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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Intensive Insulintherapie



Tobi Bo
27.07.2004, 19:33
Hallo liebe Kollegen.

Wir versuchen seit ca. einem Jahr die Vorgaben der Intensiven Insulin Therapie zu erfüllen (BZ 80 - 110 mg/dl), die von der Arbeitsgruppe Van den Berghe 2001 veröffentlich wurden. Dabei treten leider oft enorme Schwankungen bei den parenteral ernährten Patienten auf ( von 30 - 300 mg ), die wir mit der üblichen Insulinapplikation von 40 IE / 50ml Perfusor oft nicht vermeiden können. Wer hat diesbezüglich Erfahrungen gemacht und bessere Ergebnisse ?

Schwester S.
28.07.2004, 08:57
Wichtiges Thema, danke Tobi Bo. Wir dürfen z.b. das Insulin bzw. die Dosierung erst reduzieren, wenn der WErt 110 erricht ist; als nicht bei 115 von 2ml auf 1,5 reduzieren. Das hat dann aucch häufig Hypoglykämien zur Folge. Wie oft kontrolliert Ihr den BZ?????
SChwester S.

Tobi Bo
28.07.2004, 13:43
Hallo Schwester!

Regulär ist die BZ-Kontrolle unter intensiver insulintherapie alle 2 stunden vorgesehen. je nach wert bzw. bei starkem bz-abfall häufiger, bis zu halbstündlich.

(wenn nur die bz-geräte nicht immer verschwinden würden ...)

kollegiale grüße,

tobi

FireBIPAP
28.07.2004, 19:36
Hi!

Wir versuchen auch uns an diese Zielwerte zu richten.
Stimmt schon das es häufig zu schwankungen kommt.
Unsere Dosierung ist 50 oder 100 IE auf 50 Nacl 0,9% (je nach dem wie hoch der Perfusor läuft).
Konntrolle standart ca alle 2 Stunden, b.B öfter.
Um unerwünschte abweichungen zu reduzieren hilft es wenn bei Ende der SK oder der Glukoseinfusion entweder noch engmaschiger kontroliert wird oder der Perfusor blind reduziert wird. Ich stelle auch immer wieder fest das die Perfusor des öfteren entweder Patfern oder mit substanzen Zusammenl laufen die Inkompatiebel sind, das erschwert natürlich auch die Steuerung.
Eine Pauschale aussage ab 120 nicht zu reduzieren halte ich für diskusionswürdig, was wenn der gerade auf 10IE/h läuft....

Dieses verschwinden der BZ-Geräte ist aber das größte Problem;) , die verhalten sich wie Kugelschreiber.

Grüße Simon

PICCOlina
28.07.2004, 20:54
Hallo
Wir machen das schon seit ca. 2 Jahren und haben gute Erfahrungen gemacht. Am Anfang gab es starke Schwankungen, dann haben wir die Sondenkost gewechselt. (Nehmen jetzt Glucerna)
Der Perfusor enthält auch 50IE/50ml ,wir kontrollieren auch meist 2-stündlich,geben unsere Sondenkost auch nur über 12 h , danach enger kontrollieren. Als Faustregel könnte ich ableiten:Wenn der BZ unter 150 sinkt , den Perfusor um die Hälfte reduzieren. Klappt meist ganz gut. Der Rest ist , wie so oft "Gefühl"

PICCOlina

Christoph
02.08.2004, 17:42
Hallo
wir haben uns mit unseren StationsŠrzten auf das Ziel geeinigt den Blutzucker unter 150 zu halten. Das erreichen wir auch recht hŠufig, allerdings haben wir vor alllem mit jungen Diabetikern schlechte erfahrungen gemacht. Bei denen sind Schwankungen von 40 bis 300 leider keine Seltenheit. Kšnnte aber auch daran liegen, dass wir im Moment noch enteral als Bolus und gleichzeitig parenteral ernŠhren.

GrŸsse

Christoph

Pericardinchen
03.09.2005, 11:29
@Christoph:

wie oft kontrolliert ihr BZ`s?

@wir kontrollieren alle 2 h Stunden minimum! BZ`s schwanken bei uns auch, aber lang nicht so gravierend.
Es gibt auf Station keine BZ`s unter 70 mg/dl und wenn dann eher in die entgegengesetzte Richtung mit Werten so um 180 mg/dl im Schnitt (Maximum).
Natürlich gibt es auch Patienten mit Glucoseverwertungsstörungen/ Insulinresistenz /Diabetiker u.s.w. die mal engleisen - aber vorwiegend nach oben hin.

lg :)

Peter Nydahl
04.09.2005, 00:35
Hi Tobi und @ll

Wir haben vor kurzem bei uns ein Insulinschema eingeführt und damit gute Erfahrungen gemacht. Grundlage hierfür ist das im Netz gefundene Insulinschema aus Basel:
http://www.endo-diabasel.ch/PDF-Dateien/WB-2000-C3-Klinische-ErnhrungrevUKjan04inklI%20rev%20Held.pdf
Das Schema gibt Empfehlungen für eine Anfangsdosierung (nach BZ) und im Verlauf für eine Anpassungsrate eines Insulinperfusors ... und falls ein Abfall seit letzter Messung gewisse Grenzen überschreitet. Gutes Ding.
Als Ziel-BZ haben wir für kritisch Kranke 110, für Schlaganfallpatienten <150, für alle anderen (wir haben auf unserer Intensiv/StrokeUnit durchaus Aufstehpatienten) <200 ...
Nachtwachengrüße an alle
Peter

Superfantastisch
06.09.2005, 07:28
gute adresse, peter - danke!

in den studien usw. ist immer von mmol/l die rede. rechnet ihr auch damit?

in allen häusern, die ich so kenne, ist man noch bei mg/dl - weiß jemand, ob es dafür einen grund (vielleicht sogar einen guten :) ) gibt?

Peter Nydahl
06.09.2005, 12:57
Ja, Superfantastisch, ich weiß auch nicht, warum einige in mmol rechnen...
Unter folgender Adresse gibt es einen guten Umrechner und Tabelle:
http://www.diabetikerbund-hamburg.de/informationen/mgdlmmol.htm

Grüße
Peter

Elisabeth
06.09.2005, 16:51
Vor 25 (?) gabs den Versuch der Einführung von einheitl. international geltenden Meßeinheiten- zumindest bei uns im Osten. War schöber Streß damals, man mußte beide Werte kennen.

Einiges hat sich durchgesetzt, wie die mmol- Sache. Hat unsere Docs aus den Altbundesländern anfangs einige Mühe bereitet. *fg* Umgekehrt muss ich immer wieder rechnen bei euren Beiträgen.

Elisabeth

chris
08.09.2005, 03:40
Hallo an alle,
nochmal zu den BZ Schwankungen, seit wir die Sondenkost über 24 h kontinuierlich laufen lassen haben wir deutlich weniger BZ Abfälle.

Gruß, Chris

Datri
22.09.2005, 22:13
Hallo!

Wir handhaben die Bz Einstellung während der parenteralen Ernährung seit Jahren auch mit einem Perfusor. 40IE auf 50ml NaCl 0,9%, Perfusor wird nach BZ-Werten gesteuert, wir haben einen Richtwert von 80-110mg/dl. Messungen machen wir auch Standardmäßig 2-3Stdl, bei starken Schwankungen in kürzeren Abständen.
Neue Richtlinien besagen auch bei niedrigerem Bz Werten(siehe unser Richtwert) ist eine Sepsisgefahr niedriger, bei postoperativer Therapie. Deshalb jetzt bei uns strenge Bz Einstellung.

Gruß Melli

Otto
13.10.2005, 03:50
Noch kleine Anmerkungen zu BZ Schwankungen, Gründe können sein, bei gleichbleibender Nahrungszufuhr:


Physiol. Insuilinbedarfsschwankungen- Schwankungen, 2:00 Nachts ist der Insulinbedarf am niedrigsten
die Insulingegenspieler Adrenalin, Noradrenalin, Glucokortikoide
Stress
Fieber
Wird die Sondennahrung ausreichend verdaut/resorbiert ?
Insulin wird vom Material der Spritze bzw. der Perfusorleitungen resorbiert

Solche Dinge muß man im Hinterkopf haben und ein gewisses Händchen dafür entwickeln.

Wir kontrollieren in der Regel aller 6h und bei Problemen natürlich engmaschiger.

Viele Grüße
Otto

moosmuffel
31.10.2005, 20:42
Hallo zusammen,

wir arbeiten auch seit einiger Zeit nach diesen Vorgaben. Schwierigkeiten haben wir meistens bei der Einstellung d. BZ wenn die Pat. die eben von Otto genannten Probleme aufweisen.
Aber auch z.B. nach Umstellung d. Sondenkost oder bei Pilzinfektionen. Auch kommt es natürlich bei zusätzlichen Bolusgaben von Insulin und Glucose zu Schwankungen, oder bei Hochdosistherapie.
Insgesamt habe ich aber den Eindruck das die Pat. von diesem Schema profitieren.

Dosiermöglichkeit bei uns: 40 IE/40ml NaCl 0.9% = 1 IE/ml
oder
200IE/40mlNaCl 0,9% = 5 IE/ml

Gruß von hier

P.s: Gruß nach Leipzig

CoNa
12.02.2007, 20:44
Hallo, wir brauchen Eure Hilfe!
Wir arbeiten gerade an unserer Facharbeit im Rahmen unserer Weiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege und haben uns für das Thema intensive Insulintherapie und die dazugehörige Ernährungstherapie entschieden.
Uns interessiert die Umsetzung der kombinierten intensive Insulin- und Ernährungstherapie auf den verschiedenen Intensivstationen.
Wir haben im Anhang einen Fragebogen erstellt und würden uns sehr über zahlreiche Antworten freuen. Ihr könnt Euch auch direkt an uns wenden unter fawabi@gmx.net
Schon im Voraus vielen Dank für die Mithilfe!

JoergWichmann
16.02.2007, 15:54
Mit den schwankenden BZ-Werten kämpfen, glaube ich viele Pflegekräfte auf der ITS. Die einzige Maßnahme, die bei uns etwas gebracht hat, war die Insulingabe über ein eigenes Lumen. Dazu werden in den häufigsten Fällen mindestens ein
5-lumiger I-cath, evt. noch zusätzlich ein 3-lumiger, benötigt. Wenn irgendwie möglich, sollte jeder Perfusor über einen eigenen I-Cath- Schenkel laufen. Um Bolus-Gaben durch Kurzinfusionen zu vermeiden, braucht der Patient zusätzlich periphere Zugänge. Das ist alles ein großer und teurer Aufwand, aber es lohnt sich. Jedes Katecholamin, Pitressin, Simdax, Kalium, PLG, Lasix, Insulin, usw. alles braucht ein eigenes Lumen!

Hanno H. Endres
16.02.2007, 16:02
Wir haben im Anhang einen Fragebogen erstellt und würden uns sehr über zahlreiche Antworten freuen.

Irgendetwas ist da wohl mit dem Upload schiefgelaufen.

Über die Schaltfläche "Ändern" kannst Du Deinen Artikel editieren und den Fragebogen hochladen.

Wenn's Probleme gibt, einfach melden.

Schönes Wochenende,

hhe

zwai
24.07.2009, 16:14
Stress-Hyperglykämie: Der süße Killer
Besonders bei Patienten auf der Intensivstation sorgen hohe Blutzuckerwerte für noch mehr Lebensgefahr. Stress-Hyperglykämie hat mehr Sterbefälle auf dem Gewissen als ein Diabetes. Und mit Insulin den Spiegel sofort herunterzufahren scheint der falsche Weg zu sein.

[...]
Riskant: Intensivierte Insulintherapie

Fest steht somit, dass gerade bei solchen unerwarteten Spitzen eine Blutzucker-Regulation die Gefahr eindämmt. Greet van den Berghe aus dem belgischen Löven veröffentlichte bereits 2001 im New England Journal den Nutzen einer intensivierten Insulintherapie, der Morbidität und Mortalität deutlich senkte. Das gilt im Rückblick auf die damalige Studie vor allem für Langzeit-Klinikpatienten. Bei kurzen Krankenhausaufenthalten ist dagegen eine konservative Insulintherapie besser als eine allzu strikte. In einer weiteren Veröffentlichung in der renommierten Medizinzeitschrift zeigt van den Berghe, dass Zielwerte von 190-215 mg/dl weitaus mehr zu einer Senkung der Mortalität beitragen als das Streben nach "Normalwerten" von 80-110mg. Die deutsche VISEP-Studie an 18 Zentren, in denen rund 500 Sepsis-Patienten mit Insulin eingestellt wurden, brachen die Verantwortlichen wegen häufiger Hypoglykämien ab. Mit über 6000 Intensiv-Patienten bestätigte schließlich die "NICE-SUGAR"-Studie im Frühjahr dieses Jahres die Vorteile einer Insulintherapie, die sich nicht allzu streng an niedrige Werte klammert.
-> http://news.doccheck.com/de/article/171342-stress-hyperglykaemie-der-suesse-killer/

FKPD
26.07.2009, 11:29
Ärzteblatt: Intensive Blutzuckerkontrolle steigert Mortalität

Sydney/Vancouver – Eine zu straffe Blutzuckerkontrolle erhöht die Sterblichkeit von Intensivpatienten. Dies ergab eine randomisierte klinische Studie im New England Journal of Medicine (2009; doi:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/35961/Intensivmedizin_Intensive_Blutzuckerkontrolle_stei gert_Mortalitaet.htm

Dirk
08.08.2009, 03:37
vielen vielen Dank
Endlich sagt mal jemand die Wahrheit. Also immer schön langsam mit den Gäulen. Ich wußte doch, dass es da was gibt, was die allgemeine Strategie wiederlegt.:D

fridolin
10.08.2009, 16:27
Hallo @all,
auch wir haben bereits versucht, den BZ auf Normbereich einzustellen. Mit dem Erfolg, dass ein Patient einmal unter einer Hypoglykämie (ca. 20 mg/dl) reanimationspflichtig (Zusammenhang mit niedrigen BZ bei dem Pat. nicht gesichert) wurde.
Ende vom Lied: so engmaschige Kontrollen, dass derartige Zwischenfälle vermeidbar sind, lassen sich unter den heutigen Bedingungen kaum mehr realsieren.
Daher wird unter Bezugnahme auf eben die genannte Studie http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/35961/Intensivmedizin_Intensive_Blutzuckerkontrolle_stei gert_Mortalitaet.htm der BZ bei uns auf Werte um die 150 mg/dl eingestellt.
Wir verwenden einen Insulinperfusor mit 50 IE in NaCl 0,9 % und haben somit 1 IE pro ml.
Kontrollen erfolgen ca. 2-3 stündlich, bei Bedarf auch häufiger. Gemesen werden sollte nach Möglichkeit mittels Elektrode (BGA-Gerät, Fa. Radiometer), da die üblichen Teststreifengeräte eine systembedingte Toleranz von 15 bis zu 20 % haben können.
Viele liebe Grüße
fridolin

P.S.: Ach ja, Sondenkost wird häufig diskontinuierlich gegeben.

Monty
12.08.2009, 11:46
Hallo,

aktueller oberer empfohlender Schwellenwert liegt bei 150 mg/dl.
http://www.criticalcare.at/Themenportale/CriticalcareDigest/Dellinger%202008.htm
Surviving sepsis campaign, Dellinger RP, intensive care med 2008

Steuerung über einen Insulinperfusor, Bolusgaben machen wir mittlerweile seltener, weil das schnelle Absinken eher unbeobachtet bleibt. Haben mittlerweile (gefühlt) weniger Hypoglykämien (<40mg/dl), was den Ergebnissen der VISEP-Safety-Analyse entspricht.

Was allerdings aus den 140-180mg/dl aus der NICE SUGAR-Studie entspringt, da bin ich mal gespannt, wie sich die Fachgesellschaften dazu äußern.

Point of care -Geräte aus dem ambulanten Bereich (Accu-check, ...) seh ich sehr kritisch, Mikrozirkulationsstörungen, Störsubstanzen, periphere Ödeme, ...! Haben eigentlich auf einer Intensivstation bei kritisch Kranken nichts zu suchen.
Da hat Fridolin schon recht! Neben der Messtoleranz kommt auch der Unterschied zwischen Kapillar- und Vollblut zum tragen, dafür sind die Geräte nicht gemacht. Offenbar einzige Ausnahme:
Hemocue (http://www.hemocue.com/index.php?page=9005)
Letztes Jahr hab ich zwar auf einer Industrieausstellung einen anderen Anbieter gesehen, welcher sicheres Bedside-Verfahren verspricht, leider ist mir der Name der Firma entfallen.

Wie sieht´s den momentan mit den Empfehlungen in der neurochirurgischen Intensivmedizin aus? Die waren zu meiner Zeit ebenfalls sehr streng, ist das heute abseits der Sepsis immer noch so streng mit dem Blutzucker?

Gruß,
Monty

Monty
19.08.2009, 11:15
Eine Pauschale aussage ab 120 nicht zu reduzieren halte ich für diskusionswürdig, was wenn der gerade auf 10IE/h läuft

Behauptet ja keiner.
Bei deutlicher Reduktion der Kohlenhydratzufuhr oder beim Stop der enteralen Ernährung ist aber eine blinde Reduktion schon anzuraten, um einer Hypoglykämie vorzubeugen. Vor allem wenn es sich um eine nächtliche Ernährungspause handelt. Da wird die engmaschige Kontrolle schon eher mal untergehen.
Als Beispiel:
Sondenkost (1kcal/ml) auf 80ml/h, Insulin 6 I.E./h, BZ 130mg/dl
wenn ich hier die SK stoppe, gehe ich mind. auf 2 IE/h runter, wenn sonst keine KH parenteral laufen. Der Magen hat noch einen gewissen KH-Speicher (Reflux?!) und der Darm dürfte auch noch etwas zum verarbeiten haben. Wenn ich diesen Pat. mit seiner metabolischen Lage nicht besonders gut kenne, mach ich nach 1h eine BZ-Kontrolle, da dürfte das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen sein.
Wenn ich den Pat. ausreichend kenne, kann ich ja seine Basalrate durchaus abschätzen und stell die direkt ein.

Nur keine Angst vor dem Zucker, zuviel bringt nicht gleich einen um, zuwenig aber vielleicht schon!

Süßstoff-freien Gruß,
Monty

Elisabeth
20.08.2009, 19:27
Womit ich ehedem immer Probs hatte: wie ist eigentlich die Halbwertzeit von i.v. gegebenen Insulin? Bei s.c. gabe habe ich ja ungefähre Vorgaben- wie stehts bei i.v. Gabe?

Elisabeth

Monty
21.08.2009, 18:31
Oha, Pharmakodynamik oder Pharmakokinetik???

Ich hatte bislang die Vorstellung, daß das Insulin bei der Einschleusung/Verstoffwechslung mit der Glukose sich verbraucht. Nach dem Motto: Glukose weg, Insulin weg (und das Kalium gleich mit). Ist ja eher ein "Katalysator" als ein Botenstoff, der etwas auslöst.
Verbraucht sich das Insulin nicht direkt in Abhängigkeit mit der Glukose?

Hut ab, Elisabeth, die Frage brennt mir jetzt unter den Nägeln! Das hab ich mich noch nie so gefragt!

:confused: Monty:confused:

Monty
21.08.2009, 18:39
Jetzt hab ich doch noch was gefunden:

Die biologische Halbwertszeit einzelner Insulinmoleküle im Blutkreislauf liegt bei circa fünf Minuten.
Das Insulin wird über manche Insulinrezeptoren in die Zellen aufgenommen, dort abgebaut und somit verbraucht. In der Leber und in der Niere wird Insulin durch Insulinase inaktiviert; die Insulinase oder genauer Glutathion-Insulin-Transhydrogenase spaltet die Disulfidbrücken zwischen der A- und der B-Kette auf, wodurch das Insulin in zwei Teile zerfällt und wirkungslos wird. Die Abbauprodukte werden durch die Niere ausgeschieden, ebenso ca. 1,5 % des noch intakten Insulins.
wikipedia/insulin

Hab mich erst nicht getraut Wikipedia aufzusuchen, man weiß ja nie. Aber es hört sich doch vernünftig an.
Der erste ( :google: -bedingte) biochemische Anschlag auf meine Intelligenz durch verschiedene Medizinstudiumseiten hat mich dann doch einlenken lassen.

:-o Monty

Elisabeth
21.08.2009, 19:40
Danke fürs Suchen. Würde bedeuten, dass 5 min nach abschalten kein Insulin mehr im Körper ist.
Warum kommt es dann aber zu BZ-Einbrüchen? Ich gehe mal davon aus, dass die beschriebenen Zahlen nun nicht entstehen, weil die Überwachung net klappte.

These: unbemerkter (weil nicht standardisierbarer *fg*) Umschwung in der Stoffwechselllage. Stichwort: Postaggressionsstoffwechsel

Oder bin ich da auf einem falschen Gedankenweg?

Elisabeth

Monty
22.08.2009, 09:44
Na ja, Halbwertszeit?!

Nach der Zeit (5min.) ist die Hälfte des Stoffes weg, also gibt noch geraume Zeit ne Nachwirkung. Trotzdem müßte nach 20 min. die Restwirkung doch einigermaßen weg sein.
Selbst in einer Stoffwechsellage, die schlecht bzuschätzen ist, reißt der doch eher nach oben aus, als nach unten, oder?

:confused: :confused: :confused: Monty

fridolin
22.08.2009, 11:50
hi, Monty, hi @all,
unsere Erfahrungen zeigen, dass der BZ ca. noch 1 Stunde sinkt - nach Ausstellen des Insulinperfusors.
Hier trifft sich Theorie und Praxis, denn aus meiner Sicht ist es klinisch nicht relevant, zu wissen wie sich der BZ wissenschaftlich korrekt verhalten sollte sondern wie ein praktikabler Weg für die Praxis ist. (Zumal viele andere Medikamente den BZ zusätzlich beeinflussen können und die Summenwirkung der vielen Medikamente ist sowie reine Glückssache...).
Viele liebe Grüße
fridolin

Elisabeth
22.08.2009, 13:30
Ich denke schon, dass man wenigstens annähernd wissen sollte, was da so passiert.
*ketzerischfrag*Ist das nicht auch unser Anspruch wenn wir nicht nur Ausführende sein wollen sondern eigenverantwortlich Handelnde?
Das du es nicht minutengenau angeben kannst liegt nunmal in der Natur der menschlichen Anatomie und Physiologie.

Elisabeth

Monty
25.08.2009, 08:44
Wir wissen doch annähernd, was passiert.
Vor allem, daß nicht immer alles so passiert, wie die Physiologiebücher es so behaupten. Wissen gepaart mit Erfahrung! Deshalb wissen wir auch, daß das Insulin länger nachwirkt, als geschrieben steht. Oder besser, daß der Körper verzögerter reagiert, als man manchmal erwartet.

Sicherheit durch Wissen und Erfahrung. Das haben wir anderen voraus. Das muß doch auch was wert sein. :jubel:

@fridolin:
deine beschriebenen Nachwirkungen kennen wir auch, deine Schlußfolgerungen sind absolut nachvollziehbar. Doch praxisnahe Lösungen bedingen wissenschaftliche Grundlagen. Man muß ja viele Stellfaktoren miteinrechnen. Gefühltes Nachrechnen. :D


Gruß,
Monty

fridolin
25.08.2009, 10:00
@Elisabeth, @Monty,
Erfahrungswissen ist auch Wissen, dass nicht zu vernachlässigen ist...

Im Ernst:
natürlich bedarf es ZDF* - Wissen, um nachvollziehbar und evidence-based Pflege betreiben zu können.
In Kombination mit Erfahrungswissen und richtig angewand ergibt sich dann ein unschlagbares Team.
Viele liebe Grüße
der etwas vom Thema abgekommene
fridolin

*ZDF: Zahlen, Daten, Fakten und nicht "Zweites, Deutsches, Fernsehen"!

Monty
25.08.2009, 11:18
Da hast recht, das ist ja genau unsere Stärke. Wissen gepaart mit Erfahrung. Leider werden wir trotz Erfahrung nicht immer Ernst genommen, deshalb müssen wir unser Wissen stärken. Dann kriegen wir, wie selbst erlebt auch den nötigen Respekt. Das mit der Erfahrung kann auch schon mal falsch verstanden werden.
Hab mal nen netten Spruch gelesen:
"Mancher hält das für Erfahrung, was er sein Leben lang aus Überzeugung falsch gemacht hat." ;)

:hihi: Monty

fridolin
25.08.2009, 14:45
Lieber Monty,
ich kenne den Spruch
"Mancher hält das für Erfahrung, was er sein Leben lang aus Überzeugung falsch gemacht hat."
auch. Leider habe ich die Quelle vergessen. Kennst Du die Quelle?
Viele liebe Grüße
und danke
fridolin

Monty
25.08.2009, 14:57
Leider nein.
Kann´s auch nicht mehr zeitlich zuordnen, wann das war und wo ich das gehört oder gelesen hab.
Wirkt aber trotzdem gut!:D


Monty

"Nicht zu bekommen, was mal will, kann manchmal ein großer Glücksfall sein"
14. Dalai Lama

Tobi Bo
28.08.2009, 23:17
Danke fürs Suchen. Würde bedeuten, dass 5 min nach abschalten kein Insulin mehr im Körper ist.
Warum kommt es dann aber zu BZ-Einbrüchen?

Nur so als Idee
ich sehe es oft dass insulin über den ernährungsschenkel läuft, irgendwo zwischen system und heidelberger angeklemmt wird. je nach laufrate vom rest steht dann natürlich ne menge insulin im schlauch, dass dann natürlich noch eingespült wird, auch wenn der perfusor aus ist

Monty
01.09.2009, 09:37
Guter Einwand.
Was fast die Hahnenbank zzgl. Verlängerung? Inkl. dem Infusionssystem für die Hauptinfusion (Ringer,...) bei uns 16 ml. Läuft die Ringer mit 80ml/h (Standard bei Durchschnittsgewicht, ohne NI) tröpfelt noch 12 Min. Insulin samt der Trägerinfusion nach. Wenn andere Systeme deutlich mehr fassen und die Trägerinfusion langsamer läuft, dann dem entsprechend länger.

Daran werd ich ab jetzt öfters mal denken.

Gruß,
Monty

fridolin
01.09.2009, 15:15
Stimmt.
Wenn Insulin nicht alleine läuft, muss eben das Volumen der Schläuche mit in die Berechnung einbezogen werden.
Aber auch wenn Insulin alleine über einen Schenkel läuft, lässt sich eine "Nachwirkung" von ca. 1 Stunde beobachten. Wie erklär Ihr dies denn?
Viele liebe Grüße
fridolin

Monty
03.09.2009, 10:04
Man sagt gewissen Insulinprodukten nach, dass sich diese aufgrund der Hilfsstoffe bei der Herstellung mit dem Kunststoffen der Spritzen und Leitungen verbinden können. Das würde aber eine Wirkungsabschwächung bedeuten und nicht umgekehrt!


:-o Monty

fridolin
03.09.2009, 16:55
Lieber Monty,
jetzt rühre ich einmal im Urschleim der Geschichte: Früher hat man eben aus diesem Grunde Insulin mit Humanalbumin gemischt.
Passiert ist denn auch nichts -
Warum?
Die Messmethoden waren eben viel gröber....
Viele liebe Grüße
fridolin

Monty
04.09.2009, 08:56
Hallo Fridolin,

früher? Da will ich nicht wissen, wie alt du bist! :-p


;) Monty

arnold kaltwasser
04.09.2009, 09:39
So alt kann nicht sein, da ich es auch noch gut kenne;)

Das Humanalbumin hat in der Tat ein anhaften des Alt Insulins an die (je nach Herkunft;) ) Plaste oder Plastik Teile der Infusionssysteme verhindert...Klassisches Inkompatibilitätsproblem...

so long arnold

Monty
04.09.2009, 13:27
Na ja, Arnold, daß du das auch noch kennst, hat ja auch nichts mit dem Alter zu tun. :-p Wir haben uns schon mal gesehen, da kam ich mir noch sehr jung vor! :D :D :D

Net böse sein, alles nur ein Spaß. :hihi:

;) Monty

fridolin
05.09.2009, 12:51
Lieber Monty,
vielen herzlichen Dank für die bisherige Akzeptanz.
Wenn ich die letzten Beiträge so lese, drängen sich :zwai: Vermutungen auf:
a.) Arnold ist in etwa so alt wie ich
und
b.) wir Beide sind nicht sooo alt wie Du vermutest.

Wenn Arnold mitmacht, könnten wir ein Spiel nach dem Motto: "Schätze das Alter der Forumsteilnehmer, zuerst von fridolin und Arnold..." erfinden.
1. Preis: eine virtuelle Flasche Sekt (:zwai:.net Sekt).
Viele liebe Grüße
der alte
fridolin

Monty
05.09.2009, 14:46
Tja Fridolin,

wenn ich da mal vermuten darf, ist Arnold so Mitte/Ende 40. Hoffentlich ist er nicht böse, wenn ich arg falsch liege! :-o

Vielleicht unterschätze ich ja auch mein eigenes Alter und meine, ich seh immer noch jung aus. Wobei es mir zu denken geben sollte, wenn mich junge Auszubildende siezen. Furchtbar!

Bei dir, Fridolin, ist´s schwer, da hab ich null Anhaltspunkte. Da laß ich´s lieber, bevor aus dem Fettnäpfchen ne Badewanne mit Öl wird!

:-p Monty:-p

fridolin
05.09.2009, 15:13
Hi, lieber Monty,
eine "Badewanne mit Öl" soll doch gut für die Haut sein, solange das Öl nicht siedet, sondern nur wohlig warm ist.
Naja, warum sollen Rätsel auch einfach sein?
Löse es doch ohne Angst vor Fett.
Es gibt immer eine Lösung...
Viele liebe Grüße
fridolin