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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mitarbeiterrotation zw. Anästhesie+Intensiv



sempti
28.02.2005, 17:14
Hallo miteinander,
im Rahmen meines Bachelor-Studiums bin ich auf der Suche nach folgender Thematik:
Mitarbeiterrotation zwischen der Anästhesie.- und der Intensivabteilung
Wir sind ein kleines Haus der Grund.- und Regelversorgung. z.Zt. haben wir einen Stellenplan von ca. 20 Planstellen, davon sind 4 in der Anästhesie.
Nun habe ich den Auftrag bekommen, eine Rotation zwischen beiden Abteilungen zu etablieren. Der Grund dafür liegt in der Rufdienstabschaffung des Anästhesiepersonals.
Hat vielleicht jemand schon einschlägige Erfahrungen diesbezüglich gemacht, oder könnte mir jemand einen Tipp geben wohin ich noch meine Anfrage richten kann?
Vielen lieben Dank
Axel Jenk

R.Fischer
28.02.2005, 18:37
Hallo sempti!

Erst mal herzlich willkommen!
Leider kann ich Dir auch keine Klinik nennen, die eine solche Rotation praktiziert, kenne ich nur von der Fachweiterbildung.

Was mir nicht gefällt an der Sache ist die Rufdienstabschaffung der Anästhesieabteilung. Soll es dabei dann wirklich bleiben? Sollen keine Stellen abgebaut werden? Ist das Intensivpflegepersonal damit einverstanden nachts die zusätzliche Arbeit zu übernehmen. :confused:

Im Prinzip finde ich solche Rotationen immer gut, man kann sich besser aushelfen und lernt sich kennen und verstehen (es soll ja hie und da mal Differenzen zwischen Intensiv und Anästhesie geben [wer den CT-Transport macht?-Wir jedenfalls nicht, sollen doch die anderen...]). :motz:

Also prinzipiell gut, man muß denke ich nur aufpassen, daß man sich damit keinen Selbstschuß leistet.

Viele Grüße aus Schwaben...
Rainer.

arnold kaltwasser
01.03.2005, 07:47
am besten an Regensburg wenden, Herr Sabel von der inneren Intensiv hat in Bremen vor ca. 3 Jahren eine Befragung und Erfahrungsberichte auf dem Bremer Intensivkongress vorgetragen
so long arnold

Derweissehai
01.03.2005, 12:32
Hallösche Sempti,
In unserem Haus wird jetzt ab 1.3 eine Rotation zwischen ICU & Anästhesie gestartet.Die Rotation ist noch auf freiwilliger Basis geplant, und wird pro Monat in einem 2 Wochenzyklus durchgeführt. Für meine Begriffe etwas zu kurz, aber es ist ja auch ein finanzieller Faktor für viele Mitarbeiter da im moment der Bereitschaftsdienst noch gutes Geld verspricht.Ausserdem so blöd der Nachtdienst auf ICU ist bedeutet er für die betreffenden NW Urlaub und Schichtzulagen.

Es ist ganz erstaunlich das mehr Leute als erwartet interesse an dem Einsatz in dem anderen Fachgebiet zeigen.Es gibt keine Vorraussetzung oder Vorabbedingung für die Rotation wie z.B.: einen Fachkurs. Aber ich bin der Meinung das Kollegen mit Fachkurs doch mehr von der Rotation profitieren. Andererseits ist eine geniale Möglichkeit einen Schnupperkurs für die Weiterbildung anzubieten. Trotzdem glaube ich das 2 Wochen einfach zu kurz sind, um eine Routine im jeweils anderen Arbeitsbereich zu entwickeln.

Eine andere wesentliche Neuereung ist das der AWR seit dem 1.1.05 mit einer Stelle von der ICU mitbesetzt wird.Praktisch sieht das so aus das jeder Mitarbeiter von ICU in dem Dienstplan für 1 Tag im AWR geplant ist.

Ich selbst rotiere seit einem Jahr regelmäßig mit einer Kollegin, wir haben in Absprache mit unseren jeweiligen Stationsleitungen einen anderen Rotationszyklus. Ich gehe alle 3 mon für 4 Wochen in die Anästhesie und meine Kollegin geht für mich auf ICU.Wir sind soweit das ich Bereitschaftsdienste und Rufdienste übernehmen kann und meine Kollegin kann Nachtdienste und Schichtleitung übernehmen.Insgesamt bietet für uns beide die Rotation bis jetzt nur Vorteile, da unsere primäre intension ist das Knoff-Hoff in dem anderen Bereich zu bewahren.

Für mich ist die Rotation auch eine gute Gelegenheit mal aus dem Team der ICU rauszukommen, der Vorteil ist halt das ich in der Anästhesie noch nicht so in die lästigen Administrativen Aufgaben eingebunden bin die ich sonst auf Station habe.

Ich kann nur sagen die Rotation hat sehr zu meiner Arbeitszufriedenheit beigetragen, da sich dadurch auch andere Gelegenheiten für mich ergeben haben wie jetzt z.B.: ein Interplast-Einsatz in Paraguay.

Ciao Aaron

Tempo
01.03.2005, 12:51
Hallo Aaron!
Davon träume ich auch. Ein Krankenhaus mit funktionierender Rotation ICU - Anä! Bei uns wäre soetwas undenkbar weil die Kollegen in der Anästhesie zum großen Teil schon ein bischen zu alt, vor allem aber gar nicht willens sind zu rotieren. Der letzte Einsatz einiger Kollegen auf der ICU dürfte Jahrzehnte her sein ( umgekehrt natürlich genauso ).
Ich glaube auch, daß in der Rotation viel Potential liegt und durchaus für die eigene Arbeitszufriedenheit dienlich sein kann!

sempti
02.03.2005, 13:35
am besten an Regensburg wenden, Herr Sabel von der inneren Intensiv hat in Bremen vor ca. 3 Jahren eine Befragung und Erfahrungsberichte auf dem Bremer Intensivkongress vorgetragen
so long arnold

Hallo Arnold,
vielen Dank für Deinen Tip, werde mich mal dort in Regensburg "umschauen"..
Viele Grüße
Axel :danke:

andreasuhl
15.03.2005, 11:05
Hallo alle zusammen, es ist immer wieder schön zu sehen,daß der Dauerbrenner Rotation den Versuch startet zum Flächenbrand zu werden.
Diese Bestrebungen begleiten mein Berufsleben jetzt schon über 20 Jahre.
Ich glaube nicht, daß wir zu alt sind oder vielleicht unzu unflexibel um Rotationen so viel gutes abgewinnen zu können. Meine Erfahrung ist, daß Rotation immer dann ins Gespräch kommt wenn der billige Jakob gesucht wird.Multifunktionelles Personal für alle Bereiche.
Wenn wir heute Qualität definieren wollen und das über Qualifikation, Standardisierung und Fallzahlen dann werden wir besonders bei den Fallzahlen ein Problem bekommen.
Ein bisschen Intensiv und ein bisschen Anästhesie geht nicht!
Und dann für alle im Anästhsiebereich noch ein bisschen OP-Pflege und für die OP-Kollegen noch ein bisschen Anästhesie und dann wirds rund.
Der Betriebswirt wird sich freuen wenn wir mit diesem Vorschlag kommen.
Ich lehne Rotation ab und behaupte, daß wir in unseren spezialisierten Arbeitsbereichen hochkompetente, engagierte Mitarbeiter benötigen. Dies ist nur zu erreichen wenn die Mitarbeiter über eine qualifizierte Ausbildung verfügen und eine mehrjährige Berufserfahrung besitzen. Wenn dann noch die Überalterung der Abteilung vermieden wird haben wir eine hochkompetente Abteilung die ihr gesamtes Wissen weitergeben kann.
Ich bin dafür, daß Kollegen aus anderen Bereichen und eigene Mitarbeiter jederzeit in anderen Abteilungen des Hauses hospitieren können. Das verbessert unbestritten die Kommunikation und das Verständnis für die Tätigkeiten der Kollegen.
Ich kann nur davor warnen dem billigen Jakob die Hintertür zu öffnen.
Unsere Fachbereiche sind noch jung und haben sich ihren Stellenwert erst erarbeitet.Wollen wir das alles jetzt schon wieder aufgeben?

Tempo
15.03.2005, 13:18
Moin Andreas!
Das sehe ich aber anders! Wir leben in einer Zeit wo es mit der Arbeitsdichte immer übler wird und Stellen abgebaut werden. Wenn z.B. in einem ohnehin schlecht besetzten Bereich Leute ausfallen ( neulich in der Anästhesie bei uns ), warum sollte dann nicht ein anderer Bereich ( Intensiv ) den Ausfall mitkompensieren! Hätte es bei uns ein funktionierendes Rotationssythem gegeben, wäre das überhaupt kein Problem gewesen! Die Zeiten "Ihr macht das, wir machen dies" sind vorbei!
Qualität definiert sich Heute auch darüber wie flexibel ein Haus auf personelle Engpässe reagiert und gleichzeitig ein hohes Maß an Qualität gewährleistet!

Markus
15.03.2005, 23:45
Stimmt!

Die Zeiten wo jede Abteilung ihr eigenes Süppchen kochte und alleine klar kommen musste, sind vorbei.

Ich arbeite in einem großen Haus mit 9 Intensivstationen. Seit 2 Jahren ist es an der Tagesordnung, daß man sich bei Engpässen gegenseitig hilft. Nun wollen wir mit der Rotation langsam beginnen. Kernteams bleiben in jeder Abteilung erhalten, um die Qualität zu sichern.
Das die Anästhesie dazu kommt ist nur noch eine Frage der Zeit.

Die meisten Mitarbeiter sehen das durchaus positiv, weil nämlich nicht mehr ständig zuhause das Telefon geht ... "kannst Du heute ...???"

Markus

madison
16.03.2005, 13:08
Seehr diffiziles Thema....
Die bisherigen Argumente sind allesamt nachvollziehbar!

Ich arbeite in einer Anästhesieabteilung mit 14 Planstellen, von diesen Planstellen sind 3 Stellen mit 6 Mitarbeitern besetzt, die sehr unterschiedliche Stundenzahlen arbeiten. Ausserdem teilen sich 2 Mitarbeiter eine Stelle und rotieren von dort 14-tägig zwischen Anästhesie/ Intensivstation.
Wir versorgen 9 OP-Säle, noch dezentral über 3 Etagen verteilt, plus den Aufwachraum mit 15 Plätzen max.

Immer stärkere Arbeitsbelastung,sowieso unterschiedlicher Motivationsgrad sorge in letzter Zeit für immer mehr Spannungen, Anstieg der Krankheitstage usw....

Die 14tägige Rotation empfinde ich als zu kurz, die mitarbeiter möchten den rhythmus gerne beibehalten, und in den vollen genuss der vorteile beider abteilungen kommen. Verständlicherweise.

In ca einem Jahr beziehen wir den im Bau befindliche Zentral-OP, erste Andeutungen bezüglich personalplanung lassen nichts gutes ahnen. Die PDL ist auf dem Weg zum 'Multifunktionspersonal - Anästhesiemitarbeiter sollen OP-Pflegeaufgaben mit übernehmen.
Da ist für mich die Vorstellung einer Rotation zwischen Anästhesei/ICU und Intermediate-Care eher vorstellbar - das geringre übel sozusagen.
Insgesamt ist mein Fazit aus unserer jetzigen Situation eher negativ, mir fehlt es an Zugehörigkeitsgefühl zum jeweiligen Bereich und die Qualität wird vermutlich auch leiden, wenn immer weniger Personen die technische Ausstattung im Griff haben.

Ist das zu pessimistisch? zu wenig flexibel? zu wenig veränderungsbereit?
:confused: madi :confused:

Derweissehai
16.03.2005, 23:30
Hallösche,
Ich kann auch nur den vorher genannten Argumentationen zustimmen, die Rotation kann natürlich für den Betriebswirt, einen Vorteil für die Planung des Personal Schlüssel dienen. Aber ich halte das für falsch, und bin der Meinung das es eben dann an uns Pflegekräften liegt klar zu machen das ein gewisser Stellenschlüssel eben einfach notwendig ist und bleiben soll, um die Qualität der geleisteten Arbeit halten zu können und noch zu verbessern.Aber da müssen wir eine entsprechende Präsenz zeigen.Die Zugehörigkeit zu den Teams geht nicht flöten im Gegenteil !! Ich gehöre halt jetzt zu zwei Teams, was ich sehr erfrischend finde.

Madison möchte ich gerne zustimmen das der Rotationszyklus von 14 tagen einfach zu kurz ist. Mein Rotationsrhythmus von 4 Wochen pro Quartal erscheint mir als sehr gut gewählt da ich mich in der Anästhesie doch ganz gut eingearbeitet fühle und auch ein gutes Feedback von dem Team der Anästhesie bekommen habe.

Durch die Kontinuität der Rotation habe ich mir inzwischen eine ganz gute Routine drauf schaffen können, so das ich mich auch inzwischen sicher fühle. Zu den Geräten kann ich nur sagen das man ja auch von der rechtlichen Seite her verpflichtet wird eine Einweisung vorzuweisen und einen sicheren Umgang ! Ich gebe zu das es viel arbeit ist sich die ganzen unterschiedlichen Geräte drauf zu schaffen, aber es gehört numal dazu.

Sicherlich ist es notwendig das Kernteams erhalten bleiben müssen, aber dadurch das nun beide Leitungen noch mehr miteinander Kommunizieren müssen, ergibt sich der Engpass nicht zwingend. Ausserdem können durch die bessere Kommunikation manche unvorhergesehenen Probleme auf dem kleinen Dienstweg gelöst werden, wie z.B. : Geräte (Perfusoren) aussborgen wenn was ausgefallen ist etc...

Ich kann nur noch mal betonen das ich die Rotation als sehr bereichernd empfinde.

Ciao Aaron

andreasuhl
22.03.2005, 09:49
OK. die Argumente sind ja nicht von der Hand zu weisen, es bleibt jedoch immer der personalsparende Grundgedanke und das ist der bedrohliche Faktor.
Fahre ich meine Personaldisposition derart knapp, daß der Ausfall von einzelnen Mitarbeitern zur Einschränkung der Patientenversorgung führt muß reagiert werden.Ob dies der richtige Weg ist, multifunktionelles Personal in den Bereichen vorzuhalten, ist strittig. In den OP-Bereichen wird derzeit, meist durch Meinungen einzelner Kongreßtouristen untermauert, eine Verschmelzung der Tätigkeiten der OP-Mitarbeiter und der Anästhesie propagiert. Das ist die Situation die vor gut 20 Jahren oft anzutreffen war. Wir haben in mühevoller Kleinarbeit über Jahre unsere Positionen als Anästhesie und OP - Personal gefestigt und eine Trennung der Arbeitsbereiche erarbeitet. Das schließt nicht aus, daß insbesondere im OP-Saal auch Abteilungsübergreifend gearbeitet wird. Ich kenne kaum einen OP-Bereich wo der Op-Springer nicht gelegentlich durch den Mitarbeiter der Anästhesie ersetzt wird. Gerade im Notfall hat sich dies bewährt, wenn Anästhsiepersonal Kenntnisse über die Tätigkeit des Springers hat und umsetzt. Dies hat jedoch nichts mit Rotation gemein sondern gehört zum ganz normalen Miteinander im Sinne einer optimalen Patientenversorgung. Nun wird daraus der Schluß gezogen, daß der OP-Springer durchaus komplett durch den Anästhesiemitarbeiter ersetzt werden kann. Das ist einfach die Discount-Lösung, billig geht besser und erhält Stellen wird uns beigebracht.Wollen wir das? Ist das sinnvoll?
Verschmelze ich jetzt die Arbeitsbereiche Intensivpflege und Anästhesie durch Rotation so ist eine Bedarfgerechte Einsatzplanung der Mitarbeiter unter einer optimalen Auslastung der Kopfzahl das Ziel. Als Dienstvorgesetzter, optimal ist dann eine pflegerische Leitung, kann ich dann tagtäglich mit einem Minimum an Personal die Arbeitsplätze bedarfsgerecht besetzen.
Wollen wir das? Wer hat eine Benefit davon?
Das Verständnis und die Wertschätzung der Mitarbeiter zueinander lässt sich nicht erzwingen. Dies muss bei jedem einzelnen von innen heraus wachsen. In allen Bereichen wird mit viel Fachkompetenz und Engagement eine hochwertige Patientenversorgung durchgeführt. In den meisten Fällen haben sich die Kollegen frühzeitig für einen Weg entschieden und das ist nun mal der Arbeitsbereich Anästhesie, Intensiv oder OP etc.
Ein hochmotivierter Mitarbeiter in seinem Arbeitsbereich ist nicht zwangsläufig, nur weil die Ausbildung gemeinsame Wurzeln hat, in einem anderem Bereich gleichfalls motiviert. Hier muß einfach die individuelle Eignung und der Wille berücksichtigt werden.
Rotation muß von unten kommen und nicht aufdiktiert werden. Ist der Wunsch eines Kollegen groß im Nachbarbereich zeitlich begrenzt zu arbeiten so sollte das, ggf. auch im Austausch, ermöglicht werden.
Unser Ziel muß weiterhin eine optimale Personalausstattung sein.
Die Personalberechnung muß, auch unter dem Diktat der leeren Kassen so üppig sein, daß Ausfälle aus der Gruppe heraus kompensiert werden können. Wir haben über die Jahre daran gearbeitet hochprofessionelle Teams in den Arbeitsbereichen zu etablieren. Dies hat sich bewährt und birgt die Option die Patientenversorgung zu garantieren ohne auf andere Bereiche zuzugreifen.

Kurzum, ich lehne Rotation ab bin jedoch für Austausch und abteilungsübergreifende Tätigkeiten offen.

R.Fischer
22.03.2005, 18:20
Hallo Andreas!

Ja, aber wie soll das denn gehen mit Austausch ohne vorherige Rotation? :confused:

Bei uns klappt das mit dem Aushelfen immer gut mit den Fachweiterbildungsteilnehmern, die erst vor relativ kurzer Zeit in unserer Abteilung waren.

Auch ich glaube, daß die Zeiten vorbei sind, in denen jeder nur auf seine Abteilung schauen kann. Und da bisher ja die Weiterbildungen miteinander gekoppelt sind finde ich eine solche Rotation Intensiv/Anästhesie immer noch sinnvoller als mit dem OP-Fachpersonal.

Ich bin der Meinung, es erweitert den Horizont eines Jeden, auch mal über den Tellerrand zu gucken. :wow:

Was ich wie oben schon erwähnt ebenfalls als Problem sehe ist die Sache mit dem Stellenabbau. Da muß man schon arg darauf achten, sich kein Kuckucksei ins Osternest zu legen.

Aber ansonsten find ich's gut...

Viele Grüße aus Schwaben,
Rainer.

andreasuhl
30.03.2005, 12:32
Hallo Rainer, bin ja ne Antwort schuldig.
Bei allen Rotationsbemühungen sollten wir doch unsere Qualifikation und Stellenbemessung nicht aus dem Auge verlieren. Es gibt nun mal eine Vielzahl an Tätigkeiten die nur eine kompetente Kraft im jeweiligen Bereich ( Anästhesie und Intensiv) selbstständig und eigenverantwortlich ausführen kann. Die Rotationsbefürworter sprechen auch immer von Kernteams die erhalten bleiben sollen und den Rotierenden die dann überall einsetzbar sind.
Ich setzte auf eine Gruppe engagierter Kollegen die Anästhesie von A - Z beherrschen. So einen Mitarbeiter kann kein Kollege aus einer anderen Abteilung ersetzen und umgekehrt geht dies auch nicht.
Trotzdem ist Austausch möglich. Es gibt gemeinsame Fortbildungen und andere Veranstaltungen, Hospitationen in anderen Bereichen können jederzeit durchgeführt werden.Aber unter der Prämisse einer entsprechenden Personalbemessung und nicht aus der Not heraus.
Ich verstehe die regionalen Probleme einiger Krankenhäuser die mit einem Minimun an Kernpersonal arbeiten. Kommt es dort zu Ausfällen muß natürlich reagiert werden.Dort ist es naheliegend auf Mitarbeiter zurück zugreifen die gerade im Rahmen der Weiterbildung in der Abteilung tätig waren.
Ich muss aber auch sagen, daß ich diese Situation nicht kenne. Wir haben unseren Anästhesiebetrieb so organisiert, daß wir, und ich spreche hier von einem Zeitraum von 17 Jahren, noch nie Hilfe benötigten und das ohne je einen Mitarbeiter aus dem Frei oder Urlaub geholt zu haben.

Betreff der Arbeit im OP will ich nicht Mißverstanden werden. Eine Übernahme der Arbeit der OP-Mitarbeiter oder gar eine Rotation lehne ich auch ab.
Ein OP-Saal muß mit ausreichend Personal besetzt werden. Im Notfall aber, und das kennen alle, muß auch der Anästheisemitarbeiter in der Lage sein Springertätigkeiten zu übernehmen.Gleiches gilt für PErsonalausfall im Op und dem Willen, das geplante OP-Programm auch durchzuführen. Hier gibt es viele Erfahrungen mit einem OP-Springer für 2 Säle und die Anästhesiemitarbeiter unterstützen diesen Kollegen usw.

Bei allen Sparzwängen und Überlegungen sollten wir nicht die ressource Abteilungsinterne Reserve aufgeben oder vergessen. Niemand schafft die Feuerwehr ab nur weil es nicht ständig brennt.

R.Fischer
04.04.2005, 18:00
Hallo Andreas!

Ich glaube, im Grunde kommen wir auf dasselbe Ergebnis heraus:

a) ein fester Kernstamm muß sein

b) eine bestimmte Anzahl an Rotationsmitarbeitern ist tolerabel

c) Rotation mit OP- Mitarbeitern ist schwieriger zu realisieren


That's all right?

Gruß,
Rainer.

WomBat
04.04.2005, 23:40
Wertes Forum,

Die Diskussion (und Qualitat :) um neumodisch zu reden) finde ich sehr interessant, obwohl ich es schwierig finde, eine eindeutige Position zu beziehen. So vieles spielt hier eine (kleinere oder größere) Rolle. Ich lege einfach mal los, ohne eine bestimmte Ordnung. Was ist alles zu bedenken?

- Die Arbeit/Anforderungen* im OP selbst ist/sind nicht sofort vergleichbar mit der Arbeit/Anforderungen auf einer Intensivstation. Daher könnte man dagegen sein im "Dauerhaften" Sinne (gleichzeitig ist bei uns traditionell die Weiterbildung auf diese Bereiche ausgerichtet, sowohl bei Pflegenden wie bei den Ärzten). Im englisch-sprachigem Raum ist es fast zur Gewohnheit geworden, das AN und OP sich gegenseitig stark unterstützen -wobei die Intensivstation eher ausgelassen wird - es ist halt ein "bestimmter Bereich", dieser OP-Betrieb, wie auch die ITS ein "bestimmter Bereich" darstellt. (* ich distanziere mich hier bewußt von Tätigkeits-orientierten Beschreibungen, weil ich glaube, dadurch landen wir in der Sackgasse. Die Beschreibungen der "Arbeit, der Anforderung - nötigen Kompetenzen usw., insbes. der "Benefits für den Leistungsempfänger" brauchen andere, ich nennen sie mal Merkmale...wie wir das bisher kennen, haben, wollen, wie auch immer.)

- Wer außer "uns" ("die I + A'ler oder die A + I'ler") soll auf Intensiv "rotieren"? Glaube nicht, das die OP-Leute... :wow: Hier besteht bei dem "Dagegen sein" eine gewisse Gefahr, die von A.Geber Seite schonmal als "Verweigerungshaltung" - gegen moderne Betriebsführung usw. - bezeichnet werden könnte....(Argumentation: Weiterbildung). Auch stellt diese eine absolute Kontraindiktion für die bisherige Form der WB dar. Es ist schlicht ein Dilemma.

- Im Sinne der sog. Pflegetheorie, voran P. Benner, ist es eher nicht sinnvoll (siehe Literatur) Personal zwischen Abteilungen "so" einfach auszutauschen. Besonders wenn es um "Pflegequalität" geht, was nichts anderes heißt: "Wie profitiert der Patient davon, dass Pflegende zu Experten ihres Fachbereichs - und damit Pro Patient - werden?" Ganz einfach ausgedrückt, :) wie läßt sich die besondere Leistung dem Patienten gegenüber erklärbar - spürbar machen? Ist es für sie/ihn spürbar (messbar), ob er von jemanden "betreut" wird, der immer do is', oder der hin-und-her-hüpft? Dazu fällt mir ein gewichtiges Argument für mögliche Andere ein: die WB. Ja. Wir können das, wir haben es gelernt. Diese Argument könnte uns um die Ohren gehauen werden. So etwas wie Beweislast.

So viel dazu. Konzepte? Kompromisse sind nicht immer gut, nicht immer schlecht. Von langfristiger Bedeutung finde ich die "mainstream" Meinung, siehe Internationales (Global), nicht weil ich sie unbedingt besser finde, sondern schlicht, das ist was oft kommt. Ob ich will oder wir wollen oder nicht, spielt nicht unbedingt eine Rolle. Wege suchen, unsere Identität (siehe Leiniger - Diversität) zu behalten und gleichzeitig den Anforderung in einem sich veränderndem System gerecht zu werden. Ich werde lieber dem Patienten gerecht. Der Verwaltung oder einer anderen Berufsgruppe zu dienen habe ich schon vor langer Zeit abgelegt.

Macht hat, wer macht. (habe ich nicht erfunden, sondern gelesen)

WomBat

scorpina71
11.04.2005, 15:09
Moin!!
Ich habe in einem Haus gearbeitet, in dem es eine Rotation zwischen 2 Anästhesieabteilungen und 2 Intensivstationen gab. Im Prinzip eine nette Sache- vor allen Dingen, da man im jeweiligen Fachgebiet zuhause bleibt. Rotiert wurde alle 3 Monate; wohin, da hatte man ein gewisses Mitspracherecht. Der Haken war, daß sie Rotation für alle außer den Leitungen Pflicht war- und es soll ja Leute geben, die auf das eine oder andere keinen Bock haben (aus welchem Grund auch immer). Das war auch für mich einer der Gründe. mich nach was neuem umzusehen.
Von der Grundidee her ist die Rotation aber schon sinnvoll, weil so auch das Verständnis für "die anderen" und deren Arbeit da ist. aber dann bitte auf überwiegend freiwilliger Basis!! Die meisten Kollegen haben sich nicht ohne Hintergedanken für das eine oder andere entschieden.
Zum Thema Rufdienst abschaffen: Dies ist in meinem alten Haus "erfolgreich" praktiziert worden, die Intensiv muß im Dienst Aufwachpat. betreuen und im Notfall - Parallel-OP -aushelfen. das klappte eigentlich ganz gut.
In diesem Sinne
Viel Erfolg

Pro-Po-Fol
12.04.2005, 17:15
Hallo, Sempti.

Ich glaube zu wissen, dass die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Frankfurt/Main, Friedberger Landstrasse 430 dieses Modell praktiziert. Kannst dich ja mal dahin wenden.

Gruß
Osti

fridolin
26.04.2005, 19:30
....Von der Grundidee her ist die Rotation aber schon sinnvoll, weil so auch das Verständnis für "die anderen" und deren Arbeit da ist. aber dann bitte auf überwiegend freiwilliger Basis!! ....
Hallo, liebes Forum!
scorpina sagt eben meine Meinung. :mosh:
Aber: Spezialisten werden auch in jedem Bereich benötigt. Dadurch wird die Rotation sinnvoll begrenzt; außerdem ist es sinnvoller, die Fachweiterbildungsteilnehmer rotieren zu lassen (sie müssen es aus Ausbildungsgründen) als das Stammpersonal, da sonst eine sinnvolle Anleitung eben dieser Fachweiterbildungsteilnehmer nicht mehr oder fast nicht mehr möglich ist.
Viele Grüße
fridolin

Flodders
17.06.2008, 13:52
Ich stehe dem ganzen Thema sehr gespalten gegenüber. Einerseits denke ich, für was brauch ich so ne breitgefächerte Ausbildung, wenn ich dann nur auf der IMC arbeite. Andererseit merke ich jetzt während der Rotation im Rahmen der fachweiterbildung, dass es schon relativ lange dauert, bis man richtig eingearbeitet ist. Auch die Teamzugehörigkeit leidet.
Brauchen wir in der Pflege die "Eier legende Wollmilchsau", oder müssen auch wir uns immer mehr spezialisieren, so wie unsere Ärzte?
Steffi

fridolin
17.06.2008, 19:44
Liebe Flodders, liebe Steffi, liebes Forum!
Ja, wir brauchen sie in der Pflege dringlicher denn je, die "Eier legende Wollmilchsau". Denn wenn wir unter den derzeit gegebenen politischen Vorgaben mit gefährlich geringer Pflegepersonal noch sichere und halbwegs gute Pflege ohne extrem hohen Adrenalinspiegel der Pflegenden leisten wollen, so kommen wir an einer großen Flexibilität der Pflegenden nicht herum. Soll praktisch bedeuten: heute pflege ich auf der Gyn. und Morgen auf der Inneren.
Die chirurgische oder internistische Schwester (bzw. Pfleger) gibt es dann nicht mehr.
Und nein, wir können nicht alles können. Den bzw. die "Universalistin" gibt es nicht.Von dieser Illusion müssen wir uns ebenfalls verabschieden.
Und jetzt wollt ihr sicherlich eine Lösung haben?
Nein, die habe ich nicht!
Eine Rotation zwischen ICU und IMC ist sicherlich wichtig und richtig - schon alleine aus Ausbildungsgründen (kann ich näher erläutern, wenn gewünscht), aber eine Rotation außerhalb der Fachweiterbildung zwischen ICU und Anästhesie ist bei derzeitigen Personalstand nicht sinnvoll, da nicht gewährleistet werden kann, dass der rotierende Mitarbeiter auch tatsächlich zusätzlich ist und einen erfahrenen Mitarbeiter der aufnehmenden Abteilung an der Seite hat - nach Möglichkeit einen Praxisanleiter.
(Siehe mein Statement vom 26.04.2005; ist noch aktuell)
Viele liebe Grüße
fridolin

Anke F.
19.06.2008, 09:01
Danke Fridolin für dein Statement, würde ich gerne unserer Stationsleitung und Pflegedienstleitung mal um die Ohren hauen.:mosh:
Die sind der Meinung das, das Universalgenie, dem Fachidioten vorzuziehen ist.

Somit geraten bei uns KollegenInnen unter hohen Druck mit der Rotation klarzukommen.

LG Anke

fridolin
19.06.2008, 09:50
Liebe Anke F.
es sei Dir erlaubt.
Sicherlich ist es kein Trost für die Betroffenen, aber das pflegerische "Universalgenie" wird zur Zet in vielen Kliniken gesucht und die KollegInnen inbesondere der sog. "Normalstationen" drehen teilweise am Rad - andere Station, selbes Material, andere Lagerort, andere Erkrankung, andere Formulare etc.
Rotation zwischen Anästhesie und Intensivmedizin ist zwar durch die Fachweiterbildung gegeben (schließlich dürfen wir uns danach Fachkrankenpflegepersonal für Anästhesie und Intensivmedizin nennen), jedoch durch die beschränkte Personalsituation nur bedingt sinnvoll.
Viele liebe Grüße
fridolin