PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anrede im Klinikbereich



Martin Allgeier
07.12.2004, 09:52
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Heute möchte ich mal ein Thema andiskutieren, über das immer wieder heiß diskutiert wird: Die Anredeform im Klinikbereich.

Was halten Sie vom "Sie" bzw. "DU"

- unter Kolleginnen/Kollegen?
- innerhalb des therapeutischen Teams?
- interdisziplinär?
- hierarchieübergreifend?

Wie ist Ihre Meinung zur Anrede per Vornamen und "Sie"?

Kann es ein "Arbeits-DU" (z.B. während der Reanimation) und ein "Alltags-Sie" (z.B. bei der Frage nach der Dienstplan-Einteilung) nebeneinander her geben?

Welchen Standpunkt vertreten Sie zur generellen Ansprache per Nachname?

Ist für Sie, liebe Kolleginnen, die Ansprache "Schwester" noch ein Ehrentitel, den Sie für Sich praktiziert haben wollen? Oder wollen Sie lieber mit "Frau ..." angesprochen werden? "Pfleger..." ist ja ohnehin eher selten anzutreffen.

Sprache und Ansprache in der Pflege, ein 'never ending' Thema?

Mit kollegialen Grüßen aus Herrenberg

Ihr/Euer/dein
Martin Allgeier

PICCOlina
07.12.2004, 16:21
Für mich eine ganz klare Sache:
Ich stelle mich den Patienten, Besuchern etc. grundsätzlich als Frau... vor. Ich bin seit 17 Jahren in der Pflege und kenne daher die Unsitte als Schwester immer gleich geduzt zu werden. Den Pflegern passiert das eher selten. Und seit ich nicht mehr Schwester Andrea bin, ist es auch kaum noch vorgekommen. Ein bischen Distanz ist mir schon wichtig.

Unter Kollegen kommt es immer auf die Beziehungsebene an. Viele kenne ich schon jahrelang. Da ist es normal sich zu duzen. Auch in der Hierarchie weiter oben. Mit meinem Chefarzt und den Oberärzten habe ich schon zu ihrer Assistentenzeit gearbeitet. Wir duzen uns auch weiterhin, allerdings meist nicht in Anwesenheit von Patienten. Und das tut unserem gegenseitigen Respekt keinen Abbruch.
Ich habe allerdings so meine Probleme mit den "neuen Ärzten". Sie sind meist 10-15 Jahre jünger, und duzen mich ganz selbstverständlich. Das verbitte ich mir dann konsequent, da bin ich eher altmodisch. Ich finde es schon nicht gut, wenn man mittlerweile in Restaurants, Kneipen und so weiter sofort geduzt wird. Ich möchte entscheiden dürfen, wen ich auf diese, wie ich finde intimere Beziehungsebene, einlade.
Allerdings muss ich sagen das ich unter den Kollegen(Pflege) auf meiner Station, damit überhaupt kein Problem habe. Auch hier im Forum stört mich das "Du" überhaupt nicht. Komisch, also scheint es ja doch nicht so klar zu sein.....


Gruß PICCOlina

Locke
07.12.2004, 18:19
also bei uns werden alle kollegen geduzt. Bis auf meinen Chef der Anästhesie, Trauma Chef und Allgemeinchirurgenchef und dessen 1.Oberarzt. ansonsten immer

Kenne auch einige bei uns schon seit ihrer PJzeit von der ärtzlichen seite. :)

PICCOlina
07.12.2004, 20:09
:hihi: da fällt mir was Böses ein
Seit wann sind Ärzte Kollegen :confused: :cool:

jo, ich stell mich auch in die Ecke....

gruß
böse PICCOlina

Martin Allgeier
08.12.2004, 08:52
Liebe Kolleginnen!
Liebe Kollegen!

An dieser Stelle habe ich ein etymologisches Wörterbuch befragt, woher das Wort KOLLEGE stammt:

http://www.koeblergerhard.de/der/DERK.pdf

Kollege
M., >Mitarbeiter, Kollege<, 16. Jh.(Mathesius 1563) Lw. lat. collega, M., >Amtsgenosse>, zu lat. cum, col, Präp., Präf., >mit<, lat. legare, V., >als Gesandter senden, ernennen<, zu lat. lex, F., >Gesetzesvorschlag, Gesetz, Vorschrift<

kollegial
Adj., >Mitarbeiter betreffend<, (in Zusammensetzungen) 17. Jh. (Dannhauer 1643) Lw. lat. collegialis, Adj., >kollegialisch<

Kollegium
N., >Gruppe von Personen mit gleichartiger Stellung und Tätigkeit, Zusammenkunft<,(16. bzw.) 17. Jh. Lw. lat.
collegium, N., >Amtsgenossenschaft<

Die Frage stellt sich nun, ob Ärzte und Pflegekräfte "Amtsgenossen" sind. Im Sinne von >col<, also >mit< könnte man schon sagen, dass unsere Tätigkeit im besten Sinne ein "Miteinander" darstellt. So wie das Wort collere (zusammenkleben) ja auch andeutet, dass zwei Dinge miteinander verbunden sind. Intensivtherapie kann nicht stattfinden ohne dass Pflegende und Ärzte miteinander verbunden arbeiten.

Beim "Kollegium" wird es schon schwieriger.

In der Frage der rechtlichen Stellung gegenüber unseren "Klienten" ist, zumindest für Deutschland im Jahr 2004, noch nicht von einem Kollegium als Amtsgenossenschaft zu reden.

Da Pflegende jedoch de facto wesentliche menschliche Interaktionen mit den Patienten eigenverantwortlich leben und Bedürfnisse für ihn teilweise oder ganz übernehmen, kann hier m.E. von einem kollegialen Verhältnis zu den Ärzten gesprochen werden.

In der Begegnung mit den uns anvertrauten Patienten könnte man in Bezug auf das Vertrauen, welche diese Menschen und ihre Angehörigen in uns setzen, indem sie uns die Sorge um ihr Leben anvertrauen, Pflegende und Ärzte schon als "Personen mit gleichartiger Stellung und Tätigkeit" betrachten.

Mit kollegialen Grüßen
Martin Allgeier

arnold kaltwasser
08.12.2004, 09:10
na ja,
eigentlich hat man in der Regel den gleichen Arbeitgeber :D
also doch Kollegen, oder :confused:
mit kollegialen Grüßen :jubel:
arnold

Monty
09.12.2004, 13:48
Hallo!

Mit der Anrede im Bereich von Angehörigen und Patienten hab ich mir angewöhnt, mich mit Vor- und Nachnamen und meiner Funktion vorzustellen. Dies für normalerweise fast immer dazu, dass ich mit "Sie" angesprochen werde und das bezwecke ich natürlich damit auch. Daraus kann sich natürlich mit dem Patienten nach gewisser Zeit ein "Du" entwickeln, was ich wenn´s passiert mit dem Patienten nochmal kläre. Bei den Angehörigen wird´s höchstens ein "Sie" und meinem Vornamen, wenn ich das in der Beziehung auch in Ordnung finde.
Mit den Ärzten ist es so eine Sache. Mit den Assistenz- und Oberärzten meiner Station ist ein "Du" völlig normal, auch vor den Patienten, die reden mich ja deshalb auch mit "Du" an. Wenn´s ihnen vor den Patienten nicht passt, müssen die sich mir gegenüber auch entsprechend verhalten. Wenn ein fremder Arzt auf "meine" Station kommt, dann lass ich es darauf ankommen, wie er mich zuerst anspricht. Und wenn ein Chefarzt mich duzt, dann wird das einfach erwidert. Dann braucht er sich aber auch nicht darüber aufregen.
Ein anderer Mensch ist deswegen nicht besser oder erhabener, nur weil er das für sich einfach herausnimmt. Wenn mich ein Arzt als "Kollege" und Mensch nicht angemessen respektiert, dann kann er das vom mir auch nicht zwingend zu erwarten. Respekt muss man sich verdienen, dass gilt in der "Hierarchie" von "unten nach oben", aber genauso umgekehrt.

Der Mensch bleibt Mensch, egal wie er sich kleidet!

Gruß, Monty

arnold kaltwasser
10.12.2004, 08:50
Sie oder du, dass ist hier die Frage...

wenn das nur so pauschal zu beantworten wäre:
wenn ich mit jemanden per du bin, dann hat das nichts mit der Arbeit zu tun und wenn ich per Sie bin, dann besteht keine persönliche und vor allen Dingen private Beziehung.
Meine Erfahrung (man ich werde alt ;) ) sagt mir, ein Sie ist in der Regel (außer auf freundschaftlicher Ebene) im beruflichen Alltag angnehmer.
Also mit den Kollegen in der Weiterbildung bin ich per Sie (Ausnahme, die mit denen ich früher auf Station zusammengearbeitet habe) und mit den Kollegen in der Schule in der Regel per du.
:D trotzdem ist Nebel in Reutlingen und kalt
so long arnold

WomBat
10.12.2004, 18:19
Warum ist das mit dem -Du- und dem -Sie- so schwierig? Im manchen Sprachen gibt es diesen Unterschied nicht. Trotzdem kann Respekt gezeigt werden. Historisch gewachsen, weiterhin erwünscht?

Sehe es sehr ähnlich wie Piccolina und Arnold. Weil es so iss, wie es iss. -Sie- hat so eine schützende / protektive Wirkung in unserem Ländle, bes. im nach wie vor hierarchischem Krankenhaus!

Aber, wenn ich mich mit jemand auf's "Du" geeinigt habe (egal wer mit dem Quatsch anfing), dann behalte ich es in allen Situationen bei, z.B. im Gespräch mit einem Arzt am Patientenbett oder in Beisein des Chefarztes (oder Professors). Ich finde das völlig in Ordnung so lange die Art der Kommunikation bzw. das Benehmen nicht respektlos ist. Interessanterweise ist (bisher) noch nichts als Bummerang zurück gekommen. Habe keine Lust, immer daran zu denken zu müssen: "Jetzt ist aber Monsieur oder Madame Sowieso da, jetzt muss ich alles anders machen".


WomBat, :wut: wie wird Bumerrang getippt?

PS
Unvergesslicher Satz einer Kollegin auf die Beschwerde einer Krankenschwester (im Rosa-Kittel mit Blümchen-Namensschild und Ringelsocken in Pasteltönen :) ) die sich nicht ernstgenommen fühlte:

Wenn mann sich wie ein Clown kleidet, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man wie ein Clown behandelt wird.

Ebenso ist es mit der Sprache. Glaube ich.

Tobi Bo
10.12.2004, 19:15
Unvergesslicher Satz einer Kollegin auf die Beschwerde einer Krankenschwester (im Rosa-Kittel mit Blümchen-Namensschild und Ringelsocken in Pasteltönen :) )

Ich glaub die kenn ich auch. ist das die mit dem selbstgebastelten Namensschild aus FIMO mit einem niedlichen Igelchen drauf?

:D

Tobi Bo
10.12.2004, 19:19
Was halten Sie vom "Sie" bzw. "DU"

- unter Kolleginnen/Kollegen?
- innerhalb des therapeutischen Teams?
- interdisziplinär?
- hierarchieübergreifend?

Wie ist Ihre Meinung zur Anrede per Vornamen und "Sie"?

unter kollegen duzen wir alle durch die bank weg. dazu zählen auch die ärzte und die jeweiligen oberärzte, zumindest die, mit denen man regelmäßig zu tun hat.

Wenn mal ein Assi von einer anderen Abteilung zum Konsil zu uns kommt, duze ich den auch noch, Oberärzte usw. allerdings nicht.

Vorname und sie finde ich ganz schrechlich, schon fast albern. ist irgendwie nichts halbes und nichts ganzes und soll gewollt / betont höflich sein. sollte verboten werden.

Tobi

WomBat
11.12.2004, 21:04
Ich glaub die kenn ich auch. ist das die mit dem selbstgebastelten Namensschild aus FIMO mit einem niedlichen Igelchen drauf?

:D

:mosh: Volltreffer!

WomBat, NoFiMo

R.Fischer
12.12.2004, 11:46
Liebe Kollegen!
Meiner Meinung nach ist es eigentlich relativ Wurst,wie man sich anspricht.
Man sollte respektvoll und höflich miteinander umgehen und das "Du" nicht als Freifahrschein sehen, daß der andere jetzt immer mit mir übereinstimmt.
Was ich nicht leiden kann: wenn einer mir auf irgendeinem Fest das "Du" anbietet und mich am nächsten Tag wie seinen Handlanger behandelt. :motz:
Ich bin da sehr vorsichtig geworden, das Duzen kann man so schwer wieder ablegen.

Ach übrigens: oben genannte Kollegin mit dem Blümchenkleid und dem Fimo-Namensschild - hat die eigentlich immer noch die Biene-Maja-Haarspange? :D

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer.

WomBat
12.12.2004, 17:04
In einem Krankenhaus ist das "Sie-zen" für Gesundheits- und Krankenpflegepersonal ein echtes PPP*.

Besonders für die jüngere Generation, auch wenn sie's noch nett glaubt.

*[Personen Protektives Personalpronom]

Unter Person verstehe ich grob und unter anderem die persönliche / berufliche Würde, die auch uns ;) zusteht.

WomBat, erfindet heute (un)sinnige Abkürzungen

PS
Die Bienchen-Spange ging bekanntlich bei einem Noteinsatz verloren :(

Martin Allgeier
13.12.2004, 10:30
Liebe Kolleginnen,
Liebe Kollegen,

Danke für Ihre/Deine offenen Antworten. Ich hab das "schnelle DU" viele Jahre eher unreflektiert übernommen und fand das in Ordnung - jetzt mit den Berufsjahren (seit 1978 - ich glaub´s kaum) denk ich etwas anders darüber.

Entscheidend bezüglich der Frage des SIE oder DU ist für mich die Ebene des Miteinanders, abgestuft nach verschiedenen Kriterien:

1.
Besteht ein formales Hierarchieverhältnis an dem ich oben stehe (z.B. wie bei einem Lehrer gegenüber einem Weiterbildungsteilnehmer), dann praktiziere ich, solange dieses "Abhängigenverhältnis" besteht, ein SIE. Das ist, nach vielen Jahren des SIE/DU-Probierens, die Anredeform, in der die ehrlichsten und offensten Gespräche im Lehr-Lern-Verhältnis möglich sind - und zwar beidseitig, also auch vom Lernenden zum Lehrer hin.

2.
Besteht ein formales Hierarchieverhältnis an dem ich formal unten stehe (z.B. medizinfachlich im Arzt-Pflegekraft-Verhältnis), dann praktiziere ich zunächst ein SIE. Früher war das DU dagegen die Regel. Hat wohl auch etwas mit dem Alter zu tun. Langjährige Arbeits- und Teamkollegen duze ich selbstverständlich und die Frage des gegenseitigen Respekts ist nicht davon berührt. Bei neuen - formal mir als Pflegekraft weisungsbefugten - Teamkollegen bin ich sehr vorsichtig.

Oftmals ist es deren eigene Unsicherheit, die zum schnellen DU verleitet, um möglichst bald eine "scheinbar" gleiche Beziehungsebene zu schaffen.

Im "möglichen" Konfliktfall wird dieses DU dann häufig als Druckmittel eingesetzt.

Hier fällt mir der in Management-Kreisen verbreitete Spruch ein:
"Personalführung ist die Kunst, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungswärme als Nestwärme empfindet."

Mit einem "DU!" und "Mach mir mal schnell..., könntest du mir..., du solltest aber..." etc. wird über die scheinbare Nestwärme häufig nur um des Ergebnisses willen die vertrauliche Ebene gewählt. Ist die Arbeitsverteilung und Teamarbeit dagegen wirklich kollegial im besten Sinne, dann ist das DU kein Problem und kann auch praktiziert werden.

Dies ist für mich allerdings auch ein Schritt, den ich immer als bewussten Akt einer DU-Kultur zelebriere und individuell mit meinem neuen DU-Partner begehe - so nebenher beginne ich kein "DU-Verhältnis". Diese Art von DU-Kultur hat auch etwas Schönes und macht aus der Beliebigkeit ein Stück lebenswertes Miteinander.

3.
Ganz abgesehen davon sind diejenigen Beziehungen, in denen ein mangelnder Selbstwert der Beteiligten (auf beiden Seiten möglich) über die schnelle DU-Ebene gestützt wird, besonders problematisch zu betrachten und bezüglich einer professionellen Teamarbeit ebenfalls fraglich.

4.
Besteht eine alte Bekanntschaft oder Freundschaft, ist es klar, dass ich über alle Ebenen hinweg das DU gerne pflege.

Mit kollegialen Grüßen
Ihr/Dein
Martin Allgeier

Tempo
13.12.2004, 11:23
So, dann will ich jetzt auch mal meinen Senf dazugeben.
Wir arbeiten alle in einem Bereich in dem wir es täglich mit menschlichen Schicksalen und Tragödien zu tun haben. Diese gehen an uns auch nicht immer spurlos vorbei. Und dann müssen wir reden! Wir reden miteinander ( Pflegekräfte, Ärzte ) um so Ängste und Spannungen abzubauen die in grossen Stressituationen entstanden sind. Das passiert natürlich nicht ständig, aber es kommt immer wieder vor.
Es gibt wohl kaum eine Berufsgruppe die sosehr auf der Beziehungsebene miteinander kommuniziert, wie unsere. Und auf der Beziehungsebene gilt nun mal das Du! Wenn man nach Stressituationen miteinander redet gibt man Dinge von sich preis die z.T. sehr in die Tiefe gehen. Wenn ich da jemanden Siezen müsste käme ich mir irgendwie komisch vor. Es wäre eine Distanz da, die eigentlich nicht dasein sollte. Jeder sollte das Gefühl haben "Ich kann den anderen trauen"! Und dieses Gefühl werde ich mit einem Sie nie aufbauen können.
Abgesehen davon ist es mit dem Du auch einfacher Kritik zu verteilen statt mit dem förmlichen Sie!
Meine Meinung also: duzen wann immer es geht!

R.Fischer
14.12.2004, 10:27
Liebe Kollegen!

Im Gegensatz zu Tempo habe ich die Erfahrung gemacht, daß Kritik zu üben beim "Sie" leichter ist - es besteht einfach etwas mehr Distanz, so daß ich zumindest die sachliche Kritik einfacher aussprechen kann.
Ansonsten bin ich nach einer "Anschnupperphase" durchaus auch für das "Du", nur wie oben gesagt - gebranntes Kind scheut das Feuer: ist das Duzen erst mal angefangen, kann man bei schlechten Erfahrungen nur ganz schwer wieder zurück. :(
Allgemein Duzen sich in unserem Haus die Kollegen bis zur Grenze PDL eigentlich so ziemlich alle, mit den Akademikern ist es unterschiedlich.

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer.

Sabine Rüdebusch
14.12.2004, 10:46
Liebe Kollegen!

Mir gehen zum Thema " Anrede im Klinikbereich " viele unterschiedliche Gedanken durch den Kopf.... ich versuche diese mal zu ordnen! :)

Ersteinmal sooooollte es wirklich irrelevant sein, ob man sich duzt oder siezt, wenn dann die Basis Respekt vor dem anderen Menschen ist...!!! Aber wie gestaltet es sich in der Praxis? Nach vielen unreflektierten Jahren des " schnellen Du " gelten für mich heute die Kriterien, die Martin Allgeier hier wirklich exellent auf den Punkt gebracht hat. Danke!!! Meiner Ansicht nach gaukelt das "DU" einem schnell vor, auf gleicher Beziehungsebene zu sein ( die potentiellen oder realen Probleme in hierarchischen Kommunikationen diesbezüglich habe sicherlich nicht nur ich erlebt :D ).

Doch, egal wie ich kommuniziere, ob per Du oder Sie, mir müssen einfach die möglichen Auswirkungen bekannt sein... Das DU bedeutet nicht per se Distanzlosigkeit, aber eine Gefahr ( norddeutscher Ausspruch: Man sagt eher DU A...loch als SIE A...loch!!! ). Das SIE bedeutet wiederum nicht per se Distanz im negativen Sinne, sondern kann meinem Schutz und meiner Abgrenzung dienen. Meines Erachtens kommen wir immer wieder auf die Basis sämtlicher Kommunikation zurück: Respektvoller Umgang mit dem anderen ist das A & O!

Hierzu fallen mir in diesem Zusammenhang zwei sehr wertvolle Literatur- Tipps ein:
Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1 & 2
Er geht davon aus, daß jede Nachricht vier Seiten hat ( " Anatomie einer Nachricht " ):
1. Sachinhalt ( worüber ich informiere )
2. Selbstoffenbarung ( was ich von mir selbst kundgebe )
3. Beziehung ( was ich von Dir halte und wie wir zueinander stehen )
4. Appell ( wozu ich Dich veranlassen möchte )
Ebenso empfangen wir Nachrichten mit " vier Ohren " ( extraanatomisch :D ), wobei das eine oder andere Ohr beim Empfänger unterschiedlich ausgeprägt ist.
Diese Faktoren beeinflussen maßgeblich den Fortgang und das Ergebnis unserer Kommunikation, unabhängig vom DU oder SIE! Spannend, sich mit diesem Thema einmal genauer auseinanderzusetzen! Ich kann es nur empfehlen, habe viel über und für mich gelernt!!!

Abschließend muß ich für mich feststellen, daß ein " Vertrauen " zu einer anderen Person nicht vom DU oder SIE abhängt, sondern von der Qualität der Kommunikation. Dieses gilt insbesondere bei Kritikgesprächen!!! Ich habe sehr häufig die Erfahrung gemacht, daß in der praktischen Arbeit mit Menschen und ihren Schicksalen auf der Intensivstation vermeintlich auf der Sachebene diskutiert wurde ( insbesondere mit der ärztlichen Berufsgruppe im interdisziplinären Team )... aber eigentlich lief alles auf der Beziehungsebene und führte aufgrunddessen zu massiven Kommunikationsproblemen :( . Auch das Nicht- Miteinanderreden ist eine Form der Kommunikation, wenn auch eine wenig produktive...

In diesem Sinne " MAN KANN NICHT NICHT KOMMUNIZIEREN " ( Paul Watzlawick ), ob mit DU oder SIE!!!

Ihnen / Euch einen schönen Tag!
Herzliche Grüsse
Ihre / Eure
Sabine Rüdebusch

:jubel:

Pimboli
17.12.2004, 03:06
Ist das nicht alles etwas überproblematisiert? Man kann doch nicht gleich so schwere Geschütze wie das 4-Ohren Modell auffahren und die Benutzung von Du oder Sie direkt tiefenpsychologisch ausdeuten.

Ich setze das SIE eigentlich nur bei Personen ein, die ich entweder nicht leiden kann, oder vor denen ich Respekt habe. So machen das irgendwie alle die ich bisher kennengelernt habe. Das gesietzte Gegenüber darf dann anschließend rätseln, zu welchem Personenkreis es gehört. Den Rest duzt man halt. Ist doch irgendwie einfacher, als sich dreidimensional vorzustellen, welches der vielen Ohren jetzt mal wieder gerade angesprochen wird. Krankenpflege projeziert meiner persönlichen Meinung nach sowieso viel zu viel in die Beziehungskiste rein. Jetzt will ich aber schnell aufhören, bevor noch irgendein verzweifelter Student der Pflegewissenschaften darüber publiziert.
Ich sag ja immer: Bloß kein Ärger mit die Kollegen.

Tempo
17.12.2004, 04:47
"Jetzt will ich aber schnell aufhören, bevor noch irgendein verzweifelter Student der Pflegewissenschaften darüber publiziert."
Das würde uns alle aber bestimmt unglaublich voran bringen!! :D :D

Martin Allgeier
17.12.2004, 10:42
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Hallööh'schen!
Hoi mitnand!
Sehr verehrte Damen im Forum!
Sehr geehrte Herren im Forum!
Tach auch!
Hallo Ihr mit-schreibendes Volk!
Grüß Gott miteinander!
Guten Tag!
Hallo!
Moin Moin!

Zu behaupten, dass die Form der Anrede eine "zweidimensionale Angelegenheit" stimmt m.E. nicht.

Schauen Sie/Schau dir doch nur mal folgende Anredeformen an und stellen Sie sich/stell dir mal vor, du hast diesen oder jenen Kollegen/Kollegin vor dir stehen.

Vor Ihnen/Dir könnte stehen:

Frau Sabine Meyer
Herr Michael Meyer

(z.B. als Pflegeperson, Arzt, Patient)

Und dann wird es Morgen und wir treffen beide zum Dienstbeginn:

„Guten Morgen Frau Doktor!“
„Guten Morgen Frau Meyer!“
„Guten Morgen Frau Professor Dr. Meyer!“
„Guten Morgen Frau Professor Meyer!“
„Guten Morgen Frau Professor!“
„Guten Morgen Frau Sabine!“
„Guten Morgen Herr Doktor!“
„Guten Morgen Herr Meyer!“
„Guten Morgen Herr Michael!“
„Guten Morgen Herr Professor Dr. Meyer!“
„Guten Morgen Herr Professor Meyer!“
„Guten Morgen Herr Professor!“
„Guten Morgen Kollege Meyer!“
„Guten Morgen Kollege!“
„Guten Morgen Kollegin Meyer!“
„Guten Morgen Kollegin!“
„Guten Morgen Meyer!“
„Guten Morgen Meyer, du altes Haus!“
„Guten Morgen Meyer'chen!“
„Guten Morgen Meyer-in!“
„Guten Morgen Michael Meyer!“
„Guten Morgen Michael!“
„Guten Morgen Michi!“
„Guten Morgen Mike!“
„Guten Morgen Oma Meyer!“
„Guten Morgen Opa Meyer!“
„Guten Morgen Pfleger Meyer!“
„Guten Morgen Pfleger Michael!“
„Guten Morgen Professor Meyer!“
„Guten Morgen Professorin Meyer!“
„Guten Morgen Sabine!“
„Guten Morgen Sabine Meyer!“
„Guten Morgen Schwester Sabine!“
„Guten Morgen Wärter Meyer!“

Und all das soll zweidimensional sein???

Wir können froh sein, dass wir an unserem Arbeitsplatz nicht auch noch "Eminenzen" uns sonstige Hochwohlgeborenen um uns herum haben, sonst wäre die Liste noch länger...

Die Vielfalt menschlicher Anredekultur auf unseren Intensivstationen und in der Anästhesie ist beeindruckend und faszinierend. In Verbindung mit nonverbalen Verhaltensweisen kann man in jedem Einzelfall von einem Barometer gesellschaftlicher Wirklichkeit sprechen. Und das ist es in jedem Fall wert, wenn Pflegewissenschaftler sich dieses Themas annehmen.

Beobachten Sie einmal daraufhin ihre Station/Abteilung oder experimentieren Sie mal mit den oben aufgeführten Anredevorschlägen...
Kombinieren Sie dazu noch nonverbale Beigaben...

Bin schon gespannt auf Ihre Erfahrungen und Erlebnisse.

Mit besten Grüßen
Ihr/Dein/Euer
Martin Allgeier

Tempo
18.12.2004, 05:29
Moin, moin!
Wichtig finde ich was Sabine schreibt, daß nämlich der Respekt vor meinem Gegenüber vorhanden sein muss. Ob Du oder Sie ist dann völlig egal!!
Ich bin jetzt fast 20 Jahre in der Pflege und finde es erstaunlich, daß ich ganz gut kommunizieren kann ohne mir jemals Gedanken über 2 oder 3 Dimensionale Anreden gemacht zu haben.
Ich halte es jedenfalls für vollkommen überflüssig, wenn sich die Pflege"wissenschaft" ernsthaft damit auseinandersetzt.

R.Fischer
20.12.2004, 08:54
Moin, moin!
Wichtig finde ich was Sabine schreibt, daß nämlich der Respekt vor meinem Gegenüber vorhanden sein muss. Ob Du oder Sie ist dann völlig egal!!
Ich bin jetzt fast 20 Jahre in der Pflege und finde es erstaunlich, daß ich ganz gut kommunizieren kann ohne mir jemals Gedanken über 2 oder 3 Dimensionale Anreden gemacht zu haben.
Ich halte es jedenfalls für vollkommen überflüssig, wenn sich die Pflege"wissenschaft" ernsthaft damit auseinandersetzt.


Genau dasselbe finde ich auch. Bravo
Ich denke, für die Pflegewissenschaft gibt es genügend andere wichtige Themen (bin übrigens noch nie in irgendeiner Weise gefragt worden, was ich wichtig fände - Ihr??).
Die zwischenmenschliche Kommunikation ist für mich kein Thema, das erforscht werden müßte - ich muß jeden Tag aufs Neue kommunizieren und dies mit jedem Menschen an jedem verschiedenen Tag auf eine andere Art und Weise, da nützt es mir nichts, irgendwelche Ausarbeitungen im Kopf zu haben.

Was meint Ihr dazu? :confused:

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer.

arnold kaltwasser
20.12.2004, 13:56
...
Vor Ihnen/Dir könnte stehen:

Frau Sabine Meyer
...


hier fehlt eindeutig das hessische

Pflescher arnold :D
mit freundlichen Grüßen aus dem schneeigen Reutlingen

arnold

PICCOlina
20.12.2004, 23:35
Ich kann nur noch den Kopf schütteln :confused:
So ein Theater gibts wohl auch nur unter Pflegenden: "4 Ohren Psychologie" und so weiter..., jo, musste ich in der FWB auch machen. War da schon nicht meine Wellenlänge.
Aber jetzt finde ich es völlig überdreht.
Ein Strassenbauer oder Schlosser würde sich darüber wohl weniger Gedanken machen. Da geht es gradliniger zu, man sagt, was man meint und gut. Die Pflegenden machen sich erstmal darüber Gedanken, wie der andere das Gesagte auffassen wird, hat er vielleicht einen schlechten Tag?, oder Probleme?, in welcher Beziehung stehen wir zueinander?
Ich glaub, das erschwert unser Miteinander nur noch. Das "Sie" bringt auf jeden Fall Distanz. Und dann einfach nicht weiter analysieren :D

Gruß PICCOlina
immer gesprächsbereit, aber direkt und ohne Schnörkel

Tempo
23.12.2004, 21:38
Genau! So sieht das aus!

ostfriesland
25.12.2004, 03:32
Moin,
ich arbeite nun seit ca. 15 Jahren auf unterschiedlichen Intensivstationen diverser Kliniken und bisher war es auf allen Stationen üblich, dass sich das Pflegepersonal duzt; mit den Ärzten wurde es sehr unterschiedlich gehandhabt - meistens wurde erst gesiezt und im Laufe der Zeit wurde sich mit einigen geduzt.
Auch denke ich, dass sich Respekt verschaffen oder Distanz wahren nicht am Duzen oder Siezen fest machen lässt.
Gruß

Joggi
27.12.2004, 11:01
Hallo,
ob Sie oder Du ist für mich nicht die Frage, die frage ist ob ich Respekt vor jemandem habe.
Schwer wird nur die Orrientierung für den Patienten wenn sich alle sich mit Du ansprechen.
:mosh:

Sabine Rüdebusch
27.12.2004, 12:22
Hallo, Joggi!

Schließe mich Ihren / Deinen Ausführungen an... ein professioneller Blick auf den Patienten als " Objekt unserer Begierde ", wie ich gerade ketzerisch gelesen habe :-o , könnte in unsere Diskussion " Duzen oder Siezen " andere wichtige Aspekte einbringen!!!

Vielleicht könnten die von PICCOlina kritisch angemerkten Fragen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen:
" Die Pflegenden machen sich erstmal darüber Gedanken, wie der andere das Gesagte auffassen wird, hat er vielleicht einen schlechten Tag?, oder Probleme?, in welcher Beziehung stehen wir zueinander? " ???

Allen hier eine schöne Zeit " zwischen den Jahren "!
Ihre / Eure
Sabine Rüdebusch :)

Ambu das Beuteltier
27.12.2004, 18:39
Ist es nicht toll das wir in Deutschland diese "fast" einmalige Gelegenheit haben über die Anrede zu unterscheiden wie wir (zumindest) mit Fremden in Kontakt treten wollen. Die Diskussion hier schweift immer weiter in den interkollegialen Bereich ab.
Mich interessiert:Wer lässt sich denn noch die Anrede "Du" von Patienten gefallen?
Wer lässt sich wirklich noch mit "Schwester ..." ansprechen, oder wie ist dies zu vermeiden?

Muss man jetzt antworten ich bin "Fachschwester ..." oder vieleicht ich bin "Gesundheitsschwester..."?

Vieleicht ist aber ein bewusstes "Sie" und der bewusste Verzicht auf Anreden wie "Schwester" auch ein Schritt in Richtung von mehr Akzeptanz und Würdigung unserer fachlich hochwertigen Arbeit!?
Weder die uns hierarchisch überstellten noch die von uns zu Betreuenden haben das Recht uns aus eigener Wahl heraus mit dem Vornamen anzusprechen!

Ein Tip: Probiert es mal mit Namensschildern (bitte einheitliche um die genannten Ausschweifungen von vornherein auszuschliessen) auf denen der Nachmame und die Funktion steht...und schaut mal wie sich die Lage ändert.
(wäre durchaus eine Studie im Bereich Pflege- und Kommunikationsforschung wert)
Gruß,
T.

PICCOlina
27.12.2004, 19:46
Schon lange geschehen, wir haben alle einheitliche Schilder mit vollem Namen, Titel und "Heimatstation" und Foto (furchtbar :( )

Allerdings befürchte ich, dass die "Fimo- Schwestern" nicht aussterben.
Die männlichen Kollegen haben damit eh weniger Probleme, unsere Brüder :hihi:

Als ich vor Jahren anfing "mit meinem Nachnamen zu arbeiten" hat es häufig zu Konflikten geführt. Ältere Patienten tun sich auch heute noch schwer, aber nach einer Erklärung geben sie mir immer Recht.
Ein Oberarzt (gott sei Dank nicht mehr da) hat es sogar zur Chefsache gemacht. Er war damals neu und ich seit vielen Jahren schon da. Am Telefon melde ich mich immer mit meinem Nachnamen und der Station. Zu dieser Zeit hatten wir (auch gerade neu) eine Assi-Ärztin mit gleichem Nachnamen (aber auf einer anderen Station). Der Oberarzt verwechselte uns am Telefon, gefragt hat er nicht, nur zugetextet und als er Luft holen musste, habe ich ihn "aufgeklärt". Er war empört und meinte es stünde mir nicht zu, meinen Nachnamen zu verwenden :motz: . Wenn ich nicht so sauer gewesen wäre, hätte ich ihn vielleicht ausgelacht. Das ganze wurde zu einem Treffen beim Chef. Er war logischerweise meiner Meinung und der Oberarzt stocksauer, die Zusammenarbeit danach im Teich. Dieser Mensch hat es doch tatsächlich gewagt, mich weiter mit Schwester und Vornamen anzureden. Ich habe ihm dann meine "Mitarbeit" entzogen. Dumm, wenn man als Oberarzt die Beatmung oder Dialyse nicht bedienen kann :rolleyes:
Der Chef hat ihm dann noch mal den "Kopf zurechtgesetzt" und er musste sich wohl oder übel fügen. Sachen gibts...
Da er in allem so kollegial war, ist er auch nicht mehr bei uns Bravo

Das allerschlimmste ist, dass ich Kollegen habe, die bis heute nicht verstehen, warum ich so sauer war, und auf "Schwester Vornamen" bestehen. Ich sollte ihnen vielleicht ein FIMO-Schild und Ringelsocken schenken ;)

Gruß PICCOlina

Ambu das Beuteltier
28.12.2004, 10:23
Hey Piccolina,
du hast ja soviel Recht!

Die männlichen Kollegen haben es in dem Bezug wirklich leichter, auch wenn ich mich an Zeiten zurückerinnere als ich z.B. im Bereich Urologie meine Pflichteinsätze absolvieren musste und die dort untergebrachten Patienten-Herren natürlich prinzipiell jeden Dutzten der aufgrund eines geringeren Lebensalters noch nicht ebensolche Prostataprobleme aufzuweisen hatte wie die Solidargemeinschaft der selbigen auf Station.

Ansonsten gibt es natürlich immer wieder noch die Sorte Mensch die glaubt mit einem Abschluss eines Medizinstudiums sei nicht nur der Arztberuf verbunden sondern auch universelle Weisheit und das Recht auf bedingungsloses Gehorsam der Restwelt.
Aber wie man diese ausbremst hast du ja treffend beschrieben! Wenn wir alle mit diesem Selbstbewusstsein an die Sache herangehen haben wir da aber wohl kaum Probleme.

Gruß, T.
:) der stete Tropfen höhlt den Stein...

Markus
28.12.2004, 23:36
Betr.: Fimo und Ringelsocken ...

... Du hast die ausgeleierte Hänge-Strickjacke vergessen.

Aber auch als "Mann" musste ich mir früher so einiges bieten lassen. Das fing an bei "Wärter" (sehr beliebt bei älteren Damen mit Bettjäckchen) und hörte auf mit "... sie leisten doch bestimmt Hilfsdienst..." oder "... sie studieren doch bestimmt noch ..." !!!
Die Zeiten sind vorbei, endlich!

Auf meiner Station musste ich mich lange dafür einsetzen, daß Jeder sich mit "Namen" vorstellt bzw. sich am Telefon meldet. Allerdings, ich habe wenige Kolleginnen die auf "Schwester ...." bestehen. Komischerweise stört mich das nicht, wohl deswegen weil diese sehr selbstbewußt, kompetent und hochprofessionell auftreten. Vermutlich ist auch das, das Entscheidende.

Markus

:D

R.Fischer
29.12.2004, 17:38
Oh Mann Markus!

"Wärter" - das hör' ich ja heute manchmal noch!! :motz:

Sei gegrüßt, Leidensgenosse.

Superfantastisch
16.01.2006, 01:22
zu dem thema stand letztens was in die schwester der pfleger (die mal ab und zu bei uns auf station rumliegt)


Die Schwester/Der Pfleger: Ausgabe 11/2005

Aus für "Schwester Anja"

von Jonathan Gawlitta, René A. Bostelaar

Klinikum der Universität Köln untersucht den Umgang mit Namensschildern

In einem einjährigen Projekt (09/2003 – 09/2004) wurden von den Mitarbeitern des Pflegedienstes des Klinikums der Universität zu Köln neue Namensschilder getestet. Dieser Artikel gibt dem Leser eine kurze Übersicht über das Projekt und stellt die Ergebnisse der Befragung dar. Dabei ist die große Befragungsstichprobe von allgemeinem Interesse und lässt sich in der Tendenz durchaus auf andere Kliniken in Deutschland übertragen.

ich komme leider online nicht an den volltext, aber da steht jedenfalls drin, dass sich viele kolleginnen gegen den ausgeschriebenen nachnamen gewehrt haben, weil private belästigungen usw. durch angehörige und patienten befürchtet werden.

im klinikum köln ist sowas jedoch noch nie (dokumentiert) vorgefallen, sodass die nachnamen auf die schilder gekommen sind.

ich finds richtig.

fredokus
16.01.2006, 06:08
MoinMoin
Vielen Dank Superfantastisch, dass Du/Sie diesen "alten" Thread noch mal ausgegraben hast :D


aber da steht jedenfalls drin, dass sich viele kolleginnen gegen den ausgeschriebenen nachnamen gewehrt haben, weil private belästigungen usw. durch angehörige und patienten befürchtet werden.

Das Problem hatten wir seinerzeit auch, als wir Namenschilder mit Vor-Zunamen, Beruf, Titel und Foto eingeführt haben.
Für mich war das damals schon unfassbar.
Man stelle sich mal vor, der liebe Herr Doktor stellt sich beim Patienten vor mit:
Tach auch, mein Name ist Peter, den Nachnamen nenne ich ihnen nicht, weil ich Belästigungen ihrerseits befürchte!!!!!!!!

Als Patient wäre ich sicher sofort weg, weil ich eine nicht ordentliche Behandlung befürchten müsste.
Die sog. Belästigungen sind nämlich wohl befürchtete Regressansprüche bei unsachgemäß erledigter Arbeit.
Und genau den Eindruck hatte/habe ich auch bezogen auf die Namensnennung beim Pflegepersonal.
Wer kompetent, richtig, freundlich und sachlich gegenüber unseren Patienten--------> Kunden ist, braucht wohl kaum Belästigung befürchten.

Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum Pflegepersonal viele Dokumente immer noch mir Schwester Elke oder ähnlich unterschreibt.
Nach dem Motto: Wenn ich meinen Nachnamen nenne kann man mich für meine Arbeit verantwortlich machen, wenn nicht, findet man mich vielleicht gar nicht.

Unsere PDL droht in solchen Fällen mittlerweile -zu Recht- mit Abmahnung.Und zwar, weil es viele Leute, trotz schriftlicher Dokumentationsanweisung immer noch nicht kapiert haben.

Gruß
Der Fred

Hanno H. Endres
16.01.2006, 16:13
ich komme leider online nicht an den volltext ...

Habs gerade mal nachgeschlagen (Hervorhebungen von mir):


Nachname – ja oder nein?
Nahezu die Hälfte der Kommentare der Mitarbeiter beschäftigte sich mit Nennung des ausgeschrieben Nachnamens – dies wird von vielen als problematisch angesehen im Sinne des Datenschutzes. Die Angst vor Belästigungen durch Patienten oder Angehörige spielt dabei eine große Rolle. Eine Objektivierung der Annahme, dass ein ausgeschriebener Nachname das Risiko der Belästigung durch Dritte erhöht, ist nicht möglich. Auf Nachfrage in der betrieblichen Sozialberatung am Klinikum der Universität zu Köln konnte über den Zeitraum der letzten zwölf Jahre kein Fall benannt werden. Dies bedeutet nicht, dass es keine Belästigungen durch Patienten oder Angehörige in der Vergangenheit gegeben hat und in Zukunft geben wird.
Inwieweit dafür ein Namensschild mit Nennung des Nachnamens verantwortlich zu machen ist, bleibt dabei offen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass von den in der Psychiatrie arbeitenden Pflegekräften anscheinend diese Bedenken nicht geteilt werden.

fridolin
16.01.2006, 19:32
Hi, @all,
warum nur ist das für Euch ein Problem?
Du oder Sie hat nichts mit der Würdigung des Menschen zu tun und schon gar nichts mit dem Respekt vor einem Menschen (und schon gar nicht vor einem Arzt - egal, ob Chefarzt, Oberarzt oder "nur" Assi.)
Respekt sollte ein jeder Mensch vor dem Leben haben - egal ob in der Form als Mensch, Tier oder Pflanze.
Würde, eine würdevolle Behandlung hat etwas mit dem Umgang mit anderen Menschen zu tun und ist unabhängig von der Anrede mit "Du" oder "Sie".
Auch läßt sich "Abstand" eher durch Verhalten (Sorry, Piccolina) erreichen als durch Anredeformen.
Allerdings kann die Anrede für jeden persönlich eine Hilfe sein, sein Verhalten auf "Abstand" einzustellen.
Meine persönliche Meinung:
Egal, Du oder Sie, macht, was Ihr wollt - andere Dinge (z.B. das Verhalten bzw. die nonverbale Kommunikation) sind viel entscheidender im Umgang miteinander.
Achtung: hier gilt es, eine Stolperfalle zu vermeiden - mit einer Person einmal vereinbart gilt grundsätzlich Du (oder Sie) - nicht wie es gerade passend zu schein scheint, dies wirkt unecht - das Verhalten ist dann nicht authentisch und die Patienten (natürlich auch andere KollegInnen, SchüllerInnen usw.) merken es sofort und kratzen dann an Eurer Autorität....
Im Übrigen bin ich im Verhältnis Pat. - Schwester für die Anrede mit Hausnamen - Aunahme: Pat. und Schwester kennen sich auch privat.
Viele liebe Grüße
....der duzende fridolin :mosh:

Aestiva1
17.01.2006, 09:46
Nur mal ne kurze Frage, tragt ihr im OP Namensschilder???? Bei uns stellen sich die Kollegen unterschiedlich vor. Ich stelle mich nur mit Pfleger-Vornamen ( nicht Aestiva )*Grins* vor. Die meißten Pat. können sich sowieso nicht mehr an die Anästhesiepflegekraft erinnern, dank Prämed. Ist auch manchmal ganz gut so. :D

arnold kaltwasser
17.01.2006, 09:53
@all
also ich trage ein Namensschild, auch im OP!
und bei meinem Namen...
den kann sich jeder merken :D
auch prämediziert ;)
so long arnold

Aestiva1
17.01.2006, 10:04
Aha, ist denn Dein Namensschild autoklavierbar??? *Grins*
Ich finde ein Namensschild nicht verkehrt, es wirkt professionell. Steht auch Eure Funktion drauf???
Gruß aus der Bundeshauptstadt

R.Fischer
17.01.2006, 11:46
Liebe Kollegen!

Genau das ist das Problem im OP: das Schild kann man bei uns schlecht desinfizieren, da es nur ein Plastikeinschub mit Papiereinlage ist, darum - im OP kein Schild. Ich stelle mich immer mit Nachname und Berufung vor.
Außerhalb des OP's tragen wir alle Schilder mit Vor- und Nachname und Abteilung bzw. auch Position.
Manche Schwestern auf den Stationen haben den Nachnamen übermalt (mit Edding), da wohl bei einigen von Patienten schon die Telefonnummer aus dem Verzeichnis rausgesucht und sie dann daheim angerufen wurden.

Grüße aus dem Sonnigen eiskalten Süden von Rainer.

Holger Beuse
17.01.2006, 18:04
Manche Schwestern auf den Stationen haben den Nachnamen übermalt (mit Edding), da wohl bei einigen von Patienten schon die Telefonnummer aus dem Verzeichnis rausgesucht und sie dann daheim angerufen wurden.
Na, das sieht bestimmt äußerst professionell aus :wut:
Das Argument des Privat-angerufen-werdens hab ich schon oft gehört. Allerdings noch nie belegt. Wer ruft denn da an? Die Spinne aus der Yucca-Palme? Ist das nicht auch eher eine urbane Legende?

fridolin
17.01.2006, 19:31
Ist das nicht auch eher eine urbane Legende?

Lieber Holger,
bin ganz Deiner Meinung, aber wäre es nicht angebrachte, statt "urbane Legende" "hospitale Legende" zu sagen?
Gruß
fridolin

R.Fischer
18.01.2006, 07:01
Hallo HolBeu!

Wir hatten das Thema sogar in der MAV!
Ist also tatsächlich passiert!
Da wir aber nicht wollten, daß alle Ihre Namensschilder ändern haben die KollegInnen dies also so "unprofessionell" gelöst!
Was hättet Ihr gemacht?

Gruß von Rainer.

PICCOlina
18.01.2006, 10:14
Hallo,
"Unsere" Namensschilder sind ausgestattet mit Foto, Vor- und Zunamen, Berufsbezeichnung und "Heimatstation". Dies schon seit ungefähr 8 Jahren.
Leider gibt es immer noch Mitarbeiter, die sich hartnäckig dagegen wehren. Die eine Hälfte trägt das Schild einfach nicht und die andere hat es doch tatsächlich überklebt. Da habe ich schon gesehen, dass jemand ein Foto von Queen Elisabeth über sein eigenes und über seinen Namen geklebt hat. Viel peinlicher geht`s wohl nicht mehr.
Zum März hin bekommen wir neue Dienstausweise und im Vorfeld wurde es schon sehr deutlich gemacht, dass solche "Auswüchse" dann mehr als unerwünscht sind! Ich bin ja mal gespannt wie das weitergeht.

Grüße von PICCOlina,
die immer ihr Schildchen trägt, mit Foto und vollem Namen
und sich langsam fragt, ob sie vielleicht grottenhäßlich ist, weil sie noch nie daheim von jemand angerufen oder belästigt wurde :schock:

fridolin
18.01.2006, 18:49
Hi, @all,
unser Arbeitgeber hat sich eine super Lösung einfallen lassen: er läßt auf die Pflegekleidung linke Thoraxhälfte den Vor- und Nachnahmen sowie darunter die Berufsbezeichnung drucken. Die Buchstabengröße beträgt ca. 1,5 cm - somit ist eine gute Sichtbarkeit gewährleistet. Sieht auch super aus, wenn die Kleidung neu ist, aber nach der x -ten Wäsche verblaßt der Name langsam, aber sicher.
Seitdem sind alle Namensveränderungsversuche im Sande verlaufen - wer läuft schon gerne mit einem Eddingstrich auf der Brust herum?
Einen einzigen Veränderungsversuch habe ich gesehen - eine Kollegin (Warum eigentlich immer die Damen?) hat ihren Nachnamen mit weißem Pflaster überklebt - bis, ja bis einer der beiden Hygienefachpfleger die Kollegin bissig ansprach. Seit dem scheint auch dieses Problem gelöst.

Und wer gerne lacht, der sollte auf die Seite "Witze und Witzgeschichten" wechseln, ich werde dort sofort eine witzige, wahre Geschichte zum Thema "Namensschild" hinterlassen. :-p
Viele liebe Grüße
fridolin

fredokus
18.01.2006, 20:57
MoinMoin
Wir haben auch Namenschilder mit Foto, Vor-Zunahme, Funktion.
Die Karte öffnet die Parkschranke (für einen kleinen Unkostenbeitrag von 10 €)
und ist Geldkarte für den verbilligten Personalkauf in der Cafete.
Die MAV hatte nur diskrete Probleme damit, was mich ansich wundert, da die sonst viel Wert auf Datenschutz legen.(Ist auch gut so)
Einige Kollegen und Kolleginnen tragen das Ding einfach nicht, andere tragen ihr altes Namenschild (Schwester/Pfleger x/y, Funktion) und anderen ist es echt egal.
Haben eigentlich andere Berufsgruppen, bei denen Namenschilder getragen werden Angst vor Übergriffen von Kunden, nur weil der Nachname bekannt ist?
Verkäuferinnen? Friseusen? Stewadessen? Polizistinnen sind sogar verpflichtet ihren Ausweis zu zeigen.
Ich persönlich bin verwundert, mache mir aber nur" freie " Gedanken.

Der Fred, der auch damit leben kann wenn ein 80 Jahre alter Bergmann auf der Station sagt: Ey Wärter, kannze mir ma eben helfen?

P.S. Pflege(r) Leicht hört sich schnell gesprochen manchmal ziemlich erniedrigend an :D

WomBat
19.01.2006, 20:17
Keiner belästigt mich! :( Trotz kompletter Ausweisung! (?)

WomBat, macht irgendwas (anscheinend) nicht so wie es sein sollte

Tempo
20.01.2006, 09:13
Ich werde eh ständig mit Brad Pitt verwechselt...! :D :D :D Auf's Namensschild guckt sowieso keiner ( keine )!

PICCOlina
20.01.2006, 14:34
Hui,
Da kann ich es doch kaum noch abwarten bis zum Offline-Treffen! :jubel:

Dann werde ich mein Namensschild tragen und werde dann ordentlich belästigt! http://www.cheesebuerger.de/images/midi/liebe/a054.gif

http://www.cheesebuerger.de/images/midi/engel/d040.gif PICCOlina

fridolin
20.01.2006, 16:19
Vorsicht, liebe PICCOlina,
Pflegepersonal weiß, wie richtig lästig belästigt gelästert wird......
Du bist dann sicher sich mehr sicher......
Gruß
fridolin

Hanno H. Endres
20.01.2006, 22:08
Haben eigentlich andere Berufsgruppen, bei denen Namenschilder getragen werden Angst vor Übergriffen von Kunden, nur weil der Nachname bekannt ist?

Bei mir isses derzeit genau andersrum: ich hab leider nur den Nachnamen von dem Menschen, der Zeuge gewesen sein will, dass mein Auto 2 Tage ohne gültige TÜV-Plakette am Straßenrand stand.

Würde ich gerne etwas belästigen, wenn ich denn nur den Vornamen hätte :D .

Ambu das Beuteltier
20.01.2006, 22:53
Also die Namenschilder gehen mir auch ab und an verloren usw.
aber wenn ich eines zur Hand habe trage ich das auch (inkl. Name, Berufsbezeichnung und Abteilungsname).

Die Geschichte mit der Belästigungsgefahr...
ich weis ja net,

stellen sich die Kolleginnen denn gar nicht beim Patienten vor?

Sagen sie dann auch: Guten Morgen, ich bin Queen Elisabeth und möchte Sie ein wenig frisch machen..."

ich verstehe die Diskussion nie und nimmer!

Gruß, T.

:mosh:

WomBat
21.01.2006, 14:28
Idee! Ich werde 'ne Versuchsreihe starten. Statt Namensschild, werde ich das Ding umfummeln auf ein Telefon Nummer Schild, mit Edding, 'türlich.

W3o8m5B1a4t, gut so?

Ambu das Beuteltier
21.01.2006, 22:44
Jau Wombat,
und die Quallifikationsniveaus und Abteilungen sind dann die unterschiedlichen Netze und Telefonmarken oder wie?

etwa so:

Name:
017x 284967x
Berufsbezeichnung:
Nokia 622x expert
Abteilung:
O2 - Donators


Gruß, T.
:nein:

Groha
23.01.2006, 01:06
Tach,

im Team bin ich für ein lockeres "DU" ;)

Den Ärzten gegnüber gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit ein Stationsassis bin ich per du (auch vor dem Pat) mit den OA und dem Chefarzt per Sie.
Mit unserer PDL halte ich es überigens genauso.

Grüße Groha

WomBat
26.01.2006, 18:56
Hallo A-Beuteltiel!

Gloßes Mistvelständnis! Wollte belästigt welden, nicht welben für andele Filma.

Andeles W-Beuteltiel

Ambu das Beuteltier
26.01.2006, 20:20
ich glaube ich brauche das dann nicht noch zusätzlich...

aber wie letztlich passiert:
es geschah im Zustand des Erwachens eines jungen Patienten nach Propofol Narkose...
der Arzt raunte dem Pat. noch gerade beruhigend ins Ohr er würde jetzt noch eben über die Schleuse gefahren und liege dann wieder im Bett...raunte der halberwachte: Sie haben ja eine sooo schöne Stimme..möchten Sie nicht mit mir aufs Zimmer kommen....
Woraufhin der Betroffene den Vorgang deutlich beschleunigte und flüchtete, was den Patient sehr erstaunte...