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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kontinuierliche oder diskontinuierliche Sedation von beatmeten PatientInnen



Sabine Rüdebusch
28.12.2004, 12:15
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachdem ich eine Studie im New England Journal of Medicine gelesen habe, welche sich mit den Auswirkungen der kontinuierlichen bzw. tagsüber unterbrochenen Sedation des beatmeten Patienten auseinandersetzt
( guckst Du hier: http://content.nejm.org/cgi/content/short/342/20/1471 ), möchte ich gerne wissen, wie das Sedationsprocedere " quer durch die Republik " gehandhabt wird.

Ich bin gespannt auf Ihre / Eure Erfahrungen!

Allen ein frohes neues Jahr und den Diensthabenden einen ruhigen Jahreswechsel! Mit herzlichen Grüssen

Sabine Rüdebusch

"Wird's besser? Wird's schlimmer?" fragt man alljährlich.Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.

Erich Kästner (1899-1974), dt. Schriftsteller Bravo

Dirk Jahnke
29.12.2004, 02:23
Moin Sabine

Klinkikum Oldenburg :) / Innere Intensiv

Einschätzung und Dokumentation mittels Ramsay Scala.

Ziel immer/meistens um Ramsay 3 - entsprechende Analgosedierung.

Wenn der Patient morgens bei Ramsay 6 - (5) liegt - abschalten der Angosedierung bis der Patient wach oder unruhig ist. Dann erneute Analgosedierung mit angepasster Dosis.

Grundsätzlich wird aber in den letzten Jahren viel Wert auf den erweckbaren Patienten gelegt. Also meist recht Oberflächlich angalgosediert.

Tchau
Dirk Jahnke

Christoph
29.12.2004, 21:36
Hallo
wir versuchen zur Zeit auf unserer cardiochir. Intensiv in Heidelberg das tägliche Abschalten der Sedierung durchzusetzen. Es ist noch nicht in allen Köpfen meiner Kollegen angekommen.
Die Erfahrung bei den meisten Patienten zeigt jedoch, dass es sehr lange dauert bis eine Aufwachreaktion kommt und noch vile länger bis die Beatmung nicht mehr toleriert wird. Insgesamt scheint sich zumindest der Verbrauch an Sedativa und auch der Bedarf an Katecholaminen (bes. Noradrenalin ) zu reduzieren.
Es gibt nur wenige Ausnahmen von dem täglichen Pausieren der Sedierung unter anderem bei akuter Kreislaufinstabilität oder noch bestehender Blutungsgefahr. Die Höhe des FiO2 spielt nur dann eine Rolle wenn die Patienten regelmäßig in Bauchlage gebracht werden oder sehr extreme Beatmungsformen benötigen.
Meiner Ansicht nach gibt es viele Vorteile auch wenn es einen Sinneswandel erfordert Patienten "aufwachen" zu lassen die von Ihrer Gesamtsituation noch weit von einer Extubation enfernt sind.

Ein Frohes Neues Jahr

christoph

WomBat
29.12.2004, 21:46
Sabine, Danke für den Beitrag!

Ich werde ihn noch GANZ lesen, wie die Zeit erlaubt.
Auch wichtig fand ich die "neuen Beiträge" dazu, die diesen Artikel 2004 noch zitieren. Jedesmal geht eine neue Welt des Wissens auf. Und die praktische Erfahrungen, wie oben genannt...es ist mit dem "Sinneswandel" manchmal gar nicht so leicht.

WomBat, wach und aufmerksam :) zur Zeit

PICCOlina
30.12.2004, 12:19
Wir "Schwören" auf SESAM und Anwesenheit der Angehörigen!!!! (weltbestes Beruhigungsmittel) :mosh:

Hanno oder Holger: Ich kann das mit dem Link nicht, macht Ihr das bitte für mich..., danke :-o



Zur Sedierungstiefe(+Analgesie) gibt es ein, wie ich finde, empfehlenswertes Handbuch. Es stützt sich auch auf die RAMSAY Skala:

SESAM
Sequentielles Sedierungs- und Analgesie- Management
Martin,Jörg (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3886038041/zwai-21)
ISBN 3-88603-687-1

Gruß PICCOlina
__________________
Gemeinsam sind wir stark!
Alles Klar für die Weeeende...

Ambu das Beuteltier
30.12.2004, 21:20
Hey ihr Innovativen,
ich kann leider die Vollversion der studie nicht lesen (mangles Abo).
Jedoch ist das Resultat im Abstract:
Conclusions In patients who are receiving mechanical ventilation, daily interruption of sedative-drug infusions decreases the duration of mechanical ventilation and the length of stay in the intensive care unit.
schon aussagekräftig genug.

Jede Stunde die ein schwer erkrankter Patient nicht mehr auf Intensivstation verbringen muss bringt diesen einem besseren Outcome, einer höheren Lebensqualität und der Chance die intensivmedizinischen Interventionen komplikationsfrei zu überleben ein Stück näher.

Leider hat sich die Score nach Ramsay als Werkzeug noch nicht überrall herumgesprochen.
Es ist ja im Dschungel der zunehmenden Tätigkeiten einer Intensivpflegekraft auch leichter zwei vollsedierte Patienten zu pflegen als zwei selbige in der Phase des Erwachens zu begleiten. Nur das diese kurzfristige "Denke" weder im Sinne der Patienten ist noch besonderst langfristig gedacht, denn: je länger diese Patienten von uns eine weistestgehend kontrollierte Behandlung erfahren desto länger benötigen Sie im Anschluss natürlich zu einem "normalen" Leben zurückzufinden.

Gruß, T.
Weiter so... Bravo

Ducky
02.01.2005, 22:07
Hallo
Zu Beginn der Beatmung in der Akutsituation sedieren wir kontinuierlich und versuchen die Patienten nach dem Ramsey Score zu sedieren. Was sich in der Praxis nicht immer als einfach herausstellt. Denn auch dabei hat manchmal jede betreuende Pflegekraft eine andere Meinung :confused:
In der Weaningphase gerade schwer zu weanende Patienten ( z.B. COPD ) lassen wir nachts mittels kurzwirkendem Sedativum schlafen und kontrolliert beatmet und tagsüber zum weanen wach sein.
Nach ein paar Tagen weiß man dann ungefähr wann es ausgestellt werden muß damit der Patient passend zu seinem Tagesprogramm wach ist.
Viele Grüße aus NRW
Ducky

Heiko
31.01.2005, 00:03
Hallo,
ich finde es sehr interessant, dass es sich immerhin auf einigen ICU´s machen läßt, Sedierungen abzuschalten. Ich selber praktiziere das nach möglichkeit auch. Dem größten Teil meiner Kollegen ist das nicht beizubringen :wut: . Für die gilt immer noch nur ein tief sedierter Patient ist ein guter Patient.
Leider hat sich unser Anästhesie-Chef diesbezüglich noch immer nicht durchgesetzt.

Häufig liegt es auch einfach nur am unwissen und mangelnder Fortbildung. Was vor 5 Jahren noch toll war ist evtl. heute überholt :schlafen: !!!!

Traurig, traurig, aber schön das es auch anders geht.

Gruß H. :motz:

Ducky
31.01.2005, 10:14
Hallo,
Natürlich haben auch wir kollegen und auch Ärzte (nicht in meinem Dienst :wut: )für die nur ein tief sedierter Patient ein guter Patient.
Mittlerweile setzt sich die diskontinuierliche Sedierung immer mehr durch, und die Akzeptanz wird auch immer gößer.
Liegt aber auch daran das unser Oberarzt da sehr hinter her ist das es funktioniert.
Gruß an alle
Ducky

Nachteule
03.02.2005, 18:44
Hallo Zusammen ,
Auch wir sedieren die Patienten meistens nur bis 6:00.
Ansonsten wird nur soweit sediert, dass die Beatmung toleriert wird.

Mit freundlichem Gruß
Claudia

winti
11.02.2005, 02:32
Hey ihr Innovativen,
ich kann leider die Vollversion der studie nicht lesen (mangles Abo).
Jedoch ist das Resultat im Abstract:
[

Hallo,

einfach den ganzen Text aufrufen und gratis registrieren. Damit hat man dann Zugriff auf die aelteren Texte. Dieser ist von 2000 und somit allen zugaenglich.

winti

Pro-Po-Fol
23.02.2005, 16:05
Hallo aus Offenbach,

bei uns wird ebenfalls kontinuierlich, aber so flach wie möglich sediert (damit die Beatmung toleriert wird) und so tief wie nötig, um unmittelbar postoperativ und die Zeit danach den Stress für den Patienten so gering wie möglich zu halten.

PICCOlina
23.02.2005, 22:23
Hallo,
postoperativ ist mit der "Inneren" auch nicht zu vergleichen. Dieses Patientengut ist ja aufgrund der OP "nachbeatmet" und die inneren Patienten aufgrund einer resp. Insuff. Bei uns wird konsequent so wenig wie möglich(am Tag bei Toleranz garnicht bis max.Ramsay2)sediert. Und eigentlich fast nur noch nicht-invasiv mit "Helm",was die Patienten meist eh besser "aushalten" und eine Sedation dann oft nicht gebraucht wird.

Gruß PICCOlina

Pericardinchen
06.06.2005, 14:54
Hallo
wir versuchen zur Zeit auf unserer cardiochir. Intensiv in Heidelberg das tägliche Abschalten der Sedierung durchzusetzen. Es ist noch nicht in allen Köpfen meiner Kollegen angekommen.
Die Erfahrung bei den meisten Patienten zeigt jedoch, dass es sehr lange dauert bis eine Aufwachreaktion kommt und noch vile länger bis die Beatmung nicht mehr toleriert wird. Insgesamt scheint sich zumindest der Verbrauch an Sedativa und auch der Bedarf an Katecholaminen (bes. Noradrenalin ) zu reduzieren.
Es gibt nur wenige Ausnahmen von dem täglichen Pausieren der Sedierung unter anderem bei akuter Kreislaufinstabilität oder noch bestehender Blutungsgefahr. Die Höhe des FiO2 spielt nur dann eine Rolle wenn die Patienten regelmäßig in Bauchlage gebracht werden oder sehr extreme Beatmungsformen benötigen.
Meiner Ansicht nach gibt es viele Vorteile auch wenn es einen Sinneswandel erfordert Patienten "aufwachen" zu lassen die von Ihrer Gesamtsituation noch weit von einer Extubation enfernt sind.

christoph

@ Christoph:

1. Du meinst sicherlich Langzeitbeatmete oder?
2. Stellt sich mir die Frage, ob jeder den Ramsay- Score begriffen hat bzw. weiß was die Punkte zu bedeuten haben?

Leider ist mir in den vergangenen Jahren sehr häufig aufgefallen (Dokumentation: EDV + Kurven), dass viele Kollegen/innen den Ramsay - Score 1 dokumentieren und dies völlig in Ordnung finden ohne darauf wirklich zu reagieren.

Ramsay - Score 0 = wacher Patient
RS -1 = agitierter , ängstlicher, evtl. desorientierter Pat. (unerwünscht)
RS- 2 = wacher, kooperativer Pat. der die Beatmung gut toleriert (erwünscht)
RS- 6 = tiefe Narkose, keinerlei Reaktion auf Schmerzreize (unerwünscht)

Ich habe jetzt nur die markantesten Punkte aus dem Ramsay- Score herausgegriffen.
Meiner Meinung nach ist der Ramsay- Score wichtig, um adäquat mit Sedativa umzugehen sowie ein adäquates " weanen" ohne " Erschöpfung" der Atempumpe zu provozieren.

z.B.:
7.oo Uhr :Sedativa reduzieren nach Möglichkeit ausschalten , CPAP/ASB ( evtl. T-Stück- Versuch für 10 min. mit einbauen- je nach Standard bzw. nach Pat. status)- im Pilotsitz.

--->Faktoren die diese Art von " Weaning" stören: "abführen", Fieber, Herzrhythmusstörungen u.s.wDeswegen immer individuell auf den Rhythmus des Patienten bzw. der Maßnahmen eingehen. Alles gut planen (waschen, Pflegerunde, Diagnostik, Visite).
CAVE: für Ruhe sorgen!! (z.B. Tür zu)
ca. 10.oo Uhr : Pat. ausruhen lassen/Sedierung so belassen (b. B. anpassen unter Ramsay- Score)
--> bedeutet:- z.B. druckregulierte- volumenkontrollierte Beatmung (Evita 4 : IPPV mit Autoflow) oder eine reine druckkontrollierte Beatmung oder BIPAP mit ASB
dann um ca. 12.oo Uhr :je nach Status des Patienten wieder umstellen auf CPAP/ASB oder SIMV/ASB (ich würde eher BIPAP/ASB vorziehen, da ich dort die Frequenz rausdrehen kann und dies dann ebenfalls CPAP/ASB entspricht--> EVITA- Reihe).

Dieses Verfahren zieht sich über den ganzen Tag! Wichtig: spätestens 21.oo wieder auf eine kontrollierte Beatmungsform bzw. siehe im vorherigen Absatz einige Beispiele.

Dies gilt natürlich eher für die ersten zwei Tage bzw. wird immer an den Status /Wohlbefinden des Patienten und den Ramsay- Score angepasst.

Unterstützend wirken Basale Stimulation, Kinästhetik, Angehörige sowie Ruhe, Physiotherapie und Massage.

Eine Kombination aus Allem hat nach meiner Erfahrung den besten Erfolg.

Aufgrund der Räumlichkeiten, Abläufe u.s.w. ist dieses Verfahren nicht immer optimal durchzusetzen und durchzuführen.


Herzliche Grüße :danke: :jubel:

Hanno H. Endres
06.06.2005, 23:02
Ramsay - Score 0 = wacher Patient

Nur mal so am Rande nachgefragt: die Ramsey-Score kenn' ich nur von 1 - 6. Seit wann ist denn die null im Programm?

Thanx,

hhe

Pericardinchen
07.06.2005, 20:37
Hallo Hanno,

Es gibt den Ramsay- Score von 0-6.

Ramsay- Score

Score Sedierung / Wertung

R0 Pat. wach, voll orientiert / wach

R1 ängstlich, unruhig, agitiert / zu flach, unzureichend

R2 ruhig, orientiert, kooperativ, toleriert Beatmung / erwünscht

R3 schlafend, prompte Reaktion auf laute Ansprache / erwünscht

R4 schlafend, träge Reaktion auf laute Ansprache / erwünscht, gesteuert

R5 keine Reaktion auf lautes Ansprechen, aber auf Schmerzreize / tief

R6 keine Reaktion auf Schmerzreize / zu tief

(Ramsay et al: BR Med J2; 656; 1974)


Es wundert mich, dass Du R0 nicht kennst!!

Herzliche Grüße

Hanno H. Endres
07.06.2005, 23:02
Ramsay- Score

Score Sedierung / Wertung

R0 Pat. wach, voll orientiert / wach
R2 ruhig, orientiert, kooperativ, toleriert Beatmung / erwünscht
[...]
Es wundert mich, dass Du R0 nicht kennst!!


'Bei uns' ist in der Dokumentation tatsächlich nur die 1-6 vorgesehen. So ganz schnall ich auch nicht, worin sich die 0 von der 2 unterscheidet.

Schönen Abend,

hhe

Pericardinchen
08.06.2005, 11:15
Hallo Hanno,

Ich definiere es folgendermaßen :

R0 bedeutet das der Pat. spontan atmet und auf meine Fragen voll orientiert antworten kann.
z.B. : Maske > 6 l O2 oder NIV und opioidhaltige Analgetika + eventuelle Schlafmittel und oder Propofol erhält.

Aber auch der Pat. mit O2- Sonde oder O2- Brille wird darunter einkategoriert unter PCA- Pumpe oder kontinuierlicher Schmerzmittelgabe (opioidhaltige Analgetika und nichtopioidhaltige Analgetika).
Unter R1 würde ich den Patienten einkategorieren, der durchgängig ist und gerade die erste Bolusgabe Haldol erhalten hat (Spiegel noch nicht aufgebaut!) u.s.w. Jedoch würde ich dies dementsprechend zusätzlich dokumentieren.

R2 bedeutet wach, orientiert unter Beatmung (Bsp.: CPAP/ASB, BIPAP/ASB, SIMV --> was ja eher out ist und auch der Pat. unter APRV).
Natürlich gibt es auch Patienten die eine druckregulierte volumenkontrollierte Beatmung tolerieren.

Herzliche Grüße

Schwester S.
08.02.2006, 19:37
Hallo,

dass die diskontinuierliche Sedierung für den Pat. Vorteile bringt ist unbestritten.Bei uns soll jetzt auch die Sedierung mittels Ziel-Ramsey eingeführt werde.
Eine Frage an alle "alte Hasen" damit:
Bittet diese Form der Sedierung neben eindeutigen Vorteilen für den Pat. auch Vorteile für die Pflege??? :confused:
Und wenn ja, welche?
Bei uns ging nämlich gleich die Diskussion los, von wegen der Haufen MEhrarbeit :motz: ....suche Dringends Argumentationshilfen.
Inwieweit benutzt Ihr klinische Symptome zur Beuteilung der Sedierungstiefe??
Freue mich auf Eure Antworten, :jubel:
Schwester S. aus dem verregneten Franken

fredokus
08.02.2006, 21:08
MoinMoin
Wir benutzen seit geraumer Zeit Remifentanil(Ultiva) und Propofol entweder als Dauersedierung, oder als diskontinuierliche Sedierung.
Um den Sedierungs und Schmerzgrad zu ermitteln nutzen wir z.Zt. den Ramsay-Score und die Behavioral Pain Scale (BPS) Bei komunikationsfähigen Pat. nutzen wir die visuelle Analog Skala (VAS).
Natürlich macht das primär Mehrarbeit(Score ermitteln,dokumentieren und wenn Ultiva ausgestellt wird, benötigt der Pat. kontinuierliche Überwachung, bzw. Anwesenheit.
Nun das aber:
Sollte man den neurologischen Status nicht immer wieder überprüfen?
Und ob mein Pat. Schmerzen hat sollte ich doch auch feststellen, oder?
Das reine Eintragen von den Ergebnissen dauert dann nicht wirklich lange.
Nun zum eigentlichen Problem: Natürlich benötigen Pat. die nicht durchgehend sediert werden mehr "pflegerische" Überwachung, aber dafür sind sie schneller wach, können schneller extubiert werden, versorgen sich früher wieder selbständig, drehen sich alleine etc.
Außerdem muß ich dann weniger Antibiotika auflösen, da solche Pat. weniger Pneumonien entwickeln, was auch im pflegerischen Bereich wieder Arbeit spart (ASE, Atemunterstützende Lagerung, Absaugung etc.)
Im Endeffekt macht es also "hinterher" weniger Arbeit.
Ganz davon abgesehen, das Pat. dann schneller verlegt werden können, was dann bei entsprechenden Neuaufnahmen allerdings wieder Mehrarbeit verursacht :D .

Soll erstma reichen, ich hoffe ich konnte helfen
Der Fred

Obs-Pfleger
08.02.2006, 21:21
Hi Schwester S.!



Eine Frage an alle "alte Hasen" damit:
Bittet diese Form der Sedierung neben eindeutigen Vorteilen für den Pat. auch Vorteile für die Pflege??? :confused:
Und wenn ja, welche?

Bei uns wird auch diskontinuirlich sediert, die Beurteilung der Sedierungstiefe ermitteln wir ebenfalls mit dem Ramsey-Score. Vorteile für die Pflege liegen meiner Meinung nach eindeutig vor, du kannst ggf. je nach Sedierungstiefe mit deinem Patienten kommunizieren, und das ist ja schon mal ein riesen Vorteil! :jubel: Dabei kannst du z.B. den "Neurologischen Status" checken: Drückt der Patient bei Aufforderung seitengleich die Hände? Kann er alle Extremitäten bewegen? Öffnet er bei Ansprache die Augen und fixiert den Blick? Das sind nur einige Beispiele, dafür muß der Patient natürlich nur leicht sediert sein, Ramsey 3 oder Ramsey 4. Ein weiterer Vorteil der diskontinuirlichen Sedierung ergibt sich bei Patienten im Weaning, wo die Sedierung (aus was für Gründen auch immer) noch nicht beendet werden kann. Du kannst evtl. solche Patienten in ihrer Weaning-Phase zur Mitarbeit anleiten ( z.B. unter High-Flow-CPAP Atemübungen, Atemtechniken einüben etc.).



Bei uns ging nämlich gleich die Diskussion los, von wegen der Haufen MEhrarbeit

Hm, das verstehe ich nicht? :confused: Was für ein Haufen Mehrarbeit soll denn da gemeint sein? Meint damit jemand etwa, das er ein paar Knöpfchen am Perfusor mehr drücken muß um die Laufraten der Analgosedierung zu verändern? Oder ganz provokativ nachgefragt, hat da vielleicht jemand keinen Bock sich mit wacheren Patienten zu beschäftigen? :nein:

Klinische Symptome nutzen wir immer, Herzfrequenz und RR seien hier als erstes genannt. Reagiert z.b. ein Patient mit Anstieg derselbigen, kann`s natürlich an der nicht ausreichenden Analgosedierung liegen, stellt sich dann die Frage ob´s relevant ist (in Bezug auf die Grunderkrankung) und man die Analgosedierung vertieft oder ob`s toleriert wird!


Schöne Grüße vom Obs-Pfleger aus dem ebenfalls veregneten Münster :jubel:

Hanno H. Endres
09.02.2006, 13:32
die Beurteilung der Sedierungstiefe ermitteln wir ebenfalls mit dem Ramsey-Score.

... bzw. anhand der Richmond Agitation Sedation Scale (http://www.intensivcareunit.de/rass.html) (RASS) ;)

Siehe auch: Ramsey-Score und Co (http://forum.zwai.net/showthread.php?t=259)

andrewhell
10.02.2006, 14:02
Hallo Kollegen, muss mich dem obs-pfleger anschliessen...weniger/angepasstere Sedierung erhöht den deutlich den Patientenkomfort durch kürzere Weaningzeiten. Auch bei sog. Schwerkranken sollte m.E. tgl ein "Wake-Up" erfolgen....bis wohin man wachwerden lässt, schätzt der Profi an der Bettseite dann ein, genauso wie er ja auch den Sedierungsbedarf einschätzt.
Ich probiere ein bis zweimal pro Schicht meinen Beatmungspatienten wenigstens soweit "upzuwaken" das er spontan atmet (Stressfrei über 10-30 Minuten, mit Kontaktatmung, "Kommandoatmung"....)...an dieser Stelle: CPAP/PPS über Evita4 und eine Patient der schon länger auf einem hohen PEEP beatmet wird tut dies auch problemlos spontan...event. sogar abschliessend noch ein vorsichtiger Absaugvorgang um etwas Husten zu generieren...Idee dahinter ist die aktive Zwerchfellkontraktion und der aktive einsatz der restlichen Atemmuskulatur.
Grundsätzlich teilt sich auch bei uns das Team in die zwei Lager (wie die Kollegen schon beschrieben haben)
Frage in die Runde: Glabellareflex zur bestimmung der Sedierungstiefe? Wenn positiv soll der patient unter/bei Ramsay 4 liegen (Ramsay 2-4 = adäquat)..machts wer ?
schönes we, andre
ps.: Hört mehr AC/DC!!!! :mosh:

Schwester S.
10.02.2006, 15:53
Verbessert sich denn unter den "Wake-Ups" die Hämodynamik? Sinkt evtl. der Katecholaminbedarf?Immer vorausgesetzt, der Pat. ist nicht gestresst!
Kann man z.Bsp. die Lagerungszeiten verlängern, weil der Pat. sich selbst "mikrolagert"?
Gibt es z.Bsp. weniger Pflegeprobleme mit den Augen, wegen wiedergewonnenem Lidschlag für wenige Stunden?? Und entfernt Ihr jedesmal vorher die Salbe aus dem Auge, wenn der Pat. wach wird?
Meine Beobachtung ist. z.Bsp., das Pat. voll entspannt Ramsey 2-3 im Bett liegen, sobald sie aber besucht werden voll agitieren und dann eine tiefere Sedierung nötig wird. Das verstehen aber die Angehörigen nicht wirklich immer.
Sie glauben, ein wieder sedierter Pat.sei ein Rückschritt und wollen sich doch lieber endlich mit ihm unterhalten...
Viele Fragen, ich weiß, aber ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Schwester S.,
die überlegt, ob sie nichtmal in einer stationsinternen Fortbildung Eure Erfahrungen weitergibt und somit mehr Mitstreiter findet!

Schwester S.
10.02.2006, 15:55
Was ist ein Galbellareflex???

fredokus
10.02.2006, 18:39
MoinMoin
Hallo Schwester S.
Hämodynamik "verschlechtert" sich häufig durch Sedierung.
Propofol wirkt neg. inotrop, wirkt also drucksenkend.
Sedierung weg.....----> manchmal Druck gut.


Und entfernt Ihr jedesmal vorher die Salbe aus dem Auge, wenn der Pat. wach wird?


Was für `ne Salbe?????????
Wir nehmen allerhöchstens Vit. A Salbe

Gruß
Der Fred

andrewhell
10.02.2006, 19:14
moin, meiner Erfahrung nach verbessert sich die Hämodynamik etwas, oder besser gesagt der RR steigt etwas...Sedierung z.B. mit Propofol senkt ja bekanntermassen denn SVR/SVRI (Beobachten kann man das bei Pat. die mit PICCO versorgt sind). Dauerhaft kann man die Katecholamine durch angepasste Sedierung schon niedriger laufen lassen, ist jedoch Krankheitsabhängig.
Ob ich den aktuellen Pflegebedarf senke, möchte ich bezweifeln, da du schon direkt an der Bettseite arbeitest, beim Pat. stehen musst. (beachte dass Sedierung Amnesien/Vergessen macht und der Pat. aufgrund dessen schon unruhig werden kann, nicht weiss wo er ist, deutliche Begleitung in den Phasen des erwachens braucht). Die Zeit nehme ich mir einfach, lasse z.B. mal die morgentliche GKW ausfallen oder spare mir das Neubeziehen des Bettes....der Trick ist dann, den richtigen Moment zu erwischen die Sedierung wieder anszustellen
In Bezug aus den Pflegebedarf habe ich festgestellt, dass du die Weaningzeit verkürzt und auch die Auswirkungen von CIM/CIP (criticall illness Myo/Polyneuropathie) etwas geringer sind....was ich als reelle Arbeitsentlastung betrachte.
Desweiteren ist der "Wake-Up" auch nicht führ länger (Stunden...) gedacht sondern eher eine kurze, m.E. in pflegerischer Hand liegende Intervention.

Ich lasse die Augensalbe im Auge, manchmal führe ich auch eine 135° Lage dabei durch....."Wake-Up" heisst ja nicht komplettes wachwerden mit massivem Pat.-Stress, Druckanstiegen usw. sondern Reaktion, Kopfbewegung, event. mal ein Augenöffnen....aber auf jeden Fall Spontanatmung!!!

Glabellareflex: du beklopfst die Nasenwurzel und kannst eine Lidbewegung auslösen (ganz klein, ein minizwinkern)...so ist der Glabellareflex positiv und die Sedierung kannste eigentlich so lassen (ramsay unter/= 4), wenn du das zwinkern beim beklopfen nicht auslösen kannst (Ramsay über 4) solltest du die Sedation etwas zurücknehmen bis er positiv ist.

hoffe etwas geholfen zu haben, andre

fridolin
12.02.2006, 20:58
Hallo, @all,
auf unserer internistischen ITS mit Schwerpunkt Cardiologie wird eher selten diskontinuierlich sediert.
Eine diskontinuierliche Sedierung ist in Abhängigkeit von dem Krankheitsbild und der Prognose zu sehen. Bei guter Prognose ist es sicherlich die Methode der Wahl, bei schlechter Prognose ist eine kontinuierliche Sedierung für den Patienten vorteilhafter.
Leider wird sich zunächst die diskontinuierliche Sedierung nicht vernünftig durchsetzen, da kurze Beatmungs- und ITS - Liegezeiten nicht im Sinne der Krankenhausmanager sind (DRG`s).
Auch spielt hierbei die personelle Bestzung der ITS eine wichtige Rolle, denn ein wach beatmeter Pat. braucht sehr viel Pflege, Unterstützung und Zuwendung - bei heutigen Personalschlüssel leider (fast) unmöglich.
Hoffentlich erkennt die Politik den hier falsch gewählten Weg (DRG`s) und findet einen sinnvollen Kompromiss.
Viele liebe Grüße
fridolin

spud
08.05.2006, 16:10
Zur Sedierungstiefe(+Analgesie) gibt es ein, wie ich finde, empfehlenswertes Handbuch. Es stützt sich auch auf die RAMSAY Skala:

SESAM
Sequentielles Sedierungs- und Analgesie- Management
Martin,Jörg (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3886038041/zwai-21)
ISBN 3-88603-687-1


Hallo

kann mir denn jemand weiterhelfen wo ich das Buch herbekommen kann?? Hab jetzt schon einige Zeit das Internet abgegrast aber leider ohne erfolg.

Oder kann mir jemand andere Artikel oder Bücher zu diesem Thema empfehlen

Gruss
spud

Hanno H. Endres
08.05.2006, 18:44
Hallo spud.


kann mir denn jemand weiterhelfen wo ich das Buch herbekommen kann??

Augenscheinlich ist das Buch noch direkt über den Verlag zu bekommen.

Als gedruckte Ausgabe:

-> http://www.zuckschwerdtverlag.de (einfach bei Buchsuche "Sesam" eingeben, dann kann man's in den Warenkorb legen)

... und als eBook (http://www.ciando.com/shop/book/index.cfm/fuseaction/show_book/bok_id/4942/cat_id/0/cat_nav/0/intRefererID/50284) kann man's seitenweise kaufen.

Schöne Grüße,

hhe

spud
10.05.2006, 23:12
Hallo nochmal,

vielen Dank für den Link, hat super geklappt.


Ich hab jetzt nochmal alle Beiträge gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass wenn von einem Ziel Ramsay die rede ist meistens eine Ramsay von 3-4 die rede ist.
Ich war etwas erstaunt denn in den Leitlinien der DGAI ist von einem Ziel Ramsay von 2 (-3) die rede.

Was für einen Ziel Ramsay wird denn nun bei den meisten angestrebt?

Auf meiner Station bin ich nämlich gerade am arbeiten das es endlich mal umgesetzt wird, dass wir diesen Score mal andeutungsweise erreichen. Denn meistens sind unsere Patienten vieeeeeel zu tief sediert :wut:

Vielen Dank
gruss
spud

dvr27
22.05.2006, 13:39
Halli Hallo,

bei uns im Haus gibt es leider kein direktes Sedierungsschema, die Pat, sind meist zu tief sediert, allerdings hab ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass wenn die Pat wacher werden, gerade wenn sie beatmet sind dagegen pressen und mit dem Druck hochgehen und dann werden sie halt wieder tiefer sediert.
Allerdings versucht man im weaningprozess die Pat schonend aufwachen zulassen, d.h. mit einer alternativ Sedierung Bsp.Propofol und das klappt ganz gut.

Grüße

Obs-Pfleger
22.05.2006, 23:16
Hallo und Herzlich Willkommen!



Allerdings versucht man im weaningprozess die Pat schonend aufwachen zulassen, d.h. mit einer alternativ Sedierung Bsp.Propofol und das klappt ganz gut.

Meine Frage hierzu:" Mit was wird denn bei euch ansonsten in der Regel sediert? Mit dem "schonend aufwachen" und der "alternativ Sedierung", meinst du das weil Propofol schnell wieder vom Organismus abgebaut wird und der Pat. nach Beenden der Sedierung nicht so lange zum Aufwachen braucht wie z.B. mit Dormicum?

Ansonsten, Umstellung der Sedierung ist ja nicht die einzige Möglichkeit Pat. schonend aufwachen zu lassen! Gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, Optimierung der Beatmungsdrücke (...z.B. bei BIPAP je nach BGA-Situation oberes und unteres Druckniveau reduzieren, manchmal ist das der Grund für`s gegen die Beatmung pressen...), evtl. Tidalvolumen reduzieren falls ihr CPPV beatmen solltet, Optimierung der Analgesie. Falls sich jemand damit auskennt und die Zeit dafür besteht, Maßnahmen der basalen Stimulation (...z.B. Atemstimulierende Einreibung), Umstellung der Beatmungsform und......für ganz mutige: "Schnorchel raus!!!" Manchmal ist es bei den Pat. ja auch purer "Tubusstreß"! Vorher noch fix BGA-Kontrolle, Hustenreflex und Neurologie checken, Patienteninfo, kurze Arztabsprache und los geht`s!

Mfg Obs-Pfleger