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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : NIV Beatmung und Ernährung



Aquanaut
14.11.2004, 15:09
Hallo Forum!

Ich schreibe gerande im Rahmen der Weiterbildung für A+I an meiner Facharbeit zum Thema NIV-Beatmung.
Was mich interessiert sind Eure Erfahrungen mit dieser Beatmungsform im Zusammenhang mit Ernährung.
Werden die Patienten unter Beatmung paenteral ernährt? Per Magensonde, oder können sie die Maske für die Zeit der Nahrungsaufnahme abnehmen? Ist es möglich mit einer reinen Nasen-Maske oral etwas zu sich zu nehmen?

Vielen Dank für Eure Mails!

Mathias






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Superfantastisch
21.12.2004, 23:55
Werden die Patienten unter Beatmung paenteral ernährt? Per Magensonde, oder können sie die Maske für die Zeit der Nahrungsaufnahme abnehmen? Ist es möglich mit einer reinen Nasen-Maske oral etwas zu sich zu nehmen?

hallo aquanaut.

liegt immer daran, in welcher phase der patient sich gerade befindet.

wir reden ja hier von intensivmedizin. NIV wird also wohl eher als kurzfristige Intervention eingesetzt, um einem resp. erschöpften oder sonstwie insuff. Patienten die Intubation zu ersparen.

In dieser Zeit gibt es dann bei uns erstmal keine enterale Ernährung, um - falls doch intubiert werden muss - einen nüchternen patienten vor sich zu haben. Eine Magensonde ist dennoch nicht verkehrt, im Sinne einer Ablaufsonde.

auch wenn der patient 1 - 2 Tage noninvasiv durchbeatmet werden muss, verzichten wir weiterhin auf enterale ernährung - aus o.g. grund sowie wegen der aspirationsgefahr unter der Maske, bzw. unter auch unter dem Helm, obwohl da ein Erbrechen erstmal nicht so dramatisch ist.

GGfs. wird parenteral ernährt.

Unter NIV per Nasenmaske Essen oder Getränke anzubieten halte ich hingegen für schon fast grob fahrlässig!

Bei dem Flow, der dort herrscht ist die gut gemeinte Mahlzeit schneller in der falschen Röhre, als man sich es vorstellen kann.

Und wenn der Patient soweit ist, dass er während des Essens auf Helm oder Maske verzichten kann, stellt sich mir die Frage, ob er überhaupt noch auf NIV angewiesen ist.

Wenn ich irgendwo komplett falsch liegen sollte, freue ich mich über jede andere Meinung!

Christoph
22.12.2004, 08:52
Hallo

bei uns wird unter NIV nicht enteral ernährt. Sondenkost wird für die Zeit der Beatmung pausiert und die Magensonde (falls vorhanden) mit einem Ablaufbeutel versehen. Wir haben einfach Sorge, dass die Patienten durch die erhöhten Drücke zu viel Luft in den Magen bekommen, erbrechen und auch noch aspirieren. Ich weiss aber von der Vorstellung eines CPAP Helms, dass andere Kliniken Patienten unter Helmbeatmung trinken lassen. Vielleicht hat ja noch jemand gute Erfahrungen damit.
Ich kann mich auch nicht erinnern, dass bei unss ein Patient unter Maske oder Helm wirklich erbrochen hätte. Vielleicht machen wir uns also zu viele Sorgen ??
Erfahrungen mit NAsenCPAP habe ich leider keine.

Grüße aus dem Badenland

Christoph

prometheus
22.12.2004, 13:38
Hallo !
In der Akutphase haben die niv-beatmeten Patienten bei uns zunächst Nahrungskarenz (i.d.R. max. 10 h) ... im weiteren Verlauf dürfen sie dann trinken und je nach Zustand auch essen (leichte, nicht blähende kost, mehrere kleine Mahlzeiten).
Während des Essens wird die NIV unterbrochen, sollte es jedoch notwendig sein, bekommen sie während dieser Zeit eine Nasenmaske ....
... ist natürlich auch immer von der Vigilanz der Patienten abhängig ....
...wir beatmen schon seit vielen Jahren und sehr häufig niv und haben mit diesem System bisher nie Probleme gehabt !
Jemanden über längere Zeit nüchtern zu lassen, birgt ebenso Risiken in sich ... man denke nur an die entstehende Menge Nüchternsekretes und die Gefahr, dieses zu aspirieren ...... und über die Vorteile einer frühen enteralen Ernährung brauche ich wahrscheinlich nichts mehr zu sagen ...
Ich denke, daß in dieser Beziehung ähnliches gilt, wie für invasiv beatmete Patienten !

Grüße !

PICCOlina
22.12.2004, 13:59
Hi,
wir lassen unsere Patienten trinken (wenig) - unter "Helmbeatmung" Mittels eines Strohhalms durch eine dafür vorgesehene Öffnung.
Enterale Ernährung kommt nicht in Frage - wie schon weiter oben berichtet, möchten auch wir die Intubation eigentlich umgehen, aber sie steht halt immer "im Raum".
Desweiteren sind unsere Patienten so mit ihrer Ateminsuffizienz beschäftigt, dass sie bisher noch nie "Hungergefühle" geäußert haben.
Wer schon mal "schlecht Luft" bekommen hat, weiß dass die Angstgefühle alles andere überdecken.

Euch allen ein besinnliches Fest
und ruhigen Dienst
Gruß PICCOlina