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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interdisziplinäres Ethikkomitee



r.dubb
22.08.2004, 20:36
Der Bundesgesetzgeber hat in §40 AMG die Tätigkeit einer "unabhängigen" Ethikkommisssion vor und während der klinischen Prüfung von Arzneimitteln geregelt.
Inzwischen sind bei fast allen Ärztekammern und medizinischen Fakultäten Ethikkommissionen gebildet worden. Sie müssen nach Landesrecht gebildet sein und haben deshalb öffentlichen Charakter.

Die Entscheidung, zwischen den medizinisch/pflegerisch
notwendigen und den medizinisch/pflegerisch sinnvollen Maßnahmen wird heute oft im Minutentakt im Rahmen einer Visite besprochen. Der Patient steht hier im Spannungsfeld von ärztlichem Handeln, ökonomischen Überlegungen und persönlichen Erfahrungen.

Wünschenswert wäre hier ein "Partner bei der Entscheidungsfindung" sowohl bei Therapieerweiterung als auch bei Therapieabbrüchen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund "ethischer, moralischer und gesellschaftlicher Normen", ähnlich wie es bereits in Qualitätsmanagementverfahren wie z.B. KTQ, Eingang gefunden hat.

Ich denke hier würde nicht eine Ethikkommission im Sinne des AMG, sondern eher ein Ethikkomitee, in dem Pflegekräfte, Ärzte, Seelsorge und Psychologen vertreten sind, sehr hilfreich sein.

Ich habe nun folgende Fragen:
In welchen Kliniken ist dies bereits installiert?
Wer ist in diesem Ethikkomitee vertreten?
Wann tritt dieses Ethikkomitee zusammen und trifft die Entscheidungen?
Welche Entscheidungen werden von diesem Ethikkomitee getroffen?
Welche Rolle spielt die Pflege?
Wie wird dieses Ethikkomitee finanziert (DRG)?

Vielen Dank
Rolf Dubb
Landesbeauftragter DGF Baden-Württemberg

bassauer
23.08.2004, 10:14
Antwort aus Esslingen:
In welchen Kliniken ist dies bereits installiert?
z.B. seit 5 J. in den Städtische Kliniken Esslingen, hier heißt das Komitee "AK Ethik"
Wer ist in diesem Ethikkomitee vertreten?
Ärzte, Pflege, Seelsorger, Sozialdienst, Jurist, Psychologe oder Psychater, Verwaltung
Wann tritt dieses Ethikkomitee zusammen und trifft die Entscheidungen?
1 mal/Monat und nach Anforderung
Welche Entscheidungen werden von diesem Ethikkomitee getroffen?
z.B. Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen, weitere Therapie u.ä.
Welche Rolle spielt die Pflege?
Sie ist Mitglied im Team
Wie wird dieses Ethikkomitee finanziert (DRG)?
anfangs in der (ehrenamtlichen) Freizeit; heute in der AZ
Gruss Dieter

Tempo
23.08.2004, 12:49
Moin Zusammen!
Bei uns im Hause läuft es praktisch genauso wie schon von bassauer beschrieben!

r.dubb
23.08.2004, 21:22
Moin Zusammen!
Bei uns im Hause läuft es praktisch genauso wie schon von bassauer beschrieben!

In welchem Haus ist das denn konkret? :confused:

arnold kaltwasser
25.08.2004, 10:43
Hallo Rolf Dubb,

in Reutlingen gibt es eine solche im Bereich der Kinderklinik, für weitere Info´s bitte an mich direkt wenden und hier noch zwei links

http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/18386.html

http://www.charite.de/psychiatrie/

mit freundlichen Grüßen aus Reutlingen

arnold kaltwasser

Hanno H. Endres
25.08.2004, 22:18
Hallo zusammen.

Noch ein Link gefällig?

Ethikkommission der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Medizinischen Fakultät der WWU-Münster (http://www.klinikum.uni-muenster.de/forschungundlehre/fakultaet/ethikkommission/home/index.php)

Schönen Gruß,

hhe

arnold kaltwasser
09.09.2004, 12:51
Hallo Rolf,
inder aktuellen Die Schwester/Der Pfleger ist ein Artikel über die "Etablierung eines Ethikkomitees" am Westküstenklinikums Heide 9/04 S. 696-698

so long arnold

Hanno H. Endres
22.11.2004, 20:42
Wiesbadener Kurier vom 22.11.2004



WIESBADEN (wes) Die Stärkung der Patientenautonomie beschäftigt derzeit das Bundesjustizministerium. Dabei werfen Teile der katholischen Kirche den Plänen von Bundesjustizministerin Zypries (SPD) vor, aktive Sterbehilfe zu ermöglichen.

[...]

Was aber ist die ethische und menschlich richtige Haltung? Für den Mediziner stand das "Wiederentdecken und der Umgang mit der Würde Sterbender" im Vordergrund. Interdisziplinäre Teamarbeit, Ethik, Kommunikation zwischen Arzt, Patient und Angehörigen seien laut Ehscheidt einige sinnvolle Richtlinien. Bei der Frage der juristischen Regelung des Sterbens wünschte Römelt, Ärzten bliebe es vorbehalten "aus Erfahrung und Reife zu handeln und nicht aus rechtlicher Gängelung." Nach seiner Ansicht helfe es Sterbenden nicht, alleine die "Freiheit als Zauberformel" für alle Probleme des würdevollen Todes zu propagieren. Es sei heikel, "die Menschen mit der Entscheidung über den eigenen Tod alleine zu lassen".

Quelle & weiter: http://www.main-rheiner.de/region/objekt.php3?artikel_id=1694415

Martin Allgeier
25.11.2004, 18:37
Hallo liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!

Pflegerische oder medizinische Entscheidungen und Fragestellungen in der Alltagspraxis können meistens mit JA oder NEIN beantwortet werden. Meistens ist aus formaler Sicht auch geklärt, wer eine Entscheidung formal zu fällen und zu verantworten hat - im Bereich der Intensivpflege und Anästhesie sind dies meist die Ärzte.
Immer dann, wenn eine solche Entscheidung nicht von allen Mitarbeitern im Team mitgetragen werden kann oder wenn gar mehrere Möglichkeiten der Entscheidung denkbar sind, entstehen ethische Dilemmata. Bei Entscheidungen die eine klare Handlung verlangen, muss schlussendlich derjenige, welcher diese Handlung zu verantworten hat, zu einer Entscheidung kommen.

Besonders schwierig sind Entscheidungen zu treffen, die je nach zugrunde liegendem Menschenbild unterschiedlich ausfallen können und dann von der Person, die nicht entscheiden durfte, (gegen deren Überzeugung) mitgetragen werden muss. In unserer Alltagspraxis können diese Handlungen nicht im Sinne einer Diskussion zu einem Kompromiss führen, sondern stehen sich schließlich als zwei unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten gegenüber.

Solche Entscheidungen sind im Alltag zwar relativ selten zu treffen, führen aber, wenn sie nicht im Rahmen einer sog. ethischen Entscheidungsfindung gefällt werden, meist zu Problemen im therapeutischen Team. Die ethische Entscheidungsfindung sollte so stattfinden, dass

- der Entscheidende weiß, wie die Nicht-Entscheidenden darüber denken
- die Nicht-Entscheidenden wissen, warum der Entscheidende so entscheidet
- und beide sollten die jeweils getroffen Entscheidung als formal durchzuführende Handlung akzeptieren.

Im Rahmen einer 'Woche der Gesundheit' haben sich im Kreiskrankenhaus Herrenberg MitarbeiterInnen aus der Pflege zu einem sog. Ethik-Café getroffen und anhand eines Fallbeispiels unterschiedliche Handlungsansätze je nach Menschenbild dargestellt.

Dargestellt wurden die Ansichten

- einer Intensivpflegerin
- einer Pflege-Management-Studentin
- einer Qualitätsmanagerin
- einer Pflegedirektorin
- eines Weiterbildungsleiters (Intensivpflege und Anästhesie)
- eines Lehrers für Pflegeberufe
- einer Diplompsychologin
- einer Pflegerin in der ambulanten Onkologiepflege
- einer Diakonin.

Anhand eines Fallbeispiels wurden folgende Punkte jeweils beleuchtet:

- Beruflicher Bezug zur Patientin
- Gesundheitspflege als neuer Aufgabenbereich der Pflege
- Begriff Gesundheit
- Begriff Selbstständigkeit eines Patienten
- Begriff Wohlbefinden eines Patienten
- Angehörige eines Patienten
- Integrierte Pflegekonzepte
- Sterben und Tod
- Ziele der Gesundheits- und Krankenpflege.

Da es sich um eine rein pflegerische Veranstaltung handelte, wurden Themen, die ganz klar den medizinischen Bereich betreffen, so gut es ging, ausgeklammert. Die Gespräche fanden im Rahmen einer Podiumsdiskussion statt, das Publikum richtete seine Fragen direkt an die jeweiligen Redner.

Aufgrund des sehr positiven Echos wurde beschlossen, dass ab Januar 2005 eine interdisziplinäre Ethik-Gruppe zunächst die Grundlagen eines ethischen Diskurses bespricht und später dann aktuelle Fälle im Sinne einer reflektierten ethischen Entscheidungsfindung bearbeitet.

Die pflegeethischen Grundlagen entnahmen wir dabei dem aktuellen Lehrbuch

Lay Reinhard, Ethik in der Pflege - Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung, 1. Auflage, Schlütersche, Hannover, 2004

Dieses Buch ist als pflegerisches Grundlagenwerk uneingeschränkt zu empfehlen.

Mit besten kollegialen Grüßen aus Herrenberg

Martin Allgeier

Holger Beuse
25.11.2004, 21:16
Lay Reinhard, Ethik in der Pflege - Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung, 1. Auflage, Schlütersche, Hannover, 2004

Hallo Martin,
Wertes Forum.
Ich erlaube mir mal, das o.g. Buch hier (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3899931157/zwai-21) zu verlinken, denn zwai lebt nicht allein von Luft und Liebe...

Herzliche Grüße,
HolBeu

somsanit
23.02.2005, 13:44
Hallo zusammen,

bei uns im Haus gibt es zwar auch eine Ethikkommission, die aber bis jetzt nie tätig wurde (aus welchen Gründen auch immer).

Ist aber im Moment nicht mein Problem.

Ich arbeite als Stationsleitung auf einer interdisziplinär belegten 9-Betten-Intensivstation in einem Haus der Grund- und Regelversorgung. Unser Patientenklientel besteht (analog zur demographischen Entwicklung in Deutschland) zum größten Teil aus multimorbiden Menschen, in der Regel 70 Jahre und älter.
Was in unserem Haus medizinisch möglich ist, wird prinzipiell auch umgesetzt (d.h. auch der 85-jährige Patient im MOV wird "noch" dialysiert, etc.).
Der Ärzteschaft kann man hierbei keinen Vorwurf machen, denn die Forderungen nach dem "Alles-was-möglich-ist" kommen meist von den Angehörigen.
Dennoch birgt dies ein enormes Konfliktpotential, das die interprofessionelle Zusammenarbeit in unserer Abteilung erheblich belastet.
Wir haben jetzt für den März ein Abteilungsgespräch einberaumt, um diese Problematik anzugehen. Meiner Meinung nach bräuchte man dazu Unterstützung, d.h. jemand, der sich professionell mit der Thematik befasst, der diese Sitzung moderiert bzw. evtl. supervidiert.

Kennt jemand eine solche Person oder eine Adresse, über die man sich in diesem Zusammenhang professionelle Hilfe besorgen kann?

Mit den besten Grüssen
Hartmut Hohm

Martin Allgeier
23.02.2005, 14:33
Guten Tag Herr Hohm,

Meine Meinung zu Ihrer Frage:

Dennoch birgt dies ein enormes Konfliktpotential, das die interprofessionelle Zusammenarbeit in unserer Abteilung erheblich belastet. Diesem Konflikt müssen wir Pflegenden uns stellen, wenn wir die volle Verantwortung für unser Tun übernehmen wollen.


Meiner Meinung nach bräuchte man dazu Unterstützung, d.h. jemand, der sich professionell mit der Thematik befasst, der diese Sitzung moderiert bzw. evtl. supervidiert. Diese Person muss folgende Fähigkeiten mitbringen:

1.) Sie/er muss die Situation sowohl aus Sicht der Pflege wie auch aus Sicht der Medizin weitestgehend verstehen und ggf. in Worte fassen können. Dies umfasst insb. die rechtliche Situation (Wer trägt für welche Maßnahme welche Verantwortung?). Dazu sollte der Moderator die Gabe besitzen, im Gespräch mit den jeweils im therapeutischen Team Mitwirkenden deren Menschenbild in Grundzügen in Sprache 'übersetzen' zu können.

2.) Sie/er muss die Methode des ethischen Diskurses beherrschen, d.h. die dann sichtbar gewordenen individuellen Haltungen zum Menschen deutlich machen können.

Ziel des ethischen Diskurses ist dann:

Es muss der Person, die eine Maßnahme anordnet, klar werden, wie diejenigen dazu stehen, welche diese Maßnahme nicht anordnen dürfen, es aber ggf. anders täten, wenn sie die Anordnungsverantwortung dafür tragen würden. Weiterhin muss diese Person in Grundzügen nachvollziehen können, dass diese Personen in der Durchführung (bzw. im Verzicht auf weitere Maßnahmen) ggf. gegen deren individuelle Überzeugung handeln (oder unterlassen) müssen.

Und -

Es muss den Personen, die eine Maßnahme nicht anordnen können, klar werden, warum derjenige, der diese Maßnahme anordnet, es in dieser seiner individuell zu verantwortenden Art tut.

Und sie/er muss es schaffen, dass das Gesprächsziel keine Kompromiss-Lösung sein kann, wenn eine persönlich zu verantwortende Maßnahme angeordnet werden muss.

(Dasselbe gilt natürlich auch für die Anordnung auf den Verzicht von Maßnahmen.)


Kennt jemand eine solche Person oder eine Adresse, über die man sich in diesem Zusammenhang professionelle Hilfe besorgen kann?Es gibt immer mehr 'Berater', die ihre Dienste gegen Bares anbieten. Meine Meinung: Am besten eine/n Mitarbeiter/in auswählen, der durch eine reflektierte Art des Umgangs im Team auffällt, und diesen in Fortbildungen im Bereich Ethik dazu qualifizieren, diese Gespräche leiten zu können. Dies muss nicht der Psychologe, der Pfarrer, der Chefarzt, der Pflegelehrer etc. sein - es sollte einfach ein im besten Sinne 'weiser' Mensch sein.

Jede andere Lösung kann nur gelingen, wenn man (eher per Zufall) einen solchen Menschen gewinnen kann. Und dabei sollte man sich am ehesten an die Referenzen halten. Wenn Kollegen aus dem therapeutischen Team jemanden empfehlen und die Beteiligten auch noch bei der zweiten Besprechung mit innerer Motivation dabei sind, ist dies eine gute Grundlage zur Bewältigung dieses 'natürlichen' Konfliktfeldes.

Mit besten Grüßen aus Herrenberg
Martin Allgeier

Tempo
24.02.2005, 17:48
Lieber Herr Allgeier,
jemand der aus dem Team heraus gewählt wird, kann dem Team unmöglich neutral, unabhängig und distanziert gegnübertreten weil diejenige Person, bewusst oder unbewusst, immer dem ehemals eigenen Teampart anhängen wird!
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit unserer Krankenhausseelsorge gemacht. Diese kennt zumeist alle Seiten und wird auch von allen gleichermaßen respektiert!
Ganz wichtig finde ich, daß das Team miteinander redet und das bei kritischen Patienten immer die Angehörigen miteinbezogen werden. Die Entscheidungsfindung wird dadurch erheblich einfacher!

Martin Allgeier
25.02.2005, 13:02
Lieber H.!

(Gerne hätte ich Sie mit Ihrem Namen angesprochen, fand aber nur das H. in Ihrem Profil).



Jemand, der aus dem Team heraus gewählt wird, kann dem Team unmöglich neutral, unabhängig und distanziert gegnübertreten weil diejenige Person, bewusst oder unbewusst, immer dem ehemals eigenen Teampart anhängen wird!Es wird wohl oft so sein, wie Sie dies darstellen, dennoch nicht unmöglich, eine Person im Team zu haben, welche die o.g. Kriterien erfüllen könnte.
Muss es wirklich so sein, dass das therapeutische Team auf Intensivstationen für ethische Fragen tatsächlich einen teamfremden Moderator braucht??? Da drängt sich doch die Frage auf: Wer moderiert die Gesprächsgruppen von Seelsorgern und Psychologen?


Wir haben sehr gute Erfahrungen mit unserer Krankenhausseelsorge gemacht. Diese kennt zumeist alle Seiten und wird auch von allen gleichermaßen respektiert! Dann haben Sie glücklicherweise eben eine Persönlichkeit in der Krankenhausseelsorge, welche die angeführten Kriterien erfüllt - und genau so jemanden gilt es, im Team zu finden und zu fördern.

Mit besten Grüßen
Martin Allgeier

R.Fischer
25.02.2005, 13:49
Liebe Kollegen!

Da dies eine zwischenmenschliche Problematik ist, die durchaus ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential birgt, bin auch ich der Meinung ein Moderator/Supervisor von außerhalb ist nötig.
Dies kann ja ruhig auch der Klinikseelsorger sein, nur aus dem inneren Kreis des Teams jemanden "auszuwählen" halte ich für bedenklich, und zwar nicht nur für die Teamarbeit sondern vor allem auch für den armen Menschen, der dies tun soll.
Auch gibt es bei den "professionellen" Supervisoren/Coachern inzwischen sehr viele sehr gute Leute mit einer derart fundierten Ausbildung, die man sich nicht so nebenbei in einer Fortbildungsmaßnahme aneignen kann.
Sicher kann jemand aus dem Team Gespräche moderieren, aber Problemlösungen mit einem ganzen Team...da bin ich sehr skeptisch.

Viele Grüße aus dem immer noch verschneiten Schwaben,
Rainer.

Tempo
25.02.2005, 20:17
Ja Nee is klar!!!
Und wer moderiert die Gesprächsgruppen der Moderatoren von Seelsorgern und Psychologen?
Und wer moderiert die Gesprächsgruppen der Moderatoren, der Moderatoren von Seelsorgern und Psychologen???
Geht's noch??

Martin Allgeier
28.02.2005, 09:19
Liebe Kolleg/inn/en!

Mit großer Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass Psychologen und Theologen aus unseren eigenen Berufsreihen eine Art 'professioneller Immunität' zugesprochen wird. Ich würde wetten, dass jeder langjährig in der Pflege Tätige schon mal mindestens einen Psychologen kennen gelernt hat, der trotz seines Diplompstudiengangs nicht in der Lage war, eine ganz normal zusammen gesetzte Gruppe von Pflegenden (z.B. im Krankenpflegeunterricht) zu moderieren.
:dafuer:
Trotz allem: Wir haben in unseren eigenen Reihen menschlich reife und professionelle Kolleg/inn/en, die sich als Moderatoren, für die Zeit des ethischen Diskurses, über das Alltagsgeschehen der Station stellen können.
:dafuer:
Mit besten Grüßen aus Herrenberg
Martin Allgeier

WomBat
28.02.2005, 19:08
Lieber Martin, Liebes Forum,

Ein bisschen neige ich zu den Aussagen von Martin. Nach all diesen Jahren kommt mir der Gedanke: man hat uns die letzten 15 Jahren eingeredet der Super-vi-sor, oder wer auch immer, MUSS von außen kommen. Schön und gut, wenn der Supervisor, Moderator, Ethiker, Psychologe usw. daher kommt und wirklich gut ist. (Nicht zu vergessen, die meisten wollen auch irgendwie ihr Geld verdienen.) Neuer Gedanke: bis ich "Dem" erklärt hab', was auf 'ner Intensivstation oder in der Anästhesie "Sache" ist, haben wir's selbst gelöst.

Sonst hätte ich und viele anderen niemals mehr als 10-20-oder-30 Jahre das ausgehalten und dabei Wohlbefinden bewahrt. Mir haben sehr, sehr oft die Kolleginnen und Kollegen "gehelft" :) , einfach durch Mit-Einander-Reden, Nachdenken, neu Vergleichen und nach und nach Verstehen.

Es geht doch. Wir tun's täglich. Mehr Mut und Respekt den Eigenen gegenüber wäre mein Motto. Anscheinend brauchen wir immer noch einen Onkel (oder eine Tante) die "mehr" gelernt hat und "Es" besser kann...denn wir können ja außer "Pflegen" nicht viel! (Nur provokativ, nicht so tierisch ernst nehmen).

Soll nicht heißen, das es "Fälle" gibt, wo das mit dem "Bei Us" einfach nicht mehr geht und wirklich Hilfe von Außen nötig ist. Ich würde mich freuen, wenn das Forum "Seine Meinungen" dazu auch mitteilt.

WomBat,
Respektiert Pflegende, die Mut haben über ihr Berufsbild hinauszuwachsen

R.Fischer
01.03.2005, 07:30
Liebe Kollegen!

Ich denke, die meisten sehen das ähnlich.

Für "normale" Probleme, Fragen, Konflikte etc. ist natürlich der Kollege der Ansprechpartner.
Ich denke nur, wenn ein Team mit einer Situation nicht zurechtkommt, dann ist schon professionelle Hilfe nötig.
Oder? :confused:

Grüße aus einem sonnigen Wintermorgenland-
Rainer.

Martin Allgeier
01.03.2005, 08:36
Guten Tag liebe Kolleg/inn/en!

Es ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass es für einen Konflikt im Beziehungsgefüge eines Teams natürlich einen Außenstehenden braucht, der diesen Prozess moderiert.

Bei meinen Ausführungen bin ich davon ausgegangen, dass es sich nicht um einen Beziehungskonflikt, sondern um schwierige Entscheidungen bezüglich unserer Patienten handelt, die zu ethischen Dilemmata geführt haben (Therapieausweitung oder -verzicht bei unterschiedlicher ethischer Grundhaltung von Teammitgliedern).

Und für genau diese Gespräche (den ethischen Diskurs) könnte ein Teammitglied (Pflegender oder Arzt sind denkbar) die Moderations-Kompetenz zur Leitung eines Ethikkommitees inne haben.

Mit besten Grüßen aus Herrenberg
Martin Allgeier

Tempo
01.03.2005, 12:26
Moin Herr Allgeier!
Stimmt, es ist langsam ein bischen an der ursprünglichen Frage vorbei.
Aber auch hier bin ich der Meinung, daß eine Moderation nur von einer dem Team nicht zugehörigen Person gestaltet werden kann. Jeder der aus dem Team herauskommt wird eine vorgefasste Meinung haben und zwar sowohl der ethischen Aspekte, als auch gegenüber den einzelnen Teammitgliedern. Man kennt sich schließlich.
Da es sich aber um ein hochgradig sensibles Thema handelt werden auch immer wieder die emotionalen Seiten aller Teammitglieder angesprochen. Wenn dabei die Wellen richtig hochschlagen ist es für den Moderator aus dem Team unmöglich das Gesagte zu lenken und zu kanalisieren. In solcher Situation entstehen dann Konflikte innerhalb des Teams die in den normalen Alltag hineingetragen werden und dort weiterschwelen. Das ist wiederum der Nährboden für viele Beziehungskonflikte - und schwupps - wir reiben uns verwundert die Augen - ist aus dem ehemals harmonischem Team ein garstiger Haufen geworden der nicht mehr miteinander spricht. Und das ist dann der Moment wo wir denken " Verdammt! Der olle Tempo hatte recht. Wir hätten doch jemand von Aussen holen sollen"! ;)