh lächerlich, viele Assis haben gar keinen Titel, soll ich sie dann mit Herr Arzt anreden? Soll ich darauf bestehen Herr Fachkrankenpfleger oder Pflegefachmann genannt zu werden? Ist das nicht lustig, traurig?

WomBat
16.10.2005, 09:46
Wertes Forum, Elisabeth, Skysurfer, Holger!

Holger, ich rolle auf dem Boden vor Lachen! Ja, ein Halstuch, ist doch klar. Ich freue mich immer, wenn mir jemand mit den Worten auf die Sprünge gehelft hat :)

Elisabeth, ich stimme Dir in allem zu. Meine Intention war es, 2 Wörter zu vermeiden und zu erklären, warum ich die vermeide. Das wird ja anstrengend! Puh!

Das "präeventive - erhaltend" habe ich als eine Möglichkeit genannt, halt exemplarisch. Wir können das entweder umbenennen in "Gesundheitsfördernd" oder zur Liste hinzufügen. Ebenso mit dem Wohlbefinden. Hey, ich wollte keine Facharbeit mit allen Details schreiben, nur eine Message. Daher bitte ich um Verzeihung wenn ich mich so unvollständig ausgedrückt habe. Wenn das so weiter geht, haben wir einen Standard samt Zielsetzung zur GKW geschrieben! Könnten wir uns darauf einigen, dass Pflege einen eigenen therapeutischen Wert hat? Ganz nach Skysurfer.

Ganz nebenbei, das Konzept Wohlbefinden mag ich auch. Dieses hat z.B. in der englischen Literatur einen großen Stellenwert (Comfort oder Comforting). Dort wird eher ungeniert davon geschrieben, gesprochen - schon relativ lange. Comfort measures - heißt in Deutsch....!? Das kann ich auf der PPR leider nirgends finden. Was sagt der MDK wohl, wenn wir hinschreiben würden "Wohlbefinden-s-Maßnahme zur Schlafförderung"? Oder die Pflegediagnose "Comfort, altered" hinkritzeln würden? Beißt sich auch ziemlich mit "ausreichender Pflege" - wieder so eine Wort Zusammenstellung....(Regie: bitte von der Musikern des Drehbuchs jetzt leises, tiefes Trommeln in Hintergrund). Danke.

Warum Pflege ein "Ansehensproblem" hat, wäre in ein paar wenigen Sätzen nicht zu beantworten. Bin auch gar nicht sicher, ob dieser Thread überhaupt ausreichen würde - so vom Platz her! Vorhang auf: A. Grauhan sagte uns schon in den 80igern, das Pflege gesteuert wird, von der Verwaltung, vom Arzt und von der Krankenhaus-Routine (oder so ähnlich). Die einzig sinnvolle Steuerung wäre sich "vom Patienten" in allem steuern zu lassen, dh dort den Fokus hinzulegen. Ich glaube, ich sehe Anzeichen, das immer mehr selbst steuern. Das ist gut so.

Nächster Akt: Das Volk mag uns eigentlich auch (Quelle vergessen - aber ungefähr so....) "weil wir so nette Leute sind". Ich glaube, das viele, die mal krank waren - bzw. deren Angehörigen - so langsam verstehen, das wir mehr tun als das allgemeine Bild hergibt. Nur, wer beschäftigt sich denn schon gerne mit Krankheit, Schmerzen, Leid? Und dann noch im Voraus? OK, wer stellt uns in der Öffentlichkeit dar? (Akt 7 - 57) Das Gesetz - wir sind Erfüllungsgehilfen oder so ähnlich. Die Medien - von der Schwarzwaldklinik bis Sr. Stefanie. Kinderbücher - Schwester Lucy ist eine gute Ente, Dr. Blaufrosch, na, Doktor, was sonst? Fachliteratur anderer Berufsgruppen, die uns als "das Personal" sehen. Wann ist Pflege in den Medien? Bei Tötungsdelikten z.B. Oder wenn Herr (Name fällt mir nicht ein. Fusek?) in den Medien die Zustände in Altersheimen öffentlich kritisiert (das tut er gut, ich bewundere seinen Mut). Welche Lobby hat Pflege? Meleis hat witzig erklärt, mit dem Begriff "nursing as dirty work" und stellte sich vor, wie man das in den Medien zeigen könnte!? Ich wiederhole es hier nicht, sonst wirft mich die Redaktion 'raus. Aber ein anderes Beipsiel: die Transplant-Chirurgie wurde erst richtig gut, als Patienten tatsächlich überlebten. Zum post-operativen Überleben ist aber Pflege von größter Bedeutung. Wo wird das bekannt gemacht? Schon mal einen Herzchirurgen gesehen, der öffentlich sagt, "ohne Pflege ging nix"? Der in einem Fachbeitrag den Beitrag der Pflege herausstellt? Das ist zu viel verlangt, i.d.R wrid diese Leistung noch nicht mal erwähnt. (Nebenbei, auch nicht in den DRG) Andererseits liegt es an uns, unseren Beitrag herauszustellen.

Und dann, die Angehörigen, die sagen: "Seit der Doktor Mundpflege angeordnet hat, ist es besser geworden". Soll ich weitermachen? Nein, besser nicht, ich schreibe jetzt schon wieder viel zu viel. (Chor: Singt leise im Hintergrund "Where have all the flowers gone?" mit dem Refrain "When will they ever learn?")

Skysurfer, Nein! Im meinte nicht Dich - so persönlich! 1) Ich dachte mir, es wäre eine gute Gelegenheit zum Thema "Youngsters in der Pflege" und "Alte Hasen" (die den Youngsters wahrscheinlich schon mal auf den Keks gehen und umgekehrt :) ) mal was zu sagen. Ich erlebe oft eine Kluft, die ich eher für unnötig halte. Auch ich erlebe, das manch alter Hase nicht besonders gut mit seinem Anleitungsauftrag umgeht. Das ist Schade, den so wird die junge Generation auch entsprechend sozialisiert. Meine eigenen Sozialisation war sehr gemischt: ganz tolle alte Hasen, die mir zeigten Wo's lang geht and andere, die darauf behaarten dass Demut, Gehorsamkeit usw. meine erste und überhaupt einzige Pflicht sei. Gott verbiete das ich selbst Denke! (Wir hatten tatsächlich Unterricht zum Thema "Wie ich einen Arzt korrekt ansprechen muss" :D ) In anderen Worten, Erziehung zur Mündigkeit in der Pflege finde ich nötig, dazu gehören - wie beim Tango - immer Zwai! 2) Siehe auch die Einteilungen von P. Benner (Novice to Expert) als weiterer Grund, wie ich überhaupt zu der "Einteilung" komme.

Der Vorgang geht langsam zu, Schlussakt: Hier hat sich auch Adorno gemeldet. Adorno war ein Verfechter der Mündigkeit. Er unterschied in "Freiheit für" und "Freiheit zu".

WomBat, ich nehme mir heute die Freiheit zum....Zum Sonntags Sermon!

Regie Anweisung: Der Chor bitte jetzt "Amen". Danke.

Glückwünsche an Alle, die es geschafft haben bis hierher zu lesen und noch nicht schlafen.

Elisabeth
16.10.2005, 10:57
ich neide wahrlich zum uferlosen... bitte das zu entschuldigen. Aber es ist für mich mehr denn je ein Thema geworden in den letzten Jahren. Das was Pflege ausmacht, ausmachen könnte verschwindet zusehends aus der Pflege und macht Platz für ärztl. Assistenz.

Wir sind aus meiner Sicht ein Berufsstand, der seiner eigenen Tätigkeit keine Bedeutung beimisst. Wir erwarten von anderen, dass unsere Arbeit gewürdigt wird... wir würdigen sie doch selbst nicht. Erst wenn wir Handlungen übernehmen, die eigentlich primär nicht zum Berufsbild gehören fühlen wir uns wertvoll und akzeptiert.

Ich hab vor einigen Jahren im Seminar mal versucht ein drastisches Bild zu nutzen zur erwartenden Entwicklung in der Pflege: PP wird vor der Tür stehen mit nem Schieber in der Hand und Hilfspersonal nimmt ihnen diese letzte "Last" ab mit den Worten: Her mit dem Schieber, verp...t euch. Ich sehe noch heute die breit grinsenden Gesichter: Pflege wirds immer geben und somit uns auch. Die ehedem am breitesten grinsten haben mittlerweile das erste mal am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass es gravierende Veränderungen geben wird. Man braucht lt. den Vorstellungen unseres PDs nicht Unmengen an examinierten Personal für die ärztl. Tätigkeiten. Da reicht oft einer pro Schicht aus. Und nun... dann wird der Arbeitsplatz der Krankenschwester ja überflüssig. Ergo: eigenes Berufsbild- Arbeit von PP: ärztl Tätigkeiten übernehmen und ein bisserl Pat. optisch ansprechend zurecht machen. Letzteres ist eigentlich nicht unbedingt Arbeit für eine dreijährig Examinierte.

Es gibt sicher in unserem Beruf Ausnahmen. Diesen begegne ich in den einschlägigen Foren. Aber was sind diese gegen die Masse an Pflegekräften, die anders denken und handeln.

Was ist Pflege? Und was soll Pflege bewirken? Und wie kann man die unheilvolle Entwicklung der Reduzierung der Fachkräfte noch aufhalten?

Elisabeth

Tobi Bo
16.10.2005, 14:21
Das mit der Unzufriedenheit stimmt wirklich, ...

Bin mittlerweile ganz zufrieden mit dem was ich hier tue ...



stimmungsumschwung innerhalb eines beitrages?

:confused: :confused: :confused:

Skysurfer
16.10.2005, 15:06
stimmungsumschwung innerhalb eines beitrages?

:confused: :confused: :confused:

Genau gesagt, war ich unzufrieden in Deutschland, bin jetzt zufrieden in der Schweiz, liegt aber nicht an meinen Kollegen auf der IPS, von den alten Hasen hab ich sehr viel gelernt...es sei Ihnen gedankt für die Geduld und das Vertrauen.......muss auch mal gesagt werden. Mir gefällt die Gesammtsituation hier besser. Seid der Ausbildung hörte ich die Leute nur schimpfen, überlastung hier zu wenig Personal da. Aber genug für echte Aktionen wars dann aber auch nicht.......Ich bin eher der Typ der was angeht, Problem erkannt, Aktion folgt, und weil sich keine Aktion hat starten lassen, bin ich halt gegangen, ist nur konsequent oder ?

@ Wombat: Ich kann keine Kluft erleben zwischen Youngstern und alten Hasen.... wahrscheinlich bin ich dafür aber auch nicht lang genug dabei oder alt genug.....villeicht zähl ich ja auch zu den "jungen wilden" :mosh:

Zu den wertvollen Beiträgen der Medien sach ich jetzt nur, man sollte am besten Sr. Stefanie und Co wegen Volksverblödung einstellen. Es muss doch eine Möglichkeit geben diesen geistigen Tiefflug zu beenden oder? Das ist ja fast schon einen Berufsstand in Miskredit gebracht.
Jeder schaut angewidert oder belustigt weg. Lacht sich einen und schaltet weg. Wehren tut sich aber auch keiner. Würden andere Berufsgruppen derartig dämlich dargestellt, ich glaube irgend ein Berufsverband würde sich sicher wehren. :motz:

Noch ein schönes Wochenende Allen.....

Greetz Sky

Hanno H. Endres
16.10.2005, 15:17
Würden andere Berufsgruppen derartig dämlich dargestellt, ich glaube irgend ein Berufsverband würde sich sicher wehren.

Keine Ahnung, wie die Fernsehlandschaft in der Schweiz aussieht, aber hier gibts z.B. sowas (http://www.sat1.de/comedy_show/barbarasalesch/) und sowas (http://www.fernsehserien.de/index.php?serie=9039) - und da machen sogar echte Richter, Anwälte und Polizisten mit ...

Schaut sich da lieber Arzt-Serien (http://www.tv-kult.de/index.php?tvdbid=960&title=Doktor+Snuggles) an:

hhe

Skysurfer
16.10.2005, 17:16
Keine Ahnung, wie die Fernsehlandschaft in der Schweiz aussieht, aber hier gibts z.B. sowas (http://www.sat1.de/comedy_show/barbarasalesch/) und sowas (http://www.rtl2.de/start.html?page=http://www.rtl2.de/7745_6853.php&Color=cc0000) - und da machen sogar echte Richter, Anwälte und Polizisten mit ...

Schaut sich da lieber Arzt-Serien (http://www.tv-kult.de/index.php?tvdbid=960&title=Doktor+Snuggles) an:

hhe


Oh ich vergaß.......natürlich schau ich mir lieber die Arzt Serie an...gg. Aber selber schuld, ich meine die Gesetzestypen sind ja echt.... :hihi: die Richterin ja auch, obwohl man kann sich über die Richtersachen ja streiten, die selber kommen ja ganz gut weg bei dem Klamauk oder? Die grünen im Revier allerdings machen für sich selbst miese Werbung, lol

WomBat
20.10.2005, 19:52
Elizabeth,

Es ist schon OK, ich glaube ich denke ich glaube ich weis ungefähr was Du willst. Ich finde es gut, das Du das sagst.

Kannst Du Dir vorstellen, so was wie eine Primary Nurse zu sein?

WomBat, denkt nach