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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : der gestresste intensivpatient



angiojo
05.01.2005, 21:36
hallo !!!
ich schreibe eine facharbeit über den gestressten intensivpatienten und bräuchte noch literaturhinweise oder informationsmaterial über die wahrnehmung sedierter und, oder komöser patienten.

vielen dank, angiojo

Ambu das Beuteltier
05.01.2005, 21:49
Hey jo,
leg dich doch mal nen Tag dazu und schreib´mit...

aber bitte vergiss die Sedativa nicht!

hehe...


also nochmal ernsthaft ich glaube die größte Problematik liegt doch darin das ein Intensivpatient sich in seiner Situation nicht mitteilen kann und alle die ans Bett kommen irgend etwas Faseln war ihn/sie gar nicht interessiert, geschweige denn hören will oder gar nicht erst versteht (wenn überhaupt mal einer mit ihm/ihr spricht).
Viel Erfolg, T.

Pimboli
06.01.2005, 20:23
Guck mal in "Praxis der Intensivbehandlung", da hab ich mal was dazu gelesen. Wenn ich mich genau erinnere hat das Beuteltier mit seinen Ausführungen recht. Die Patienten realisieren nicht das was Du sagst, bzw. fehlinterpretieren das Gesagte.
Wir haben damals mal eine kleine Umfrage unter ehemaligen Intensivpatienten (also ehemals Sedierten) gemacht. Ziel war die Fragestellung, ob die sich an irgendwas erinnern. Resultat war, dass sich 95 % an überhaupt nix erinnerten. Die übrigen 5 % erinnerten sich daran, das es immer ziemlich kalt auf der Station war. Wir führten das auf fiebersenkende Maßnahmen während des Intensivaufenthaltes zurück und stellten diese ein, bzw. betrieben diese rein medikamentös. Auch wurde strikt vermieden Intensivpatienten nur mit einem Laken zuzudecken. Bei einer Wiederholungsbefragung hatten wir dann 100 % Patienten die nichts mehr wußten. Anscheinend ist der Kältereiz ein besonders einschneidendes Erlebnis für Intensivpatienten.

Lotus
06.01.2005, 23:32
Hallo Angiojo

In dem Buch Fokus Intensivpflege werden verschiedene
Patientenerlebnisse auf Intensivstation dargestellt.
Die Patienten wurden ca. 3 - 6 mon. nach Intensivaufenthalt interviewt. Erhältlich im Schlüterverlag.
Im Handbuch der Intensivpflege könntest du vielleicht auch was zu dem Thema finden.
Ich wünsch dir viel Spass beim erstellen deiner Facharbeit. Ich finde deine gewähltes Thema super.
Lotus

:jubel: :jubel:

Hanno H. Endres
07.01.2005, 06:59
Hallo.

Im Anästhesisten 2003; 52: 814-817 (http://springerlink.metapress.com/app/home/contribution.asp?wasp=1b2lqprtrn6q96t7cqwy&referrer=parent&backto=issue,9,13;journal,17,143;linkingpublicatio nresults,1:100461,1) hat ein Arzt seine Erlebnisse als Intensivpatient veröffentlicht.

Im intensiv-Ticker, Ausgabe 5/2003 (http://www.thieme-connect.de/ejournals/toc/intensiv/2741) haben wir folgendes dazu geschrieben:


Sehr eindrucksvoll schildert der anonyme Autor vor allem seine Wahrnehmungen in den ersten Aufwachphasen: Eine zentrale Rolle nimmt dabei ein 40 cm breites mühlsteinartiges Halbrad ein, das sich lautlos an der Wand auf- und abbewegt und damit den Bewusstseinszustand beeinflusst.

Ärzte und Pflegende der Station wurden dabei als Androiden mit wächserner, organgefarbener Haut, stets identisch frisierten schwarzen Haaren und fünfeckig glitzernden Augen wahrgenommen. Als besonders belastend hat der Autor dabei die beiden immer wiederkehrenden Floskeln empfunden: „Die eine lautete ‚das sieht ja ganz gut aus‘, während die andere ‚ich bin gleich wieder da‘ hieß. Nach der ersten Floskel konnte ich [...] meine Umgebung weiter wahrnehmen. Nach der zweiten Floskel hatte das Halbrad die Decke erreicht [...].”

Auf der Suche nach Orientierungshilfen und Interpretation seiner Wahrnehmungen glaubt der Patient zwar ansatzweise, sich auf einer Intensivstation zu befinden, kann jedoch die vielen Unstimmigkeiten nicht einordnen: „Androide, sich bewegende Decken, Zwerge mit seltsamen Geräten, fast extraterrestrisch anmutendes blaues Licht, seltsame Geräusche hinter meinem Kopf, das halbe Rad, mein von mir nicht zu beeinflussender Wachzustand, die Bewegungslosigkeit und vieles mehr”, so dass er sich letztlich in einem Raumschiff einer hoch zivilisierten Kultur glaubt, in dem Robotermenschen für ihn sorgen.

Auch nach der Extubation verlieren sich seine Gedanken ständig in Widersprüchen: „Später kam ein neuer, männlicher Android, wieder mit orangener Haut und schwarzen Haaren und diesem seltsamen Glitzern in den Augen, der sich offensichtlich mit mir beschäftigen sollte. Er war ausgesprochen freundlich und erzählte etwas von ‚Hubschrauber‘ und ‚Verlegung zur Uniklinik‘, wo ich jetzt auf der Intensivstation sei. Er begann, mich zu waschen. Ich hob die Hand und erstarrte: Sie war aufgequollen und - orange. [...] Auf die Frage, wo meine Freundin sei, bekam ich zur Antwort, dass sie auch in der Stadt sei und jeden Tag vorbeikommen würde. Ich war aber völlig allein und Besuch hatte ich nicht gehabt. Außerdem: Was sollte meine Freundin in einer fremden Stadt, mehrere hundert Kilometer von zu Hause entfernt? Was hatte man mit mir gemacht? Wieso war die Intensivstation mit Androiden bevölkert?”

In der Einleitung des Artikels betont Prof. Larsen (Homburg/Saar), dass einfühlende Zuwendung, häufige Kontaktangebote und ausreichende Unterrichtung über Behandlungs- und Pflegemaßnahmen zu den wesentlichen Maßnahmen von Ärzten gehören. Da aber „die meisten Ärzte über keinerlei eigene Erfahrungen als Intensivpatient verfügen, fällt ihnen bereits der erste grundlegende Schritt, die Einfühlung in die Wahrnehmungssituation des Patienten und das Erkennen seiner Bedürfnisse, häufig sehr schwer” [Anästhesist 2003; 52: 814-817].

hhe

Hope it helps,

hhe

arnold kaltwasser
10.01.2005, 14:19
siehe auch Frau Anbeh ...
unter www.getas.de infos ... ist eine kurze Zusammenfassung.
Grüße aus dem sonnigen Süden
Arnold