PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Statistik Personalbedarf / Tätigkeiten



Peter Nydahl
27.10.2004, 12:48
Hallo zusammen

Vielleicht ist es ja ein alter Hut, aber da bei uns auch der Rotstift angesetzt wird, überlegen wir, unsere Stellen durch Statistiken zu untermauern, d.h. wieviele Beatmungspatienten, gelähmte (neuro), verwirrte, wieviele Begleitungen ins CT, wieviele Assistenzen bei ZVK-Anlage usw. täglich gemacht werden.
Gibt es Erfahrungen / Vorlagen dazu und (viel wichtiger) : macht das Sinn, wenn es ernst wird?
Vielen Dank und viele Grüße
Peter

arnold kaltwasser
27.10.2004, 13:16
siehe auch ;)

http://forum.zwai.net/showthread.php?t=228

so long arnold

arnold kaltwasser
27.10.2004, 13:19
und www.lep.ch

´grüzie´ :D arnold

arnold kaltwasser
27.10.2004, 14:12
und noch was :D

http://www.bda.de/06_1_00tabelle.htm#zu_iii
so long arnold

Christoph
28.10.2004, 09:11
Hallo

wir arbeiten in Heidelberg seit etwa 2 Jahren mit INPULS. Es ist ein Leistungserfassungssystem das ursprŸnglich von Mitarbeitern der neurochirurgischen Intensiv entwickelt wurde jetzt aber fŸr alle Intensiv und IMC Stationen im Klinikum verwendet wird. Die Patienten werden tŠglich in 6 Kategorien eingeteilt denen Pflegeminuten hinterlegt sind. Den Aufwand versucht man anhand Sedierung, Katecholaminen, Drainagen, Zu- und Ableitungen, HŠmofiltration aber auch durch Einteilung in verschiedene Transferklassen oder EinschŠtzung der Neurologie festzulegen. Dabei nŠhert man sich dem AUfwand immer nur an. Bei einigen Patienten ist der Aufwand sicher hšher als die Anzahl der Pflegeminuten bei anderen auch mal darunter. Transporte werden gesondert erfassst mit der genauen Zeit des Transports vom Abbau bis zum erneuten Aufbau.
Das System erlaubt natŸrlich auch eine Stellenberechnung aufgrund der Pflegeminuten zu denen dann noch Ausfallszeiten durch Krankheit, fortbildungen und TŠtigkeiten abseits des Petienten (Bestellungen...) dazu gezŠhlt werden. Unsere PDL schauen sich die Zahlen an und es wird zumindest in der Argumentation um Planstellen berŸcksichtigt. Die "GelŠhmtenzulage" soll demnŠchst wohl auch nicht mehr pauschal gezahlt werden sondern nur noch wenn die Anzahl der beatmeten Patienten 50 % Ÿbersteigt.
Das INPULS System ist mittlerweile auch in einigen anderen Klinkien verbreitet und die Kriterien zur Einteilung werden immer mal wieder gemeinsam mit diesen Kliniken angepasst. Meiner Meinung nach ist es ein System das viele Patienten ganz gut in ihrem Aufwand abbildet ohne jede einzelne TŠtigkeit zu berŸcksichtigen. Der Dokumentationsaufwand betrŠgt etwa 5 Minuten pro Patient plus 15 - 20 Minuten fŸr jemanden der es in der Computer hackt und noch mal kontrolliert.
NŠhere Infos gibt es aber auch unter www.inpuls.de .

GrŸ§e ‡us dem regnerischen SŸden

Christoph

Tempo
28.10.2004, 14:29
Moin Peter!
Wir haben vor 2-3 Jahren mal eine zeitlang versucht unsere Tätigkeiten in Form von Zeitaufwand pro Tätigkeit darzustellen, ähnlich dem was Christoph beschreibt. Es ist leider nichts dabei herum gekommen. Man kann dann zwar besser argumentieren, aber am Ende sagte der Vorstand und die PDL, " Toll, daß ihr das alles gemacht habt, aber es geht ja auch mit dem vorhandenen Personalstand!"
Es gibt leider keine gesetzliche Grundlage auf die man sich berufen kann. Mittlerweile sind uns zwei weitere Planstellen gestrichen worden - und wir können leider gar nichts dagegen machen! :( :(

WomBat
28.10.2004, 22:22
Hallo Tempo!

Trotz aller lobenswerten Bemühungen für zusätzliche Stellen aktiv zu werden, wie Du geschildert hast und die von anderen ähnlich berichtet wurde, geistert eine Frage in meinem Hirn herum:
Kann es sein, dass wir in Zukunft die sog. „Leistungserfassung“ – oft eine Aufwandserfassung – nicht dazu nutzen müssen um für neue Stellen zu kämpfen, sondern um vorhandene Stellen zu erhalten?
Manche nennen das „sichern“.
Diese Frage stellt nicht ein kleiner Bösewicht in meinem Ohr, sondern entspringt eher einer (leider nüchtern :)) Beobachtung der Tatsachen um uns herum. Ich habe den leisen Verdacht, das es nicht mehr heißt: „Leistungserfassung zwecks Schaffung neuer Stellen“ sondern „Schaffen wir es, uns ohne Leistungserfassung verlustlos zu behaupten“?

Let’s fight! We can win. They need us.

No Worries, WomBat

Elisabeth
29.10.2004, 11:57
Überlegung:

Ich zahle Krankenkassenbeitrag wie jeder gute Bürger. Die Höhe des Betrages sowie die zusätzlich anfallenden Kosetn finde ich sehr üppig. Mit dieser Einstellung befinde ich mich in guter Gesellschaft. Keiner, den ich kenne, würde mehr bezahlen wollen.
Die Beiträge werden aufgeteilt in die verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens. Und ein Teil kommt auch in meine Klinik. Ein großer Teil dieses Geldes sind Personalkosten. Unser Beruf ist nun mal personal- und damit kostenintensiv. Und wenn ich ehrlich bin- ein bischen mehr tät ich schon gern verdienen. Aber....
Die Einnahmen meines Hauses sind begrenzt. Wir haben die "Rettungsleine" gezogen und eine Art Hausvertrag erarbeitet, der Entlassungen verhindert. Niemand muss gehen... aber solidarisch verzichten wir alle auf Gehalt und damit auch auf Arbeitsstunden. Und nun....?
Nun geht es ans Eingemachte. Personalreduzierung bedeutet auch das die Prioritäten neu gesetzt werden müssen. Der Kunde (Pat.) hat entschieden: notwendige, ausreichende und wirtschaftliche Pflege ist erwünscht. Als nächstes ist aus meiner Sicht eine Flexibilität in der Pflege wünschenswert. Der Arbeitsaufwand schwankt in unserem Beruf fast täglich. Arbeitskräfte sollten entsprechend dem Arbeitsaufwand rekrutiert werden- Rotation zwischen den Bereichen(was für ein böses Wort).

Wenn wir uns nicht den neuen Gegebenheiten des Marktes stellen, sondern nur versuchen alte Strukturen zu sichern, werden wir nicht überlebensfähig sein. Pflege muss endlich aufwachen und sich bewegen und letzteres möglichst nicht im Schneckentempo.

Ergo geht es um den Leitungsnachweis- nicht um neue Stellen zu bekommen, sondern die vorhandenen Stellen sinnvoll zu nutzen.

Elisabeth

PICCOlina
29.10.2004, 14:39
Hallo,
Ich finde das Rotationsprinzip nicht uninteressant. Ich bin seit vielen Jahren auf einer internistischen Station eingesetzt und es macht mir Spaß immer mal wieder in unserer Anästhesie zu arbeiten.

Jetzt aber meine Sicht der anderen Seite:
Vor fast zwei Jahren wurde bei uns das "Metrix" System zur Zeiterfassung eingesetzt. Das Erfassen empfand ich schon als aufwendig. Es handelt sich um ein Gerät in "Gameboy" Größe (Das Ding hieß nach zwei Tagen auch so :D ), mittels Barcode mussten alle Tätigkeiten eingelesen werden, im Echtzeitmodus - also erst erfassen , dann ausführen. (Ist nicht lustig: moment- erst einlesen, dann Reanimieren??! Wir fanden aber eine Lösung.)
Nach 6 Wochen Erfassung und anschliessender Auswertung wurde "umstrukturiert"
Im Nachtdienst (sonst zu dritt) wurde ein Dienst gekürzt, er geht 2 Stunden eher nach Hause, weil um diese Uhrzeit "weniger los ist". Leider stimmt das nicht immer und bei einem Block über 4 Nächte fehlen dann 8 Stunden , was bedeutet, dass es meist den Dreischicht- Zuschlag nicht gibt (40 Nachtstunden in 5 Wochen) Das spart dem Haus eine menge Kosten! Dem, der zwei Stunden eher geht, bringt das früher nach Hause gehen keinen echten Benefit.
Die Kollegen auf den peripheren Stationen hat es noch schlimmer erwischt, sie werden bedarfsorientiert eingesetzt. Zwischendienste zu Stosszeiten sind jetzt das tägliche Brot und die Kollegen "stinksauer". Unsere Pflegedienstleitung hat die Auswertung veröffentlicht und es liest sich wirtschaftlich gesehen wie das Ei des Kolumbus, leider wird nicht veröffentlicht, was die betroffenen Pflegenden dazu meinen. Wir haben lange überlegt eine "Gegendarstellung" zu veröffentlichen - aber brauchen wir nicht unseren Job??!! So fühle ich mich mal wieder "ohnmächtig" :(

Aber nach fast zwei Jahren - man gewöhnt sich an alles - leider
und alle haben noch ihren Job!!

Gruß PICCOlina

PICCOlina
29.10.2004, 14:43
Hab`noch was vergessen

Wenn ich übers Rotieren nachdenke:
Die "Intensivleute" helfen auf den Normalstationen - kein Problem
aber geht das auch umgekehrt? Oder bin ich jetzt überheblich? :confused:

Gruß PICCOlina

WomBat
29.10.2004, 20:54
Hallo Elisabeth, Hallo Piccolina

Elisabeth, meine Antwort, schlicht "Ja" (es sei denn, Du arbeitest für einen gewissen Träger, der danach alle "Ersparnisse" nach Gusto verwendet....wie schon mal passiert).

Piccolina, mich würde die Darstellung Deines Teams schon sehr interessieren. Vielleicht kannst Du uns das zugänglich machen? Ich finde es immer gut, BEIDE Seiten anzuhören. Nein, ich finde es eine sehr gute Sache so herum.

WomBat,

Drive Carefully! Wombats Next 5 Miles :)

prometheus
30.10.2004, 19:55
Hallo PICCOlina !

Kann aus eigener Erfahrung berichten, daß das mit den Rotationen schon ganz gut funktioniert ... unsere Intensivleute haben überall ausgeholfen ... die peripheren Stationen untereinander und auch bei uns ...hatten zwar zunächst eine große Hemmschwelle, aber mit etwas gutem Willen hat das eigentlich später ganz gut funktioniert...nur die Anästhesiepflege war in keinster Weise dazu bereit ...die haben auch bei uns nie ausgeholfen, obwohl wir ständig bei denen eingesprungen sind ...konnten dagegen nicht ankommen, die haben sich durchgesetzt, da sie eine starke Lobby im Haus besaßen ...die Anästhesie(pflege) war immer soetwas wie die "heilige Kuh" des Hauses ...
Auch wir haben auf unserer Station wirklich ultraflexible Arbeitszeiten gehabt, bzw. geduldet ...mit Teil- und Zwischendienst, jederzeit aus dem "Frei" wieder zum Dienst erschienen, morgens zwei Stunden gearbeitet, wenn dann nichts los war, wieder nach Hause ... nächsten Tag an den Spätdienst mehrere Stunden drangehängt ... Extrabezahlung gab es für soetwas nicht, im Gegenteil ! Feiertage, Überstunden, etc. wurden alle über eine Pauschale vergütet, die allerdings viel zu nierdrig angesetzt war ... Privatleben hatte man da eigentlich gar nicht mehr, man konnte nichts mehr planen ... U N D ? geholfen hat es alles nichts ... das Haus ist doch den Bach herunter gegangen, da im ärztliche Bereich und der Verwaltung das Geld zum Fenster heraus geworfen wurde !
Im Pflegedienst wurde durch die Rotation so gut kompensiert und eingespart, daß immer mehr Pflegekräfte entlassen wurden und die sogenannte Pflegequalität längst auf der Strecke blieb ...diese Rotationen sehen auf dem Papier nämlich total gut aus, aber in der Realität .... fehlt es dann an allen Ecken und Enden !

Wir müssen flexibler werden ... wenn ich das schon höre:motz:....die eigentlichen Probleme liegen doch ganz wo anders ....Pflege hat in Deutschland einfach keine Lobby ...ich denke schon das hier unser Idealismus und Wille zu helfen, wissentlich ausgenutzt wird ! In anderen Staaten hat Pflege einen viel höheren Stellenwert in der Gesellschaft ...und das ist unser Problem !!!

:wut:Solange Ärzte, insbesondere Chefärzte immer noch ihre Launen ausleben können und ihren Vorstellungen und Wünschen entsprochen wird, auch wenn dieses wirtschaftlich, ergonomisch und qualitativ noch so verrückt erscheint ....

....sorry, habe mich hier wohl etwas gehen lassen ...

Michael
31.10.2004, 10:16
Hallo Leute,

ich lese aufmerksam obige Beiträge, und ich muß feststellen, ich bin entsetzt!
Da wird doch nichts anderes getan, als eine bestehende Struktur systematisch zugrunde zu richten.
Und das auf dem Rücken der Schwächsten im System, nämlich dem Pflegedienst.
Und nicht zuletzt auf dem Patienten, aber die wehren sich ja sowieso nicht, die sollen froh sein, ihren Job zu haben, bzw. dass ihnen geholfen wird.
"Einspringen, Freiwillige Doppelschichten, Geteilte Dienste, Aus dem Frei-gerufen-werden, Rotation", alles schonmal da gewesen. Erinnert mich fatal an meine Anfangszeit Anfang der 80er Jahre. Mit dem Ergebnis, dass plötzlich unsere Kliniken leer standen, tausende von Betten "geschlossen" wurden, weil kein Mensch sich diese Knochenmühle mehr antun wollte.
Ich habe ab 1988 in Stuttgarts damals größter Klinik Dienst getan, da standen teilweise 1/3 der Stationen still, weil die Leute, hochmotiviert, gut ausgebildet, lieber "zum Daimler" ans Band arbeiten gingen, weil sie da einen geregelten Tag hatten und deutlich mehr verdienten als im KH. Spätschicht auf einer 36-Betten-Station mit einem examinierten Pfleger (ich) und einer Schülerin, das wars.
Die Einzige, die sich auskannte, war die griechische Putzfrau, mit der bin ich dann die frischen OP aus dem AWR abholen gegangen, während die Schülerin bibbernd allein auf Station zurück blieb.
Diese Periodik scheint im System Krankenhaus scheinbar immer und immer noch zu gelten, nach einigen Jahren der Besserung wird mal wieder das Geld knapp, es muss gespart werden, es werden Stellen abgebaut, alles läuft weg und 2-3 Jahre danach schreit wieder die ganze politische Welt von wegen "Pflegenotstand".
Irgendwie bin ich ganz froh, vor 5 Jahren dem deutschen Krankenhauswesen den Rücken gekehrt zu haben und ins Ausland gegangen zu sein.
Wenn bei uns jemand auf den Gedanken käme, geteilte Dienste, "freiwillige" Doppelschichten usw. einzuführen, stünde kurz darauf der Betriebsrat auf der Matte und wir würden uns im Hof zum Warnstreik treffen!

R.Fischer
31.10.2004, 11:25
Hallo Peter!
Wie WomBat geschrieben hat,denke auch ich,es geht auch darum Stellen zu erhalten.
In den Funktionsdiensten haben wir meiner Meinung nach noch die besten Möglichkeiten,Stellenabbau auszubremsen (z.B. Betten bzw. Säle aus Personalmangel schließen),aber dazu gehört eine couragierte Leitung und eine PDL,die hinter Ihren Mitarbeitern steht.
Wir versuchen gerade,eine EDV-gestützte Leistungserfassung aufzubauen (sehr langwierige Geschichte),da wir oft keine Pause machen können und unsere Überstunden langsam dahin gehen,daß wir die ganze Abteilung zwecks Überstundenabbau einen Monat schließen könnten.( :jubel: )
Viele Grüße-
Rainer Fischer.

Elisabeth
31.10.2004, 11:34
Krankenpflege ist nun mal ein Bereich, der nicht außerhalb der Gesellschaft steht. Entwicklungen der Gesellschaft finden auch in unserem Berufsbild ihren Widerhall. Wir haben derzeit 4,5 Mill. Arbeitslose. Die Konjunktur wird jeden Tag herbeibeschworen- allein, sie kommt nicht, im Gegenteil.
Ein Phänomen unserer Gesellschaft finden wir in unserem Berufszweig auch: Änderungen müssen dringend sein... aber nicht bei mir!!!

Außerdem, was will der Kunde? Dem Kunden ist eine professionelle Pflege oft unbekannt. Er sieht pflegerische Tätigkeiten eher als Nebenbei an. Waschen, füttern, trocken legen- die Tätigkeiten, die früher jede Hausfrau nebenbei machte ohne große Ausbildung.
Pflege hat keine Lobby. Aber sind wir nicht selbst dran schuld? Jetzt, wo es knapp wird, erkennen wir, das da wohl was falsch gelaufen ist. Pflege kommt immer zu spät mit ihren Erkenntnissen. Hat nicht gerade die Intensivpflege in den eltzten Jahren deutlich gemacht, was wertvolle Tätigkeiten in der Pflege sind? Da ging es meines Wissens nicht um grundpflegerische Tätigkeiten- oder irre ich mich da? Erst kommt das Leben retten (24 Stunden/ 365 Tage pro Jahr). Dann kommen die ärztlichen Verordnungen. Dann die hygienische Reinigung. ... Und wenn dann noch Zeit ist können wir mal über BasStim, Kinästhetik, Bobath usw. nachdenken.
Wir müssen nicht der PDL, dem Verwaltungsdirektor, der Krankenkasse erklären, welchen Wert auch grundpflegerische Tätigkeiten im Genesungsprozess haben. Diese Erklärung müssen an die Basis: der Bevölkerung. Der Kunde wird nur das fordern, was er kennt. Und nur dann ist er eventuell auch gewillt, dafür zu zahlen (zumindestens sollte man es hoffen).

Elisabeth

PS @Michael, deine Forderungen sind sicher berechtigt. Was mir aber fehlt, sind Lösungsmöglichkeiten zur Problematik: zuwenig Geld und trotzdem Pflegequalität.

Michael
31.10.2004, 12:18
Hallo Elisabeth,

ich wollte meine Statement nicht als Forderung verstanden wissen. Es sollte nurmehr eine Feststellung sein.

chrischi6660
31.10.2004, 18:12
Hallo,

uns wollte man auch Stellen streichen und wir haben u.a. auch Statistiken für die Gegenargumentation benutzt. Mit dem Erfolg, dass alles beim alten geblieben ist. Denn in unserem Haus konnte keine andere Abteilung dokumentierte Pflegeleistungen anhand von Statistiken nachweisen, dass war unser Vorteil. Fallst du nicht gerade den aktuellen Larsen zur Stelle hast möchte ich die Richtwerte von Steinbereithner und Bergmann zum Personalbedarf auf Intensivstationen unter Berücksichtigung von 20% Abwesenheit hier darstellen: gemischte anästhesiologisch-operative ITS:3,9 Pflegepersonen/Bett, gem. internistische ITS:2,7Pflegepersonen/Bett, herzchirurgische ITS:4,9PP/Bett, neurochir. ITS:4,2PP/Bett, kardiologische ITS:2,6PP/Bett, postop. Überwachungsstat.:2,7PP/Bett +2Hilfskräfte bis 8 Betten, 3 Hk. bei 8-12 Betten, 4Hk. bei 12-16 Betten(Hk. gilt für alle ITS) :cool: für nichtmediz. Stationsarbeiten.Ich glaube mal gelesen zu haben, dass diese Statistik schon über 20 Jahre alt sein soll, und die Pflege ist in dieser Zeit deutlich aufwendiger geworden oder?
Die beste Statistik aus meiner Sicht ist aber die TISS Bewertung. Hier gibt es 72 verschieden Scores die therap., pfleg., und diagn. Maßnahmen umfassen. Der Tissbogen wird täglich einmal ausgefüllt. Somit erreicht man sehr genaue und speziell für die Station gezählte Tisspunkte. Für diese Tisspunkte gibt es ein Umrechnungsfaktor für Pflegeminuten. Dann muss man wie folgt vorgehen:

Personalbedarf= Pflegezeitaufwand je Tag und Patient x Fallzahl x 7d :wöchentliche Arbeitszeit

Wenn ihr aber noch keine TISS Erfassung macht wird es euch auch nicht helfen. Denn man muss es über einen längeren Zeitraum dokumentieren.

Ich denke, dass es gute Argumente sind wenn ihr aus der Literatur Statistiken und Berechnungen sucht oder sogar die TISS Berechnungen nachweisen könnt. Denn in der Fachliteratur gibt es dagegen garantiert keine Gegenargumente.

Falls ihr noch kein TISS macht, solltet ihr mal drüber nachdenken denn es wird immer wichtiger nachzuweisen was man leistet.

MfG
Chrischi :cool:

WomBat
31.10.2004, 23:12
LFMG (Liebe Forums Mitglieder),

Die Realität über Personalverluste („Ersparnisse“ lt. Wirtschaftlicher Denke) wie oben berichtet zeigen mir nicht an, dass wir nicht nötig sind. Damit meine ich das Vorhandensein von Intensiv- und Anästhesiepflegepersonal in adäquater Anzahl und mit adäquater Qualifikation.

Die wichtige Frage lautet: Mit welchen Mittel können wir Personalverluste verhindern? Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, ich bin nicht für Personalerhalt aus Komfort-Gründen für das Pflegepersonal, sondern wegen einer best-möglichen Pflege der Patienten (Man/Frau könnte rasch selbst eine/r werden).

Die bisherigen Personalverluste interpretiere ich eher als die Unfähigkeit der Pflege, ALLEN klar zu machen, WARUM wir so-oder-so bestückt sein müssen und mit welche Ergebnissen Intensivpatienten rechnen können, wenn Sie „best-mögliche Pflege“ erhalten. Die - hoffentlich unnötige Umkehrung - wäre vom einem unterbesetzten, womöglich unterqualifiziertem Team gepflegt werden. Ethisch ein Unding. Aber WER kann dieses klar machen gegenüber anderen Berufsgruppen, gegenüber den Krankenhauswirtschaftern, den Kassen, der Politik, der Gesellschaft? Niemand wird für uns Forschungsergebnisse über Was Sehr Gute Intensivpflege (oder AN Pflege) leistet abliefern.

Wahrscheinlich brauchen wir verschiedene Mittel. Unterstützung unserer eigenen Berufsgruppe, vom Praktiker bis zum Forscher. Berufspolitische Arbeit. Vor Ort so pflegen, dass keine Missverständnisse über unsere Ergebnisse herrschen.

Und da bleibt die Frage von P. Nydahl. Zeitmessungen allein schaffen das nicht. Ewiges ankreuzen von irgendwelchen Tätigkeitslisten auch nicht. Wir müssen lernen, so zu sprechen, dass wir verstanden werden.

Alice Hopf sagte folgendes über Wombats (Vombatus ursinus)

"If an animal's not equipped to make sounds like talking, it doesn't mean it
can't think. All we have to do is figure out how to make it convey its thoughts"

Wenn ein Tier nicht so ausgestattet ist, dass die Töne die es abgibt sich wie Sprache anhören, heißt das nicht, dass es nicht denken kann. Wir müssen nur herausfinden, wie wir es dazu bringen können, dass es seine Gedanken mitteilt.


Unter den verschiedenen Mittel die wir einsetzen müssten, scheint mir dieses ein Schlüssel zu sein. Wir bräuchten eine Sprache um unsere Ergebnisse verbal und schriftlich vorzeigen zu können.

Gute Nacht, WomBat, in meiner Höhle

Holger Beuse
01.11.2004, 11:38
Wertes Forum.
Hallo WomBat.

Das Zitat über Wombats erinnert mich an ein Statement der Pflegeforscherinnen June Clark und Norma M. Lang, nicht über australische Zehenbeutler, sondern über die Pflege selbst:

"If we cannot name it, we cannot control it, finance it, research it, or put it into public policy." („Wenn wir es nicht benennen können, können wir es nicht beherrschen, finanzieren, lehren, erforschen oder es in politische Entscheidungen einbringen.”)

Leistungserfassung / Zeiterfassung ist ist in diesem Zusammenhang zwar nur ein, aber ein sehr gewichtiger Baustein. Denn sie produziert Zahlen und Statistiken. Nur damit können Verwaltungsleute und Betriebswirtschaftler etwas anfangen. Man muss auch die Administration da abholen, wo sie steht. :rolleyes:

"Die Verwaltung" verhandelt wiederum mit den Kostenträgern = Krankenkassen. Und worum geht es da? - Zahlen!

So. Und nun stelle man sich das Verhältnis Verwaltung (oder auch Kostenträger) vs. Pflege anhand folgenden Dialogs vor:

Verwalter: Was machst du so in einer Schicht?
Pflegende/r: Ich betreue zwei bis vier Patienten.
V: Aha. Und was machst du mit denen den ganzen Tag?
P: Äh..ja...also waschen...Medikamente geben...äh...bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen assistieren...auch mal am Beatmungsgerät drehen...äh...Essen oder Sondenkost geben... Werte in die Kurve schreiben...und meinen Pflegebericht schreiben.
V: :confused: Und was machst du in den restlichen fünf Stunden deiner Schicht?
P: :confused:
V: Auf den Regelpflegestationen betreut eine Schwester viel viel mehr Patienten. Und die waschen auch, geben Essen usw.

Seit in den 90er Jahren jeder, der nichts mit sich anzufangen wusste, BWL studiert hat und mittlerweile fast jede Pommesbude wie eine große Aktiengesellschaft streng nach betriebswirtschaftlichem Denken geführt wird, gehören Kennzahlen, Benchmarks, Qualitätssicherung und Leistungserfassung in den Wortschatz und in den Werkzeugkasten eines jeden, der mit seinen Leistungen Geld verdienen möchte. Ist leider so.

Deshalb ist es IMHO mittlerweile auch unerlässlich, seine Leistungen mittels Leistungserfassung in Zahlen transparent zu machen. Auch wir machen das seit nunmehr fünf Jahren. Dass dadurch mehr Stellen geschaffen werden, darf man sich getrost abschminken. Aber wenigstens wird der Status Quo erhalten, wenn man nachweisen kann, dass die Mitarbeiter in ihrer Arbeitszeit auch ausgelastet sind. Die tatsächliche Qualität der Pflege ("Qualitätssicherung") wird nur sehr bedingt abgebildet, denn es wird ja nur erfasst, was geleistet wird. Nicht, was zusätzlich noch geleistet hätte werden müssen. :(
Hier zerreist sich die Pflege auch gerne zwischen ihrem eigenen Anspruch, der ihr in Aus- und Weiterbildung vermittelt wird und dem, was Medizin, Verwaltung und Kostenträger unter "ausreichender Pflege" verstehen.

Den TISS-Score halte ich persönlich für etwas problematisch. Denn er erfasst hauptsächlich medizinische Prozeduren und bildet originär pflegerische Arbeit nur bedingt ab. Dabei fallen nicht beatmete, hämodynamisch und respiratorisch weitgehend stabile Patienten schnell durch's Raster, wenn sie eventuell dennoch einen sehr hohen Pflegebedarf haben.
Besser gefällt mir da schon das Schweizer LEP-System, das in D'Land allerdings noch nicht so recht adaptiert und verbreitet ist.
Wir benutzen ein "selbstgestricktes" System mit Elementen aus TISS, LEP und eigenem. Selbstgestricktes lässt sich natürlich besser an die klinik- und stationsspezifischen Besonderheiten anpassen. Dafür ist der Verleich mit anderen Häusern nur über Umwege möglich.


Jede Berufsgruppe und jede Abteilung im Krankenhaus hält sich für die wichtigste. Nur die wenigsten wissen, das wir die wichtigsten sind! ;) Wir müssen es ihnen mal sagen. :mosh:

Fight,
HolBeu

Elisabeth
01.11.2004, 13:41
Hallo @all

Ergänzung zum Verwaltungsleiter: Sehr schön, dass sie mir zahlenmäßig nachgewiesen haben, was sie konkret in der Schicht machen. Aber wozu? Der Patient wäre auch ohne diesen Aufwand gesund geworden. Die medizinische Therapie ist da wohl wirkungsvoller. Oder wollen sie das bestreiten?

Will sagen: Alleine Zahlen reichen nicht. Nur allein aufzuschreiben, womit man sich in der Arbeitszeit beschäftigt- das wird nichts bringen. Nur wenn wir nachweisen können, dass unsere grundpflegerischen (was für ein Wort *kopfschüttel*) Tätigkeiten Auswirkungen auf den Genesungsablauf haben, wirds eventuell Geld geben.
Aber da wird es nicht reichen, wenn das der eine oder andere macht. Solche Leistungserfassungen müssten dann bundesweit nach demselben System abgerechnet und vergleichbar gemacht werden (das böse Wort vom Benchmarking *fg*).

Und da gibts dann schon die ersten Probleme: Was ist denn überhaupt notwendig? Und welche Aufgabe hat eine Intensivpflege denn noch außer Leben erhalten?
Wir werden die eigenen Geister, die wir riefen, nicht wieder los. Wir wollten (wollen) etwas besonderes sein. Dieses Besondere soll sich in jeder unserer Tätigkeiten abbilden.
Selbst jetzt, 5 min nach 12, denken wir zuerst nur an uns: was interessiert mich die Problematik der stationären Pflegekräfte.
So werden wir in der Pflege wohl nur wenig bewegen können, wenn wir überhaupt etwas bewegen wollen.

Elisabeth

Peter Nydahl
01.11.2004, 14:30
Hallo zusammen

Soviel an Diskussion wollte ich gar nicht lostreten (trotzdem vielen Dank!), aber die Diskussion geht genau in die Richtung, die bei uns auf Station geführt wird: Rotation, Kürzung und: was und wie können wir tun, um unsere Stellen zu erhalten und uns gleichzeitig anzupassen? Bei jedem Beitrag nicke ich hier und da und frage mich, ob die DGF hier nicht auch webspace hat, um einige Dokubögen zum Download bereit zu halten (den von Holger evtl.???) oder ob es zu einer konzentrierten Aktivität kommen könnte, mithilfe der DGF natürlich. Interessant auch der Aspekt, nicht nur die tatsächliche Leistung zu erfassen, sondern auch das, was man nicht tun konnte … Insgesamt scheint diese ganze Leistungserfassung also auch Glückssache zu sein, oder zumindest eine Sache, die so formuliert werden muss, damit die Adressaten sie verstehen …
Viele Grüße
Peter

WomBat
01.11.2004, 18:23
LFMG,
Bin ebenfalls von TISS nicht begeistert aus den gleichen Gründen wie HolBeu. TISS-28 und NEMS werden zwar in Texten von Ärzten hochgelobt, aber diesen fehlt auch noch etwas – nämlich den Anteil der Pflege. Ich betrachte es als erwiesen, dass ein Krankheitsbild bzw. medizinische Diagnostik / Therapie nicht den Pflegebedarf vorhersagen kann.

Ich träume davon, dass wir zu den Verwaltern (und wer’s sonst noch hören muss) einmal sagen können:

„Was wir tun und wie wir es tun steht geschrieben, siehe Text. (selbstbewusste Haltung :), zitiere ein Paar Bücher oder „Papers“)
Mit „dieser“ Pflege wird das Gesamtergebnis für Patienten verbessert. Einige Beispiele wären: (dazu Zucken wir unsere Fakten heraus und bewahren Haltung wie oben)
Wir haben die Pneumonie – und HWI Inzidenz verringert,
Mobilität erhalten (bzw. verbessert, gemessen an ROMs (z.B.), Desorientierungszeit verkürzt, weniger Deku’s, weniger Re-Intubationen, Zahnfleisch und Zähne unserer Patienten sind weitgehend intakt wenn sie uns verlassen, keine Kornea-Schäden, keine Stürze (und wenig oder keine Fixierungen), wir bemerken und reagieren auf bedrohliche Komplikation super-schnell, daher …..usw.
(Nun lächeln wir freundlich :) und ziehen das Bäuchlein etwas ein, Kopf leicht erheben…)
Die Verweildauer haben wir reduziert auf…..ebenso die Kosten….
Bei einer Verringerung der Anzahl der Pflegenden (oder deren Qualifikation) können wir solche Ergebnisse nicht in dieser Form garantieren.“

Ja, ja, ich gehe ja schon in meine Höhle zurück!
Hoffentlich war mein Brummen verständlich,
WomBat

Never give up.

Peter Nydahl
01.11.2004, 19:04
Hallo Wombat

Diese Szene gab es einmal: Frank Lauxtermann aus Oldenburg wurde von seinem Verwaltungsleiter zum Gespr?ch eingeladen, weil Frank nachgewiesen hatte, dass er (durch basal stimulierende) Pflege die Verweildauer von 10 kardiochirurgischen, verwirrten Intensivpatienten um insg. 15 Tage reduzieren konnte, im Gegenwert von 11.000 Euro. Da wurde eben auch der Verwaltungsleiter hellh?rig! Und das ist eine "Sprache", die wir lernen mÙssen ...
GrÙ¤e in die H?hle
Peter

Peter Nydahl
02.11.2004, 09:06
In der medline findet man Argumentationshilfen, z.B.:

Amaravadi RK, Dimick JB, Pronovost PJ, Lipsett PA.. ICU nurse-to-patient ratio is associated with complications and resource use after esophagectomy. Intensive Care Med. 2000 Dec;26(12):1857-62.
Wenn eine Schwester mehr als zwei Patienten nachts betreut, steigt das Risiko pulmonaler oder infektiöser Komplikationen (Patienten nach ösophagealer Resektion)

Auch gut zu lesen ist dieser link
http://nursingworld.org/ojin/topic22/tpc22_5.htm
Es scheint einige Studien dazu zu geben, ich habe aber bisher noch nichts im deutschsprachigen Raum „in dieser Sprache“ gefunden. Wäre das nichts für eine Facharbeit oder einen Pflegewissenschaftler?
Grüße
Peter

Holger Beuse
02.11.2004, 12:22
Wertes Forum.
Hallo Peter.

Vielen Dank für die Links.



Es scheint einige Studien dazu zu geben, ich habe aber bisher noch nichts im deutschsprachigen Raum „in dieser Sprache“ gefunden.

Claudia Söhle hatte Anfang des Jahres einen Artikel in der Plexus
[Claudia Söhle: Die Beeinflussung des Patientenoutcome durch Intensivpflege-Qualifikation und deren Stellenbesetzung. In: Plexus Nr. 1/2004, S. 37-39]
Näheres dazu hier>>> (http://www.anaesthesie-intensivmedizin.com/index.php?id=11&backPID=12&pS=1078095600&pL=2674799&arc=1&tt_news=117)

Soweit ich mich erinnere, bezog sich Claudia insbesondere auf eine U.S.-amerikanische Studie von Linda H. Aiken et al. an über 230 000 Patienten verschiedener operativer Disziplinen.

Dabei wurden die Todes- und Komplikationsraten innerhalb von 30 Tagen nach der Aufnahme sowie die Zahl der Patienten, die ein Pflegender auf der Station zu versorgen hatte, untersucht. Der Pflegeschlüssel war dabei eng mit der Todesrate der Patienten, die Komplikationen erlitten hatten, verknüpft: Jeder zusätzliche, von einem Pflegenden betreute Patient ließ die 30-Tages-Sterblichkeit um 7 % ansteigen (JAMA 2002; 288: 1987-93) (http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/288/16/1987?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=1&author1=Aiken%2C+LH&andorexacttitle=and&andorexacttitleabs=and&andorexactfulltext=and&searchid=1099392970038_628&stored_search=&FIRSTINDEX=0&sortspec=relevance&volume=288&firstpage=1987&journalcode=jama)

Aiken hat in einer weiteren Studie belegt, dass sich auch das Ausbildungsniveau des Pflegepersonals auf die Behandlungsqualität auswirkt.
JAMA 2003; 290: 1617–1623 (http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/290/12/1617?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=1&author1=Aiken%2C+LH&andorexacttitle=and&andorexacttitleabs=and&andorexactfulltext=and&searchid=1099393189543_597&stored_search=&FIRSTINDEX=0&sortspec=relevance&volume=290&firstpage=1617&journalcode=jama)

Zu meinem letzten Posting in diesem Thread schrieb Elisabeth:


Alleine Zahlen reichen nicht. Nur allein aufzuschreiben, womit man sich in der Arbeitszeit beschäftigt- das wird nichts bringen. Nur wenn wir nachweisen können, dass unsere grundpflegerischen (was für ein Wort *kopfschüttel*) Tätigkeiten Auswirkungen auf den Genesungsablauf haben, wirds eventuell Geld geben.
Aber da wird es nicht reichen, wenn das der eine oder andere macht. Solche Leistungserfassungen müssten dann bundesweit nach demselben System abgerechnet und vergleichbar gemacht werden (das böse Wort vom Benchmarking *fg*).

D'accord! In meinem Plädoyer für die Leistungserfassung schrieb ich ja auch, dass dies nur ein, wenn auch ein sehr wichtiger Baustein ist. Und Verwaltungsvögel können in der Regel mehr mit Zahlen als mit Basaler Stimulation umgehen (wenn sie nicht gerade selbst wahrnehmungsgestört auf einer Station liegen).
Natürlich ist die Forderung nach einem einheitlichen Leistungserfassungssystem logisch und berechtigt. Doch das ist IMHO pragmatisch gesehen der zweite Schritt vor dem ersten. Im nicht gerade für schnelle Flexibilität bekannten deutschen Krankenhauswesen wird's höchste Eisenbahn, dass überhaupt erstmal jeder seine Leistungen erfasst, um Argumente zu haben. Letztendlich sind die Zahlen systemunabhängig schon vergleichbar, denn sie liefern immer auch Zeitwerte. Für eine tiefergehende Analyse bedürfte es dann in der Tat eines einheitlichen Erfassungssystems.

Der Ansatz, die eigenen Leistungen auch wissenschaftlich zu untermauern, ist eine weitere wichtige Baustelle. Auf der Straße zum Glück müssen wir auf mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten.

Fight,
HolBeu :mosh:

WomBat
02.11.2004, 20:55
Mehr zum Träumen aus der Höhle. Dies mal zum Schwörzennegger-Land, den dieses ist gut sichtbar von Südwest-Wombat-Land.

Leider nur in Anglais!

Zu den Themen,
zum Beispiel Personalschlüssel auf Intensiv,
Gesetzgebung und dafür Kämpfen, Was Pflege Interessiert.

Interessant, die Zeitschrift "Revolution", leider nur Auszugsweise, trotzdem sehr interessant (z.B. Wie Krankenhäuser den Pflegenotstand fördern - oder Die Drogenmafia und der Pflegenotstand). Drogen = Drugs = Medikamente.


Die Seite wirkt etwas instabil beim Surfen, daher mehrere Links.

http://www.calnurse.org/finalrat/ratio7103.html

http://www.calnurses.org/

http://www.calnurse.org/cna/np/na.html

Auch wenn es nicht direkt hilft, Hier Werden Sie Geholfen zum Thema: Was Alles Möglich Ist.
Siehe auch "Union Busters". Gewerkschaft Killer.

Warum? Der totale kapitalistische Gedanke rückt näher.

Elisabeth, Dein Zitat "Die Geiser, die wir riefen"...

Wenn wir Sie bestens kennen, können wir damit umgehen.

WomBat

Ready, set, fight!

Tempo
08.11.2004, 10:37
Moin Zusammen!
Wow, was für eine Diskussion mit vielen neuen Erkenntnissen und Tipp's wie wir unsere Arbeit anhand von Zahlen darstellen können, um somit Stellen zu sichern, bzw. neue zu schaffen. Egal, ob TISS, Inpuls oder andere Systheme. Was bringt es denn wirklich wenn man tatsächlich auch Zahlen präsentieren kann? Man ist letzlich immer nur auf das Wohlwollen der Verwaltung angewiesen! Der Gesetzgeber verliert leider kein Sterbenswörtchen darüber wie eine Intensivstation besetzt sein muss ( oder auch eine Normalstation ). Wir haben leider nichts in der Hand, womit wir sagen könnten " Hey Leute! Seht her, so muss es laufen. So müssen wir besetzt sein! Sonst kann uns der Patient ganz gepflegt vor Gericht in die E...treten!" Das sind in Deutschland und in anderen Länder leider immer die Instrumente die auch tatsächlich Wirkung zeigen.

WomBat
08.11.2004, 19:51
Gesetzlich festglegte Zahlen (Pflegeperson pro Patient) für verschiedene Bereiche im Krankenhaus im Bundesstaat California (in der Grafik ist auch die Intensivstation dabei):


http://www.calnurse.org/finalrat/finratrn7103.pdf

Scheinen Dream Teams zu sein...

Interessant auch, dass in der Pause eine kompetente (sprich formal qualifizierte Pflegeperson) da sein muss. Wenn z.B. 2 FKS/FKP für je 2 Patienten zuständig sind, ist es nicht erlaubt, dass nur eine davon in der Pause alle vier Patienten betreut. Jede muss getrennt abgelöst werden.

Ich wär' schon froh wenn irgendwo stünde, dass wir 1:2 sein sollten.



WomBat

Langsam aber zielsicher immer das kleingedruckte lesen

Tempo
08.11.2004, 22:30
So sieht das aus! Und das ist leider ein Riesenmanko!

arnold kaltwasser
16.11.2004, 15:26
und das könnte von Interesse sein

http://www.bda.de/downloads/Anleitung_Intensivmedizin.pdf

with kindly regards arnold

WomBat
16.11.2004, 22:07
SAPS ist ein Scoring System für die Prognose von Mortalität und Morbidität. TISS misst das Ausmaß der (medizin.) therapeutisch notwendigen Unterstützung einer Organfunktion, gibt daher nur indirekte Indikatoren für die schwere der Erkrankung.

SAPS misst nicht die Pflegebedürftigkeit, angeblich kann TISS die „nursing workload“ messen. Beide Systeme messen nicht „Was Tun Intensivpflegende?“ (wäre nur Aufwandsmessung im Sinne einer altmodischen Tätigkeitsorientierung).

Im Sinne einer modernen „patienten-orientierung“ nämlich die Pflegebedürftigkeit (in anderen Worten: Leistung des Pflegeberufs für den Patienten aufgrund einer Erhebung und Analyse der Daten mitsamt Entscheidung) zu messen, kann ich in diesen Bericht nichts finden.

Wir wissen unter anderem durch W. Fischer schön länger, dass Erkrankungen oder deren medizinische Behandlung nicht geeignet sind, Pflegeaufwände oder –leistungen zu messen.

Ich glaube, wir müssen von der Aufwandserfassung zur wirklichen Leistungserfassung. Hier lautet die Fragestellung: Was tun Intensivpflegende für Patienten (sinnvolles), was nur diese Berufsgruppe kann und welche positiven Ergebnisse sind bei den Patienten tatsächlich zu „messen“ bzw. festzustellen?


Habe ich etwas in dem Link verpasst?

WomBat, Grübelt

PICCOlina
18.11.2004, 12:36
Hallo Ihr Lieben,
So langsam komme ich nicht mehr mit.
Im letzten Link habe ich bei TISS nachgesehen - was ist den da pflegerisch?
oder habe ich was übersehen?
Wir haben ja mal mit Metrix gearbeitet(soweit ich weiß, als einzige ITS in D ), da ging es um die Zeiterfassung, aber fast alle pflegerischen Tätigkeiten waren aufgeführt. Jetzt sollen wir zum Jahresbeginn TISS bekommen und so wie es aussieht, bringt das ja nicht gerade den pflegerischen Aufwand ans Licht.(SAPS läuft schon lange)
Kann mir jemand das TISS noch mal näher erläutern, meine Vorgesetzten verkaufen das Ding bei uns anscheinend etwas anders :( :confused:
Vielleicht auch was schicken? Es ist wohl besser, ich weiß was da auf uns zu rollt :rolleyes:
Liebe Grüße

PICCOlina

arnold kaltwasser
18.11.2004, 12:47
Hallo Ihr Lieben,
... Jetzt sollen wir zum Jahresbeginn TISS bekommen und so wie es aussieht, bringt das ja nicht gerade den pflegerischen Aufwand ans Licht.(SAPS läuft schon lange)
Kann mir jemand das TISS noch mal näher erläutern, meine Vorgesetzten verkaufen das Ding bei uns anscheinend etwas anders :( :confused:
Vielleicht auch was schicken? Es ist wohl besser, ich weiß was da auf uns zu rollt PICCOlina

Ich wollte nicht verwirren :confused:

"Im letzten Link habe ich bei TISS nachgesehen - was ist den da pflegerisch?"

TISS schwirrt gerne als Score herum aus dem auch die Pflege ableitbar sein soll :cool:

so long arnold

PICCOlina
18.11.2004, 13:45
@ Arnold
Ja, eben uns wird TISS auch als Pflegescore verkauft.
Wie ich das sehe ist das doch aber Quatsch, oder?

Kann das jemand mal genauer erklären?

Gruß PICCOlina

WomBat
22.11.2004, 20:14
Piccolina, ich versuch's mal

Es gibt verschiedene Arten von Scores, z.B. Severity of Illness Scores (Schweregrad der Erkrankung z.B. APACHE, SAPS gemessen werden i.d.R. physiologische Parameter zwecks prognostiche Aussagen), therapeutische Scores (medizinische Therapien, bekannt als TISS, entstanden aus dem Gedanke: je mehr Zu- und Ableitungen ein Mensch hat, desto kränker ist er und desto höher die Mortalität), und es gibt sog. Pflegeabhängigkeits-Scores. Bei den letzteren werden Kategorien gebildet, Patienten werden einer Kategorie zugeteilt, und danach sagt jemand: So viele Pflegende sind dafür nötig. (hier sind oft Zeitwerte usw. hinterlegt, aber hier liegen mehrere Probleme: z.B. keine Angaben über die die Qualifikation des Pflegepersonals, oder der zeitliche Aufwand. Dazu besteht die Forderung, das ganze mit Einschätzungen und Begründungen in der Doku zu untermauern.)

Jedes mißt etwas anderes, das Problem liegt darin, dass sie immer wieder benutzt werden, um das Pflegepersonal / Patienten Verhältnis festzulegen, mangels dem Gold-Instrument (oder der Einigkeit unter uns...) und unsere prähistorischen Anhaltszahlen immer wieder auftauchen, obwohl sich vieles verändert hat.
Alle haben Vor- und Nachteile, keines ist so exakt, dass es alleine für den Einsatz als Personal-Steuerungs -Instrument dienen könnte. In manchen Ländern behilft man sich damit, dass mehr als ein System eingesetzt wird um zu schlüssigen Zahlen (Personal-Anhalts-Zahlen) zu kommen.

Im Zeitalter der DRG's ist es besonders wichtig, den Pflegeleistungen auch Pflegekosten anzuhängen - also einen Preis. Viele sehen unsere Arbeit durch eine marktwirtschaftliche Brille, dabei rückt so etwas wie Qualität für Patienten eher in den Hintergrund. Wer außer unsere Berufsgruppe wird sich dagegenstellen?

In England wird von "evidenz-basiertem Management" gesprochen, soll heißen, dass Pflegemanager sich schlau machen sollen auf diesem Gebiet, die besten Instrumente zur Personalsteuerung einsetzen, und nicht zuletzt, das örtliche Wissen (Wissen und Erfahrung der Intensivler, wie viele Pflegende sie für welche Patienten brauchen) nutzen in Verbindung mit den Scores. Bis es ein Instrument entwickelt wird, das uns alle glücklich macht! :D

Siehe die bei uns häufig zitierten Systeme LEP-D und INPULS (oder auch NEMS, Euricus-I, CNIS, Time-oriented score system/TOSS und viele andere)

WomBat,
Australien hat DRG's, wer weis, was die Pflegende dort nutzen?

CNIS = comprehensive nursing intervention scale (oder score :hihi: )

Australien nutzt unter anderem (habe heute gespickt) Casemix und NIW.
NIW = nursing intensity weight

Abkürzungen sind manchmal gar keine...

didi9
24.11.2004, 09:01
Interessant auch der Aspekt, nicht nur die tatsächliche Leistung zu erfassen, sondern auch das, was man nicht tun konnte … Insgesamt scheint diese ganze Leistungserfassung also auch Glückssache zu sein, oder zumindest eine Sache, die so formuliert werden muss, damit die Adressaten sie verstehen …
Viele Grüße
Peter

Hallo zusammen:
1990-92 hat die Expertenkommission der DKG für die Bereiche Intensivstation und Neonatologie, Anästhesie, Dialyse bzw. OP und Endoskopie ein Konzept entwickelt, welche die Leistungen und die Zeiten nichtgetaner notwendiger Leistungen erfasst hat. Zusammen mit einer Gesellschaft für Evaluation und Qualitätssicherung wurde das Konzept in 8 Krankenhäusern ausprobiert. In der Personalbedarfsermittlung kamen notwendige Erhöhungen je nach Fach und Krankenhaus von ca. 8 bis 18 % heraus. Für die Intensivpflegenden wurden nicht die Beatmungspatienten sondern die Personenbindung an einen Patienten als einer der 6 Determinanten ermittelt.
Nachdem der Vorstand der DKG die Ergebnisse genehmigte und an den BM Seehofer weiterleitete verschwand das 300.000 DM-Werk in einer Schublade. Vielleicht wird sie "in besseren Zeiten" wieder hervorgeholt.
Persönlich ärgert mich meine Freizeit und viele Stunden nächtens im Zug nach Düsseldorf.

WomBat
12.12.2004, 17:17
Didi9,

Hast Du einen Link zur Schublade?

WomBat


Nicht ganz junger Artikel...trotzdem wegweisend?


http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=11998198&dopt=Abstract


Nursing-related determinants of 30-day mortality for hospitalized patients.
Tourangeau AE, Giovannetti P, Tu JV, Wood M.

Faculty of Nursing, University of Toronto, Institute for Clinical Evaluative Sciences, Toronto, Ontario, Canada.

The purpose of this study was to further our understanding of the effects of nursing-related hospital variables on 30-day mortality rates for hospitalized patients.

To develop hospital mortality rates, 46,941 patients discharged from these hospitals who had a most responsible diagnosis of acute myocardial infarction, stroke, pneumonia, or septicemia were included.


The findings support a relationship between lower 30-day mortality and 3 predictors: a richer registered nurse skill mix, more years of experience on the clinical unit, and reported larger number of shifts missed. These findings can be used to predict the effects of hospital changes in nursing skill mix and years of RN experience on patient mortality.

MEDLINE

andreasuhl
17.12.2004, 10:19
Hallo Forumteilnehmer,
ich kann für unsere Anästhesieabteilung folgendes sagen:
Der jährlich verkündete Stellenabbau betrifft uns nicht weil wir darstellen können
-welche Leistungen wir erbringen, Anzahl Narkosen/Narkosestunden
-wieviele Arbeitsplätze wir gleichzeitig besetzen
-welche Tätigkeiten ausschließlich von uns ausgeführt werden
und wir uns sehr gut nach aussen vertreten.

Das ganze ist uns gelungen durch
- Dokumentation
- Fachkompetenz
- einer sprachlichen Ebene mit dem ärztlichen Bereich(Anästhesie)
und der Unterstützung unserer Bereichsleitung.

Wichtig dabei, unsere Stellenbemessung ist sehr gut. Wir haben für jeden Anästhesiearbeitsplatz einen Mitarbeiter/in, ein Mitarbeiter/in ist für täglich für Notfälle frei.Zusätzlich ist eine Abteilungsleitung im Dienst.Die Bereitschaftsdienste gehen nach dem Dienst nach Hause. Es werden keine Überstunden gemacht.
Diesen Stellenplan konnten wir halten.

Wombat hat es mehrfach erwähnt. Heute geht es um Erhalt und nicht um Stellenplanerweiterung.Das ist sehr schmerzlich für alle Bereiche die ohnehin zu schlecht ausgestattet sind.

Rotation ist immer ein billiger Jacob. Wir, die "heilige Kuh" haben es bisher auch abgelehnt als Aushilfen durch andere Bereiche zu gehen.
Ausnahme ist hier der OP und Ambulanzbereich, also Teams mit denen wir regelmäßig eng zusammenarbeiten. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß wir dort personell unterstützen wenn es erforderlich ist.

Wir brauchen in allen Bereichen ausreichende Stellenbemessung für die anfallende Arbeit.Wenn sich dafür keiner stark macht laufen wir der Entwicklung hinterher.Stellen über Statistiken etc. zu bekommen ist mühsam aber machbar.Leider muß immer erst eine Vorleistung erbracht werden.Bewährt hat sich bei uns ein enger Kontakt mit den Controlern in der Verwaltung. Diese Zahlenmenschen haben keinerlei Bezug zum lebenden Menschen der sich uns anvertraut.Hier sind sie auf unsere einschätzung und Argumentation angewiesen.
Es geht noch einiges.

WomBat
17.12.2004, 19:54
Das ganze ist uns gelungen durch
- Dokumentation
- Fachkompetenz
- einer sprachlichen Ebene mit dem ärztlichen Bereich(Anästhesie) und der Unterstützung unserer Bereichsleitung.

Leider muß immer erst eine Vorleistung erbracht werden.Bewährt hat sich bei uns ein enger Kontakt mit den Controlern in der Verwaltung. Diese Zahlenmenschen haben keinerlei Bezug zum lebenden Menschen der sich uns anvertraut.Hier sind sie auf unsere einschätzung und Argumentation angewiesen.
Es geht noch einiges.[/QUOTE]

:mosh:
Dieses müßte publiziert werden! Noch besser, es müßte sogar dem aller letzten Anästhesiepflegemensch als MUSS-Lektüre incl. Klausur darüber (so 'ne Art Zukunfts-Führerschein) verordnet werden.

WomBat, es geht noch einiges

PS "Leider" geht nicht. Ein Rückblick in die Geschichte verdeutlicht, dass andere im Gesundheitswesen (Krankheitswesen?) nur so voran gekommen sind.

Contoller wollen harte Daten.


Keine Daten = Keine Leistung
= Keine Flocken, Mäuse, Euros = Stellenproblemchen :(

zwai
18.12.2004, 13:17
Werter WomBat,
wertes Forum.


Dieses müßte publiziert werden!
In aller Bescheidenheit dürfen wir daraf hinweisen, dass Andreas Uhls Bestrebungen zumindest hinsichtlich Dokumentation und Leistungserfassung bereits publiziert sind: >>>hier>>> (http://www.zwai.net/pflege/Anaesthesie/Journal/Anaesthesiepflege/Pflegedokumentation_in_der_Anaesthesie/)

Pflichtlektüre! WomBat fragt Euch alle nächste Woche ab! :p

Herzliche Grüße.

WomBat
18.12.2004, 13:39
Danke Zwai! Danke A. Uhl!

Ich dachte nicht nur an den Bericht von A. Uhl (siehe Link), sondern die Erläuterungen der Auswirkungen (steht zwar auch in dem Bericht) ich fand dennoch, es kam "klarer und deutlicher" in dem Posting heraus.
So eine Art "Abschlussbericht über den Bericht" bzw. über das "Projekt" war meine Idee als ich das Posting las.

WomBat, erstellt gerade den Fragenkatalog :)

andreasuhl
20.12.2004, 10:34
Was der Controller versteht:

8 OP Säle werktäglich = 8 Planstellen
Administration tgl. = 1 Planstelle
Präop.Wartezone tgl. = 1 Planstelle
RTH tgl. = 1 Planstelle
Freizeitausgleich BD = 2 Planstellen
Notfall/Schockr.etc. = 1 Planstelle
Sprechstd./Urologie/
Diagnostik/etc. = 1 Planstelle
Ausfall U/K/FB usw. = 3 Planstellen

Summe = 18
tägliche Mindestbesetzung = 12

So eine Liste lässt sich leicht individuell erstellen.

Ist doch ganz einfach, passt nur in keine Rechenschema.
Wir berechnen nach Jahresnarkosestunden und Zusatzleistungen. Ergebnis ist gleichfalls 18. Der Controller und wir sind da auf einer Linie.

Hilfreich : Leitfaden für die Personalbedarfsermittlung im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin von Thomas Kersting aus dem Bibliomed Verlag, 1992 (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3921958806/zwai-21/).
Dieses Buch habe ich unserem Controlling gegeben und es wird bis heute angewandt.

Die Jahresnarkosestunden sind sehr leicht aus den Narkoseprotokollen oder der OP-Dokumentation zu entnehmen.
Die Zusatzleistungen müssen gesondert dokumentiert und ausgewertet werden.
Es empfiehlt sich nur solche Leistungen zu dokumentieren die mit der Pflegedirektion und der Verwaltung erörtert wurden. Ausserdem muß ein von allen Seiten anerkanntes Erfassungsdokument erstellt werden.
Unsere Erfahrungen mit Strichlisten oder ähnlichem ist schlecht. So etwas wird trotz berechtigtem Anspruch nicht anerkannt.
Es geht. Nur Mut.

R.Fischer
20.12.2004, 14:56
Hallo Andreas!

Mir kommt es vor, daß Ihr personell recht gut besetzt seid.
Wenn das der Lohn der Anstrengung einer guten Doku ist so sollten wir uns hier in unserer Abteilung gleich dransetzen.

Bei uns sieht das so aus:
-durchschnittlich 9-10 Säle täglich
-Besetzung AWR Minimum 5 Personen
-1 BD, eigentlich sollte auch noch ein Spätdienst da sein
-keine Administrationsstelle
-keine Stelle für Sprechstunde/Ambulanz usw.
-keine Stelle für Wartezone,Notfälle etc.
Mindestbesetzung 15 Personen,Stellenplan im Moment 20 Personen (bin ich zusammen mit meiner PDL grade am Basteln...

Auf jeden Fall werde ich mir das Buch von T.Kersting zulegen.
Kennst Du sonst noch irgendwelche gute Literatur darüber?

Viele Grüße aus Schwaben,
Rainer.

andreasuhl
20.12.2004, 17:00
Hallo Rainer,

wenn ihr "nur" 10 Säle und den AWR zu besetzen habt sieht das nicht so gut aus.
Die Stellenbemessung für die reine Narkosetätigkeit wird über die Jahresnarkosestunden x Rüstzeitfaktor berechnet.
Die Berechnung für den AWR sieht meines Wissens eine Stelle auf 3 Betten vor.
Zuschläge im Stellenplan sind immer bei Zusatzleistungen möglich oder wenn dezentrale Behandlungseinheiten dazukommen.
Wir haben z.B.2 OP-Bereiche, den Ambulanzbreich mit Schockraum und Diagnostik und den Brandverletztenbereich, sofern dort eine Notaufnahme ist oder eine Narkose durchgeführt werden muß, zu besetzen. Dazu kommt die präop Zone.
Das sind schonmal 3 feste Arbeitsbereiche plus Ambulanz und Verbrennung.
Wichtiges Thema bei uns auch Hausnotfallversorgung. Hierfür muß immer ein Mitarbeiter im Bedardsfall freigestellt werden.Das soll aber nicht zu Lasten der laufenden Arbeitsplätze gehen(gut für uns).
Gleiches gilt für CT oder MRT. hier wird erwartet, daß bei Bedarf immer ein Mitarbeiter abkömmlich ist.
Zu den Zusatzleistungen gehören auch Tätigkeiten wie Kontrolle von Notfallwagen, Notaufnahmebereichen usw. also bekannte Routinetätigkeiten.
Maschinelle Autotransfusion kann ebenso aufgeführt werden wie Laborleistungen die wir selbst erbringen.
Für die Polytraumaaufnahme und Versorgung sowie Aufnahme und OP von Schwerverbannten haben wir eine Doppelbesetzung erstritten, die auch akzeptiert wird.
Das erscheint zunächst alles klein, in der Summe kommt aber schnell eine Planstelle zusammen.
Das ist wie bei den Fallpauschalen. Eine Festpreis für die Grundleistung aber die Zusatzleistungen machen das Konto fett.
Wir haben einen Katalog über alle Zusatzleistungen erstellt und jede Einzelleistung mit einem pauschalen Zeitwert versehen.
Beispiel Hausnotfall : Durchschnittswert 1 Stunde mal Notfälle = ...Stunden.
Beispiel Labor im OP : Durchschnitt 2 Minuten mal Analysen/Jahr =.....Std.
Beispiel MAT : Durchschnitt 1,5 Stunden mal MAT/Jahr = .....Std.
usw.
Also viele Leistungen die als selbstverständlich mal eben so erledigt werden.
Wichtig ist alles nachvollziehbar zu dokumentieren.Bei uns hat es bis heute Bestand und ist relativ einfach zu bewältigen.
Positiver Nebeneffekt ist,daß ich jederzeit Auskunft darüber geben kann wenn von anderen Seiten die Frage gestellt wird "was leistet das Anästhesiepersonal
überhaupt die sitzen doch nur im Saal rum".

Um weitere Literatur habe ich mich nicht mehr gekümmert da wir mit den Berechnungen aus dem genannten Buch unser Ziel erreicht haben.

Klar muß aber sein, daß nichts endgültig ist. Wir haben in den letzten zehn Jahren auch Stellen verloren, waren jedoch immer auf sehr hohem Niveau, das wir uns eben über Dokumentation erarbeitet hatten(auch Leistungszahlen gehen mal nach unten, ein verschweigen ist dann nicht möglich).

Macht was draus!

Andre
21.12.2004, 13:15
Hallo Kollegen.

Mein Kollege Michael Wippermann und ein "Mitschüler" von ihm, Jens Selonke, haben im Rahmen der Fachweiterbildung eine Facharbeit über die Personalbedarfsberechnung für Intensivstationen geschrieben, die viele Aspekte beleuchtet. Sie steht im Netz, ist über Google leicht zu finden, oder direkt über diesen Link

Facharbeit Personalbedarfsberechnung (http://www.intensivcareunit.de/facharbeiten.html) Bravo

Diese Facharbeit hat auf unserer Station sicherlich das Bewußtsein verstärkt, wo unsere Stellen überhaupt herkommen und wo sie zum Teil auch verloren gegangen sind... :motz:

Die Einstufung der Patienten ist bei uns noch das A und O. Wir unterscheiden zwischen Behandlungs- und Überwachungspatienten, für die es unterschiedlich viele Pflegeminuten gibt. Das brauch man im Grunde nur noch hochrechnen und hat dann den Personalschlüssel...

Beste Grüße,

André

R.Fischer
21.12.2004, 17:04
Hallo Andre!

Erst einmal recht vielen Dank für die Arbeit - werde sie mir demnächst ansehen.

Und dann natürlich ein herzliches Willkommen! Bravo

Hallo Andreas!

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und Deine Zeitwertrechenbeispiele. :)

Wir haben zwei AWR's mit insgesamt 14 Betten, 2 zentrale OP's mit jeweils 3 Sälen, einen dezentralen aseptischen OP, zwei dezentrale Eingriffsräume, einen dezentralen Sectio-OP mit 4 Kreissälen, zwei dezentrale Gipsräume, einen dezentralen Endoskopie-OP und die Intensivtransporte. :(

Du siehst, um die verschiedenen Arbeitsplätze ist es mir nicht bange, davon haben wir genug.

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer.

WomBat
21.12.2004, 17:43
Danke Andreas und Andre!

WomBat, messen, zählen, messen, rechnen :)

Andre
21.12.2004, 22:58
Hallo Rainer, Hallo WomBat!

Ein "ganz neuer" bin ich nu' auch nicht, ich habe schon einige Jahre guten Kontakt zu Hanno und seinem Projekt, dass ich und viele meiner Kollegen vermissen. Den Namen gibt's ja noch, auch die Struktur, die dahinter steht. Von dem eigentlichen Portal ist aber so gut wie nix mehr über, außer der große Name, der ja auch nicht von irgendwo her kommt...

Wie dem auch sei, zurück zum Thema:

Personalbedarfsberechnung ist heute sicherlich so wichtig wie nie zuvor, da jeder im Grunde die Berechtigung seines Arbeitsplatzes in der Pflege nachweisen muß. Ist schon irgendwie skuril :( .

Deshalb ist es ganz wichtig, dass man entsprechende Strategien entwickelt oder auf schon entwickelte zurückgreift und diese Strategien für jeden Mitarbeiter transparent macht. Den vielleicht bin ich ja mal 2 Wochen im Urlaub und jemand anderes macht die Aufwandsberechnung und schlammt ein bißchen. Und Zack, nach 2 Wochen ist dann eine Stelle weg und es trifft den falschen ;) . Folglich müssen alle entsprechend aufgeklärt sein und auch an einem Strang ziehen.

Beste Grüße,

André

didi9
22.12.2004, 11:47
Hallo WomBat, vom Urlaub zurück zu der Frage "Link zur Schublade Seehofers".
Die ist natürlich geschlossen, das Gutachten sicher verwahrt (bis bessere Zeiten oder wieder in der Regierung?).
Gruss aus dem sonnigen Süden.

Tazo
04.10.2005, 03:01
Hallo Peter

Dir dürfte mittlerweile bekannt sein das bei uns im klinikum LEP eingeführt wird, wir aber trotzdem jeden handschlag extra , zusätzlich dokumentieren , wie ct, angio, rö , doppler, usw.

es lohnt sich auf alle fälle


Tazo ;)