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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : EuGH - Urteil / Umsetzung



R.Fischer
05.05.2005, 10:04
Liebe Kollegen!

Bei uns an der Klinik soll in Bälde das EuGH-Urteil zum Bereitschaftdienst (endlich?) umgesetzt werden.
Ich habe mir zwar schin ein paar Gedanken dazu gemacht, könnte aber noch gute Ideen gebrauchen.

Mein Eckpunkte (vor allem um die Mitarbeiter nicht zu vergraulen - wer will sonst noch in den Funktionsdienst?) sind bisher folgende:
a) Der Bereitschaftsdienst arbeitet solange in regulärer Arbeitszeit wie es möglich ist (12 oder 13 Stunden?) und macht danach bezahlten Bereitschaftsdienst. Die Minusstunden kommen auf ein Stundenkonto und können dort ausgeglichen werden - dürfte bei unserem Überstundenanfall kein Problem sein.
b) Der (alte) Bereitschaftsdienst geht morgens heim, der neue kommt mit einem zusätzlichen Mitarbeiter zum Spätdienst. Ein Saal fängt morgens später an und geht dafür bis in die Nacht hinein.
c) Falls möglich sollten die Nachtarbeitsstunden so geregelt sein, daß es noch eine Nachtarbeits-/Schichtdienstzulage gibt.

Also, wer hat Ideen für mich? :confused:
Wer hat das Urteil vielleicht schon wie umgesetzt und wie sind die Erfahrungen damit? :confused:

Mir persönlich ist es gerade lieber, ich verdiene etwas weniger und schlage mir dafür keine 100 Stunden-Wochen in der Klinik (kommt vor mit 4 Diensten, Überstunden und Besprechungen, leider gar nicht so selten) mehr um die Ohren. :duck:

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

Grüße aus dem Schwabenland sendet Euch Rainer.

madison
08.05.2005, 13:49
hallo reiner,

- falls ich mich nicht irre beträgt die tägliche max. arbeitszeit 10 h ?

- der kommende tarifabschluss wird sicher auch noch eine rolle spielen bei der
neuberechnung der arbeitszeiten. ich würde mich nicht wundern, wenn wir
bald wieder 40 h arbeiten.

gruss vom rhein,

madi

andreasuhl
20.05.2005, 10:38
Hallo Kollegen,

da steht uns was ins Haus.
Wir haben uns vor einiger Zeit zu künftigen Arbeitszeitmodellen Geganken gemacht.
derzeit ist zu berücksichtigen, daß die Tagesarbeitszeit 10 Stunden nicht übersteigen sollte, eine max. Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten wird.
Die Bereitschaftsdienstzeit wird voll auf die Wochenarbeitszeit angerechnet.
Die Wochenarbeitszeit ist kein Problem jedoch die Tages AZ von 10 Std.
Wir favorisieren derzeit ein Modell bei dem die Tagesarbeitszeit unter Einberechnung von 2 Stunden Arbeitsbereitschaft! auf 12 Stunden verlängert wird.
Das bedeutet, daß der Großteil der Mitarbeiter weiterhin von 7 - 15:30Uhr arbeitet und die Kollegen die bisher BD leisten von 7-19:00 Uhr arbeiten.Die Nacht wird dann von 19:00-7:00 Uhr abgedeckt.
Am Wochenende erfolgt gleichfalls diese Regelung.
Nach Nachtarbeit ist natürlich Freizeitausgleich.
Vorteile sind die weitestgehend unveränderte AZ für die Mitarbeiter, Arbeitsleistungen am Wochenende können in Freizeit vergütet werden oder auf Wunsch ausgezahlt werden. Damit sind die finanziellen Verluste eingeschränkt.
Nachteilig ist, daß Arbeitsbereitschaft nicht vergütet wird. Das bedeutet, daß 12 Stunden Anwesenheit mit 10 Stunden vergütet werden.
Wir sind jetzt erneut mit dem AG in Verhandlung ob dieses Modell einem Schichtmodell vorzuziehen ist.
Gleichfalls bleibt abzuwarten was die Tarifpartner verhandeln.
Die WochenAZ von 48 Stunden wird nicht überschritten wenn wir den BD voll anrechnen und Freizeitausgleich gewähren. Lediglich die TagesAZ von 10 Stunden würde überschritten(24 Stunden).

Es bleibt spannend.

R.Fischer
14.07.2005, 16:40
Liebe Kollegen!

So, nun ist es bei uns amtlich: die Umsetzung erfolgt.
Unsere -und Eure- Eckpunkte:
10 Stunden tägliche Arbeitszeit maximal, darf mit BD Gruppe A und B auf 16 Stunden insgesamt verlängert werden, bei Gruppe C und D auf 13 Stunden.
Maximale Wochenarbeitszeit (mit Ausgleich innerhalb von 12 Monaten): 48 h.

Bei uns bevorzugen wir im Moment der Arbeitsgruppenphase gerade Folgendes (die Personalabteilung hat dabei aber noch ein Wörtchen mitzureden, auch sind die Arbeitsgruppen noch nicht fertig):
Arbeitszeit BD von 15:15 - 01:00, dann BD von 01:00 - 07:15, dann frei (minus 5,75 Stunden).
Am Wochenende jeweils 13- Stunden- Schichten, davon jeweils die Hälfte Arbeitszeit (als Minusausgleich) und die Hälfte BD (als finanzieller Ausgleich).
So hielten sich die Minusstunden und die finanziellen Einbußen (auch durch Wochenend-, Nachtdienst- und Schichtzulage) einigermaßen in Grenzen.
Bin aber nicht überzeugt davon, daß unsere sparwütige Verwaltung (die natürlich keine BD's macht) da mitzieht. :(

Kennt Ihr noch vernünftige Alternativen?
Wie arbeitet Ihr, EU-konform oder nicht?

Viele Grüße aus dem Schwabenland von Rainer.

fredokus
14.07.2005, 17:27
Hi
Bin ja Intensivleitung und deshalb immer "nur " halb im Geschehen.
Da das ganze ja auch uns ereilen wird mache ich mir natürlich auch so meine Gedanken.
Die würden lauten:
Normaler Tagdienst in der Anästhesie und den ehemaligen Bereitschaftdienst auf die ITS setzen.
Die dort dann vorhandenen Überkapazitäten könnten dann individuell ausgeglichen werden.
Das geht natürlich nicht personalneutral, allerdings spart man ja auch die Abwesenheitsbereitschaften und die anfallenden Stunden.
Großer Nachteil:
Heftigste finanzielle Einbußen für die Leute die in der Anästhesie arbeiten.
Kleine Nachfrage am Rande:
Ist die Dienstzeitenregelung bei BAT und AVR gleich?
Im Ruhezeitenbereich gibt es da Unterschiede.
BAT: 11 Stunden Ruhezeit zwischen den Schichtdiensten
AVR: 9 Stunden.

Ich bin allerdings bezüglich der oben genannten Problematik(noch) kein Fachmann.Ich denke aber, wie ich schon schrob, dass das auch auf mich zukommen wird.
Gruß
Fred

R.Fischer
14.07.2005, 18:23
Hallo fredokus!
Wie willst Du das machen?
Also Früh- und Spätdienst bleiben so, wie sie sind.
Der Bereitschaftsdienst wird aufgelöst und arbeitet auf der Intensiv mit.
Stimmt das do?
Würde auf jeden Fall
a) 'ne Menge Einarbeitung für beide Seiten bedeuten
b) wie Du sagst, massivefinanzielle Einbußen auf Seiten der Anästhesiepflege (wobei die ja dann auch alle Schicht- und Nachtarbeit- und Wochenendzuschläge bekommen müssten -vielleicht fiele dann sogar den Intensivpflegenden etwas weg, weil sie nicht mehr so viele Nachtstunden haben)
c) glaube ich noch nicht daran, daß Du dann einen mehr in der Nachtwache auf Intensiv hast - im Gegenteil, wahrscheinlich wird der derzeitig Stand gehalten und die Anästhesiearbeit wird zusätzlich gemacht; was das bedeutet kannst Du Dir ausrechnen: hast Du 2 Leute in der Schicht und einer macht einen langen Bauch und ist 6 Stunden davon weg = :wow:

Soviel ich weiß gilt übrigens die Ruhezeit von 11 Stunden aufgrund des Arbeitszeitgesetzes.

Grüße aus Schwaben sendet Dir Rainer.

fredokus
14.07.2005, 19:02
Hallo Rainer
Nun, ich bin ja nicht vom Fach, aber so ähnlich dachte ich es mir.
Es gibt in der Nähe eine Klinik, die routieren schon seit Jahren zwischen der operativen Intensiv und der Anästhesie.Natürlich nur das fachexaminierte Personal.Und wie immer: die einen finden es gut , die anderen blöd.
Auch bei uns gibt es genug Fachpersonal für solche Quinten und ich weiß, dass die meisten Mitarbeiter gerne mal in der Anästhesie arbeiten würden.
Anders herum ist das jedoch nicht so.Da kenn ich höchsten drei Leutchen. :D
Aber:
glaube ich noch nicht daran, daß Du dann einen mehr in der Nachtwache auf Intensiv hast - im Gegenteil, wahrscheinlich wird der derzeitig Stand gehalten und die Anästhesiearbeit wird zusätzlich gemacht; was das bedeutet kannst Du Dir ausrechnen: hast Du 2 Leute in der Schicht und einer macht einen langen Bauch und ist 6 Stunden davon weg =
da glaube ich nicht dran, da wir zwar gehalten sind Personal einzusparen, aber Qualität nicht zu senken.Bei mir arbeiten im Nachtdienst 7 Leute und manchmal sind da sicher Möglichkeiten vorhanden, weil es geht ja um die Rufbereitschaft´(oder hab`ich da was mißverstanden?)
Darum geht das dann auch nicht personalneutral.
Letztlich würde das nur über Ressourcenverteilung laufen, ohne eine Abteilung personalmäßig zu be- oder entlasten.
Im einzelnen müßte man natürlich über eine komplette Arbeitsablaufsorganisationänderung nachdenken.(Mit diesen Gedankenspielen bin ich aber noch nicht ins Detail gegangen.Bin halt nur ein wenig zum Nachdenken inspiriert worden durch Deinen Beitrag.)

Das Arbeitszeitgesetz schreibt richtigerweise eine Ruhezeit von 11 Stunden vor, aber manchmal steht das "Selbstbestimmungsrecht" der Kirche davor.
Und deshalb ist im AVR-Bereich(Wahrscheinlich bis jemand klagt ;) ) 9 Stunden Ruhezeit angesagt.

Gruß
Fred

R.Fischer
15.07.2005, 08:36
Hallo fredokus!

Ich glaube, jetzt habe ich unser Mißverständnis:
es geht natürlich um den Bereitschaftsdienst, nicht um die Rufbereitschaft, die ist ja nicht betroffen.

Gruß,Rainer.

fredokus
15.07.2005, 15:53
Hallo Rainer
Jepp :D
Wie ich schon schrob:
Ich sollte mich besser aus Dingen raushalten, von denen ich keine Ahnung habe. :-p
Gruß
Fred

madison
27.11.2005, 20:05
und nun???

<<
Umsetzung des neuen Arbeitszeitrechts bis Ende 2006

Gesetzentwurf des Bundesrates

Der Bundesrat hat heute einen Gesetzentwurf zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes beim Deutschen Bundestag eingebracht. Mit der Initiative soll die Übergangsregelung für bestehende bzw. nachwirkende Tarifverträge um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2006 verlängert werden.

Das Arbeitszeitgesetz wurde zum 1. Januar 2004 an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes angepasst. Seitdem sind Bereitschaftsdienste in vollem Umfang als Arbeitszeit zu werten. Für Tarifverträge nach altem Recht, die am Stichtag 1. Januar 2004 bestanden bzw. nachwirkten, wurde eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2005 getroffen. Da bisher noch nicht in allen Bereichen neue Tarifverträge vorliegen, soll die Übergangsregelung verlängert werden.

Der Gesetzentwurf wird nunmehr der Bundesregierung zugeleitet, die ihn innerhalb von sechs Wochen an den Deutschen Bundestag weiterleiten muss. Dabei soll sie ihre Auffassung darlegen.


Entwurf eines ... Gesetzes zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes (...Arbeitszeitänderungsgesetz - ...ArbZÄG)

Drucksache 778/05 (Beschluss) >>

(zitat aus www.bundesrat.de - liess sich leider nicht verlinken)


wie sieht es aus mit der umsetzung des urteils in den kh's der geneigten forumleser/schreiberschaft?

gruss vom rhein, madi

Markus
27.11.2005, 20:57
Hallo

Auch wenn der Bundesrat letzte Woche die letztmalige Verlängerung auf den 31.12.2006 beschlossen hat, wird an unserer Klinik von Bereitschaft- auf Schichtdienst umgestellt. Zum 1.12.05. .

D.h. die Anästhesie und der OP arbeitet ähnlich wie in den Intensivabteilungen, also Früh- Spät- und Nachtdienst. Einziger Unterschied: Am Wochenende wird im 2-Schichtsystem gearbeitet.
Von den Kolleginnen wird das sehr unterschiedlich bewertet. Zum einen haben endlich diese Horrorbereitschaftsdienste eine Ende, wo man mittlerweile i.d.R. 24h durchgearbeitet hat. Zum Anderen befürchtet ein Teil finanzielle Verluste, da gerade in diesen Abteilungen die Netto-Bezüge eine große Spannbreite aufwiesen, je nachdem wann und wieviele Dienste geleistet wurden.

Parallel dazu wird auch die reguläre OP-Laufzeit ausgeweitet, d.h. elektive Eingriffe finden durchaus gegen 18:oo oder 20.oo statt.

Ich persönlich habe sowohl im Schicht- als auch mal im Bereitschaftsdienst gearbeitet. Toll ist natürlich beides nicht, aber ich würde das Schichtsystem immer vorziehen. Ausserdem sehen die meisten Kollegen ihr Bereitschaftszimmer so gut wie gar nicht mehr. Nach den elektiven Eingriffen geht es munter weiter mit Notfällen, oder was dann so zum Notfall gemacht wird.


Das ganze ist eine Testphase, so dass man zum 1.1.2007 flexibel reagieren kann.
Nebenbei: es wird zusätzliches (Fach)Personal eingestellt.

Markus

arnold kaltwasser
28.11.2005, 10:45
wenn die übergangsfrist verlängert werden soll müssen unsere politiker in die gänge kommen :D
ob das im sinne der patienten ist :confused:
so long arnold

R.Fischer
28.11.2005, 16:03
Liebe Kollegen!

Bei uns heißt es von Seiten der Personalabteilung mittlerweile, man möchte noch mit der Umsetzung warten, wahrscheinlich bis Mitte 2006.

Es sind aber zum 1.1. schon 2 neue Kollegen eingestellt worden.

Im Namen meiner Kollegen hier am Hause wünsche ich mir eine rasche Umsetzung, da inzwischen nur noch 2 von 10 Diensthabenden die "alte Regelung" besser finden, d.h. die Kohle der Freizeit vorziehen.

Auch meine Frau und meine Kinder freuen sich schon seit Monaten darauf (seit es diese Mitteilungen gibt) daß ich nicht mehr bis zu 33 Stunden am Stück in der Klinik bin - von mir ganz zu schweigen. :bravo:

Schöne Grüße aus Schwaben von Rainer.

madison
28.11.2005, 18:49
@rainer: habt ihr schon durchgerechnet, und habt ihr es vllt. sogar hinbekommen, den finanziellen verlust in grenzen zu halten?

trotz allem was dafür spricht, glaube ich immer noch, dass der mehrheit der pflegenden und ärzten die regelung
arbeitstag + bereitschaftsdienst und dann ab nach hause
ausreichen würde. aber der drop ist wohl gelutscht... ;)

wir beginnen jetzt erst mit der ideenfindung....

gruss vom rhein, madi

R.Fischer
29.11.2005, 08:37
Hallo Madison!

Nee, der Drop ist nicht gelutscht.
Es ist immer noch möglich, an einen Arbeitstag einen BD dranzuhängen, nur darf die maximale tägliche Arbeitszeit ( 13 Stunden bei Stufe C + D, 16 bei A + B, dabei maximal 10 Stunden Vollarbeitszeit) nicht überschritten werden.
Der finanzielle Verlust läßt sich einigermaßen dadurch in Grenzen halten, daß man eben Nachtdienst-, Feiertags-, Wochenend-, Schichtzulage sowie eine geringere Anzahl BD- Zulage erhält.
Aber den, der bisher viele Dienst machte und der auf das Geld angewiesen ist wird wohl nicht umhin kommen, sich einen lukrativen Nebenjob zu suchen (soviel zum Thema Erholungswert). Da beißt sich die Schlange in den eigenen Schwanz. :(

Schöne Grüße aus Schwaben von Rainer.

Sören Lösche
30.11.2005, 15:43
Die Umstelungen werden für alle schwierig. Der finanzielle Verlust ist nicht zu unterschätzen. Mit dem Geld müssen im wesentlichen auch die/der neue Mitarbeiter finanziert werden. Seitens der Kostenträger gibt es erstmal nix. Aber in Bezug auf Nebentätigkeit habe ich gerade einen interessanten Aspekt zu Nachdenken:
"Übt ein Beschäftigter eine zusätzliche Nebentätigkeit aus, muss er die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes einhalten. So muss unter anderem zwischen dem Arbeitsende der Nebentätigkeit und dem Beginn des Hauptarbeitsverhältnisses die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens elf Stunden eigehalten werden. Darüber hinaus darf wöchentlich insgesamt nicht länger als 48 Stunden gearbeitet werden.
Nicht zulässig ist außerdem, die Nebentätigkeit während des Erholungsurlaubs des Hauptberufs zu leisten. Wenn sonntags gearbeitet wird, muss es einen Ersatzruhetag geben. Wenn der "nebenjobbende" Mitarbeiter diese Voraussetzungen nicht einhält, darf der Chef ihm die Nebentätigkeit verbieten. In einem aktuellen Urteil entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, dass ein Arbeitgeber, für den ein Mitarbeiter Sonntagsarbeit leistet, diesem kündigen darf, wenn der Beschäftigte keinen Ersatzruhetag gewährleisten kann."(Az.:AZR 211/04) ddp
Das macht deutlich, dass die Thematik sehr schwierig ist. Im übrigen glaube ich, dass kaum Wege an einer Umstellung auf eine Jahresarbeitszeit vorbei führen.
Gruß aus dem Hannöverschen
Sören :streik: :streiker:

R.Fischer
01.12.2005, 12:50
Liebe Kollegen!

Ich denke, daß eine Nebentätigkeit in der Anästhesie durchaus möglich ist.

Hat man z.B. Sonntags Nachtdienst und geht Montag nach Hause hat man den Ausgleichstag schon.
Kommt eben auch darauf an, wieviele BD's man im Monat machen muß.
Einen oder 2 Samstage kann sicher auch jeder mal arbeiten - vorausgesetzt (wie Sören gesagt hat) es wird die wöchentliche Stundenarbeitszeit nicht überschritten.

Mit der Jahresarbeitszeit gehe ich konform, für die Leitungen macht es die Planung natürlich nicht eben leichter. :(

Gruß, Rainer.

fredokus
01.12.2005, 16:56
MoinMoin
Jetzt "muß" :D ich auch mal mitmischen.
Also ich habe meine deutlichen moralischen Probleme mit einer Nebentätigkeit bei einem Hunderprozent Job.
Ich kann durchaus verstehen, dass einen der finanzielle Verlust sehr hart trifft und bin eh der Meinung, das Krankenpflege seit Jahren nicht leistungsgerecht bezahlt wird, bzw. noch nie bezahlt wurde.
Jetzt das dicke ABER:
Das die Umstellung erfolgt, ist seit dem Jahr 2000 bekannt.Es kann also niemanden in diesem Bereich arbeitenden plötzlich treffen und man hatte immerhin schon 5- 6 Jahre Zeit sich finanziell darauf vorzubereiten.
Wer seine finanzielle Planung nach dem Jahr 2000 mit Bereitschaftsgeld gemacht hat, muß sich schon fragen lassen, ob das besonders pfiffig war.
Ich kann ja auch kein Haus im Jahr 2000 planen, dieses im Jahr 2006 bauen wollen und dann die Eigenheimzulage mit einkalkulieren, obwohl seit Jahren bekannt ist, das diese gestrichen werden soll.
Das soll keinesfalls ketzerisch klingen.
Mir ist wie oben schon beschrieben die finanzielle Situation durchaus bewußt, trifft uns ja irgendwie alle.
Eine Nebentätigkeit anzunehmen hätte meines Erachtens aber viele negative Folgen:
1. Es würde ein Zeichen gesetzt, das wir durchaus noch leistungsfähiger wären, wenn nur das Geld stimmt.Als Verwaltungsdirektor würde ich mich dann doch sehr freuen und Beschwerden über zu hohe Arbeitsbelastung sofort damit abwiegeln, dass ich auf die Nebentätigkeit und den damit verlorenen Erholungswert hinweisen würde.
2. Meine Eltern haben noch sehr hart für die Einführung der 40 Stunden- Woche gekämpft.
Auch dieses würde kontrakariert werden.
3. Gesellschaftpolitisch würde ein Zeichen gesetzt, mit dem man als Arbeitnehmer nicht einverstanden sein kann.Gewerkschaften plädieren seit Jahren-und kämpfen hart dafür-, dass das Leben nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Erholung besteht.Wenn wir nachweisen, dass wir "nur" das Geld brauchen, nicht aber die Erholung, dann werden die nächsten Verhandlungen sehr schwer werden und wahrscheinlich mit finanziellen Einbußen verbunden sein.Heißt: Mehr Arbeit, trotzdem weniger Geld.
4. Es ging doch bei der Umsetzung des Urteils auch um Patientenschutz.(Arzt arbeitet 500000 Stunden am Stück und muß dann noch operieren.Dat geht nich gut.
Auch hier würde das Gegenteil erreicht und der Sinn des Urteils in Frage gestellt.

Eine Lösung des Problems(weniger Geld) habe ich auch nicht parat, aber ich glaube, das wir uns mit zusätzlicher Arbeit nur noch mehr Probleme bereiten und dann wirklich bald amerikanische Verhältnisse haben, wo viele Leute 2 Job´s haben, nur um einigermaßen über die Runden zu kommen.

Der Fred
P.S.: wenn ich die Leute bei mir auf der ITS, die ja schon immer im 5 Tage Schichtdienst arbeiten, fragen würde, ob sie noch zusätzlich,außerhalb der Klinik arbeiten würden, bekäme ich wahrscheinlich ein Problem. http://www.cheesebuerger.de/images/smilie/boese/e055.gif

bearly
01.12.2005, 23:34
hinzu kommen demnächst die tvöd-bedingten einbussen, die die pflege insgesamt wird hinnehmen müssen und nicht zu vergessen der zirkus, den der marburger-bund veranstaltet mit 30% lohnerhöhungs-forderung.....eine lohnerhöhung im krankenhaus-dienstarzt-bereich würde mit an sicherheit grenzender wahrscheinlickeit zum grossen teil auf die pflege umgelegt (in diesem zusammenhang sehr interessant ein aktuelles interview mit dem gf des dbfk f. wagner in pflege aktuell)......

R.Fischer
02.12.2005, 08:49
Hallo Fred!

Du hats sicher mit allem recht, was Du hier geschrieben hast.

Es gibt jedoch einige "ABER'S":

- bis jetzt ist noch nicht bekannt, wie hoch die finanzielle Einschränkung bei jedem Einzelnen sein wird
-bis jetzt ist noch nicht bekannt, wie und in welchem Ausmaß bzw. wann die Umsetzung des EuGH-Urteils überhaupt kommen wird
-mich selbst betrifft es weniger.Aber es gibt auch in meiner Abteilung Kollegen, die vor 2000 ein Haus bzw. eine Wohnung gekauft und mit dem BD-Geld gerechnet haben - Kredite auf einen Hausbau machst Du normalerweise über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren.
-viele haben mit einer Besitzstandswahrung gerechnet. Aber daß jetzt die Anästhesiepflegenden evtl. weniger bekommen sollen als die Kollegen auf der Station (nicht nur Intensivstation) scheint mir ungerecht. Hoffentlich haben die einzelnen KH's ein Einsehen, sonst befüchte ich für die Zukunft der Funktionsdienste Schlimmes - denn wer tut sich schon den täglichen Streß im OP an + den Streß alleine im BD mit Notfällen zu sein + Minusstunden nach einem evtl. sehr arbeitsintensiven BD + 2jährige Zusatzqualifikation und dies alles für einen Mindestlohn? :wut:

Da würden sicher einige sagen: wozu soll ich mir das antun???

Sicher gibt es für einige Kollegen keine andere Möglichkeit, als ihren finanziellen Verlust durch eine Nebentätigkeit auszugleichen - es hängen (bei zum Teil 6-800 € pro Monat) schließlich auch Existenzen dran.

Grüß Dich- Rainer.

fredokus
04.12.2005, 15:08
Hallo Rainer
Also, dass man in der Anästhesie weniger verdient, als auf einer Allgemeinstation kann ich nicht wirklich glauben.
Im unteren Lohnsektor ist das bei AVR (Kirche) mindestens KR5 mit Bewährungsaufstieg nach KR6.
Krankenschwestern auf der Allgemeinstation bekommen KR4 mit Aufstieg zu maximal KR5.
Solltet Ihr Schichtdienst einführen gibt es eine Schichtzulage und für Nachtdienste einen gewissen Zuschlag pro Stunde Nachtdienst(AVR 1.25€-Steuerfrei :D )
Zusätzlich gibt es noch eine Zulage für den Funktionsdienst.
Das alles zusammen macht natürlich erheblich weniger als die Vergütung für Bereitschaftsdienste, vor allem, wenn man diese sehr häufig gemacht hat.
Diese Kollegen tun mir auch ernsthaft leid und ich denke, man sollte die Bezahlung durchaus aus an die Leistung anknüpfen, was sicher schwierig ist umzusetzen.
Du schrobst, das ihr Minusstunden nach einem Bereitschaftdienst anbaut.
Wenn das so geplant ist, müssen diese auch nicht nachgearbeitet werden, da der Dienstnehmer seine Arbeitskraft ja zu 100 % zur Verfügung stellt. Sollte der Dienstgeber diese Arbeitskraft nicht in Anspruch nehmen, ist das sein Problem.
In diesem Fall hätte ich auch keine Probleme mit einer Nebenbeschäftigung, da dann ja durchaus noch die Möglichkeit zur Erholung gegeben ist.
Wenn jemand einen 50% Job hat ist das ja auch kein Problem.
Problematisch wird das für mich nur, wenn man eh schon 110% arbeitet und dann noch einen Nebenjob annimmt. Dann gilt für mich das, was ich oben geschrieben habe.
By the way: Mann muß ja auch noch Zeit haben die ganze Kohle auszugeben :D .

So long
Der Fred

R.Fischer
07.12.2005, 10:22
Hallo Fred!

Sollte die Anästhesiepflege wirklich all diese Zulagen bekommen hast Du natürlich recht, daß dann in der Anästhesie noch mehr verdient wird als auf der Allgemeinstation.
Aber- wie Du auch schriebst - es wird auf jeden Fall ein finanzielles Verlustgeschäft. :motz:
Wie das mit den Minusstunden aussieht wird je nach Modell verschieden sein.
Lasse ich mir gar nix mehr für den BD bezahlen habe ich auch keine Minusstunden.
Will ich diesen aber wenigstens teilweise noch vergütet habe ich auch anteilig Minusstunden, die ich dann irgendwann nacharbeiten muß.
Mal sehen was kommt - es gibt inzwischen ja schon viele verschiedene Modelle die man umsetzen könnte.

Gruß aus Schwaben von Rainer.

Tempo
07.12.2005, 12:13
Hallo Rainer!
Bei uns im Hause wird ab Januar das Gesetz umgesetzt. An den Feinheiten wird noch gearbeitet aber es sieht so aus, daß ab Januar jeder Bereitschaftsdienstler Morgens nach Hause geht. Dadurch fallen Minusstunden an die aber inerhalb eines bestimmten Zeitraumes wieder abgebaut werden u.A. auch durch Samstagsdienste.
Details kann ich Dir in 1-2 Wochen zukommen lassen.
Zum Thema ' Finanznot durch wegfall der BD - Zulage ' muß ich fredokus weitgehend zustimmen. Wer ( auch vor dem Jahr 2000 ) BD - Zulagen in die Abträge von was auch immer miteinkalkuliert hat der ist einfach dumm gewesen. Ich sollte immer mit dem rechnen, was ich sicher bekomme und das ist nun mal das ganz normale Grundgehalt. Alles was zusätzlich dazu kommt ist ein Leckerli aber diese Dinge als feste Größe in ein Gehalt miteinzubeziehen ist naiv. Das machen eigentlich nur Politiker.

R.Fischer
07.12.2005, 13:04
Hallo Tempo!

Wäre nett, wenn Du mir Eure Erkenntnisse zukommen lassen würdest.

Was das Einrechnen der BD - Zulage angeht: das sehe ich anders. Wer weiß, vielleicht streicht man als nächstes die Zulagen für Schichtdienst, Wochenende, Feiertage, Nachtdienst usw.
Ich denke mal, das sind auch Zulagen, mit denen jeder rechnet.
Wie gesagt ist es bei mir mit einem etwaigen Wenigerverdienen nicht so schlimm.
ABER: ich bekomme jetzt seit über 15 Jahren diese Zuschläge, in dieser Zeit (muß ich gestehen) habe ich mich auch daran gewöhnt - finde ich auch eigentlich normal, oder?????? :confused:

Gruß von Rainer.

madison
07.12.2005, 22:42
...diese gehaltsdiskussion geht ja ein bisschen am thema vorbei,
aber was fredokus und tempo dazu schreiben, kann ich auch nicht unkommentiert lassen.
- je nachdem, wie viele b-dienste abgerechnet werden, macht diese vergütung locker 300€/monat aus, bei vielen wohl eher mehr.
und nicht nur für mich ist das mehr als ein leckerli, das ich mal locker in meinen geldspeicher schiebe. :wut:

- und wenn es ganz blöd läuft in zukunft, erhalte ich nicht den vollen satz an möglichen schicht-und nachtzulagen, weil im gegensatz zur intensivstation kein schichtdienst im herkömmlichen sinn geleistet wird, sondern der grossteil der mitarbeiter in einer kernarbeitszeit, zb von 8- 17 uhr, arbeiten wird.
im spätdienst dann nur 2-3, im nachtdienst/bereitschaftsdienst wie gehabt nur ein kollege.


um diese situation zu ändern, müsste sich wohl grundlegendes an der vergütung ändern. zb müsste die grundvergütung sowieso angehoben, und nach abgeschlossener weiterbildung dann nochmal adäquat ansteigen.
nur... von solchen plänen habe ich die letzte zeit so gar nichts gehört.... ;) :streiker:

reiner, kannst du mir ein paar quellen für mögliche arbeitszeitmodelle nennen?
danke...

gruss vom rhein, madi

R.Fischer
12.12.2005, 07:48
Hallo Madison!

Sehe das mit dem Finanziellen genauso.

Quellen kann ich Dir leider keine nennen. Wir haben uns bei unseren bisherigen Überlegungen an den gesetzlichen/tariflichen Rahmenbedingungen orientiert, bzw. mit Kollegen aus anderen Häusern gesprochen.
Drum auch meine Anfrage hier im Forum.

Gruß aus Schwaben von Rainer.

thburkhart
25.02.2006, 17:37
Guten Abend,

bei Googeln bin ich auf Ihr Forum gestossen ..

Bei Interesse kann ich über erfolgreiche Umsetzungsmodelle berichten

- ohne finanzielle Einbußen für die Mitarbeiter
- kostenneutral für die Verwaltung (in einem Fall sogar ertragssteigernd)

Manchmal ist die Lösung schlichter als man denkt, vor allem wenn man sie aus der Wertschöpfungskette "Motivierte Mitarbeiter bedingen zufriedene Patienten und die wirtschaftlichen Erfolg" heraus betrachtet.

Ich informiere Sie bzw. Ihre Verwaltungsleitung gerne.

Beste Grüße

Thomas Burkhart


Berater und Coach

fredokus
25.02.2006, 18:04
MoinMoin

Bei Interesse kann ich über erfolgreiche Umsetzungsmodelle berichten

- ohne finanzielle Einbußen für die Mitarbeiter
- kostenneutral für die Verwaltung (in einem Fall sogar ertragssteigernd)




Ich informiere Sie bzw. Ihre Verwaltungsleitung gerne.

Na denn mal hepp......
Los gehts...
Wir lesen es bestimmt gerne;)

Gruß
Der Fred

thburkhart
25.02.2006, 18:30
Na denn mal hepp......
Los gehts...
Wir lesen es bestimmt gerne;)



es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein allgemeingültiges Rezept, wie das für einen Apfelkuchen oder eine Sauce Bernaise ;-)

Eines der wesentlichen Ansätze ist die Berücksichtigung der individellen Arbeitssituation und das persönliche Einbeziehen der Beteiligten/Verantwortlichen.

Grundsätzliche Schritte:

a) Ermittlung des IST-Ressourcen-Verbrauchs

b) Erörterung alternativer Dienstkonstellation z.B zu einem 24h-Dienst mit Abwägung der Vor und Nachteile , Abstimmung im Team

c) Ermittlung und Vereinbarung eines SOLL-VK-Budgets, über das die Verantwortlichen frei verfügen können (z.B. Budget 14 VK, Headcount 11 => 3 VK in Eigenverantwortung = Mehrverdienst)

d) Verrechnung auf einem Zeitkonto

e) Monitoring des Budgets


Ergebnis durch dieses "Vertrauensbudget" in der Chirurgie eine Hauses der Zentralversorgung durch signifikante Stiegerung der Motivation:

- Einsparung 1,4 VK
- Mehrverdienst bei den Beteiligten
- Leistungs-/Ertragssteigerung um ca 20%


Nicht immer ist Bremsen die beste Reaktion auf eine Krisensitation.

Nette Grüße


Thomas B.

Hanno H. Endres
25.02.2006, 20:15
Sehr geehrter Herr Burkhart.

Rein vorsorglich weise ich auf unsere Foren-Regeln (http://forum.zwai.net/showthread.php?p=1423#post1423) hin, deren Einhaltung Sie mit der Registration im Forum bestätigt haben:


4. Werbung für kommerzielle Unternehmen, in direkter oder in indirekter Form sind als Beiträge im Forum nicht zulässig und werden ohne weitere Vorankündigung gelöscht. Sachliche Informationen zu bestehenden Diskussionsthemen von Benutzern, die - in welcher Form auch immer - für kommerzielle Unternehmen tätig sind, werden in Einzelfällen gestattet, sofern die Beiträge keinen direkten werbenden Charakter haben. In jedem Fall ist dabei jedoch das Posten von Kontaktinformationen innerhalb des Beitrages oder Werbemitteln jeder Art zu unterlassen.

zwai behält sich vor, nachträglich Werbegebühren für die Platzierung zu berechnen. Wer Werbung im Forum schalten möchte, kann die näheren Konditionen gerne per Email erfragen.

In diesem Sinne einen schönen Abend,

hhe

thburkhart
25.02.2006, 20:32
Guten Abend, Herr Endres,

ich bedanke mich für den Hinweis. Es war lediglich meine Absicht, zu informieren.

Beste Grüße

Thomas Burkhart

Hanno H. Endres
21.03.2006, 10:35
Kennt ihr LASI schon?


Arbeitszeitgestaltung in Krankenhäusern (LV 30) Arbeitszeitproblematik am Beispiel des ärztlichen Dienstes

Ausgabejahr 2005 - Seiten 66 - Format A4 - ISBN 3-936415-31-5
Neufassung

Mit der vorliegenden LASI -Veröffentlichung soll Krankenhäusern eine Hilfestellung zur Neuorganisation ihrer Arbeitszeitgestaltung gegeben werden.

Im Auftrag der Arbeits- und Sozialministerkonferenz wurden von Fachleuten aus den Gesundheits- und Arbeits- bzw. Sozialressorts der Länder neun Arbeitszeitmodelle auf ihre Übereinstimmung mit dem nationalen Recht sowie den Anforderungen des EuGH- SIMAP- Urteils überprüft und dargestellt (Kapitel 4). Die Modelle sind im Einzelfall den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Organisationseinheit anzupassen.

Voraussetzung für die Optimierung der Arbeitszeitorganisation ist eine Analyse der Einzeltätigkeiten, der Arbeitsabläufe und des Zusammenwirkens der einzelnen Organisationseinheiten mit dem Ziel einer ausreichenden Personalabdeckung bei Entzerrung der Arbeitszeiten. Die Einzelschritte für die Vorgehensweise werden ebenso dargestellt (Kapitel 6.1) wie die mögliche Auswirkung veränderter Arbeitszeiten auf die Kosten (Kapitel 5 und Anlage 4 und Anlage 5).

Eine Darstellung der geltenden Rechtsgrundlagen (Kapitel 1.2 und Anlage 2) und der wesentlichen Umsetzungsdefizite (Kapitel 2) zeigt die wesentlichen Problembereiche auf.

Den Volltext gibt's hier (http://lasi.osha.de/docs/lv30_0305.pdf) gratis (PDF, 415 kb)

Quelle: http://lasi.osha.de/de/gfx/publications/lv30_info.htm

madison
21.03.2006, 18:09
danke Hanno,
die Modelle könnten womöglich helfen, jede Menge externes Beratungshonorar zu sparen....

Gruss, Madi

rhoche
08.11.2006, 05:11
[Hallo,
auch wir in Göttingen machen uns Gedanken.
Leider stellt es sich raus, das wenn Wir nach dem Nacht/Bereitschafsdienst morgens nach Hause gehen , einen Verlust von 350,- Euro machen, dafür kann ich auch auf der Station arbeiten und ich verdiene mehr !?

Habt Ihr schon neue Gedanken.

[COLOR="Red"] Am 07.011.2006 hat Die Arbeitzeitreform ( das die Wochenarbeitzzeit 48 H nicht auf Dauer verlängert werden darf) , im Europäschen Parlament eine Niedelage erhalten.

Wie arbeitet Ihr nun oder was habt Ihr für Vorstellungen

arnold kaltwasser
08.11.2006, 16:39
[Hallo,
...
Leider stellt es sich raus, das wenn Wir nach dem Nacht/Bereitschafsdienst morgens nach Hause gehen , einen Verlust von 350,- Euro machen, ...
aber, das bedeutet doch auch, dass ihr mehr Freizeit habt, oder:confused:

arnold

rhoche
08.11.2006, 17:04
Ja das ist richtig, das wir mehr Freizeit haben, aber davon kann ich keine Familie ernähren.

Gruss Raimond:schock:

arnold kaltwasser
09.11.2006, 08:45
Da habe ich vollstes Verständnis!
so long arnold

R.Fischer
09.11.2006, 14:55
Liebe Kollegen!

Werde jetzt (da ich das gleiche Problem mit der zu ernährenden Familie habe) in meiner dann zur Verfügung stehenden Freizeit einen 400€- Nebenjob machen.
So komme ich dann auf die gleiche Auslastung und in etwa auf das gleiche Gehalt.
Vorteil: sehe auch mal was anderes bei der Arbeit.
Nachteil: die Freizeit, auf die meine Frau, meine Kinder und ich mich gefreut haben (arbeite immerhin 100% + 3-5 Bereitschaftsdienste seit 16 Jahren) ist jetzt wieder dahin.

Mal sehen, wie's weitergeht, habe auf jeden Fall schon von einigen Kollegen gehört, die dasselbe tun oder aber sich überlegen, das Arbeitsfeld zu wechseln.
Eine Kollegin meinte sogar, die Klinik solle doch jetzt Durchhalteprämien an den verbleibenden Rest bezahlen (:confused: :confused: :confused: ).

Viele Grüße aus dem verregneten Schwaben von Rainer.

rhoche
09.11.2006, 15:11
Da habt Iht Recht, mal sehen was die Zukunft bringt.:confused:

Man sollte sich mal überlegen, ob man nicht eine eigene Gewerkschaft gründet ?

Gewerkschaft des Gesundheitsdienstes :bravo:

Damit man auch richtig vertreten wird, so wie die Ärtze vom Marburger Bund, wo die Interressen der Betroffenden behandelt werden.

Bei Verdi sind einfach zu viele Gruppen in einer Gewerkschaft, die zu viel Interessen hat !!!

Der Müllfahrer oder Finanzangestellter kann sich nicht vorstellen ,was es heisst 24 h Dienste zu machen !!!!!

Man sollte honorieren was es heisst , das man am Menschen ,für Menschen uns dessen Gesundheit arbeitet.

:motz: Würde glatt mitmachen eine Gewrkschaft zu gründen :motz:

morgenmuffel
09.11.2006, 15:20
Gibt's doch schon:
Gewerkschaft für Beschäftigte im Gesundheitswesen (http://www.gewerkschaft-big.de/)
Gruß morgenmuffel

arnold kaltwasser
09.11.2006, 15:20
Na ja...das Thema hatten wir schon öfters und es ist leider so, dass der Organisationsgrad von denen die am meißten schimpfen auch am geringsten ist! Bei Ihnen rhoche ist das sicher nicht so. Wenn wir die Müllmänner nicht hätten, dann hätten wir schon viele Jahre gehabt bei denen wir ganzschön in die Röhre geschaut hätten!

so long arnold

@zwai findet ihr wo wir diese Diskussion mit der Gewerkschaft schon mal hatten?

andreasuhl
14.11.2006, 09:33
Liebe Kollegen,

jetzt ist plötzlich erster Januar und keiner hats gewußt. Vielleicht wäre etwas weniger Organisation und Taktieren dafür etwas mehr gesunder Menschenvertsand besser gewesen. Das was passiert ist lange bekannt.
Die Tarifabschlüsse waren vorhersehbar. Wir haben in unserer Klinik schon vor zehn Jahren den BAT dahingehend umgesetzt, daß alle Mitarbeiter nach BD nach Hause gehen. Das betraf alle b, C, und D Dienste. Als diese Maßnahme umgesetzt wurde ging ein Aufschrei durch die Mitarbeiterschar die sich aber sehr schnell an die gewonnen Freizeit gewöhnte. Gehaltseinbußen wurden durch Wochenendienste teilweise kompensiert. Immerhin gelang es einigen Mitarbeitern sich somit noch bis zu 80 Stunden ( 100%) auszahlen zu lassen, wobei das Gros der Kollegen ca. 30 Stunden ausgezahlt bekam. Ein nicht unerheblicher Anteil nahm diese Stunden aber auch in Freizeit.

Jetzt wird alles anders. Wir sind noch im nachwirken unseres BAT Tarifvertrages und haben nun für alle am BD mitwirkenden Abteilungen zusammen mit unserem BR und der Geschäftsführung eine Vereinbarung getroffen.
Alle BD der Stufen c und D werden in 12 Stunden Schichten umgewandelt die sich aus 8 Stunden Arbeitszeit und 4 Stunden BD Stufe D zusammensetzen.
Die Op Betriebszeiten werden ausgeweitet.
Fazit:
Wir arbeiten ab sofort in 12 Stunden Schichten.
Der Großteil der Mitarbeiter arbeitet von 7:00 bis 15:30 Uhr.
Zwei Teams arbeiten von 7:00 bis 19:30 Uhr, zwei Teams von 18:45 bis 7:30 Uhr.
Operationen und Routinearbeiten werden nun rund um die Uhr geplant, der Tag hat 14 OP Stunden( + 10 ), die Woche 7 Tage.
Durch vernünftige Planung können die Mitarbeiter bis zu 40 Stunden zusätzlich vergütet bekommen ( 100 % ).
Somit ist der finanzielle Verlust zunächst abgefedert, die 38,5 Stunden Woche erhalten.

Diese Option bietet auch der TVÖD. Dort sind 13 Stunden AZ bei anteiligem BD der Stufen C und D vorgesehen. Liegt nun an den Kliniken ein vernünftiges Konzept zu erstellen.
Also, nachdenken, Planen, Nachverhandeln und nicht Flucht in Nebenjobs......

Hanno H. Endres
14.11.2006, 09:41
Moin Arnold.


@zwai findet ihr wo wir diese Diskussion mit der Gewerkschaft schon mal hatten?

Ungefähr ab hier (http://forum.zwai.net/showthread.php?p=6107#post6107).

Schöne Grüße,

hhe

fridolin
19.11.2006, 18:51
Liebe KollegInnen,
ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, das "Big" keine Gewerkschaft im eigentlichen Sinne ist.
Die einzige Gewerkschaft, die uns wirklich vertreten kann, ist (leider) ver.di.
Alleinig ver.di führt die Tarifverhandlungen und alles Andere ist nur ein reines Wunschdenken.
Außerdem ist eine große Gewerkschaft wie ver.di trotz aller Mängel hundertausend mal besser als die kleine möchtegern Gerwerkschaft BIG.

Als langjähriges ver.di - Mitglied sehe ich die Gewerkschaft durchaus sehr kritisch, ebenso wie den TVöD.
Für die sowie bereits vergessenen ArbeitnehmerInnen im Gesundheitswesen sind die unfertigen Regelungen der große Wurf - nach Hinten.
Aber den Kopf in den Sand stecken, bringt gar nichts. Hier heißt es, selbst die Zügel in die Hand zu nehmen und das Pferd EugH-Urteil in die von den Pflegenden gewünschte Richtung lenken. Ihr seit somit auf einem guten Weg. Weiter so.
Viele liebe Grüße
fridolin

rhoche
10.12.2006, 09:42
Hallo ,
ich wollte ja auch nichts gegen die Müllmänner oder anderen Berufsgruppen sagen.
Wenn der Müll liegenbleibt, merken es viele Leute.
Aber hat beim Streik irgend jemannd mal gesagt, da wir nicht nur 38,5 Std arbeiten und auch noch über 100 Bereitschaftstunden im Monat machen.
Das man im Monat 20 und mehr Überstunden macht.
Das weiss die Bevölkerung nicht, da versteht keiner was und wie wir arbeiten.

Gruss

Rai

Elisabeth
10.12.2006, 10:31
Was machst du in den Augen vieler Mitmenschen? Du wäschst, du fütterst, du legst trocken...alles Tätigkeiten die aus der Sicht des Laien jeder kann. Nur wenn du ärztl. Tätigkeiten übernimmst, machst du aus deren Sicht etwas, wozu man eine Ausbildung braucht bzw. weil es niemand anderes machen kann.

Müll wegbringen kann jeder... Problem: hier trifft es jeden Mitbürger. Seine Arbeit ist sozusagen öffentlich.
Pflegen kann jeder... Problem: hier siehts nur der Bedürftige. Die Arbeit erfolgt in Abwesenheit der anderen Mitbürger. Auswirkungen spürt nur jeder im Portmonaie. Gibts du gerne Geld für etwas, wo du den Bedarf nicht so genau einschätzen kannst?

Ergo: Pflege muss in die Öffentlichkeit... nicht nur Artikel in die Fachpresse setzen. Letzte Woche gab es einen Leitartikel in der hiesigen Tagespresse (Ostseezeitung (http://209.85.129.104/search?q=cache:zG4p8YDbrh0J:www.ostseezeitung.de/+%22Pflege+steht+vor+dem+Kollaps%22&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=1)). Aber statt der sonst üblichen Komentare und Berichte bliebs bei einer halben Seite zum drohenden Pflegenotstand in den KKHern. Was nimmt der Mitbürger da mit? Sieht er Handlunsgbedarf bei abstrakten Zahlen?

Elisabeth

Basti
11.01.2007, 12:51
Nur, damit Ihr den Effekt des "es gibt andere, denen geht es noch schlechter" mal habt: Von einem 24h-Dienst bekomme ich 16 Stunden regulär bezahlt, die übrigen werden mit einem Betrag von € 1,02/h abgegolten. Damit ist die Bereitschaftszeit bezahlt.

Ist übrigens keine Marotte meines Arbeitgebers,sondern im Tarifvertrag für den privaten Rettungsdienst so festgeschrieben.

*grummel*

trine
04.04.2007, 21:10
Ich weiß ja nicht, ob noch Fragen oder Interesse bestehen, aber seit gut 2 Jahren gibt es bei uns im Haus keine Anästhesiebereitschaftsdienste mehr! Die Umsetzung gestaltete sich in den Anfängen etwas schwierig, aber jetzt sind alle zufrieden:) Es gibt natürlich weiterhin einen Anästhesiekerndienst von 7.45 Uhr bis 16.00 (zur Hauptkampfzeit). Des weiteren gibt es eine Pflegekraft im Frühdienst von 6.30 Uhr bis 14.30. Die Person ist dafür zuständig, daß jeder OP- Saal u. jede Einleitung "betriebsbereit" ist, d.h. Geräte checken, Medikamente für die ersten OPs aufziehen, Besonderheiten herrichten (ZVK, Arterie, Ortho-Pat, Cellsaver etc.) u. dann an der Frühbesprechung der Anästhesisten teilzunehmen. Die Person für den Spätdienst kommt dann von 13.00 Uhr bis 21.00 Uhr. Dieser wird dann abgelöst vom Nachtdienst (20.30 Uhr bis 6.45 Uhr). Wenn in dieser Zeit nicht operiert wird, ist die Anästhesiepflege komplett in den Arbeitsablauf auf der Intensivstation intregiert! Das ist das Geheimnis, wie es funtioniert:bravo: ..Falls doch eine OP dazwischenkommt wird man via Pieper benachrichtigt. Ebenso ist die Anästhesiepflege für den Schockraum zuständig. Der Aufwachraum wird, auch in der Nacht, durch unseren PTS (Patienten- Transport-Service, Rettungssanitäter) betreut. Bin gern bereit, auf weitere Fragen zu antworten. Das Modell wird auch Thema meiner Facharbeit werden, die dann für teures Geld gekauft werden kann;)

andreasuhl
11.04.2007, 10:53
Unglaublich, Unerhört, da ist er wieder, der billige Jakob.
Wer lässt denn sowas zu?
Wir haben unsere Abteilung auch auf Schichtdienst umgestellt, was nicht heißt, daß wir bewährte Abläufe über Bord schmeissen.
Ein gesonderter Frühdienst zum vorbereiten der Arbeitsplätze ist unsinnig.
Ich will umd muß verantworten, daß die Geräte die ich bediene geprüft und Ok sind. Ich will und muß verantworten, daß in der Spritze das drin ist was auch draufsteht. Ich will meinen Arbeitsplatz selbst vorbereiten. Das ist Sicherheit!
Alles andere ist billig!
Warum in der Nacht auf Intensivstation den Aushilfskasper machen? Wenn im OP Arbeit anfällt wird ohnehin auf die Mitarbeit verzichtet.
Wir haben die Nachtstunden mit Routinearbeiten aufgefüllt die jetzt durch die Umstellung am Tage liegen bleiben.

Wer ist da bitte im AWR? So kann sich eine Berufsgruppe demontieren. Im AWR muß ein Kollege mit Fachausbildung eingesetzt werden. Ein nicht unerheblicher Anteil der Narkosezwischenfälle passiert im AWR. Gerade vor zwei Wochen ist in Hamburg ein Kind, vermutlich durch mangelhafte Betreuung im AWR, nach Narkose verstorben. Da gehört keine Laienspieltruppe rein!

Bitte um Details um welches Krankenhaus es sich handelt damit ich einen großen Bogen um die Gegend machen kann.

Wütend aber zuversichtlich

Sören Lösche
11.04.2007, 14:48
:bravo: :bravo: :bravo:
hallo andreasuhl,
möchte mich zu 100% deinen Ausführungen anschließen. Im anderen Falle können gleich Arzthelferinnen unseren Job machen. Die sind dann wenigstens nicht überqualifiziert.
Sören aus Hannover

trine
15.04.2007, 11:47
Uups, da hat sich aber jemand heftig auf den Schlips getreten gefühlt..Oder? Unser Frühdienst funktioniert hervorragend, denn jeder Mitarbeiter ist vollstens qualifizert, ist sich seiner Verantwortung genau bewusst. Da ist in jeder Spritze drin, was draufsteht und jedes Gerät ist fehlerfrei gecheckt. Und "Aushilfskasper auf der Intensivstation", das ist ja wohl echt billig, multiflexible Fachkrankenschwestern u. Pfleger so zu bezeichnen. Hast Du nicht auch Dein Fachexamen für Intensiv- UND Anästhesiepflege gemacht:confused: ?? Euren Nachtdienst kann ich mir mit den liegen gebliebenen Routinearbeiten gut vorstellen..Wir schaffen diese wichtigen Routinearbeiten tagsüber und können Nachts noch sinnvoll den Menschen helfen, was ja unsere Aufgabe ist, nicht wahr? Wir sind Pflegende!
Zum AWR: Politisch und von Arbeitnehmerseite gesehen muß ich Dir ja recht geben (falls Du es überhaupt von der Seite betrachtet hast?). Es geht natürlich auch darum Kosten zu sparen,gerade in kleinen Häusern, aber sind Rettungssanitäter kein qualifiziertes Personal?? Unsere Rettungsleute sind allesamt hervorragend für die Betreuung der AWR- Patienten geeignet. Das sind verantwortungsbewusste, hervorragend eingearbeitete motivierte Leute.
Und jetzt wünsch ich Dir weiterhin viel Glück für Deine weitere Krankenpflegekarriere und denk immer dran: Weitermachen wie bisher, denn wir haben das ja schon immer so gemacht!!

Sören Lösche
15.04.2007, 18:17
Hallo trine,
kann deiner Argumentation nicht ganz folgen. Ich halte RS für nicht qualifiziert, Patienten postoperativ und postnarkotisch zu überwachen. Ich bin sowohl RS alsauch Fachkrankenpfleger A+I und habe ich beiden Professionen gearbeitet. So geht es aber nicht, ohne andreasuhl vorgreifen zu wollen.
Gruß
Sören

madison
15.04.2007, 20:56
@trine: so mag ich deiner Argumentation auch nicht folgen!
Rettungsassistenten in der Nacht im Aufwachraum finde ich mehr als bedenklich, für mich gehören auch/besonders Nachts Pflegende! dorthin, schon allein wegen der dünneren Personalbesetzung. Auch was die Demontage betrifft, kann ich Andreas nur Recht geben, und dies hat nun rein gar nichts mit 'dashabenwirimmersogemacht' zu tun.
Und entweder benötige ich im Nachtdienst z.B. drei Pflegekräfte, und kann nicht auf einen möglicherweise über Stunden verzichten, weil er/sie im OP steht, oder eben nicht. Egal, wie gross oder klein das KH ist.
Verschieben von Routinearbeiten in die Nacht kann ja auch nur bedeuten, 'patientenferne' Tätigkeiten dorthin zu verlagern, denn Ziel sollte auch für Intensivpatienten sowas wie eine Nachtruhe sein, wenn es denn irgendwie möglich ist. Bei mir ists schon lange her, aber ich erinnere mich gut und gerne an die lange Übergabezeit von Früh- zu Spätdienst. Die haben wir nämlich für aufwendige Pflegemassnahmen genutzt, haben gemeinsam mit dem Doc Beatmungssysteme gewechselt, Inkubatoren ausgetauscht, uvm.

Gruss vom Rhein, Madi

ruebar63
16.04.2007, 10:07
Rettungssanitäter und Patienten-Transport-Service-Mitarbeiter im Aufwachraum als qualifizierte Pflegefachkraft???? Die haben also gelernt Relaxans- oder Analgetikaüberhänge zu erkennen und adäquat zu reagieren, können beurteilen, ob die Menge in der Drainage normal ist oder nicht, und eine adäquate Schmerztherapie (eine der wichtigsten Aufgaben im AWR) können die sicherlich auch. All das haben sie sicherlich in ihrer 520-Std.-Rettungsdienstausbildung gelernt. Diese Beispiele ließen sich um einiges erweitern. Ich hoffe, nicht in Unna in so eine Klinik zu geraten. Tut mir leid.

trine
18.04.2007, 21:31
Ok, da ist wohl vieles falsch angekommen oder falsch aufgenommen oder was auch immer. Das ist halt manchmal das blöde an diesen mails, ausführlich geht schlecht. Aber hier kommen jetzt noch Ergänzungen meinerseits, auf die nicht verzichtet werden kann. Ich versuche jetzt zu guter letzt alle Mißverständnisse auszuräumen. Unser AWR steht natürliche unter anästhesiologischer Leitung, d.h. es ist an 5 Tagen die Woche von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr eine Anästhesiefachpflegekraft anwesend, die die Rettungssanitäter bei der Arbeit überwacht. D.h. der Rettungssanitäter ist zur Unterstüttzung dieser Fachkraft da. Außerdem ist der AWR natürlich direkt am OP- Trakt angegliedert, so daß zusätzlich noch alle im Dienst befindlichen Anästhesisten u. Pflege in Rufnähe sind. Trotzdem bin ich der Meinung, daß ÜBW kompetent von Rettungssanitätern übernommen wird. Aber dieser oder diese sind ja niemals alleine im AWR. Falls Nachts operiert wird übernimmt die Intensivstation die post- op. ÜBW bis zur Verlegung. Der Spätdienst der Anästhesie ist solange im OP, bis alle inkl. Routinearbeiten ebenfalls erledigt sind. In der Woche ist es also i.d. Regel nicht möglich vor Schichtende auf Intensiv zu erscheinen. Aber der Nachtdienst u. der Wochenenddienst geht meist direkt auf die Intensivstation, ist Teil des Teams, bekommt eine Übergabe von meist einem Pat., falls doch mal operiert wird (äußerst selten bei uns!)und arbeitet als volle Intensivkraft. Zum Schluß möchte ich nochmal sagen, daß ich wirklich stolz bin auf die Flexibilität in meiner Abteilung. Und damit meine ich Intensiv und Anästhesie. Seit der Zeit ist ein Team aus uns geworden, wir haben Einblick in die Pflege und in die Funktion und ich als eigentliche Intensivschwester (auch noch Innere:schock: ) arbeite mit großer Begeisterung zum zweiten Mal innerhalb der Rotation in der Anästhesie u. alle Kollegen aus der AN sind auch schon für mind. 4 Monate nur auf Intensiv gewesen. Das ist wirklich eine gute Sache!! Und natürlich führe ich auf Intensiv keine Routinearbeiten durch! Das ist falsch angekommen. Das war auf die Anästhesie bezogen! Nachts wird gepflegt u. geschlafen (die Pat.) u. manchmal auch Leben gerettet! Vielen Dank für Eure zahlreichen Meinungen. Ich hoffe alle Unklarheiten beseitigt zu haben??

Obs-Pfleger
19.04.2007, 17:43
Tach!

Ich schließe mich mit Überzeugung folgenden Ausführungen meiner Vorredner/Vorschreiber an, besser könnt ich's auch nicht sagen :guck mal:


Wer ist da bitte im AWR? So kann sich eine Berufsgruppe demontieren. Im AWR muß ein Kollege mit Fachausbildung eingesetzt werden. Ein nicht unerheblicher Anteil der Narkosezwischenfälle passiert im AWR. Gerade vor zwei Wochen ist in Hamburg ein Kind, vermutlich durch mangelhafte Betreuung im AWR, nach Narkose verstorben. Da gehört keine Laienspieltruppe rein!



Im anderen Falle können gleich Arzthelferinnen unseren Job machen. Die sind dann wenigstens nicht überqualifiziert.



Rettungssanitäter und Patienten-Transport-Service-Mitarbeiter im Aufwachraum als qualifizierte Pflegefachkraft???? Die haben also gelernt Relaxans- oder Analgetikaüberhänge zu erkennen und adäquat zu reagieren, können beurteilen, ob die Menge in der Drainage normal ist oder nicht, und eine adäquate Schmerztherapie (eine der wichtigsten Aufgaben im AWR) können die sicherlich auch. All das haben sie sicherlich in ihrer 520-Std.-Rettungsdienstausbildung gelernt.

Mfg Obs-Pfleger

andreasuhl
24.04.2007, 12:31
Liebe Kollegen, da steckt ja mehr Zündstoff drin als ich dachte.Zum Glück trage ich keine Schlipse.

Um klare Verhältnisse zu schaffen :
Rettungssanitäter gehören in Krankenwagen oder ergänzend auf Rettungswagen.
Krankenpflegekräfte gehören in Krankenhäuser.
Anästhesiepersonal in Anästhesieabteilungen und Intensivpersonal auf Intensivstationen.

Auch wir arbeiten nach dem Vertrauensgrundsatz und was draufsteht muß auch drinsein. Trotzalledem gibt es ein Arzneimittelgesetz. Das besagt, daß nur der ein Medikament verabreichen darf der es auch selbst aufgezogen hat. Wir verfahren entsprechend und bereiten nach Möglichkeit unsere Medikamente selbst vor. Der Anästhesist der die Narkose führt ist verpflichtet das Gerät zu prüfen. Meist macht das aber doch die im Saal eingeteilte Pflegekraft und die kann dann dafür gerade stehen wenn irgend etwas nicht funktioniert.
Es ist und war schon immer ein besseres Gefühl zu sagen, daß habe ich vorbereitet oder gemacht und das war in Ordnung. Zu sagen ich habe das übernommen oder es war vorbereitet und ich glaube es war OK etc. ist immer zweite Wahl und Mittelmaß.
Ich galube nicht, daß deine Vorstellungskraft dafür ausreicht was unser Nachdienst so macht. In der Regel laufen zwei Säle bis Mitternacht und länger.
Da die Nacht bis 7:30 Uhr dauert ist also Zeit für diverse Arbeiten wie Kontrolle von Notfallwagen der Stationen, Aufbereiten von Narkosegeräten, wir haben ca 40 Geräte, Kontrolle von Materialien in dezentralen Lagern und Behandlungswagen, Kontrolle von Schockraum und Arbeitsplätzen im Diagnostikbereich etc, alles Dinge, die wir zu Zeiten des Bereitschaftsdienstes am Tage erledigten, da einfach mehr Personal im Tagdienst war. Dazu kommen administrative Arbeiten.
Du siehst, wir sind voll beschäftigt.
Rotation zwischen den Abteilungen wird immer wieder mit fadenscheinigen Begründungen wiederbelebt. Rotation führt zu keiner Verbesserung der Zufriedenheit, der Kontinuität und letztlich der Qualität. Wir haben oft Kollegen aus dem Intensivbereich bei uns zu Gast die " mal ein bisschen Narkose machen wollen". Die finden das so ganz schön, solange genug Personal vorhanden ist. Wird es eng sind diese Kollegen nicht mehr zu gebrauchen. Wie auch. Da fehlt einfach Erfahrung. Eine Ausbildung alleine macht noch keinen Spezialisten. Ich maße mir auch nicht an auf einer Intensivstation zu arbeiten und dort mal eben "ein paar Patienten zu machen."
Das ist auch ein hochkomplexer Arbeitsbereich mit anspruchsvoller Pflege, da kann ich nicht mal eben so und ganz nebenbei mitmischen, ich will das auch nicht. Ich bin im Anästhesiebereich und das ist auch gut so.

Ich weiß nicht wie lange du schon im Beruf bist, wenn wir alles so machen würden wie wir das schon immer gemacht haben dann würden heute noch OP - Schwestern den Anästhesisten helfen.
Wir haben uns über die Jahre etabliert und wir brauchen interessierte, engagierte und hochmotivierte Kollegen die im Anästhesiebereich arbeiten wollen. Die Trennung vom Intensivbereich war schon immer da und wird immer bleiben. Gerade neueste berufspolitische Entwicklungen zeigen das wieder auf. Und auch das ist gut so.
Weitermachen

Hanno H. Endres
23.07.2007, 06:57
Pflegerische Versorgung flexibel und weiterhin auf hohem Niveau
Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie im Pflegebereich jetzt in der Testphase


Nach der neuen EU-Arbeitszeitrichtlinie gelten Bereitschaftsdienste arbeitsschutzrechtlich grundsätzlich als Arbeitszeit. Die zulässige Höchstarbeitszeit pro Woche beträgt maximal 48 Stunden. Das deutsche Arbeitszeitgesetz sah eine Übergangsregelung für tarifliche Vereinbarungen bis zum 31. Dezember 2006 vor und gibt gleichzeitig die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen über die maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden hinauszugehen, das so genannte Opt-Out.

-> http://www.klinikum.uni-muenster.de/organisation/pulsschlag/ausgaben/2007/03_07/pflegerischeversorgungflexibel.php

Vinrouge
18.10.2007, 18:33
Hallo,
also in unserer Uniklinik wird das Arbeitszeitgesetz, welches die Baden-Württembergischen Unis ausgehandelt haben nun komplett umgesetzt. Und zwar auch ohne Opt-Out im Anästhesiepflegebereich. Dies hat sehr viele Haken und Ösen, welche auch bei objektiver Betrachtung nicht besser werden. Zuerst einmal haben wir Pflegekräfte keine realistische Chance mehr auf unsere Soll-Wochenstundenzahl von 39 Stunden zu kommen OHNE einen geleisteteten Bereitschaftsdienst in Arbeitsstunden umzufaktorisieren. Zu gut Deutsch: B-Dienst wird in Arbeitsstunde umgerechnet, der Arbeitgeber spart Kohle und der Angestellte ist der Arsch. Folge soll laut dieser pfiffigen Gewerkschaft VERDI sein, dass so mehr Stellen geschaffen werden. Dumm nur, dass unsere Stellen schon jetzt nicht mehr besetzt werden können mangels Bewerber (und die werden nicht mehr bei der neuen Dienstplanregelung), so dass die verbleibenden Restpfleger mit Überstunden, welche auch nicht Arbeitszeitkonform sind, es büßen müssen. Finanziell gesehen eine Einbuße von ca. 200.- Euro, Sozial gesehen eine Verschlechterung durch viele Spätdienste um die gestiegene Auslastung der Säale zu kompensieren. Der Frust steigt, die Motivation sinkt und zwar in einem Tempo, welches beängstigend ist. Die ärztliche Ober- und Chefarztseite ruft nun nach Arzthelferinnen für die Anästhesie. Der Karren wird an die Wand gefahren! :confused:
Schuld? Verdi, Personalräte und Verwaltung. Und eine Pflegelandschaft, die aus Tradition nicht in der Lage ist sich durchzusetzen, sich zu wehren.:wut:

arnold kaltwasser
05.12.2007, 10:13
und es geht weiter:

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30668

so long arnold

arnold kaltwasser
17.06.2008, 14:28
und es kommt dann doch irgendwie anders
:confused:
http://www.dkgev.de/dkg.php/cat/38/aid/5026

so long arnold

Elisabeth
17.06.2008, 15:17
Heißt das dann für unsere Kollegen auf den Basisstationen, dass der Doc wieder selbst aktiv wird bei so ungeliebten Tätigkeiten wie Blutentnahme, i.v. Medis usw.. Man darf gespannt sein.

Elisabeth

arnold kaltwasser
11.03.2014, 15:46
so hat man sich das sicher nicht vorgestellt:

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/assistenzaerzte-leiden-unter-arbeitsbedingungen-in-kliniken-a-955563.html

und hier das finde ich dann auch etwas extrem:
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arzt-in-polen-mediziner-arbeitet-175-stunden-nonstopp-a-957851.html

aber das ist auch Europa....
arnold

fridolin
11.03.2014, 18:32
Nebenbei bemerkt: ich habe noch nie einen Mediziner erlebt, der durch die Teilnahme an Visiten etwas gelernt hätte...

Es bleibt aber dennoch die Tatsache, dass mal so eben innerhalb von 5 Jahren 10.000 Mediziner zusätzlich eingestellt werden, während die Pflege im gleichen Zeitraum einen massiven Stellenabbau hinehmen musste. Haben wir bereits hier (http://forum.zwai.net/showthread.php?t=2106) und hier (http://forum.zwai.net/showthread.php?t=2105) diskutiert.

Die Behauptung, "Befristete Arbeitsverträge seien der Ursprung des Übels" ist meines Erachten zu kurz gegriffen.
Wollen doch gerade viele Mediziner befristete Verträge, um nach ihrer Ausbildung die Klinik für "höhere Stellen" (Oberarzt, Chefarzt) problemlos verlassen zu können bzw. sich niederlassen zu können.
Eher an die Wahrheit kommt da schon der Satz: "Eine Rolle könne auch die Geldgier mancher Ärzte spielen." Das scheint nicht nur auf Polen zu zutreffen, sondern auch auf die BRD. :mad:

Wenn diese Entwicklung so weiter geht, so ist Elisabeths Anmerkung durchaus berechtigt und wir müssen fragen, was wieder an die Ärzte "Rückdelegiert" wird.

Viele liebe Grüße
der den Inhalt der Artikel verwunderlich findende
fridolin

PFLEGE, wo bleibst DU nur?
PFLEGEKAMMER, warum wirst DU nur kontinuierlich verhindert?
PFLEGE, warum nur bist DU so duldsam?

arnold kaltwasser
08.05.2014, 13:45
und die ungünstigen Arbeitszeiten werden auch in anderen Berufen mehr:
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitszeit-jeder-vierte-jobbt-sonntags-und-an-feiertagen-a-968233.html
arnold