PDA

Vollständige Version anzeigen : Anfrage: Abschaffung der Fachweiterbildung?


DGF-online
19.11.2004, 21:22
Liebe Kolleginnen und Kollegen.

Folgende Frage hat uns per eMail erreicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hätte inbezug auf Weiterbildungslehrgänge für Intensiv und Anästhesie
eine Frage. Derzeit geht an der Klinik, an der ich beschäftigt bin, das
Gerücht um, das die Fachweiterbildungen bundesweit komplett abgeschafft
werden sollen. Ist dies korrekt oder bietet nur mein derzeitiger Arbeitgeber
aus Kostengründen keine Kurse mehr an? Das Klinikum hat vor, die
Weiterbildung in Modulen anzubieten - wobei die Frage bestehen bleibt, in
wieweit andere Kliniken dies überhaupt anerkennen.

Mich betrifft dies allerdings nicht mehr, da ich die Fachweiterbildung schon
seit etlichen Jahren habe.

Ich bin nur an dieser Problematik interessiert. Einerseits kann ich die
Kliniken schon verstehen, das sie versuchen die Kosten zu senken - aber ist
dies ein guter Weg. Andererseits wird der Ausstieg aus der Fachweiterbildung
nicht gerade die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter fördern; sowie
auch die fachliche Qualität mit der Zeit leiden wird.

Über eine baldige Antwort zum Stand der Dinge würde ich mich sehr freuen,
und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
A.B.

FireBIPAP
20.11.2004, 11:42
Jetzt gehts los!!:wut:

Der Beweiß das das Managment unserer Häuser die Belegschaft für komplett bescheuert hält.
Mit was für billigen Ausreden mann sich abspeisen lässt!
Sorry, ich bin zur Zeit etwas am Anschlag weil bei uns auch alles drunter und drüber geht was Sparen sparen sparen angeht. In allen verhandlungen, gesprächen und so weiter mit der Chefetage stellen wir immer wieder fest das die "einfachen" Mitarbeiter wie Pflegerischer und Ärztlicher Dienst mit den billigsten Argumenten abgespeißt werden.
Wann wird endlich verstanden das jeder Mitarbeiter ein interesse daran hat das sein Haus überlebt und bestehen bleibt. Wenn Managment und Mitarbeiter zusammen arbeiten dann könnte so vieles so viel einfacher werden in diesen Zeiten des Umbruchs. Gestern erst habe ich wieder "von oben" gehört das auf den Intensivstation ja alle Patienten nachts schlafen und deswegen mann über Personalreduktion nachdenken könnte.

Cu Simon

Tempo
20.11.2004, 12:27
Moin Zusammen!
Ich kenne mittlerweile auch mehrere Kh's die über einen Austritt aus der Fachweiterbildung nachdenken. Die FWB sei zu teuer und gut eingearbeitetes Personal könne nach einer gewissen Zeit dasselbe leisten, heisst es!
Gefährliche Zeiten!!

@FireBIPAP
Ich glaube, das geht zur Zeit so ziemlich allen Kollegen so. Es ist frustrierend, deprimierend, demotivierend und einfach nur ********! In der Verwaltung werden alle Mitarbeiter nur als Kostenfaktoren betrachtet. Wenn ich darüber nachdenke kann ich fürchterlich wütend werden, vor allem auch, weil wir dem so ohnmächtig gegenüberstehen! :wut:

didi9
24.11.2004, 13:30
Hallo A.B.
Wer könnte - wenn er wollte bundesweit die FWB abschaffen?
Dass Weiterbildungsstätten sich zusammentun, schliessen oder pausieren hat nicht nur finanzielle Gründe; so gibt es z.B. wegen Fluktuationsrückgang an manchen Häusern wenig Bewerber, da keiner die FWB zweimal macht. Was an anderer Stelle heiß diskutiert wird (siehe oben Forum "Anästhesie-Assistent") sind neue Formen der Ausbildung (ATA in Halle 9/2005), der Fortbildung (Medizinischer Assistent für Anästhesiologie, Helios Berlin und Erfurt) und der Weiterbildung (Modularisierung Uni Tübingen). Ich denke, man sollte am anderen oben erwähnten Forum weiter diskutieren. Sonst läuft viel doppelt.
Gruss aus dem gerade sonnigen Süden.

ostfriesland
05.12.2004, 01:35
Moin,
an meinem derzeitigen Arbeitsplatz hat die Klinikleitung beschlossen, ab dem nächsten Jahr den zweijährige Weiterbildungskursus abzuschaffen (in allen Bereichen), obwohl es genügend Bewerber gegeben hätte. Statt dessen soll aus Kostengründen ein Modulsystem eingeführt werden - Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Dies ist für Mitarbeiter total frustrierend, vor allem da es neuen Mitarbeitern zu Beginn des Jahres noch versprochen wurde an dem Kursus teilzunehmen - das wird in nächster Zeit die Kündigungsrate wieder einmal erhöhen. Hauptsächlich die Station läuft - wie die Motivation der Mitarbeiter im allgemeinen ist, interessiert ja nicht besonders.
:wut:
Gruß

didi9
06.12.2004, 09:16
Die Modularisierung, wenn nach dem Weiterbildungsgesetz durchgeführt, muss nicht unbedingt schlechter als früher sein, da dann die gleichen Inhalte gelehrt werden müssen. Die Gefahr ist, dass nicht alle Module an der gleichen Weiterbildungsstätte angeboten werden und dann ein Teil auswärts und wohl auf eigene Kosten und Freizeit besucht werden muss, um innerhalb von 4 Jahren die Prüfung zu machen. Z.B. könnte Anästhesiemitarbeitern die kostenlose Teilnahme am Modul "Intensiv" verweigert werden.

Markus
17.12.2004, 22:16
Hallo!

Fachweiterbildung kontra Modulsystem... !

An meinem Haus wird ab nächstem Jahr BEIDES angeboten.
Die Weiterbildung wird für externe Teilnehmer geöffnet, damit geht eine Halbierung der Plätze für interne Teilnehmer einher. Begründung: über die externen Teilnehmer läßt sich Geld verdienen und wir haben eine sehr hohe Quote von Mitarbeitern mit Weiterbildung.

Zusätzlich wird das Modulsystem angeboten. Das stößt vor allem bei Teilzeitmitarbeitern auf reges Interesse, die im Moment keine Chance auf die FWB haben.

Ist das der Anfang vom Ende? Abwarten.
Meiner Meinung nach ist die Klinik auf hochqualifiziertes Personal angewiesen.

Wie sind Eure Erfahrungen?

Markus

Ambu das Beuteltier
20.12.2004, 20:32
ich empfehle die Lektüre des Editorials der Fachzeitschrift Intensiv (letzte Ausgabe) in diesem wurde das Thema Fachweiterbildungen und deren unterschiedliche Auswüchse (z.B. neue anästhesietechnische Assistenz Lehrgänge)sehr interessant diskutiert.

Wie sieht es denn mit den Bedingungen der Weiterbildungsangebote aus?
Sind diese bald noch interessant genug um daran teilzunehmen? Was wird überhaupt geboten? Viele Weiterbildungsstätten bieten ausser dem Abschluss nicht gerade viele Informationen zum inhaltlichen an. Wenn ich also eine Erwachsenenweiterbildung besuche, die mit Kosten (oder eben Gehaltseinbußen) verbunden ist möchte ich doch 1. wissen was ich dafür erhalte, und 2. was ich danach damit anfangen kann!

Vermutlich werden die nächsten Generationen der Weiterbildungsteilnehmer davon mehr einfordern, denn die Teilnahme wird sicherlich nicht atraktiver gestaltet werden.
Verfolgt man hierbei den Gedanken des "freien Marktes" könnte man ja davon ausgehen das dann ein Bewerber sich die beste Weiterbildungsstätte aussuchen kann.

Gruß, T.

R.Fischer
21.12.2004, 19:47
Hallo Ambu!

Erst einmal sei herzlich willkommen! Bravo

Was kann man mit der Fachweiterbildung anfangen?

Ich denke, zum Einen erhöht es tatsächlich den persönlichen Horizont und das Fachwissen beträchtlich;
zum Zweiten erhöht es die Attraktivität als Bewerber um eine Stelle beträchtlich (auch und vor allem im Ausland);
zum Dritten tut Weiterbildung immer "im Kopf" gut.

Ja, die Weiterbildungsstellen müssen - falls nicht noch etliche geschlossen werden - sicherlich einiges tun, um ihre Attraktivität zu steigern.

Doch auch eine Aufwertung unseres Berufsbildes täte not:
was soll ich denn mit einer Superfachweiterbildung und enormem Wissen beim Spritzenaufziehen und Bettenmachen anfangen? (Bitte, bitte nicht böse sein,
war sehr überspitzt formuliert...)

Ich glaube wir können mehr tun als wir tun und wir sollten dies auch -
ich möchte im Notfall lieber von einem erfahrenen Fachpfleger intubiert werden als von einem frischen Assistenzärztlein bei seiner vierten Narkose. :mosh:

Viele Grüße aus Schwaben-
(bin übrigens auch kein "echter" Schwabe,Arnold)
Rainer.

Ambu das Beuteltier
21.12.2004, 20:42
Hallo R. Fischer,

vieleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt.

Natürlich erweitert jede Weiter- und Fortbildung den Horizont und den Erfahrungsschatz, wie jedes Jahr der aufmerksamen Berufstätigkeit auch.

Meine Kritik geht in die Richtung der Anerkennung dieser Titel. Sicherlich sind wir Fachpflegekräfte anerkannt und haben unseren Stand in den Kliniken. Aber wir haben in aller Regel dadurch kaum weitere Karrierechancen innerhalb der Klinik per se. Alleine die finanziellen Einbussen während einer Fachweiterbildung, die man nie wieder hereinholt, sind Grund für mich darüber zu diskutieren.
Aber bitte nicht falsch verstehen, ich bin sehr dafür das weiterhin für Pflegepersonal in speziellen Bereichen wie Intensiv/Anästhesie Weiterbildung angeboten wird und diese bitte auch wahrgenommen wird. Ohne das wäre die Versorgung um einiges schlechter auf deutschen Intensivstationen oder Narkoseabteilungen.

beste Grüße, T.

WomBat
21.12.2004, 21:06
Schwieriges Thema! Dennoch mit einem Wort zu beantworten. "Professionalisierung".

Wo steht da unser Beruf(sstand)? ca.1993 wurde (einmal wieder) ein schwerwiegender Fehler gemacht. Das Buch hieß "Pflege braucht Eliten". Das ist auch so weit OK, nur hat man nicht an die grundständige Ausbildung gedacht, nur an die Leitenden, Lehrenden und Forschenden.

Jede andere Profession bildet diejenigen, die mit dem "Klienten" (in meinem Fall sind das Patienten) zu tun haben, professionell aus. Nicht nur die oberen. Die Besten gehören direkt (in unserem Fall) ans Bett.

Die Fachpflege hat sich sicher selbst von innen heraus und mit Hilfe verschiedener Anderer gut gemausert. Es ist nur so ähnlich wie Abi auf dem 2. Bildungsweg. Man rümpft die Nase so ein bisschen.

Ich habe jetzt schnell getipppt und mich nur knapp erklärt, vielleicht einiges ausgelassen, es soll nur die Quintessenz sein.

Die, die direkt am Bett arbeiten, sollten die beste Bildung haben (und nicht in 2. Reihe hinter irgendwelchen stehen.)

Unser Startpunkt ist leider ein anderer. Das macht es so verdammt schwer.

WomBat,
hätten die mich damals nur professionell "ausgebildet"!

...könnte ich heute nicht über all meine Erfahrungen berichten und das ganze mit Herz und Schmerz ansehen. Macht nichts, wir können auch so. :D

Ambu das Beuteltier
21.12.2004, 22:09
Klar Wombat,
die die am Bette stehen und im Patientenkontakt arbeiten sind schliesslich diejenigen die im direten Maß zur Gesundung der Patienten beitragen. Deshalb fordere auch ich seit Jahren das Fort- und Weiterbildungen (auch Kongressbesuche, eigene Fortbildungsideen, usw.) der Pflegenden von der "Elite-Etage" aus gefördert werden müssen.
Wird dies eher blockiert haben wir demotivierte Pflegekräfte am Patienten stehen . Das das die Patienten und letzendlich auch die Krankenhäuser mehr kostet als gleich in vernünftige Weiterbildung zu investieren ist doch eine einfache Rechnung.

Die Frage bleibt eben wie der "Elite Etage" diese Argumente haben entfallen können und wie sie ihnen wieder beizubringen sind.

Gruß, T.

fridolin
16.04.2005, 18:44
Liebe KollegInnen,
die Abschaffung der Fachweiterbildung ist ein Thema, daß leider immer wieder diskutiert wird.
Richtig ist, daß Ausbildung Kosten verursacht.
Richtig ist allerdings auch, allerdings meines Wissens nach noch nicht durch Studien eindeutig belegt, daß gut ausgebildetes Personal Kosten einspart.
Die Geschäftsführungen der meisten Krankenhäuser wissen heute um die Wichtigkeit der guten Aus- Weiter- und Fachweiterbildungen und werden Diese auch weiterhin betreiben (Ausnahme: kleine, bzw. zu kleine Kliniken). Letzendlich ist Aus- und Weiterbildung auch im Rahmen der Qualitätssicherung zu sehen - und darauf werden die Krankenhäuser sich einlassen (müssen).
Allerdings: nichts bleibt, wie es ist.
Somit wird sich auch die Fachweiterbildung ändern, wahrscheinlich zu einem "Modulsystem" (hat sehr viele Vorteile), verflochten mit anderen Fachweiterbildungen.
Obwohl: die Fachweiterbildungsteilnehmer haben es natürlich aus selber in der Hand, ob an ihrem Krankenhaus in Zukunft noch weiterhin diese Weiterbildung angeboten wird.
Wenn, wie häufig von Fachweiterbildungsteilnehmern zu hören, die Weiterbildung
"schlecht geredet" wird, so wird sich ein Arbeitgeber (= Klinikleitung) dies auf Dauer nicht anhören und die Ausbildung einstellen.
Wer in der Fachweiterbildung ist, sollte die positiven Seiten sehen und auch verbalisieren, um nicht den nachfolgenden KollegInnen die Möglichkeit der Fachweiterbildung zu verbauen.
Ich gehe hier von einer allgemein sehr guten Fachweiterbildung bundesweit aus - woanders als gerade wo ich bin, ist die Ausbildung nicht besser - nur: anders!
Vielen Dank für das Lesen
fridolin

Ambu das Beuteltier
16.04.2005, 20:55
Hey Fridolin,

ist doch belegt, z.B. ist Frau Söhle darauf eingegangen in Ihrem Artikel im Plexus letztes Jahr!


Siehe: * Söhle C, Die Beeinflussung des Patientenoutcome durch Intensivpflegequalifikation und deren Stellenbesetzung, Plexus 2004;1

Dort hat sie die Zusammenhänge sehr deutlich dargelegt!

Siehe auch deren Literatur.

Gruß, T.

fridolin
18.04.2005, 13:26
Hey Fridolin,

ist doch belegt, z.B. ist Frau Söhle darauf eingegangen in Ihrem Artikel im Plexus letztes Jahr!


Siehe: * Söhle C, Die Beeinflussung des Patientenoutcome durch Intensivpflegequalifikation und deren Stellenbesetzung, Plexus 2004;1

Dort hat sie die Zusammenhänge sehr deutlich dargelegt!

Siehe auch deren Literatur.

Gruß, T.
Danke, Ambu.
Der obige Artikel ist mir nicht bekannt, werde ihn gerne lesen.
Viele liebe Grüße
fridolin sagt :danke: :danke: :danke: :danke: :danke:

Otto
13.05.2005, 01:15
In unserem Klinikum wird die Notwendigkeit der Fachweiterbildung seid diesem Jahr von der Pflegedienstleitung hinterfragt. Das Motiv ist klar- das Geld ist knapp.
Fachweiterbildung notwendig ? Ehrlicherweise muß man sich fragen ? Was ändert sich , wenn ich den Abschluß in der Tasche habe ? Nicht viel - ich arbeite genau so wie vorher, mir wird kaum ein Mehr an rechtlicher Kompetenz eingeräumt.
Diese wirklich gute und fundierte Ausbildung ist nur eine Art "Sahnehäubchen". Das Sahnehäubchen fällt auch ganz schnell bei dem einem oder anderen Kollegen zusammen, wenn das Wissen nicht gefordert wird. Dafür einen Euro auszugeben fällt dem Klinikdirektor sehr schwer.

Was soll sich ändern, damit die Fachausbildung sich rechnet. Meiner Meinung nach muß ich das vermittelte Wissen, was das unserer ärztlichen Kollegen oft übersteigt auch anwenden dürfen.
Das Weaning gehört in die Hände des Pflegepersonals- wir sind näher am Patienten. Medikamente die an Stellgrößen gebunden sind, wie Blutdruck, Blutzucker, Sedierungszustand etc. können wir selbst dosieren. Wir sollten die Patienten ganzheitlich pflegen. Wo hört auf der Intensivstation das Pflegerische auf und fängt das Medizinische an?

Das Ganze soll nicht autark ablaufen gehen, sondern im Teamwork mit den Ärzten.
Im Augenblick funktioniert das nur in Deutschland in einer rechtlichen Grauzone. Die eine oder andere Station erweitert die Kompetenzen der Pflegenden in dieser Hinsicht. Auch bei uns ist der eine oder andere Schritt in diese Richtung getan.

Vielleicht bringt uns die Globalisierung mehr rechtliche Kompetenz. Mir persönlich ist kein zivilisiertes Land bekannt, wo das Schwesterchen und das Pflegerchen so viel den Onkel Doktor fragen muß, um den kranken Menschen Gutes zu tun.
Und wenn der Onkel Krankenhausdirektor und die Tante Pflegedienstdirektorin und der Papa Chefarzt merken, dass die Intensivstation dadurch effektiver arbeitet, sind Sie bereit die Euros wieder in die gute alte Fachweiterbildung zu investieren.

Mehr rechtliche Kompetenz für die Fachschwestern/- pfleger!

Mit kämpferischen Grüßen
Otto

fridolin
13.05.2005, 11:42
Lieber Otto,
das "Sahnehäubchen" bringt Dir persönlich zunächst einmal einen erheblichen Wissensvorsprung. Was die fachweiterge(oder auch -ver)bildeten KollegInnen daraus machen, ist derzeit nur ihr eigenes Bier.
Aber: in der heutigen Situation in Bezug auf die Arbeitsmarktlage im Pflegepersonalsektor bringt Dir eine Fachweiterbildung eine relative Arbeitsplatzsicherheit.
Deine Kernforderung: "Mehr rechtliche Kompetenz für Fachschwestern/-pfleger!" ist sicherlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen, jedoch in der derzeitigen Krankenhauslandschaft mit sinkenden Pflegepersonalzahlen und deutlich steigender Zahl der ärztlichen Mitarbeiter (hier: Umsetzung des EuGh - Urteils) nicht durchsetzbar. Was auf Dauer noch sein muß, ist eine Verlagerung von mehr Tätigkeiten aus dem Pflegebereich in den ärztlichen Bereich, sonst findet unsere ureigenste Aufgabe, die Pflege des kranken Menschens, gar nicht mehr statt und wir werden degradiert zu arztanweisungs- umsetzenden- aufgabenabnehmern- jungartzeinweisern Technikbedienern.
Wollen wir das?
Überzeugt alle betroffenen Mitarbeiter, Verwaltung, PDL, Mitarbeitervertretung, Personal- Betreibsrat über die Unverzichtbarkeit der Fachweiterbildungen in Bezug auf eine weiterentwicklung der Krankenpflege.
Gruß
fridolin

arnold kaltwasser
13.05.2005, 14:41
Hier noch ein paar Literaturhinweise:

http://www.mcn-nuernberg.de/dac2004-pflege-abstracts/H____Default_00729.pdf

http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/intensiv/doi/10.1055/s-2003-43519;jsessionid=3CD3EC48A149D2A1EC5EFDD5C0C522DE. jvm2

und natürlich auch :D
http://www.dgf-online.de/reutlingen/reutlingen2004/abstract_stolecki.htm

mit freundlichen Grüßen aus Reutlingen
Arnold Kaltwasser

WomBat
13.05.2005, 23:16
Ohne Arnold's Empfehlungen zu lesen, habe ich mir folgendes gebastelt. Nach dem Klick (Mein's ist dann Weg, beim Forum - danch werde ich den Empf. nachgehen und lesen).

Liebes Forum, holt' Euch 'nen Kaffee, es dauert halt (oder ein Bier, falls es spät ist)

So viele Widersprüche, die Welt wird täglich verkomplifizierter. Auf inoffizieller Seite (nicht der rechtlich-offentlichen) scheint sich viel zu bewegen. Leider in so ziemlich alle Himmelsrichtungen. Siehe z.B. Postings zu Pflegende als chir. Assistenten, MAFA, mein Posting zu der Broschüre der VPU / Aufgabenkatalog.
Einerseits wird Bildung bzw. Weiterbildung in Frage gestellt, andererseits gibt es Bewegungen, Kompetenzen aus Kostengründen - es scheinen mir weniger die fachlichen Gründe zu sein - zu erweiteren. Anders ausgedrückt, die wirtschaftliche Realität ändert nach und nach das eh schwammige Berufsbild, ohne Das Recht so richtig zu befragen. Die neue Situation bedeutet, unser Berufsbild ändert sich, weil die Verwaltung vor der ärztlichen Autonomie kein halt macht. Stimmt auch nicht ganz, unsere Realität ist schon lange so, nur wird jetzt verlangt, das wir das tun, was wir eh schon tun. Komisch, oder? Gute Lachnummer für Insider. (Sagt mal der Verwaltung das Pflegende wahrscheinlich 8 von 10 Patienten weanen.....oder das wir ca. 90% der Arbeit bzgl. Transfusionen erledigen - OK, wir drehen halt das Rädchen nicht auf, nur um ein Paar Beispiele zu nennen). Der obserste Arzt wird dem VD schon sagen, wer das tut.

In unserem System "jeder macht was er will", keiner fragt den anderen was den sinnvoll sein könnte, kein Blick in die Zukunft - Auswirkungen von Entscheidungen betreffend; und so wird hin und wieder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Diskussion, ob eine FWB überhaupt nötig ist, wird bei uns auch immer wieder geführt, zumal die PDL sagt, sie hätte keine Beweise in der Tasche, dass sie FWB Pflegende auf der Intensiv/AN einsetzen muss - und schon gar nicht, wie viele. (Wittneben hat schon 1990 den Pflegenotstand auch als Bildungsnotstand interpretiert. Vielleicht sollten wir mehr von unseren eigenen lesen, und weniger bei den anderen immer abgucken wollen.)

Wir wissen also in unserem Lande nicht, ob wir Fachpflegende brauchen, wie viele wir davon brauchen, wie viel wir in der Zukunft brauchen, ob andere Pflegende einige unserer Fähigkeiten in Zukunft auch brauchen werden, bis in die ambulante Pflege hinein. Wir wissen nicht genau, was Pflegende überhaupt dürfen und wie weit das geht, es bleibt nach wir vor jedem Krankenhaus überlassen, wie es damit umgeht oder nicht umgeht. Wir wissen auch nicht, ob es Unterschiede gibt, wenn Patienten von Pflegenden oder von Fachpflegenden betreut werden. Wir werden irgendwie ignoriert scheint mir, oder bringen uns selbst dort hin, wo man uns übersieht. Alle wichtigen Strauße haben den Kopf im Sand und tun so, als ob in der Pflege alles in Ordnung wäre. Mit dem Kopf im Sand kann man auch keine Intensivstation besichtigen um zu sehen, was dort wirklich passiert und wer was dort macht. Selbst wenn der Kopf kurz auf dem Sand geholt wird, reicht ein 5 min. Besuch unter Führung des Oberarztes nicht aus, um irgendjemanden (Verwaltung, Aufsichtsrat, Politik) klar zu machen, was Pflegende tun oder wofür sie tatsächlich - inoffizielle - Verantwortung übernehmen. Obwohl bei uns im Land eine Regelungswut - Bürokratie - herrscht - hat irgendjemand uns offenbar übersehen, den hier ist wenig geregelt. Oder man tut das bei vollem Bewusstsein? Gründe dazu würden mir schon einfallen.

Wir haben es bisher noch nicht geschafft mit fachlichen Begründungen autonome Bereiche auszumachen, ausser vielleicht Ganzkörperwaschungen und so.
Sog. ärztliche Tätigkeiten, die delegierfähigen meine ich, werden uns jetzt von Seiten der Verwaltung zunehmend übergeben. Nur haben die immer noch nicht gemerkt, dass wir diese ohnehin schon lange tun. Unsere rechtliche Absicherung interessiert die nicht, behaupte ich. Die Gründe dafür, uns mehr "Kompetenzen" einzuräumen, liegen im Euro. Warum einen teuren ärztlichen Assistenten bezahlen, wenn eine OP Schwester das billiger kann? Die Ärzte werden sich wehren...

Was interesssiert es die Verwalter ob eine FWB nötig ist, wenn eh keiner weis, was ist der Unterschied für den Patienten, ob sie/er von einer Krankenschwester/Gesundheits- und Krankenpflegerin oder einer Fachkrankenpflegeperson (Fachgesundheits- und Krankenpfleger? :D betreut wird? Es läuft doch auch so. (Alleine die Titel verwirren wahrscheinlich den einen oder anderen großen Vogel).

Ich gebe es endlich zu, wir arbeiten in einem Tabu :schock: Bereich. Keiner will sich das Elend so richtig anschauen. Eine Intensivstation oder OP macht richtig Angst, macht betroffen. Es ist wie mit dem Sterben und Tod, viele möchten sich nicht damit beschäftigen, das Leben ist doch so schön. Mein Eindruck ist, dass nur Betroffene eine Ahnung von diesen Bereichen haben. Die Entscheider Jung, Gesund, Wohlhabbend oder Aufstrebend) gehen nicht in dieser Abteilungen (es läuft doch alles gut) und treffen ihre Entscheidungen weit entfernt davon.

"Überzeugt alle betroffenen Mitarbeiter, Verwaltung, PDL, Mitarbeitervertretung, Personal- Betreibsrat über die Unverzichtbarkeit der Fachweiterbildungen in Bezug auf eine weiterentwicklung der Krankenpflege." Zitat von Fridolin. Bin einverstanden, aber: das Argument hat nicht genügend Biß. Die "Weiterentwicklung der Krankenpflege" interessiert okönomisch denkende Menschen nicht. Die interessieren sich für Zahlen, z.B. Läßt sich ein Benefit für den Patienten in Zahlen ausdrücken? Fridolin, Du kennst das schon, der Befehl lautet "Faß! :)

Mir bleibt als Fazit nur eins, der Organisationsgrad der Pflegende muss erhöht werden.

Bitte keine weitere Verbände mit 15 verschiedenen Meinungen (auch in alle Himmelsrichtungen). Nach innen können wir fetzen, nach außen gilt nur eine Stimme. Sonst zieht sich die Politik zurück mit der Behauptung "was sollen wir nur tun? Die wollen alle etwas anderes. Und das Andere beißt sich. Lassen wir sie weiterstreiten, es geht ja schon viele Jahre trotzdem. Wer sich nicht richtig melden kann, hat gehat."

Ein Held, scheint mir Herr Klaus Fussek aus der Altenpflege. Der spricht aus, was Sache ist. Was Tabu ist. Öffentlich. So Einer würde mir bei uns auch gefallen.

Widersprüche auf der ganzen Linie. Wirklich geholfen habe ich nicht mit diesem Beitrag. Aber mich selbst entfrustet :)

WomBat, tanzt den Tabu gerade in der Höhle

Tabu/Taboo:
-Ursprung Südpazific, zeitweise oder dauernd Heilung eines mit Mana erfüllten Menschen oder Gegenstandes, mit dem Verbot, ihn/es anzurühren
-Ausgeschlossen vom Gebrauch oder von der Nennung, z.B. verbotene Früchte, in unserem Haus darf nicht getanzt werden - ein Tabu Thema - etwas, das sich dem (sprachlichem) Zugriff aus Gründen moralischer, religiöser oder konventioneller Scheu entzieht
-Ein Vorurteil, welches den Gebrauch oder die Nennung verbietet weil es als heilig gilt
-Ein Verbot aufgrund sozialer Bräuche oder emotional Aversion; sittliche oder konventionelle Schranke

z.B. "Es ist ein Tabu, öffentlich zu sagen was Pflegende alles tun. Einmal ist es nicht sittlich über die sog. "schmutzige" Arbeit zu sprechen (Augenrollen), anderseits es ist nicht erwünscht laut zu sagen, wie oft Pflegende für Ärzte einspringen (Entsetztes Augenrollen kombiniert mit den Befehlen 1) Pfiffi, Sitz! 2) Pfiffi, hör auf zu Bellen."

Otto
14.05.2005, 00:24
Ich denke wir sollten pragmatisch sein, der finanzielle Druck kann zu Veränderungen führen. Wir haben in Deutschland mit die höchste Ärztedichte. Wir müssen uns einen Bereich sichern, der eigenverantwortliches Arbeiten zulässt. Eigenverantwortung jenseits vom Entscheiden, ob der Patient auf der rechten oder linken Seite liegt.
Das Wissen der Fachweiterbildung kann nicht dazu dienen den Doktor zukontrollieren und ihm den einen oder anderen Hinweis zu geben.
Ich muß handeln können.
Wenn der Patient sich am Respirator zu erschöpfen droht, muß mir gestattet sein, die Einstellungen anzupassen. Der Patient kann nicht kämpfen bis ein Doktor sich einfindet und das Gleiche tut. Nun muß er leider mehr regeln, weil der Patient nun völlig dekommpensiert ist.
Für den Patienten ist es doch am Günstigsten, wenn er ganzheitlich, pflegerisch und medizinisch/technisch, von jemanden versorgt wird der ganz nah drann ist. Ärzte werden gebraucht, keine Frage. Aber nicht in einer so großen Stückzahl.
Wir müssen den Fuß in die Tür bekommen. Den Verantwortlichen muß klar werden, nicht mehr Ärzte werden gebraucht ,sondern mehr gut qualifiziertes Fachpersonal kann den Patienten optimaler und ökonomischer versorgen.
Und gerate auf Grund des EuGh – Urteils wird sich mancher Verwaltungsdirektor überlegen, ob er der Ärzteinflation nicht etwas entgegen setzt.

Lieber Fridolin, ich hätte gern gewusst, was du als „ unsere ureigenste Aufgabe „ im Intensivbereich verstehst?

MfG Otto :dafuer:

fridolin
14.05.2005, 14:40
Lieber WomBat,
liebes Forum!
WomBat schrieb:
".......interessiert okönomisch denkende Menschen nicht. Die interessieren sich für Zahlen, z.B. Läßt sich ein Benefit für den Patienten in Zahlen ausdrücken?..."

Ja, WomBat, es gibt sie, Deine Zahlen. Wenig beachtet, ein Schattendasein führend, natürlich aus dem amerikanischen Bereich.
Nachzulesen unter Anderem in GEO Mai 2005, Artikel "Technik im Alltag: unser Freund, unser Feind?", Seite 63. Dort wird aus einem Bericht de U.S. Institute of Medicine vom 29.11.1999 zitiert. Glaubt man diesem Artikel, so sterben allein durch falsche Bedienung medizinischer Geräte in den Vereinigten Staaten zwischen 44 000 und 98 000 Patienten jährlich.
Hier der Link zu dem Online-Artikel von Geo:
http://www.geo.de/GEO/wissenschaft_natur/technik/2005_04_GEO_mensch_und_technik/page3.html?linkref=geode_pager
Hierzu noch ein interessanter Link zu einem Artikel, in dem sich auch eine Aussage zu den Kosten findet:
http://www.aezq.de/projekte/patientensicherheit/haeufigkeit/view
:mosh:
Deutsche Zahlen, Daten Fakten habe ich zu diesem Thema (noch) nicht gefunden.
Aber: es läßt sich auch durch ganz einfache Beobachtung feststellen: schlecht ausgebildetes Personal führt alleine schon durch einen nicht unerheblichen Materialmehrverbrauch zu höheren Unkosten - ohne Patienten- oder gar Selbstgefährdung mit betrachtet zu haben.
Bis dann
fridolin

WomBat
16.05.2005, 11:26
Hallo Fridolin, Hallo Liebes Forum!

Klasse recherchiert Fridolin! Ich hoffe, viele folgen Deinen Links und den Links der Links in den Literatur Listen.

Fehlt nun (nur :) ) noch der Beweis von Beziehungen zwischen all dem und der FWB.

WomBat, der Weg bringt uns ans Ziel

fridolin
16.05.2005, 12:33
Lieber WomBat,
ersteinmal vielen herzlichen Dank für die Blumen. :danke:
(Es fehlt das Smiley mit dem Blumen- äh, Siegerkranz)
"...fehlt nur noch der Beweis von Beziehung zwischen all dem und der FWB..."
Die Beweisführung können wir auch selber erstellen.
Aber später gehe ich gerne noch einmal darauf ein, denn nun muß ich dies hier beenden, da meine Ehefrau ruft...
...und rufende Ehefrauen soll Man(n) nicht warten lassen...oder? :mosh:
Gruß
fridolin

WomBat
16.05.2005, 17:43
Verstehe :D
Bitte, 'Nada.
Bis später, Fridolin

WomBat

Ambu das Beuteltier
16.05.2005, 21:48
Hallo Kollegen,
die Zahlen sind ja recht einfach an einer tagtäglichen Praxissituation zu belegen:

Patient hat Angst (Intensivtherapie/Anästhesie/ähnliches)

...solange noch eine kleine Menge Sedativum genügt, um dem Patienten die Möglichkeiten zu nehmen überhaupt unterscheiden zu können (situativ sowie speziell auch in der Reflexion des Krankenhausaufenthaltes) ob er von Ärzten, FKP oder KP betreut wurde...

...solange dieses Sedativum, zur Anxiolyse eingesetzt, billiger ist als die personelle Fürsorge einer Fachperson (z.B. pflegerische Gesprächsintervention nach Diagnostik des Pflegephänomens Angst) ...

... solange Pflegepersonen stolz darauf sind ein Sedativum spritzen zu dürfen (natürlich streng halb-legal aber nach persönlichem Vertrauensvorschuss eines Vorgesetzten geschielt) und dies dadurch manchmal kritiklos tun...

solange läuft doch alles Prima mit den Zahlen des Krankenhauses!


Gruß, T.

sing:
Ketzer Ketzer ging in Laden,
wollt ein Päckchen "Ketze" haben,
nen Päckchen Ketze gab es nicht
ärgert Ketzer fürchterlich!

:schock:

PICCOlina
17.05.2005, 12:44
... solange Pflegepersonen stolz darauf sind ein Sedativum spritzen zu dürfen (natürlich streng halb-legal aber nach persönlichem Vertrauensvorschuss eines Vorgesetzten geschielt) und dies dadurch manchmal kritiklos tun...




Da hast Du Recht,

passiert aber uns allen, denke ich:
mir schon mal aus Zeitmangel und da bin ich bestimmt nicht stolz drauf. :mad:

Gruß PICCOlina

fridolin
17.05.2005, 18:53
Nee, nee Ihr lieben!
Gemeint ist in dem Artikel insbesondere das NICHT beherrschen von Technik - also die Bedienung von Geräten aller ARTEN...
Gruß
fridolin

WomBat
17.05.2005, 19:01
"Aber später gehe ich gerne noch einmal darauf ein..." Zitat von Fridolin

Ja, weiter....

WomBat, gespannt (nein, nicht ver-spannt :) )

ostfriesland
20.02.2006, 02:05
Moin,
in unserer Klinik soll nun ab April die Fachweiterbildung in anderer Form als bisher stattfinden - allerdings ist noch nicht so ganz sicher, ob überhaupt ein Kurs zusammen kommt, die Bewerbungen sind dafür noch nicht sehr zahlreich.
Der Kurs wird in Modulen stattfinden. Es gibt zwei unterschiedliche Weiterbildungszertifikate, zum einen nach dem sog. VPU-Konzept (ein Weiterbildungsangebot vom Verband der Pflegedirektoren/Innen der Universitätskliniken) mit einer Dauer von 2-5 Jahren, und zum zweiten nach der Verordnung über die Weiterbildung in Gesundheitsberufen (bei dieser Form müssen 160 Std. in Eigenbeteiligung erbracht werden) mit einer Dauer von 2-3 Jahren, aber dann mit staatlicher Anerkennung. Der erste Teil der Weiterbildung ist für beide Gruppen gleich und gliedert sich in sechs Module, zusätzlich müssen für die staatliche Anerkennung noch Ergänzungsmodule besucht werden. Die Verpflichtung bleibt weiterhin in der bisherigen Form bestehen.
Gruß