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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine Mädchen funktionieren



WomBat
23.11.2004, 21:42
Intensivpflege in den Medien oder „meine Mädchen funktionieren“

Im NT / Northern Territories, der Norden von Australien wo auch Darwin liegt heißt NT auch „not today“. So ein Tag sollte das werden bezüglich Einträge ins Forum – NOT TODAY!

Dabei fuchst mich immer noch, was ich gestern im TV hörte. Da zieht eine bekannte Uni Klinik in dem Neubau, die Reporter machen die sog. „24 Std. Nah-Aufnahme“. Dann steht eine Pflegedienstleidung (Igitt, schon wieder vertippt) vor der Kamera auf der Intensivstation und sagt zum Reporter (bitte Hinsetzen falls Kreislauflabil) mit freundlicher Miene

„….bla, bla….meine Mädchen funktionieren….bla, bla…“

So wird (Intensiv-)Pflegepersonal von manchen fegerischen Verdrehdungen in der Öffentlichkeit dargestellt. ( :rolleyes: mein PC macht Tippfehler)

Wir sind gestern vertreten worden, wie wir oft vertreten werden. Oder uns selbst vertreten.

WomBat, fühle mich in Vertretung meiner Kolleginnen und Kollegen vertreten

R.Fischer
24.11.2004, 20:31
Hallo WomBat!
Sei kollegial gegrüßt!
War das wirklich ein Tippfehler mit der "Pflegedienstleidung"?
Ich finde unter einer solchen PDL leidet das Pflegepersonal!! :wut:
Auf jeden Fall ist solch eine Aussage eine absolute Unverschämtheit und zeigt nur das Niveau der betreffenden Person auf!
Und wenn wir als "Basics" über uns selbst derartigen abwertenden Unsinn von uns geben gehört es uns nicht besser!
Wir sollten versuchen uns selbst und unsere Arbeit mit dem nötigen Stellenwert anzusehen,vielleicht tun es andere Berufsgruppen dann irgendwann auch einmal!
Gottseidank habe ich keine Kreislaufprobleme und gesessen bin ich auch schon beim Lesen.
Ich wünsche mir mehr Selbstvertrauen und eigenständiges Denken für uns alle.
Es grüßt Rainer.

Hanno H. Endres
30.11.2004, 08:49
Hi Herr Wombat.



„….bla, bla….meine Mädchen funktionieren….bla, bla…“


Das hast du dir doch ausgedacht, oder? :D

Sowas sagt doch keine PDL über ihre abhängig Beschäftigten. Schon gar nicht, wenn das Fernsehen im Haus ist. Nie im Leben. :rolleyes:

Unglaublich,

hhe

WomBat
30.11.2004, 09:01
Leider so gewesen. Glaube nicht, dass mein Fernseher sich verspricht :)

WomBat, Ohren OK

pescolo
30.11.2004, 11:18
Hallo liebe KollegInnen

Wie wäre es mal mit einem Gespräch mit der Pflegedienstleitung.
Ihr habt doch sicherlich einen Betriebsrat ?

Ich würde mir das jedenfalls nicht gefallen lassen.

Gruss pescolo

:jubel:

Tempo
01.12.2004, 10:15
Helmut Kohl hat Angie Merkel doch auch immer " mein Mädchen" genannt! Die hat sich nie so aufgeregt! ;) ;)

Gerhard Raßmann
02.12.2004, 12:38
Hallo,

Helmut Kohl hat Angie Merkel doch auch immer " mein Mädchen" genannt! Die hat sich nie so aufgeregt!

warum wohl?!? :p :D

Tempo
02.12.2004, 16:09
War sie Krankenschwester am Wolfgangssee? :D :D

Martin Allgeier
08.12.2004, 13:04
Liebe Kolleginnen
Liebe Kollegen

Die Achtsamkeit gegenüber sprachlichen Aspekten beginnt in unserem Beruf gerade eben. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Kollege der Führungsebene so eben mal von ..."meine Mädels"... spricht. Hier kommen viele Aspekte der Verwendung von Sprache zum Vorschein.


Holger Beuse hat die Ebenen der Fachsprache in einem Artikel über Pflegefachsprache in der Zeitschrift 'intensiv' aufgeführt. Neben der "Wissenschaftssprache" finden sich noch die "Fachliche Umgangssprache" und die "Verteiler-/Patientensprache". Der Fachjargon findet sich in der mittleren Sprachebene. Der Kollege im TV hat einfach nicht beachtet, auf welcher Sprachebene er sich befindet und welchen Berufsstand er insgesamt im TV vertreten hat. Dabei will ich nicht einer frauenverachtenden Sprachform das Wort reden, es ist keine Frage, dass dieser Aspekt der "Verniedlichung" in Tateinheit mit der "Entberuflichung" aufs Schärfste zu kritisieren ist.

Aufgrund dieser Äußerung hat sich der Kollege selbst aus der Gemeinschaft "professionell" Pflegender ausgeschlossen.

Wir sollten uns dennoch die Aspekte der Sprache und des Sprachgebrauchs mehr wie bisher vor Augen führen. Dazu empfehle ich folgende Einstiegsarbeiten:

Beuse Holger: Pflegefachsprache - Eine Analyse der Entwicklung in: 'intensiv' Nr.9/2001 (S.151-158), Thieme, Stuttgart in:
http://www.anint.net/content/interdisziplinaer/pflegefachsprache/pflegefachsprache.pdf
[Hinweis an die Redaktion: Bitte aktuellen Link einbinden!]

sowie

Walther, Sabine: Über die Möglichkeit, sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse im Pflegeunterricht zu nutzen, in:
http://w3.pflegenet.com/isfp/praxis/konzepte/sprachwissenschaft.html

Frau Walter hat sich dieser Problematik schon mehrfach gewidmet. Ihre Publikationen finden sich unter:

http://www.lektorat-walther.de/zurperson/publikationen.html

Mit kollegialen Grüßen
Martin Allgeier

Hanno H. Endres
08.12.2004, 14:15
Lieber Martin.




Beuse Holger: Pflegefachsprache - Eine Analyse der Entwicklung in: 'intensiv' Nr.9/2001 (S.151-158), Thieme, Stuttgart in:
http://www.AxxIxx.net/content/interdisziplinaer/pflegefachsprache/pflegefachsprache.pdf[/url]
[Hinweis an die Redaktion: Bitte aktuellen Link einbinden!]

Interessant, was für Links du noch ausgegraben hast. ;)

Im Moment haben wir den besagten Beitrag leider nicht im Angebot, werden ihn aber in Kürze mit freundlicher Genehmigung von und Zusammenarbeit mit dem Georg Thieme Verlag im zwai-Journal wieder veröffentlichen können.

Wer's aber nicht abwarten kann, kann (als registrierter Nutzer) den Beitrag bereits jetzt über das Forum downloaden.

Schönen Gruß,

hhe

Tobi Bo
10.12.2004, 19:21
Dann steht eine Pflegedienstleidung vor der Kamera auf der Intensivstation und sagt zum Reporter

War die PDL männlich oder weiblich?

Würde ich eher einer weiblichen PDL zutrauen als einer männlichen. für sowas sind nämlich Männer in der Pflege zu soft.

:confused: ,

Tobi

WomBat
11.12.2004, 21:06
Treffsicher.

WomBat

R.Fischer
12.12.2004, 17:37
Liebe Kollegen!

Hätte ich auch drauf wetten können, daß die PDL weiblich ist - komisch,gell?
Trotzdem (oder gerade deswegen) ein Fall für den Schandpfahl! :motz:

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer

WomBat
12.12.2004, 17:57
Jetzt sollten wir es gut sein lassen! Glaube nicht, das ein Geschlechterkampf nötig ist - ich sehe es als berufspolitische Sache die uns alle angeht.

WomBat :)

R.Fischer
12.12.2004, 18:05
Hallo Wombat!

War auch nicht als Geschlechterkampf von mir gemeint!

Es ist halt immer noch so, daß sich Frauen in Führungspositionen härtere Bandagen zulegen müssen als Männer - im Pflegebereich sicher noch weniger als in den meisten anderen Arbeitsfeldern, aber trotzdem.

Ist halt schade, wenn dann der Bezug und die Solidarität zu den Mitarbeitern drunter leidet. Muß auch nicht sein: ich kenne einige PDL'erInnen, zu denen ich jederzeit wechseln würde.

Auch ich sehe es eher aus berufspolitischer Sicht: "meine Mädchen" spiegelt eben das eigenberufliche Bild der entsprechenden PDL - siehe auch obige Antworten.

Viele Grüße aus dem Schwabenland-
Rainer.

WomBat
12.12.2004, 21:34
Hallo R. Fischer und alle Forumsleser/innen,

:) Hatte auch niemand persönlich gemeint! Dachte nur, gleich' fragt jemand nach der Haarfarbe...Geburtsdatum...

Und dann kommt der Administrator und werft uns allesamt hier 'raus!

WomBat :D

R.Fischer
14.12.2004, 10:57
Hallo R. Fischer und alle Forumsleser/innen,

:) Hatte auch niemand persönlich gemeint! Dachte nur, gleich' fragt jemand nach der Haarfarbe...Geburtsdatum...

Und dann kommt der Administrator und werft uns allesamt hier 'raus!

WomBat :D


Hast ja recht WomBat, danke für Deine Fürsorge. :mosh:

Hanno H. Endres
29.01.2005, 13:15
Besagte PDL hat wahrscheinlich nur im falschen Skript gelesen.

Gesten morgen musste ich nämlich folgende Szene bei Schwester Stefanie ("Der menschliche Motor der Luisenkliniken") ansehen (Z.n. Nachtdienst, Fernbedienung runtergefallen, Arm zu kurz):

Irgendein Patient ist auf einmal ganz schlecht, betätigt mit letzter Kraft die Schwesternschelle, Monitor alarmiert (zu sehen ein normofrequenter Sinusrhythmus).

Schwester Stefanie stürmt ins Zimmer, gibt dem Patienten ein 'Halten Sie durch, ich hole Dr. Stein' mit auf den Weg und stürmt ebenso schnell aus dem Zimmer, um eben Dr. Stein zu holen, der allerdings schon zur Tür hereinkommt, einen Blick auf den Monitor wirft und 'bradycarde Rhythmusstörung' in den nicht vorhandenen Bart murmelt (dazu später mehr).

'Ein Milligramm Orciprenalin und eine Ampulle Atropin, machen Sie schnell, Schwester' lautet die Anordung.

Die Wartezeit überbrückt der Oberarztdarsteller mit ein paar aufmunternden Worten an den Patienten ('So einfach tritt man nicht ab, Picco!') und murmelt sodann mit dem gleichen, bedeutungsschwangeren Unterton wie zuvor die Diagnose folgende Worte:

'Beeil' dich, Mädchen ... beeil' dich ...' :wut:

Keine 5 Sekunden später hat Steffi beide Präparate zur Hand, reicht sie ihrem Oberarzt, der die insgesamt 2ml Lösung in der viel zu langen Infusionsleitung ohne Nachspülen versenkt und keine weiteren 5 Sekunden später ist alles wieder gut.

DahamwajamalwiederGlückgehabt,

hhe

Ambu das Beuteltier
29.01.2005, 13:57
Hallo Hanno,
dabei habe ich letzlich erst gelesen das die Produktionsfirmen angeblich medizinische Set-Berater einsetzen um solche Peinlichkeiten zu vermeiden.
Entweder die Realitäten müssen halt eben doch hinter der Priorität der dramaturgischen Performance zurückstehen oder die Set-Berater verdienen ihren Namen dann doch nicht (warum sind sie denn auch nicht in der Klinik sondern am Set?)!

Gruß und fröhliches Gucken weiterhin,
T.

Holger Beuse
29.01.2005, 18:15
Produktionsfirmen angeblich medizinische Set-Berater einsetzen
Tja, medizinische Set-Berater sind halt noch lange keine pflegerischen Set-Berater. Ich halte die Darstellung in dem Punkt "Mädchen" durchaus für traurig aber realitätsnah :motz:

HolBeu

P.S.: Habe mir, angeregt durch diesen Cartoon (http://www.rippenspreizer.com/4images/details.php?image_id=76), übrigens angewöhnt, unseren jeweils dienshabenden Stationsarzt "meinen Assistenten" zu nennen.

PICCOlina
30.01.2005, 13:46
Hi,
Realitätsnah stimmt genau:
Schauplatz:"meine Klinik" ,Intensivstation
Darsteller: Oberarzt ,Krankenschwester(unter 30 J.alt), Privatpatient Hr.K.(Charaktereigenschaft: Kotzbrocken)
Skript: Visite bei Hr. K. - instabile AP
Text Oberarzt: Keine Sorge, wir unterstützen ihr Herz, eins von den Mädchen bringt ihnen gleich die Medizin!
Text Hr.K:Prima, Herr Doktor und sagen sie mal bescheid,ich bin es gewohnt, um 15:00 Uhr Tee zu trinken, die vergessen das immer!
Schwester R (die, unter 30):verlässt kopfschüttelnd das Zimmer.

nächste Einstellung:
Schwester möchte das Geschehen mit Oberarzt besprechen.
Text OA: ach, das darf man nicht so eng sehen,wir sind ein Dienstleistungsbetrieb. Ist eigentlich der Kaffee schon fertig?
Kopfschüttelnd lässt die Schwester den OA stehen.
Der dreht sich um und sagt zum Pfleger (älter als 40):Was`n mit der los? PMS?
lacht am meisten über seinen Scherz.

Kann man doch prima im TV senden, Schwarzwaldklinik, oder?

PICCOlina (älter als... :schock: )
auch kopfschüttelnd

Ambu das Beuteltier
30.01.2005, 18:55
einziger Komentar:
Wenn es der OA nicht kapiert wie sollen dann die Patienten damit umgehen können?

Vieleicht hat der sich das ja auch aus einer dieser Serien extrahiert und aufgesogen, denn in den Serien bekommen diese OAs ja auch immer die hübschesten Schwestern mit aufs Dienstzimmer!

Gruß, T. :motz: