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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weniger ist mehr?! Verwundete überlebten ohne Hightech-Medizin



zwai
06.12.2004, 22:27
Die aktuelle Intensivmedizin taugt nichts beim Multiorganversagen. So lautet jedenfalls das Fazit britischer Mediziner nach der Untersuchung der Überlebensraten der Soldaten aus der Schlacht von Waterloo im Jahre 1815:

Von 52 der z.B. durch Gewehr- und Kanonenschüsse polytraumatisierten Soldaten seien nur 2 gestorben, obwohl (bzw. gerade weil?) Therapien der modernen Intensivmedizin von Antibiose bis Transfusion naturgemäß nicht zur Verfügung standen.

Die Autoren sind der Auffassung, dass das derzeitige medizinische Wissen die Therapien in eine falsche Richtung lenkt und dass die Selbstheilungsfähigkeit des Körpers heute sehr unterschätzt wird. (hhe)

Quelle: Spiegel online vom 25.11.2004 (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,329503,00.html)

arnold kaltwasser
07.12.2004, 08:34
dass ich mal schneller war :jubel:
siehe http://forum.ml01.de/showthread.php?t=260
:D
so long arnold

Martin Allgeier
07.12.2004, 08:58
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Ganz so einfach ist es nicht, wie die Autoren des Spiegel-Artikel texten.

Unter

http://www.welt.de/data/2004/11/27/366109.html

entgegnet Markus Weigand von der Heidelberger Universitätsklinik der Kritik an der modernen Intensivmedizin:

(...) Die Kriegswunden von damals seien "nicht mit denen von heute und erst Recht mit den Verletzungen durch einen Autounfall zu vergleichen. Auch würden mehrere Studien belegen, daß die Todesrate bei Blutvergiftungen in den letzten Jahren durchaus zurückgegangen sei." (...)

Woran es dann wirklich lag, dass Napoleon die Schlacht von Waterloo gegen Wellington verloren hat, obwohl die Selbstheilung der Soldaten so genial gut gewesen sei?

Die Antwort findet sich unter:

http://www.w-akten.de/kriegundfrieden.phtml

"Napoleon litt unter Haemorrhoiden, ganz besonders während der Schlacht von Waterloo. Manch ein Historiker hat daraus Rückschlüsse auf die Klarheit seines Denkens während der Schlacht gezogen..."

Damit wäre klar, welche Forschungsrichtung die Medizin der Zukunft einzuschlagen hat. Was nützen uns neue Intensivtherapieansätze wenn die Welt womöglich an Haemorrhoiden zugrunde gehen könnte.....

Honi soit qui mal y pense!

Mit dem Motto des Hosenbandordens grüßt herzlich

Martin Allgeier

arnold kaltwasser
07.12.2004, 09:14
...
http://www.welt.de/data/2004/11/27/366109.html
...
Martin Allgeier

ja ja die Welt ...
War es nicht auch der Springer Verlag, der Daniel K. mit der Spritzenpumpe beatmete

I´d rather be climbing arnold

WomBat
08.12.2004, 19:33
Artikel in Englisch, irgendwie etwas anders?


http://www.ucl.ac.uk/media/archive/archive-release/?waterloo

WomBat, Verbleicht gerade (Nein, Vergleicht!)

Ambu das Beuteltier
20.12.2004, 20:20
Hallo Kollegen,

ich möchte mich mal zum Thema äussern ohne die zitierten Studien gelesen zu haben. Zwar scheue ich nicht die Lektüre, glaube aber anhand dem hier vorgetragnen einigermaßen erfasst zu haben wporum es gehen könnte. (einer von euch wird mich schon eines Besseren belehren)
ich glaube wohl das die moderne Intensivmedizin großes Gefahrenpotential hat. Man denke nur an die vielen menschlichen Fehleistungen an med. Geräten an die in aller Regel Menschen angeschlossen sind. Man bedenke die täglichen Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen von Pflegekräften, Therapeuten, usw. die ja auch über das Wohl und Wehe der Betroffenen entscheiden.
Die meinsten in der Intensivmedizin arbeitenden sind zwar engagiert und meist auch von ihrem Können überzeugt, aber genügt das wirklich immer um Situationen jederzeit im Sinne der Patienten zu beherrschen.

Die Zahl der Patienten die an septischen Komplikationen sterben steigt doch derzeit trotz schon lange vereinheitlichter Hygienepräventionsmöglichkeiten.
(deutsche Sepsis Gesellschaft e.V.)

Wie konnte es z.B. passieren das auf einer Station einer Klinik der Umgang mit
Infusionslösungen so dermeßen falsch verstanden wurde das mehrere Patienten zu Schaden kamen (letzte Ausgabe von Intensiv, Thieme). Wer hatte sich diese in heutigen Zeiten absolut nicht nachvollziehbare Methode der Desinfektion ausgedacht und angeordnet.

Sind wir uns wirklich alle sicher nicht in unseren eigenen "Stationsreligionen" und Stationsreglelungen nicht auch solche potentiell gefählichen Details versteckt zu haben??
Ich möchte hier keine Horrorszenarien entwerfen oder alles schlecht reden, aber man sollte doch den Grundsatz nicht vergessen das jede Stunde die ein Patient länger als nötig auf einer Intensivstation zubringt für diesen sehr gefährlich ist. Klar, natürlich ist der Patient vorher schon krank und Krankheitsverläufe sind von vielen Faktoren abhängig. Ich bin aber überzeugt das nicht nur die rein formelle Qualifikation der Behandler und deren Tätigkeiten oder auch Unterlassungen am Patienten für eine gute Krankenbehandlung verantwortlich sind, vielmehr ist es die Einstellung des Behandlungsteams zur Bereitschaft erworbenens Wissen auch mal wieder zu hinterfragen und vor allem weiter zu entwickeln.

Da ich davon ausgehe das die heutigen Strukturen in Hinsicht auf Wissenshinterfragung und -mehrung wesentlich günstiger sind wie zu Zeiten der Waterloo Schlacht darf ich diese Vergleichsstudie zwar als populistisches Geschwätz abtun, darf aber nicht den Fingerzeig übersehen den Sie ans Licht zu rücken vermag: Die heutige Intensivmedizin birgt hohe Gefahren wird sie falsch verstanden.

Warum erleben wir zu häufig noch die Allmacht der Expertenmeinungen innerhalb der Krankenhäuser die kaum ungestraft hinterfragt werden dürfen (ich Chef, du machst hier was ich für richtig halte und ich habe es gar nicht nötig dir das zu begründen...)
Aber steter Tropfen höhlt den Stein..
also wohlan zur Lektüre von Studien die es lohnen sie zu Lesen!!
Evidenzbasierte Grüße von T.