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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Engpässe im Krisenmanagement von Krankenhäusern



Hanno H. Endres
24.11.2004, 22:17
nano / 3sat vom 23.11.2004


Notfallmedizin ist kaum auf Terroranschlag vorbereitet
Im Test gab es Engpässe besonders im Krisenmanagement von Krankenhäusern

Auch nach dem 11. September 2001 ist der Katastrophenschutz in Deutschland weiter in den Händen der Länder und Kommunen und auf dem Land vor allen bei den ehrenamtlichen Feuerwehren, THW und DRK geblieben. Das Konzept zentraler Rettungseinheiten und einer zentralen Bevorratung für die medizinische Versorgung blieb im Finanzstreit zwischen Bund und Ländern stecken. Dazu kommen die Reformen in den Krankenhäusern, wirtschaftlicher Druck und ein Mangel an Notärzten.

[...]

Die Verletzten hätten nur eine Überlebenschance, wenn die Kliniken über verbindliche Alarmpläne, speziell geschultes Personal, Vorräte an Verbrauchsmaterial und zusätzliche Intensivbetten verfügten. Aber all das ist kaum vorhanden. Kein Klinikchef lässt Intensivbetten leer, nur um auf eine Katastrophe vorbereitet zu sein.


Quelle & weiter: http://www.3sat.de/nano/bstuecke/72764/index.html

WomBat
25.11.2004, 18:34
Es gibt viele "nursing pages" zu diesem Thema, ein guter Anfang ist unser Freund Google mit dem Suchbegriff "disaster preparedness", interessant die ICN Positionspapiere, auch WHO - nur für den gesamt Überblick. (Begriff auch erweitern mit "and nursing" oder and "critical care nursing"). Hilfreich um den eigenen Visionen Nachdruck zu verleihen.

WomBat, findet das Thema wichtig

moosmuffel
30.11.2004, 07:17
Guten Morgen,

leider habe ich den Orginalbeitrag verpasst.Der Online Artikel ist zwar gut , kratzt aber meiner Meinung nach nichtmal die Oberfläche des Problems an.
Natürlich kann man lange über Finanzierungen streiten. (Was ja auch nicht unwichtig ist! ) Aber die die Probleme liegen ja auch in der Praxis. Wieviele Kollegen setzten sich den mit der Thematik auseinander? Notfallversorgung und Notfallmanagment ist in den meisten Häusern auf bestimmte Arbeitsbereiche beschränkt, in einem solchen Fall aber braucht man die Kooperation jeder Station. Ein positives Beispiel dazu hörte ich unlängst auf einem Kongress in Halle/ Saale. Da stellte ein Oberarzt aus Berlin den Notfallplan seines Hauses vor. Inklusive der Ergebnisse der letzten Übung!!
Die machen sowas regelmäßig.
Negativ Beispiel gefällig?: ich war letzten zur Hospitation in einem Haus einer Großstadt da hing in einem Nebenraum ein Briefumschlag mit aufgeklebter Dienstanweisung " Alarmplan - Nur im Notfall zu öffnen" Da hat jemand mitgedacht.
Aber mal im ernst wer weiß den schon wie die Kollegen der Rettungsdienste und Feuerwehren arbeiten ( beim Großschaden) Wie sieht deren Organisation aus? Vielleicht wirds Zeit für miteinander statt nebeneinander? Das spart dann auch Kosten, Zeit und Leben.

bis demnächst

Volker Neumann
30.11.2004, 19:59
Moin!
Ich will kein Erbsenzähler sein, aber das THW ist die einzigste Katastrophenschutz-Einheit des Bundes, und unterliegt nicht den Ländern oder Kommunen, die das THW natürlich mit in der örtlichen Gefahrenabwehr einsetzen. Ich bin jetzt 15 Jahre im THW (ausgebildeter Zugführer) und mache mir echt Sorgen um das Bewältigen einer Großschadenslage mit vielleicht 50 Verletzten. Unser Krankenhaus (ca. 450 Betten) ist nicht wirklich auf solche Ereignisse vorbereitet. Theoretisch ja, denn es gibt einen ganz aktuellen Alarmplan, aber was nützt das, wenn das wirkliche Bewußtsein für solche Eventualitäten nicht da ist.
Sein wir doch ehrlich: Papier ist geduldig. Übungen dazu gibt es nicht, weil sie zu teuer seien. Was nützt dann ein aufwendig gestaltetes Papier.
Gruß
Volker

Hans007
02.12.2004, 23:40
Ich bin der Autor dieses Beitrages. Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Bemerkungen. Gern würde ich mit Ihnen weiter diskutieren, ihre Erfahrungen hören. Denn wir werden das Thema weiter recherchieren. Vielleicht liegen wir ja falsch. Die Kollegen vom ZDF werden aber am 9. 12. - in einem längeren Film - wohl eine ähnliche Richtung einschlagen.
Gruss
Michael Hänel
--------------------------------
Südwestrundfunk (ARD)
Fernsehen Wissenschaft
Aktuelles/Magazin
Dr. Michael Hänel

Tel.: +49.7221.9296249
Fax: +49.7221.9293950
http://www.3sat.de/nano
http://www.daserste.de/wwiewissen

Tobi Bo
03.12.2004, 11:05
Vielleicht liegen wir ja falsch.

hallo herr hänel.

zunächst erstmal finde ich es toll, dass Sie hier mitlesen und schreiben! Hätte ich nicht gedacht, dass Sie als Autor hier auftauchen.

So verkehrt liegen Sie mit Ihrem Beitrag allerdings nicht.

Intensivbetten sind in der Tat in jedem Haus Mangelware; schon der Regelbetrieb sorgt für reichlich Engpässe - wenn eine Katastrophe dazu kommt, wird's erst recht zu einer, das stimmt schon.

Den schwarzen Peter den Kliniken zuzuschieben kann aber auch nicht des Rätsels Lösung sein.

Im beitrag heisst es :


Solange aber die Kliniken auf große Katastrophen nicht vorbereitet sind, reicht die glückliche Rettung in den ersten zwei Stunden eben nicht aus.

Ganz so einfach ist es nicht: die Rettungsdienste und Katastrophenschützer schreiben sich die Rettung im großen Stil natürlich auf die Fahnen und üben fleissig ; anschliessend liest man immer davon, wie erfolgreich und toll diese Übungen doch verlaufen sind.

Doch wie's wirklich läuft, weiß kaum jemand: die Hilfsorganisationen mit ihren Schnelleinsatzgruppen (SEGen) arbeiten komplett ehrenamtlich; die Helfer mit sehr durchwachsenem Ausbildungsniveau müssen also in der Regel von zu Hause oder ihrem Arbeitsplatz kommen.

Bei denen am Wochenende angesetzen Übungen klappt sowas natürlich immer bestens. Auch ist es kein Geheimnis, dass die Übungen in den allermeisten Fällen keine große Überraschungsveranstaltungen sind, sondern allen lange vorher bekannt sind - klar, dass dann natürlich alles bestens klappt.

Wenn es aber mal im Ernstfall darauf ankommt, bezweifle ich, dass alles genausogut abläuft wie geübt.

Ein weiterer Punkt ist, dass kaum eine Organisation zusammen mit den anderen, die im Ernstfall beteiligt sind, zusammenarbeitet, sondern schön für sich alleine übt. Das kann's doch auch nicht sein.

Viele Grüße,

Tobi

Hanno H. Endres
05.12.2004, 13:00
Hallo Tobi.



Ein weiterer Punkt ist, dass kaum eine Organisation zusammen mit den anderen, die im Ernstfall beteiligt sind, zusammenarbeitet, sondern schön für sich alleine übt.

Dass es stellenweise auch anders praktiziert wird, zeigt 'Consensus 2003 - Ein Modell der zivil-militärischen Zusammenarbeit in Katastrophenfällen' (http://www.consensus2003.de):


Wir können es uns heute nicht mehr leisten, die unterschiedlichen Kräfte und Mittel isoliert zu lassen, sondern müssen im Bedarfsfall alle örtlich und zeitlich verfügbaren Möglichkeiten nutzen. Hierzu braucht es Flexibilität, Kooperationsfähigkeit und Einsatzbereitschaft.
Genau das wollen wir mit unserem Modell testen und trainieren.
2003 lag der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und zwei Krankenhäusern.

-> http://www.consensus2003.de

Schönen Gruß,

hhe

arnold kaltwasser
06.12.2004, 14:51
vieleicht können wir ja daraus lernen
:hihi:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,329503,00.html

so long arnold

Ulf U.
08.12.2004, 13:32
Hallo Tobi,

Du lieferst mir so viele Aufhänger...


Ganz so einfach ist es nicht: die Rettungsdienste und Katastrophenschützer schreiben sich die Rettung im großen Stil natürlich auf die Fahnen und üben fleissig ; anschliessend liest man immer davon, wie erfolgreich und toll diese Übungen doch verlaufen sind.

Das ist etwas, was mich -als eines der Rädchen in diesem System- so dermaßen stört... Egal, wie mies eine Übung verläuft (es gab hier vor ein paar Jahren eine, die nach zwei Stunden wegen nicht vorhandener Führungsstruktur abgebrochen wurde; der Behandlungsplatz für Schwerverletzte wurde von der freiwilligen Feuerwehr (mit zufällig einem vorhandenen Rettungsassistenten) betreut, während die San-Einheiten von vier Hilfsorganisationen (mit entsprechendem Personal und der nötigen Ausstattung) daneben standen und Däumchen drehten... Mehr als peinlich, daß ausgerechnet bei dieser Übung Beobachter des Regierungspräsidiums mit dabei waren.

Ich weiß nicht, was hinterher in der Presse stand, rechne aber mit dem üblichen Lobgedudel. Ich kann ja noch damit leben, daß man die Bevölkerung in Sicherheit wiegen will, sofern intern wenigstens alles schonungslos aufgearbeitet wird und Konsequenzen folgen. Nur ist das wirklich immer der Fall? Meiner Mutmaßung nach wohl eher in den wenigsten Fällen. :-(


Doch wie's wirklich läuft, weiß kaum jemand: die Hilfsorganisationen mit ihren Schnelleinsatzgruppen (SEGen) arbeiten komplett ehrenamtlich; die Helfer mit sehr durchwachsenem Ausbildungsniveau müssen also in der Regel von zu Hause oder ihrem Arbeitsplatz kommen.

Womit ich weniger ein Problem habe. Bei den freiwilligen Feuerwehren ist es nicht anders, und deren Einsätze sind weitaus zeitkritischer. Hauptproblem ist dabei eher das weniger werdende Personal (in Zeiten, in denen Wehr- bzw. Zivildienst nur noch wenige Monate dauern, sind mehrere Jahre KatS kaum noch eine lockende Alternative), sowohl bei den Feuerwehren als auch bei uns. Vorgabe ist eigentlich eine doppelte, besser dreifache Personaldecke. Froh kann man inzwischen jedoch sein, wenn man die einfache Stärke hinbekommt. Da zumindest tagsüber nur rund die Hälfter der Leute erreichbar ist (arbeiten z.B. in Nachbarstädten, wo der Funkmelder außer Reichweite ist oder haben zu lange Anfahrtwege), bedeutet das eigentlich immer, Mangelverwaltung zu betreiben.


Bei denen am Wochenende angesetzen Übungen klappt sowas natürlich immer bestens. Auch ist es kein Geheimnis, dass die Übungen in den allermeisten Fällen keine große Überraschungsveranstaltungen sind, sondern allen lange vorher bekannt sind - klar, dass dann natürlich alles bestens klappt.

Oh mann, wunder Punkt. :-(
Bei meiner ersten großen Übung war ich noch richtig naiv realistisch. Wollte ich zumindest sein. Es war nett, vorher genau zu wissen, was wann wo passieren wird, doch Vorteil wollte ich daraus nicht ziehen. Das komplette Hauptamt meines damaligen Brötchengebers traf sich zum Frühstück, lediglich ich mit einem Zivi nicht bei den anderen, sondern bei diesem Zivi zuhause. Umkleidemöglichkeiten auf der Wache gab es damals nicht, also mußte ich dafür nach dem Alarm erst nach Hause fahren. Weil es zeitlich ja realistisch sein sollte (har har har, hatte doch sowohl unser Ehrenamt als auch das des DRK den Samstags-Dienst vorverlegt bzw. extra angesetzt...), fuhr ich in Zivil zu diesem Frühstück, nahm extra kein Weißzeug mit. Als dann die SEG-Rett aus der Nachbarstadt schon eine halbe Stunde vor dem "Wumms" an der Stadtgrenze wartete, der Einsatzleitcontainer ebenfalls eine halbe Stunde vorher an der Einsatzstelle abgesetzt wurde, fing ich schon an zu grummeln. Ich weiß bis heute nicht, wie mit den wenigen Rettungsmitteln, die wirklich transportierten, die 50 Verletzten so schnell dort weg zu bekommen waren. Auch wurden die Krankenhäuser im Umkreis von ca. 15-20 km informiert, freuten sich teilweise richtig über die Übungsmöglichkeit - und was passierte? Lediglich die beiden örtlichen Krankenhäuser bekamen ein paar wenige Verletzte ab, die schon an der Pforte für geheilt erklärt wurden. :-(

Wenn eine Übung solchen Ausmaßes wirklich funktionieren soll, muß sie komplett von auswärtigen Kräften geplant und organisiert werden, lokal dürfen höchstens eine Handvoll der allerhöchsten Führungskräfte davon wissen. Wenn das in der Vergangenheit irgendwo so geschafft wurde, verlief meist auch die Übung einigermaßen realistisch. Inklusive der nicht immer wünschenswerten Personaldecke.

Vor Kurzem war in einer der einschlägigen Newsgroups bzw. Webforen von einer kleineren Übung (Rettung einer in einem Schacht eingeklemmten Person) einer Feuerwehr zu lesen, bei der es tatsächlich gelang, die Tatsache der Übung komplett zu verschweigen. Daß es kein Realeinsatz war, erfuhr -wenn ich mich recht erinnere- selbst der Einsatzleiter erst nach geglückter Rettung der Person.
...es geht doch, wenn man nur wirklich will. :-)


Wenn es aber mal im Ernstfall darauf ankommt, bezweifle ich, dass alles genausogut abläuft wie geübt.

Das hängt zumindest hier entscheidend von den gerade diensthabenden Führungskräften ab. Schon allein dadurch entscheidet sich, ob frühzeitig die SEG und der KatS (ohne den die SEG inzwischen kaum noch schlagkräftig ist) alarmiert werden oder vielleicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. In den letzten Jahren war von diesem Spektrum alles vertreten.


Ein weiterer Punkt ist, dass kaum eine Organisation zusammen mit den anderen, die im Ernstfall beteiligt sind, zusammenarbeitet, sondern schön für sich alleine übt. Das kann's doch auch nicht sein.

Da sind wir hier eindeutig gegenüber vermutlich den meisten Städten/Kreisen in Deutschland im Vorteil. Weil nunmal im KatS die personellen Ressourcen weniger werden, mußten wir alle in unserer Stadt herbe Einschnitte hinnehmen, die schon dazu führten, daß keine der Organisationen mehr in der Lage war, die regelmäßigen großen Sanitätsdienste alleine zu bewältigen. Das führte dazu, daß man sich nicht mehr länger skeptisch beäugte, sondern zusammen an einen Tisch setzte und eine Arbeitsgemeinschaft gründete. Heute, rund fünf Jahre später, ist aus vier Organisationen, die sich sonst meist nicht riechen können, ein großer, zusammengewachsener Haufen geworden, der einem manchmal vorkommt wie ein einziger Verein. Da wird Personal untereinander ausgeliehen, Fahrzeuge wandern bei Bedarf ebenso hin und her... Natürlich gibt es ständig irgendwelche Reibungspunkte, doch die halten sich in Grenzen. Sinnvollerweise beschränkt sich diese Zusammenarbeit nicht auf San-Dienste, sondern gilt ebenso bei KatS-Einsätzen. Es gibt einen Einheitsführer, der reihum rotiert, ebenso werden die Einheiten im Einsatz quasi alle in einen Topf geworfen und dann nach Fachdiensten, nicht nach Organisationsemblem eingesetzt.
Der Schwachpunkt ist jetzt in erster Linie der Führungskräfte-Pool der Feuerwehr, der -siehe oben- alles dabei hat von "her damit" bis "brauchen wir nicht".
Und bei der vollständig versägten Übung bin ich nach allen praktischen Erfahrungen mit der HiOrg-Arbeitsgemeinschaft auch heute noch der Meinung, daß wir das im Alleingang zumindest einigermaßen hinbekommen hätten.

cheers,
Ulf

moosmuffel
08.12.2004, 14:58
Hallo zusammen,

Besondere Grüße an Hans.
Ulf du hast mit vielem Recht was du sagst und deine teilweise Frustration kann ich gut nachempfinden. Sehr gut und beispielhaft finde ich eure Idee eine organisationsunabhängigen Einheit. Dies überbrückt zumindest schon die ersten grossen Probleme von " das ist aber mein Patient" u. (Schuldigung) "wir sind die guten".
Anmerken möchte ich aber 2 Dinge. Zum einen sind Übungen ja da um daraus zu lernen, und ich hoffe eure FF hat daraus gelernt. Frage : gehört die eigentlich auch schon zu eurer Zweckgemeinschaft?
Wäre ja logisch da an einem Schadensort in aller Regel auch die Feuerwehr eingesetzt wird.
Zweite Anmerkung : Die Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer, also der freiwilligen, (nicht der KatS verpflichteten) ist sehr unterschiedlich auch wegen dem von dir angesprochenem Zeitproblem. ( Arbeit, Schule, Studium, Familie) und trotzdem glaube ich das wir auf diese helfer nicht verzichten können. Hauptamtliche Helfer sind zumeist Einzelkämpfer beim Retten das ist für den Regelbetrieb auch gut. Nur leider verlernen die meisten das Teamwork während ihrer täglichen Arbeit. ( Feuerwehr ausgenommen) Die ehrenamtlichen Helfer u. natürlich auch der KatS sind zumeist auf Teamwork getrimmt und an Führungsstrukturen gewohnt, was ihren Einsatz bei Großschadenslagen unentbehrlich macht. ( Leider begreifen das viele Hauptamtliche und Führungskrafte nicht.) Für die Krankenhäuser ist es notwendig ein Problembewußtsein zu schaffen für einen Großschadenslage. ( Hier gibts übrigens ähnliche Probleme wie bei den HiOrgs oder hast du schon mal probiert einen internistischen Patienten auf einen chirurgischen Station unterzubringen und umgekehrt???)
Ich würde fast wetten das die ersten Übungen hier ähnlich verlaufen würden, wenns denn welche gäbe, wie deine.

mit besten grüßen

Hanno H. Endres
09.12.2004, 15:41
Hi zusammen.

Die Sendung läuft heute, Donnerstag, den 9. Dezember 2004 von 22.15 bis 23.15 Uhr im ZDF.

Hier die Links zum Beitrag:

'Tag X - Terror gegen Deutschland' (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,2213108,FF.html) :

- Katastrophe im Krankenhaus (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,1872,2220604,00.html) - Zu wenig Betten und geringe Notfall-Vorräte

- Video Tag X - Versorgung im Krankenhaus (http://www.zdf.de/ZDFmt/mediathek/0,3496,MT-2223100,00.html)
Bei großen Katastrophen könnte es in vielen deutschen Krankenhäusern tatsächlich eng werden. Vor allem auf den Intensivstationen sind die Kapazitäten begrenzt.

Schönen Gruß,

hhe

Hans007
09.12.2004, 23:32
Hallo,

im ZDF Forum wird derzeit wild geschimpft: auf die Panikmache von Tag X, auf die Machart...
http://forum.zdf.de/PuZ/foren/F716/

Ich fand es handwerklich ok, inhaltlich fast etwas zahm, die Multi-Kulties heulen natürlich jetzt auf, aber dabei soll ja gerade Berlin gut vorbereitet sein, sagen Experten.
Gruss

Ulf U.
09.12.2004, 23:51
Moinsen!


Sehr gut und beispielhaft finde ich eure Idee eine organisationsunabhängigen Einheit. Dies überbrückt zumindest schon die ersten grossen Probleme von " das ist aber mein Patient" u. (Schuldigung) "wir sind die guten".

Richtig, das ist, seit diese ArGe zusammengewachsen ist, wirklich sehr angenehm. Theoretisch. In der Praxis steht es sehr häufig 3 gegen 1, da eine Organisation (der örtliche Kreisverband der größten deutschen HiOrg) sich regelmäßig daneben benimmt. (Den Funkkanal mit Schmarrn von quintärer Wichtigkeit zu blockieren ist da noch die harmloseste Disziplin, führte vor einer Weile dazu, daß die NEF-Alarmierung für mehrere Minuten nicht möglich war...) :wut:
Das ist sowohl in der dortigen KatS-Führung als auch dem schlecht ausgebildetem KatS-Personal begründet und führt inzwischen sogar zu einem internen Split zwischen RD und KatS, die eigentlich dort mal eine Einheit bildeten. Naja, auch das Problem wird sich über kurz oder lang lösen, egal wie.
Als die ArGe vor ein paar Jahren erstmalig die großen Sanitätsdienste gemeinsam bediente, war ich anfangs nicht davon angetan; die Stimmung war eher kühl und zurückhaltend. Inzwischen aber kommt es einem wirklich vor wie ein großer Verein und nicht mehr derer vier.

Daß dies der Praxis zugute kommt, zeigt sich nicht nur bei eben den ganzen San-Diensten, sondern auch in den bisherigen KatS-Alarmen, bei denen eben die von Dir angesprochenen "mein Feuer"-Probleme (bis auf die oben erwähnten Probleme mit der einen HiOrg) eliminiert sind. :-)


Anmerken möchte ich aber 2 Dinge. Zum einen sind Übungen ja da um daraus zu lernen, und ich hoffe eure FF hat daraus gelernt.
Frage : gehört die eigentlich auch schon zu eurer Zweckgemeinschaft?
Wäre ja logisch da an einem Schadensort in aller Regel auch die Feuerwehr eingesetzt wird.


Der Fehler war in dem Fall nicht einmal bei dieser FF zu suchen, sondern in der Führung der Berufsfeuerwehr (immerhin gehobener und ggf. sogar höherer Dienst!) zu suchen, die offenbar nicht pragmatisch mitdachte. (Persönlicher Eindruck: Hat damals überhaupt jemand mitgedacht? Ich glaube nicht. Das war einfach Chaos pur.) Außer den vier klassischen HiOrgs (ASB, DRK, JUH, MHD) gehört praktisch nur die BF als Aufsichts- und KatS-Behörde mit dazu. Daher heißt das Kind auch "Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen". Nicht zuletzt, weil die FF ja auch nur der Führungsriege der BF untergeordnet ist, würde das auch nicht wirklich Sinn machen.

Indirekt sind ein paar wenige FF-Gruppen ins MANV-Geschehen eingebunden, da diese den technischen Teil der SEG Rettung stellen. Diese wiederum ist -soweit ich richtig informiert bin- durch Umstrukturierungen und Personalmangel eigenständig nicht mehr wirklich schlagkräftig, so daß die HiOrgs in jedem Fall zusätzlich alarmiert werden.
Ein schönes Beispiel war eine Krankenhausevakuierung (wegen gravierender technischer Probleme) voriges Jahr in einer kleinen Nachbarstadt. Alarmiert waren die SEG Rettung und die San-Einheiten der HiOrgs. Soweit ich das überblicken konnte, waren von den ca. 15 KTW und RTW gerade einmal 2-3 von der SEG. Einerseits schlecht, andererseits gut für uns, denn dadurch ist unsere Vorhaltung nicht völlig für die Katz. Wir haben schließlich in unserer Einheit in den letzten paar Jahren nicht Beträge weit im fünfstelligen Bereich investiert (um von KatS- auf Intensiv-Niveau zu kommen), damit alles in der Halle vergammelt...


Zweite Anmerkung : Die Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer, also der freiwilligen, (nicht der KatS verpflichteten) ist sehr unterschiedlich auch wegen dem von dir angesprochenem Zeitproblem. ( Arbeit, Schule, Studium, Familie) und trotzdem glaube ich das wir auf diese helfer nicht verzichten können. Hauptamtliche Helfer sind zumeist Einzelkämpfer beim Retten das ist für den Regelbetrieb auch gut. Nur leider verlernen die meisten das Teamwork während ihrer täglichen Arbeit. ( Feuerwehr ausgenommen) Die ehrenamtlichen Helfer u. natürlich auch der KatS sind zumeist auf Teamwork getrimmt und an Führungsstrukturen gewohnt, was ihren Einsatz bei Großschadenslagen unentbehrlich macht. ( Leider begreifen das viele Hauptamtliche und Führungskrafte nicht.)


Auch da sind wir -wohl eher zufällig als gezielt bedingt- in einer glücklichen Lage. Viele unserer KatS-Helfer sind Rettungsdienstler, oder anders herum: der Großteil der Rettungsdienstler im Bereich der ArGe sind auch KatS-Helfer, weshalb denen Führungsstrukturen nicht fremd sind.
Zusätzlich dazu versuchen wir (naja, drei der vier Organisationen), möglichst viele Helfer, auch aus der Betreuung und der Technik, zum Rettungshelfer auszubilden, um ein gutes medizinisches Niveau zu haben.


Für die Krankenhäuser ist es notwendig ein Problembewußtsein zu schaffen für einen Großschadenslage. ( Hier gibts übrigens ähnliche Probleme wie bei den HiOrgs oder hast du schon mal probiert einen internistischen Patienten auf einen chirurgischen Station unterzubringen und umgekehrt???)


Oh weia. Das übliche Problem im RD, wenn ein Patient beides hat. Sofern nicht ein Bereich ganz klar Priorität hat, heißt es bei den Internisten "erstmal zum Chirurgen", dort heißt es "die paar Kratzer - bringt den mal zu den Internisten". Es lebe die interdisziplinäre Aufnahme. Ist hier leider die Ausnahme. :-(


Ich würde fast wetten das die ersten Übungen hier ähnlich verlaufen würden, wenns denn welche gäbe, wie deine.


Das ist der normale Gang. Wo nie geübt wird, kann nichts rund laufen.
Allerdings bringen auch Übungen nicht viel, wenn sie nicht vollständig und schonungslos aufgearbeitet werden. Und dann auch die nötigen Konsequenzen gezogen werden.
Gut scheint es momentan bei den MANV-Übungen in Köln zu laufen, die dort als Vorbereitungen auf den Weltjugendtag nächstes Jahr durchgeführt werden. Bei der ersten gab es wohl reichlich Kommunikationsprobleme, daran wurde gearbeitet. In den letzten Wochen lief die zweite Übung (übrigens alles Alarmübungen, also nicht angekündigt), da waren die Probleme schon deutlich weniger. Im Frühjahr gibt es noch eine, die dann hoffentlich weitgehend vernünftig abläuft.
Da zeigt sich sehr gut, daß es nicht reicht, alle fünf Jahre mal halbherzig zu üben, "damit wir das halt mal gemacht haben". Denn Defizite müssen kurzfristig beseitigt und das Ergebnis dieses Prozesses in einer zeitnahen erneuten Übung überprüft werden. Nur wird dies oftmals wieder an den Finanzen scheitern. Nicht zuletzt auch in den Krankenhäusern, in denen das ja deutlich mehr den Alltag stört als bei KatS und den Feuerwehren. :-(

Es gab so gute Ansätze schon Ende 2001, aber was letztlich davon übrig geblieben ist, ist genau das, was ich erwartet habe. Fast nichts.

Ein Witz, eben im ZDF auch angesprochen, sind z.B. auch die ABC-Erkunder. Eigentlich sollten solche Fahrzeuge einen hermetisch abgeriegelten Innenraum haben, eine fest installierte Probennahme-Sonde im Dach besitzen. Und wie sieht es bei diesen Autos aus? Handelsübliche Kfz-Lüftung, zur Probennahme Fenster auf und Arm raus...

Traurig ist auch, daß das Land NRW wegen des Weltjugendtages 2005 und der WM 2006 richtig Gas gibt, um bis zum WJT alle noch fehlenden Fahrzeuge auszuliefern, sich beim Bund hingegenfast nichts tut - außer daß ein unpraktikables Konzept nach dem anderen erstellt und gleich wieder über den Haufen geworfen wird.
(Erwähnte ich schon, daß wir seit inzwischen zwei Jahren auf Ersatz für einen ausgemusterten Bundes-KTW warten?)

cheers,
Ulf

moosmuffel
15.12.2004, 17:12
Hallo zusammen,

Hallo Hans, auf deine Anregung hin war ich gerad im ZDF Forum. :-o
Was soll man dazu sagen?? Jeder hat , glücklicherweise , das Recht seine Meinung frei zu äussern.
Ich stimme dir zu das der Beitrag etwas zahm war. Über die Machart kann ich nix sagen , das ist nicht mein Fachgebiet. Es war etwas anderes als eine Dokumentation das kann ich sagen.
Es wurden inhaltlich mehrere Probleme angerissen aber ihre Bedeutung kam nicht wirklich rum. "Schön" ist das es aber nach wie vor auch in der Führung und der Politik die Mitarbeiter "Keiner" und "Niemand" gibt.
Keiner bezahlt und Niemand ist verantwortlich. Besonders gut fand ich die mehrmaligen Aussagen nach dem Motto wir wissen es seit Jahren , die Pläne stehen nur wers bezahlt da konnten wir uns noch nicht einnigen. :mosh:
Interessant ist ja weiterhin das wir ein Konzept verfolgen was ein verlagern der Katastrophe in das Krankenhaus vermeiden soll, aber im Krankenhaus selbst nach 10-20 Patienten Klassifikation Rot u. Gelb mit 2 Blauen dabei die Katastrophe wieder aufflammt. :motz:
Was zum Beispiel Regional unterschiedlich an nicht vorhandenen oder nicht genutzten Alarmierungsketten liegt. ( jetzt innerbetrieblich im Krankenhaus gemeint) Da kann die Hütte brennen ( wörtlich ) und da passiert gar nix.
:wut:


MfG

rolf
17.12.2004, 18:58
Hallo
Ein großes Problem im Krisenmanagment von Krankenhäusern ist leider nur am Rand aufgetaucht. Krankenhäuser haben eine völlig andere Führungsstrucktur als Hiorgs. Wir sind seit einem Jahr dabei bei uns das Krefelder Modell einzuführen und haben bis jetzt ca. 80 % aller MA geschult. Für mich als Verantwortlichen dieser Aktion war erstaunlich wie schnell Chefärzte wenn wann Ihnen vernünftig erklärt wozu dieses System dient Ihre tägliche Führungsrolle im Ereignissfall auch an ei´nen speziell geschulten Assi abgeben.
Auch die Hiorgs waren froh im Alarmfall endlich einen Ansprechpartner zu haben.
Leider hat bei unserem ersten richtigen Alarm die Pforte als kommunikationsschittstelle völlig versagt was zu umfgangreichen schulungen des Personals führte.
Auch muss die Geschäftsführung eines KH einen solchen Plan als wichtig ansehen denn bei uns hat die einführung bisher ca 35ooo€gekostet hauptsächlich arbeitszeit und wir sind noch lange nicht fertig.
PS. es handelt sich um Haus mit 3 Standorten und ca 360 Betten
geübt wurde der Plan in diesem Jahr 2 mal und es gibt noch viel aufzuarbeiten

Gruss Rolf

moosmuffel
20.12.2004, 15:05
Hallo Rolf,


Was ist das Krefelder Modell?? Wo kann ich da Info´s bekommen??

MfG

rolf
20.12.2004, 15:42
Hallo
Bei dem Krefelder Modell handelt es sich um ein Führungsmodell das dem LNA Ogl. Prinzip entnommen ist und auch Kliniken angepasst wurde

Weiter Infos mindet man unter

http://www.klinikum-krefeld.de/Krefeld_Kliniken/Anaesthesie_und_spezielle_Schmerztherapie/fachinfo_03.htm




Gruss Rolf