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Vollständige Version anzeigen : Keine Auskunft unter dieser Nummer


zwai
21.12.2004, 12:32
Angehörige schwerkranker Patienten erhalten von Ärzten und Pflegenden meist nicht die Informationen, die von ihnen erwartet werden.
95% der Angehörigen äußerten in einer niederländischen Untersuchung das Bedürfnis, ausführlich über Krankheit und Zustand informiert zu werden - jedoch wurde dem nur in knapp 50% der Fälle entsprochen. Einzige Informationsquelle ist in einigen Fällen sogar nur die Stationsbroschüre.
"Bei der Berücksichtigung von Angehörigeninteressen besteht noch erheblicher Nachholbedarf", erläutert Privatdozent Dr. Thomas Uhlig von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie der Universität Jena auf dem DIVI-Kongress in Hamburg. "Es gibt allerdings nur wenige wissenschaftlich abgesicherte Studien darüber, welche Erwartungen und Informationsbedürfnisse Angehörige von Intensivpatienten wirklich haben. Dementsprechend unzureichend wird im Klinikalltag darauf eingegangen."(hhe)

Quelle: JournalMED (http://www.journalmed.de/newsview.php?id=7385)

R.Fischer
21.12.2004, 19:07
Meine Güte!!

Braucht man jetzt schon Studien, damit man darauf kommt, mit den betroffenen Menschen zu reden und ihre Erwartungen einfach zu erfragen? :(

Verrückte Welt!!

Ärgerliche Grüße aus Schwaben-
Rainer.

Ambu das Beuteltier
21.12.2004, 20:34
Natürlich ist das ein sensibles Thema, und wir wissen doch alle:
Das kompetente Angehörigengespräch findet nur selten durch den Arzt statt. Die Pflegekräfte machen das "so nebenbei" mit und das ist in den meisten Fällen auch besser so wie ich finde. Problem dabei ist eben nur wieder die Zeit die man dafür hat (oder auch nicht)oder anerkannt bekommt.

Da aber weder das Pflegepersonal noch die Ärzte entsprechend ausgebildet sind kann es nur von Vorteil sein das dieses Thema auf einem Kogress besprochen wird! Da aber nur Dinge auf Kongressen besprochen werden sie durch Daten belegt werden können sind auch solche Studien nötig.

Der stete Tropfen höhlt den Stein...

Gruß, T.

Hanno H. Endres
21.12.2004, 22:08
Hi zusammen.

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: in dem Artikel geht's nicht um telefonische Auskünfte, sondern - wie hier im Thread bereits korrekt diskutiert - persönliche Gespräche mit Angehörigen.

Mir hat nur das Foto von dem Telefon so gut gefallen ;) .

Schönen Gruß,

hhe

Superfantastisch
21.12.2004, 23:58
"Es gibt allerdings nur wenige wissenschaftlich abgesicherte Studien darüber, welche Erwartungen und Informationsbedürfnisse Angehörige von Intensivpatienten wirklich haben. Dementsprechend unzureichend wird im Klinikalltag darauf eingegangen

typisch Akademiker: gibt's keine Studie zu, also wissen wir nicht, was wir machen sollen.

Wirklich zum Kopfschütteln, das statement!

aber wo wir gerade beim thema sind: wir haltet ihr es mit telefonischen Auskünften? gibt es da eine klare Linie?

WomBat
06.01.2005, 10:39
Einige Funde zum Thema "Bedürfnisse von Angehörigen":

Meeting the Needs of Intensive Care Unit Patient Families, A Multicenter Study Am. J. Respir. Crit. Care Med., Volume 163, Number 1, January 2001, 135-139

Junior versus Senior Physicians for Informing Families of Intensive Care Unit Patients Am. J. Respir. Crit. Care Med., February 15, 2004; 169(4): 512 - 517.

Impact of a Family Information Leaflet on Effectiveness of Information Provided to Family Members of Intensive Care Unit Patients . A Multicenter, Prospective, Randomized, Controlled Trial Am. J. Respir. Crit. Care Med., February 15, 2002; 165(4): 438 – 442

Assistance program for families of critically ill patients expands across the U.S., 10/2003, American College of Chest Physicians

Meeting the needs of families of patients in intensive care units., Hardicre J., Nurs Times. 2003 Jul 8-14;99(27):26-7.

Moules, S. & Chandler, B. (1999). A study of the health and social needs of carers of traumatically brain injured individuals served by one community rehabilitation team. Brain Injury, 13, 983-993.

Needs of family members of critically ill patients with and without acute brain injury., Engli M, Kirsivali-Farmer K., J Neurosci Nurs. 1993 Apr;25(2):78-85.

Family needs and nursing responses to critically ill patients., Katele S., Heart Lung. 1991 Sep;20(5 Pt 1):531.

Campbell, C. (1988). Needs of relatives and helpfulness of support groups in severe head injury. Rehabilitation Nursing, 13, 320-325.

Leske, J. (1986). Needs of relatives of critically ill patients: A follow-up. Heart and Lung, 15, 189-193.

Mathis, M. (1984). Personal needs of families of critically ill patients with and without brain injury. Journal of Neurosurgery Nursing, 16, 36-44.

Mauss-Clum, N., & Ryan, M. (1981). Brain injury and the family. Journal of Neurosurgical Nursing, 13, 165-169.

Molter, N. (1979). Needs of relatives of critically patients: A descriptive study. Heart and Lung, 8, 332-339.

Norris, L. & Grove, S. (1986). Investigation of selected psychological needs of family members of critically ill patients. Heart and Lung, 15, 194-199.

Liste weiterführender Literatur:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Link&db=PubMed&dbFrom=PubMed&from_uid=15152755

WomBat, fehlt nur noch der Übersetzer :)

Tobi Bo
10.01.2005, 18:06
aber wo wir gerade beim thema sind: wir haltet ihr es mit telefonischen Auskünften? gibt es da eine klare Linie?

telefonisch geben wir nur angehörigen auskunft, die uns persönlich bekannt sind. wer sonst was wissen möchte, muss herkommen und sich identifizieren.

wenn ein angehöriger selbst am bett steht, erkläre ich auch mal was, aber die telefonischen auskünfte gibt nur der arzt.

kollegiale grüße,

tobi

Ambu das Beuteltier
10.01.2005, 21:40
Einen weiteren Aspekt sollte der juristische Hintergrund von Informnationsweitergabe und Schweigepflichtsverletzung in dieser Diskussion darstellen.

Haben wir wirklich immer den unbedingten "Durchblick" wer hier wohlmeinender Angehöriger ist oder sich nur als solcher ausgibt, bzw. der Betroffene gar nicht möchte das der ein oder andere Auskünfte erhalten soll.
Dieses Problem ist sicherlich ein nicht zu vernachlässigendes bei der Auskunft über Schwerst Erkrankte in deren Umfeld.

Gruß, T.

Tobi Bo
13.01.2005, 01:44
wie will man das regeln? diese informationen müsste man ja prinzipiell schon vor der op abfragen und dokumentieren. geht aber auch nur bei elektiven eingriffen, bei notfall-aufnahmen wird sowas manchmal schwierig ..