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Vollständige Version anzeigen : "Krankenhaussterben"


prometheus
15.07.2004, 22:09
Hallo Ihr !

Bin mittlerweile ganz erschrocken, wieviele Krankenhäuser in unserer Region, ihre Pforten geschlossen haben ... oder von der Schließung bedroht sind !
"Früher" war das nie ein wirkliches Thema für mich und schien weit weg ... nun aber sind immer mehr Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis betroffen, was mich sehr nachdenklich gemacht hat !
Was denkt Ihr über diese Entwicklung in unserem Gesundheitssytem ?
Habt Ihr vielleicht auch schon Erfahrungen "am eigenen Leibe" machen müssen ?
:(

Derweissehai
01.08.2004, 14:19
Hallo Ihr !

Bin mittlerweile ganz erschrocken, wieviele Krankenhäuser in unserer Region, ihre Pforten geschlossen haben ... oder von der Schließung bedroht sind !
"Früher" war das nie ein wirkliches Thema für mich und schien weit weg ... nun aber sind immer mehr Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis betroffen, was mich sehr nachdenklich gemacht hat !
Was denkt Ihr über diese Entwicklung in unserem Gesundheitssytem ?
Habt Ihr vielleicht auch schon Erfahrungen "am eigenen Leibe" machen müssen ?
:(

Hallösche,

Ja das geht mir ähnlich, erschrocken bin ich auch über die Art & Weise in der Verfahren wird. Unser Haus ist in einem Verbund integriert und eines davon hat dieses Jahr überraschend geschlossen, die Mitarbeiter haben über ein informationsblatt, welches von der MAV gestaltet worden ist erfahren, wobei allerdings die meisten der Kollegen in der Zeitung über die beschlossene Schließung des Hauses erfahren haben.

Bei uns im Haus sehe ich leider den Trend das die Entwicklung Rückschritte macht die peripheren Stationen werden gekoppelt, es ist in diesem Jahr ein Pflegestützpunkt zwischen 2 Stationen errichtet worden. Die Konsequenz ist das die Stationen sich wieder in Richtung Funktionspflege orientieren. Leider haben viele Kollegen angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren so das die meisten von oben diktierten Entscheidungen hingenommen werden.

Einem Weiteren Haus aus unserem Verbund droht die Schließung in den nächsten 3-5 Jahren.

Ciao Aaron

Gerhard Raßmann
02.08.2004, 08:24
Hallo,
Die Konsequenz ist das die Stationen sich wieder in Richtung Funktionspflege orientieren

Man kann der ganzen Sache mit Stationszusammenlegungen (bei uns ist das auch so) auch anders begegnen. In den Zeiten der Funktionspflege fehlte uns z.T. das Know how. Doch mittlerweile gibt es das entsprechende Wissen, auf großen Stationen konsequent Bereichspflege einzuführen. Gerade weil man nicht den kompletten Überblick über 40 Patienten haben kann, ist dies sogar sehr zweckmäßig. Man muss dies nur interdisziplinär planen und organisieren. Denn wenn nicht alle mitziehen (auch die Ärzte), wird man Schiffbruch erleiden.

fridolin
27.09.2004, 22:39
Ihr lieben,
hier geht es schon längst nicht mehr um den Menschen sondern nur noch um Kosten. Als Kostentreiber im Gesundheitswesen hat die Politik die Krankenhäuser auserkoren (Warum eigentlich nicht die Pharma-Industrie?).
Folgendes ist passiert:
Einführung des neuen Abrechnungs-systemes DRG, weiterhin "Deckelung" des Budgets, d.h. ab diesem Jahr wird nach DRG ("Fallpauschale") abgerechnet, die Klinik erhält insgesamt gesehen aber keinen cent mehr an Geld, auch wenn die DRG - Abrechnung günstiger wäre.
Folge:
Kosten müssen reduziert werden. Welche Kosten kann man reduzieren? Natürlich die Personalkosten. Diese lassen sich bei einem Abrechnungssystem nach DRG besonders gut auch für die Pflege anteilig ermitteln.
Folge: Zu viel Pflegepersonal = Entlassung mit allen für ALLE negativen Folgen. :eek:
Was bedeutet dies für das restliche Pflegepersonal (in ALLEN bereichen)?
A R B E I T S V E R D I C H T U N G !! :eek:
U N D: Bangen um den eigenen Arbeitsplatz. :confused:
DENN: Niemand ist unkündbar (hier ist der BAT - Kündigungsschutz sehr trügerisch...über 40 und länger als 15 Jahre beschäftigt...)
Es betrifft bereits Krankenschwestern und -pfleger der sog. "Normalstationen" und es wird nicht vor den Fachabteilungen wie Anästhesie und Intensivpflege sowie OP-Pflege halt machen.
Hier sollte auch der DFG vernunft walten lassen und in Sachen OTA - Ausbildung zurück rudern, da sonst die Arbeitsplätze für Krankenschwestern und- pfleger in der Anästhesie gestrichen werden (leider nicht nur grün :D , sondern ganz)
Nun der Aufruf, an allen geeigneten Stellen (Berufverbände, Gewerkschaften, politische Parteien u.s.w.) den Unmut über diese Politik laut und deutlich zu artikulieren - es könnte demnächst auch DEIN Arbeitsplatz betroffen sein.
Nach der langen Stellungnahme, die inhaltlich sehr verkürzt ist, sage ich nun
Tschüß
.....und diskutiert dies bitte :bravo: auch in Euren Arbeitsbereichen rege weiter....
fridolin

Tobi Bo
28.09.2004, 14:52
Kosten müssen reduziert werden. Welche Kosten kann man reduzieren? Natürlich die Personalkosten. Diese lassen sich bei einem Abrechnungssystem nach DRG besonders gut auch für die Pflege anteilig ermitteln.
Folge: Zu viel Pflegepersonal = Entlassung mit allen für ALLE negativen Folgen. :eek:

hallo fridolin.

wir reden hier ja nicht von irgendeinem bereich, sondern von den funktionsbereichen op, anästhesie, intensiv.

hört sich arrogant an, ist aber anders gemeint, denn schliesslich wird hier die leistung erbracht und das geld verdient. wenn ich diese bereiche um mitarbeiter beschneide, also die leistung zwangsläufig reduziere geht auch meine guthaben-seite schwer nach unten.

das werden die kollegen in der verwaltung schon irgendwann verstehen müssen, wenn nicht der ganze laden den bach runtergehen soll.

na klar kann man hier auch ansetzten und sagen: wir nehmen keine pflegenden mehr, sondern otas und atas, weil die kosten weniger.

aber: hier muss man erstmal trennen zwischen op und anästhesie: die op-weiterbildung finde ich in der tat ziemlich unsinnig - warum muss ich 3 jahre pflege lernen und danach nochmal 2 Jahre, wenn meine einzige pflegerische tätigkeit sich auf die Auslagerung von einem Arm bezieht? Hier kann man mit der ota-ausbildung wirklich geld sparen, denn schere und tupfer anreichen kann ich - überspitzt ausgedrückt - auch locker in 2 Jahren lernen, ohne vorher krankenpflege gemacht zu haben.

in der anästhesie sehe ich das etwas anders. hier gibt es deutlich mehr pflegerisch relevante tätigkeiten, in nicht mal eben so in einem crash-kurs abgefrühstückt sind.

ich denke, die aktuelle lage ist nur der tiefpunkt der entwicklung. bald wird es sicherlich auch wieder aufwärts gehen, wenn die entscheider verstanden haben, wo welches geld herkommt und wer letztlich für die umsätze sorgt.

kollegiale grüße,

tobi

Tempo
30.09.2004, 21:58
Ich fürchte, aufwärts geht es erst wieder, wenn 20-25% der derzeitigen Krankenhäuser die Grätsche gemacht haben. Die dann noch bestehenden KH's werden sicherlich berechtigte und dauerhafte Überlebenschancen haben!

Hanno H. Endres
12.11.2004, 06:55
Copyright 2000 bis 2004 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG

Fürstenwalde verliert das Krankenhaus
Von Ingolf Bunge

Fürstenwalde/Bad Saarow (MOZ) Das Fürstenwalder Krankenhaus schließt - womöglich schon zum 30. Juni kommenden Jahres. Die Humaine-Betreibergesellschaft verlegt ihre Fürstenwalder Kapazitäten nach Bad Saarow, bestätigte die Geschäftsführung auf MOZ-Anfrage. Die Mitarbeiter werden übernommen, aus dem Fürstenwalder Krankenhaus könnte eine Tagesklinik werden.

Die Humaine-Geschäftsführung begründet das Aus für Fürstenwalde mit einer Entscheidung aus dem Oktober 2000: Vertreter der Krankenkassenverbände, des Gesundheitsministeriums und der Landeskrankenhausgesellschaft hätten sich seinerzeit darauf verständigt, eine Sanierung nicht zu fördern. Der Grund: Wie auch anderswo in Brandenburg sollten aus zwei Krankenhäusern eins werden.

"Dies erfolgt unter der Prämisse, dass die im Landes-Krankenhausbetten-Plan festgelegte Kapazität für ursprünglich zwei Standorte erhalten bleibt", heißt es in einer Mitteilung von Humaine - "und das ist das Entscheidende für die Region." Soll bedeuten: Die derzeit zu 80 Prozent ausgelasteten 100 Fürstenwalder Betten stehen künftig in Bad Saarow.

Auf einer Betriebsversammlung Anfang November hieß es, dass möglicherweise zum 30. Juni 2005 im Fürstenwalder Krankenhaus die Lichter ausgehen. Allerdings, könne sich der Termin auch nach hinten verschieben. Dass aber das Aus so plötzlich kommt, hängt laut MOZ-Informationen vor allem mit zweierlei zusammen:

mit baulichen Auflagen in einer beachtlichen Größenordnung, die Humaine nicht alleine tragen will; das Land aber gibt keine Fördermittel.

nd mit dem Arbeitszeitgesetz, wonach neuerdings Bereitschaftsdienste auch als Arbeitszeit gelten. "Derzeit müssen wir in der Chirurgie an zwei Standorten zwei Diensthabende stellen, wobei schon das Besetzen eines Bereitschaftsdienstes schwierig ist", sagt ein Arzt. "Ähnlich sieht es in der Inneren Medizin und in der Anästhesie aus."

Ökonomischer Nebeneffekt des Umzuges nach Bad Saarow ist zudem: Patiententransporte zwischen den beiden Betriebsteilen entfallen. Denn traten in Fürstenwalde Komplikationen auf, mussten die Patienten ohnehin zu speziellen diagnostischen und therapeutischen Verfahren nach Saarow verlegt werden.

"Für den Standort Fürstenwalde bekommen ambulante Versorgungskonzepte den Vorrang, die mit den niedergelassenen Ärzten der Region verwirklicht werden sollen", heißt es in einer schriftlichen Antwort auf die MOZ-Anfrage (Geschäftsführer Fred Vock ist im Urlaub). Diese Konzepte sehen eine Tagesklinik vor, die abends abgeschlossen wird. Damit hätte zumindest der mit fünf Millionen Mark geförderte neue OP-Trakt in Fürstenwalde eine Zukunft - als ambulantes OP-Zentrum.

Saarow und/oder Fürstenwalde - die Krankenhaus-Diskussion ist alt. Dr. Mathias Schubert, Landrat des Altkreises Fürstenwalde, hatte immer für einen Neubau in der größten Stadt der Region plädiert. Den beschloss der Kreistag Oder-Spree dann auch Ende 1994. Die beiden alten Häuser sollten schließen, wenn das neue Fürstenwalder Hospital zwischen Spree und Breitscheidstraße eröffnet wird. Es kam anders. Heute geht die Sanierung des Saarower Klinikums in großen Schritten voran.

Donnerstag, 11. November 2004 (20:05)


Quelle: http://www.moz.de/showArticle.php?OPENNAV=lokales&SUBNAV=f%FCrstenwalde&ID=39473

arnold kaltwasser
12.11.2004, 08:09
Und das denken unsere Vorgesetzten:


MedInfoWeb
M. Thieme DRG-Zeitung myDRG
B. Sommerhäuser
www.MedInfoWeb.de
info@MedInfoWeb.de 14.09.2004 www.myDRG.de
info@myDRG.de
Ausgezeichnet mit dem Klinikförderpreis 2002 der Bayerischen Landesbank
Das Copyright der zitierten Artikel liegt beim jeweiligen Autor - Das Copyright der DRG-Zeitung liegt bei myDRG und MedInfoWeb 2002 –2004

Einzeln abrechnen, gemeinsam sparen
Wirtschaften – diese Vokabel bereitet in den meisten Krankenhäusern nur der Managementebene und der Verwaltung Kopfzerbrechen. Im Universitätsklinikum Tübingen gehört sie auch zum Sprachschatz der Leiter der Fach- und Funktionsabteilungen. Denn seit diese Bereiche über eige-ne Budgets verfügen, denkt man hier über viele Ausgaben zweimal nach.

Einst besuchten die OP-Mitarbeiter des Universitätsklinikums Tübingen (UKT) die Fachweiterbildun-gen der DKG so selbstverständlich wie die Weihnachtsfeier. Doch das änderte sich Mitte der 90er Jahre, als die Klinik begann, ihre Abteilungen als Profit-Center zu organisieren. Jede Abteilung er-hält seitdem ein Budget, mit dem sie fast alle Kosten selbst finanzieren muss. Das soll Ärzte und Pflegepersonal zu wirtschaftlicherem Handeln animieren. Der Ansatz erweist sich als erfolgreich. Der Geschäftsführer der OP-Abteilung ist inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass sich bei den Fachweiterbildungen mehrere 100.000 Euro einsparen lassen, ohne dass die Qualität leidet. Der Kaufmännische Vorstand Rüdiger Strehl ist sich sicher: Dank der dezentralen Struktur der Wirt-schaftsführung kann das UKT heute schwarze Zahlen schreiben – trotz aller Widrigkeiten wie stei-gende Medikamentenkosten, VBL-Leistungen (tariflich vereinbarte Zusatzversorgung für Angestell-te im öffentlichen Dienst) und entkoppelte Tarife, also die immer größer werdende Schere zwi-schen Krankenhausbudgets und Tarifsteigerungen.

Den Begriff „Profit-Center“ verwendet der Vorstand zwar mit Vorsicht. „Wir bewegen uns in diese Richtung. Unter DRG-Bedingungen ist die ausschließliche Budgetierung einer Abteilung aufgrund ihrer erwirtschafteten Erträge jedoch noch nicht möglich“, sagt Gabriele Sonntag, stellvertretende Kaufmännische Direktorin und Leiterin des Bereichs Finanzen am UKT. Dies liegt vor allem am noch fehlerhaft ausgestatteten DRG-System, das nicht alle Bereiche und Leistungen adäquat abbildet.

Fest steht jedoch: Die Profit-Center-Struktur zwingt die Abteilungen, ihre Kosten zu überdenken und Notwendiges von Überflüssigem zu unterscheiden. Zugleich gewinnen die „wirtschaftenden Einhei-ten“ – so heißen die Abteilungen seit Einführung der Profit-Center-Struktur – ein hohes Maß an Au-tonomie und Flexibilität. Den wirtschaftenden Einheiten ist nämlich nicht vorgeschrieben, was sie mit ihrem Budget anstellen. Sie können in neue Medizintechnik oder Möbel investieren oder auch eine Stelle ausschreiben. Das UKT hat die zentrale Personalwirtschaft abgeschafft. „Das ist sinnvoll. Denn eine unbesetzte Stelle schreit danach besetzt zu werden – egal, ob der zusätzliche Mitarbei-ter nun wirklich gebraucht wird oder nicht“, meint Strehl, der auch Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) ist. Die Abteilungen würden jetzt spüren, wie Kosten treibend Personal ist, und zweimal überlegen, ob eine Stelle besetzt werden muss. „Als wir vor etwa zwei Jahren die vorklinischen Institute übernahmen, betrachteten die Leiter die Profit-Center-Struktur erst skeptisch. Doch dann sahen sie plötzlich, dass sie im Schnitt 40.000 bis 50.000 Euro sparen konnten, wenn sie nur ein Jahr eine Stelle unbesetzt ließen. Plötzlich hatten sie Geld für neue Ge-räte und die Renovierung der Büros“, sagt Strehl.

Der Verzicht auf den Stellenplan hat auch den Vorteil, dass der langwierige zentral gesteuerte Ausschreibungs- und Einstellungsprozess wegfällt und die Abteilungen flexibel auf Engpässe beim Personal reagieren können. Demnächst werden die Abteilungen bei der Personalplanung vermut-lich noch freier agieren können, denn das UKT hat entschieden, ab 2005 aus dem BAT auszustei-gen. Die Bezahlung könnte dann leistungsorientierter und unabhängiger von formalen Vorgaben erfolgen. Ohne Vergütungskorsett wäre es zum Beispiel möglich, so Strehl, eine erfahrene und kompetente Intensivkrankenschwester besser zu bezahlen als einen Arzt, der Berufsanfänger ist.

Die Autonomie der wirtschaftenden Einheiten geht weit. Fast alle Leistungen werden intern ver-rechnet. Zentral geregelt sind am UKT nur die strategischen Entscheidungen, das Finanzcontrolling, die EDV, das Personalwesen, Gebäudemanagement, der Einkauf und das Rechnungswesen. An-sonsten gilt: Jede Abteilung rechnet mit jeder ab. Die Stationen müssen zum Beispiel ihre Medika-mente und ihr Verbandmaterial einkaufen und für Leistungen der Physiotherapeuten und Ergothe-rapeuten sowie des Labors bezahlen. Auch die bildgebende Diagnostik kostet etwas. Wäsche, Raumreinigung, Telefon und das Catering werden ebenfalls verrechnet. Selbst Kaffee und Mine-ralwasser gibt es inzwischen nicht mehr umsonst. Anfangs wurden diese beiden Kleinposten aus Kulanzgründen vom Budget ausgenommen. Doch bei einer internen Erhebung stellte sich heraus, dass der Pro-Kopf-Verbrauch so hoch war, dass die Patienten unter Herzstörungen hätten leiden müssen. „Dass sich das Personal selbst bedient, ist immer noch ein Problem. Beim Essen wird jetzt allerdings schon sehr genau geguckt“, sagt Strehl.

Bei aller ökonomischer Freiheit ist Mauschelei kaum möglich. Das zentrale Rechnungswesen hat auf alle Daten des Controllings in der Klinik Zugriff. Es kann genau ermitteln, welche Leistungen, Aufwendungen und Erträge eine wirtschaftende Einheit erbracht hat. Umgekehrt hat auch die wirtschaftende Einheit Zugriff auf die Daten, die das Rechnungswesen über sie angelegt und ge-speichert hat. „Diese Datentransparenz ist wichtig. So kann man offen miteinander reden, wenn es in einer Abteilung zum Beispiel heißt, da und dort brauchen wir noch Geld. Man hat den Überblick und weiß, ob eventuell an anderer Stelle in der Abteilung Geld übrig ist“, sagt Strehl.

Pflegedirektion und Pflegedienstleitungen konnten sich anfangs nicht für das Profit-Center-Konzept erwärmen. Schließlich hat der Klinikvorstand ihre Bedeutung gekappt: Das Leitungskon-zept in Tübingen sieht für die wirtschaftenden klinischen Einheiten eine singuläre Leitung vor; an ihrer Spitze stehen ein Ärztlicher Direktor, der von einem Bereichscontroller unterstützt wird. „Die Bereichscontroller sind überwiegend Betriebswirte von Universitäten oder Fachhochschulen, aber auch fachnah sozialisierte Selfmademen oder -women. Diese ökonomische Fachkraft ist wichtig, damit der Ärztliche Direktor die Doppelaufgabe von medizinischem und Abteilungsmanagement kompetent und effizient erledigt“, sagt Strehl. Die Pflegedienstleitung und die Pflegekräfte sind dem Ärztlichen Direktor unterstellt und nicht mehr dem Pflegedirektor. Das bedeutet, dass der Lei-ter der wirtschaftenden Einheiten auch über Einstellungen von Pflegepersonal entscheidet. Der Ärztliche Direktor kann bei Einstellungen grundsätzlich recht frei agieren. Selbst die Klinikumsver-waltung redet ihm kaum rein. Sie kontrolliert nur, ob der Leiter die arbeitsrechtlichen Kriterien ein-hält.
Die singuläre Aufbauorganisation am UKT basiert auf der Überzeugung, dass die Medizin die füh-rende Disziplin im Krankenhaus ist und nicht die Pflege. Dem stimmt inzwischen sogar der Pflegedi-rektor des UKT, Günther Brenzel, zu. Durch immer kürzere Verweildauern im Krankenhaus reduziere sich die Behandlung zunehmend auf rein medizinische Aspekte. „Die Pflege findet künftig in Sys-temen außerhalb des Krankenhauses statt“, sagt Brenzel. Die singuläre Aufbauorganisation wirkt sich nach Meinung von Strehl vor allem aber günstig auf die tagtäglichen Arbeitsprozesse auf Station aus. Oft knirschen diese, weil die Ärztliche Leitung und die Pflegedienstleitung die Mitarbei-ter für ihre Interessen instrumentalisierten. Da wird jahrein, jahraus diskutiert, ob es zu den Aufga-ben einer Pflegekraft gehört, Blut abzunehmen. Eine singuläre Leitung kann durch entsprechende Anordnungen in diesem Fall Klarheit schaffen und für reibungslosere Abläufe sorgen.

Der Pflegedirektion im UKT bleibt vor allem die konzeptionelle Arbeit: Sie kümmert sich zum Beispiel um grundsätzliche Rahmenvorgaben wie Pflegeleitlinien und Qualitätsvorgaben, befasst sich mit Beschwerden, die die pflegerische Leistung betreffen, und mit Pflegedokumentationsverfahren. Zudem ist sie für die Personalentwicklung der Pflegedienstleitungen verantwortlich. Bei der Stellen-besetzung spielt die Pflegedirektion keine zentrale Rolle, ihr Einfluss ist nunmehr eher bundespräsi-dial: Sie hat ein Auswahl- und Vorschlagsrecht, doch dürfen ihre Vorstellungen denen der wirt-schaftenden Einheit nicht entgegenstehen. Die Pflegedienstleitungen bleiben jedoch weiterhin unentbehrlich: Sie schreiben nach wie vor Dienstpläne und haben ein Auge auf Leistung und Dis-ziplin der Pflegekräfte. „Sie müssen sich unter anderem auch dafür einsetzen, dass maximale Zeit für die Patientenbetreuung verfügbar ist und die Übergabezeiten minimiert werden“, sagt Strehl. Zudem sind die Pflegedienstleitungen mit neuen Anforderungen konfrontiert: Sie müssen EDV-Kenntnisse für die neuen klinischen Informationssysteme erwerben. Auch ist – besonders wegen des DRG-Systems – mehr betriebswirtschaftliches Wissen gefordert. „Die Pflege hat bei der Fort-schreibung ihrer Curricula diese Entwicklung teilweise verschlafen“, meint Strehl.

Lange Zeit hatte der Klinikumsvorstand auch die Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und den Sozialdienst im Verdacht, den Dienst zu gemächlich zu absolvieren. „Es schien, als ob die nieder-gelassenen Krankengymnasten in kürzerer Zeit bessere Arbeit leisteten“, sagt Strehl. Die Vermutung war offenbar nicht unbegründet: Nachdem auch die Physiotherapeuten zu einer wirtschaftenden Einheit zusammengefasst wurden, konnte deren Leitung sechs Vollzeitkräfte abbauen. Sehr deut-lich zeigt sich die Wirkung der Profit-Center-Struktur auch im OP. Der Geschäftsführer dieser wirt-schaftenden Einheit wird den Betrieb durch versetzte Dienste auf die Zeit nach 18 Uhr ausdehnen. „Dadurch werden sich die OP-Kapazitäten und folglich auch der Umsatz erhöhen“, sagt Strehl. Doch die dezentrale Aufbauorganisation hat auch Nachteile: „Ein Abteilungsegoismus ist nicht zu übersehen, der durch die Wirtschaftshoheit noch verstärkt wird“, sagt Strehl. Hinzu kommen die große fachliche Zersplitterung und fehlende Synergieeffekte – so denken Abteilungen zum Beispiel nicht daran, sich gemeinsam ein Ultraschallgerät anzuschaffen. „Auch ist es für den Vorstand höchst unerquicklich, jeden Tag kleingewirkte Einzelentscheidungen aus den Abteilungen auf den Tisch gelegt zu bekommen“, sagt Strehl.

Immerhin gibt es in den Kliniken und vorklinischen Instituten etwa 100 und im infrastrukturellen Be-reich 40 wirtschaftende Einheiten. Das soll sich ändern: Das UKT hat vor zwei Jahren mit der Zent-renbildung begonnen. Zuerst hat der Klinikumsvorstand die fünf Pädiatrieabteilungen zusammen-gelegt. Vor kurzem folgten die Inneren Abteilungen – offenbar nicht ganz unfreiwillig. „Hier ist von allein die Einsicht gewachsen, dass abteilungsübergreifende Strategien überlebenswichtig sind“, sagt Strehl.

Hanno H. Endres
12.11.2004, 08:15
Passt auch in diese Artikelreihe:

Mit Trillerpfeifen gegen Privatisierung

Außen marode und ziemlich defizitär: Die Uniklinik Gießen

Wie weiter mit der defizitären Uniklinik Gießen? Gegen die Privatisierung haben am Donnerstag 350 Beschäftigte demonstriert. Sie befürchten Massenentlassungen.

Wenn ein privater Betreiber das Klinikum übernehme, drohe ein Abbau bis zu einem Drittel der rund 5.300 Stellen, sagte Personalratsvorsitzender Klaus Hanschur. Damit werde sich auch die Versorgung der Patienten verschlechtern. Der Aufsichtsrat will am Montagabend entscheiden, ob ein privates Unternehmen das Klinikum betreiben soll oder ob lediglich ein Investor einsteigt.




Weiter: -> http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_2573770

Hanno H. Endres
21.11.2004, 15:51
Und noch einer:

Jede dritte Station wird vorläufig geschlossen: (http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1099064234892)

VON BEATRIX LAMPE, 20.11.04, 08:15h



So dramatisch wie im Kölner Universitäts-Klinikum hat sich die Budgetierung der Krankenhauskosten noch nirgendwo im Land ausgewirkt: Auf Anordnung des Klinik-Vorstands wird jede dritte der 80 Stationen vorläufig geschlossen und einer der drei OP-Säle in der Herzchirurgie stillgelegt, planbare Operationen werden erheblich eingeschränkt. Der Sparbefehl für die Zeit vom 20. Dezember bis zum 7. Januar, dem sich alle Einzelkliniken beugen müssen, ist Folge einer akuten Überschreitung des mit den Krankenkassen vereinbarten Betrages.

[...]

„Als Uniklinik haben wir es mit besonders teuren Fällen zu tun. Andere Häuser können sich entlasten, indem sie uns die Schwerkranken schicken und Patienten auch nach Feierabend auf uns verweisen. Darauf weist die besonders hohe Zahl kardiologischer Eingriffe außerhalb üblicher Dienstzeiten hin.“

[...]

Mit ihrem Masterplan bereite sich die Uniklinik darauf vor, von jetzt 1500 Betten auf dem Papier (1200 sind in Betrieb) auf weniger als 900 herunterzufahren, dabei gleich viele oder mehr Patienten zu versorgen. „Dafür muss die integrierte Versorgung greifen“, sieht Lackner einen weit stärkeren Einsatz der Uniklinik in der ambulanten Versorgung voraus. Dass die Beinahe-Einstellung des Klinikbetriebs ein politisches Signal setze und das nächste Budget höher werde, sei wegen der finanziellen Ausstattung der Krankenkassen nicht zu hoffen.

Quelle & weiter: http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1099064234892

Tempo
21.11.2004, 17:29
Was passiert in dieser Zeit mit den KollegInnen? Kündigung? Zwangsfrei?

Hanno H. Endres
21.11.2004, 20:48
Was passiert in dieser Zeit mit den KollegInnen? Kündigung? Zwangsfrei?

Wahrscheinlich sowas in der Richtung (http://www.fyyff.net/schalke/wiedersehn.mp3) (etwa die letzten 10 Sekunden)

...,

hhe

Hanno H. Endres
22.11.2004, 20:46
Hamburger Abendblatt vom 22.11.2004

Klinik-Streit: Juristischer Teilerfolg für den Landrat


Uetersen - Im juristischen Tauziehen um die Zukunft des Uetersener Krankenhauses hat gestern der Kreis Pinneberg einen Teilerfolg errungen. Nach mehrwöchiger Prüfung erklärte sich der Richter am Landgericht Itzehoe für "nicht zuständig", um über eine einstweilige Verfügung der Stadt zu entscheiden. Uetersen will den Kreis zwingen, das Krankenhaus nicht wie geplant am 3. Dezember zu schließen. Jetzt muß das Verwaltungsgericht Schleswig darüber urteilen.

[...]


Unverändert von der Entscheidung über die Zuständigkeit des Gerichts behält der Hinweis des Itzehoer Richters Gültigkeit, daß die Situation im Uetersener Krankenhaus nicht mehr verändert werden darf. Darauf pochen jedenfalls Bürgermeister Wiech und Rechtsanwalt Jochen Glaubach. Gleichzeitig beklagte der Uetersener Verwaltungschef, daß der Kreis sich nicht an diese Auflage halte. Nach Angaben von Wiech sind aus der Anästhesie und der Orthopädie in Uetersen Geräte abtransportiert worden. mra

erschienen am 20. November 2004 in Pinneberg

Quelle & weiter: http://www.abendblatt.de/daten/2004/11/20/366387.html

zwai
14.12.2004, 19:12
Die Hessische Landesregierung hat sich entschieden, die Zukunft der Universitätskliniken Gießen und Marburg durch eine vollständige Privatisierung zu sichern und wird damit eine bundesweite Vorreiterrolle übernehmen.

„Es entstehen zwei Großkliniken ohne Betriebsdefizite zu Lasten des Landeshaushaltes“, betonte Koch und fügte hinzu, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, Ausbildungs- und Studienplätze würden gesichert. Quelle: Fuldainfo.de (http://www.fuldainfo.de/page/index.php?templateid=news&id=2515)

zwai
15.12.2004, 17:53
Journal Med schreibt zu diesem Thema heute: «Mutiger Schritt» oder «Ausverkauf» (http://www.journalmed.de/newsview.php?id=7352)

Ambu das Beuteltier
20.12.2004, 19:02
Hallo Forumsdiskutanten,

Vielen Dank das Ihr hier das Thema aufgreift das uns in Mittelhessen derzeit sehr stark beschäftigt. Dadurch das unser hessischer Ministerpräsident uns über Nacht zu Betroffenen gemacht hat wird hier in den Kliniken viel diskutiert. Wir haben aber auch schon vor der Meldung der letzten Woche (R. Koch verkauft die beiden Universitätsklinika Marburg und Giessen gemeinsam an einen Gewinnabschöpfer seiner Wahl) diskutiert und Aktionen geplant.

Wir fanden es schon eine Zumutung unsere Verträge durch die Hintertür ändern zu wollen und uns dadurch schon einen Haufen unserer Kollegen nehmen zu wollen (R. Koch kündigte für Hessen einfach einseitig den BAT indem er aus dem Verband öffentlichen Arbeitgeber ausstieg).

Es gründete sich ein Aktionsbündnis und einige Protest- und Aufklärungs-Aktionen erfolgten bereits.
Zum Beispiel
Am vergangenen Freitag wurde in Marburg demonstriert. Die Einkaufsstrasse wurde eben mal, zur besten Geschäftszeit im Weihnachtsgeschäft, mit einem großen Demozug lahmgelegt und die Bevölkerung wurde über die Lage aufgeklärt. Natürlich waren auch jede Menge Angehörige, Kinder, Trillerpfeifen, eine Trommelgruppe, usw. mit uns auf der Strasse.


Weitere Aktionen sind geplant und werden die Aufmerksamkeit für das Problem nicht abebben lassen.

Das schönste an der Sache:
Das organisierende Aktionsbündnis ist interdisziplinär und hat somit Beteiligte aus allen Bereichen eines großen Klinikums hinter dem warmen Dezemberofen hervor- und auf die Strasse- gelockt!

Dabei wollen wir doch lediglich unsere Kollegen behalten um weiterhin eine regelgerechte Versorgung der Patienten der Region zu gewährleisten.
Keine Frage: Die Zeiten sind insgesammt nicht rosig...aber die Antwort kann nicht sein ersteinmal radikal zusammenzustreichen, den Krankenversorgungsauftrag zu privatisieren und damit die eventuellen Gewinne auch noch den Beschäftigten und Patienten zu entziehen.


Habt ihr mal ausgerechnet wieviele Stellen freigesetzt werden könnten wenn alle jetzigen Mitarbeiter ab morgen 42 h arbeiten würden?
Die Rechnung ist nicht sehr schwer.
Also seid wachsam und wehret den Anfängen auch in den anderen Bundesländern!!

Gruß,
T.

Martin Allgeier
23.12.2004, 08:53
Liebe Kolleginnen und Kollegen - oder muss ich schon sagen "ehemalige" ...?

Unter der URL

http://www.kliniksterben.de/

können die aktuellen Krankenhaus-Nachrufe betrauert werden.

Es stellt sich jetzt die Frage ob wir Intensivpflegenden auf das Kliniksterben

mit dem im frühen Christentum verbreiteten
"Memento mori!" - "Bedenke, dass du sterblich bist!" :(

oder eher mit einem durch den Philosophen Horaz begründeten
"Carpe diem!" - "Lebe heute!" :)

reagieren sollen.

Zur Burnout-Prophylaxe wäre jedenfalls ein entschiedenes

"CARPE DIEM!"
:)

:jubel:
:five:

:rolleyes:

unseren belasteten Seelen dienlicher.

In diesem Sinne - Frohe Weihnachten!

Ihr/Dein
Martin Allgeier

fridolin
27.12.2004, 21:00
Einzige Möglichkeit, sich zu wehren ist:
werdet alle ver.dianer! http://portal.verdi.de/
(Mitglieder der tarifparteien haben in Scharen möglicher Weise Einfluß auf die Gesundheitspolitik!):motz:
Ansonsten:
Wer noch Jung ist, sollte sich einen Zweitberuf außerhalb des Gesundheitswesens zulegen um ggf. selbst finanziell überleben zu können.
Prognose:
Das derzeitge Abrechnungssystem (DRG) ist aus fremden Ländern (Australien) mit einer völlig anderen infrastruktur auf die BRD übertragen worden - das kann nicht gut gehen. Wenn das Abrechnungssystem überhaupt die Konvergenzphase überlebt, so wird spätestens 2010 bis 2015 ein radikaler Schritt in eine andere Richtung nötig sein, um überhaupt noch Kliniken in der BRD zu haben, die auch schwerkranke Patienten ohne Sicht auf die Kosten behandeln (dürfen).
Paralell werden die Arbeitgeber zur Tarifflucht schreiten und versuchen, auch Pflegepersonal unter Tarif (oder abgespeist mit sog. Haustarifverträgen) zu bezahlen. :wut: Dies zu recht als Lohndumping bezeichnet. (Neues Thema. 1 ? Job`s in der Pflege...)
Es reicht-
nachweihnachtliche Grüße
fridolin

Ambu das Beuteltier
28.12.2004, 12:49
Bin ja ganz deiner Meinung in Punkto Gewerkschaftsmitgliedschaft,
jedoch hört man relativ wenig von dieser großen Verdi in Bezug auf das Gesundheitswesen.

Eine aktuelle Pressemitteilung in Hessen war jetzt das Verdi gegen eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeiten auf 42 Stunden ist. Jedoch kam diese Meldung auch erst zustande nachdem in Hessen erste Proteste der Beschäftigten aufkeimen (die meisten davon nicht gewerkschaftlich organisiert).

Ich zweifle also ein wenig an das die große Ver.di immer die beste unserer Vertretungen darstellt. Auch vom DbfK höre ich reichlichst wenig zu diesen aktuellen Themen.

Ich bin auch deiner Meinung was die Sache mit dem zweiten Standbein neben dem Kliniksvertrag angeht. Aber das führt halt auch dazu das die verbleibenden Kliniker nicht mehr all ihre Energie in die primäre Patientenversorgung stecken sondern mit einem Gedanken immer im Zweitjob herumeiern! Vieleicht ist diese bedenkenswerte Situation gar nicht mehr aufzuhalten.
Und nebenbei erwähnt:
Alle Freiberufliche Tätigkeiten sind in aller Regel nicht im Angestelltenverhältniss ausführbar, also was hat hiermit dann noch Ver.Di zu tun???

Hat jemend hier auch bessere Erfahrungen mit Gewerkschaften gemacht?
Wo sind die engagierten Gewerkschafter die noch versuchen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu nehmen? Wenn sich diese vermehrt zeigen würden (und ihre Ergebnisse auch) könnte ich mir vorstellen das wieder mehr Menschen über eine Mitgliedschaft nachdenken werden.

Gruß, T. :rolleyes:

fridolin
29.12.2004, 18:35
Hi, Ambu!
Du schreibst:
"Alle Freiberufliche Tätigkeiten sind in aller Regel nicht im Angestelltenverhältniss ausführbar, also was hat hiermit dann noch Ver.Di zu tun???"

>>Freiberufler dürfen sehrwohl Mitglied in Gewerkschaften sein, sind es jedoch selten, weil die Intressenlage völlig anders ist.<<

Wen sucht Du? Deine u. g. Frage hat sich eigentlich schon von selbst beantwortet.
"Wo sind die engagierten Gewerkschafter die noch versuchen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu nehmen?"
>>Hier!!<<

Und hier ein altes Gewerkschaftsargument:
Nur Mitglieder der Tarifparteien haben das Recht, auch die tariflich vereinbarten Löhne, Gehälter, Sozialleistungen, Urlaubstage und so weiter zu erhalten. Als Tarifpartei ist in der BRD nur der Arbeitgeberverband sowie die Gewerkschaft (in diesem Fall ver.di) zugelassen. Ergo: Nur Gewerkschaftsmitglieder haben ein Anrecht auf die o.g. Leistungen, auf alle anderen Arbeitsverträge muß der Tarifvertrag nicht zwingend angewand werden. Allerdings ist gewohnheitsmäßig das Tarifrecht immer auf alle Angestellten ausgedehnt worden. Ob dies immer so bleibt, kann niemand sagen, denn gerade in Zeiten knapper Kassen wird gespart, wo auch immer nur ein Cent zu holen ist.
Die für den Einzelnen teure Gewerkschaft hat für Euch alle in der Vergangenheit doch vernüftige Arbeits- und Lohnbedingungen geschaffen - bei aller teilweise berechtigten Kritik sollten diese Leistungen nicht vergessen werden.
Bis dann...
Live in :peace: und kommt alle mit und ohne Dienst gut im neuen Jahr an.

Und hier die Warnung des Tages::motz:
Ein zu hoher Alkoholspiegel kann Euch in Arme Eurer KollegInnen treiben - diesmal allerdings als Patient.:hihi:

fridolin

Tempo
11.01.2005, 13:03
Moin Fridolin!
Ich war vor ein paar Wochen auf einer sehr gut besetzten Fortbildung in Kassel. Das Thema hieß " Zwischen Nächstenliebe und Insolvenz"! Dort waren auch einige Ver.di Größen aus ganz Deutschland ( u. A. auch aus dem Bundesvorstand ). Ich bin nach den 2 Tagen mit der Erkenntnis dort wieder weggefahren, daß Ver.di selber überhaupt nicht ansatzweise eine Ahnung hat, wie man mit der derzeitigen Situation der Krankenhäuser umgehen soll. Die Leute sind unter sich völlig zerstritten und haben keinen Plan, oder eine Strategie, wie man als politische Einheit den Arbeitgebern gegenübertritt. Das war schon erschreckend.
Fazit: von Ver.di wird nix kommen. Außer ein paar Scharfmachern haben die nichts zu bieten.

Ambu das Beuteltier
11.01.2005, 15:15
Hallo Leute,
ich kann den Eindruck von Tempo (leider) teilen. Sicherlich liegt das auch daran das wir alle so geringgradig gewerkschaftlich organisiert sind. Aber daran könnte in der momentanen Situation akut auch kein Massenbeitritt der Pflegekräfte etwas ändern.
Ver.di sit einfach auch zu groß geworden und hat es dabei offensichtlich verpasst sich Fachleute für wichtige Bereiche (z.B. Gesundheitswesen) zu halten oder zu qualifizieren.
Leider bleibt der Eindruck das wir uns alle ziemlich über den Tisch ziehen lassen momentan.

Wie war das mit der Personalführung:
"Personalführung ist die Kunst den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu
ziehen , dass er die Reibungswärme als Nestwärme empfindet"

Gruß, T. Bravo

arnold kaltwasser
11.01.2005, 15:43
Hallo Leute,
ich kann den Eindruck von Tempo (leider) teilen. Sicherlich liegt das auch daran das wir alle so geringgradig gewerkschaftlich organisiert sind. Aber daran könnte in der momentanen Situation akut auch kein Massenbeitritt der Pflegekräfte etwas ändern.
Ver.di sit einfach auch zu groß geworden und hat es dabei offensichtlich verpasst sich Fachleute für wichtige Bereiche (z.B. Gesundheitswesen) zu halten oder zu qualifizieren.
Leider bleibt der Eindruck das wir uns alle ziemlich über den Tisch ziehen lassen momentan.
...
Das Wissen um den Massenbeitritt ist wohl eher nicht evidence based oder?
Nach 26 Jahren in verschiedenen Berufen kann ich nur sagen, wer nicht in der für ihn zuständigen Gewerkschaft ist, selbst ...
und eine Gewerkschaft besteht aus ihren Mitgliedern und nicht aus irgendjemanden, d. h. nur wer einen Verein mitgestaltet kann gezielt jammern :D
mit anderen Worten, jahrelang die gleichen Gelder kassieren wie Gewerkschaftmitglieder und dann noch beschweren :confused:
so long arnold

R.Fischer
12.01.2005, 07:02
Liebe Kollegen!

Auch ich bin der Meinung, daß Ver.di einfach zu groß geworden ist, um den einzelnen Berufsgruppen gezielt helfen zu können.
Und da ja immer mehr Kliniken aus dem Tarifvertrag aussteigen wird die Gewerkschaft wohl auch nicht so allzuviel zustande bringen können. :(
Da hilft wohl nur die Organisation in Berufsverbänden (DGF läßt grüßen) um eine allgemeine Verbesserung in wesentlichen Fragen zu erlangen.
Der Widerstand muß wohl auch im Kleinen beginnen um greifen zu können - wer immer alles möglich macht ohne die Interessen der Mitarbeiter zu berücksichtigen muß langfristig damit rechnen, daß er weniger bzw. mit höheren Fehlzeiten besetzte Mitarbeiter hat.
Der neue Pflegenotstand wird unausweichlich kommen egal ob noch Häuser geschlossen werden oder nicht, denn der Bedarf steigt.
Das kann doch Mut machen und stark werden lassen -oder?? :mosh:

Viele Grüße aus Schwaben-
Rainer.

arnold kaltwasser
12.01.2005, 11:11
Liebe Kollegen!

Auch ich bin der Meinung, daß Ver.di einfach zu groß geworden ist, um den einzelnen Berufsgruppen gezielt helfen zu können.
...

das liegt ja wohl nicht daran, dass soviele Pflegekräfte dort Mitglied wären :-o
so long arnold

R.Fischer
12.01.2005, 11:43
das liegt ja wohl nicht daran, dass soviele Pflegekräfte dort Mitglied wären :-o
so long arnold

Nö, sondern daß diese Gewerkschaft sich einfach für zu viele Berufsgruppen zuständig fühlt....

Gruß,
Rainer

arnold kaltwasser
12.01.2005, 12:20
Nö, sondern daß diese Gewerkschaft sich einfach für zu viele Berufsgruppen zuständig fühlt....

Gruß,
Rainer
das stimmt so leider nicht, aber das ist denke ich bekannt, oder?
Eine Gerwerkschaft kann nur für Mitglieder verhandeln und sieht sich einem 100% organisierten Arbeitgeberverband gegenüber!
und wenn die Pflegekräfte der Republik alle in der ÖTV gewesen wären, hätte es verdi nie gegeben!
so long arnold

R.Fischer
12.01.2005, 12:54
das stimmt so leider nicht, aber das ist denke ich bekannt, oder?
Eine Gerwerkschaft kann nur für Mitglieder verhandeln und sieht sich einem 100% organisierten Arbeitgeberverband gegenüber!
und wenn die Pflegekräfte der Republik alle in der ÖTV gewesen wären, hätte es verdi nie gegeben!
so long arnold

Punkt 1: Ansichtssache
Punkt 2: Stimmt
Punkt 3: Hast völlig recht

Gruß,
Rainer

Tempo
12.01.2005, 12:56
Woran liegt es denn das der ÖTV ( aber auch den anderen Gewerkschaften) die Mitglieder in Scharen davonlaufen?
Ich war selber mal Mitglied in der ÖTV und ich hatte permanent das Gefühl nur mit Leuten zu tun zu haben, die immer nur nach Gründen suchten um auf die Arbeitgeber einzuprügeln. Ich nenne soetwas eine ideologische Verblendung ersten Grades. Die ÖTV hat ihre Mitglieder schon nicht mehr erreicht und Ver.di noch viel weniger.
Die von Dir angedachte Regelung, daß nur Gewerkschaftsmitglieder von vereinbarten Tariferhöhungen profitieren, fände ich in Ordnung, dann müsste ich mir wenigstens nicht mehr das ewige gejammere von Gewerkschaftern anhören, unsereins sei ja nur ein Schmarotzer.
Ich arbeite in einem KH, welches der Diakonie Niedersachsen angehört. Dort werden Tarifpolitische Entscheidungen in der Arbeitsrechtlichen Kommission getroffen. Diese arbeitet schneller und effektiver und unterliegt nicht irgendwelchen bundesweiten gewerkschaftlichen Vorgaben.
Und zum Schluss noch eins. In der Zeitung war die tage zu lesen, daß Ver.di " ohne jegliche Forderungen und Inhalte" in die Tarifverhandlungen und die Neugestaltung des BAT gehen!!! Was, bitteschön, ist das für eine Stategie? Nach dem Motto, wenn wir nix fordern, können wir auch nix verlieren!?!

arnold kaltwasser
12.01.2005, 13:21
Woran liegt es denn das der ÖTV ( aber auch den anderen Gewerkschaften) die Mitglieder in Scharen davonlaufen?...
ich glaube, dass jeder erstmal die Beiträge sieht, beim heutigen Kostendruck den auch jeder Bürger hat durchaus nachvollziehbar.
aber jetzt könnten sich auch mal Vollblutgewerkschafter einmischen bevor ich aus meiner neuen Schublade nicht mehr herauskomme :D
grüße aus dem wolkigen Süden
arnold

Ambu das Beuteltier
12.01.2005, 16:54
Hallöchen,

"wenn alle Pflegekräfte in der Gewerkschaft ÖTV gewesen wären...hätte es Verdi nicht gegeben..."

wie das jetzt bitte?
das verstehe ich nicht diesen Zusammenhang.
Auch habe ich in dieser Diskussion hier (ausser den bekannten Gewerkschaftsargumenten für eine Mitgliedschaft) noch keine Gründe gelesen was einen in der jetzigen Situation dazu bewegen sollte einzutreten. Ich sehe immer noch keine Argumente die entweder hier im Forum oder aus der Presse entstammend mich davon überzeugen das Ver.di diejenige Organisation sein könnte die uns derzeit helfen kann.

z.B.:
Im Fall der Mittelhessischen Universitätsklinika hört man nichts von dieser Organisation ausser Reaktionen auf bereits beschlossene Dinge. Alle Initiative bezüglich irgend welcher Proteste oder Pressemitteilungen gingen hier von Beschäftigten aus die alle nicht bei diesem "Verein" sind, und diese haben auch bis in Funk-Presse und Fernsehen geschafft.

ich war gute 2/3 meines Berufslebens in dieser Gewerkschaft, auch jahrelang in der Azubi- und Personalvertretung usw. bin aber aus Frust über die Starre und den Innovationsmangel der Organisation schlussendlich ausgetreten.

Da gerade der Fachpflegeverband noch "jung" ist kann ich die Empfehlung sich hier zu engagieren nur unterstreichen!

Gruß, T.

Dogmatismus bringt uns ja nicht weiter...Alternativen diskutieren wäre besser!

arnold kaltwasser
12.01.2005, 17:00
...Da gerade der Fachpflegeverband noch "jung" ist kann ich die Empfehlung sich hier zu engagieren nur unterstreichen!
...Dogmatismus bringt uns ja nicht weiter...Alternativen diskutieren wäre besser!
kein Widerspruch ...
die gesetzliche Grundlage sollte man aber nicht vergessen; Tarifpolitik ist gesetzlich geregelt
so long arnold

Ambu das Beuteltier
12.01.2005, 17:11
klar unterliegt Tarifpolitik gesetzlichen Grundlagen,
aber das die Zeiten des "großen BAT für alle" in absehbarer Zeit vorbei sind sollte uns allen klar sein.
"...denn wenn du merkst das du ein totes Pferd reitest - steig ab!..."
(wie die Dakota Indianer schon vor langem erzählten)

Wenn wir also nicht demnächst eine starke Interessenvertretung im Bereich Pflege oder Gesundheitswesen haben werden wir weiter über den Tisch gezogen. Und dabei sollte sich klar die Pflege in eigenen Berufgsverbänden/Vertretungen organisieren und sammeln, jadoch sollten diese Organisationen enge Kontakte, Diskussionen und Synergieeffekte suchen um z.B. nicht jedes mal alles neu entwerfen zu müssen.
Wir sind ja doch alle in einem Boot im Krankenhaus,
mit dem Unterschied das die ärztlichen Kollegen durch ihre Standesvertretungen eben etwas besser dastehen (zumindestens was die Pressearbeit und z.B. das Gehalt angeht)

Beste Grüße, T.

Ambu das Beuteltier
12.01.2005, 17:43
noch ein kleiner Beitrag aus Hessen zur Diskussion und dem Thema "über den Tisch gezogen werden:

(im Anhang, bitte unbedingt anklicken)

Beste Grüße, T.

Tempo
12.01.2005, 19:26
Wow! Die Dakota - Indianer haben's echt drauf :D

Hanno H. Endres
23.01.2005, 12:29
22.01.05 - Ver.di-Funktionärs-Konferenz: Massive Kritik an Aufspaltung einheitlicher Tarifverträge (http://www.rf-news.de/rfnews/aktuell/Betrieb_und_Gewerkschaft/article_html/News_Item.2005-01-22.2504)

Dass der Kern des neuen Manteltarifvertrags eine Streichung von erkämpften Errungenschaften im öffentlichen Dienst ist, war schnell jedem Teilnehmer der Versammlung klar. So soll der "Bewährungsaufstieg" gestrichen werden, das Erreichen der nächsten Lohnstufen soll zwei auf vier Jahre verlängert werden. Vor allem würde es zukünftig keinen einheitlichen Bundesmandeltarifvertrag mehr geben. So soll es für den ÖPNV, die Versorgung und die Entsorgung jeweils einen eigenen Spartentarifvertrag geben. Der neu ausgehandelte Tarifvertrag TVÖD gilt nur für die Verwaltung und Krankenpflege. (...) Damit ist die Spaltung der Beschäftigten im öffentlichen Dienst angelegt.

fridolin
24.01.2005, 15:55
Ein Politiker im Krankenhaus...
...liegt im Einzelzimmer -
...hat die Sonne auf seinem Bett -
...kann rund um die Uhr Fernsehen und Internet nutzen -
...liegt im Designerbett -
ist das nicht nett?
...wird behandelt von den Besten -
...wird versorgt rund um die Uhr mit dem Besten -
...bekommt die bestmögliche Kost (aus dem Adlon?) -
...wird bevorzugt ohne Wartezeiten untersucht -
...bekommt jederzeit die Sonderwünsche von den Augen abgelesen -

Und bist Du nun ein armes Würstchen...
...liegst im Dreibettzimmer -
...hörst die Furze Deiner Bettnachbarn -
...kannst nicht schlafen vor Gestöhne -
...wirst 3 mal vom OP - Plan abgesetzt -
...mußt warten vor den Untersuchungen -
...bleibst nüchtern bis der Hunger Dich zerfrißt -
...bekommst Krankenhausnormalkost -
...eine Nummer nur zur Einnahmensteigerung nach DRG -
...Sonderwünsche?
Keine Zeit!

Ein Rollentausch - das wäre echte und ehrliche Krankenhauspolitik.

Und wenn die letzte Krankenschwester dem Streß erlegen ist
und wenn der letzte Krankenpfleger gekündigt ist
werdet Ihr merken
das der Politiker im ungemachten Designerbett auch nur ein armes Würstchen ist
:danke:
(Satire 1/2005 c fridolin)

fridolin
24.01.2005, 16:03
aber jetzt könnten sich auch mal Vollblutgewerkschafter einmischen bevor ich aus meiner neuen Schublade nicht mehr herauskomme :D
grüße aus dem wolkigen Süden
arnold

Bist Du etwa kein Vollblutgewerkschafter??

Gruß
fridolin

arnold kaltwasser
24.01.2005, 16:08
Bist Du etwa kein Vollblutgewerkschafter??

Gruß
fridolin
gute Frage nächste Frage :D

fridolin
24.01.2005, 17:00
Liber Arnold Kaltwasser,
bist Du immer so schnell?:schock:
Gruß
fridolin

arnold kaltwasser
25.01.2005, 11:04
Liber Arnold Kaltwasser,
bist Du immer so schnell?:schock:
Gruß
fridolin
nur gestern ;)

ansonsten hilft das vieleicht weiter
http://www.verdi.de/0x0ac80f2b_0x0009dfb4
so long arnold

Ambu das Beuteltier
25.01.2005, 18:25
Hallo Fridolin,
sehr realitätsnahe Darstellung, Danke sehr gut!!!!!!

Ich sehe aber auch ein Problem darin das die Politik rund ums Krankenhauswesen keine Lobby hat. Mal ehrlich, wie oft schauen wir in betroffene und auch staunende Augen und Gesichter von Patienten und Angehörigen, die unsere Arbeit, deren Komplexität und Umfang bewundern. Manche sagen uns das sogar ab und an.
Aber was ist nach der Entlassung...
keiner erinnert sich, keiner will sich erinnern, ist ja auch normal, denn meist ist ja Schmerz, Leid, Krankheit usw. erlebt worden welches man dann gerne wieder vergessen darf.
Solange wir also nicht nach draussen tragen welche Probleme wir haben werden wir in zehn Jahrne noch ähnliches diskutieren (nur wahrscheinlich wesentlich weniger von uns...)

Also ist dein Spruch erweiterbar:

Und wenn die letzte Krankenschwester dem Streß erlegen ist
und wenn der letzte Krankenpfleger gekündigt ist
werdet Ihr merken...
...das ihr euch den Schieber selbst nehmen müsst


Gruß, T.

übrigens frei nach dem alten Pflegerspruch:

Ihre Scheiße ist unser täglich Brot!
:wut:

Tempo
26.01.2005, 07:10
Ich frage mich immer und immer wieder, warum das Ansehen unseres Berufes in anderen Ländern viel positiver in der Gesellschaft ist und auch viel besser honoriert wird. Warum wird in Deutschland alles in diese Richtung gehende ausgeblendet und ignoriert? Warum interessiert sich die Politik nicht für uns? :motz:

arnold kaltwasser
28.01.2005, 15:17
welches Bundesland nimmt mich auf? :(
http://www.aerztekammer-bw.de/05_old/archiv/bettenueberschuss.html

dabei bin ich doch gerne als Hesse im Schwabenland :D

Grüße aus dem Schnee arnold

fridolin
28.01.2005, 18:19
Hallo, hallo!
Wo bitteschön sollen denn die Kranken hin, wenn alleine in BW (siehe Link: http://www.aerztekammer-bw.de/05_old/archiv/bettenueberschuss.html)
8000 Betten abgebaut werden?:schock:
Abgesehen davon - was wird aus dem Personal? (Überwiegend Pflegepersonal, aber auch Ärzte, MTA`s, OTA`s, technisches Personal usw.)
Mein Vorschlag an Herrn Repnik sowie den bundesdeutschen Gesundheitspolitikern in Berlin:
Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, müssen sich umschichtig im 3 Schicht - System mit zwei anderen Patienten ein Bett teilen. (Könnte auch gut als notwendige Frühmobilisation in die Pflege eingeführt werden)
Das frei gewordene Personal (s. o.) bekommt eine lebenslange Rente von 10.000,00 Euro pro Monat + Preissteigerungsrate.:mosh:
Der 1. Patient, der so behandelt wird, sollte der Bundeskanzler sein...
Ob danach wohl ein Umdenken einsetzen wird?
Viele Grüße
fridolin

Ambu das Beuteltier
28.01.2005, 18:22
Hallo Tempo,

die fast schon stoische Ruhe der Pflegeverbände (soweit ich weis sind das der DBfK und der DPV in Deutschland für allgemeine KP) zu diesen Themen beruhigt mich auch nicht gerade.

Ich meine doch die Verbände sollten ruhig mal mehr Stellung beziehen in Punkto Berufsbildbildung, Relevanz der Pflege in Deutschland überhaupt und dem Bereich Zustandsbeschreibung der Situation Pflegender.

ich muss da immer wieder z.B. den Marburger Bund als Ärztevertretung in den Vergleich stellen. Da kommt wenigstens mal ab und an eine Pressemitteilung als Zustandsbeschreibung oder zu aktuellen Themen die ihre Mitglieder betreffen.

Eine gute, regelmäßige und umfangreiche Veröffentlichung hierzu findet man beim deutschen Institut für angew. Pflegeforschung (dip), dem so genannten "Pflegethermometer".
unter: http://www.dip-home.de/downloads/downloads.htm#Berichte

Gruß, T.

keep on changing...it works slowly, but it works...

Holger Beuse
28.01.2005, 23:56
Hallo Ambu.
Wertes Forum.

Neben dem DBfK und dem DPV gibt's noch die ADS für Pflege allgemein und die Spezialeinheiten BA, BALK, BDH, BFLK, BeKD, DBVA, VPU und DGF (und wahrscheinlich noch die Judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa ;) ).

Leider muss man davon ausgehen, dass nur rund zehn Prozent aller beruflich Pflegenden überhaupt in einem Berufsverband organisiert sind. Und diese Minderheit zersplittert sich auf ein knappes Dutzend Verbände...
Immerhin haben diese sich mittlerweile im Deutschen Pflegerat (DPR) (http://www.deutscher-pflegerat.de) zusammengeschlossen. Und der DPR ist ebenso wie viele seiner Mitgliedsorganisationen auch gar nicht so untätig in Sachen politischer Lobbyarbeit, Verfassen von aktuellen Stellungnahmen und Pressemitteilungen, wie es manchmal scheint.

Doch das Schreiben von Pressemitteilungen ist das eine. Damit in die Zeitung kommen ist das andere. Wenn Redakteure von Publikumsmedien solche Infos auf den Schreibtisch bekommen, die von mitgliederschwachen "Schwesternvereinen" kommen, entscheiden sie sich dann doch lieber für einen Bericht über umgefallene Reissäcke in China.

Wenn jedoch die Ärztekammern mal hüsteln, steht's gleich in der Zeitung. Das hat sicher auch eine Menge mit dem Prestige der Ärzteschaft zu tun. Aber man darf nicht vergessen, das in den Ärztekammern jeder Arzt Zwangsmitglied ist. Und auch der Marburger Bund ist mit über 80.000 Mitgliedern kein Kegelverein. So große Verbände werden natürlich öffentlich viel besser wahrgenommen. Sie verfügen auch über ganz andere finanzielle Mittel, die eine professionelle Lobby- und Medienarbeit erst ermöglichen.

Also alle wacker schnell einem Berufverband beitreten, sofern noch nicht geschehen!

Danke für die Aufmerksamkeit. :danke:

Ambu das Beuteltier
29.01.2005, 00:03
Danke,
eine gute Beschreibung des "cercle de malheur" in dem wir uns befinden!

Gruß, T.

WomBat
29.01.2005, 00:07
We need a National Board of Nursing or something ähnliches.

Verein Pappnasen Universell? Oder was heißt das?

WomBat, Abkürzungen sind toll!

Ambu das Beuteltier
31.01.2005, 09:23
O.K.,

kurz zum Thema des Threads zurück:

In der FR war ein interessanter Artikel zu lesen:

Seziertisch
Wer zahlt drauf?
Wirtschafts- und Sozialwissenschaft arbeiten oft mit Annahmen, die nur auf den ersten Blick eindeutig sind. Der FR-Seziertisch nimmt sie auseinander. Georg Fülberth über Privatisierungen.
Bild: Wegst / K13
Georg Fülberth war Professor
für Politikwissenschaft
in Marburg.
Das Land Hessen wird die Universitätskliniken Gießen und Marburg fusionieren und zum Verkauf anbieten. Mehrere kapitalstarke Betreibergesellschaften sollen interessiert sein. Der Ministerpräsident sagt, das künftig private "Universitätsklinikum Mittelhessen" werde eine Art Leuchtturm, an dem sich andere orientieren.
Damit könnte er Recht haben. Andere Ministerpräsidenten, auch Oberbürgermeister und Landräte, werden interessiert nach Mittelhessen blicken. Ihre Universitäts-, Kreis- und Stadtkrankenhäuser bereiten ihnen Sorgen. Da die gesetzlichen Kassen unterfinanziert sind, deckeln sie ihre Ausgaben - also auch die Einnahmen der Kliniken. Denen macht das mehr zu schaffen als den niedergelassenen Ärzten, denn sie müssen viel Infrastruktur vorhalten. Nötige Investitionen, etwa in Bauten, werden aufgeschoben. Auch das Land kann hierfür wenig aufbringen: Es hat selbst nichts.
Hier lässt sich fragen: Wenn die Kliniken unrentabel sind, weshalb sollen sich dann private Betreiber locken lassen? Die Mittel, die sie für den Kauf und anschließende Investitionen aufbringen wollen, sind ursprünglich nicht im Gesundheitswesen erwirtschaftet worden. Es handelt sich um große Kapitalsammelstellen. In ihre Fonds fließt Geld, das unter anderem mit der Senkung der Lohnnebenkosten und Steuererleichterungen frei wurde - den Ursachen dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen und der Staat zur Zeit so klamm sind.
Die Gründungsphase ist vorbei, inzwischen machen die privaten Klinikbetreiber Gewinne. Nach der Übernahme der staatlichen Krankenhäuser dürften sie zu dem Zweck wohl folgende Mittel anwenden: Es wird rationalisiert werden. Niemand bestreitet, dass es zu Personalabbau kommen wird, und zwar auch dann, wenn betriebsbedingte Kündigungen zunächst vermieden werden. Befristete Verträge werden wohl oft nicht verlängert. Druck auf Löhne und Arbeitszeiten gibt es jetzt schon unter staatlicher Regie, beispielsweise die angekündigte 42-Stunden-Woche. Für die potenziellen Käufer ist das ein Anreiz.
Das Gesundheitswesen war bisher eine Jobmaschine. Ihr Tempo könnte sich verlangsamen. Das wird sich in den Regionen auf den Arbeitsmarkt auswirken, deren Ministerpräsidenten und Kommunalpolitiker der Privatisierung im Übrigen viel abgewinnen können. Auch an Forschung und Lehre kann gespart werden. Wissenschaftliche Untersuchungen, deren Ergebnisse einen längeren Weg zur Marktfähigkeit haben (oder nie erreichen), haben es schwerer. Bisher schon wurden sie manchmal nur noch so durchgeschleppt. Jetzt wird es für sie enger.
Zusatzgewinne mögen sich in der ersten Zeit daraus ergeben, dass anderen, weiterhin öffentlichen Kliniken Marktanteile abgejagt werden. Das hat Grenzen - spätestens, wenn weitere Privatisierungen die Konkurrenz verschärften. Ob die stationäre Patientenversorgung insgesamt schlechter wird, ist noch umstritten. Einige verweisen auf eine kanadische Studie, die weltweit eine geringfügig höhere Sterblichkeit in Privatkliniken nachgewiesen haben soll. Andere sprechen von Panikmache.
Mag sein, dass auch hier nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde - das aber nur dann, wenn die Öffentliche Hand im Spiel bleibt. Dann wird eine stationäre Grundversorgung eben doch mit Steuermitteln aufrechterhalten werden müssen, ebenso Forschung und Lehre. Wir kennen das schon von der einen oder anderen Privatuniversität, die sich anfänglich rühmte, dass sie sich selbst ernähren könne, inzwischen aber am staatlichen Tropf hängt. Das könnte beim Klinikverkauf ebenfalls herauskommen. Privatisierung macht nämlich nur richtig Spaß, wenn die nichtprofitablen Bereiche sozialisiert sind oder bleiben.
zitiert aus:Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Hessenausgabe (Nord) (Nr. 17)
Datum: Freitag, den 21. Januar 2005
Seite: 28
Ich finde ein sehr interesanter Beitrag!

Gruß, T.

Ambu das Beuteltier
31.01.2005, 09:30
Hallo Kollegen,

da R. Koch, Hessens Ministerpräsident unlängst in Marburg weilte um seine Meinung zur Privatisierung der Universitätsklinika Mittelhessen (Giessen, Marburg) kundzutun konnten einige Mitarbeiter nicht umhin zum Einen diesen bei der Veranstaltung direkt auf seine Argumente anzusprechen und zum Anderen noch eine kleine Nachlese der Kochschen Argumente als Leserbrief zu veröffentlichen.
Dieser Anbei:

Kochs falsches Rezept
Die hessische Landesregierung will die Universitätskliniken in Mittelhessen privatisieren.
Wir als Unterzeichner sind in mehrfacher Hinsicht betroffen, als Bürger, Steuerzahler, Mitarbeiter und mögliche Patienten. Als solche betrachten wir die von der Landesregierung erwogenen Absichten zur Umgestaltung der hessischen Hochschulmedizin mit großer Sorge.
Wir sind durch langjährige aktive Mitarbeit in und rund um die Krankenversorgung geprägt und ständig gefordert. Schon lange setzen wir um, was Roland Koch in seiner bisherigen Pauschalargumentation, die nur ein Scheingebilde an Problemlösung darstellt, fordert. Es gilt also keineswegs ein "Exzellenzzentrum für Medizin in Mittelhessen" zu errichten, nein, es besteht bereits und muss erhalten und weiterentwickelt werden.
Das primäre Menschenbedürfnis nach Gesundheit und deren Wiederherstellung im Krankheitsfall muss eine öffentliche Angelegenheit bleiben, frei von marktgesteuerten Interessen wie Gewinnmaximierung und anderen nicht sachdienlichen Ideen. Hierbei erwirtschaftete Mittel müssen der Krankenversorgung und deren Ausbau unmittelbar und lückenlos wieder zufließen.
Die Bürger Hessens sind als Steuerzahler die eigentlichen Eigentümer der von Roland Koch feilgebotenen Kliniken. Er ist vom Volk bestimmter Treuhänder und muss seiner Verantwortung vor seinem Auftraggeber, den Bürgern, gerecht werden. Die von ihm eingeräumte Hilflosigkeit in puncto Krankenhausmanagement stellt nur eine vorzeitige, völlig unnötige Kapitulation dar.
Wir wissen, dass noch längst nicht alle vernünftigen Optionen für ein zukunftsfähiges Klinikum der Philipps Universität Marburg besprochen und durchdacht wurden.
Tilmann Müller-Wolff, Krankenpfleger,
Röllshausen
Frank Eggers, Krankenpfleger,
Wettenberg

zitiert aus:Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Hessenausgabe (Nord) (Nr. 25)
Datum: Montag, den 31. Januar 2005
Seite: 16
:dagegen:


Gruß, T.

man kann mehr bewirken als man manchmal glaubt...

arnold kaltwasser
31.01.2005, 09:37
man(n) waren das noch beschauliche Zeiten als ich vor (vielen) Jahren meine Ausbildung an der Uni Gießen (für Insider Rote Schule) gemacht habe :(
In BaWü ist es auch nicht besser
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/855947
mit Grüßen aus Reutlingen
arnold

fridolin
31.01.2005, 20:29
Sehr geehrte Mitstreiter,
gibt es Unterschriftenlisten gegen die Privatisierung von Krankenhäusern (egal, wo) und wäre es nicht eine gute Idee, diese Listen hier auch mit zu plazieren? (ggf. mittels Link)
Motto: Online-Proteste auf zwai :nein:
Viele Grüße
fridolin

Ambu das Beuteltier
31.01.2005, 22:32
Hallo Fridolin,
erste Frage: ja klar gibt es so etwas.

zweite Frage nein eher wohl nicht!

Warum?

Die Initiativen die es gibt sind wohl eher lokal initiiert und haben eben auch lokalen Charakter.
Wer sollte eine solche Bundesweite Sammlung denn starten? Was würde genau gefordert, und von wem genau?

Das geht ja schon in Richtung eines Volksvotums. Da steht also ne Menge dahinter.

Ich denke auch nicht das eine Privatisierung von Krankenhäusern allgemein zu vermeiden ist in der heutigen Situation. Die Frage ist für mich eher ob man den auf das "wie" Einfluss nehmen kann.

Das funktioniert eben am ehesten lokal begrenzt.

Du weist ja selbst bestimmt wie schwierig es ist die Pflege aus dem Quark zu bekommen.

Aber es hält dich keiner davon ab politisch zu denken und auch zu handeln!

Gruß, T.

Ambu das Beuteltier
05.02.2005, 21:24
Hey Fridolin,
hier ein Artikel der FR von heute:

Kampf um die Unikliniken
Initiative will Privatisierung in Marburg und Gießen verhindern
Von Gesa Coordes
Der Widerstand ist breit: Politiker, Geistliche, Gewerkschafter, Wissenschaftler und Globalisierungskritiker haben am Donnerstagabend in Marburg eine Bürgerinitiative gegen die Privatisierung der mittelhessischen Universitätskliniken gegründet.
Marburg · 4. Februar · Sowohl Bischof a.D. Christian Zippert als auch der Marburger Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer, der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, der Gießener Kreistagsvorsitzende Franz Neumann und die drei ehemaligen ärztlichen Direktoren der Uni-Krankenhäuser, Rudolf Arnold, Klaus Jochen Klose und Klaus Knorpp sind dabei. Unter dem Motto "Rettet die KlinikaÓ wollen sie versuchen, die von der Landesregierung geplante Privatisierung noch zu verhindern. Dazu soll es Veranstaltungen, eine Internetplattform und öffentliche Auftritte geben. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi soll ein Koordinierungsbüro eingerichtet werden.
"Den Menschen wird erst jetzt bewusst, dass das Thema sie auch als Patienten etwas angeht", so Marita Kruckewitt von Verdi. Bislang kommt das Gros des Widerstandes aus Marburg. Die Gießener hätten mehr Angst von dem Klinikum in der Nachbarstadt "gefressen" zu werden als vor der Privatisierung. Eine Ausnahme seien die Personalräte der beiden Klinika, die den drastischen Abbau von Arbeitsplätzen und eine Senkung des Tarifniveaus befürchten.
In Marburg gibt es jedoch einen einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, der nun die Grundlage für die Arbeit der Bürgerinitiative bildet. Darin heißt es, dass die Übertragung der beiden Universitätskliniken an einen echt privatrechtlich organisierten, auf größtmöglichen Gewinn orientierten Rechtsträger "auf lange Sicht keine tragfähige Lösung" sein kann: "Medizinische Forschung ist unteilbar. Ihre kurzfristige Rentierlichkeit ist auch bei größter Finanznot des Landes kein tauglicher Maëstab." Auch nach den Erfahrungen von Attac können durch Privatisierungen nur die privaten Gewinne erhöht werden, während die breite Bevölkerung die Lasten trage müsse und sich die Gesundheitsversorgung verschlechtere.
Das Land plant, die Universitätskliniken von Gießen und Marburg zu fusionieren und Anfang 2006 in private Hände zu geben. Als Interessenten haben sich die Krankenhausketten Helios, Asklepios und die Rhön-Klinikum AG gemeldet.


Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Hessenausgabe (Nord) (Nr. 30)
Datum: Samstag, den 05. Februar 2005
Seite: 36

Es geht also doch etwas, bleibt abzuwarten was sich aus deren Arbeit ergibt!
Gruß, T.
:dafuer:

zwai
23.02.2005, 22:56
Ernst & Young, eine der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, hat den deutschen Gesundheitsmarkt untersucht.
"Konzentriert. Marktorientiert. Saniert. Gesundheitsversorgung 2020", so der Titel der heute in Berlin vorgestellten Studie.

Das Positive vorweg: "Der Gesundheitsmarkt wird sich zu einem gigantischen Wachstumsmarkt entwickeln", sagt Nils Söhnle, Partner bei Ernst & Young und Leiter des Bereiches Health Care. Für die gesundheitliche Versorgung werden die Ausgaben bis zum Jahr 2020 von heute 234,2 Mrd. Euro auf ca. 500 Milliarden Euro wachsen.

Doch ein wettbewerbsorientiertes Gesundheitswesen und der damit herrschende wirtschaftliche Druck beschleunigt das Krankenhaussterben mit gravierenden Veränderungen für Patienten, Pflegende, Ärzte und Krankenhäuser. Die Bettenzahl wird um 54% zurückgehen. Zwei von drei öffentlich-rechtlichen Einrichtungen werden schließen oder in private Trägerschaft übergehen. Nur circa 1.500 der etwa 2000 Krankenhäuser werden überleben. Bis 2020 wird also jedes vierte Krankenhaus verschwinden. (holbeu)

mehr bei Ernst & Young (http://www.ey.com/Global/content.nsf/Germany/Presse_-_Pressemitteilungen_2005_-_Deutscher_Gesundheitsmarkt)

Ambu das Beuteltier
25.02.2005, 20:00
Ein Mensch in einem Heißluftballon hat sich verirrt. Er geht tiefer und sichtet eine Menschenmenge am Boden. Er sinkt
noch weiter ab und ruft von oben herab:
"Kann mir jemand helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn
vor einer Stunde zu treffen, und ich weiß nicht, wo ich bin und in welche Richtung ich muss."

Eine Frau am Boden antwortet:" Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr zehn Meter Höhe über Grund. Sie befinden
sich zwischen 40 und 41 Grad nördlicher Breite und zwischen 59 und 60 Grad westlicher Länge. In welche Richtung Sie
weiter müssen, kann ich Ihnen nicht sagen, da ich Ihr Ziel nicht kenne."

"Sie müssen Ingenieurin sein", sagt der Ballonfahrer.

"Bin ich", antwortet die Frau, woher wissen Sie das?"

"Nun", sagt der Ballonfahrer, "alles was Sie mir sagen ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung was ich mit dieser
Information anfangen soll, und Fakt ist, dass ich noch immer nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, Sie waren keine große
Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise nochweiter verzögert."

"Sie müssen im (Krankenhaus-)Management tätig sein", antwortet die Frau.

"Bin ich", antwortet der Ballonfahrer, "woher wissen Sie das?"

"Nun", sagt die Frau "Sie wissen weder, wo Sie sind, noch haben Sie eine Plan, wohin Sie fahren. Ein Ziel nennen Sie
nicht, und Ihr Termin ist schon längst vorbei. Sie sind auf Grund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position
gekommen. Sie haben Versprechungen gemacht, von denen Sie keine Ahnung haben, wie Sie sie einhalten können, und
erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie in exakt der gleichen, selbst
verschuldeten Lage sind wie vor unserem treffen. Jedoch wollen Sie nun die unter Ihnen stehenden Personen für Ihr
Scheitern verantwortlich machen!"

Gruß, T.

zwai
11.06.2005, 22:31
Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, hat der Hessische Landtag am 9. Juni das "Gesetz über die Errichtung des Universitätsklinikums Gießen und Marburg" beschlossen. Damit ist die Landesregierung um Roland Koch auch ermächtigt, die fusionierten Kliniken zu verkaufen.

Laut Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) werden die Sorgen der Beschäftigten ernst genommen. Ein (noch zu suchender) privater Betreiber müsse sich vertraglich verpflichten, bis 2010 keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Bedenken, ein privatwirtschaftliches Unternehmen könne weder willens noch in der Lage sein, die universitätsklinische Aufgaben-Trias Patientenversorgung, Forschung und Lehre mit den Interessen einer auf Gewinnmaximierung zielenden Geschäftspolitik zu vereinen, hat die Landesregierung offenbar nicht. Die Versorgung der Patienten soll ebenso erstklassig sein wie die wissenschaftliche Forschung. (holbeu)

>>>mehr>>> (http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=20398)

Tempo
13.06.2005, 21:00
Wenn Angie erstmal dran ist, wird das sicher die Regel! :(

R.Fischer
14.06.2005, 10:47
Wer weiß?
Vielleicht kommt es noch soweit, daß man am Eingang der Unikliniken erstmal seine goldene Kreditkarte zeigen muß, um eingelassen und behandelt zu werden (ist etwas schwarz gesehen, weiß schon...).
Gruß, Rainer.

fridolin
14.06.2005, 20:36
Hallo alle zusammen!
Es follgt ein Gedicht zur Frage der allgemeinen Lage...

Wenn Angie ist Bundeskanzlerin,
dann ist im Budget nur noch der Arzt mit `drin.

Wenn Angie ist Bundeskanzlerin,
dann macht Krankheit keinen sinn.

Wenn Angie ist Bundeskanzlerin,
dann ist Krieg wieder dran.

Hurra, Hurra, wir sind wieder wer -
unserer Jungs sterben wie die Fliegen
in Amerikas Kriegen

Und die Kranken sterben auch -
spürt Ihr denn schon den eisigen Hauch?

(c)14.05.2005
fridolin

Tempo
14.06.2005, 22:03
Bisßchen kraß, aber nicht schlecht.

PICCOlina
14.06.2005, 22:25
Über die politische Gesinnung kann man besonders gut streiten :rolleyes:

Ich finde dieses "Gedicht" schon mehr als krass :dagegen:

Gruß PICCOlina :peace:

Tempo
15.06.2005, 11:07
Naja, wenn Frau Merkel erstmal das Zepter der Macht in den Händen hält, wird es kaum lauschiger für uns werden. Die Angie und der Guido haben leider nur etwas für Menschen mit mehr als 5000€ Netto übrig. Ich fürchte, da fallen wir durch's grobe Netz :schock:

Tobi Bo
19.06.2005, 14:35
Es follgt ein Gedicht zur Frage der allgemeinen Lage...

Wenn Angie ist Bundeskanzlerin,
dann macht Krankheit keinen sinn.


seit wann macht den krankheit überhaupt sinn?

heieieieiei .... ich hab schon einiges von dir gelesen, fridolin, und kann daher mit überzeugung sagen: das kannst du besser!

Ambu das Beuteltier
03.07.2005, 22:03
Die Kassen mischen jetzt auch mal kräftig mit in den Machtspielchen:

kurz vor dem Wochenende ist in Rheda-Wiedenbrück mal eben innerhalb eines Tages eine Klinik geschlossen worden. Flux wurden die restlichen fünfzig Patienten verlegt und am Abend der Insolvenzantrqag gestellt. Und wie kam diese böse Überaschung zustande? Angeblich hatten die Kostenträger kurzfristig bekanntgegeben dem Haus im Juli keine Zahlungen mehr zu leisten.

Die Stadt, die ev. Gemeinde und weitere Unterstützer fordern die Schliessung rückgängig zu machen. Das zuständige Gesundheitsministerium zeigte sich überrascht und will klären wie die abrupte Schliessung zustande kam.

Eine wohl deutschlandweit einmalige Blitz-Schliessung. So steigen dann die Kassen in die "Hire&Fire" Mentalität ein.

weiteres beim Evangelischen Pressedienst unter: http://www.epd.de/west/west_index_35891.html
beim Handelsblatt unter: http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1062588
Der Stadt Rheda-Wiedenbrück unter: http://www2.rheda-wiedenbrueck.de/gesundheit_soziales/sp_auto_133278.cfm

Nur das nirgens etwas vom Personal zu lesen ist gibt zu denken. Kollegen wir halten euch die Daumen!

nachdenkliche Grüße, T.

zwai
13.10.2005, 13:17
Nach dem Beschluss des CDU-regierten hessischen Landtages, die Universitätskliniken Marburg und Gießen zu fusionieren und zum 1. Januar 2006 zu verkaufen (zwai berichtete), würde das die erste Vollprivatisierung einer deutschen Universitätsklinik bedeuten.

Warum dieser Schritt jedoch viele Arbeitsplätze und die Grundlagenforschung an beiden Kliniken gefährden würden, beschreibt heute die zeit in einem ausführlichen Artikel (hhe).

>>> zum Artikel bei zeit.de >>> (http://www.zeit.de/2005/42/Unikliniken)

zwai
14.10.2005, 19:23
Beim Monopoly um das hessische Universitätsklinikum Giessen und Marburg ist eine neue Spielfigur auf dem Brett aufgetaucht: Als sei die bisherige Spielrunde nicht schon erschreckend und intransparent genug gewesen (fünf Klinikbetreiber spielten um die Schloss-Marburg-Allee und Park-Giessen-Straße), kaufte jetzt die Fresenius-Gruppe kurzerhand den größten Player (Helios) auf.

Eine Recherche in der Spielanleitung des allseits bekannten Kapitalismus-für-Einsteiger-Spiels ergab jedoch, dass diese Spielwendung regulär nicht vorgesehen ist. Zwar können Spieler einen Kredit von der Bank bekommen, indem diese ihre vorhandenen Besitztümer belasten, eine externe Übernahme ist jedoch nicht möglich.

Vielleicht sind die Regeln ja veraltet. Vielleicht hat die hessische Landesregierung als Legislative aber auch einfach erweiterte Regeln zugelassen. Jetzt bleibt interessant zu beobachten, wer da wohl den Zuschlag für die zwei dunkelblauen Karten bekommt. Möglicherweise wurde ja auch freie Interpretation und Auslegung von Würfelergebnissen zugelassen... (tmw)

>>> zum Artikel bei sueddeutsche.de >>> (http://www.sueddeutsche.de/,wirl1/wirtschaft/artikel/478/62416/)

Hanno H. Endres
18.12.2005, 20:16
Rhön-Klinikum übernimmt

In den Uni-Kliniken Marburg und Gießen wird demnächst unter privater Regie operiert. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik übernimmt ein privater Betreiber ein Universitätsklinikum. Nach dem Willen der Landesregierung soll das Uni-Klinikum Gießen/Marburg an die Rhön-Klinikum AG verkauft werden. Eigentlich galt Helios als hoher Favorit.

->http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_14884678

fridolin
19.12.2005, 18:36
Hi, @all,
Frage: Was können private Klinikbetreiber besser?
Antwort: Personal verschieben
Personal entlassen
Personal schlechter bezahlen
Personal "einnorden"
...............?????????

Umfrage:
Wollt Ihr unter privater Regie arbeiten?

Ja............, weil.............................................. ...........................
Nein.........., weil.............................................. ...........................

Was wäre wenn....
- Mitarbeiter über die Zukunft der Klinik entscheiden könnten?
- Mitarbeiter die Chefärzte wählen könnten?
- Mitarbeiter die PDL - Mitarbeiter wählen könnten?
- Mitarbeiter, die nicht im Pflegedienst angestellt sind, grundsätzlich 8 Wochen auf einer Pflegestation mit arbeiten müßten?
- Vorgesetzte grundsätzlich nur auf bestimmte Zeit disen Job machen dürften (4Jahre?) und sodann zurück ins Glied müßten?
- Patienten wirklich frei über die sie betreuenden Pflegepersonen und Ärzte bestimmen könnten?
- Patienten endlich einmal ehrlich (und nicht gewinnorientiert / ausbildungsorientiert) aufgeklärt würden?
- Politiker 4 Wochen im Jahr in einem Krankenhaus auf einer Pflegestation in einem 3 - Bett - Zimmer mit strenger Bettruhe als Selbsterfahrung verbringen müßten?
(Liste noch erweiterbar)
Viele liebe Grüße mit diesen schweren Fragen vor Weihnachten -
aber ich freue mich auf viele nette Antworten
Gruß
fridolin

:mosh:

WomBat
19.12.2005, 19:27
Ein (1) Blick :schock: über den Teich im Zeitraum von ca. 1988 bis 199x zeigt uns, was passiert wenn nur noch Money zahlt, äh, zählt!

Siehe Pflegeliteratur aus dieser Zeit dazu, z.B. namhafte sog. "Theoretiker" (Benner, Aiken, verschiedene Fachgesellschaften usw.). Was passiert (nach DRG) wird recht eindringlich beschrieben. Oder siehe UK und ihr NHS.

Positive dabei, anscheinend die sog. Magnet Hospitals.

Ansonsten finde ich es (ganz besonders) schlimm, wenn wir erst warten müssen, bis wir "eigene" Daten haben (die will ich eigentlich gar nicht, denn, sie sprechen von Leid). Viel zu Viel.

WomBat

PS Fridolin: Ich will Dich nicht vom Lernen ablenken :)
PSS UK = United Kingdom, NHS National Health (System?)

Hanno H. Endres
19.12.2005, 19:29
Hi, @all,
Frage: Was können private Klinikbetreiber besser?
Antwort: Personal verschieben
Personal entlassen
Personal schlechter bezahlen
Personal "einnorden"


Das liest sich auf den Seiten von der RHÖN-KLINIKUM AG etwas anders:

-> http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/k0/privatisierung

[...]
Oberste Priorität für den Regelungsbedarf bei der Privatisierung eines zuvor unter öffentlich-rechtlicher Trägerschaft geführten Krankenhauses haben meist folgenden Punkte:

Gewährleistung der Versorgung auf hohem Qualitätsniveau

Zukunftssicherung des Krankenhauses bei Übernahme / Investitionen

Mitarbeiterübernahme, Haustarifverträge, Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter

Kaufpreisverwendung / rechtlicher Eigentumsübergang

Bzw. -> http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/k0/privatisierung/bestehendevertraege

Unser Übernahmekonzept geht wie das RHÖN-KLINIKUM -Betriebskonzept von dezentralen Ansätzen aus, die Freiraum für regionale Mitwirkung erlauben, im Gegenzug aber die Bereitschaft, sich einzubringen, fordern. Als problematisch haben wir immer empfunden, wenn Personalvertretungen bis zum letzten Tag gegen eine Privatisierung kämpfen, um dann, wenn sie beschlossen ist, den neuen Herausforderungen unvorbereitet gegenüber zu stehen. Wir empfehlen deshalb eine frühzeitige und offene Diskussion – vielleicht sogar auf unverbindlicher Ebene –, um die unzweifelhafte Zukunftsträchtigkeit unserer Tarifsysteme kennen zu lernen.

:confused: ,

hhe

Elisabeth
19.12.2005, 19:52
Ergänzung zu Fridolins Liste

- Personal, dass sich dem Wohl des Hauses verpflichtet fühlt und nicht nur dem Wohlergehen der eigenen Station. Personal, das auch bereit ist kompromislos auf anderen Stationen zu arbeiten, wenn dort Not am Mann ist.

- Personal, dass nicht nur trauert über die guten alten Zeiten, sondern das bereit ist, selbst aktiv zu werden in der aktiven Umgestaltung des Gesundheitswesens. Personal, dass sich auch mal mit öÖkonomie auseinandersetzt- und sei es nur ansatzweise.

Elisabeth

Superfantastisch
20.12.2005, 02:24
Ergänzung zu Fridolins Liste

- Personal, dass sich dem Wohl des Hauses verpflichtet fühlt und nicht nur dem Wohlergehen der eigenen Station. Personal, das auch bereit ist kompromislos auf anderen Stationen zu arbeiten, wenn dort Not am Mann ist.


wobei der punkt allerdings nix mit privatisierung zu tun hat. ist bei uns schon jetzt so - in nicht privater trägerschaft :motz:

WomBat
20.12.2005, 19:22
AUUUAAAAA! Auf keinen Fall wollte ich den Eindruck erwecken, dass nichts (aber auch gar nichts!) verändert werden darf oder soll. Dafür bin ich zu
l-a-n-g-e in der Pflege. Es gab und gibt immer noch Eniges, was ich nicht befürworten kann. Die Liste würde zu l-a-n-g-e werden, sollte ich meine gesamte Kritik hier loswerden wollen.

Es gibt Systemfehler (Management), es gibt Prozedurale Fehler (Personal), es gibt Ergebnis Fehler (hmmm, was oder wer wohl dahinter steckt?)

Wenn Pflege nirgends abgebildet, erklärt, erläutert, begründet usw. wird (oder werden kann), dann sehe ich große Probleme für diese gesellschaftlich notwendig "Dienstleistung".
Was wir nicht gebrauchen können sind z .B. Finanzierungsprobleme der Ausbildung (incl. Fort und Weiterbildung), Stellenabbau, z.T. niedrige Bezahlung (manche nennen das auch schlicht "Anerkennung"), ach so, habe vergessen zu erklären wer "wir" ist. Damit meine ich Alle in dieser Gesellschaft, die heute oder morgen Pflege brauchen. Weiter: schlecht besetzte Schichten, schlecht qualifiziertes Hilfspersonal und das noch ohne Plan, was die von den qualifizierten unterscheiden soll....
Pflegende mit Job-Mentalität, Pflegende ohne Fach-Sach-Sozial oder sonstige notwendige Kompetenzen (manche nennen dieses auch "Schlüsselqualifikation", nun ja, ich streite mich nicht über dieses oder jenes Wort). Für heute reicht diese Liste.

Privatisierung ist per se nicht zu verdammen, lediglich das Problem "Geld" (wer was von Pflege wieviel kriegt in "schlechten Systemen") bei denen, die einspurig (Geld) denken. Fatal wird das wenn die Pflege sprachlos (stumm-averbal- apahsisch) bleibt, d.h. eine Pflege, die nicht sagen kann, und sich bisher noch selten traut zu sagen, für was Pflege eigentlich gut ist.

Gute Bedingungen für Patienten können in privaten, staatlichen, kirchlichen usw. Krankenhäuser herrschen. Genauso gilt dieses für schlechte Bedingungen. Ach, noch eine Erweiterung: überhaupt "gesundheitliche" Versorgung, damit meine ich alle notwendigen Berufsgruppen in Takt, damit das auch alles Klappt. Mit der Gesundung und so.

Stell Dir vor, Du bist krank, und alle denken nur an Dein Geldbeutel.

WomBat, wieso verdient eigentlich ein Flugbegleiter so gut? (Natürlich sind Flugbegleiterinnen auch gemeint)

fridolin
20.12.2005, 19:31
Lieber HHE, liebes Forum,
hier spiele ich einmal den Dolmetscher für die Rhön - AG:
".... Zukunftssicherung des Krankenhauses bei Übernahme / Investitionen
Mitarbeiterübernahme, Haustarifverträge, Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter..."
Übersetzung:
Nicht das KH schließen, aber nicht profitable Abteilungen entfernen, Mitarbeiterübernahme, um eine Auswahl zu haben, Haustarifvertrag = Bezahlung unter dem TVöD und Wegfall sozialer Komponenten, Erfolgsbeteiligunmg der Mitarbeiter heißt: einige wenige verdienen mehr(s. u.; die Bemerkung gegen die Personal- und Betriebsräte deren Pflicht es ist, gegen die Privatisierung zu kämpfen) - die Mehrheit der Mitarbeiter verdient weniger.
Weine Ironie sind die netten Worte bei genauer Beobachtung doch....
Wenn schon ein privates KH, dann sollte die GmbH einem kommunalen Träger haben, ansonsten - ohweh oweh ohwei.........
fridolin
mit traurigen Grüßen

Ambu das Beuteltier
20.12.2005, 21:42
Hey all,

der nette Herr Rhön-Klinikum gibt klar vor das in den von ihm geführten Kliniken die Personalquote bei 50% zu liegen hat.

Durchschnitt ist in deutschen Kliniken derzeit 70-80%.

Noch Fragen?

PS: Wir sprechen hier von den Ausgaben für Personal!

Gruß, T.

:streik:

Ambu das Beuteltier
20.12.2005, 23:38
Immerhin, die Kurse der Rhön Kliniken sind in den letzten Tagen nicht gerade nach oben geschnellt.
Die Analysten raten dennoch die Aktie zu halten,
ich frage mich was wir als Fachanalysten raten sollten...

Gruß, T.

arnold kaltwasser
21.12.2005, 07:25
Wenn die Pflege Geld hätte, dann würde ich jetzt vorschlagen:
Kaufen, Kaufen, Kaufen, Kaufen, Kaufen, Kaufen bis es uns gehört

;)

mit kollegialien und freundliche Grüßen aus Reutlingen

der ex Gießener arnold

Hanno H. Endres
21.12.2005, 14:06
der nette Herr Rhön-Klinikum gibt klar vor das in den von ihm geführten Kliniken die Personalquote bei 50% zu liegen hat.

Durchschnitt ist in deutschen Kliniken derzeit 70-80%.


Quelle? :D

Anyway:

Aktuell gehören zum RHÖN-KLINIKUM Konzern 41 Kliniken mit 12.222 Betten/Plätzen an 33 Standorten. In den ersten neun Monaten 2005 wurden insgesamt 729.522 Patienten in den Konzerneinrichtungen behandelt. Die Finanzstrukturen des Konzerns gelten als stabil und gesund. Am 30. September 2005 waren im Konzern 21.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Macht etwa 517 Mitarbeiter / Klinik bzw. 1,7 Mitarbeiter / Bett.

Wenn ich das mit den offiziellen Zahlen an meiner Klinik (http://medweb.uni-muenster.de/allgemein/ueberuns/index.php) vergleiche, komme ich auf 5 Mitarbeiter / Bett (7.500 / 1.500).

OK, da ist sicher noch der ein oder andere Forscher dabei, aber selbst wenn ich alle 1.300 beschäftigten Ärzte abziehe, komme ich immer noch auf einen Schnitt von 4.

Vielleicht ist der Personalschlüssel gerade das wirtschaftliche Erfolgsrezept der Rhön Klinikum AG?!

...,

hhe

Ambu das Beuteltier
21.12.2005, 15:57
Hey mate,

ich schrieb von der finanziellen Quote, gemessen an den Gesamtausgaben einer Klinik, nicht von Stellenschlüsseln, das interessiert die dort weniger...

Quelle ist der Bericht eines Herren von Verdi der schon häufiger mit Kliniken, die durch den Herrn Rhön-Klinikum umgewandelt wurden, befasst war!


Hey Arnold,
hätten alle Beschäftigten mal eben jeweils den Klacks von 11200 Euronen auf den Tisch geworfen, hätten wir den Kaufpreis beisammen gehabt!
Hatte nur keiner rumliegen so kurz vor Weihnachten...
Gruß, T.

zwai
24.12.2005, 13:28
Wertes Forum.

Der 'Spiegel' hat mit Herrn Rhön-Klinikum über die Vereinbarkeit von Gewinnstreben auf der einen und der Freiheit von Forschung und Lehre auf der anderen Seite gesprochen. Sei alles kein Problem.
Rhön hat sich so populäre Themen wie 'Krebs' und 'Vogelgrippe' auf die Fahnen geschrieben.

Ach übrigens:
Doch wir hoffen durchaus, dass ein von uns geführtes Uniklinikum automatisch auch die in unseren Augen richtigen Leute anziehen wird.

Mehr bei Spiegel Online:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,391928,00.html

WomBat
26.12.2005, 19:12
Beide Themen sind sicherlich Themen, mit denen man/frau sich beschäftigen muss.

Neben anderen Themen. Muss mal nachdenken, welche dazu gehören könnten.

WomBat, nachdenklich(er)

Hanno H. Endres
29.01.2006, 16:23
Bundeskartellamt gibt grünes Licht für Privatisierung einer Uniklinik

Das Bundeskartellamt hat keine Bedenken gegen die Übernahme der Universitätsklinik Gießen-Marburg durch den privaten Krankenhaus-Betreiber Rhön-Klinikum.

Wie das hessische Wissenschaftsministerium mitteilte, gibt es keine wettbewerbsrechtlichen Einwände, da das Unternehmen in Mittelhessen bisher keine Krankenhäuser betreibt. Minister Corts meinte, damit sei man auf dem Weg zur ersten Privatisierung eines Universitätsklinikums in Deutschland einen wichtigen Schritt vorangekommen.
Freitag, 27. Januar 2006 17:00 Uhr


-> http://www.dradio.de/nachrichten/200601271700/4

zwai
02.05.2006, 15:55
Pressemitteilung McKinsey

McKinsey: Krankenhausreform weitgehend ausgereizt /
Neue Studie: Fallpauschalen bringen jede dritte Klinik in Bedrängnis - größte Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte

02.05.2006 - 11:00 Uhr, McKinsey&Company

Frankfurt (ots) - Trotz intensiver Sanierungsanstrengungen, erfolgreicher Privatisierungen und einer deutlich verbesserten Wettbewerbsfähigkeit werden viele deutsche Krankenhäuser nicht kostendeckend arbeiten können. Dies betrifft nach neuen Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey & Company etwa ein Drittel der Kliniken. Sie sind selbst angesichts eines teils massiven Bettenabbaus, Umstrukturierung und verbesserter Abläufe auf absehbare Zeit nicht in der Lage, wirtschaftlich zu arbeiten.

Damit steht der deutschen Krankenhauslandschaft ein weiterer drastischer Umbau bevor - mit zusätzlichen Schließungen oder neuen Zusammenschlüssen und zunehmender Spezialisierung.

Hintergrund ist die schrittweise Umstellung der Vergütung von der Einzelleistungserstattung auf einheitliche Honorare für Behandlungen zunächst auf Landesebene bis spätestens 2009. Mit 27 Prozent sind die Kliniken der größte Kostenblock im deutschen Gesundheitssystem.

Deshalb sollen sie durch Fallpauschalen gezwungen werden, ihre Ausgaben erheblich zu senken und damit einen wirkungsvollen Beitrag zur Gesundheitsreform zu leisten. "Die deutschen Krankenhäuser stehen
vor der größten Herausforderung der Nachkriegszeit", sagte McKinsey-Direktor Rainer Salfeld am Dienstag bei der Vorstellung der Studie "Perspektiven der Krankenhausversorgung in Deutschland".

Die laufende flächendeckende Einführung von Fallpauschalen erfordert weitere Kostenreduktionen von schätzungsweise fünf Milliarden Euro.

Viele Kliniken hätten bereits große Anstrengungen unternommen, ihre Kosten den neuen Umständen anzupassen. Ob es aber den weniger effizienten Krankenhäusern gelinge, Einsparpotenziale zu heben, sei fraglich.

Der McKinsey-Studie liegt eine Analyse von rund 1.600 Akutkrankenhäusern in Deutschland zu Grunde. Danach drohen knapp 600 zu Verlierern des neuen Preissystems zu werden. Sie repräsentieren zurzeit 41 Prozent aller Behandlungsfälle in deutschen Krankenhäusern und mehr als 45 Prozent der Gesamtkosten dieses Sektors.

Lean Management im Krankenhaus

In den vergangenen Jahren haben laut McKinsey viele deutsche Krankenhäuser bereits erhebliche Produktivitätsfortschritte erzielt.
So kommen in den besten Kliniken rein rechnerisch auf jeden Angestellten 80 Patienten. In weniger leistungsfähigen Häusern liegt dieses Verhältnis bei 1 zu 21. Vorbilder für effizienteres Arbeiten haben Krankenhausmanager auch außerhalb ihrer Branche gefunden.

So entwickelte McKinsey in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche einen Lean-Management-Ansatz für die Universitätsklinik Freiburg, der aus dem Automobilbau stammt. Im Mittelpunkt stehen dabei patientenzentrierte Abläufe statt eines starren Abteilungsdenkens.

Klinische Behandlungspfade legen die Prozesse für den Ablauf des stationären Aufenthalts fest und erhöhen dadurch die Transparenz für alle Beteiligten. Dies führt in der Regel zu kürzeren Verweildauern, einer besseren Planung der Arbeitsabläufe auf den Stationen, weniger Bürokratie und dem Wegfall unnötiger und teurer Leistungen.

Größe ist keine Voraussetzung für Erfolg

Zunehmend beginnen die Krankenhäuser, ihre Strukturen zu verändern. Allein zwischen 2000 und 2004 sind in Deutschland rund 28.000 Krankenhausbetten abgebaut worden. Dies entspricht fünf Prozent der noch im Jahr 2000 vorhandenen Bettenkapazität. Kleine Häuser wirtschaften schon vielfach erfolgreicher als große Kliniken.

Gründe dafür sind nach Angaben von McKinsey die geringere Komplexität
und eine niedrige Zahl an Fachabteilungen. "Die Regel, wonach ein Krankenhaus besser arbeitet, je größer es ist, hat längst ausgedient", so Salfeld.

Beste Zukunftsaussichten haben nach Einschätzung von McKinsey heute spezialisierte Kliniken mit bis zu drei Fachrichtungen und rund 150 Betten, Allgemeinkrankenhäuser mit einem breiten Leistungsspektrum und 200 bis 400 Betten sowie Häuser der Schwerpunkt- und Maximalversorgung mit 500 bis 700 Betten. Diese versorgen inzwischen bis zu 40.000 Patienten im Jahr. In den 90er Jahren waren dazu mehr als 1.000 Betten nötig.

Moderne Kliniken benötigen heute immer weniger Raum. Sie kalkulieren mit 45 bis 50 Quadratmetern je Bett. Im Durchschnitt sind es in Deutschland jedoch noch 80 Quadratmeter. Immer mehr Häuser setzen außerdem auf Verbundstrukturen, um Synergien zu schaffen. Netzwerke stärken die Verhandlungsposition bei Vertragsverhandlungen und fördern den Wissenstransfer.

Wirtschaftlich erfolgreiche Krankenhäuser nutzen konsequent die gesetzlichen Möglichkeiten von integrierten Versorgungsverträgen. So vermeiden sie Mehrfachbehandlungen und unnötigen Leistungskonsum.

Dennoch wird das Potenzial der integrierten Patientenversorgung nicht voll ausgeschöpft. Oft scheitert das Modell an einer unzureichenden Finanzierung sowie am erheblichen Verwaltungsaufwand.

Druck der Träger nimmt zu

Sogar im internationalen Vergleich stehen nach den Ergebnissen der McKinsey-Untersuchung die deutschen Kliniken inzwischen überraschend gut da. "Sie erweisen sich", so McKinsey-Experte Salfeld, "als überdurchschnittlich effizient und stehen für hohe Versorgungsqualität."

Die Umstellung auf das neue Abrechnungssystem hat den Übergang der
Kostenverantwortung von Krankenkassen zu den Trägern zur Folge. Diese
fordern verstärkt wirtschaftliches Arbeiten und Abbau von Produktivitätsrückständen. Allerdings warnt McKinsey vor übertriebenen Hoffnungen. "Selbst weitere Verbesserungen helfen nicht, die grundsätzliche Unterfinanzierung des deutschen Gesundheitssystems zu beseitigen", sagte Rainer Salfeld. Aus diesem Grund gelte es auch für andere Bereiche, einen Beitrag zu leisten, um das Gesundheitswesen als Ganzes zu stabilisieren.

http://www.mckinsey.de

zwai
16.08.2006, 17:23
Letzte Woche Dienstag zwischen 21.45 und 22.10 Uhr Langeweile gehabt?
Kein Wunder, schließlich befand sich unsere, meistens ihrem Namen gerecht werdende Rubrik "Der tagesaktuelle TV-Tipp" im Sommerurlaub.

Ansonsten hätte ein Hinweis auf die WDR-Reportage "Der letzte Patient - Ein Krankenhaus verschwindet" 25 nicht vergeudete Minuten bedeuten können.
Der Film dokumentiert die letzten Tage des Essener Bethesda-Krankenhauses, das zum 30. Juni 2006 nach Gehaltskürzungen und drei Sozialplänen geschlossen worden ist. >>> zum Programmtipp bei lernzeit.de >>> (http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=764700)

Neben unzähligen angebrochenen Medikamentenschachteln hat das Bethesda-Krankenhaus noch etwas hinterlassen: die Internetpräsenz www.bethesda-essen.de (http://www.bethesda-essen.de/). (hhe)

Groha
16.08.2006, 18:01
Wenn man auf Stellen klickt kann man sich auf eine Assistenzstelle in der Anästhesie bewerben. :confused:

Find ich sehr makaber.

Grüße Groha

fridolin
16.08.2006, 21:07
Hallo, @all,
ich habe den Filmbericht gesehen und finde bewundernswert, dass es noch KollgeInnen gibt, die die Aufräum- Ausräumarbeiten noch mit Humor und Engagement (zumindest die im Bericht gezeigten KollegInnen) erledigt haben.
Großes Lob an die Pflege.
Schade nur, dass noch viele Krankenhäuser folgen werden - nun noch aufgrund des Ärzte-Streiks beschleunigt... :duck:
Viele liebe Grüße
der die Ärzte nicht mehr verstehende fridolin

WomBat
16.08.2006, 22:30
ähhhhh, ich bin dafür,
dass die Zeit gekommen ist,
den Titel (hier) evtl. anzupassen.

Vorschläge vom Vorum? Ich mein Votum vom Forum.

WomBat

Mein Vorschlag: Krankenhausleichen, nein, streichen!
Krankenhaussterben und Schon Tote?

Im Ernst, vielleicht eine Website mit entsprechenden Trauer-Daten? Gedenktafeln? Errinnerungsfotos? In 10 Jahre ist alles vergessen. Siehe Orwell. Wenn dann (warum auch immer) eine neue Klinik "aufmacht´", dann schreibt die Bildzeitung "Hurrah, endlich die höchste Klinikzahl den je zuvor erreicht!" Und alle glauben es.

Verzeihung, bin wohl heute nicht gut drauf. Es ist sehr traurig.

R.Fischer
17.08.2006, 08:04
Ist doch eigentlich keine schlechte Idee der Regierung:
weniger Krankenhäuser = sicher auf Dauer weniger Rentenempfänger (weitere Transportwege = schlechtere Überlebenschancen).
Damit sind 2 Kostenerzeuger mit einer Klappe....

Auweiahweiahweiah:schock:

Holger Beuse
17.08.2006, 21:18
Hallo WomBat.
Wertes Forum.
vielleicht eine Website mit entsprechenden Trauer-Daten?
Weiter oben im Thread, am 23.12.04, hat Kollege Allgeier schon was verlinkt:
http://www.kliniksterben.de/

In mourning,
HolBeu

fridolin
25.08.2006, 11:07
Hi, @all,
klasse Link, fehlt nur noch die Trauermusik.
Viele liebe Grüße
fridolin

P.S.: Zur Finanzierung der Seite wären Werbeanzeigen der "Krankenhaustotengräber" (=Ärzte) angebracht.

WomBat
28.08.2006, 21:54
Danke, HolBeu, guter (aber trauriger) Link...

WomBat, geht jetzt Karten kaufen...viele...

fridolin
04.10.2006, 12:12
Und hier kommt sie - die ultimative Webseite gegen die Gesundheitsreform:
http://www.kliniken-in-not.de

Leider auch bereits inhaltlich an einigen Stellen falsch - wir können den Patienten seit Jahren nur noch gestrestes Personal bieten - aber interessant gemacht mit netter Grafik...
Warum nur meinen die Politiker, sie könnten alles besser und ohne auf das Fachwissen der vor Ort arbeitenden Bevölkerung zurück greifen zu müssen?

Richtig ist, die durchschnittlcih dramatische finanzielle Lage der Kliniken - aber Ärzte verdienen, was sie nicht verdienen (bis zu 2300,00 € pro Manat mehr lt. Tarifvertrag Marburger Bund).
Viele liebe Grüße
der am System (ver-)zwaifelnde fridolin

Randbayer
08.10.2006, 16:53
Hallo Leute!

Hier in diesem Thread wird kräftig über das Thema Krankenhaussterben und dessen Konsequenzen für die Mitarbeiter diskutiert. Hauptaugenmerke fallen immer wieder auf Entlassungen und Arbeitsverdichtung durch Reduktion der Personaldecke.
An dieser Stelle eine Gegenfrage:

Wie hat sich die Arbeitsverdichtung bzw. Arbeitsaufwand (immer mehr Schwerkranke und höhere Bettenbelegung) auf Intensivstationen in größeren Kliniken (Kliniken der Schwerpunkt- und Maximalversorgung) entwickelt?

Kurze Erläuterung warum ich diese Frage stelle. Ich arbeite in einer Klinik am Rande des Rhein-Main-Gebiets, Bettenzahl knapp 700, unser Einzuggebiet, für das es gebaut wurde ca 220 000 Einwohner. Wie gesagt am Rande des Rhein-Main-Gebiets mit einigen großen Kliniken, aber auch wiederum am Rande des Waldes (nicht nur die Lage sondern auch der östlichen Region). Im Umkreis östlich, wie südlich, sind einige kleinere Kliniken, welche zum Teil zusammen geschlossen wurden oder von einem privaten Investor, dessen Name bereits mehrfach in diesem Thread genannt wurde, übernommen worden sind. Die Konsequenz, die Zusammenlegung hatte zur Folge das Abteilungen und somit Versorgungsbereiche geschlossen oder reduziert wurden, auf der anderen Seite eine gewisse Spezialierung einzelner Bereiche ergab(natürlich nur kosteneffiziente Disziplinen, wie man das halt von privaten Investoren her kennt). Somit hat sich unser Einzugsgebiet auf weitere 2 Landkreise indirekt erweitert.
Nun meine Beobachtung seit dem diese Prozeße begonnen haben. Wir sind eine operative 10 Bettenstation (2 weiter ITS mit den Schwerpunkten Innere Medizin und Neurologie und Neurochirurgie) mit 9 Beatmungsplätzen. Bisher hatten wir einen jährliche Belegung von 83-93% (So der Schnitt der letzten 5 Jahre). Doch dieses Jahr ist es extrem, wir haben zur Zeit eine fast 100%ige Auslastung. Es werden immer mehr Schwerstkranke bei uns aufgenommen und behandelt, die sehr arbeitsintensiv sind. Es kommt immer wieder vor das OP´s abgestzt werden weil keine Kapazitäten bei uns auf Station frei sind, bzw. müssen Patienten verlegen die als Jojo-zurückkommen. Schaut man sich die Herkunft der Patienten an, stellt man fest das es mittlerweile einige Patienten sind die aus dem Zuständigkeitbereich der anderen Kliniken kommen.

Ist dieser Trend in anderen größeren Kliniken ebenfalls zu beobachten?:confused:

Gruß der Randbayer

WomBat
08.10.2006, 22:26
Hallo Randbayer,

ich glaube, darum ging es, geht es und wird es weiterhin gehen.
Hammer trifft Nagel.

WomBat

arnold kaltwasser
18.10.2006, 16:11
so kann es auch gehen;-)))

http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/10/17/185a0202.asp?cat=/news

so long arnold

Tempo
18.10.2006, 18:00
Dann brauchen wir in den OP's wohl bald Springer für externe Aufgaben...!
Traurig, worauf wir zugehen!

Randbayer
18.10.2006, 18:27
Ich denk da ehr an eine Kooperation mit einer Baumarktkette. Ist mit Sicherheit eine Maßnahme Op-Säle bzw .Kliniken vor dem finanziellen Ruin zu bewahren.
Bsp.: OBI-Saal, Hornbach-Saal oder bauhaus-Saal ...

Wie es in ähnlicher Weise in unseren Hochschulen Einzug gefunden hat.

Aldi-Hörsaal (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID5997568_REF1,00.html)


Gruß der EDEKA-Randbayer

Randbayer
05.11.2006, 11:26
Auch eine Möglichkeit kleine Krankenhäuser vor dem Verkauf bzw. der Schließung zu retten.

Bürger kaufen ihr Krankenhaus (http://www.wdr.de/themen/gesundheit/gesundheitswesen/buergerkrankenhaus/index.jhtml)

Meldung auf wdr.de vom 04.11.2006

Gruß der Randbayer