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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einmalmaterial (Tuben, etc.) befeuchten?



hobbit
26.11.2004, 19:54
Es stellt sich mir die Frage ob, bzw. Einmalmaterial (Einmaltuben) heute noch zusätzlich befeuchtet werden muss (z.B. Glandosane,..). Die Materialien sind heute doch insgesamt so schleimhautfreundlich und angenehm. Wer hat damit schon Erfahrung, Ideen oder Anregungen oder weiß vielleicht von einer Studie?

Freue mich auf jeden Hinweis.......
Nachtrag: Ich gebe Michael und Hr. Allgeier recht, meine Frage bezog sich wirklich nur auf Einmalltuben, bzw. Einmallarynxmasken, Mehrmalsartikel sind meiner Meinung nach nach wie vor zusätzlich zu befeuchten.

Michael
27.11.2004, 08:51
Hallo Hobbit,

ich glaube, da muss man unterscheiden:
Einmaltuben "rutschen" ganz gut, auch ohne Gleitmittel.Bei Larynxmasken hat man schon mal ein Problem, wenn der Patient ausgetrocknete Schleimhäute hat. Dann ist ein korrektes Platzieren schonmal ein Ding der "Fast-chkeit". Wir verwenden generell ein Gleitmittel, da Manipulationen an Schleimhäuten ja auch mal postop Schmerzen hervorrufen können, die ja nicht unbedingt sein müssen.
Nasensonden o.ä. natürlich auch nur "mit".

Martin Allgeier
29.11.2004, 09:47
Hallo Hobbit,

ich geb da Michael recht. Einen Schlauch hineinschieben ist eine Seite, die andere ist das Wiederentfernen. Je nach Liegedauer und Material der Sonde, Drainage, des Tubus sollte individuell entschieden werden.

Die zugrundeliegenden Prinzipien sollten
- ein möglichst atraumatisches Vorgehen (bezüglich der Anlage und Entfernung) und
- eine hygienisch bedenkenlose Anwendung sein (je nach Anwendungsort steriles oder keimarmes Gleitmittel).

Daneben darf das Gleitmittel weder den Patienten schädigen (z.B. hohe Mengen von Lokalanästhetika in Gleitmittelform) noch das Material (z.B. Silikonspray auf Silikonkatheter).

Eine Studie zur Verwendung von Gleitmitteln bzw. zur Gleitfähigkeit von Kathetern, Drainagen, Tuben ist mir nicht bekannt. Bin aber gespannt ob ein Forum-Mitglied hierüber was zu berichten weiß.

Beste kollegiale Grüße
Martin Allgeier

andreasuhl
29.11.2004, 18:52
Als universelles Gleitmittel verwenden wir Lubricano von der Firma Farco Pharma.
Lubricano ist ein steriles Gel, verpackt in 10 ml Einmalspritzen.
Infos in der Roten Liste.
Laut LMA Deutschland auch für Larynxmasken geeignet.
Alternativ bietet LMA Deutschland auch ein Gleitmittel in 10 ml Verpackung an.
Optimal ist die Einzelverpackung. Keine angebrochenen Tuben oder Flaschen die in den Wagen oder Schubladen liegen.

WomBat
29.11.2004, 19:01
Wie oben erwähnt, gibt es wenig Daten dazu, oder zumindest wenig auffindbare Daten. Hier ein paar Hinweise:

Postoperative sore throat: cause, prevention and treatment
F. E. McHardy & F. Chung

Alkalinization of intra-cuff lidocaine and use of gel lubrication protect against tube-induced emergence phenomena
J. Coe, R. K. Jain, and J. P. Estebe
Br. J. Anaesth., September 1, 2004; 93(3): 477 - 478.

Why KY? (Leserbrief)
A. BadrakumarD. R. BallP. D. Jefferson
Anaesthesia, Volume 56 Issue 8 Page 799 - August 2001

Postoperative sore throat: topical hydrocortisone. Stride PC
Department of Anaesthetics, Queen Elizabeth Hospital, Edgbaston, Birmingham.

WomBat,
Schmieren oder nicht Schmieren, das ist die Frage!
Ziemlich vernachlässigt...

Hanno H. Endres
30.11.2004, 09:20
Ohne an dieser Stelle großartig Werbung dafür machen zu wollen, aber hat jemand konkrete Erfahrungen mit dem sehr von sich selbst überzeugten Lary-Phary-Spray (http://www.lary-phary.com/de/fachinfo.html)?

hobbit
30.11.2004, 10:45
Wir haben das Larypharygleitmittel versucht, haben aber festgestellt, dass es a) teuer ist und b) es billigere Alternativen gibt. Wir verwenden zurzeit für Larynxmasken das Endosgel und für Einmalmaterial künstlicher Speichel...

Martin Allgeier
30.11.2004, 11:07
Lary-Phary-Spray

Die Wortschöpfung erinnert ja stark an Larifari und den 1. April. Offensichtlich ist der Schöpfer des Sprays ebenso von der Wirkung des Worts überzeugt.

Im Internet-Lexikon findet sich unter:

http://www.lexikon-definition.de/Larifari.html

Larifari
Definition, Bedeutung, Erklärung im Lexikon

Larifari bezeichnet eigentlich sinnlose Silben, die dem Refrain von Liedern beim Üben der Melodie nach dem Verfahren des Guido von Arezzo unterlegt werden.
la, re, fa bezeichnen darin Noten einer bestimmten Tonhöhe. In der Umgangssprache wird übertriebener Unsinn oder weitgehend sinnfreies Gerede so bezeichnet.

Die Homepage von Lary-Phary-Spray lässt offensichtlich auch noch Interpretationsbedarf zu.

Bin gespannt, welche Melodien die Diskussion um das Thema 'Lary-Phary' noch zutage fördern werden.

Danke für alle TIPPS!

Martin Allgeier

Guddi 1
29.12.2005, 13:02
Wir haben das Larypharygleitmittel versucht, haben aber festgestellt, dass es a) teuer ist und b) es billigere Alternativen gibt. Wir verwenden zurzeit für Larynxmasken das Endosgel und für Einmalmaterial künstlicher Speichel...

Endosgel kann meist in der hauseigenen Apotheke für wenig Geld hergestellt werden.
Es eignet sich hervorragend zur Befeuchtung von Single-Use und wiederverwenbaren Masken.

R.Fischer
02.01.2006, 10:56
Liebe Kollegen!!!!

Erstmal ein hervorragend gutes neues Jahr für alle!!!!

Wir verwenden als Gleitmittel flocare von Nutricia (ursprünglich für Ernährungssonden gedacht, ist ein Gleitöl aus mittelkettigen Triglyceriden),
kriegen wir billig und die Erfahrungen sind sehr gut. :mosh:
Wird nach Gebrauch mit einem sterilen Stopfen verschlossen und hält pro Saal ca. 2-3 Tage. Mit Atemwegsinfekten haben wir keinerlei Probleme und die Hygiene hat ebenfalls grünes Licht gegeben.

Das Larifari haben wir auch versucht, mit dem gleichen Ergebnis wie bei hobbit: zu teuer und auch nicht das Gelbe...

Liebe Grüße aus dem noch etwas verschneiten Schwaben von Rainer.