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Vollständige Version anzeigen : Billigpflege


Tempo
07.08.2007, 10:24
Nun ist es also soweit! Der erste Billigpfleger etabliert sich am Pflegemarkt!
Das wird mittelfristig Auswirkungen für uns alle haben...!

http://www.welt.de/politik/article1076071/McPflege_bietet_Versorgung_zum_Billig-Tarif.html?r=RSS

Elisabeth
07.08.2007, 11:06
Wem sagste das? Aber da müssen wir nun erst mal eine Presseerklärung abgeben, Kongresse veranstalten, einen Termin mit der Gesundheitsministerin machen, in den Verbänden Überzeugungsarbeit leisten, Bild und Co. engagieren- und alles zum Thema: ob wir das gut finden oder nicht... ob das überhaupt so schlimm ist... wenn das überhaupt betreffen könnte... in welchem Zeitraum die Übernahme eintreten könnte... das der Mitbürger informiert werden müsste... usw., usw., usw..
Und wenn diese Aktivitäten zu einem einstimmigen Ergebnis mit entsprechender aktiver Vorgehensweise geführt haben- spricht von dem Thema schon kein Mensch mehr weil längst Tatsachen geschaffen wurden.

Elisabeth

Vita
07.08.2007, 12:38
hallöchen
ist doch schon lange so,bei uns gibts seit 2 Jahren den zweiten Arbeitsmarkt
alle neuen Kollegen bekommen c.a. 20 % weniger müssen länger arbeiten
und erstmal keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.--Ist nur ne Frage der Zeit
bis aus Polen und Russland die 1 Euro Jobber kommen,aber auch die sind längst
da,z.B. für Kurzzeitpflegen rund um die Uhr wer es sich privat leisten kann.?!
Gruß aus dem sonnigen Berlin in eine sonnige Zukunft
VITA

Anke F.
08.08.2007, 13:14
Hallo liebe KollegInnen,
die KollegInnen aus Ungarn und Tschechien werden in Bremen und Friesoythe gerade etabliert. Dort hat sich eine Anbieter Mc Pflege niedergelassen. Hier wird Betreuung rund um die Uhr, für 2 Euro die Stunde geboten, versteht sich aber nur als Ergänzung zu den hiesigen Anbietern die mit der Kasse abrechnen. Ja, ich frage mich unter welchen Bedingungen diese hier arbeiten und leben wollen, bei dem Dumpinglohn, aber das ist solchen Anbietern sicher egal.
Stand übrigens im Weserkurier letzte Woche.

LG AnkeF.

frido23
09.08.2007, 11:38
Hallo liebe KollegInnen,
die KollegInnen aus Ungarn und Tschechien werden in Bremen und Friesoythe gerade etabliert. Dort hat sich eine Anbieter Mc Pflege niedergelassen. Hier wird Betreuung rund um die Uhr, für 2 Euro die Stunde geboten, versteht sich aber nur als Ergänzung zu den hiesigen Anbietern die mit der Kasse abrechnen. Ja, ich frage mich unter welchen Bedingungen diese hier arbeiten und leben wollen, bei dem Dumpinglohn, aber das ist solchen Anbietern sicher egal.
Stand übrigens im Weserkurier letzte Woche.

LG AnkeF.

Also die wohnen bei den Patienten. Laut Anbieter geht es hauptsächlich um ergänzende Pflege die in der zeit stattfindet in der der Pflegedienst nicht da ist. es sollen die Pat. auch von den Pflegediensten vermittelt werden.

Prinzipiell nicht schlecht da die Pat. die das wollen nicht alleine sein müssen, was gut ist und nun auch nicht teuer.

Allgemein mal:
Die Kritik das die Pflegekräfte nicht so qualifiziert sind halte ich mal für ziemlich überheblich in einem Land wo die Pflege immer noch nicht an der Universität gelehrt wird, man sollte sich mal umschauen in Europa bevor man behauptet das Pflege aus Billiglohnländern schlechter sein muss.

Is nur legitim das so etwas passiert, da schließe ich mich Elisabeth an und sage das in Deutschland wieder mal gepennt wurde um entsprechende günstige Angebote zu generieren.

Grüß

frido23
09.08.2007, 11:40
Achja, kurzer Zusatz:

Hab die Infos gegoogelt...

fridolin
09.08.2007, 12:47
Mc Pflege muss das Handwerk gelegt weden, haben wir doch innerhalb Deutschlands bereits genung mit Dumpinglöhnen in der Pflege zu tun...
Viele liebe Grüße
der erboste
fridolin

Sören Lösche
09.08.2007, 13:11
Moin,
geht so richtig nach meiner Meinung nur über Mindestlohn! Ich würde nie behaupten, die Pflege in anderen Ländern ist schlecht. Das Problem ist, dass viele sagen : Pflegen kann jeder. Wir denken an professionelle Pflege. Die wird es aus anderen EU-Ländern auch nicht für 2 € geben.
Sören

frido23
09.08.2007, 13:44
Gibt's aber wie du siehst, ist aber auch alles runtergerechnet worden weil es halt auch gut populistisch ist, gerade im Sommerloch.

2€ hin 2€ her "professionelle" Pflege ist in anderen Ländern Europas nunmal billiger, oder denkst du in Ungarnbekommen die Pflegekräfte 25€ BRUTTO die Stunde??

Es wurde auch vom Betreiber nicht behauptet das die Pflegekräfte die Arbeit machen die der Pflegedienst macht.
Es wurde vielmehr gesagt das die Pat. betreut und unterstützt werden . Wenn das dann ausgebildete Pflegekräfte machen ist das ein Qualitätsvorteil gegenüber Laien oder Angehörigen die, wenn überhaupt, das in dem Umfang hier in Deutschland auch machen.

Natürlich gibt es auch Abstriche zu machen was kulturellen und sprachlichen Hintergrund betrifft, doch für die vorgesehenen Aufgaben sehe ich keine Einschränkungen.

Für die Pflegekräfte kann es ja nur gut sein wenn sie hier mehr verdienen als in Ungarn oder wo auch immer sie dann herkommen.
Ich meine, deutsche Pflegekräfte gehen ja auch häufig in die Schweiz, und das nicht wegen den Bergen und den netten aufgeschlossenen Schweizern...

Diese Diskussion ist imho ziemlich scheinheilig.

Gruß so far

Anke F.
09.08.2007, 15:30
Also die Kolleginnen von Mc Pflege wohnen bei den Kunden, d.h. Kost und Logis frei, Naturallohn oder wie? Was ist wenn die Kunden keine Zimmerchen haben? Also die Kollegen die in die Schweiz gehen können sich dort zumindestens Essen und Wohnung leisten, was ist dann mit den KollegInnen aus den osteuropäischen Ländern, bei einem vernünftigen Lohn könnten sie das hier auch. Lieber Frido, Du denkst also bei uns sind 25 € für qualifizierte Pflege brutto zu viel? Da haben andere mit gleichwertiger Ausbildung deutl. mehr.
Der der daran verdient ist der Betreiber von Mc Pflege und niemand anderes.
LG Anke

Elisabeth
09.08.2007, 16:16
Mc Pflege muss das Handwerk gelegt weden, haben wir doch innerhalb Deutschlands bereits genung mit Dumpinglöhnen in der Pflege zu tun...


Wie willst du denen denn das Handwerk legen? Es gibt in Deutschland keine pflegerischen Vorbehaltsaufgaben.

Der Markt wird bestimmt von Angebot und Nachfrage. Es besteht eine hohe Nachfrage nach billigen pflegerischen Hilfskräften. Warum auch nicht. Keiner kann sich eine 24 Stunden Betreuung in der Häuslichkeit leisten, wenn der Stundenlohn bei mehr als 2-5 € Brutto liegt- für Langsamrechner:
48-120 € pro Tag,
1440- 3600 € pro Monat
17.280- 43.200 € pro Jahr
Und da haben Oma und Opa noch nix gegesssen, noch keine Wäsche gewaschen, keine Unternehmungen gemacht.

Bleiben wir mal realistisch. Nur wenige haben das Geld. und soll für alle anderen die Massenabfertigung im Heim die Chance für den Lebensabend sein. Also ich wähle: Grundpflege von McPflege, spezielle Pflege und Beratung für McPflege zum Thema Grundpflege vom Pflegedienst meiner Wahl. Ins Heim- das ist für mich nix. Mir ist die Autonomie so wichtig

Elisabeth

frido23
09.08.2007, 16:43
@anke
Nehemn wir doch das Beispiel Spargelstecher. Will kein Deutscher machen deshalb machen es Osteuropäer zum billigen Lohen welcher für sie hoch ist. Die wohnen dann in Containern, billigen Absteigen usw. und zu allem Überfluss werden die noch nicht einmal gezwungen. Stell dir vor, die machen das freiwillig.

Wieviel Deutsche wollen denn deiner Meinung nach Oma und Opa den ganzen Tag betreuen/pflegen?? Für so einen günstigen Lohen das es sich lohnt für Oma und Opa wohl keiner...
Meinst du die Pflegekräfte werden in Ungarn verschleppt und hier zur Pflege gezwungen?? Wohl kaum, die kommen auch freiwillig, da es sich für sie wohl irgendwie lohnt.
Und finally, JA McPflege verdient damit Geld, was auch rechtens ist und gut, oder meinst du die Caritas Sozialstation macht alles aufgrund ihres achso großen Herzen?

Schau dir einfach mal die Realitäten an, s.a. Posting von Elisabeth...

@elisabeth
So sieht es nunmal aus, da kann man nix hinzufügen...

Gruß

frido23
09.08.2007, 16:45
@ anke f
25€ sind nicht zu viel, es sind viele euronen für die Kollegen aus Osteuropa, das war die Aussage. Vergleiche mit anderen Berufsgruppen zählen nicht, die sind i.d.R. organisiert... das ist aber ein anderes Thema...

Kania
09.08.2007, 17:11
... das ost - west gefälle zeigt sich nun immer deutlicher!
es ist legitim wenn pflegende aus billiglohnländern sich hier ihr geld verdienen, die aussage nur mc. pflege würde verdienen ist falsch! immerhin bekommen die pflegenden lohn.
und auch ich würde es vorziehen -ggf- von einem unprofessionell pflegenden zuhause betreut zu werden, als im altenheim von hochspezialisierten alltenfachpflegern versorgt zu werden, - weil dann hätte ich noch die möglichkeit meinen besitz zu behalten, das wäre für mich bei den üblichen pflegesätzen sonst nicht möglich!

Elisabeth
09.08.2007, 18:05
@anke, wie hoch ist dein Lohn, dass du dir solche Rücklagen für die Pflege im Alter bilden kannst?

Bei dem von dir gewünschten Stundenlohn von 25 € müsstest du ff. berappen:
600 € pro Tag
18.000 € pro Monat
216.000 € pro Jahr
und noch nix gegessen...

Das ist nicht realistisch. Pflege muss sich langsam von ihrem Allmachtsanspruch verabschieden.

Elisabeth

Tempo
09.08.2007, 19:45
Lieber Frido!
Statements wie Deine machen mich ein wenig wütend!

WomBat
09.08.2007, 22:59
die kommen auch freiwillig, da es sich für sie wohl irgendwie lohnt.


"Freiwillig" müsste definiert werden...

Geld verdienen? Alles schön und gut. Bis auf....

Früher war Sklaverei offen, heute ist sie verdeckt bei ca. 2 Euro/Std.

WomBat

Elisabeth
10.08.2007, 09:13
Bevor du verurteilst: Stell dir vor deine Mutter wird ein Pflegfall. Sie benötigt 24- Stunden- Betreuung. Du wohnst nicht am Ort. Deine Mutter will nicht in ein Pflegeheim... was machst du? Gehst du das Risiko ein nur mit einem Pflegedienst zu arbeiten? Oder besorgst du dir nicht doch die 24 Stunden- Aufsicht?

2 € plus Kost und Logis... da kommt für die Pflegekraft ein Summe von
28 € pro Tag
840 € pro Monat raus.
Schwarzarbeit ist für sie also durchaus lohnend. Selbst wenn ich die Summe um 50% reduziere ist das unter den Heimatbedingungen der Pflegekräfte immer noch viel Geld. Wir müssen uns mal langsam davon trennen, dass die Lebenshaltungskosten überall gleich sind auf der Welt.

Mal ganz ketzerisch offtopic gefragt: wenn hat es interessiert als die Pflegekräfte in Neufünfland nach der Wende die gleiche Arbeit für weniger Geld machen durften? Da hieß es auch immer: die Lebenshaltungskosten sind ja niedriger. Hartz IV wird heute noch so bezahlt.

Elisabeth

rettungsmaus
10.08.2007, 10:48
Was mich u.a. daran interessiert ist die Frage der "Freiwilligkeit"....ich glaube nicht, dass unsere Pflegekollegen aus dem Osten "freiwillig" zig Kilometer von ihrer Heimat entfernt arbeiten. Entfernt von Familie....das ist die Globalisierung!! Nun hat sie auch die Pflege erreicht. Ist so. Leider!!! ( weil mir jeder Arbeitnehmer leid tut der einsam in ihrgend einer Stadt arbeiten und wohnen muß und eben nicht in seinem normalen Umfeld des Geldes wegen leben kann)

Wenn wir uns bei Mc Zahn die Zähne richten lassen (erneuern lassen) oder bei Doc Morris Medikamente bestellen ist das in Ordnung...aber wenn Angehörige für die Betreuung ihrer Pflegbedürftigen Pflegekräfte beschäftigen, die für Dumpingpreise eine solide Betreuung machen sind wir entsetzt?? Was ist das denn für eine Moraleinstellung?? Nur weil es jetzt unseren Beruf betrifft??
Kann Elisabeth nur recht geben.

Gruß
heike

rettungsmaus
10.08.2007, 10:54
@anke
Nehemn wir doch das Beispiel Spargelstecher. Will kein Deutscher machen deshalb machen es Osteuropäer zum billigen Lohen welcher für sie hoch ist. Die wohnen dann in Containern, billigen Absteigen usw. und zu allem Überfluss werden die noch nicht einmal gezwungen. Stell dir vor, die machen das freiwillig.

Gruß

@frido,

ist das echt dein Ernst?????:confused: Oder soll es sarkastisch gemeint sein????

Gruß
Heike

Elisabeth
10.08.2007, 11:38
Was gakubst du warum bestimmt Artikel so billig sind. Doch nicht weil sie maschinell produziert werden. Wir sind nun mal die Generation: Geiz ist geil. Wer kauft hier zu fairen Preisen ALLES für den Beadrf ein. Bitte mal auf dem Teppich bleiben.

Ein Aufschrei ging durch die Republik als es um die Preiserhöhung der Butter von 0,89 € auf 1,19€ ging. Viele kannten den alten Preis nicht mal und hatten nicht mal bemerkt, dass die Milch schon vor Wochen um einige Cent angestiegen ist.

Der Markt wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Das ist ein Grundgesetz unserer Gesellschaftsordnung und auch die Pflege kann dies nicht außer Kraft setzen.

Elisabeth

fridolin
10.08.2007, 15:12
@Elisabeth,
Zitat: ..."Mir ist die Autonomie so wichtig"...

Wenn Dir Autonomie soooooo wichtig ist, dann frage ich mich, warum Du an anderer Stelle die "Zwangsvereinigung unter Geldabgabe" aller armen Pflegenden möchtest???
Ist das nicht ein großer Widerspruch?
Viele liebe Grüße
fridolin

pflegerli
10.08.2007, 15:31
Ihr könnt euch alle wieder etwas abregen...
McPflege hat das Handtuch geworfen (http://www.welt.de/politik/article1095870/McPflege_ist_schon_wieder_eingestellt.html) , ist auch schon wieder offline (http://www.mcpflege.de/).

Fazit: manchmal bewegt man doch etwas, wenn man nur laut genug aufschreit.

Gruß pflegerli

Elisabeth
10.08.2007, 16:00
@Elisabeth,
Zitat: ..."Mir ist die Autonomie so wichtig"...

Wenn Dir Autonomie soooooo wichtig ist, dann frage ich mich, warum Du an anderer Stelle die "Zwangsvereinigung unter Geldabgabe" aller armen Pflegenden möchtest???
Ist das nicht ein großer Widerspruch?
Viele liebe Grüße
fridolin


*ggg* Da besteht für mich schon ein Unterschied ob ich mich einer Gemeinschaft anschließe die sich für meine Berufsinteressen einsetzt... oder ob ich meine gesamte Privatsphäre aufgeben muss. Beruf und Privat ist für mich ein Unterschied.

Die Pflichtmitgliedschaft macht dir ganz schön zu schaffen, was? Du hast doch auch hier die Wahl. Man muss halt die Konsequenzen entsprechend auch mittragen.


@pflegerli- warten wir es ab. Wie willst du den Bedarf nach bezahlbarer 24 stunden- Pflege bestreiten. erst kürzlich haben wir festgestellt, dass sich die Ausgaben in den nächsten explosionsartig erhöhen werden... die Einnahmen das aber nicht abdecken werden können.

Elisabeth

Randbayer
10.08.2007, 18:28
Das Thema hat sich bereits erledigt.

Braucht Deutschland Billig-Pfleger?
"Projekt beendet, Diskussion angestoßen"

Der wegen seiner Discount-Preise umstrittene Dienstleister McPflege aus Bremen hat zehn Tage nach Geschäftsbeginn seinen Betrieb bereits wieder eingestellt. "Projekt beendet, gesellschaftspolitische Diskussion um die Pflegesituation in Deutschland angestoßen", hieß es zunächst nur auf der Homepage von McPflege. Ein ausführlicheres Statement begründete den Rückzug der Firma später mit den "vielen negativen Reaktion". Die Firmengründer, Marketing-Professor Norbert Meiners und sein Partner Alwin Teiken, äußerten sich nicht persönlich. ... mehr (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID7271920_REF1,00.html)

Quelle: tagesschau.de (10.08.2007) (http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID7271920_REF1,00.html)

Gruß der "erholte" Randbayer :D

pflegerli
10.08.2007, 18:35
@pflegerli- warten wir es ab. Wie willst du den Bedarf nach bezahlbarer 24 stunden- Pflege bestreiten.

Jedenfalls nicht mit 2Euro/h. Es kann nicht sein, dass das Lohnniveau so starkt abgesenkt wird. Damit kann man in diesem Land nicht leben. Das ist nichts anderes, als moderne Sklavenhalterei.
Und: man sollte sich auch mal vor Augen halten, was das für Polen usw.. bedeutet. Wenn massenhaft polnische Pflegekräfte als billige Arbeitskräfte ins Land geholt werden, fehlen diese für die Betreuung Pflegebedürftiger/Kranker in Polen. Wie soll diese Lücke gefüllt werden?

Es ist mir schon klar, dass das keine Antwort auf die drängenden Fragen der künftigen Finanzierung des Gesundheitssystems ist.
Aber einfach mal den Lohn auf nahe Null zu reduzieren, erscheint mir doch als Antwort auch etwas naiv.
Wer diese Büchse der Pandora öffnet, braucht sich über die Plagen nicht zu wundern. Die 24h-Betreuung ist dann erst der Anfang, so nach und nach würde sich dieses Lohnniveau auf weitere Bereiche ausdehnen, dann lässt es sich aber in diesem Land mit diesen Jobs nicht mehr leben, geschweige denn, eine Familie gründen. Das kann doch niemand ernsthaft wollen?

..die endgültige, alles regelnde Antwort schuldig bleibend,...
Gruß pflegerli

Elisabeth
10.08.2007, 20:13
Freie Kost und Logis und dann noch 500-800 € cash... das finde ich nicht zu wenig.

Die 24h-Betreuung ist dann erst der Anfang, so nach und nach würde sich dieses Lohnniveau auf weitere Bereiche ausdehnen, dann lässt es sich aber in diesem Land mit diesen Jobs nicht mehr leben, geschweige denn, eine Familie gründen.

Das läßt mich nur müde lächeln. Ich gehöre zu den 17 Mill. Deutschen die leider das Pech haben auf der falschen Seite der innerdeutschen Grenze zu wohnen. Das Lohndumping ist bei uns schon seit der Wende an der Tagesordnung... unterstützt von dem Rest der Deutschen, Argument stets: die Lebenshaltungskosten sind halt niedriger. Da fällt niemandem ein sich zu echauffieren.

Oder schauen wir auf die beliebte Arbeitsbeschäftigung für: sage und schreibe nur 1 €. Das wird als normal angesehen. Schließlich bekommt der Bürger ja noch zusätzliche Stütze.

Ob wir es wollen oder nicht- diese Gesellschaftsordnung orientiert sich nach dem Profit. Das Feigenblattmäntelchen "soziale Marktwirtschaft" kann nur solange funktionieren wie die Ressourcen da sind. Und diese schwinden in den nächsten Jahren rapide.

Elisabeth

pflegerli
10.08.2007, 21:08
Freie Kost und Logis und dann noch 500-800 € cash... das finde ich nicht zu wenig.

... und das 24h am Tag, keine Freizeit, kein Privatleben, kein eigenes Familienleben. Wenn du das gut findest, bitte, dann ist ja alles in Ordnung.
Ich für meinen Teil nenne das Sklaverei.

Gruß pflegerli

Elisabeth
10.08.2007, 21:46
... und das 24h am Tag, keine Freizeit, kein Privatleben, kein eigenes Familienleben.

Das frag mal die Leute, die für einen Arbeitsplatz die Woche unterwegs sind weit weg von der Familie, irgendwo z.T. campieren, ihre Familie nur am Wochenende besuchen, wenns optimal läuft... und das alles für ein wenige Euronen mehr als Hartz IV einbingen würde.

Die Welt ist nicht so sozial, wie wir es gerne hätten. Diesen Wunschtraum haben schon viele geträumt- wahr wurde er nie. Du nennst es Sklavenhaltertum- ich nenne es ganz einfach der Preis den diese Gesellschaftsordnung fordert. Wenn der eine alles billig haben will- dann muss es auf der anderen Seite Menschen geben, die dies ermöglichen. Diese Ordnung kann ich nicht verändern. Ich habe sie nicht gewollt- aber es ist nun mal so. Jeder ist sich selbst der Nächste- das lehrt die Erfahrung.

Elisabeth

pflegerli
10.08.2007, 22:00
Eine Stellungnahme des bpa dazu:
Rechtliches Konstrukt von Discount-
Pflegeanboten ist reine Augenwischerei

bpa: Discount-Pflegeangebote sind moderne Sklaverei

Zwei Euro Stundenlohn, 24-Stunden-Betreuung, angeblich legal – damit wirbt
momentan ein neuer Billiganbieter aus Bremen, der mit osteuropäischem Personal
Betreuungsleistungen für Pflegebedürftige anbieten will. „Für uns ist das
moderne Sklaverei. Bei deutschen Arbeitsverhältnissen gilt ein Stundenlohn
von 2 € für Pflegekräfte als sittenwidrig, da dieser Lohn deutlich unter
den ortsüblichen Durchschnittslöhnen liegt und rechtlich nicht zulässig ist.
Auch das rechtliche Konstrukt solcher Agenturen halten wir für reine Augenwischerei“,
kommentiert Bernd Tews, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbandes
privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa).
„Gefährlich für die Pflegebedürftigen wird es, wenn ihnen Vermittler vorgaukeln,
nach der EU-Dienstleistungsrichtlinie sei alles legal“, erklärt der
bpa-Geschäftsführer. „Da wird der Eindruck erweckt, die osteuropäischen
Kräfte dürften 24 Stunden am Tag arbeiten. Selbst nach z. B. polnischem
Recht sind allerdings nur 48 Stunden in der Woche erlaubt.
Weiterhin dürfen die hier Beschäftigten Arbeitsanweisungen nur von ihrem
offiziellen Arbeitgeber, dem osteuropäischen Pflegedienst, annehmen, nicht
von den betroffenen Pflegebedürftigen. Werden Arbeitsinhalt und Ort sowie
Zeit von den Pflegebedürftigen vor Ort bestimmt, wird in aller Regel von
einer Scheinselbstständigkeit ausgegangen.
Die Konsequenz bei nachgewiesener Scheinselbständigkeit: Die Pflegebedürftigen
gelten als eigentliche Arbeitgeber, müssen Beiträge und Abgaben
nachzahlen und mit erheblichen Geld- bis Gefängnisstrafen
rechnen.“
Das Arbeitsministerium prüft inzwischen laut einem aktuellen Zeitungsbericht, wie
weit das McPflege-Geschäftskonzept rechtens ist. Die Dienstleistungsfreiheit
gelte nur für „vorübergehende und gelegentliche Tätigkeiten“. Dauerhafte Geschäfte,
wie McPflege sie offenbar anstrebe, fielen nicht darunter, zitiert das Blatt
einen Vermerk des Ministeriums.
„Wir stellen uns der Konkurrenz“, so Ralf Holz, Pflegedienstbetreiber aus
Bremerhaven und stellvertretender bpa-Landesgruppenvorsitzender. „Aber die
muss dann auch den gleichen gesetzlichen Bedingungen unterliegen. Pflegeeinrichtungen
beschäftigen sozialversicherte Arbeitnehmer, erfüllen Qualitätsanforderungen,
zahlen Steuern und halten sich an die Arbeits- und
sonstigen Rechtsvorschriften. Wer das tut, kann Pflege nicht für 2 € anbieten.“
Es gehe meist auch anders, sagt Holz. „Unserer Erfahrung nach ist durch den
Einsatz von Notrufsystemen und einen Mix von unterschiedlichen Pflegeund
Pflegefachkräften eine individuelle Pflege zu vertretbaren Kosten im
notwendigen Umfang für Pflegedienste jederzeit möglich“, erklärt er. „Hierzu
gehört selbstverständlich auch eine umfassende und individuelle Beratung.“
Quelle (http://www.bpa.de/upload/public/doc/4307_mcpflege.pdf)

Anke F.
11.08.2007, 11:49
Elisabeth in einem gebe ich dir recht, die KollegInnen in den neuen Bundesländern werden ebenso ausgebeutet, deswegen können wir aber nicht hingehen und sagen, da gibt es welche, die können wir noch besser ausnutzen, für unseren Wohlstand. Denn die Leute die davon profitieren sind bestimmt nicht die Pflegebdürftigen mit Rente am Sozailhilfeniveau ,sondern die, die schon immer auf der Sonnenseite gestanden haben.
Klar lässt sich eine Familie in Osteuropa so mit 800€ gut unterstützen, aber warum sollte die Pflegekraft nicht genauso gut bezahlt werden wie unsereins.
Erschrecken tut mich hier der Zynismus mit dem hier über Menschen geredet wird, die aus ihrer Not heraus alles tun würden, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen.
Mich widert diese Form von Ausbeutung jedenfalls an, gerade weil auch hier besonders wieder Frauen betroffen sind, die sich in einer Abhängigkeit befinden.
LG Anke

Elisabeth
11.08.2007, 12:29
Also teilen wir die Menschen nach Graden ein. Der Ossi wird ja ein wenig ausgebeutet... aber das ist nicht so schlimm wie die Ausbeutung eines z.B. Polen. Wieso?
These: es liegt daran, dass ich mich ruhig über die Ausbeutung eines Fremdarbeiters aufregen kann- Es berührt mich nicht aktiv- es ist fern. Wenn ich mich für eine Gleichbezahlung der Ossis einsetzen würde, dann muss ich damit rechnen, dass ich etwas von meinem Lohn abgeben muss.
Stichwort: Solidarbeitrag.

Nochmal zu der Entlohnung: es handelt sich um ca. 500 € Reingewinn. Ich habe keine Ausgaben für den Lebensunterhalt. Das finde ich nicht wenig.

Übrigens gibts noch eine Gruppe weltweit, die unter ähnlichen Bedingungen arbeitet. Nur werden hier keine alten Menschen betreut- sondern Kinder. Da regt sich eigenartigerweise keiner auf.

Was bringt uns hier eigentlich so in Rage? Ist es wirklich die Entlohnung? Oder ist es nicht die diffuse Gefahr, die da lauert- es werden unsere Arbeitsplätze vakant. Aber sind sie das wirklich?

Welche Pflegebereiche können und wollen wir zukünftig zu welchem Preis abdecken? Es wird allerhöchste Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Was unterscheidet Pflege von Professioneller Pflege? Welche Vorbehaltsaufgaben und Qualifizierungsprofile soll es geben? ... Und da sind wir wieder bei der Kammer, dem Pflichtbeitritt usw..

Kein Gasinstallateur muss sich Gedanken machen- der Herd kann und DARF nur von ihm angeschlossen werden. Und diese Leistung hat seinen Preis und es wird eine Garantie für die Leistung gegeben. Der Kunde weiß, worauf er sich einläßt wenn ihm die Fachkompetenz zu teuer ist.
Genau dieses denken fehlt bezüglich der Pflege: Pflegen kann jeder.

Elisabeth

frido23
13.08.2007, 08:55
Elisabeth in einem gebe ich dir recht, die KollegInnen in den neuen Bundesländern werden ebenso ausgebeutet, deswegen können wir aber nicht hingehen und sagen, da gibt es welche, die können wir noch besser ausnutzen, für unseren Wohlstand. Denn die Leute die davon profitieren sind bestimmt nicht die Pflegebdürftigen mit Rente am Sozailhilfeniveau ,sondern die, die schon immer auf der Sonnenseite gestanden haben.
Klar lässt sich eine Familie in Osteuropa so mit 800€ gut unterstützen, aber warum sollte die Pflegekraft nicht genauso gut bezahlt werden wie unsereins.
Erschrecken tut mich hier der Zynismus mit dem hier über Menschen geredet wird, die aus ihrer Not heraus alles tun würden, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen.
Mich widert diese Form von Ausbeutung jedenfalls an, gerade weil auch hier besonders wieder Frauen betroffen sind, die sich in einer Abhängigkeit befinden.
LG Anke

Zynisch ist es wohle eher unter dem Deckmatel des "Gutmenschentums" solche Aussagen zu treffen... Es geht doch nur darum das du Angst hast um deinen Job, vielleicht nur unterschwellig, aber immerhin.

Machst du dir auch solche Gedanken wenn du dir z. B. einen Fernseher bei "Geiz mich geil" oder ähnlichen Läden kaufst?? Denkst du darüber nach das Leute den es weitaus schlechter geht die Dinger zusammenschrauben??

Das ist doch Scheinheiligkeit erster Güte wenn du hier über die Ausbeutung der Pflegekräfte redest und vor allem der Frauen. Lächerlich wenn man bedenkt das diese gar nicht ausgebeutet werden. Ich glaube nicht das die das genauso sehen wie du.

Gruß