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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pflege bei "open lung concept"



prometheus
19.07.2004, 19:08
Hi !

Wir beatmen einige unserer kritisch kranken Patienten mit einem modifizierten open-lung-concept ... mich würde mal interessieren, wie das bei Euch so aussieht !
Insbesondere von der pflegerischen Seite :

- Wie und ob überhaupt die Pat. dabei von Euch gelagert werden
- Ob (und wenn wann) die Patienten dabei "gevibraxt" werden
- Wie Ihr es beim OLC mit der endotrachealen Absaugung haltet

...gibt es dazu vielleicht irgendwelche interessanten Links oder Literatur ?

...freue mich auf Eure Antworten ! :D

pfennixfux
19.07.2004, 23:34
was verstehst du genau unter einem modifizierten open lung concept? unsere kritischen patienten werden minimal handling gepflegt, sprich in 135° Seitenlage manchmal bis zu 12h wird nur der kopf und die extremitäten mit mikrolagerung bewegt und wir haben genau so wenig dekubitis wie andere stationen auch!!
unser oberarzt läßt uns freie hand wer sich ein lachmann-manöver zutraut der solls auch machen ihm ist es wichtig "open the lung and keep the lung open!" egal von ärzteseits oder pflegerischer seits!!
ich denke daß wir, die immer am bett stehen den patienten besser beurteilen können wie der arzt der "sporadisch" ins zimmer kommt!!
absaugen bei critical airwaymanagement patienten nur bei bedarf wie bei allen anderen patietenten auch!! es ist schwachsinnig patienten standardmäßig ein bis zweimal pro schicht abzusaugen!!
das ist meine meinung die ich auch sehr stark vertrete!!
lasse mich aber auch gerne eines anderen belehren!!
bis dahin pfennixfux

Piet
20.07.2004, 08:27
Hallo,

wir beatmen seit etwa fünf Jahren die meißten unserer Patienten nach dem Open-Lung-Concept. Gelagert wird bei uns ganz herkömmlich ca. 30 Grad rechts & links aber auch 135° Bauchlagerung seltener in vollständiger Bauchlage. Minimal handling Pflege läßt sich bei uns nicht vollständig durchsetzen ... aber wir werden immmer mehr :D.
Mit dem frühzeitigen Einsatz von Kinetischer Therapie mittels Spezialbetten haben wir auch ganz gute Erfahrungen gemacht. Abgesaugt wird nur streng bei Bedarf ( das sehe ich genauso wie pfennixfux) am besten mit geschlossenen Absaugsystemen.
Auch wir haben bisher recht freie Hand in der Respiratoreinstellung gehabt ( jetzt hat der Chefarzt gewechselt - mal sehen was da so auf uns zukommt) - das "Lachmannmanöver" machen aber nur speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen ( Hands-on-Seminar bei Prof.Dr.Dr. Lachmann).
Das Konzept selber ist aber allen Pflegenden bekannt und geläufig.
Einiges findet sich auch unter www.openlung.de
Bis dann

Piet

FireBIPAP
20.07.2004, 13:03
Hi!

Bei uns ähnlich wie bei Piet, nur hatten wir leider nicht das vergnügen direkt bei Herrn Prof. Dr. Dr. Lachmann zu lernen.
Wir versuchen grundsätzlich wenn es irgendwie möglich ist zuerst eine nicht invasive Beatmung (Lungenödem von draußen ist hier der klassiker).
Das gesammte Beatmungsregiem obligt uns Pflegenden.
Wenn sich abzeichnet das eine Fullminante Pneumonie oder ein ARDS im anmarsch ist gehen wir frühzeitig mit dem PEEP hoch und so weiter.
Lagerung wenn Bauch dann 135 Grad und für bis zu 12 Stunden.
Seid einiger Zeit arbeiten wir verstärkt mit div. Betten wie z.B dem "Totale Care SPORTS" (für 90€ am Tag), Das macht Rotation, Vibration, Perkusion, Sehr gute Weichlagerung, und kommplette Mobilisation bis zum Sitzen.
Abgesaugt wird wenn Sekret da ist (Flow Kurve anschauen, Wenn möglich LOOPS ansehen, noch besser den Pat. anfassen...)
Vibrax ist ne schöne Sache, der steht in der Kiste im Lager hinten rechts.....glaube ich.....

Cu Simon

prometheus
20.07.2004, 19:54
... unsere kritischen patienten werden minimal handling gepflegt, sprich in 135° Seitenlage manchmal bis zu 12h wird nur der kopf und die extremitäten mit mikrolagerung bewegt und wir haben genau so wenig dekubitis wie andere stationen auch!!

Hallo Pfennixfux ! ... was versteht man genau unter "mikrolagerung" ... dieser Begriff sagt mir leider nichts ... wäre nett, wenn du mir das etwas erklären könntest !

PICCOlina
21.07.2004, 21:06
Hallo,
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen.(gleiche Prozedur)
Der Umgang mit den Respiratoren liegt auch in unserer Hand,was aber an dem Wissensstand der diensthabenen "Studierten" liegt. :o
Unser OA( Bravo -prima Doktor-) steht mit Rat und Tat zur Seite.
So klappt es meist zur Zufriedenheit aller,aber das ist bei uns eh so `ne Sache,weil wir viele "haematologische Beatmungen" haben. :(
PICCOlina

Norbert Taminé
22.07.2004, 07:59
Hallo zusammen,
also unsere kritischen Patienten werden bei einer beginenden respiratorischen Insuffizienz, d.h. ab einem Oxygenationsindex von 250 oder darunter, mittels kinetischer Therapie behandelt. Die Patienten kommen in ein Rotorest Bett und werden stämdig gedreht bis max. 62 Grad ohne Pause.
Die Pflege kann man da sehr gut durchführen, da man viele Verrichtungen am Patienten im drehen ausführen kann und die Standzeiten des Bettes auf ein Minimum reduziert( Standzeiten nur bei Tubus bzw. Kanülenpflege).
Was das absaugen betrifft handeln wir nach dem Vorsatz "so wenig wie möglich, so viel wie nötig". Bei einem Peep ab 10 und höher, wird bei uns ein geschlossenes Absaugsysthem installiert.
Mit der kinetischen Therapie haben wir sehr gute Erfolge.
Die Beatmungstartegie, d.h welches Beatmungsmuster bzw. Beatmungsparameter eingestellt werden, liegt bei uns völlig in der Hand der Pflegenden.

Bis bald

Norbert

Pro-Po-Fol
11.02.2005, 01:06
Hallo, bin neu hier im Forum und auch noch nicht so lange in der Intensivpflege. Ich bin total begeistert, dass ihr das Beatmungsregime weitgehend selbst bestimmt. Wir dürfen das nicht, obwohl wir es sicher ebenso könnten.
Deshalb weiß ich wohl auch nicht, wie das Lachmann-Manöver funktioniert. Wie geht man vor?

arnold kaltwasser
11.02.2005, 12:14
Deshalb weiß ich wohl auch nicht, wie das Lachmann-Manöver funktioniert. Wie geht man vor?
siehe Literaturangaben von diesem Abstrakt:
http://www.dgf-online.de/reutlingen/reutlingen2003/abstract_kaltwasser.htm
so long arnold

Pericardinchen
08.08.2005, 23:26
Hallo Norbert,

ähnliches Konzept ist mir auch bekannt und durchaus effektiv.

herzlich grüße in die Schweiz.

Blaumann
09.08.2005, 00:31
Hallo, ihr da draußen,

Nach etlichen stillschweigenden Besuchen im Forum muß ich nun endlich auch mal meinen Senf abgeben:

Pulmonal kritisch kranke Patienten haben wir in der Regel relativ wenige - "Spezialklinik" eben - aber dafür sind öfter mal pulmonale Einschränkungen (mehr oder weniger ausgeprägte Atelektasen infolge Schonatmung und "Wunschlagerung" infolge von Schmerzen) zu beobachten.
Die pflegerischen Konsequenzen unsererseits richten sich dann eben nach den gegebenen (ärztlichen / schmerztherapeutischen) Anforderungen, zum Teil muß dann auch die Kreavitität der einzelnen Mitarbeiter her, da ein gewisser Teil der Patienten über Thoraxdrainagen verfügt und diesbezügliche (subjektive) Einschränkungen hinsichtlich der Lagerung bestehen.

Was nun aber die Patienten betrifft, die wirklich pulmonal kritisch erkrankt sind:
- Lagerung ist das "A und O", wird von ärztlicher Seite angeordnet und ist somit verbindlich; auch 135° Lagerung. Mindestens 6 - 8 Std., wenn es die Kreislaufsituation des Patienten zuläßt.
- Beatmung nach Möglichkeit BiPap/BiVent, Drücke gemäß den Ressourcen der Patienten
- Open-Lung-Concept nach Lachmann, (z.T. modifiziert durch CA oder OA) wird durchgeführt.
- Vibrax verbietet sich bei verletzten, bzw. instabilen Wirbelsäulen von selbst.
- die Beschaffung von speziellen Betten (Rororest) ist bissel kompliziert, da leider der Verwaltungsweg hinsichtlich der Kosten durchlaufen werden muß. Klappt aber mittlerweile auch innerhalb von 48 Std., wenns denn mal nötig ist.
- Schlimmstenfalls, wenn gar nichts mehr half. die Verlegung des Patienten in eine Klinik, in der eine NO (Stickstoffmonoxid) - Therapie durchgeführt werden konnte. Die betroffenen Patienten kamen übrigens innerhalb von max. 72 Std. bei deutlich verbessertem Allgemeinzustand zurück.

Würde mich übrigens freuen, bezüglich der NO - Therapie ein paar Neuigkeiten oder überhaupt mal den aktuellen Stand zu erfahren (Mein Wissen in dem Bereich erlahmte im März 2002, gemäß dem, was man so im Internet findet...).

Gruß, Boris

legolas
12.08.2005, 11:09
Hallöchen,
also wenn ich so lesen, wer auf den Intensivstationen dieses unseren Landes so die kritisch Kranken beatmet, muß ich sagen WOW!
Wir, die Pflege, sind ja so großartig, und haben so viiiel Zeit, dass wir auch noch den Ärzten die aufwendige Einstellung der Beatmung abnehmen.
Ich hoffe, diese engagierten Leute sind sich der Verantwortung bewußt, aber wahrscheinlich hat ja die der Arzt, sagt er zumindest immer.
Liebe Leute, geht mal zu Prozessen, wo es um Verantwortlichkeiten geht.Kein Arzt dieser Welt, kann das Tun eines anderen rechtlich übernehmen, Ihr seid IMMER mit im Boot, weil ja Durchführungsverantwortung!!!
Wer glaubt noch all diese ärztlichen Tätigkeiten zu übernehmen, sollte sich zweimal überlegen, ob er noch sagt, keine Zeit für die Pflege zu haben.

Gruß an alle Helden

FireBIPAP
13.08.2005, 01:04
Hallo Legolas!

Vielen dank für deinen kritischen Beitrag.
Du hast völlig Recht, wer so viele "ärztliche" Aufgaben übernimmt sollte wirklich nicht meckern, er habe keine Zeit mehr für Mundpflege und Co.
Zum Thema: Wer führt das Beatmungsregiem?
Ich weiß das auf vielen, vor allem operativen, Intensivstationen die Beatmung ausschließlich von Anästhesisten geführt wird. Das ist gut und richtig so. Das funktioniert, weil (nach meiner Erfahrung) immer ein Anästhesist zugegen ist der reagieren kann. Und die Beatmung ist eines der Hoheitsgebiet der Anästhesie, heißt: die können das (ich weiß ich weiß, ausnahmen...). Für Pulmologen gilt das gleiche.
Anders sieht es auf einigen Inneren Intensivstationen aus.
Dort arbeiten häufig Jungassistenten und/oder Ärzte, die noch nicht die Erfahrung und dass könne haben. Schlimmer ist allerdings dass oft kein Arzt auf Station ist. Wenn auf einer solchen Station ein FachkrankenpflegerIn mit Erfahrung in der Beatmung mitbekommt, dass ein Doc einen Patienten nicht optimal Beatmet, dann ist es seine Aufgabe mit dem Arzt fachlich darüber zu diskutieren. Daraus ergibt sich dass Pflegende mit dem nötigen Hintergrundwissen aktiv an der Beatmungstherapie beteidigt sind oder diese komplett übernehmen. Wenn natürlich ein OA oder ein AssA einen besseren Vorschlag hat dann kann er selbsverständlich jederzeit änderungen vornehmen.
In meinen Augen hängt eine optimale Beatmungstherapie stark von der Krankenbeobachtung ab. Niemand kennt die aktuelle Situation des Patienten besser als die Pflegekraft und niemand kann so schnell reagieren (Wenn nicht ein Erfahrender Doc auf Station ist).
Natürlich ist die Beatmungtherapie für sich genommen Zeitaufwendig, aber ich finde mann kann sie nicht isoliert betrachten. Im Rahmen der kompletten versorgung eines kritisch kranken Patienten nimmt Sie lange nicht die meiste Zeit in anspruch.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Hier geht es nicht darum dass sich Pflegende über "ärztliche" Tätigkeiten profilieren, hier geht es darum dass auf der Intensivstation EIN Therapeutisches Team arbeitet, und nicht "die Ärzte" und "die Pflegenden". (Ich weiß, Gegenargument: Die Ärzte sehen dass nicht so...)

Ich kann für meinen Station sagen dass dieses System funktioniert und ich weiß von vielen Häusern dass es das dort auch tut.

Und noch was: Wer sagt dass er sich der Verantwortung entzieht?


Grüße: Simon

poppi
05.09.2005, 03:26
Hallo liebe KollegInnen,

die Diskussion um die Anwendung geschlossener Absaugsysteme innerhalb des Beatmungsprozesses ist so alt wie diese Systeme selbst. Bei uns kommen geschlossene Absaugsysteme nur noch dann zur Anwendung, wenn dies aus hygienischen Gesichtspunkten erforderlich ist (z. B. 180-Grad-Lagerung, multiresistente Erreger auf Haut oder im Trachealsekret).

Warum nicht bei Patienten mit Beatmung nach dem "open-lung-konzept"?

Begründung:

1. Geschlossenen Absaugsysteme verleiten zu häufigerem Absaugen als nötig!

2. Auch bei geschlossenem Absaugsystem kommt es während dem Absaugvorgang zum "PEEP-Abfall" und somit zum Alveolarkollaps in den geschädigten Lungenarealen (gemeint sind die mit dem Surfactant < 10!). Dies läßt sich sehr anschaulich an dem Lungensimulator LS 800 der Fa. Dräger simulieren und erkennen. Noch deutlicher wird einem dies beim Einsatz einer Blutgas-Online-Messung (Paratrend, Fa. Diametrics, gibts leider nicht mehr) demonstriert.

3. Die Effizienz der geschlossenen Absaugung ist nicht immer gegeben! Ihr kennt die Situation: Rasselgeräusche auskultatorisch, varierende Tidalvolumina und zackige Flowkurven trotzdem läßt sich durch mehrmalige Versuche mit der geschlossenen Absaugung kein oder nur minimal Trachealsekret gewinnen. Beim nächsten "offenen" Absaugen ist dann (zur Verwunderung aller?) der Absaugkatheter und der ganze Saugschlauch voller Schleim!
Was ist passiert?

Die durch den PEEP in den Alveolarbezirken gefangengehaltene Luft (funktionelle Residualkapazität) entweicht beim Diskonnektieren schlagartige über den Tracheao-bronchial-Baum und reißt das Sekret Richtung Bifurkation und Trachea und dorten kann es abgesaugt werden (...und nur dorten!).
Dieser Vorgang fehlt bei der geschlossenen Absaugung (wird aber meist ersetzt durch "Stochern" auf der Carina was einen Hustenstoß bedingt und auch den Sekret-Transport Richtung Trachea hervorruft!)

Wenn man diese Dinge alle berücksichtigt, kommt man schnell zu der Schlußfolgerung, daß die geschlossenen Absaugung doch nicht das "Alheilmittel" innerhalb des Beatmungsprozesses ist. Vielmehr scheint die Indikationsstellung für das Rekruitment-Manöver (Wie auch immer durchgeführt- am besten nach Lachmann) viel wichtiger zu sein. Also auch nach dem Absaugen mit einer geschlossenen Absaugung!

Freue mich schon im Voraus auf Antworten und Fragen zu dieser Antwort!


Poppi aus Murnau

arnold kaltwasser
05.09.2005, 13:32
Warum nicht bei Patienten mit Beatmung nach dem "open-lung-konzept"?
Begründung:
1. Geschlossenen Absaugsysteme verleiten zu häufigerem Absaugen...
2. Auch bei geschlossenem Absaugsystem kommt es während dem Absaugvorgang zum "PEEP-Abfall" ...
3. Die Effizienz der geschlossenen Absaugung ist nicht immer gegeben...

... Also auch nach dem Absaugen mit einer geschlossenen Absaugung!


Hallo Poppi,

zu Punkt 1:
kann sein, aber leider fehlt der Beweis...
zu Punkt 2
wenn inpiratorisch abgesaugt wird, kann es nicht sein da technisch nicht möglich (bei PCV o. ä.)
zu Punkt 3
eine forsche Ausatmung (kein Hustenstoss!) kann sinnvoll sein, aber nicht bei open lung concept, da die med. Therapie etwas ganz anderes möchte!

zum Schluss:ein Lachmann Manöver wg. dem Absaugen: hier fehlt mir der Blick auf die Nebenwirkungen

ansonsten meine Meinung steht auch bei http://forum.zwai.net/showthread.php?t=168
Grüße nach Murnau
and :) so long arnold

arnold kaltwasser
05.09.2005, 13:35
(wird aber meist ersetzt durch "Stochern" auf der Carina was einen Hustenstoß bedingt und auch den Sekret-Transport Richtung Trachea hervorruft!)

...daß die geschlossenen Absaugung doch nicht das "Alheilmittel" innerhalb des Beatmungsprozesses ist. ...Poppi aus Murnau

PS 1. hoffentlich nicht und 2. stimmt :D
Arnold vom Fuße der Alb

Pericardinchen
05.09.2005, 19:38
Hallo Poppi,

deine Ausführungen scheinen schlüssig.

Meine persönlichen Pro`s und Kontra`s - geschlossene Absaugung:

Pro:

- zum Schutz für das Pflegepersonal
- hygienischer
Kontra:

- kaum Sekret zu mobilisieren und somit abzusaugen
- unhandlich
- Disokonnektion trotzalledem gehäuft (versehentlich), da unhandlich
- nicht wirklich PEEP- erhaltend oder doch?!?!

lg ;)

arnold kaltwasser
06.09.2005, 10:34
...
- nicht wirklich PEEP- erhaltend oder doch?!?!

lg ;)
das hängt wie schon gesagt von der Technik ab
liebe Grüße aus Reutlingen
Arnold

poppi
07.09.2005, 03:16
Hallo Poppi,

zu Punkt 1:
kann sein, aber leider fehlt der Beweis...
zu Punkt 2
wenn inpiratorisch abgesaugt wird, kann es nicht sein da technisch nicht möglich (bei PCV o. ä.)
zu Punkt 3
eine forsche Ausatmung (kein Hustenstoss!) kann sinnvoll sein, aber nicht bei open lung concept, da die med. Therapie etwas ganz anderes möchte!

zum Schluss:ein Lachmann Manöver wg. dem Absaugen: hier fehlt mir der Blick auf die Nebenwirkungen

ansonsten meine Meinung steht auch bei http://forum.zwai.net/showthread.php?t=168
Grüße nach Murnau
and :) so long arnold


Hallo Arnold und liebe KollegInnen,

die Nebenwirkungen die eine kurzfristige Erhöhung der Beatmungsdrücke über eine Erhöhung des intrathorakalen Druckniveaus hervorruft sind vielfältig in der Literatur beschrieben. Sie sollten bei der Anwendung von Rekrutierungsmanövern keineswegs außer acht gelassen werden. Desweiteren sollten solche Manöver nicht unreflektiert oder ohne Indikationsstellung durchgeführt werden. Wegen der Komplexizität des Vorgangs sollte ausschließlich geschultes Personal aus dem Behandlungsteam dies durchführen.

Viel interessanter ist aber, daß in der Diskussion um lungenprotektive Beatmungsstrategien der "Shearstress" und das "Atelekt-Trauma" als wichtigste Schädigungsmechanismen im Beatmungsprozess angesehen werden. Und diese werden dummerweiser noch durch die Beatmung selbst ausgelöst. Also sollten doch all unsere Bemühungen darauf abzielen Scherkräfte und atelektatische Bezirke im Lungenparenchym so weit als möglich zu reduzieren um diese beatmungsinduzierten Schädigungen zu minimieren.

Das von Prof. Lachmann entwickelte Beatmungskonzept "open-lung-concept" nimmt innerhalb der lungenprotektiven Beatmungsstrategien einen festen Platz ein. Auch wenn dieses Konzept in der Fachwelt (und dort vorallem bei den Akademikern) nicht unumstritten ist (Woran das wohl liegt?).

Das Konzept erfordert mehrere Schritte:

1. Öffnen aller Lungenareale durch die kurzfristige Anwendung hoher inspiratorischer Spitzendrücke. ("Open up the lung")

2. Finden des alveolären Verschlußdruckes ("find close")

3. Wiedereröffnen der kollapierten Alveolarbezirke ("reopen, alveolar recruitment")

4. Beatmung mit kleinen Tidalvolumina (6-8 ml kg/KG) auf einem Druckniveau knapp oberhalb des alveolären Verschlußdruckes ("keep the lung open")


Wo greift die geschlossene Absaugung in diesen Prozess ein?

Durch jeden Absaugvorgang egal ob offen oder geschlossen befinde ich mich wieder an Punkt 2. der Schrittfolge.
Das bedeutet unter "lungenprotektiven" Gesichtspunkten die Durchführung eines Rekruitment-Manövers.


Woran erkenne ich nach dem Absaugen einen Alveolarkollaps?

Wenn man zu Grunde legt, daß reiner Sauerstoff einen Partialdruck von ungefähr 760 mmHg aufweist und in der Alveolarluft etwa 40 mmHg Wasserdampf hinzukommen sowie ein physiologisches Ungleichgewicht von Ventilation und Perfusion vorhanden ist (Qotient 0,8), können also unter Beatmung mit 100% Sauerstoff beim Lungengesunden Werte knapp über 600 mmHg Sauerstoff im arteriellen Blut gemessen werden.

Was heißt das für den pflegerischen "Absaugalltag"?

Nach Durchführung des Absaugvorganges (egal ob offen oder geschlossen!) kann ich durch die Abnahme und Auswertung einer arteriellen Blutgasanalyse unter reiner Sauerstoffbeatmung folgende Schlüsse ziehen.

1. PaO² > 450 mmHg: alle Lungenareale belüftet, Beatmungsdrücke sind wahrscheinlich zu hoch gewählt, da sich atelektatische Bezirke ohne Durchführung eines Rekruitmentmanövers geöffnet haben!

2. PaO² < 300 mmHg: ausgeprägter Alveolarkollaps in den geschädigten Lungenarealen, damit einhergehendes Auftreten von Scherkräften und deren Schädigungen. Durchführung eines Rekruitmentmanövers erforderlich.

Diese Messungen entfallen natürlich allesamt wenn man auf ein Blutgas-Online-Monitoring zurückgreifen kann, das heißt eine Meßsonde liegt im arteriellen Gefäßsystem und misst kontinuierlich den arteriellen Sauerstoffpartialdruck.

Allen interessierten LeserInnen und AnwenderInnen von geschlossenen Absaugsystemen empfehle ich obengenanntes Vorgehen in der Praxis durchzuführen um die Wirksamkeit und vorallem die Nebenwirkungen des Absaugvorganges in der Praxis überprüfen und erkennen zu können. Dies gilt auch für andere pflegerische Rituale wie "modifizierte" Rekruitmentmanöver (Inspiratory Hold, "Blähen mit Kuhnsystem"...) oder auch einfach nur nach dem routinemäßigen Lagewechsel des Patienten.

Noch zwei kurze Anmerkungen zur Absaugtechnik mit geschlossenen Absaug-systemen:

1. Bitte beobachtet am Absauggerät die Manometereinstellung direkt vor dem Absaugvorgang (auch -0,8 bar?!) und setzt diese Maßeinheit in Relation zum Beatmungsdruck (mbar)! Irre was!

2. Absaugen während der Inspirationsphase: bei Atemfrequenzen >20/min. und entsprechend kurzer Inspirationsdauer ist dieser Lösungsvorschlag schlichtweg nicht durchführbar um nicht zu sagen völlig praxisfremd!


Viele Grüße von Poppi aus Murnau


P.S. Meine Meinung steht auch bei www.lachmann-jünger.de

arnold kaltwasser
07.09.2005, 08:06
...

1. Bitte beobachtet am Absauggerät die Manometereinstellung direkt vor dem Absaugvorgang (auch -0,8 bar?!) und setzt diese Maßeinheit in Relation zum Beatmungsdruck (mbar)! Irre was!

2. Absaugen während der Inspirationsphase: bei Atemfrequenzen >20/min. und entsprechend kurzer Inspirationsdauer ist dieser Lösungsvorschlag schlichtweg nicht durchführbar um nicht zu sagen völlig praxisfremd!
[/url]

Hallo Poppi,
vielen Dank für deine Ausführungen zum open lung concept (ich denke Prof. lachmann wird einverstanden sein :) und nun noch zwei kurze Anmerkungen zu
1. ich hoffe es wird geschlossen nicht mit 0,8 bar abgesaugt (siehe Literatur) und bei PCV/BiPAP schiebt jedes Gerät Volumen nach!
2. stimmt und stimmt auch nicht: es gibt keinen Grund in einem Vorgang aus dem Tubus herauszugehen! siehe Stichwort intermittierendes Vorgehen usw.
und
das Wort Praxisfremd soll hoffentlich kein Seitenhieb auf den Lehrer sein :(

aber vieleicht könne wir uns ja auch mal in Murnau unterhalten Kollege Herbrand wollte mich eh mal einladen
regards arnold

WomBat
13.09.2005, 20:21
Arnold, habe vergessen zu sagen, natürlich kannst Du die Abkürzung nutzen. Ist ja öffentlich, dieses Forum. Wenn da geschrieben, dann Da für alle. :)

Grübel, Grübel. Die meisten unserer Patienten atmen spontan, d.h.
kleinere Volumina mit höheren AF. Unter Einhaltung der zeitlichen Empfehlungen für einen Absaugvorgang bleibt da nicht viel Zeit, wenn ich ausschließlich in der Insp-Phase absauge. Gleichzeitig ist das Sekret dabei, sich vom Katheter zu entfernen. Besteht da nicht die Gefahr von größeren, ähhh, kumulierender Sekretretention? Auch über Stunden? Wie im "Schweineversuch" beschrieben? Und dort
wurden (zu) große Katheter eingesetzt...

Eigentlich würde ich das gerne mal "sehen", so von Innen....

Mich würde interessieren, wie das "Forum" absauft ;) , Korrektur: absaugt!
Damit meine ich den Vorgang mitsamt Vor/Nachbereitung, Material, auch wenn geht, kurze Beschreibungen mit "was denke ich mir dabei" und
wieso "fließt" die Handlung eigentlich? Was wird vor/nachher wie eingeschätzt? Übergeben oder dokumentiert? Hygiene dazu?

WomBat, heute besonders naseweisich
(neugierig, für nicht vom Outback-Stammende)

Pericardinchen, bin da.

phil
14.09.2005, 14:21
Hallo zusammen,
also unsere kritischen Patienten werden bei einer beginenden respiratorischen Insuffizienz, d.h. ab einem Oxygenationsindex von 250 oder darunter, mittels kinetischer Therapie behandelt. Die Patienten kommen in ein Rotorest Bett und werden stämdig gedreht bis max. 62 Grad ohne Pause.
Die Pflege kann man da sehr gut durchführen, da man viele Verrichtungen am Patienten im drehen ausführen kann und die Standzeiten des Bettes auf ein Minimum reduziert( Standzeiten nur bei Tubus bzw. Kanülenpflege).
.
Norbert

Also diese Rotorestbetten werden bei uns nur in der Herzchirurgischen Klinik bei pat. mit schwerer respiratorischen Insuffizienz verwendet. Die übrigen Intensivstation halten von diesen Betten überhaupt nichts. Während meiner Weiterbildung habe ich viele Pat. auf der Herzchirurgie in diesen Betten betreut und ich keiner dieser Pat. zeigte eine deutliche Besserung der Oxigenierung durch diese Betten. Ich frage mich auch, was diese Betten bringen sollen. Denn durch die relative kurze Drehung wird das Ventilations-Perfusions-Verhältnis mit Sicherheit nicht verbessert. Dies ist nämlich auch der Vorteil der Bauchlage. Zum einen liegen die Pat. doch einige Stunden auf dem Bauch, so daß eine gute Belüftung der dorsalen Lungenbezirke stattfinden. Zum anderen ist dieser apprupte Wechsel zwischen Rücken-und Bauchlage doch der ausschlagebende Punkt zum eröffnen von Atelektasen.

Desweiteren finde ich die Pflege der Pat. äußerst schwierig. Wenn die Pat. mal abführen, muß man das ganze Bett auseinander nehmen.

Weiter würde ich gerne wissen, wie bei euch das Lachmann-Manöver durchgeführt wird. Denn dafür ist ja eine kontinuierliche pO2-Messung nötig, und die haben die wenigsten Kliniken.

arnold kaltwasser
12.04.2006, 08:37
Liebe Kollegen,
anbei ein Abstrakt vom HAI 2006 als Grafik. Bestimmt käuflich erwerbbar beim Pabst Verlag...
so long arnold

arnold kaltwasser
28.06.2006, 15:51
und mal wieder ein interessanter Artikel zum Thema:

http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/354/17/1775

Grüße an die Göttinger :bravo:

so long arnold

zwai
29.06.2006, 10:31
Im ARDS könnte positiv-endexpiratorischer Druck (PEEP) durch den Respirator verursachte Lungenschäden verringern, indem Lungenbereiche offen gehalten werden, die ansonsten kollabieren würden.

Dabei sind die PEEP-Effekte wahrscheinlich davon abhängig, inwieweit das Lungengewebe rekrutierbar ist. Daher haben Gattioni (Milan) und Kollegen im New England Journal of Medicine den Zusammenhang zwischen dem per CT dargestellten Anteil potenziell rekrutierbarer Lunge und den klinischen und physiologischen Auswirkungen des PEEP untersucht. (hhe)
>>> zum Abstrakt >>> (http://www.zwai.net/pflege/Intensiv/Journal/Beatmung/To_PEEP_Or_Not_To_PEEP/)

L. Gattinoni et al. Lung Recruitment in Patients with the Acute Respiratory Distress Syndrome. NEJM 2006, Volume 354:1775-1786 - mit Dank an Arnold Kaltwasser für den sachdienlichen Literaturhinweis.