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Vollständige Version anzeigen : Cuffdruck zur Mundpflege erhöhen ?


prometheus
27.05.2008, 10:10
Hallo zusammen !

Habe irgendwann mal gelernt, dass man zur Mundpflege bei einem intubierten Patienten den Cuffdruck vorübergehend erhöhen sollte.

Meine Frage: Ist das noch so gültig ?

...oder gibt es da vielleicht neuere Erkenntnisse?

Wenn es noch so gültig ist, gibt es irgendwelche Angaben welcher erhöhte Druck hier legitim ist? Habe dazu leider nichts finden können.

Danke !

VG prometheus

topolina
27.05.2008, 10:32
Hallo!
Ja, wir machen das immer noch so. Aber auch nicht immer. Das ist auch die Empfehlung von unserem Hygienebeauftragten. Ich frag Dir den mal und komm mit der Antwort in ein paar Tagen wieder. O.K. Kurze hohe Drücke am Cuff (100 mmHG) sind sicher legitim. Wir hatten da auch noch nie ein Problem. Ich kenne auch Stationen wo sie einmal den Cuff am Tag zum Absaugen entblocken und das Sekret, dass sich oberhalb vom Cuff sammelt heraus zu bekommen.

GLG Topo

arnold kaltwasser
27.05.2008, 10:58
Hallo!
... Ich kenne auch Stationen wo sie einmal den Cuff am Tag zum Absaugen entblocken und das Sekret, dass sich oberhalb vom Cuff sammelt heraus zu bekommen.
GLG Topo
und das bitte lassen...sondern besser mit tubus und subglott. spülung...

siehe
http://forum.zwai.net/showthread.php?t=341&highlight=subglottische
so long arnold

topolina
27.05.2008, 11:41
Hallo!

Ich weiß eh, dass das so nicht sein sollte. :schock: Subglottisch ist viel besser.....
Weißt Du, im Land der Schluchtenscheisser läuft manchmal die Uhr ein wenig nach.... :hihi: :(
Lg

FKPD
27.05.2008, 23:06
IMHO sollte der Druck richtig hoch sein. Lieber 150 als nur 100.
In den 60 Sekunden, in denen du die MP durchführst, wird da wohl (hoffentlich) kein Dekubitus entstehen. Im besten Fall: Grad die Tubuslage mit verändern.

Entblocken zum "pseudosubglottischen Absaugen" find ich :vomitus:

Also: - Hochblocken - Schmodder entfernen - nasal und oral absaugen - Tubuslage ändern - runterblocken

Elisabeth
28.05.2008, 08:59
Ich finde immer wieder interessant, wie man unterhalb des Kehlkopfes/ oberhalb des Cuffs stehendes Sekret ohne Hilfsmittel absaugen kann. Vielleicht kann mir das ja jemand erklären.

Beim extremen Hochblocken habe ich schon erlebt, dass der Cuff sich nach unten ausgedehnt hat und damit den Atemweg verlegt hat. Hier mit Druckangaben zu arbeiten finde ich schwierig.

Elisabeth

arnold kaltwasser
28.05.2008, 09:19
Hallo Elisabeth,
sehe ich auch so...
Kenne auch keine Untersuchung hierzu und eine qualifizierte Aussage eines Intensivmed. bewanderten HNO Arztes ebensowenig...

Mal wieder etwas für jungen Pflegewissenschaftler...
so long arnold

PS oder hat Wombat etwas im www herumschwirren;)

FKPD
28.05.2008, 11:50
Beim extremen Hochblocken habe ich schon erlebt, dass der Cuff sich nach unten ausgedehnt hat und damit den Atemweg verlegt hat. Hier mit Druckangaben zu arbeiten finde ich schwierig.

Naja. Nehmen wir die 100mmHg als "Standard". Sollte sich dabei eine sog. Cuffhernie bilden und den Tubus blockieren, kann man immer noch runterblocken (...und in der Konsequenz über eine Umintubation wegen Materialschwäche nachdenken)

Elisabeth
28.05.2008, 19:52
Kenne auch keine Untersuchung hierzu und eine qualifizierte Aussage eines Intensivmed. bewanderten HNO Arztes ebensowenig...


Und solange mir das keiner erklären kann, werde ich weiter den Cuff entblocken um den "Schmodder" darüber zu entfernen. Die Keimbelastung ist eh vorhanden durch die "Miniaspirationen" neben dem geblockten Cuff.

Elisabeth (diesmal etwas altmodisch)

PS @Wombat- wenn du etwas findest, denkst du an meinen mangelnden Englischkenntnisse. *ggg*

arnold kaltwasser
29.05.2008, 08:52
Hallo Elisabeth,
es geht hier um zwei verschiedene Dinge!
Cuffdruck hochblocken ja aber wie ist ungeklärt...

Entblocken um das Sekret oberhalb des Cuffs zu entfernen meiner Meinung nach eindeutig ein Pflegefehler:-o

siehe bitte

http://forum.zwai.net/showthread.php...=subglottische

so long arnold

Elisabeth
29.05.2008, 09:55
Dann Wiederholung der Frage:

Ich finde immer wieder interessant, wie man unterhalb des Kehlkopfes/ oberhalb des Cuffs stehendes Sekret ohne Hilfsmittel absaugen kann. Vielleicht kann mir das ja jemand erklären.

Elisabeth

Tobias
29.05.2008, 11:05
HI ED,
zu Deiner Frage: ohne Hilfsmittel geht es nicht, bzw. an welche Hilfsmittel denkst Du eigentlich!?

Back to topic: ich mach es auch so,zur Mundpflege überblocken und dann wieder den Cuffdruck senken.

Was ist eigentlich wenn ein Mircocufftubus verwendet wird?? Dann ist es doch nicht mehr nötig, da der Cuff ja dicht sein sollte!?

LG Tobias

arnold kaltwasser
29.05.2008, 11:48
HI ED,
...
Was ist eigentlich wenn ein Mircocufftubus verwendet wird?? Dann ist es doch nicht mehr nötig, da der Cuff ja dicht sein sollte!?
LG Tobias
so ist es...merkt man auch am erhöhten Abfluß von Sekret aus dem Mund...


Back to topic: ....LG Tobias
Bitte ;)
arnold

Elisabeth
30.05.2008, 11:59
@Tobias- außer dem sehr teuren (und deshalb nicht eingekauften?) Tubus mit Spülungsmöglichkeit ist mir nichts bekannt. Selbst da halte ich es für fraglich, ob da wirklich alles rausgespült wird oder ob es nicht lediglich eine "Fassadenkosmetik" ist.

Elisabeth (bisher nicht überzeugt)

arnold kaltwasser
30.05.2008, 12:50
@Tobias- außer dem sehr teuren (und deshalb nicht eingekauften?) Tubus mit Spülungsmöglichkeit ist mir nichts bekannt. Selbst da halte ich es für fraglich, ob da wirklich alles rausgespült wird oder ob es nicht lediglich eine "Fassadenkosmetik" ist.

Elisabeth (bisher nicht überzeugt)

teuer ist relativ...ne Pneumonie wäre noch teurer...

aber das alles steht schon bei
http://forum.zwai.net/showthread.php...=subglottische

hier geht es Hochblocken des Cuffs;)
so long

WomBat
30.05.2008, 19:59
Kein leichtes Thema, ich denke, wir brauchen dringend klinische / „praktische“ Intensivpflegeforschung…!!!

Zitat FKPD
„und in der Konsequenz über eine Umintubation wegen Materialschwäche nachdenken“
Das stimmt mich nachdenklich. Sowohl die 100 ml wie die Umintubation. Kann das einem Menschen zugemutet werden, gerade so? Wenn wir nicht genau wissen, welche Konsequenzen der Pat. tragen muss? FKPD, ich gebe Dir darin recht, dass wir etwas tun müssen, die Frage ist nur „Was?“


Bis ca. Ende der 90iger fanden wir in deutschsprachiger Pflegeliteratur Hinweise auf „Entblocken – Absaugen – Blocken“! ! ! oder „noch mehr Blocken – Spülen- Absaugen – Blockung zurück auf Norm, sagen wir mal ca. 20mmHg plus minus ein Paar mmHg). Bei ca. 30 mmHg wird der Blutfluss in den Kapillargefäßen der zarten Trachealschleimhaut mehr oder weniger gestoppt. (Was passiert in 60 Sekunden bei 100 mmHg mit der Perfusion?)
Pflege als Rezepte Küche?
Was ist die beste Methode um die Jammer-Ecke korrekt zu „pflegen“? (ohne spezial Tubus, meine ich). Ich habe bisher noch nichts Eindeutiges gefunden.
Artikel, die sich mit speziellen Tuben befassen (wie Hi Lo Evac usw.) gibt es viele. Aber nicht jedes Krankenhaus hat diese Tuben! Es gibt auch Gegenstimmen, siehe Artikel ganz unten.

Viele Arbeiten zum Thema Absaugen oder VAP (vent. assoc. Pneumonia) Prophylaxe sagen aus, dass Sekrete (grundsätzlich) vor Entblocken des Cuffs abgesaugt werden müssen. „CDC recommends that before an endotracheal tube cuff is deflated or an endotracheal tube is repositioned, the area above the cuff should be suctioned.” CDC empfiehlt: bevor der Cuff entblockt wird oder ein ET re-positioniert wird, sollte über dem Cuff abgesaugt werden. Elisabeth, ergo vor dem Entblocken absaugen - oberhalb, ergo oral nach - wo wie halt hinkommen, so blind....

Vielleicht ist es sinnvoller, wenn das interdiszi Team sich das Ziel setzt, Beatmung (mit allem drum and dran) so kurz wie möglich zu halten, alle Präventionsmöglichkeiten ausschöpft sowie NIV bedarfsgerecht zu nutzen. So lange diese Frage nicht eindeutig geklärt ist, tappe ich (zumindest) noch im dunkeln Bereich herum. (Übrigens, meine Höhle hat Licht, und trotzdem bleibt das Thema für mich eher schleierhaft).

Artikel und Links:
z.B. http://nursingspectrum.netstation.us/ce404.pdf
z.B. Nurses implementation of guidelines for ventilator-associated pneumonia from the centers for disease control and prevention. Broome, Lisa, 2007, AJCC http://www.thefreelibrary.com/_/print/PrintArticle.aspx?id=157587491
z.B. A review of the possible role of oral and dental colonization on the occurrence of health care-associated pneumonia: Underappreciated risk and a call for interventions
American Journal of Infection Control, Volume 33 ,Issue 9 , Pages 527 - 541 R Garcia
z.B. Changes in care help eliminate ventilator-associated pneumonia at Alamance Regional Medical Center Sandy Keefe, MSN, RN
http://respiratory-care-manager.advanceweb.com/editorial/content/editorial.aspx?cc=70618
z.B. http://www.blackwellpublishing.com/aphmeeting/abstract.asp?MeetingID=740&id=48968
VENTILATOR-ASSOCIATED PNEUMONIA Abstract number: s14, Krger, W.
z.B. Smulders, K., et al. (2002). A randomized clinical trial of intermittent subglottic secretion drainage in patients receiving mechanical ventilation. Chest, 121(3), 858.
z.B. Alison Ruffell, Lenka Adamcova (2008) Ventilator-associated pneumonia: prevention is better than cure, Nursing in Critical Care 13 (1) , 44–53 doi:10.1111/j.1478-5153.2007.00248.x
http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/j.1478-5153.2007.00248.x
z.B. http://ajcc.aacnjournals.org/cgi/content/full/11/2/141

American Journal of Critical Care. 2002;11: 141-149
Bacterial Growth in Secretions and on Suctioning Equipment of Orally Intubated Patients: A Pilot Study, Mary Lou Sole, RN, PhD, CCRN
Gegen sublottisches Absaugen spricht:

z.B. Do not suction above the cuff *. (Editorial)
Critical Care Medicine. 32(10):2160-2162, October 2004.
van Saene, H K. F.; Ashworth, M; Petros, A J.; Sanchez, M; de la Cal, M A.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15483436
oder
http://www.ccmjournal.com/pt/re/ccm/abstract.00003246-200410000-00033.htm;jsessionid=L9ccSxjWpRJqqLSmTnF2LZvKWKQGC v7r6v1S7vbmtgnhJrXJ7hKv!195308708!181195628!8091!-1
Leider ist dieser Artikel nicht “frei”.

WomBat, grüßt das Forum! Leider ohne konkrete Antwort auf die brennende Frage

PS bin mit Arnold, eine Pneumonie ist verdammt teuer (nicht nur in Euro gemessen)

Elisabeth
31.05.2008, 10:38
Vielleicht ist es sinnvoller, wenn das interdiszi Team sich das Ziel setzt, Beatmung (mit allem drum and dran) so kurz wie möglich zu halten, alle Präventionsmöglichkeiten ausschöpft sowie NIV bedarfsgerecht zu nutzen.

Arbeite derzeit in einem Bereich, in dem es Heimbeatmungspat. gibt. Ergo: Trachealkanüle verbleibt. Da wird das Thema dann schon interessant- sowohl Jammerecke als auch Hochblocken.

Ich finde das maximale Hochblocken eher kontraindiziert. Es garantiert keine absolute Sicherheit bezüglich einer Aspiration... eben weil es die Jammerecke unterhalb des Kehlkopfdeckels gibt.

Elisabeth

Elisabeth