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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitszeiten auf Intensiv



Christoph
20.12.2004, 09:12
Hallo
wir beschäftigen uns zur Zeit mit Veränderungen unserer Arbeitszeiten. Im Moment gibt es noch 7,7 Stunden im Frühdienst und im Spätdienst und 10 Stunden Nachtdienst. Unsere Pflegedienstleitung stört sich vor allem daran, dass wir mittags 2,5 Stunden Überlappungszeit machen. Es gibt keine Vorgaben, wie wir die Zeit ändern sollten ausser, dass die Überlappungszeit kürzer werden musss. Nach Ansicht unserer Mitarbeiter sollte auch der Wechsel von Spätdienst zum Frühdienst erhalten bleiben, was die Erfüllung des Arbeitszeitgesetzes etwas schwierig macht.
Mit welchen Arbeitszeiten abeitet Ihr denn so, gibt es die Möglichkeit von Spät nach Früh zu tauschen oder arbeitet Ihr mit festen Schichten ???
Für Anregungen wäre ich sehr dankbar.

Grüße aus dem eisigen aber sonnigen Süden

Christoph :confused:

PICCOlina
20.12.2004, 23:51
Hallo,
wir arbeiten (int/haem. Intensiv) im Früh- und Spätdienst 7,25 Stunden. Also Früh 6:00 bis 13:45 und Spät 13:15 bis 21:00 Uhr
Nachtdienst von 20:30 bis 6:30, also 9,25 Stunden.
Das macht eine halbe Stunde Übergabezeit bei max. 11 Patienten.(reicht völlig und unterbindet endloses "Gelaber")
Tauschen ist problemlos möglich, wir haben eigentlich feste Dienstwochenenden, die aber auch "wild" hin- und her getauscht werden, so dass man eigentlich schon nicht mehr von richtigen Schichten sprechen kann.
Dementsprechend gibt es bei uns aber auch kein "Schichtengerangel" oder "Konkurrenzdenken", wie ich es manchmal von anderen Kollegen höre.
Wir haben mit diesem System unsere Überstunden fest im Griff (Mehr als 50 hat niemand und das auch nur mal für höchstens zwei Monate (z.B. durch Feiertage oder einspringen)
So haben wir eine Menge eingespart- keine Stellenkürzung- und Weihnachtsgeld gab es auch (85%) :jubel:
Arbeitsplatz -Erhaltung- nennen wir das

Gruß PICCOlina

Markus
21.12.2004, 23:36
Hallo!

Wir arbeiten im Frühdienst von 6:30 bis 14:30, im Spät von 13:30 bis 21:30 und im nachtdienst von 21:00 bis 7:00, abzüglich jeweils der Wege- und Umkleidezeiten.
Tauschen ist problemlos möglich, auch unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes. Es gibt den sog. "späten Frühdienst", also von 7:30 bis 15:30 oder den "frühen Spätdienst" von 12:30 bis 20:30 usw. ... !
Weiterhin haben wir feste Dienstwochenenden, die natürlich u.U. mit einem Kollegen getauscht werden können.
Ich habe mal kurzfristig nach sog. "Contischichten" gearbeitet, d.h. Du hast ein festes starres Dienstplansystem, arbeitest in einer festen Gruppe, Tauschen ist fast unmöglich, allerdings kann man Dir sagen wie Du am 18.5.2018 zu arbeiten hast. TOLL!!! War nichts für mich.

Markus

Christoph
22.12.2004, 08:43
Hallo

Vielen Dank für Eure Antworten.
Picccolina was mir bei Euren Arbeitszeiten noch nicht klar ist wie ihr 10 Stunden Ruhezeit einhaltet und trotzdem von Spät nach Früh wechselt :confused:
Markus wie läuft das bei Euch mit den Übergaben bei früh Spät oder spät Früh ??
Ich muss mich ein bisschen durchfragen es sind nämlich genau das die Probleme die in unserem Kopf rumschwirren.
Leider gibt es bei uns auch noch einige neue Mitarbeiter die Dank dem Ausstieg aus der Arbeitszeitvereinbarung im BAT mittlerweile 41 stunden arbeiten müssen. Das bedeutet weniger als 7,7 Stunden pro Schicht dürfen es nicht sein um die Neuen nicht sofort in die 6 Tage Woche zu katapultieren.

Aber jetzt steht erst mal Weihnachten an. Alles Gute !!!

Christoph

Markus
22.12.2004, 12:20
Hallo!

Auch wir haben Mitarbeiter mit 41h-Woche. Mit unseren bewährten Arbeitszeiten von 7,5h und 5 Tage Woche ist es unmöglich für den betroffenen MA sein "Soll" zu erfüllen, bzw. nur unter Verletzung des AZG. Also wird jetzt die tägliche Arbeitszeit nur für die betroffenen MA auf 8h erhöht. In der Theorie läßt sich das gut rechnen, mal sehen wie es sich in der Praxis bewährt.

Die Übergaben gestalten sich i.d.R. problemlos. Grundsätzlich versuchen wir bei der Dienstplangestaltung so wenig wie möglich "kurze Wechsel" einzubauen.
Wenn ein Mitarbeiter heute Spät- und Morgen Frühdienst hat, ist im Dienstplan bereits gekennzeichnet ob er eher geht oder später am nächsten Morgen kommt.
Geht er im Spätdienst früher, übergibt er seine Patienten einem Kollegen, der dann dem Nachtdienst Übergabe macht. es müssen lediglich 30 Minuten überbrückt werden. Bei der Verteilung zu Beginn des Dienstes wird das bereits berücksichtigt. der MA nimmt dann nicht die 2 instabilsten Patienten der Station, wo man im Voraus bereits weiß, daß man am Bett feststehen wird.
Kommt er später am nächsten Morgen, sagt er dem Nachtdienst wen er gerne betreuen möchte. Das macht Sinn, weil dann "nur" die Ereignisse aus der Nacht berichtet werden müssen. Die hört sich dann ein Kollege aus dem Frühdienst an. Auch hier müssen nur 30 Minuten überbrückt werden.

Verwirrend? Diese Vorgehensweise muß natürlich eingeübt werden. In unserer Abteilung läuft das seit ca. 4-5 Jahren so.

Haben 2 MA einen kurzen Wechsel, sprechen die beiden sich ab und vermerken es auf dem Dienstplan. Das passiert schon mal bei privaten Tauschaktionen.
Natürlich gibts es Ausnahmen. Reanimationen, Notaufnahmen, Notfall-Ct usw. ... aber das sind wirklich Ausnahmen.

Markus

nimmbecks
03.04.2005, 19:40
Hallo,

Mich würde interessieren, ob Christoph eine Lösung gefunden hat.

Im Intensivheft 2 März 98 der Zeitschrift "Intensiv" (Thieme) gibt es einen Bericht über flexiblere Arbeitszeiten auf Intensivstationen.
Die dort besprochene Variante hat aber den Nachteil, daß man einen relativ hohen Stellenschlüssel braucht (dort 27,25 Stellen für 10 Betten, davon 9 belegt und 50 % Beatmungen).

Wie machen das andere, die nicht so gut besetzt sind, vor allem Nachts ??

Viele haben etwas verlängerte oder abgekürzte Schichten. Wir hatten auch einmal Kernarbeitszeiten, jedoch verbrachten wir viel Zeit mit Übergaben und die Qualität litt etwas darunter, vor allem wenn man noch wegen einer halben oder dreiviertel Stunde einen Patienten mitbeteut und übergeben soll. Für mich hört sich das so an, daß der Patient halt die Stunde liegen bleibt und die Übergabe nur zu 70% erfolgt (so viel kann man im besten Fall nach einer Stunde laut Studien noch wissen).

Mich würde ausserdem noch interessieren, wie die Pflegenden diese langen Schichten von 10 bis 12 Stunden empfinden, die manche Häuser machen, vor allem in Bezug auf die Arbeitsqualität in den Stunden 8 - 12 :D

so long....

Christoph
29.04.2005, 10:02
Hallo Nimmbecks

Wir haben mittlerweile 2 Varianten zur Veränderung der Arbeitszeit entwickelt. Bei beiden Varianten wird der Nachtdienst auf 9,25 Stunden verkürzt. Früh- und Spätdienst werden je 7,7 und 7,5 Stunden lang sein. Allerdings wollten wir versuchen einen Wechsel von Spät- in den Frühdienst über eine Sonderregelung (Ruhezeit 9 Stunden) zu ermöglichen. In Variante 2 würde der Wechsel durch einen Sprung von Spätdienst in Zwischendienst ermöglicht . Der Zwischendienst fängt etwa eine Stunde später an. Bei der normalen Schichtbesetzung von 6 Leuten könnten unserer Ansicht nach 2 in den Zwischendienst. Natürlich muss man die Abeitsabläufe, Dokumentation und Struktur der Übergaben anpassen. Die Meinung der Mitarbeiter zu dem Modell geht von kompletter Ablehnung bis zu wir können es ja mal probieren. Allerdings spieln da noch einige andere Veränderungen mit die den Rahmen sprengen würden. Der Personalrat hat jetzt mal abgelehnt, aber auf irgendeine Verändeuzng müssen sie sich mit der Verwaltung wohl noch einigen.
Ich glaube das Übergabethema lässt sich mit guten Strukturen lösen. Man mus aber sicher bei Abrbeitszeitveränderungen immer auch die Arbeitsabläufe anpasssen.
Viele Grüße

Christoph

nimmbecks
29.04.2005, 20:41
Hallo,

Danke für die Antwort.
Sie ist für mich deshalb interessant, weil wir derzeit fast so arbeiten, wie Ihr es testet (Kurzer Nachtdienst mit nur 9 Stunden Ruhezeit).
Die kurze Ruhezeit war für uns sehr belastend. Auch die Variante mit einem Zwischendienst (Bei uns Kerndienst 1 und 2) war nicht optimal, da hier im Prinzip nicht drei sondern 5 Übergaben stattfanden und in der Zeit, wo man die Patienten des Kerndienstes mitbetreute, lief praktisch nichts.
Wir testen jetzt zwei verlängerte Tagdienste und einen langen Nachtdienst, allerdings mit genauer Aufgabenverteilung und Neustrukturierung der Schichten.
Mal sehen... :)
Grüße aus dem Schwabenland

Hosc
18.05.2005, 05:16
Hei Christoph,

ich weiss etwas spæt fuer den Beitrag aber dennoch auch meinen Senf noch dazu.
Arbeitswoche 35,5 Stunden, Fruehdienst von 07:30 bis 15:30; Spætdienst von 15:00 bis 22:30 und Nacht von 22:00 bis 08:00.
Fuer die Uebergabe sind also immer genau 30 min. vorgesehen.
Am entspannensten hier finde ich den relat. spæten Fruehdienst. Erwische mich immer noch beim grinsen wenn ich 06:30 aufsteh und an meine ehemalige Abteilung in D. denke :-p
Mit verschlafenen Gruessen aus dem schweinekaltem Oslo.

Hosc

Hanno H. Endres
18.05.2005, 05:26
Fruehdienst von 07:30 bis 15:30 ...

Och nööö, das wär nix für mich.

1. Isses um 7.25 immer so voll in der Umkleide, wenn die Anästhesie zum Dienst erscheint und

2. würde dann der herrliche 'Viel-zu-Frühdienst' - Wortwitz nicht mehr funktionieren.

Aber sonst: liest sich gut!

Gute Nacht,

hhe

Christoph
21.05.2005, 21:46
Hallo Hosc

der späte Frühdienst klingt echt gut, setzt aber leider eine Verändreung aller Abteilungen des Hauses voraus. Wenn der OP um 10 Uhr schon den nächsten Patienten bringen will und nocht nicht verlegt ist wird es einfach ein bisschen eng. Deutschland hat es eben noch nicht begriffen, dass man auch in Kliniken nicht um 7 Uhr mit der vollen Leistung aufschlagen muss.

Viele grüße

Christoph :danke:

Hosc
23.05.2005, 00:56
Hei Christoph,

du meintest zum Schluss deines Beitrages
"Deutschland hat es eben noch nicht begriffen, dass man auch in Kliniken nicht um 7 Uhr mit der vollen Leistung aufschlagen muss." !!!

Absolut richtig und volle Zustimmung auch wenn in einigen Einrichtungen sicherlich damit begonnen wird umzudenken.
Aber noch etwas anderes was mich erst meine Stirn runzeln liess. ( Ist keine Kritik, du sagtest ja nur etwas ueber den derzeitigen Status )
Warum setzt es eigentlich "leider" einige Verænderungen aller Abt. im Hause voraus?!
Wird nicht immer und ueberall ( bis zum erbrechen) proklamiert das der Mensch , und da insbesondere der kranke Mensch oder wie schrieb hier im Forum jemand so treffend, der Mensch in einer extremen Lebenskrise, im Mittelpunkt steht.?!?!?!?!?!
Schaut doch nur mal in die Leitbilder rein was da so alles schønes steht!!
Alles ganz grosser Kæse, wenn nicht danach gehandelt, sprich gearbeitet oder wenn man so will umorganisiert wird.
Denn , so meine immer wieder wunderbar provozierende Frage damals in D., warum soll sich der Pat. nach der Klinik ( Abteilungen, Labor, Arzt , Pfleger etc.) richten? Weil er krank ist? Weil er sich nicht æusssern kann? Weil wir das schon immer so und um diese Zeit gemacht haben?
Ich persønlich vertrete die Ansicht ( auf meiner "alten" Station in D. war das durchaus ketzerisch), das gerade kranke Menschen ein Recht auf Ruhe und Schlaf haben, und sich die Organisation um den Menschen drehen sollte und nicht umgekehrt. Ich selbst wuerde absolut zum "Tier" werden, wenn mich kurz nach sechs jemand weckt weil er meint ich muesste mich nun waschen oder ich muesste ins Labor, oder irgendein unausgeschlafener Akademiker weckt mich zum Pi.....!
Sorry, aber dabei kønnt ich mich wirklich ereifern, wie gerade geschehen :-o .
Nun erlebe ich zum erstenmal das es auch anders geht. Aber ein zarter Verdacht sagt mir das es sich hier auch mehr um eine gewisse Lebenseinstellung handelt als willentliche geschaffene Struktur. Aber wie dem auch sei, es kommt meiner Auffassung einer ganzheitlichen Pflege um Lichtjahre næher als alles was in D. erleben musste.
Soll nicht heissen ich nehme hier alles unkritisch auf, aber das wuerde den Rahmen doch noch weiter dehnen als ich es nun schon getan habe.
Vielleicht kønnen wir ja ein neues Thema erøffnen? ;)
In diesem Sinne euch allen einen "schønen" Montagmorgen, ( und nun på norsk: Jeg ønsker dere alle en "nydelig" mandagmorgen)

ein ab und an zum "Tier" mutierender
Hosc